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Unsere Stadt in 100 Jahren

Unsere Stadt in 100 Jahren

Weder Wilhelm noch Bismarck – weder Frieden noch Krieg! Blick auf das wiederaufgebaute Schloss von der Kantstraße aus.

Am vergangenen Samstag, dem 25. April, hatte ich im Rahmen des Festivals „80 Geschichten über das Wichtigste“ die Ehre, im Konferenzsaal des Kaliningrader Gebietsmuseums für Geschichte und Kunst darüber zu sprechen, wie ich mir Kaliningrad in 100 Jahren vorstelle. Die wichtigsten Thesen möchte ich gern mit den Lesern dieser Website teilen.

Es dürfte schwerfallen, in der Region Kaliningrad jemanden zu finden, der sich für das architektonische Erscheinungsbild der Gebietshauptstadt interessiert und noch nie von unserem Projekt zur Wiederherstellung des historischen Zentrums gehört hat. Wir arbeiten seit mehr als zwanzig Jahren daran. Heute will ich erneut versuchen, all jene, denen unsere Ideen nicht zeitgemäß erscheinen, davon zu überzeugen, dass man nur dann zuversichtlich in die Zukunft blicken kann, wenn man der Vergangenheit Respekt zollt. Für Kaliningrad bedeutet das: Ein zentraler Bestandteil der Stadtentwicklungsstrategie muss ein Handlungsplan zur Wiederherstellung des historischen Zentrums sein, das im Zweiten Weltkrieg schwerer getroffen wurde als jeder andere Stadtteil. Bekanntlich ist das betreffende Areal heute unbebaut – und das eröffnet uns ein Fenster der Möglichkeiten. Von den architektonischen Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, hängt in hohem Maße ab, welches Schicksal unsere Stadt erwartet – ein glückliches oder nicht. Jeder von uns wünscht seiner geliebten Stadt auf seine Weise Glück, und die meisten haben verstanden: Wer weiterhin so tut, als hätte Kaliningrad keine Vergangenheit, verurteilt die Stadt dazu, so unscheinbar und gesichtslos zu bleiben, wie sie es heute leider ist. Wir wollen das Gegenteil: dass die Stadt ihr unverwechselbares Gesicht zurückgewinnt, das sie über Jahrhunderte berühmt gemacht hat.

Das historische Zentrum

Vorweg: Ich halte unverändert an der Überzeugung fest, dass das Königsberger Schloss wiedererrichtet werden muss – jenes Schloss, um das herum hier einst alles begann. Die Erfahrung unzähliger Städte lässt keinen Zweifel: Eine markante architektonische Dominante im historischen Zentrum, umrankt von Legenden und Geheimnissen, die von den ruhmreichen wie von den dunklen Kapiteln der Geschichte gleichermaßen erzählt, ist ein unverzichtbarer Baustein für die erfolgreiche Entwicklung des Umlands im Umkreis von Hunderten Kilometern.

Ein eindrucksvolles, unverwechselbares Stadtbild wird sich positiv auf die touristische Attraktivität Kaliningrads, auf das Investitionsklima und letztlich auf die Lebensqualität der Menschen in der gesamten Region auswirken.

Die gelegentlich in der lokalen Presse auftauchenden Behauptungen, ein Wiederaufbau des Schlosses sei finanziell und ideologisch nicht vertretbar, halte ich für wenig überzeugend. Der gesunde Menschenverstand muss sich gegen die spekulativen Äußerungen derer durchsetzen, die selbst nicht am wirtschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt und der Region teilhaben, uns aber Knüppel zwischen die Beine werfen.

Die verbrecherische Herrschaft der Nationalsozialisten, die in den 1930er-Jahren begann und den Namen des Schlosses in Verruf brachte, währte kaum mehr als zehn Jahre – ein Wimpernschlag angesichts der jahrhundertelangen Geschichte Königsbergs. In den 1940er-Jahren wurde der deutsche Faschismus unter entsetzlichen Opfern niedergerungen und sein gesamtes Erbe gnadenlos auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen. Bedauerlich nur, dass dem Zorn des Siegervolkes auch vieles zum Opfer fiel, was zu bewahren sich gelohnt hätte.

