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Die Bastionen des ersten Wallrings von Königsberg

Die Bastionen des ersten Wallrings von Königsberg

Das Tor der Festung Friedrichsburg.

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In Artikeln und Aufsätzen zur Geschichte Kaliningrads und Königsbergs nimmt das Thema des ersten Königsberger Wallrings meist nur wenige Zeilen ein. Informationen über diese Bauwerke liegen nicht offen zutage, das Internet ist nicht voll von Fotografien. Und was ist heute noch von ihnen übrig? Nur ein Hügel mit der Grabplatte Friedrich Bessels, in dem kaum jemand eine einst gefürchtete Bastion erkennt, und eine lang gestreckte Erhebung an der Olsztynskaja-Straße.

Dabei waren die Bastionen des ersten Wallrings Zeugen der erstaunlichsten, interessantesten und bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte unseres Landes. Sie erlebten die Erklärung der Unabhängigkeit des Herzogtums Preußen und die Krönung des ersten preußischen Königs. Gerade durch ihre Tore zogen Napoleon und Fermor in die Stadt ein, gerade an ihren Wällen ging Immanuel Kant spazieren, gerade ihren Aufbau betrachtete der junge Zar Peter, um ihre Züge in dem noch nicht erbauten Petersburg zu verwirklichen. Mit ihnen war das Schicksal der Stadt ganze 200 Jahre lang verbunden.

Frischer Wind und Pulverdampf

Den Anbruch der Neuzeit in Europa verbindet man gewöhnlich mit der Renaissance. Natürlich ruft schon die bloße Erwähnung dieser erstaunlichen Epoche der Menschheitsgeschichte die Werke Raffaels und Leonardo da Vincis, das heliozentrische Weltsystem des Nikolaus Kopernikus und die medizinischen Forschungen des Paracelsus vor Augen. Doch auch in der Kriegskunst, darunter im Festungsbau, brach eine neue Zeit an. Der Grund dafür war das Aufkommen von Feuerwaffen in den europäischen Heeren. Nun wurde die mit Arkebusen und Musketen bewaffnete Infanterie, verstärkt durch die Artillerie, die damals noch keine eigenständige Waffengattung war, zur Hauptmacht auf den Schlachtfeldern, der die Ritterreiterei nicht mehr standhalten konnte.

Sobald die Artillerie den Kinderschuhen entwachsen war, erwiesen sich alle bisherigen Befestigungslösungen in Gestalt von Steinmauern und Türmen mit einem Schlag als veraltet.

Stein- und später gusseiserne Kugeln zertrümmerten das Mauerwerk und trafen die Verteidiger der Festung mit Ziegel- und Steinsplittern. Nun war es unabhängig von Dicke und Höhe der Mauern nur noch eine Frage der Zeit, bis Breschen geschlagen waren, durch die die Sturmtruppen in die Festung fluten würden. Umgekehrt eigneten sich die auf Mauern und Türmen beruhenden Burgen und befestigten Städte sehr schlecht für die Aufstellung von Festungsartillerie. Auf der Mauerkrone fanden nur kleine Geschütze Platz, und diese waren dem feindlichen Feuer leicht ausgesetzt. Die Türme wiederum waren für Geschütze zu klein und zu eng, und der Gebrauch von Schwarzpulver verwandelte die Burgtürme, in denen leichte Kanonen aufgestellt werden konnten, in regelrechte Gaskammern. Bereits im 15. Jahrhundert begann man in Europa nach neuen Befestigungsformen zu suchen, die den alles zermalmenden Belagerungsgeschützen Widerstand leisten konnten.

Für Preußen brach die neue Zeit an, als Albrecht von Brandenburg das Amt des Hochmeisters übernahm. Diese Zeiten waren für den Orden, offen gesagt, schwer. Das ganze Gefüge des Ordensstaates trieb unaufhaltsam dem Zusammenbruch entgegen. Und der Grund dafür war nicht einmal die Niederlage des Ordensheeres in der Schlacht bei Tannenberg (1410) oder die Unfähigkeit, die eigenwilligen städtischen Magistrate zur Vernunft zu bringen, die den Deutschen Orden im Dreizehnjährigen Krieg von 1454–1466 ausgezehrt hatten.

Die Ordensregel, die den Ordensrittern Eigentum und Familie (und folglich auch Erben) verbot, stand in direktem Widerspruch zu den Grundlagen der Feudalgesellschaft und ihrem Wertesystem.

