Hohe Einkünfte muss man mit seinen Mitbürgern teilen, und am besten tut man das freiwillig. So lehrt es die Bibel. Offenbar aus solchen Erwägungen vermachte der erfolgreiche Weinhändler Max Aschmann 1903 der Stadt Königsberg 100 000 Mark für die Anlage eines öffentlichen Parks, dessen Grundlage das ebenfalls von ihm geschenkte Gut mit 25 ha freiem Land bilden sollte; dazu gehörte ein ausgedehnter Eichenhain von 17,5 ha im neuen nördlichen Stadtteil Maraunenhof. Das Anwesen mit dem Hain aus damals bereits ausgewachsenen Eichen ging 1904 in städtischen Besitz über. Der Stifter stellte in seinem Testament nur eine einzige Bedingung: Der Park, der seinen Namen trägt, sollte unveräußerlich sein, d. h. der Stadt gehören und niemals bebaut werden. „Wärst du ein König, so wäre hier dein Sanssouci“ (Theodor G. v. Hippel).
Im Stadtteil Kneiphof befand sich seit 1809 unter der Adresse Kneiphöfische Langgasse 27 ein großes Unternehmen – das Weinhaus Steffens und Wolter. Seine Inhaber waren von 1903 bis 1932 die Herren Aschmann. Dieses Haus war eines der schönsten im Kneiphof (die Haustür mit Schnitzereien und Intarsien im Renaissancestil wurde später im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe aufbewahrt).
Im Folgenden ein Teil des Textes aus einer Quelle von 1895 mit der Beschreibung des Hauses, das dem Weinhändler Max Aschmann gehörte – als Beispiel für den Luxus, der für den Kaufmannsstadtteil Kneiphof typisch war:
„Unter den Straßen des Kneiphofs ist die Langgasse (Langgasse) die älteste, die wichtigste Verkehrsader des Handelslebens der Stadt. Hier stehen die Häuser der reichsten Bürger. Ihre Häuser bieten jeglichen Komfort, und die Architektur wirkt sehr gediegen.
Diese behaglichen Häuser sind stolz auf ihren Luxus, in dem sich der typische Charakter des wohlhabenden Königsberg zeigt. Eines dieser Häuser, das seinen Reiz auch Ende des 19. Jahrhunderts bewahrt hat, ist das Handelshaus „Steffens und Wolter“.
Das Haus hat einen massiven, bis zu drei Meter hohen, breiten Beischlag, von dem eine Treppe mit eisernem, mit Messingkugeln verziertem Geländer zur Straße hinabführt. Vor dem Haus liegt ein Vorgarten mit eisernem Zaun. Im Sommer wurden dieser Bereich und der Beischlag mit Markisen überspannt, darunter stellte man Bänke auf, auf denen an warmen Abenden die Familienmitglieder und Gäste saßen. Die reich mit Schnitzwerk verzierten Türen waren mit einem Messingklopfer versehen. Vom Beischlag gelangte man in die Diele – einen hohen Raum mit großem Fenster, dessen Laibungen mit Steinplatten ausgelegt sind. Hier standen Schränke aus Eichen- oder Birnbaumholz, einige Stühle und ein Tisch; von hier aus führte auch der Eingang zu den Wohnräumen. Große Fenster und Glastüren machten die Räume hell. Dort gab es eine Wohnstube, Gästezimmer und den Hauptsaal, der mit hohen Fenstern auf die Straße hinausging. Die Möbel schwer, wuchtig, mit dichtem Seidendamast bezogen. Durch die Glastüren der großen Schränke war eine reiche Vielfalt an kostbarem Geschirr zu sehen.
In die oberen Stockwerke, wo sich die Schlafzimmer der Familienmitglieder und die Kammern der Dienerschaft befanden, führte eine Eichentreppe. … Die Fassaden dieser Häuser machten den Reiz der alten Straßen aus …“.
Der reiche Weinhändler schenkt der Stadt also das von ihm erworbene Gut Maraunenhof, dessen Namen das neue, angesehene Villenviertel erbte, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Königsberg entstand. Ich erlaube mir, fast vollständig die Erinnerungen unseres Landsmanns Ju. A. Gudkow wiederzugeben, die ich in der Zeitung „Strana Kaliningrad“ (5.–11. Febr. 2003) gelesen habe. Diese Sätze sind so warmherzig und poetisch, dass man über die Gartenstadt Maraunenhof kaum Besseres sagen kann. Ich möchte darauf hinweisen, dass der Verfasser dieser Zeilen in den fünfziger Jahren in Kaliningrad geboren wurde, folglich hat er dies noch in den sechziger Jahren gesehen …
„Adrette Häuschen wie auf einem Bild in schmucken Reihen. Grüne Vorgärten. Straßen ohne Schlaglöcher und Buckel … Niedrige Hecken markieren die Grenzen der Gärten und Vorgärten. Geschnittene Büsche mit weißen Kügelchen, cremefarben schöne Teerosen umarmen den Lattenzaun. Leuchtend scharlachrote, dunkelrote Flammen der Kletterrosen entlang der Zäune locken den Blick. Wein an den Wänden gelber Häuser. Eine Lärche an der Gartenpforte. Ein Haselstrauch mit dunkelroten Blättern. Zwei himmelhohe Fichten mit Zapfen an den Wipfeln. Eine Hecke aus Säulen-Thuja … Geschnittene Ulmen auf dem Weg zur Schule. Der Honigduft der Linden mit dem Summen der Bienen …“ (weiter im Text wird, meiner Ansicht nach, der Max-Aschmann-Park beschrieben). „Ein Feuerlöschteich mit handtellergroßen Karauschen, im Frühjahr Fahren auf Eisschollen.

Der Max-Aschmann-Park auf dem Stadtplan von Königsberg (Stadtgärtnerei – heute der Botanische Garten der BFU).
Ein Pfad aus gelbem Ziegel durch den Wald. Ein Steg. Teiche mit Karauschen. Das zerstörte Fundament eines ehemaligen Hauses. Eine Treppe zum Teich mit Kugeln an den Seiten. Eine Nixe auf einem Stein. Ein Buchenhain. Eine Lichtung mit Walderdbeeren, eine Gedenkgrabplatte aus dunklem Marmor.