Architektonische Dominanten des historischen Zentrums

In siebenhundert Jahren christlicher Geschichte sind in der Stadt zahlreiche einzigartige Baudenkmäler entstanden, die es zumindest verdienen, dass man ihrer in Ehren gedenkt. Aus unserer Sicht, die ein erheblicher Teil der Bürgerschaft und der Fachwelt teilt, sind einige von ihnen eines Wiederaufbaus würdig.

Architektonische DominantenArchitektonische Dominanten des historischen Zentrums zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Dazu zählen wir neben dem Schloss: das Neue Universitätsgebäude am Paradeplatz, das zwar erhalten, aber bis zur Unkenntlichkeit vereinfacht wurde, die Rathäuser von Altstadt und Kneiphof, die Hauptpost, das Löbenichtsche Gymnasium, die Kneiphöfsche Langgasse, die Französische Straße und den Steindamm, den Altstädtischen Markt, den Fischmarkt und den Krautmarkt, die Altstädtische, die Löbenichtsche und die Steindammer Kirche, alle historischen Brücken zum Kneiphof (der heutigen Kant-Insel) sowie die Ensembles von Münzplatz und Domplatz. Hinzu kommt, dass gute Chancen bestehen, die interessantesten Gebäude der ehemaligen Königstraße (heute Frunse-Straße) und am Rechten Ufer wiederherzustellen – gemeint sind die Mühle und der Getreidespeicher. Diese Liste mag zu lang oder auch unvollständig sein. Schöne Bauwerke leben ewig: Selbst wenn es nicht gelingt, sie zu erhalten, studieren wir an ihnen weiterhin die Geschichte der Baukunst. Beim Wiederaufbau architektonischer Meisterwerke erhält eine neue Architektengeneration die Gelegenheit, Geschichte buchstäblich mit eigenen Händen zu berühren.

Wie ein Phönix aus der Asche

Das historische Stadtzentrum, das Mitte des 20. Jahrhunderts zum unschuldigen Opfer eines Krieges wurde, muss und wird in gewissem Umfang wieder zum Leben erweckt werden. Das ist nur eine Frage der Zeit. Genau dieser Baustein fehlt Kaliningrad ganz offensichtlich! Davon sind wir überzeugt – und wir haben ein bis ins kleinste Detail ausgearbeitetes Projekt in der Hand. Falls jemand alternative Vorschläge hat, würden wir sie sehr gern sehen, um zu verstehen, worum es geht, und um sie vergleichen, diskutieren und gemeinsam das Beste auswählen zu können.

Natürlich kann man es nicht allen recht machen, doch zur Beilegung stilistischer Meinungsverschiedenheiten gibt es im Städtebau seit Langem ein bewährtes Mittel: die Zonierung. Ein Teil der Stadt soll wieder so aussehen, wie wir ihn von alten Fotografien kennen (die aus irgendeinem Grund bis heute Touristen dazu bewegen, nach Kaliningrad zu reisen), während ein anderer – aus Glas und Beton – in die Zukunft und in die Höhe strebt. Sollen doch auf der Oktoberinsel (auf ihrem Hauptteil östlich der Zweiten Estakadny-Brücke), in Selma, im Wohngebiet Wostotschny und auf einigen Flächen am Südufer des Pregels die modernsten, atemberaubenden Wolkenkratzer entstehen – wir haben nichts dagegen.

Moskau ist ein anschauliches Beispiel: Es gibt den Kreml mit der ihn umgebenden historischen Bebauung, und es gibt die Moskau City, wo zeitgenössische Architekten ganz Russland mit immer kühneren Projekten verblüffen und einander an Originalität zu übertreffen suchen – dazu eine Vielzahl ganz unterschiedlicher weiterer Stadtteile.

Und Moskau wächst zur allgemeinen Zufriedenheit weiter, indem es angrenzende Gebiete eingemeindet, die von ihrem neuen Status nur profitieren. Auch in Kaliningrad sollen die Menschen die Wahl haben, wo sie wohnen und arbeiten. Ich erfinde hier das Rad nicht neu – so lebt die ganze Welt, und Kaliningrad ist keine Ausnahme. Überall gibt es Neuerer und Bewahrer, Menschen, die nach Neuem dürsten, und solche, die einen bewährten Stil bevorzugen. Beide sollen sich bei uns wohlfühlen. Wir schlagen nicht vor, die Gestaltungsvorschriften des historischen Zentrums auf die gesamte Stadt auszudehnen.