Der Orden hatte sich als Korporation, die das Ziel der Unterwerfung Preußens und der Verbreitung des christlichen Glaubens vereinte, erschöpft. In Lehnsabhängigkeit von Polen geraten, wurde er zu einem Überbleibsel am Körper Europas, das nun Nationalstaaten aufbaute, gegründet auf die Macht des Monarchen und das Selbstverständnis des Volkes als seiner Untertanen. Und die Reformation, die den Norden Deutschlands erfasste, schlug den letzten Nagel in den Sarg des Ordensstaates.


Befestigungen KönigsbergsDrei Linien der Königsberger Befestigungsanlagen aus verschiedenen Epochen: die mittelalterliche, als jede der drei Pregelstädte eigene Stadtmauern hatte (in der Mitte); der erste gemeinsame Wallring des 17. Jahrhunderts; der zweite Wallring, errichtet Mitte des 19. Jahrhunderts (am weitesten vom Zentrum entfernt).


Als Albrecht den Orden auflöste (säkularisierte), erbte er aus der Ordenszeit ein ganzes Netz über das Herzogtum verstreuter Burgen. Diese Burgen waren im Text des Krakauer Vertrags aufgeführt, mit dem das neue Herzogtum den polnischen König als Lehnsherrn anerkannte. Außerdem besaßen Städte wie Altstadt, Löbenicht, Kneiphof, Friedland (Prawdinsk), Heiligenbeil (Mamonowo) und andere eigene Verteidigungsmauern. Da Albrecht wusste, dass all diese Befestigungen längst veraltet waren und der Bau neuer die Kasse des Herzogtums überfordert hätte, traf er die damals einzig richtige Entscheidung: mit den Nachbarn in Frieden zu leben, gestützt durch die Verpflichtung Polens, im Falle eines Angriffs von außen als Beschützer des Herzogtums aufzutreten. In dieser Zeit galt es, Preußens Rückstand gegenüber dem europäischen Stand von Wissenschaft, Bildung und Kultur aufzuholen, den Aufbau des Staates fortzusetzen und die Stellung der Lehre Luthers im Herzogtum zu festigen. Die friedliche Periode im Leben Preußens setzte sich auch nach Albrechts Tod während der nominellen Herrschaft seines Sohnes Albrecht Friedrich fort. Das führte dazu, dass Königsberg, als in Europa der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) entbrannte, völlig veraltete Befestigungen in Gestalt der Ritterburg und der Stadtmauern besaß, die für die europäischen Heere jener Zeit kein ernsthaftes Hindernis darstellten.

Das Zeitalter der Bastionärfronten

Und wie stand es in Europa? Dort hatten die Befestigungsanlagen bis dahin einen frappierenden Wandel durchgemacht: Die Steinmauer war durch den Erdwall ersetzt worden, der den Einschlägen von Kanonenkugeln lange und erfolgreich standhalten konnte. Die Türme wurden allmählich niedriger und breiter und schließlich ganz durch Bastionen ersetzt.

Die fünfeckige Form der Bastion soll von Albrecht Dürer vorgeschlagen worden sein – dem großen Maler, Mathematiker, Philosophen und Festungsbauer.

Der Wallabschnitt zwischen den Bastionen hieß nun Kurtine, und zwei Bastionen mit der Kurtine dazwischen bildeten eine Bastionärfront. Unmittelbar vor der Bastionärfront wurde ein Graben angelegt, dahinter folgte das Glacis – eine offene Fläche, die zum angreifenden Feind hin abfiel. Über dieses Glacis, ohne jede natürliche Deckung, mussten die feindlichen Abteilungen vorrücken, überschüttet vom Feuer der Festungsartillerie. Die auf dem Wall postierten Batterien und Soldaten hatten einen unbestreitbaren Vorteil: Das Profil des Glacis war so gestaltet, dass Kugeln und Geschosse beim Abfeuern dicht über seine Oberfläche hinwegstrichen. Dabei musste man weder die Richtung ändern noch sich neu einschießen, wenn der Gegner seine Stellung wechselte.

Die Bastionen des ersten Wallrings von Königsberg

Die Bastionen des ersten Wallrings von Königsberg.

Ein hoher Wall gewährleistet eine wesentlich größere Schussweite als die der Angreifer. Zudem deckt das Glacis den Fuß des Walls gegen die Gegensalven der Artillerie, die obendrein gezwungen ist, auf einer ungünstigen Steilfeuerbahn zu schießen. Und all das unter ständigem Gegenfeuer. Jene Abteilungen der Belagerer aber, denen es gelungen wäre, das Glacis zu durchqueren, den Graben zu überwinden und den Erdwall zu erreichen, gerieten in das mörderische flankierende Gewehr- und Geschützfeuer der Bastionen. Die an deren Flanken aufgestellten Batterien werden durch die Facen der Bastionen gedeckt und sind daher für Artilleriefeuer aus großer Entfernung unverwundbar. Sie greifen unversehrt in den Kampf gegen einen bereits arg zerzausten Gegner ein und treffen ihn mit Feuer aus nächster Nähe. Und schließlich gerät ein Angriff auf die Bastion selbst in dasselbe Kreuzfeuer aus der angegriffenen Bastion, den angrenzenden Kurtinen und den benachbarten Bastionen.

