Das Hauptziel dieses massenhaften Baus von Bismarcktürmen war es, den Gründer des Deutschen Kaiserreichs, Otto von Bismarck, zu ehren.
Die Türme wurden aus privaten Mitteln errichtet; in den meisten Fällen brachte man das Geld für den Bau gemeinschaftlich durch Spenden auf. Es wurden Entwurfswettbewerbe ausgeschrieben, und als Standorte wählte man die schönsten und geeignetsten Plätze, vorwiegend Anhöhen, von denen aus man das umliegende Land und die Ortschaften überblicken konnte und die auch die Türme selbst weithin sichtbar machten. An bestimmten Tagen wurde auf den Türmen ein Feuer entzündet*, um die Bewohner der Umgebung an die großen Verdienste des „Eisernen Kanzlers“ zu erinnern, der das Deutsche Reich geeint hatte.
Deshalb tauchen heute oft abwegige Vermutungen auf, über die Türme seien mithilfe von Feuer Signale übermittelt worden. Das wäre jedoch recht schwierig gewesen, da die meisten Türme weit voneinander entfernt liegen, und im Zeitalter von Telegraf und Telefon wäre es auch überflüssig gewesen.
Auch an Ostpreußen (dessen Gebiet heute zum Teil das Kaliningrader Gebiet bildet) ging der Bau von Bismarcktürmen nicht vorbei. Insgesamt entstanden in unserer Gegend acht Türme, die nach der Teilung Ostpreußens infolge des Zweiten Weltkriegs zu gleichen Teilen aufgeteilt wurden: vier Türme liegen in Polen** und vier im Kaliningrader Gebiet.
Die folgenden vier Türme befinden sich im heutigen Polen:
– Drengfurt (Srokowo) – der 12,5 Meter hohe Turm wurde am 19. Oktober 1901 eingeweiht und ist heute halb verfallen;
– Osterode (Ostróda) – der 21 Meter hohe Turm wurde am 01. April 1902 eingeweiht, ist restauriert und heute in gutem Zustand;
– Sensburg (Mrągowo) – der 23 Meter hohe Turm wurde am 23. Juni 1905 eingeweiht, ist restauriert und heute in gutem Zustand;
– Soldau (Działdowo) – der 12 Meter hohe Turm wurde vor 1914 errichtet und ist heute halb verfallen; über diesen Turm ist nur sehr wenig bekannt.
Im Folgenden betrachten wir die Bismarcktürme, die auf dem Gebiet des heutigen Kaliningrader Gebiets standen. Sie alle wurden etwa zur gleichen Zeit, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, errichtet und befanden sich auf Anhöhen in der Umgebung größerer Städte. Von den vier erbauten Türmen sind nur zwei bis heute erhalten.
Der Bismarckturm bei Gumbinnen (Gussew)

Erste Pläne für die Errichtung eines Bismarckturms wurden in Gumbinnen bereits 1899 vorgestellt; damals bildete sich auch ein Baukomitee unter dem Vorsitz des Landrats. Als Bauplatz wählte man die Kallner Höhen (Kallner Höhen) – 115 Meter über dem Meeresspiegel.
Den Entwurf des Turms fertigte der Gumbinner Kreisbaumeister Menzel. Die Baukosten beliefen sich auf 15.000 Mark, die durch freiwillige Spenden aufgebracht wurden.
Der Grundstein wurde am 1. April 1902 gelegt. Die Bauaufsicht führte der Königliche Bauinspektor Gissling. Als Baumaterial dienten Granitblöcke, die aus Masuren herangeschafft wurden. Der Turm war 12 Meter hoch. In seinem oberen Teil war eine Tafel mit dem Familienwappen und der Inschrift BISMARCK angebracht, auf der offenen Plattform eine Feuerschale.
Die feierliche Einweihung des Turms fand am 14. Juni 1903 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt.
Der Turm wurde zu einer der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Kreises und zu einem beliebten Ausflugsziel für Einheimische und Besucher.
Am bequemsten erreichte man ihn mit dem Auto über eine Straße, die fast bis an den Turm heranführte. Wanderfreunde legten einen Teil des Weges mit der Eisenbahn (in Richtung Darkehmen, heute Osjorsk) bis zum Haltepunkt Balbern zurück und gingen von dort zu Fuß über den Hügelkamm zum Turm.
Der Turm stand bis zum 20. Januar 1945, als er beim Vormarsch der sowjetischen Truppen von deutschen Pionieren gesprengt wurde, um der feindlichen Artillerie einen Orientierungspunkt zu nehmen.
Heute sind an der Stelle des Turms noch die Granitblöcke des Fundaments erhalten, und eine Sandgrube reicht unmittelbar an den Ort heran, an dem er einst stand.