Vielleicht muss man das nicht eigens betonen, aber ich sage es zum ersten Mal öffentlich: Ein von unseren Händen aus örtlichen Materialien und mit modernen Technologien wiedererrichtetes Königsberger Schloss kann für die Deutschen kein sakrales Symbol werden – selbst wenn jemand das noch so sehr wollte.


Königsberger SchlossDas Königsberger Schloss mit Architekturbeleuchtung.

Ich sage das als Fachmann: Unser neues Schloss wird keine Kopie des verlorenen sein, in dem die preußischen Monarchen gekrönt wurden. Bestenfalls entsteht eine gelungene Replik, die es Kaliningrad ermöglicht, seine Einnahmen aus dem Tourismus deutlich zu steigern.

Königsberger SchlossDer Hof des Königsberger Schlosses am Abend.


Einfache Berechnungen auf Grundlage öffentlich zugänglicher Daten zeigen, dass sich der Bau des Schlosses sehr schnell amortisieren würde. Touristen lassen allein an bargeldlosen Zahlungen rund 30 Milliarden Rubel pro Jahr in unserer Region. Selbst wenn Barzahlungen nur weitere 5–10 Mrd. ausmachen, geht es um beträchtliche Summen, die Investitionen in die Tourismusbranche als sinnvoll erscheinen lassen.

Tunnel und Kanäle, Marinas und Brücken

Eines der Probleme des heutigen Kaliningrad ist, dass es vom Fluss, an dessen Ufern es einst entstanden ist, regelrecht „abgeschnitten“ ist. In dieser Frage sind wir uns mit praktisch allen engagierten Bürgern der Stadt einig: Die Verkehrsströme müssen um das historische Zentrum herumgeleitet oder unter die Erde verlegt werden.

Den Moskowski-Prospekt, der am Pregel entlangführt, wollen wir im zentralen Stadtbereich in einen rund anderthalb Kilometer langen Tunnel verlegen, damit das gemütliche Netz aus Straßen und Gassen des historischen Zentrums ungehindert vom Hotel „Kaliningrad“ bis hinunter ans Flussufer reichen kann.

Der Bau dieser Magistrale war einer der größten städtebaulichen Fehler der Sowjetzeit. Das muss man ehrlich eingestehen und sich daranmachen, ihn zu korrigieren.

Auch die Generalsanierung der Estakadny-Brücke halten wir für eine fragwürdige Entscheidung, die den unvermeidlichen Beginn der Wiederbelebung des historischen Zentrums um weitere fünfzehn bis zwanzig Jahre hinauszögert. Lärm, Staub, die aggressive Energie der vorbeirasenden Autos – all das verleiht der Stadt keinen Charme. Deshalb schlagen wir vor, auch den Leninski-Prospekt in einen Tunnel abzusenken, der ihn zur Zweiten Estakadny-Brücke führt.

Die Tunnelbautechnik hat heute ein Niveau erreicht, das früher völlig undenkbar war. Und auch hier können wir wieder auf die russische Hauptstadt blicken.


Ladengalerie im Tunnel unter dem ProspektEine Boutiquengalerie entlang der Straßenbahnlinie im Tunnel unter dem Leninski-Prospekt.

Ich schlage nicht vor, in Kaliningrad eine U-Bahn zu bauen. Aber zwei, drei Tunnel zu planen und zu bauen, die das Zentrum Kaliningrads vom Durchgangsverkehr befreien, liegt durchaus im Rahmen unserer Kräfte und Mittel.

Straßenbahn im TunnelEine Straßenbahn fährt durch den Tunnel unter dem Moskowski-Prospekt.


