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Altroßgärter Kirche

Altroßgärter Kirche

Die erste kleine Kirche, die hier (an der Kreuzung der Nertschinskaja-Straße und der Straße des 9. April) 1623 errichtet worden war, beschloss man bald durch einen Neubau zu erweitern, und 1651 wurde der Grundstein gelegt. Koordinaten der Kirche: 54.716354, 20.524586.

Der Bau zog sich recht lange hin, doch 1681 (nach anderen Angaben 1683) wurde sie geweiht. Es war ein Backsteinbau mit einem quadratischen sechsgeschossigen Turm im Westen, der 1693 vollständig fertiggestellt wurde. Im Süden eine Vorhalle mit einem schönen gotischen Giebel. Im Norden eine Sakristei mit Gruft. Die Spitzbogenfenster lagen in rechteckigen Nischen. Der Ostgiebel hatte sechs schmale Blendfenster. Im Inneren war die Kirche dreischiffig, unterteilt durch leichte achteckige Säulen. Die Seitenschiffe hatten Emporen. Die Decken waren hölzern und gewölbt, unter dem Putz befand sich eine Bemalung von 1624–1680. Das Innere schmückten Bildnisse von Pfarrern des 17.–18. Jahrhunderts und recht schlichte Epitaphe aus derselben Zeit.


Altar der Altroßgärter Kirche

Der Altar wurde 1677 geweiht. In seiner Mitte befand sich das Gemälde „Christus im Garten Gethsemane“.

Innenraum der Roßgärter Kirche

Die reich verzierte Kanzel entstand 1666. Eine schöne Orgel von 1747, ein Werk Adam Casparinis. Die Kirche besaß drei Glocken, von denen eine 1694 gegossen worden war.

Orgel der Altroßgärter Kirche

Die Orgel der Altroßgärter Kirche.

Infolge der Kampfhandlungen im April 1945 wurde die Kirche teilweise beschädigt. Danach wurde sie sogar noch irgendwie genutzt. Doch schon Anfang der 60er-Jahre war sie nur noch ein Kasten aus recht gut erhaltenen Mauern. Vorhalle und Sakristei wurden abgetragen. Der Turm blieb bis zum fünften Geschoss erhalten. Dann wurde er bis zum dritten Geschoss abgetragen, und 1968 wurden die Überreste der Kirche endgültig abgerissen.



Foto: Bildarchiv Ostpreußen bildarchiv-ostpreussen.de, Anton Ulbrich «Geschichte der Bildhauerkunst in Ostpreussen».



In den 1950er-Jahren veröffentlichte die im niedersächsischen Göttingen erscheinende Zeitung der ostpreußischen Heimatvertriebenen „Ostpreussen-Warte“ eine Reihe von Beiträgen des ehemaligen Königsberger Arztes und passionierten Heimatforschers Herbert Mühlpfordt unter dem Titel „Königsberger Winkel“. Einige davon sind übersetzt und auf unserer Website zugänglich, andere warten noch auf ihre Zeit. Im Folgenden bieten wir Ihnen seine Erzählung über die Altroßgärter Kirche und ihre Umgebung.

Der Altroßgärter Kirchhof

Wie der Name Roßgarten verrät, weideten hier die Pferde der Löbenichter Bürger. Später wurde der hiesige Weg bebaut, der vom Kreuztor am „Blauen Krug“ vorbei durch das Samland und über die Kurische Nehrung nach Riga führte. Herzog Albrecht siedelte hier unter anderem holländische Siedler an, die um ihres Glaubens willen aus ihrer Heimat vertrieben worden waren. So wuchs diese stille Vorstadt des Löbenicht allmählich, und es wurden Pläne für den Bau einer kleinen Kirche für die Roßgärter geschmiedet. Doch der Löbenicht war keine reiche Stadt, und lange Zeit mussten sich die frommen Gemeindeglieder hier mit einer kleinen hölzernen Kapelle begnügen.

Doch 1651 war endlich die Zeit gekommen, mit dem Kirchenbau zu beginnen. Um die Gottesdienste nicht zu unterbrechen, wurde die Kirche direkt um jene Holzkapelle herum gebaut. Diese wurde erst 1683 abgerissen, als nach 32 Jahren Bauzeit die neue dreischiffige Kirche fertiggestellt war, die auf 18 Säulen ruhte und von einem flachen hölzernen Gewölbe überdeckt war.

Der Turm blieb unvollendet und wurde „vorläufig“ mit einem Zeltdach abgedeckt.

Neben dem zweiten östlichen Fenster der Südfassade, an der Altroßgärter Kirchstraße, nahe dem Hintereingang, waren drei Ziegel sorgfältig in die Wand eingemauert. Die Legende besagt, der Kostenvoranschlag sei so genau berechnet gewesen, dass diese drei Ziegel das Einzige waren, was nach dem Bau übrig blieb. Wir dürfen diese Geschichte für bare Münze nehmen, denn die Roßgärter Gemeinde war zwar groß, aber arm wie eine Kirchenmaus. Kein Wunder, dass die hiesigen Pfarrer den Bauleuten genau auf die Finger schauten!


Altroßgärter Kirche

Selbst um 1900 musste die äußerst arme Gemeinde in ihren beiden barocken Beichtstühlen Geld von den Gemeindegliedern sammeln, um den Abendmahlswein und die Oblaten bezahlen zu können!

