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Balga

Balga

Die Siedlung bei der Burg Balga entstand bereits in der Ordenszeit. Solche Kolonien von Siedlern, die ursprünglich aus Handwerkern, Hirten, Ackerbauern und Vertretern anderer mehr oder weniger gewöhnlicher Berufe bestanden und für die Versorgung der Burggarnisonen gebraucht wurden, nannte man traditionell Lischke. Je nach geografischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten wuchsen sie entweder zu Städten heran oder blieben Dörfer. Bei der Siedlung an der Burg Balga jedoch war eine Anomalie zu beobachten: Sie wurde nie „Lischke“ genannt, mitunter aber sogar als Stadt (Burg) bezeichnet – obwohl das Dorf Balga niemals Stadtrechte besaß.

Im 14. Jahrhundert (vermutlich zwischen 1320 und 1330) wurde im Dorf Balga die erste Kirche gebaut. In der Ordenszeit hielten traditionell Priester und Kapläne aus der Burg dort die Gottesdienste. Da der gewöhnliche Sterbliche aber nicht von geistlicher Nahrung allein lebt, wird ab 1430 im Dorf ein Krug erwähnt. Und 1447 wurde dort eine Windmühle errichtet.

Bekanntlich bezeichneten deutsche Familiennamen ursprünglich den Herkunftsort eines Menschen. Schon im 14. Jahrhundert werden aus Balga stammende Personen erwähnt. Die bekanntesten unter ihnen waren Günther von Balga, Ratsherr in der Altstadt (1339), und der ermländische Notar Naki von Balga (1349). Johann von Balga wird als Mönch des Klosters Oliva erwähnt (1337). In Thorn (Toruń, Polen) lebten Heinrich und Johann von Balga (1339) sowie der Kaufmann Bartold von Balga (1350), in Braunsberg (Braniewo, Polen) Claus von der Balga (1361).

Das Dorf Balga wurde während des Dreizehnjährigen Krieges (1454–1466) mehrfach von den Polen und ihren Verbündeten verwüstet. 1518 geriet unerwartet die örtliche Kirche in Gefahr: Die Obrigkeit befahl, sie weiter von der Burg weg zu verlegen und die Gemeindeglieder an einem anderen Ort zu bestatten. Doch der 1519 ausgebrochene Krieg des Deutschen Ordens gegen Polen, bekannt als Reiterkrieg, ließ diese Pläne in Vergessenheit geraten, und man kam nie wieder auf sie zurück. Im Verlauf dieses Krieges wurde das Dorf Balga von den Polen überfallen. 1520 brannten sie die Mühle nieder. Diese wurde allerdings bald an derselben Stelle wieder aufgebaut.


Siegel des Komturs von Balga

Siegel des Komturs von Balga.

Nach der Gründung des weltlichen Staates Herzogtum Preußen im Jahr 1525, in dem das Luthertum Staatsreligion wurde, ging die Burg Balga in den Besitz des ersten protestantischen Bischofs von Pomesanien, Georg von Polenz (um 1478–1550), über, und 1546 wurde an die Kirche von Balga ein lutherischer Pfarrer berufen.

Plan der Siedlung BalgaPlan der Siedlung rund um die Burg Balga aus dem Buch von Adolf Boetticher „Kunst und Architektur Natangens“.


Bei der Kirche wurde eine Schule eröffnet, in der Kinder (vorwiegend Jungen) aus Balga und den nächstgelegenen Dörfern unterrichtet wurden. Da die Geistlichen nun nicht mehr in der Burg wohnten, wurde im Dorf erstmals ein Pfarrhaus gebaut. Überhaupt war der Pfarrer der Kirche Balga in jenen Jahren ein recht wohlhabender Mann: Sein Jahresgehalt betrug 1575 70 Mark. Alte Geldbeträge mit heutigen zu vergleichen ist recht schwierig, doch zur groben Orientierung kann man davon ausgehen, dass man damals für eine Mark eine Kuh kaufen konnte. Allerdings wurde dem Pfarrer anfangs kein Grundstück für eine eigene Wirtschaft zugeteilt. Später aber erhielt er ein Landstück von 2 kulmischen Hufen, 19 Morgen und 294 Ruten zur Verfügung, was etwa 210 ha entsprach. Man ging davon aus, dass ein solches Grundstück ungefähr zweieinhalb Bauernfamilien ernähren konnte.