Bei einem Besuch in Seoul war ich verblüfft, wie weit die „unterirdische Stadt“ dort entwickelt ist. Die Tunnel selbst sind hell und im Grunde eine Fortsetzung der Straßen, deren untere Ebene. Über die gesamte Länge der unterirdischen Verkehrsadern ziehen sich bequeme Parkplätze hin, dahinter glänzen die Schaufenster von Einkaufszentren, Cafés und Restaurants. Vergessen wir nicht: In den kommenden Jahrzehnten werden Elektroautos die benzinbetriebenen „Dinosaurier“ weiter vom Markt verdrängen, und in hundert Jahren wird es höchstwahrscheinlich weder private noch öffentliche Verkehrsmittel mit Verbrennungsmotor mehr geben. (Ob dann noch Platz für den Menschen hinter dem Steuer bleibt – das ist die Frage!)

Anstelle der Estakadny-Brücke, deren Verkehr eine neue Entlastungsbrücke neben der Doppelstockbrücke übernehmen wird, schlagen wir vor, mehrere kleine, schöne Klappbrücken zu bauen. Idealerweise sollte jedes Quartier des historischen Zentrums am Flussufer seine eigene Brücke haben. Zusammen mit den vier großen Brücken werden die Pregelübergänge so den Bedürfnissen der Stadt voll und ganz gerecht.

Die Vorgängerin des Leninski-Prospekts, die Kneiphöfsche Langgasse, die uns heute die Estakadny-Brücke „ersetzt“, war eine der schönsten Straßen der Stadt.

Sollte sie eines Tages an ihren Platz zurückkehren, würde ich gern die Fassaden ihrer Häuser samt den bereits im 19. Jahrhundert verlorenen Beischlägen wiederherstellen. (Beischläge sind stattliche Vorbauten mit Treppen, die zu den deutlich über dem Gehweg gelegenen Haustüren führten. Auf Höhe der Türen befanden sich Plattformen, auf denen im Sommer Tische gedeckt wurden; dort plauderten die Hausherren gern mit den Nachbarn und empfingen Besucher. Wer die berühmte Frauengasse in Danzig kennt, weiß, wovon die Rede ist. Königsberg trennte sich 1864 von seinen Beischlägen, als die Fahrbahn der Kneiphöfschen Langgasse verbreitert wurde.)

Wer alte Stadtpläne genauer betrachtet, sieht, dass es im Zentrum früher deutlich mehr Wasser gab – Bäche, Wasserläufe, Kanäle und Teiche. Da wir an der Meeresküste leben, an der Mündung eines großen Flusses zwischen zwei Haffs, haben wir uns an den Überfluss an Wasser gewöhnt und nutzen ihn oft nicht so, wie wir es könnten.


Marinas im LaakMarinas im erneuerten Laak.

Unser Projekt sieht den Bau mehrerer Marinas im ehemaligen Stadtteil Laak vor, dessen gesamtes Ufer heute das Museum des Weltozeans einnimmt. Außerdem schlagen wir vor, den Umfassungsgraben wiederherzustellen, der in der Kaiserzeit zugeschüttet wurde und in Kaliningrad vor allem unter dem Namen Zuggraben bekannt ist.

Vorstadt mit dem ZuggrabenDer Zuggraben (links). In der Mitte die Kant-Insel (Kneiphof), rechts Altstadt und Schloss.


Er könnte auch die ehemalige Vorstadt aufwerten – den Stadtteil gegenüber dem historischen Zentrum am Südufer des Pregels, der eine grundlegende Erneuerung dringend nötig hat.

Darüber hinaus halte ich es für notwendig, noch einmal meine Sorge darüber zu äußern, welch verheerende Folgen eine durch Sturmflut verursachte Überschwemmung für die Stadt haben könnte. Ohne die nächste Naturkatastrophe abzuwarten, muss mit der Planung von Schutzbauwerken an der Pregelmündung begonnen werden – nach dem Vorbild etwa von London, wo man dieses Problem bereits gelöst hat.