Durch den Bau eines Bastionsgürtels entsteht ein Befestigungssystem, in dem jedes Werk die benachbarten mit seinem Feuer deckt und selbst von ihnen gedeckt wird.

Als sich das oben beschriebene Konzept der Bastionärfestung endgültig gegen die Ewiggestrigen mit ihren Steinmauern und hohen Türmen durchgesetzt hatte, blieb nur noch, die optimalen Wallprofile und den Grundriss der Bastion auszuarbeiten. Dieser Aufgabe nahmen sich Mathematiker an (darunter der bereits erwähnte Dürer). Es wurden mehrere Proportionssysteme und Verfahren zum Entwurf von Bastionen für Festungen unterschiedlicher Größe und Form entwickelt, wobei sich jeder Entwerfer als Schöpfer der idealen Form der Bastionärfront betrachtete. Die Begeisterung für mathematische Methoden im Festungsentwurf nahm sogar etwas übersteigerte Formen an, denn auf der Jagd nach der „richtigen“ Geometrie berücksichtigten die Festungsbauer mitunter das natürliche Geländerelief nicht – ganz nach dem russischen Sprichwort: „Auf dem Papier war alles glatt, nur die Schluchten hatte man vergessen.“

Willst du Frieden, so rüste zum Krieg

Doch wir sollten zu Königsberg und der Geschichte seiner Befestigung zurückkehren. Den Dreißigjährigen Krieg, in dem die protestantisch gewordenen Staaten einer Liga katholischer Staaten gegenüberstanden, nennen Historiker mitunter den „eigentlichen ersten Weltkrieg“. Daran ist etwas Wahres, denn wenngleich sich nicht alle Staaten Europas mit Waffen an ihm beteiligten, berührte er doch auf die eine oder andere Weise alle europäischen Gebiete. Wie nach den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts entstand nach dem Dreißigjährigen Krieg eine neue Nachkriegsordnung – das Westfälische System.

In diesem Krieg stand das Herzogtum Preußen, in dem bereits die brandenburgische Dynastie der Hohenzollern herrschte, vor einem Dilemma: Als lutherischer Staat hätte Preußen die Protestanten unterstützen müssen, als Vasall Polens aber die katholische Liga.

Deshalb tat Georg Wilhelm, Herzog in Preußen und zugleich Kurfürst von Brandenburg, alles, um sich den Kampfhandlungen zu entziehen und die Neutralität zu wahren. Das gelang nur zum Teil. Am 6. Juli 1626 landete in Pillau (heute Baltijsk) überraschend ein schwedisches Landungskorps von 8000 Soldaten. Befehligt wurde es von einem der Haupthelden dieses Krieges – dem schwedischen König Gustav II. Adolf. Sein Ziel war die Eroberung der polnischen Ostseeküste, die es ermöglicht hätte, die Ostsee zu einem Binnenmeer der verbündeten protestantischen Staaten zu machen. Königsberg selbst interessierte ihn eigentlich nicht, da Gustav Adolf es von vornherein als seine Etappenstadt betrachtete. Dabei war er erstaunt, dass die Hauptstadt des Herzogtums Preußen mitten in einem allgemeinen Krieg völlig unvorbereitet auf eine Verteidigung war. Gerade der schwedische König bestand nachdrücklich (d. h. unter Androhung militärischer Maßnahmen) darauf, dass der Herzog unverzüglich mit dem Bau moderner Befestigungen um die Stadt beginne, damit sie nicht kampflos in die Hände seiner Gegner falle. Es gibt allerdings auch eine andere Ansicht, nach der der Herzog den Bau der Festung aus eigenem Entschluss anordnete, da sowohl die polnische als auch die schwedische Seite ständig drohten, die Stadt einzunehmen, falls Preußens Neutralität nicht gewahrt würde. Die Berechnung des Wallrings führte der Königsberger Mathematiker Johann Strauß aus. Den Bauentwurf lieferte der Architekt Konrad Burk. Die Bauarbeiten leitete Burggraf Abraham zu Dohna.