Das Leben der Städter und Bauern in der vorkapitalistischen Epoche bestand aus lauter Vorschriften und Beschränkungen. Streng begrenzt war alles: die Zahl der Höfe in den Ortschaften, die Größe der bewirtschafteten Flächen, die Länge des Arbeitstages, Menge und Qualität der Handwerkserzeugnisse, die Preise für landwirtschaftliche Produkte und andere Waren. Die Grundherren und Beamten jener Zeit kannten die Gesetze des Marktes noch nicht, doch die langjährige Erfahrung lehrte sie, dass sich auf diese Weise eine Überproduktionskrise, unlauterer (und lauterer!) Wettbewerb, Preisanstieg und Preisverfall, eine zu rasche Münzentwertung und soziale Erschütterungen infolge der Verarmung ganzer Bevölkerungsschichten vermeiden ließen. Fast alle Tätigkeiten erforderten eine Konzession, ein Patent oder besondere Privilegien.


Balga

Ohne Patent durfte man Bier für den Eigenbedarf brauen; wollte man aber überschüssiges Bier gegen die Tontöpfe des Nachbarn tauschen, musste man ein Privileg zur Eröffnung einer Brauerei kaufen, und war das eigene Bier so gut, dass das ganze Dorf es kaufen und trinken wollte, brauchte man ein Patent zur Eröffnung eines Kruges.

Gut BalgaSiedlung, Burg und Gut aus der Vogelperspektive.


Diese Privilegien waren jedoch nicht frei käuflich: Hatte jemand im Dorf bereits einen Krug eröffnet, so konnte es vorkommen, dass ein zweites Patent überhaupt nicht zu bekommen war – jedenfalls nicht auf ehrlichem Wege, ohne einen Beamten zu bestechen. Beschränkungen gab es schon seit der Ordenszeit auch für die Siedlungen bei Städten und Burgen. Man war der Ansicht, dass die Bewohner solcher Siedlungen die Gärten der Städte und Burgen pflegen sollten. Deshalb blieb an ihnen die Bezeichnung „Gärtner“ haften. Hier passt es, an die Namen der Königsberger Vorstädte zu erinnern, die ebenfalls „Gärten“ hießen – Roßgarten, Alter Garten, Nasser Garten. Die „Gärtner“ verrichteten natürlich oft auch andere Arbeiten und leisteten den Bewohnern der Burgen und Städte andere Dienste, als Landanteil durften sie jedoch nur kleine Parzellen besitzen. Dabei war die Burg verpflichtet, den Arbeitern Weideflächen und Futter für ihr eigenes Vieh zuzuteilen.

1617 wurde den „Gärtnern“ bei der Burg Balga durch ein besonderes Reskript gestattet, höchstens zwei Pferde, zwei Kühe, ein Kalb und vier Schweine zu halten. Man glaubte, dies werde die Nachfrage und die Preise für Heu und Hafer dämpfen und zugleich ein Absinken der Fleischpreise verhindern. 1669 kam sogar eine Kommission nach Balga, die feststellte, dass die örtlichen „Gärtner“ grob gegen die Gesetze verstießen. Das Vieh nahm man niemandem weg, doch dafür war eine Steuer zu zahlen. Überhaupt lebte die Bevölkerung Balgas damals recht ärmlich. Viele der „Gärtner“ befanden sich in Schuldknechtschaft, nur ein einziger Bauer war ein freier Kölmer (Köllmer) – ein freier Landwirt, der sein Land nach kulmischem Recht bewirtschaftete, d. h. als Pacht mit Geld- und Naturalabgaben.