Pilzstellen am Waldsee. Ein Rodelberg. Ein Strand mit feinem weißem Sand. Das Wasser klar und warm. An den Bäumen Quellen. Dort ist das Wasser kälter. Im Schlamm plätschert eine Schleie. In Schwärmen ziehen Ukeleie. Durch den Wald eine Straße aus Kopfsteinpflaster.“
Ein weiterer Landsmann, der Schriftsteller Ju. Buida: „Die glatten grauen Stämme standen da wie Tempelsäulen und erhoben sich über einem Boden, der mit einem Mosaik aus gezackten Buchenblättern ausgelegt war.“ Als hätte man den Aschmann-Park vor Augen …
Kehren wir ins Jahr 1910 zurück. In dem in diesem Jahr herausgegebenen Königsberg-Reiseführer wird der neue Park erstmals erwähnt als „25 ha freies Gelände, davon 17,5 ha Eichenhain, und Spielplätze“. Im Reiseführer von 1938 ist es schon etwas interessanter: „Ein großes Parkgelände von 70 ha Fläche, ein Badeteich mit Strand, ein Rodelberg, Spielplätze, ein Reitweg, ein Ehrenhain zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg Gefallenen, prächtige Baumgruppen, Ausblicke, die durch ihre Natürlichkeit bestechen.“
In dreißig Jahren sorgfältiger Gestaltung wuchs das größte Parkgelände Königsbergs fast auf das Dreifache und nahm die Züge eines Landschaftsparks mit einer Folge wechselnder Ausblicke und einer eigentümlichen Verbindung kompositorisch-planerischer Besonderheiten an.
Noch heute gibt es in Kaliningrad viele Menschen, die nicht wissen, dass dieses vielerorts vernässte, zwischen der Gorki-, der Lugowaja- und der Herzen-Straße eingezwängte, fast waldartige Dickicht mit einem versumpften See, umgestürzten Bäumen, von Deckungsgräben zerwühlt, ein Königsberger Park ist.
Der Max-Aschmann-Park auf dem Stadtplan von Kaliningrad.
Mehrere Jahre lang versuchten die Verfasserin dieser Zeilen und Studierende der Fakultät für Geographie und Geoökologie der Russischen Staatlichen Kant-Universität, die Idee der talentierten Vorgänger zu verstehen, die kompositorischen Knotenpunkte herauszuarbeiten und die Arten- und Alterszusammensetzung der Bäume zu ermitteln.
Zunächst jedoch erlaube ich mir, dieses Gelände einfach zu besingen, um später in der trockenen Sprache eines amtlichen Dokuments der Moskauer Expedition alles der Reihe nach darzulegen.
Das Wichtigste, was im Park sofort ins Auge fällt, ist sein künstlich angelegter See und der Hügel, der aus dem ausgehobenen Erdreich besteht … Früher: der weiße Sand des Strandes, der den klaren See mit seinen kalten Quellen umarmte. Auf der anderen Seite des Hügels eine grüne Lichtung, nach der Idee des Landschaftsarchitekten fast so groß wie der Strand. In weitem Bogen umschließt diesen Teil des Parks ein Reitweg, mit Pflastersteinen befestigt und beiderseits mit Stieleichen bepflanzt. Im östlichen Teil des Parks – eine sonnige Wiese am Beydritter Bach mit mehreren Brückchen, um hin und her, „ohne Ziel“, zu spazieren, ein Strauß aus einigen Ahornen auf dieser Wiese und noch ein Teich, dessen Bett mit Stein ausgelegt ist (er hatte natürlich einen wirtschaftlichen Zweck: Hierher floss durch unterirdisch verlegte Rohre überschüssiges Wasser aus dem großen See und den angrenzenden Flächen ab), doch im Rahmen des silbrigen Weidenlaubs war auch er schön, zumal der wasserreiche Beydritter Bach, der den Oberteich speist, unterwegs auch dieses winzige Parkgewässer auffüllte und reinigte. Der Park hatte drei Eingänge – den ersten, den südlichen Haupteingang von der Aschmannallee aus; die reizende Straße erhielt auf dem Parkgelände einen Belag aus rotem Ziegelsplitt und wurde von einer Hainbuchen-„Wand“ betont (einen Teil der Hainbuchen kann man auch heute, noch, sehen, Straße Parkowaja Alleja). Eine weitere Straße durchquert den Park von Süden nach Norden und dient als Durchgangsweg, offenbar zur Bequemlichkeit jener Anwohner, die nicht zum Spazierengehen im Park neigen, ihn aber gern auf ihren Wegen durchqueren.
Diese mit Kopfsteinen gepflasterte Straße hieß Am Stadtgarten, d. h. „zum Stadtgarten“, heute ist sie ein Teil der Malaja-Lesnaja-Straße. Der dritte Eingang lag auf der Westseite, und zu ihm führte über die Wiesen ein Weg von der Samitter allee (heute Gorki-Straße) her.
Der älteste Teil des Parks, in dem der Eichenhain zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits etwa zweihundert Jahre alt war, wird in seinem südlichen Teil vom ringförmigen Reitweg begrenzt und liegt nördlich davon.
Mächtige Stämme von Eichen, Buchen und Linden prägen diesen Raum; die Sonnenstrahlen lassen Gräser und Kräuter wachsen, darunter Walderdbeeren, und der Halbschatten bringt appetitliche Pilzhüte hervor (ein paar kann man auch heute noch sammeln). Wege mit rotem Ziegelsplitt machen Spaziergänge durch den Waldteil des Parks bequem.
Zu beiden Seiten der Durchgangsstraße liegen zwei sehr verschiedene Bereiche mit eigenen kompositorischen Mittelpunkten. An den Eichen-Hainbuchen-Bestand, also auf der Westseite der Straße, grenzt der Heldenhain – die Allee der Helden. Auf dem Parkplan (1927) ist gut zu sehen, dass dieser Bereich von einer Allee umschlossen ist; bei Untersuchungen vor Ort kann man auch heute noch Reste einer Stieleichenallee sehen. Eine deutsche Quelle berichtet, dass hier Eichen zu Ehren der im Krieg 1914–18 gefallenen Königsberger gepflanzt wurden. Wir haben tatsächlich drei erhaltene Gedenksteine gesehen und fotografiert, von denen einer aus dunkelrotem Granit die Inschrift trägt: „Das Altstädtische Gymnasium seinen 100 gefallenen Schülern 1914–1918“. Und weiter: „Ihr wart eurer Pflicht treu bis in euren Tod“ oder „um der Pflicht willen gingt ihr in den Tod“, etwa so.
1914-1918 ALTSTAEDLISSCHE GYMNASIUM
SEINEN ł GEFALLENEN ł
IHR WARET GETREU BIS IN DEN TOD
Die beiden anderen Steine tragen Namen.