Die Umwallung der Stadt war bis zu seinem Tod im Jahr 1631 im Wesentlichen abgeschlossen, endgültig fertig war der Bastionsgürtel 1634.

Was stellte nun der neue „Harnisch“ Königsbergs dar? Zunächst ist festzuhalten, dass die Festung groß ausfiel. Vielleicht sogar eine der größten in Europa. Sie bestand aus 26 Bastionen, acht Halbbastionen und neun Stadttoren. Nach Schätzungen von Militärhistorikern war für ihre Verteidigung eine Besatzung von 15 000 Soldaten nötig. Ein solches Heer gab es im ganzen Herzogtum nicht. (Eine vollwertige Garnison erhielt Königsberg erst 100 Jahre später unter König Friedrich Wilhelm I.) Die Festungswälle und Bastionen bestanden aus Holz und Erde, ohne jegliche unterirdische Räume. Viele Tore trugen uns vertraute Namen: Roßgärter, Sackheimer, Friedländer, Brandenburger, Ausfalltor. Sie lagen relativ nahe an den gleichnamigen, aber wesentlich später erbauten Toren des zweiten Wallrings, die bis heute erhalten sind. Das Steindammer Tor stand genau vor dem heutigen Eingang des Einkaufszentrums „Jewropa“, der zur Tschernjachowski-Straße hin liegt. Das Ausfalltor („Tor für Ausfälle“) – an der Stelle des Gebäudeflügels des Kaliningrader Juristischen Instituts, der zur General-Butkow-Straße hinausgeht. Der Holländer Baum („Holländischer Baum“) – an der Marschall-Bagramjan-Uferstraße vor der Auffahrt zur Doppelstockbrücke. Das Brandenburger Tor – an der Schelesnodoroschnaja-Straße vor dem Gebäude des Sortierzentrums der Russischen Post. Das Friedländer Tor – an der Dserschinski-Straße, wo sich heute die Gabelung der neuen Hochstraßenbrücke befindet. Das Tor Neue Sorge – an der Stelle des rechten Flügels der Kaserne „Kronprinz“. Das Tragheimer Tor – an der Kreuzung von Tschernjachowski- und Gorki-Straße.

Das Roßgärter und das Sackheimer Tor standen an derselben Stelle, an der wir sie heute zu sehen gewohnt sind. 1765 wurde noch ein weiteres Tor durchgebrochen, das zunächst Gumbinner Tor hieß und 1811 zum Königstor wurde.

Die Stadttore waren befestigte Steinbauten mit einer Durchfahrt, gedeckt mit einem ziegelgedeckten Walmdach. Neben den Toren befand sich ein kasemattierter Raum für die Wache. Die Bastionen der städtischen Umwallung trugen keine eigenen Namen. Auf den heutigen Stadtplan übertragen, verlief der Bastionsgürtel entlang folgender Straßen: Tschernjachowski-Straße, General-Galizki-Straße, General-Butkow-Straße, Schelesnodoroschnaja-, Olsztynskaja-, Oktjabrskaja-Straße und Litowski Wal. Auf der Insel Lomse (Oktjabrski-Insel) lässt sich der Verlauf des Verteidigungswalls nur schwer den heutigen Straßen zuordnen.

Eine Festung in der Festung

Den Abschluss des Wallrings bildete 1657 der Bau der Festung (des Forts) Friedrichsburg. Initiator des Baus war der Herzog in Preußen und Kurfürst von Brandenburg Friedrich Wilhelm, bekannt als der „Große Kurfürst“. In seiner Regierungszeit wurde nicht nur die Unabhängigkeit des Herzogtums von der polnischen Krone erreicht, sondern es verschärfte sich auch der Machtkampf mit dem städtischen Adel. Im Grunde stand die Frage, ob Preußen eine absolute Monarchie werden oder sich nach polnischem Vorbild in eine „Adelsrepublik“ verwandeln würde. Da sich der gesamte Machtkampf in Königsberg abspielte, zielte der Bau des Forts darauf, die städtischen Magistrate in die Schranken zu weisen.

Nach allen Regeln der damaligen Bastionärbauweise errichtet, wurde das Fort zum Schlüssel der Stadt von der Seeseite her. Nun konnte kein Schiff mehr in den Stadthafen einlaufen, ohne ins Visier seiner gefürchteten Artillerie zu geraten.

Zumal beim Fort eine Baumsperre angelegt wurde – der Holländer Baum, der „holländische Baum“. Eine zweite solche Sperre, der „litauische Baum“, verschloss die Stadt flussabwärts. So befand sich die Stadt im Falle von Unruhen und Aufständen ohne besonderen zusätzlichen Aufwand seitens des Herzogs im Belagerungszustand.