Plan der SiedlungPlan des Dorfes Balga.

Dieser Kölmer namens Krüger war eine recht bemerkenswerte Persönlichkeit. Seine Vorfahren werden schon seit der Zeit des Deutschen Ordens als privilegierte Personen erwähnt. Angehörige dieser Familie bekleideten stets das Amt des Dorfschulzen. 1536 erhielt er als Einziger das Recht, Fisch für den eigenen Tisch zu fangen, und 1559 wurde dieses Recht auf den Fang von 30 Säcken Fisch mit sechs Netzen erweitert.

Am Ufer des Frischen HaffsEinheimische auf einem Segelschlitten vor der Küste bei Balga.


Trotz seiner Lage am Haffufer war das Dorf Balga dabei nie ein Fischerdorf. Vielleicht lag das an den allzu strengen Bedingungen für den Erwerb von Fischereilizenzen, doch die Gründe, aus denen die Einheimischen auf den Fischfang verzichteten, lassen sich nur schwer zuverlässig benennen.

1642 wurde in der Kirche von Balga eine Orgel aufgestellt. Der angestellte Organist war zugleich Leiter des Kirchenchors – Kantor – und Schullehrer. Ihm wurde ein Schulland für eine Nebenwirtschaft zugeteilt. Außerdem wurde er für seine Arbeit als Lehrer bezahlt. Im Ergebnis hatte der Schullehrer von Balga ein recht ordentliches Einkommen. 1654 erweiterte sich das Kirchspiel Balga, das stets als ziemlich klein galt, um drei weitere Dörfer: Newecken (Timirjasewo), Rensegut (54°31'31'' nördl. Br., 20°01'24'' östl. L.) und Romansgut (54°30'10'' nördl. Br., 20°01'28'' östl. L.)

1736 wurde die alte Windmühle zum wiederholten und letzten Mal umgebaut. Nach dem Umbau sollte sie noch 174 Jahre stehen und erst 1910 von einem Orkan zerstört werden.

Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der Eigentümer in Balga zu. Wer in der Gegend Landwirtschaft betreiben wollte, erhielt Urkunden über den erblichen Besitz eines Grundstücks. Danach hatte er Neuland sowie verlassene staatliche und kirchliche Ländereien zu bewirtschaften. Bis 1785 gab es im Dorf nur einen einzigen Kölmer – Krüger, der Dorfschulze war. Außer ihm lebten hier 43 Eigentümer in 39 Häusern, der Pfarrer, der Kantor, drei Arbeiter im Krug, 18 Arbeiter der Brennerei, zwei Kirchenbedienstete, 16 Bäuerinnen und ein Müller. Unter den Einwohnern waren ein Zimmermann, ein Tischler, ein Maurer, ein Böttcher, ein Bäcker, ein Stellmacher, ein Leinweber (ohne Lizenz), zwei Schneider und ein Schuhmacher.


Gästehäuser zur Haneda und Burg KrugDie Gästehäuser zur Haneda („Zur Haneda“ – so hieß die prußische Burg, an deren Stelle der Deutsche Orden die Burg Balga errichtete) und Burg Krug („Burgkrug“) am Eingang zur Vorburg von Balga.

Insgesamt hinterlässt die Beschreibung des Dorfes einen recht trostlosen Eindruck. Es wird vermerkt, dass der Boden hier sandig und sehr karg sei, die Ernten gering und die Wiesen zur Weide und Heugewinnung von mittelmäßiger Qualität. In der Umgebung gebe es überhaupt keinen Wald, und die Bewohner müssten ihn bei benachbarten Gütern kaufen, denen ausgedehnte „edle Wälder“ gehörten. Die Dorfwirtschaft verfügte über 51 Pferde, 7 Fohlen, 10 Ochsen, 62 Kühe, 9 Kälber und 73 Schweine.

Innenraum der Taverne Burg KrugInnenraum der Taverne Burg Krug.