Östlich der Durchgangsstraße erstreckte sich eine weite sonnige Wiese, in deren Mitte eine Ahorngruppe alle unter ihren schattigen Schirm lud, die das grelle Licht dieser offenen Fläche ermüdet hatte; von Norden nach Süden war sie an der Ostseite von einem Bach mit kleinen Brücken im ländlichen Stil eingefasst (die Ruine eines dieser Brückchen ist im nördlichen Teil erhalten, nun aber leider schon außerhalb des verkleinerten Parkgeländes).
Kamen die Spaziergänger durch den südlichen Haupteingang, gelangten sie in einen kleinen, besonderen Park, wo am Ufer eines kleinen künstlichen Teiches das Waldschloßchen stand – ein kleines Waldschloss, von dem Stufen zum Wasser hinabliefen, und die Treppe war mit Kugeln geschmückt; außerdem gab es hier der Beschreibung nach viele Skulpturen auf kleinen Postamenten. Eine der Skulpturen, deren Postament aus Zementstein noch im Park steht, stellte entweder einen liegenden Ritter, einen Krieger oder einen Soldaten dar, d. h. heute ist nicht mehr klar, aus welcher Zeit dieser auf der rechten Seite liegende, sein Schwert umarmende Krieger stammte (es ließ sich ermitteln, dass die Skulptur vor einigen Jahren abtransportiert wurde und im Depot des Museums der Bildenden Künste aufbewahrt wird). Der Zustand der Skulptur aus Tuff ist äußerst unbefriedigend. Nach offizieller Version stellte der Bildhauer Rosenberg einen sterbenden Krieger dar, zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder des Königsberger Sportvereins „Prussia“. Das Denkmal wurde 1919 aufgestellt.

„Waldschloss“ (dt. Waldschloßchen) – das Herrenhaus des Gutes von Max Aschmann in der Tiefe des Parks.
Das kleine Schloss war in Wirklichkeit von normaler Größe, und vielleicht war es das Herrenhaus des Gutes. Die Fundamentreste der Wirtschaftsgebäude und des „Schlosses“ kann man noch heute im Park sehen.
Ich hielt einmal ein Stück grüner Fliesenverkleidung in der Hand – ob vom Teich oder von einem Badezimmer des „Schlosses“, ließ sich nicht sagen –, doch dieses Bruchstück war so traurig, dass ich es behutsam an seinen historischen Ort zurücklegte (ein halbes Jahr später war es nicht mehr da) …
Wer nach dem Betreten des Parks in seinen südlichsten Teil abbog, dem lag eine weitere helle Wiese zu Füßen, mit zwei großen Blumenbeeten und einem offenen Sommertheater, betont durch eine „Hainbuchenwand“ – ein Gelände, das offensichtlich für Volksfeste und allerlei Massenversammlungen bestimmt war (ich möchte vorgreifend nebenbei anmerken, dass gerade diese Wiese heute teilweise mit einer neuen Straße exklusiver Villen bebaut ist, und gerade hier – und vermutlich gerade deshalb – schlägt der im Kaliningrader Rathaus vorliegende Plan zur Rekonstruktion des Parks vor, eine Zone „mittlerer Nutzungsintensität“ einzurichten, weil „die Zone an die Bebauung der Demjan-Bedny-Straße heranreicht“ (und jetzt ist nördlich der Demjan-Bedny-Straße (aus irgendeinem Grund gibt es zwei davon: eine weiter südlich, eine weiter nördlich) noch eine ähnliche hochexklusive Straße entstanden, die Lugowaja-Straße), und „das Gelände für die Erholung der Bürger aus den benachbarten Wohnvierteln sowie für die Einrichtung eines Hundeauslaufplatzes, von Kinderspielplätzen, Sportplätzen usw. bestimmt ist“. Sehr interessant: Wenn man die Parkfläche schon auf diese Weise „verbraucht“, warum brauchen dann die Bewohner der Hochhausviertel, die den Park von Westen her bedrängen, ein solches „Design“ nicht? Dort gibt es doch Bewohner, Hunde und Kinder in größerer Zahl …
… Der Park schenkte den Menschen alles, was er konnte: Licht und Schatten, das heiße Flimmern der Lichtungen mit raschelnden Gräsern und blühenden Hülsenfrüchtlern, das Muster der Sonnenkringel unter dem Blätterdach der Bäume, die Vertrautheit und Kühle schattiger Alleen, das Märchen vom Waldschloss, das Plätschern des Baches, die Möglichkeit, sich zum Tanz, zu Darbietungen oder Kundgebungen zu versammeln. Das Kriegsschicksal war ihm gnädig. Auf dem Parkgelände gibt es keine Granattrichter, doch an manchen Stellen 1,5 m tiefe Schützengräben und 20 Jahre alte Deckungsgräben, sehr oft mit Wasser gefüllt. Das sind Spuren militärischer Übungen auf dem Parkgelände. Die Straße Aschmannallee mit ihrem Kopfsteinpflaster haben bei Übungen Panzer zerstört, die vom Haltepunkt Kutusowo-Nowoje kamen …
Ein weiterer Landsmann, Ju. Schebalkin, schreibt so anrührend über diesen Park, den er „nicht schlechter als die Taschen seines Cordjäckchens“ kannte, dass man ihn zitieren möchte:
Kinder im Max-Aschmann-Park.
„… Er war der Ort unserer Kinderspiele und etwas später der ersten Verabredungen als junge Leute. Hierher, an den Lesnoje-See, liefen an frühen Sommermorgen die Kinder aus den umliegenden Straßen zum Baden: aus der Gorki-, der Selenaja-, der Lesnaja-, der Strelkowaja-, der Herzen-Straße und anderen. Abends waren dann die Erwachsenen an der Reihe.