Im Inneren der Altroßgärter Kirche


Mancher mag sich fragen, wie Beichtstühle in protestantische Kirchen gelangten, zumal in solche wie die Altroßgärter Kirche, die in protestantischer Zeit erbaut wurde. Das erklärt sich dadurch, dass auch in protestantischen Kirchen noch lange, bis ins 18. Jahrhundert hinein, die Beichte abgenommen wurde.

Im Inneren konnte sich die Kirche einer prächtigen barocken Ausstattung rühmen: einer von einem Engel getragenen Kanzel von 1666 mit schöner Tür und Schalldeckel; eines Altars von 1672; einer Orgel, über deren Brüstung ein Kranz reizender Cherubim zu schweben schien; und einer Taufe von 1692 mit herrlichem Schnitzwerk.

Der Kirchhof mit seinen schönen alten Bäumen wurde zu einem schattigen Spielplatz für Kinder und einem Ruheplatz für die Alten – wahrhaft ein idyllischer Winkel Königsbergs. Hier konnte man stundenlang sitzen, an vergangene Zeiten denken und über das Schicksal zweier Liebender nachsinnen, deren gemeinsames Grab von zwei Bäumen geschmückt war, die so ineinander verschlungen waren, wie sich nur Liebende umarmen. Diese Geschichte erzählte der Satiriker Theodor Gottlieb von Hippel (1741–1796), von Amts wegen Bürgermeister von Königsberg.

Doch als ich erwachsen wurde, waren diese Bäume längst verschwunden – jede Liebe erlischt am Ende.

Oder man konnte nachdenklich dem Plätschern und Rauschen des Brunnens lauschen, der in alten Zeiten – die Legende verrät nicht genau, wann – den Pfarrgarten an der Ostmauer der Kirche schmückte. Er gehörte der Witwe Dorothea Gnadcowius. Das Quellwasser besaß Wunderkraft – es ging die Kunde, es heile Frauen von Unfruchtbarkeit. Heilungsuchende kamen von überall her. Irgendwann gab der Dämon der Habgier der Witwe den Gedanken ein, Geld „zur Auffüllung der Heilwasservorräte“ zu verlangen, und von diesem Augenblick an versiegte der Wunderbrunnen.

Selbst die Gräber bewahren alte Geschichten: Hier befindet sich das Grab des Apothekers Carl Gottfried Hagen (1749–1829), des Besitzers der schönen barocken Hofapotheke in der Junkerstraße, die 1913 so achtlos abgerissen wurde. Der berühmte Apotheker lebte von 1749 bis 1829 in jenem Gebäude und war das bekannteste Mitglied der Apothekerfamilie Hagen. Er war Doktor der Medizin und der Philosophie. Professor für Chemie und Physik an der Albertina, Begründer der wissenschaftlichen Pharmazie. Ihren Botanischen Garten verdankt die Universität seinen Bemühungen. Ein Medaillon mit seinem Bildnis schmückte die Fassade der Neuen Albertina am Paradeplatz, sein Grab dagegen ein massiver Granitwürfel mit vier klassizistischen Urnen an den unteren Ecken.


Panorama von KönigsbergDie Altroßgärter Kirche (rechts) auf einem Panorama von Königsberg aus dem Jahr 1855.

Hier wurde auch sein Sohn begraben, Ernst August von Hagen (1797–1880), Kunsthistoriker und Begründer der Zeitschrift „Preußen“.

Tür zur Gruft der Familie Bekenstein

Schmiedeeiserne Rokokotüren der Familiengruft Bekenstein.

Das schmiedeeiserne Ziergitter des Oberlichts enthält: JGB (die Initialen des Auftraggebers), 1784 (das Jahr, in dem Johann Michael Sommer es schmiedete), eine Sanduhr (in der Mitte) und zwei Sensen (Symbole der Vergänglichkeit alles Irdischen).


Hier lagen die Gräber des Historikers Johannes Voigt (1786–1863), des klassischen Philologen und Altertumsforschers Christian August Lobeck (1781–1860) sowie des Direktors des Friedrichskollegiums Friedrich August Gotthold (1778–1850).

An der Nordseite der Kirche befand sich die Familiengrabstätte des Stadtrats Johann Gottfried Bekenstein. Sie wurde durch eine Rokokotür verschlossen (siehe oben), die 1784 der verstorbene Königsberger Schlossermeister Johann Michael Sommer (1737–1787) angefertigt hatte, dessen Rosen, Blattranken und Weintrauben nicht nur von herausragender Kunstfertigkeit, sondern auch von ungewöhnlichem Einfallsreichtum zeugten.

Welche Höhen konnten einfache Handwerksmeister früherer Zeiten erreichen!

Sommer war sich seines außergewöhnlichen Talents gewiss bewusst. Warum sonst hätte er seine Signatur in die Tür eingraviert: Fecit J. M. Sommer, March 2, 1785?

Ach, auch dieser stille Winkel Königsbergs ist verschwunden. Im Zweiten Weltkrieg wurde hier ein Bunker gebaut, und in der allerersten Bombennacht, vom 26. auf den 27. August 1944, verwandelten die Briten den Roßgarten mitsamt der Kirche in Trümmer. Noch ahnungslos, welch furchtbare Zerstörungen die drei folgenden Tage über Königsberg bringen würden, blickte ich traurig auf die zerbrechlichen Barockengel, die so lange um die Orgel geflattert waren. Nun lagen sie zerschmettert zwischen eingestürzten Balken auf dem Boden des Kirchenschiffs.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.