Etwa ab 1800 ließen sich in Balga Reeder, Schiffskapitäne und Seeleute nieder. Ihre Schiffe lagen meist in der Nähe, an den Anlegestellen des Dorfes Rosenberg (Siedlung Krasnoflotskoje, heute Teil der Stadt Mamonowo). Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts begannen Seeleute aus Pillau (Baltijsk), in Balga Häuser zu kaufen. Mittelalterliche Fischereiverbote gab es zu dieser Zeit längst nicht mehr, doch die Leute, die auf dem Frischen Haff (Kaliningrader Bucht) arbeiteten, ließen sich traditionell lieber dort nieder, wo seit alters Anlegestellen und Häfen bestanden.

Im 19. Jahrhundert gab es neben der Burg Balga zwei Verwaltungseinheiten: die Landgemeinde Balga Flecken und den Gutsbezirk Gut (Vorwerk) Balga. Als Flecken bezeichnete man in Preußen größere ländliche Ortschaften, um die sich die umliegenden Dörfer gruppierten. Dort gab es stets eine Pfarrkirche, eine Schule und einen Markt. Manche Flecken erreichten an Einwohnerzahl die Größe einer kleinen Stadt, doch die Bevölkerung lebte dort traditionell von der Landwirtschaft. Gab es dort kleinere Betriebe, so waren sie auf die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse ausgerichtet. Außerdem konnten sich in den Flecken Sägewerke und kleine Werkstätten befinden, die Waren des täglichen Bedarfs für den örtlichen Markt herstellten. Die Provinz- und Kreisbehörden förderten die Entwicklung der Flecken, weil sich so mit verhältnismäßig geringen Investitionen die Versorgung der Landbevölkerung mit grundlegenden sozialen Leistungen verbessern ließ.


Jugendherberge in BalgaJugendherberge in Balga.

Gerade um die Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl derer zu, die an diesen malerischen Ort ziehen wollten. Bis 1846 zählte man im Gut und im Flecken Balga 65 Wohnhäuser.

Straße von Rosenberg nach BalgaDie Straße am Ufer des Frischen Haffs von Rosenberg nach Balga.


Der Flecken Balga bildete ab 1818 eine Landgemeinde im Kreis Heiligenbeil (Mamonowo). Die Kirche von Balga war Pfarrkirche für die umliegenden Dörfer und Güter – insgesamt gehörten zum Kirchspiel 12 Ortschaften. 1871 zählte Balga 61 Wohnhäuser, im Dorf lebten 183 Familien und 5 Ledige. Am 11.06.1874 wurde die Landgemeinde Flecken Balga in den neu gebildeten Amtsbezirk Balga eingegliedert.

Das Gut Balga bildete ab 1867 einen Gutsbezirk im Kreis Heiligenbeil. Das Gut gehörte zum Kirchspiel Balga. 1871 gehörten zum Gutsbezirk Balga außer dem Gut selbst auch das Waldhaus Lokehnen (Jablotschkino) und namenlose abgelegene Höfe (Abbauten). Insgesamt gab es im Gutsbezirk Balga 1871 17 Wohnhäuser (darunter 5 in den Abbauten und 1 in Lokehnen), in denen 45 Familien und 1 Lediger lebten. Am 11.06.1874 wurde der Gutsbezirk Balga in den neu gebildeten Amtsbezirk Balga eingegliedert. Ab 1883 waren stets Angehörige der Familie von Glasow, Besitzer des Vorwerks (Guts) Balga, Amtsvorsteher des Amtsbezirks Balga.

1905 gehörten zum Gutsbezirk Vorwerk Balga: das Neue Vorwerk Balga, das Alte Vorwerk Balga, das Dorf Schneckenberg und die Burgruine Balga. Spätestens 1908 wurde der Gutsbezirk Balga in die Landgemeinde Balga Gut umgewandelt.