Auf den Eichenalleen, auf den noch nicht von Gebüsch und Brennnesseln überwucherten Wegen spazierten schneidige Kadetten der Artillerieschule „Krassin“ und der Marine-Intendanturschule mit ihren Freundinnen. Das junge Volk ruhte sich auf den Bänken aus, die den Krieg überstanden hatten und noch stabil waren, und betrachtete neugierig die schon ausgeplünderten Pavillons und das Gebäude eines kleinen Schlosses. Man schaukelte an den Ketten, die eine zu Ehren des deutschen Kaisers gepflanzte Eiche umgaben. Kurz, die Menschen nutzten den Park, wie es sich gehört. Wie es sein Schöpfer, der Königsberger Kaufmann Max Aschmann, beabsichtigt hatte. … In den fünfziger Jahren begann der Park zuzuwachsen. Die mächtigen Eichen bekamen wildes Unterholz, die bezaubernden Rasenflächen wurden von Gebüsch überwuchert. Auch der künstliche Waldhügel wuchs zu und bekam Löcher … Einen schweren Schlag versetzten dem grünen Gelände die Soldaten einer nahe gelegenen Einheit. Seit einiger Zeit fanden auf dem Parkgelände taktische Feldübungen statt. Rekruten gruben sich ein, hoben Schützengräben aus … Wirtschaftsbetriebe kippten hier Müll und Bauschutt ab. Berge von Gerümpel ragten wie Abraumhalden aus dem Grün. Hier schaltete und waltete jeder, wie er wollte … Um eine hundertjährige mächtige Eiche sind Granitpfosten aufgestellt. Auf einem von ihnen ist eine Zahl zu erkennen – 1900. Das Pflanzjahr des Baumes. Einst waren hier Bronzeketten befestigt. Jetzt sind sie fort. Ein Vorschlaghammer ist über die polierten Stirnseiten der Pfosten gegangen. Die Ketten, die die Eiche umgaben, sind verschwunden … Einmal hatte ich im Stab einer der Einheiten der Garnison zu tun. Als ich am „Posten Nr. 1“ vorbeiging, wo die Fahne der Einheit unter Bewachung aufbewahrt wird, fiel mir die Absperrung auf. Bronzeketten! Einst hatten sie die „Kaisereiche“ umgeben …
Vielleicht sollte man den Park in die Liste der im Zweiten Weltkrieg verlorenen Kulturgüter aufnehmen?“
Die Eiche, die zu Ehren des Eisernen Kanzlers Otto von Bismarck gepflanzt worden war (es gibt eine solche Legende), stürzte ganz zu Beginn des 21. Jahrhunderts um, und ihr Stamm liegt 2008 noch unweit des kleinen Sees mit dem Schloss auf einer noch nicht zugewachsenen Lichtung.
Vor dem zweiten Teil unserer Erzählung über den Park von Max Aschmann, in dem wir alles der Reihe nach anhand amtlicher Quellen darlegen werden, kann ich nicht umhin, die Klage der Dichterin Lada Wiktorowa über einen Park zu zitieren – zwar über einen anderen, aber ebenfalls einen der unseren:
„Feuer und Nässe wirken ähnlich: Wie von Flammen verkohlt ist das Laub. Der Bach liegt auf diesem braunen Bett. Er ist erkrankt … Zu erwachen – furchtbar, umzukehren – keine Kraft. Vier großfingrige Stämme wie die Flügel eines Kreuzes … Und in der Mitte, das Leben zurückerobernd … drängte sich ein ganzer Wald von Jungwuchs … Und so haben wir ihn gesehen.“
* * *
Im Folgenden eine Beschreibung des Parks in der klaren und trockenen Sprache eines Dokuments, das auf der Grundlage von Arbeiten erstellt wurde, die 1997 im Auftrag des Kaliningrader Rathauses von der Parkgestaltungsexpedition des Föderalen Forstdienstes Russlands unter der Leitung der Expeditionschefin W. A. Agalzowa durchgeführt wurden.
In einem kurzen Überblick heißt es: „Das Fehlen jeglicher Pflege hat zur Verwahrlosung des Geländes geführt, es wird Rindvieh geweidet und es werden Hunde ausgeführt. Infolge der Störung des Drainagesystems hat ein Vernässungsprozess eingesetzt, der auf einzelnen Flächen zum Absterben von Bäumen führt. Dennoch hat der Park in einzelnen Teilen prächtige Ausblicke, eine beträchtliche Zahl zukunftsfähiger Pflanzungen, historische Gestaltungselemente und kompositorische Knotenpunkte bewahrt.“ „… Die dritte Periode des Bestehens des Parks (d. h. 1946–96) war zerstörerisch. In dieser Zeit verwandelte er sich unter dem Einfluss des natürlichen, ungesteuerten Entwicklungsprozesses der Pflanzungen und mangels Pflege allmählich in ein Waldparkgelände.“
Flächenbilanz in den historischen Grenzen
Nr.
Bezeichnung der Flächenkategorie
Heute, ha
%
Historisch, ha
%
1.
Gebäude und Bauwerke
2,9
3,6
0,8
1,0
2.
Wege
0,4
0,5
2,5
3,1
3.
Plätze
-
-
2,3
2,9
4.
Wasserflächen
3,4
4,3
3,4
4,3
5.
Dichte Pflanzungen – geschlossene Räume
55,0
68,7
32,0
40,0
6
Lockere Pflanzungen – halboffene Räume
2,0
2,5
23,0
29,0
7.
Lichtungen – offene Räume
14,0
17,5
16,0
20,0
Gesamt
80,0
100,0
80,0
100,0
Die landschaftliche Beschreibung des Geländes erfolgte nach dem kompositorisch-planerischen Prinzip.
Abschnitt 1
Heutiger Zustand: Gelände im westlichen Teil des Parks, Mittelpunkt seiner Komposition ist ein Teich mit sanft geschwungener Uferlinie. Auf der Ostseite grenzt unmittelbar ans Ufer ein regelmäßig geformter Hügel, der mit Gehölzen bewachsen ist. Auf der Westseite liegt eine große Lichtung. Entlang des Umfangs des Abschnitts gibt es dichten Bewuchs mit schlechter Durchsicht. Der Randfußweg ist nicht befestigt, sein regelmäßiger Verlauf ist durch Aufgrabungen gestört, auf einzelnen Flächen ist übermäßige Vernässung zu beobachten. Mehrgeschossige Wohnbebauung reicht unmittelbar an die Parkgrenzen heran.
Historischer Zustand: Dieser Teil des Parks gehört seiner Entstehungszeit nach zur II. Periode. Kompositorischer Mittelpunkt dieses Abschnitts ist ein offener Raum aus Wasserfläche und freier Lichtung, die ungefähr gleich groß sind. Der Hügel neben dem Teich war nicht bepflanzt und wurde zum Rodeln genutzt. Um diese Parkelemente herum waren Spazierwege angelegt. Einer davon – ein geschlossener Rundweg – war ein Reitweg und 6 m breit. Dieser Weg ist auf seiner ganzen Länge mit einer Eichenallee bepflanzt. Die Lichtung ist an ihrem Rand mit Gruppen von Bäumen verschiedener Arten gestaltet, die in unterschiedlichen Abständen zueinander stehen. Das gewährleistete die Durchsicht über den Abschnitt von verschiedenen Punkten des Weges aus. Auf der Westseite lag einer der Haupteingänge zum Parkgelände, heute verloren.