Öffentlicher Nahverkehr und die Erneuerung der Innenstadt*

In den vergangenen zehn Jahren hat Kaliningrad bei der Qualität des öffentlichen Nahverkehrs einen großen Schritt nach vorn gemacht. Die längst ausgedienten Busse und Marschrutkas, die qualmten wie Dampflokomotiven, sind von den Straßen verschwunden. Gleichzeitig geschieht mit der Straßenbahn etwas nicht ganz Nachvollziehbares. An vielen Stellen wurden die Gleise endgültig abgebaut; in manchen Straßen, auch im Zentrum, muss man die Fahrbahn überqueren, um in die Straßenbahn einzusteigen. In der Tschernjachowski-Straße sind es vier Fahrspuren! Der Wagenpark wird nur langsam erneuert, die Hälfte besteht aus sehr alten Fahrzeugen.

Im historischen Zentrum sollte die Straßenbahn unserer Meinung nach zum wichtigsten öffentlichen Verkehrsmittel werden. Stellenweise ließe sie sich unter die Erde verlegen – gestützt auf die Erfahrungen von Städten, die diesen Weg bereits gegangen sind.

Alle Radialstraßen (die Tschernjachowski-, Gorki-, Newski-, Gagarin-, Dserschinski- und Suworow-Straße, den Mira-, Pobedy- und Moskowski-Prospekt sowie die Allee der Kühnen) würde ich gern in einen strategischen Plan zur Wiederherstellung des Straßenbahnnetzes aufgenommen sehen, das das Zentrum mit den Außenbezirken verbindet. Auch mit seinen nächstgelegenen Vororten sollte Kaliningrad durch Straßenbahnlinien verbunden sein. Eine Pilotstrecke könnte etwa nach Gurjewsk führen – zumal die in diese Richtung verlaufenden Straßen der Stadt (Schewtschenko-, Frunse- und Gagarin-Straße) genug Platz bieten, um Gleise parallel zur Fahrbahn zu verlegen.

Ein weiteres drängendes Problem unserer Stadt besteht darin, dass praktisch die gesamte Stadt in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hastig mit Mehrfamilienhäusern bebaut wurde, die von außen ausdruckslos und von innen selbst für anspruchslose Neusiedler wenig komfortabel waren.


Stadtraum im wiederaufgebauten historischen ZentrumDer Stadtraum im wiederaufgebauten historischen Zentrum.

Die meisten fünfgeschossigen „Chruschtschowkas“ haben ihre Lebensdauer bereits überschritten. Die robustesten halten vielleicht noch höchstens ein Vierteljahrhundert, doch früher oder später werden wir uns vom Erbe der Epoche des „entwickelten Sozialismus“ trennen müssen, um an ihrer Stelle neue Gebäude zu errichten.

Das Schloss und das Viertel nördlich davonDas Schloss und das Viertel nördlich davon bis einschließlich der Universität.


Es ist höchste Zeit, architektonische Lösungen zu erarbeiten: Wie soll das Zentrum Kaliningrads nach einer Erneuerung aussehen, die – wenn man nicht schon jetzt mit ihrer Planung beginnt – der Stadtverwaltung irgendwann ernsthaftes Kopfzerbrechen bereiten wird, nach dem Motto „Der Winter kam völlig unerwartet“? Wer die bestehenden Probleme erkennt, kann und muss rechtzeitig mit ihrer Lösung beginnen.

Im Rahmen unseres Projekts schlagen wir vor, diesen Prozess am ehemaligen Paradeplatz (heute die Uniwersitetskaja-Straße) zu beginnen und ihn zu einer Art „Versuchsgelände“ zu machen, auf dem sich organisatorische und technische Lösungen erproben lassen. Diese Erfahrungen werden später bei der unvermeidlichen Erneuerung, die lawinenartig ganze Stadtteile erfassen wird, von großem Nutzen sein. Für das Gebiet rund um das historische Zentrum muss eine eigene Gestaltungssatzung verabschiedet werden, die die Bauhöhe begrenzt und die Anforderungen an Bauunternehmen hinsichtlich des äußeren Erscheinungsbildes von Neubauten so konkret wie möglich festlegt. (Unsere Vorschläge dazu haben wir vor zwei Jahren ebenfalls hier veröffentlicht.)