Am 30.09.1928 wurden die Landgemeinden Flecken Balga und Gut Balga zur Gemeinde Balga zusammengeschlossen. Dementsprechend bestand die Gemeinde Balga nun aus dem Dorf Flecken Balga, dem Gut Balga, dem Neuen und dem Alten Vorwerk Balga, dem Dorf Schneckenberg und der Burgruine Balga.


Gelände der Vorburg der Burg BalgaDas hergerichtete Gelände der Vorburg der Burg Balga.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde Balga als touristisches Ziel betrachtet. Die Straße von Groß Hoppenbruch (Snamenka), wo sich der nächstgelegene Bahnhof befand, wurde instand gesetzt und mit Bäumen bepflanzt. Am 25.05.1925 eröffnete der Krugwirt am Haffufer eine Badeanstalt. 1929 wurde im Turm der Vorburg ein Heimatmuseum eröffnet, das über die Geschichte der Burg und des Kreises Heiligenbeil berichtete.

Steine von BalgaSteine aus den Festungsmauern der Burg Balga ruhen nach hundertjährigem Kriegsdienst am Strand aus.


Bei den Touristen beliebt waren die Bilder des Berliner Malers Kurt Malz, der eigens hierher gezogen war, um die malerischen Landschaften der Gegend zu malen. Neben dem Museum gab es ein Restaurant, das den Gästen vor allem Gerichte aus heimischem Fisch anbot – Aal und Zander. Die Einwohner Balgas verdienten sich in der Saison mit Pferdefuhrwerken etwas dazu, indem sie Besucher vom Bahnhof zur Burg brachten. Die Fahrt kostete 50 Pfennig, doch viele Burgbesucher gingen lieber zu Fuß über die malerische Straße. 1931 richtete der Besitzer des Hotels „Haus Balga“ eine Busverbindung zwischen dem Bahnhof Groß Hoppenbruch (Snamenka) und dem Dorf Balga ein.

Vor dem Zweiten Weltkrieg bauten die Bauern von Balga hauptsächlich Kartoffeln und Roggen an; die Ernten galten insgesamt als gut. Besonders entwickelt war jedoch die Viehzucht. Es gab einen Obstgarten von etwa 6,8 ha. Im Flecken Balga arbeiteten ein Bauunternehmen, ein Malerbetrieb, ein Schlachthof, ein Lebensmittel-, ein Kohlen-, ein Fisch- und ein Kurzwarengeschäft, zwei Schuhmacherwerkstätten, zwei Schneiderateliers und eine Änderungsschneiderei. Außerdem gab es eine Imkerei.

1939 wurde vor der Auffahrt zum Burgplateau ein Gedenkstein zum 700-jährigen Bestehen Balgas aufgestellt.

Nach den Bombenangriffen der britischen Royal Air Force auf Königsberg am 27./28. und 29./30. August 1944 beteiligte sich Balga an der Unterbringung der obdachlos gewordenen Königsberger. Im Wald beim Dorf wurden 12 Häuschen für Ausgebombte gebaut. Im März 1945 wurde im Raum Balga eine große deutsche Kräftegruppe ans Haff gedrängt. Dort sammelten sich auch Zivilisten, die versuchten, über das Haff auf die Frische Nehrung zu gelangen. Durch massiven Artilleriebeschuss wurden das Vorburggebäude, die Kirche und Häuser im Dorf Balga beschädigt. Die Wehrmachtsverbände erlitten erhebliche Verluste. Balga wurde am 29.03.1945 nach erbittertem Kampf endgültig eingenommen.


Strand unter den Mauern der Burg BalgaStrand unter den Mauern der Burg Balga.

Am 17.11.1947 wurde das Dorf Balga in Siedlung Wesjoloje umbenannt. Zunächst gehörte Wesjoloje zum Dorfsowjet Mamonowo. 1978 gab es in der Siedlung vier Häuser, drei davon auf dem Gelände der in Wesjoloje eröffneten Touristenbasis „Portowik“.

BalgaPortal der Kirche Balga.