Abschnitt 2
Heutiger Zustand: Der Bestand ist ein Eichen-Hainbuchen-Wald aus Kernwuchs, das Alter der Eichen beträgt 170–180 Jahre. Das Relief hat kein allgemeines Gefälle, und in den Mikrosenken sammelt sich überschüssige Feuchtigkeit; an diesen Stellen fallen Stieleichen in großer Zahl aus, und Schwarzerle sowie Sträucher siedeln sich an. Auf dem Abschnitt sammelt sich eine große Menge Fallholz und Dürrholz. Die Drainage ist durch zahlreiche Schützengräben gestört, obwohl Reste des alten Drainagesystems noch erhalten sind. Durch den Abschnitt verlaufen Pfade, die stellenweise mit historischen Wegen übereinstimmen, auf denen ein Ziegelbelag zu erkennen ist. Auf den Erhebungen des Reliefs sind Zustand und Zierwert der Pflanzungen gut. Natürliche Verjüngung der Eiche ist nirgends festgestellt worden, während die Hainbuche Jungwuchs verschiedenen Alters aufweist.
Historischer Zustand: Dieses Gelände ist der älteste Teil des Parks, um den herum das Parkensemble künstlich geschaffen wurde. Der Eichenhain hatte einen Bestockungsgrad von 0,6; die Hainbuche war in diesem Bestand als Begleitbaumart in geringer Zahl vorhanden, Unterholz fehlte, das Gelände war gut zu überblicken. Alle Spazierwege hatten einen Ziegelbelag, über die Drainagegräben waren Übergänge angelegt. Im Hain gab es kleine Lichtungen mit Einzelbäumen, Gedenkanlagen und Bänken.
Abschnitt 3
Heutiger Zustand: Der Abschnitt erstreckt sich lang gezogen zwischen der mit einer Ahornallee bepflanzten Lesnaja-Straße und dem Rand des Eichenbestands. Im südlichen Teil liegt ein kleiner runder Teich, an den eine kleine Lichtung grenzt. Südlich des Teiches befinden sich Fundamentreste eines großen Gebäudes. Dieser Teil ist mit Bauresten und Fallholz vermüllt und mit Baum- und Strauchanflug zugewachsen. Nördlich des Teiches stehen alte Bäume in gemischten Gruppen. Ihr Zustand ist gut, in der Allee entlang der Straße stark geschwächt, da das Wurzelsystem beim Anlegen eines Entwässerungsgrabens in den 1980er-Jahren beschädigt wurde. Lichtungen gibt es auf dem Abschnitt nur in Form kleiner Auflichtungen. Im nördlichen Teil ist die Oberfläche stark zerwühlt, Wasser staut sich, die Ufer des Baches sind mit undurchdringlichem Dickicht bewachsen.
Historischer Zustand: Dieser Teil des Parks war planerisch als eigenständiger Mini-Park angelegt. Ein Gebäude ungewöhnlicher Architektur mit dem Namen „Kleines Waldschloss“ stand auf einer Geländeerhebung, von ihm führten Treppenabgänge zum kleinen Teich. Viele Wege gliederten das Gelände in kleine Teile, in denen Gedenkanlagen in Form von Obelisken, Skulpturen, Säulen und Platten aufgestellt waren. Hier wurden auch Gedenkbäume festgestellt. Die Anlage entstand in beiden Perioden. Der südliche Teil ist älteren Ursprungs. In der II. Periode wurde entlang der bestehenden dichten Eichenpflanzung eine Promenade angelegt, die auf das „Waldschloss“ ausgerichtet und mit malerischen Gruppen und Einzelbäumen verschiedener Arten bepflanzt war.
Auf der Nordseite gab es eine weitere Parkzufahrt, die durch eine Granitsäule markiert war. Hier trafen auch Wege aus verschiedenen Teilen des Parks zusammen.

Der Max-Aschmann-Park im Winter. In der Ferne ist der Rodelberg zu sehen.
Abschnitt 4
Heutiger Zustand: Der Abschnitt liegt zwischen der Lesnaja-Straße und der Ostgrenze des Parks. Durch den ganzen Abschnitt fließt ein Bach mit gewundenem Bett. Seine Ufer sind mit minderwertigem Bewuchs zugewachsen, der Abfluss ist schwach, weil das Bachbett vermüllt ist. An den Ufern liegen Gemüsegärten mit Schuppen und Zäunen. Insgesamt gibt es auf dem Abschnitt mehr offene Räume in Form von Zierlichtungen mit Baumgruppen. Eine dichte Baumpflanzung ist entlang der Straße erhalten, hier sind dreireihige Alleen zu erkennen. Im südlichen Teil des Abschnitts gibt es zwei Teiche, einer davon ist mit dem Bach verbunden. Der Zustand der Teiche ist unbefriedigend. In ihrer Nähe sind deutlich Fundamentreste zu erkennen, die mit Anflug zugewachsen sind.
Historischer Zustand: Der südliche, rechteckige Teil des Abschnitts mit den Teichen, begrenzt von zwei parallelen Wegen, gehört zur frühen Periode der Parkentstehung. Hier befanden sich alle Wirtschaftsgebäude, die Teil des Gutes „Maraunenhof“ waren und danach zum öffentlichen Park gehörten. Das Vorhandensein eines Reitwegs lässt auf einen Pferdestall, eine Remise, eine Heuscheune und eine Schmiede schließen. Vermutlich war für die Ableitung des Wassers in den unteren Teich und weiter in das Flüsschen Beydritten eine Schleuse angelegt. Diese Wasserader, die weit über die Grenzen dieses Geländes hinausreicht, bildete das wasserwirtschaftliche Meliorationssystem des Parks. Darüber hinaus war das Flüsschen mit seinen malerischen Ufern Teil der Parklandschaft. Spazierwege kreuzten das Bachbett an mehreren Stellen, was auf das Vorhandensein von Brückchen hindeutet (etwa zehn). An den Ufern sind Baumgruppen erhalten, Pappeln und Weiden, zwischen denen früher die umliegenden Landschaften zu sehen waren.