Die Schönheit wird die Welt retten

Derzeit betrachten die Einheimischen das historische Zentrum Kaliningrads nicht als einen Ort, an dem sie gern ihre Freizeit verbringen würden. Überhaupt besteht unsere ganze Stadt aus Schlafvierteln unterschiedlichen Komforts und einem Handels- und Geschäftszentrum, zu dem aus allen Teilen der Stadt Radialstraßen führen. Die beiden nahezu gleichartigen alten Villenvororte Amalienau und Maraunenhof ändern daran wenig. Um ihre Parks kümmert sich die Stadt kaum. Von der Ökologie ganz zu schweigen ...

Das historische Zentrum, einst der schönste Ort der Stadt, wird kreuz und quer von Prospekten auf zwei Ebenen zerschnitten. In der Hauptstadt einer Region, die sich als bedeutendes Reiseziel positioniert, gibt es nicht einmal eine Fußgängerzone!

Das gesamte Zentrum ist mit ausdruckslosen Mehrfamilienhäusern bebaut, die schon lange weder praktisch noch ästhetisch den Anforderungen der Zeit entsprechen.

Ich lebe in der Hoffnung, dass diejenigen, von denen das Schicksal Kaliningrads abhängt, eines schönen Tages den Argumenten des architektonischen „Konsiliums“ (siehe oben) folgen werden. Die Hauptstadt einer Ferienregion an der Ostsee hat ein besseres Los verdient! Wir haben alles, was es dafür braucht; man muss nur gemeinsam eine Reihe strategischer Entscheidungen treffen – mit dem Ziel, das abgenutzte Nachkriegs-Kaliningrad, das in aller Eile all seinen neuen Bewohnern wenigstens irgendein Dach über dem Kopf verschaffen musste, in eine harmonisch wachsende moderne Stadt zu verwandeln, in der jeder einen Platz findet, der seinen kühnsten Träumen entspricht!


Das historische StadtzentrumIm Jahr 2125. Blick vom Fischmarkt in Richtung Schloss.

Eine City auf der Oktoberinsel mit einer grandiosen Filiale des Nationalen Zentrums „Russland“, das historische Zentrum, schöne Stadtteile ringsum und an den Stadträndern – lasst schon heute alle Blumen blühen, ohne dass die eine der anderen schadet!

Altstädtischer MarktDer wiederaufgebaute Altstädtische Markt im nächsten Jahrhundert.


Ich hoffe, dass wir uns in hundert Jahren einigen und für alle Streitfragen optimale Lösungen finden können. Persönlich würde ich diese lichten Zeiten allerdings gern so weit wie möglich vorziehen. Auf ein hundertjähriges Warten zu setzen, entspricht nicht unseren Grundsätzen. Wir handeln lieber hier und jetzt.

Wird unser Projekt verwirklicht, bekommen die Bewohner der Stadt etwas, das sie lieben werden, das ihnen Tag für Tag Freude schenkt und das die Grundlage für das Gefühl des Glücks bildet. Schon Kant soll gesagt haben, dass der Mensch sich durch sein Verhältnis zu etwas offenbart. Derzeit haben wir eine Leere. Oft eine sehr brüchige. Den Schatten eines Phantoms, das in der Lethe versunken ist.

Wir wollen etwas schaffen, das man liebt, mit dem man mitfühlt, auf das man stolz ist und das man bewundert.

Es wird ein Umfeld sein, das das Beste im Menschen weckt und Talente hervorbringt – eine greifbare Größe, die Herz, Seele und Verstand gleichermaßen fordert. Idealerweise auch ein Feld, auf dem man seine Kräfte entfalten kann. Es wird Fassaden geben, um die man sich gern immer wieder kümmert, Fenster, die man zu jedem Fest putzen möchte, Hauseingänge, in deren einem, so hoffe ich, eines Tages ein neuer Alexander Sergejewitsch Puschkin geboren wird, um mit seiner Lyra gute Gefühle in den Generationen zu wecken, die nach uns kommen.

Alle Illustrationen: © Arthur Sarnitz (2026)

* — Als Innenstadt wurde der Teil der Stadt innerhalb der Befestigungsmauer bezeichnet, die im 17. Jahrhundert zum ersten Wallring umgestaltet wurde. Der zweite, der den ersten ablöste, entstand Mitte des 19. Jahrhunderts.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.