An der Stelle des ehemaligen Schneckenberg wurde eine Treibstoffstation (Snamenka-Nowaja-3) gebaut – eine militärische Anlage, deren Zweck die Annahme, Lagerung und das Umfüllen von Treibstoff aus Kesselwagen der sowjetischen Spurweite in Kesselwagen der europäischen Spurweite war. Auf der Karte war sie als Milchviehfarm eingezeichnet.

Um 1988 wurde die Siedlung Wesjoloje aus dem Register gestrichen, obwohl dort noch Gebäude standen. In den 1990er Jahren entstand an der Stelle des Vorwerks und des Guts Balga und in der Umgebung eine Datschensiedlung. Die Treibstoffstation wurde stillgelegt. Stand 2018 wird die Treibstoffstation von einem kommerziellen Unternehmen genutzt; daneben befindet sich eine Wohnsiedlung für die Beschäftigten. Die Datschensiedlung ist teilweise mit Häusern bebaut, in denen Menschen ständig wohnen, offiziell existiert die Siedlung Wesjoloje jedoch nicht.

2021 pachtete die gemeinnützige Organisation ANO „Festungserbe des Kaliningrader Gebiets“ die Ruinen der Burg Balga; geleitet wird sie vom Kaliningrader Architekten Arthur Sarnitz und seinem Geschäftspartner, dem Bauunternehmer und Restaurator Waleri Schtscherbatych. Das Gelände ist vollständig geräumt und wird für archäologische Ausgrabungen vorbereitet. Inzwischen (Ende 2024) ist es vollständig hergerichtet, ein Netz sicherer Wanderwege ist angelegt, Informationstafeln zur Geschichte des Ortes sind aufgestellt, Planungsarbeiten laufen. Mehrfach kam die Kaliningrader Freiwilligenbewegung „Hüter der Ruinen“ den Pächtern zu Hilfe.

Sehenswürdigkeiten: Ruinen der Vorburg der Burg Balga (14. Jh.), Ruinen der Kirche Balga (14. Jh.), Reste der Gräben und Wälle der Burg (1239), Reste der Uferpromenade, Reste von Grabsteinen des 18.–19. Jh., altes Kopfsteinpflaster im Wald. Der Ort ist ein archäologisches Denkmal und ein Natur- und Geschichtsschutzgebiet.

Zum Nachschlagen

Bevölkerungsentwicklung von Gut und Dorf Balga (ab 1928 der vereinigten Gemeinde Balga): 1508 – 80, 1817 – 539, 1845 – 937, 1867 – 928, 1871 – 953, 1890 – 857, 1905 – 699, 1925 – 734, 1933 – 729, 1939 – 753 Einwohner.

Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Flecken Balga: 1867 – 685, 1871 – 699, 1885 – 635, 1905 – 504, 1910 – 483 Einwohner.

Bevölkerungsentwicklung des Gutsbezirks Balga: 1867 – 243, 1871 – 254, 1885 – 237, 1905 – 195, 1910 – 219 Einwohner.

Einwohnerzahl des Alten Vorwerks Balga: 1905 – 16 Einwohner.

Einwohnerzahl von Schneckenberg: 1905 – 11 Einwohner.

Einwohnerzahl der Burgruine Balga: 1905 - 4 Einwohner.

Bevölkerungsstruktur des Fleckens Balga 1871: evangelische Christen – 693, Katholiken – 3, sonstige Christen – 3, Kinder unter 10 Jahren – 191, des Lesens und Schreibens kundig – 444 (von 459 Befragten, 97 %), Taubstumme – 1, Geisteskranke – 1.

Bevölkerungsstruktur des Gutsbezirks Balga: alle 254 – evangelische Christen, Kinder unter 10 Jahren – 47, des Lesens und Schreibens kundig – 175 (85 %), Blinde – 1, Geisteskranke – 1.

Zahl der Wohnhäuser in Dorf und Gut Balga: 1785 – 39, 1846 – 65, 1871 – 78, 1905 – 81, 1925 – 86, 1939 – 91.