Abschnitt 5
Heutiger Zustand: Das große Gelände entlang der Südgrenze des Parks ist ein stark zugewachsener Abschnitt mit schwer oder gar nicht durchdringbaren Beständen. Starke Verbuschung ist an Stellen mit übermäßiger Vernässung festzustellen, wo alte Bäume wertvoller Arten ausgefallen sind. Nur zwei große Lichtungen sind einigermaßen ansehnlich und für Spaziergänge geeignet; die übrigen, in Form formloser Auflichtungen an vergrasten Stellen, sind dicht von wucherndem Gebüsch abgeschirmt. Ein Teil einer großen Lichtung ist mit Einfamilienhäusern bebaut. Ein völliger Missklang, sowohl planerisch als auch architektonisch, ist das im Bau befindliche Betongebäude eines Kindergartens. Die zufälligen Trampelpfade entsprechen nicht den historischen Wegen, das Gelände ist mit Schadholz vermüllt, es gibt Fundamentreste.
Historischer Zustand: Dieses weitläufige Parkgelände der II. Entstehungsperiode war mit verschiedenen Parkelementen reich ausgestattet. Im Südwestteil lag eine regelmäßig ovale Lichtung, die mit Plätzen für Ballspiele ausgestattet war. Entlang des Weges lag ein „Freilichttheater“, ringsum mit einer geschnittenen Hainbuchenwand und Eichen bepflanzt. Erhalten sind eine künstliche, regelmäßig halbrunde Geländeerhebung mit Treppenabgängen und ein Fundament. Ein großer, mit Baumreihen bepflanzter Platz war von fünf Seiten zugänglich und diente großen Menschenansammlungen. Unweit davon befand sich ein großflächiges Bauwerk mit einem Dach in Form eines Schutzdachs, das vermutlich mit der Nutzung der zweiten großen, länglichen Lichtung zusammenhing.
Auf der Ostseite wurde der Abschnitt von der repräsentativen Zufahrtsstraße zum „Waldschloss“ begrenzt, die in der Mitte durch eine niedrige geschnittene Hainbuchenwand geteilt war. Alle genannten Teile waren durch dichte oder lichte Gruppen und Horste von Bäumen voneinander getrennt und durch Spazierwege miteinander verbunden.
Abschnitt 6
Heutiger Zustand: Ein dreieckiger Abschnitt im Südostteil des untersuchten Geländes, dessen größten Teil offene Räume mit einzeln und horstweise stehendem Anflug eines großen Artenspektrums bilden. Viele Exemplare sind gesund und dekorativ. In der Mitte der Lichtung, in einer Senke, nehmen undurchdringliche Gebüsche eine große Fläche ein. Die Zufahrt zur Lesnaja-Straße ist mit Bauschutt verschüttet.
Historischer Zustand: Dieses Gelände gehörte nicht zum Park, abgesehen von einem kleinen Stück am Bach, ist aber planerisch mit dem übrigen verbunden. Es war eine riesige offene Fläche. Pflanzungen gab es nur bei den Wohngebäuden, hier sind Baumreihen erhalten.
Im Folgenden das Sortiment der Bäume und Sträucher des Parks im Jahr 1997 (die Liste ist „in der Reihenfolge abnehmender Häufigkeit auf dem Parkgelände“ zusammengestellt).
Stieleiche
(Qercus robur)
Hainbuche
(Carpinus betulus)
Winterlinde
(Tilia cordata)
Schwarzpappel
(Populus nigra)
Roteiche
(Qercus rubra)
Schwarzerle
(Alnus glutinosa)
Rotbuche
(Fagus silvatica)
Spitzahorn
(Acer platanoides)
Silberweide
(Salix alba)
Bergahorn
(Acer pseudoplatanus)
Gemeine Esche
(Fraxinus exselsior)
Rosskastanie
(Aesculus hippocastanum)
Silberahorn
(Acer sacharinum)
Hängebirke
(Betula pendula)
Balsampappel
(Populus balsamifera)
Bruchweide
(Salix fragilis)
Flatterulme
(Ulmus laevis)
Weißer Hartriegel
(Cornus alba)
Eingriffeliger Weißdorn
(Crataegyna monogyna)
Korbweide
(Salix viminalis)
Schwarzer Holunder
(Sambucus nigra)
Gewöhnliche Schneebeere
Symphoricarpus albus)
Kartoffelrose
(Rosa rugosa)
Gemeine Hasel
(Corilus avellana)
Weidenblättriger Spierstrauch
(Spyrea salicifolia)
Europäisches Pfaffenhütchen
(Evonymus europaea)
Im Folgenden erlauben wir uns, noch einige Absätze aus dem „Programm zur Wiederherstellung des Wasser- und Sanitärregimes der Fließgewässer der Stadt Kaliningrad“ anzuführen, das 1998 vom Institut „Sapwodprojekt“ erstellt wurde und 2008 noch nicht umgesetzt war:
„In der Vorkriegszeit wurde der Einrichtung und dem Betrieb des Gewässernetzes der Stadt, das eine Gesamtlänge von mindestens 12 km hat, sowie der wasserbaulichen Anlagen auf dem Stadtgebiet gebührende Aufmerksamkeit geschenkt, wodurch ein komplexes System technischer Anlagen entstand, das ein günstiges Regime der Gewässer gewährleistete.
… Das komplexe technische System wasserbaulicher Anlagen … verfällt weiterhin allmählich, da die Anlagen unzureichend betrieben und die notwendigen Maßnahmen zu ihrer Wiederherstellung und Rekonstruktion nicht ergriffen werden.
… Ein typisches Beispiel für die negative Einwirkung auf das bestehende Gewässernetz der Stadt ist die Situation, die bei der Bebauung neuer Flächen im Bereich der Straßen Leutnant-Sibirjakow-Straße – Selenaja – Gorki – Jefremow entstanden ist, wo beim Bau eines Wohngebiets der Verlauf des Molodjoschny-Bachs nicht berücksichtigt wurde, dessen Abschnitt vollständig beseitigt wurde.