Fort Friedrichsburg

Fort Friedrichsburg auf einer Karte von 1815.

Das Fort Friedrichsburg hatte die für den damaligen Festungsbau klassische Form einer regelmäßigen geometrischen Figur – eines Quadrats. In jeder seiner Ecken lag eine Bastion. Die dem Pregel abgewandte Seite war zusätzlich durch ein dreieckiges Ravelin gedeckt. Den Entwurf des Forts erarbeitete Christian Otter, ein an der Albertina ausgebildeter Mathematiker, der zu einem der Väter des sogenannten „niederländischen Befestigungssystems“ wurde. Die vier Bastionen des Forts trugen eigene Namen: Rubin, Smaragd, Diamant und Perle. Ausgeführt waren sie jedoch in Holz und Erde. Im Innern der Festung gab es einen Festungshof, der für Appelle und Übungen der Garnisonssoldaten diente. Die außerordentlich günstige Lage des Forts führte dazu, dass die Friedrichsburg, als im 19. Jahrhundert die Frage nach dem Abriss der Wallbefestigungen und dem Bau eines neuen Bastionsrings aufkam, als einziges der alten Bauwerke an seinem Platz blieb und lediglich tiefgreifend umgebaut wurde. Heute ist von der Festung das Einfahrtstor erhalten, das 1852 beim Umbau des Forts errichtet wurde.

Für die russische Geschichte ist das Fort Friedrichsburg dadurch bemerkenswert, dass hier 1697 der Unteroffizier des Preobraschenski-Regiments Pjotr Michailow, uns besser bekannt als Peter der Große, das Mörserschießen mit Auszeichnung absolvierte, worüber er später, bereits nach Moskau zurückgekehrt, ein Zeugnis erhielt, das ihn als „vollkommen im Bombenwerfen, als umsichtigen und kunstfertigen Feuerwerkskünstler“ anerkannte.

Festungshistoriker versichern, dass das Fort Friedrichsburg in Peters Plänen später zum Vorbild für Kronstadt wurde – die Schlüsselfestung von Petersburg. Eine gewisse Logik lässt sich darin jedenfalls erkennen.

Als Georg Wilhelm den Befehl zum Bau des Wallrings gab, konnte er kaum ahnen, dass dieser für die Stadt so notwendige Festungsbau in ihrem Schicksal im Grunde keine Rolle spielen würde. Genauer gesagt: keine nennenswerte militärische Rolle. Während des Bestehens des ersten Wallrings war dreimal ein fremdes Heer in Königsberg. Doch jedes Mal lagen die Dinge so, dass es für den weiteren Verlauf der Kampfhandlungen keinerlei Bedeutung hatte, ob Königsberg alle Lasten einer Belagerung zu tragen hätte oder ob sein Bürgermeister die Schlüssel der Stadt und des Forts Friedrichsburg dem Befehlshaber der anrückenden Truppen überbringen würde (wie es im Januar 1758 beim Herannahen der russischen Armee geschah). 1807, nachdem die russische Armee bei Friedland eine Niederlage erlitten hatte, sträubte sich die Festung Königsberg zum ersten Mal seit langen Jahren gegen die napoleonischen Truppen, doch genau einen Tag lang. Der Festungskommandant befahl der Garnison am 14. Juli, auf den stark zerflossenen Erdbastionen Verteidigungsstellung zu beziehen, erhielt aber bereits am 15. den Befehl, die Stadt zu übergeben und sich mit der zurückweichenden russischen Armee zu vereinigen. Zwischen diesen Ereignissen kam es zu einem kurzen Beschuss der Stadt durch die französische Artillerie, der keine nennenswerten Zerstörungen anrichtete. Noch stiller und schon ganz ohne Kampf verließen die Franzosen im Januar 1813 die Festung Königsberg, und gleich darauf rückten Wittgensteins russische Abteilungen in die Stadt ein. Damit endete die Militärgeschichte der Erdbefestigungen. Und der beste Beweis dafür war der Bau der Königsberger Sternwarte auf einer der Bastionen im Jahr 1813. Symbolisch? Wohl ja. Ebenso symbolisch ist, dass Immanuel Kants liebster Spazierweg, der Philosophendamm genannt wurde, genau an den Bastionen des Forts Friedrichsburg vorbeiführte. Ist es nicht viel angenehmer, sich bewusst zu machen, dass unsere Stadt eine Zitadelle der Philosophie, der Astronomie und der Mathematik war und nicht nur eine „Höhle des preußischen Militarismus“?


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.