Struktur der Betriebe nach Flächengröße 1939: 0,55 ha – 8, 5-10 ha – 4, 10-20 ha – 6, 20-100 ha – 4, über 100 ha – 1.

Zusammensetzung des Kirchspiels Balga

Balga (Wesjoloje), Follendorf (Rybakowo), Groß Hoppenbruch (Snamenka), Kahlholz (Losowoje), Lindenberg (54°31'05'' nördl. Br., 19°58'32'' östl. L.), Newecken (Timirjasewo), Rensegut (54°31'31'' nördl. Br., 20°01'24'' östl. L.), Ritterthal (54°30'40'' nördl. Br., 20°00'12'' östl. L.), Romansgut (54°30'10'' nördl. Br., 20°01'28'' östl. L.), Schneckenberg (Wesjoloje, Teil), Schrangenberg (54°30'47'' nördl. Br., 20°00'30'' östl. L.), Wolitta (Utkino).


Postkarte aus Kahlholz


Amtsbezirk Balga

Am 11.06.1874 wurde im Kreis Heiligenbeil der Amtsbezirk Nr. 29 Balga gebildet, dem drei Landgemeinden angehörten: Balga Flecken (Wesjoloje), Kahlholz (Losowoje) und Wolitta (Utkino), sowie acht Gutsbezirke: Balga Vorwerk (Wesjoloje), Lokehnen (Jablotschkino), Mükühnen (Nekrassowo, heute Teil von Moskowskoje), Partheinen (Teil von Moskowskoje), Wangnieskeim (54°32'12'' nördl. Br., 20°04'43'' östl. L.), Weßlienen (Kunzewo), Wolittnick (Primorskoje) und Wolittnick Mühle (Primorskoje). Nach der Verwaltungsreform von 1881 bestand der Amtsbezirk Balga aus fünf Landgemeinden (Balga Flecken (Wesjoloje), Balga Gut (Wesjoloje), Kahlholz (Losowoje), Lindenberg (54°31'05'' nördl. Br., 19°58'32'' östl. L.), Wolitta (Utkino)), fünf Gutsbezirken (Lokehnen (Jablotschkino), Mükühnen (Nekrassowo, heute Teil von Moskowskoje), Partheinen (Teil von Moskowskoje), Weßlienen (Kunzewo), Wolittnick (Primorskoje)) und einem Teil des Forstes Födersdorf (Wald Rohrbruch, 54°33'32'' nördl. Br., 20°01'16'' östl. L.). Am 30.01.1914 wurde die Landgemeinde Follendorf (Rybakowo) in den Amtsbezirk Balga eingegliedert.

Am 30.09.1928 wurden die Landgemeinden Balga Flecken und Balga Gut zur Gemeinde Balga zusammengeschlossen. Der Gutsbezirk Lokehnen (Jablotschkino) kam zur neuen Landgemeinde Fedderau (54°32'52'' nördl. Br., 20°05'07'' östl. L.) im Amtsbezirk Pohren (Rasdolnoje). Die Gutsbezirke Mükühnen (Nekrassowo) und Partheinen (Moskowskoje) bildeten zusammen mit dem Gutsbezirk Stuthenen aus dem gleichnamigen Amtsbezirk die Landgemeinde Partheinen (Moskowskoje). Am 12.07.1929 kam die Gemeinde Groß Hoppenbruch (Snamenka) zum Amtsbezirk Balga. Dadurch bestand der Amtsbezirk Balga nun aus fünf Landgemeinden: Balga (Wesjoloje), Follendorf (Rybakowo), Groß Hoppenbruch (Snamenka), Kahlholz (Losowoje) und Wolitta (Utkino). Bis 1945 änderte sich seine Zusammensetzung nicht mehr.



Abbildungen: Bildarchiv Ostpreußen, bildarchiv-ostpreussen.de, Michail Ogorodnikow


Artikel von Emil Johannes Guttzeit „Balga“ in russischer Sprache: LINK (PDF)


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.