… Infolgedessen geriet eine Fläche von etwa 100 ha in die Vernässungszone. Etwa 70 % der gesamten Fläche des Max-Aschmann-Parks von 85 ha befinden sich gegenwärtig in übernässtem Zustand. Die Flächen des Parks wurden durch ein kombiniertes Netz aus der Vorkriegszeit entwässert (geschlossene Drainage und offene Regulierungskanäle). Vorfluter des Entwässerungsnetzes sind der Molodjoschny- und der Sewerny-Bach, wegen deren unbefriedigenden Zustands das bestehende Entwässerungsnetz eingestaut ist und die erforderliche Entwässerungsnorm nicht gewährleistet. Außerdem ist die geschlossene Drainage durch das Wurzelwerk der Gehölze beschädigt, die offenen Ableitungs- und Regulierungskanäle sind verschlammt, die Böschungen verformt und mit Bäumen bewachsen. Die Bauwerke an den Kanälen sind nicht funktionsfähig, was deren hydrologisches Regime verschlechtert. Die auf dem Parkgelände gelegenen Teiche sind nicht reguliert, was zur Vernässung der angrenzenden Flächen führt. Die Betten entlang der Gewässer sind verschlammt und mit Sumpf- und Wasserpflanzen zugewachsen.“
* * *
Die ökologische Notlage Kaliningrads, ein Geflecht verschiedener Probleme, besteht nicht nur in der chemischen Belastung seiner Landschaften, die heute für die meisten Städte typisch ist, sondern in erheblichem Maße auch in der langjährigen Verwahrlosung, Vermüllung und dem sichtbaren Verfall seiner historischen, ökologisch begründeten Grünflächen, was schließlich dazu führte, dass Teile ihrer Flächen abgetrennt und diese Brachen, die weder einen Namen noch einen Schutzstatus haben, als minderwertig weiter zur Bebauung vergeben wurden.
Unter den administrativen Maßnahmen schlagen der Parkgestaltungsfachmann und der Landschaftsarchitekt als vordringlich nach Abschluss der Planungs- und Erkundungsarbeiten auf dem Parkgelände vor:
- den Park gemäß der geltenden Gesetzgebung unter Schutz zu stellen und seinem Gelände den Status eines Schutzgebiets zu verleihen;
- Bebauung und die Vergabe von Grundstücken für privaten Bau bis zur Bestätigung der Schutzzonen des Denkmals der Garten- und Parkkunst zu verbieten;
- ein Projekt zur Rekonstruktion des Parks auszuarbeiten.
Seitdem, d. h. seit dem Abschluss der Untersuchungen der Fachleute zu diesem für Kaliningrad einzigartigen (zumindest der Größe nach) Parkgelände, sind mehr als 10 Jahre vergangen. [Inzwischen ist es schon ein Vierteljahrhundert, und der Park verfällt weiter, als bereite man ihm das Schicksal des Flughafens Devau. – Red.]
Eine Gedenkplatte aus Beton, in den Boden eingewachsen, im Max-Aschmann-Park.
Die Grenzen des Parks sind von allen Seiten geschrumpft, als hätten Mäuse heimlich, im Verborgenen, ein Stück leckeren Käses angenagt – und mancherorts nicht nur an den Rändern.
Entlang des gesamten Umfangs des Parks ist die Grenze um mindestens 20 m zurückgewichen (nach offiziellen Angaben wurde auf Bitten des Bürgermeisters auf der Karte eine neue rote Grenze gezogen). Im östlichen Teil ist die tatsächliche Grenze jedoch faktisch der Bach, folglich ist ein weit größeres Gelände betroffen; im nördlichen Teil ist die obere Ecke abgeschnitten, etwa 100 m entlang der Allee; besonders begehrt war das Gelände im südlichen Teil des Parks: Die Grenze rückte auf ganzer Länge um 160–200 m nach Norden; die Südostecke wich um 120–140 m nach Norden zurück.
So also schrumpfte das Chagrinleder des Parks nach den Wünschen der Bauherren …
Verändert hat sich, wie aus den Daten der Tabelle ersichtlich, die räumliche Struktur: Das richtige Verhältnis von dichten und offenen Räumen, das sich in Parks stets zugunsten offener und halboffener Räume gestaltet, hat sich in die unerwünschte Richtung verschoben – die geschlossenen Räume haben die halboffenen verschluckt. Im historischen Park standen die Räume in folgendem Verhältnis: geschlossene 4 : halboffene 3 : offene 2. Im heutigen Waldparkgelände sieht dieses Verhältnis wie 7:0:2 aus. Die offenen Räume sind durch die Verkleinerung an der Süd- und Ostgrenze des Parks etwas geschrumpft, doch die erhaltenen Flächen wachsen zu – verbuschen. Außerdem vernässen sie stark, und die krautige Vegetation dieser ehemaligen Gras-Kräuter-Wiesen enthält bereits nicht wenige Hygrophyten, die für Nasswiesen und die Ränder von Niedermooren typisch sind (sowohl auf den Lichtungen am verflachten See als auch auf den östlichen Lichtungen am Bach haben wir Hahnenfuß, Binsen, Seggen, Schlangen-Knöterich, Echtes Mädesüß, Pfennigkraut, Frauenmantel, Lieschgras, Land-Reitgras und Wiesen-Knäuelgras beschrieben (diese Pflanzen lieben das Wasser).
Das Zuwachsen der halboffenen Räume des Landschaftsparks lässt den künstlerischen Wert einzelner Baumgruppen nicht zur Geltung kommen, die als besondere Akzente auf den Lichtungen gedacht waren.
Das recht komplizierte historische Wege- und Pfadnetz ist – abgesehen von der Durchgangsstraße und der Ringallee um den See – verloren.
In den Unterlagen der Expedition von 1997 gibt es zweifellos Listen geobotanischer Beschreibungen, d. h. Angaben über die Artenzusammensetzung und die Altersgruppen der Bäume des Parks. Wir konnten sie jedoch nicht einsehen, was die Aufgabe, dieses Kapitel zu schreiben, erheblich erschwerte. Infolgedessen mussten wir zwei Sommer- und Herbstsaisons lang Bäume vermessen und auf einem Schema des Parkgeländes eintragen. Es gelang, 2600 Bäume zu beschreiben – die riesigen Maraunenhofer Eichen, die, ich wiederhole es, zu Beginn des 20. Jahrhunderts mindestens 200 Jahre alt waren, aber auch alles, alles bis hin zu den spindeldürren Hainbuchen und Ahornen, die einander das Leben schwer machen und doch überleben wollen – man zählte sie, um die Zukunft des Waldparks zu verstehen, falls, falls, falls … man ihn nicht bebaut und nicht „gestaltet“. Die Keimlinge der allgegenwärtigen Hainbuche, 10–20 Exemplare pro m2, sagen das Schicksal genau voraus.
Betrachtet man die räumliche Struktur und die Baumzusammensetzung des heutigen Parkgeländes, ergibt sich folgendes Bild: Die ältesten Bäume finden sich zweifellos im nördlichen Teil, dort, wo der historische Eichenhain lag. 2008 haben wir dort 152 Exemplare der Stieleiche mit einem Durchmesser von etwas unter und etwas über 100 cm beschrieben, 7 Exemplare der Winterlinde mit einem Stammdurchmesser von 60 bis 70 cm und 7 Exemplare der Hainbuche mit einem Durchmesser bis 90 cm. Jüngere, selbst aufgewachsene Bäume sind durch Hainbuchen (468 Exemplare mit einem Durchmesser unter 40 cm), Winterlinden (64 Bäume mit einem Durchmesser unter 40 cm) und Jungwuchs der Stieleiche – 24 Exemplare – vertreten. Insgesamt sind hier Bäume aus der Vorkriegspflanzung erhalten, die 30 % aller Bäume des nördlichen Parkteils ausmachen; davon entfallen auf die Eiche mehr als 70 %, auf die Linde etwa 30 %. Dominanten dieses Parkteils sind heute die selbst aufgewachsenen Hainbuchen, Spitzahorne und Schwarzerlen. Die Struktur dieses Parkteils hat sich von einer halboffenen mit kleinen geschlossenen Bereichen in eine im ganzen nördlichen Teil geschlossene mit einem Kronenschluss von 0,8–0,9 verwandelt, d. h. unter den Kronen herrscht Dunkelheit, und der Boden ist übernässt und fast ohne Krautschicht.
Für das gesamte Parkgelände stellte sich heraus, dass die Bäume der ersten, d. h. der ältesten Altersgruppe – älter als 150–200 Jahre, mit einem Stammdurchmesser über 60 cm – heute etwas mehr als 15 % aller Bäume ausmachen, d. h. von 2600 Bäumen umfasst diese Gruppe rund 400 Exemplare.
Ein Teich im Max-Aschmann-Park.
Die Gruppe bilden Stieleiche, Winterlinde und Rotbuche (letztere ist mit besonders großen Exemplaren im nördlichen Teil des Parks vertreten (43 Ex.), nördlich des Sees und im ältesten Teil des Parks. Ebenfalls recht große Bäume, 27 Rotbuchen mit einem Stammdurchmesser von etwa 60 cm, stehen am Waldrand, fast an der Grenze zur östlichen Wiese; vor ihnen sind junge Nachkriegsahorne durch das Fundament eines Gebäudes gewachsen, vielleicht eines Cafés aus der Vorkriegszeit.
Zusammen mit der ersten Gruppe tragen die Bäume der zweiten Altersgruppe die räumliche Struktur des Parks – im Alter von 60 bis 150 Jahren, mit einem Stammdurchmesser von 40 bis 60 cm; sie machen 31 % aller Bäume aus (Rotbuche, Winterlinde, Stieleiche, Hainbuche, Gemeine Esche, Spitzahorn).
Die in den letzten Jahrzehnten selbst aufgewachsenen jungen Bäume der dritten Altersgruppe mit einem Stammdurchmesser unter 40 cm, die den Park verdichten (Linden, Spitzahorn, Hainbuche und Schwarzerle als Indikator für übernässtes Gelände), machen 54 % aller Bäume aus.
Das Verhältnis zwischen historischen und selbst aufgewachsenen Baumarten im heutigen Park sieht 2008 folgendermaßen aus: Stieleiche – 12 %, Roteiche – 2 %, Rotbuche – 2 %, Winterlinde – 11 %, Spitzahorn – 14 %, Bergahorn – 7 %, Rosskastanie – 1 %, Schwarzerle – 10 %, Hainbuche – 38 %, der Rest – Eingriffeliger Weißdorn, Gemeine Esche, Silberahorn, Balsampappel, Flatterulme.
Im Zusammenhang mit dem 750-jährigen Jubiläum Königsberg-Kaliningrads begannen die Zeitungen über den Aschmann-Park zu schreiben. Tatsächlich ist eine der Schlussfolgerungen der Parkgestaltungs- und Forsteinrichtungsexpedition von 1997 die Feststellung des großen natürlichen und historisch-kulturellen Wertes „dieses eines der besten Beispiele eines öffentlichen Parks“. In den Tiefen des Rathauses entstand ein „Entwurf eines Konzepts zur Rekonstruktion des Max-Aschmann-Parks im Leningrader Bezirk der Stadt Kaliningrad“. Aus der Erläuterung zum Entwurf geht hervor, dass „umfangreiche Wiederherstellungsarbeiten geplant sind, die zur Wiedergeburt des Parks führen sollen“.
„Grundprinzip des Konzepts ist der Grad der Erschließung und Nutzung des Geländes“ – es ist schwer zu beurteilen, inwieweit dieser Ansatz mit den Schlussfolgerungen der Expedition übereinstimmt, den Park als historisches Denkmal unter Schutz zu stellen. Unsere Anmerkungen betreffen nur eine der im Park ausgewiesenen Zonen: Sie fällt mit dem Gedenkgelände zusammen, wo Eichen zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkriegs gepflanzt und Gedenksteine aufgestellt wurden, wo der Haupteingang war und wo sich der „Park im Park“ mit seinem „kleinen Waldschloss“ befand. Gerade hier wird eine „Zone aktiver Nutzung des Geländes“ vorgeschlagen, mit Radrouten, einem Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude, einem Café, einem ausgedehnten Parkplatz, einem Platz für das Zureiten von Pferden …
… Gegenwärtig [2008] entspricht der ökologisch-ästhetische Zustand des einst vorbildlichen und größten Landschaftsparks Königsbergs nicht seinem künstlerisch-historischen Erscheinungsbild.
2024 verspricht die städtische Einrichtung „Direktion der Landschaftsparks“, den Park wieder zum Leben zu erwecken … Irgendwann.
Dennoch hat der Park nach Ansicht von W. A. Agalzowa „in einzelnen Teilen prächtige Ausblicke, eine beträchtliche Zahl zukunftsfähiger Pflanzungen, historische Gestaltungselemente und kompositorische Knotenpunkte bewahrt“.
Wird die geplante Rekonstruktion seinem künstlerischen Bild entsprechen? Wird der Park nicht rekonstruiert, werden die meisten ästhetisch bedeutsamen Bäume, besonders Eiche und Buche, verschwinden, aus dem Baumbestand ausfallen. Wenn eine Rekonstruktion, die die Schlussfolgerungen der Fachexpedition nicht berücksichtigt, einen ausgedehnten Parkplatz und weitere Wirtschaftsbauten im „Herzen des Parks“ verlangt (erinnern wir uns, dass im historischen Park nur 1 % der Fläche bebaut war), werden die Bäume unter der Säge fallen.
Alles liegt in der Macht des Menschen, doch erinnern wir uns: „Die Achtung vor dem Vergangenen – das ist der Zug, der Bildung von Wildheit unterscheidet“ (A. S. Puschkin).
Aktuelle Fotos auf der Seite: Michail Ogorodnikow.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