Der Bismarckturm bei Königsberg (Kaliningrad)

Die Idee, bei Königsberg einen Bismarckturm zu errichten, kam bereits 1898 auf. Auf Anregung des örtlichen Alldeutschen Verbandes wurde ein Komitee für den Bau des Turms unter dem Vorsitz von Staatsrat Karl Ouvrier*** gebildet.
Doch erst am 1. Mai 1902 wurde ein Architektenwettbewerb für den Entwurf ausgeschrieben. Sieger wurde der Königsberger Architekt Richard Jepsen Dethlefsen, dessen Entwurf dann auch zur Ausführung bestimmt wurde.
Die Gesamtkosten des Turms beliefen sich auf 28.000 Mark, doch bei Baubeginn waren erst 11.000 Mark beisammen. Der Geldmangel verzögerte den Bau in der Folge mehrfach und hätte beinahe zur Aufgabe des Projekts geführt.
Als Standort für den künftigen Turm wählte man den höchsten Punkt des Samlands – den Galtgarben, 111,4 Meter über dem Meeresspiegel. Die feierliche Grundsteinlegung fand am 20. August 1902 statt. Als Baumaterial dienten Granitblöcke, die im Samland unweit der Baustelle gewonnen wurden, sowie herbeigeschaffte Steine, die eigens für den Bau gestiftet worden waren. Doch schon Ende 1902 kamen die Arbeiten wegen schwindender Mittel zum Erliegen.
Anfang 1903 wurde ein Komitee zur Sicherung der Finanzierung des Turmbaus gegründet. Am 20. Februar 1903 veranstaltete man einen Wohltätigkeitsabend, und am 26. und 27. Februar wurde im Theater „Louisenhöhe“ das Ballett „Aschenputtel“ aufgeführt, dessen Einnahmen in den Baufonds flossen. Später, 1904, fanden weitere Wohltätigkeitsabende statt, darunter ein Konzert im Gasthaus Drugehnen unweit der Baustelle, bei dem 760 Mark zusammenkamen.
Die Kreise Königsberg und Fischhausen (Primorsk) halfen mehrfach dabei, Geld für die Wiederaufnahme des Turmbaus zu sammeln.
Letztlich wurden die Bauarbeiten erst im Frühjahr 1905 wieder aufgenommen und Mitte 1906 abgeschlossen.
Der im Querschnitt quadratische Turm war 22,58 Meter hoch. Oben wurde traditionsgemäß eine Feuerschale angebracht. Über dem Eingang prangte das Bismarck-Wappen.
Die feierliche Einweihung des Turms fand am 23. September 1906 statt. In all den folgenden Jahren war er ein beliebter Ort für Ausflüge, Veranstaltungen und Kundgebungen. Zu diesem Zweck wurde Anfang 1914 vor dem Eingang an der Südseite ein offener Festplatz (Festhalle) angelegt. So fand dort im Juni 1914 ein Treffen der samländischen Jugend in Anwesenheit von Generalfeldmarschall Freiherr von der Goltz statt.
Im Winter waren Turm und Berg wegen der umliegenden Skiloipen beliebt, ebenso wegen einer Sprungschanze, die am Fuß des Turms begann.
Außerdem befanden sich auf dem Berg beim Turm und am Südhang Denkmäler zur Erinnerung an die Teilnehmer der Napoleonischen Kriege. So wurde 1818 auf Initiative des Kriegsrats Johann George Scheffner auf dem Berg ein Kreuz auf Granitblöcken zu Ehren der Gefallenen des Befreiungskrieges gegen Napoleon errichtet. Auf gusseisernen Platten waren die Schlachten dieses Krieges aufgeführt, und in einen Granitblock war die Inschrift „27. September 1818“ gemeißelt. 1888 wurde das Denkmal restauriert. Am Südhang des Berges stand ein weiteres Denkmal mit der Darstellung eines Schwertes und einer Fackel; seine Inschrift lautete: „Den Tausenden, die für das Vaterland gefallen sind, die Lob und Dank verdient haben. 1818“. Dort, auf dem Gipfel des Berges, wurde 1820 auch Scheffner selbst beigesetzt, den die Königsberger den „Beweger der geistigen Kräfte“ nannten.
Der Turm stand bis 1945. In der Nacht zum 1. März wurde er von sowjetischen Truppen während eines erbitterten Gefechts gesprengt; Schilderungen dieses Kampfes und der Sprengung des Turms finden sich sowohl in den Erinnerungen sowjetischer als auch deutscher Augenzeugen und Kampfteilnehmer****.
Heute befindet sich auf dem Berg eine Militäreinheit, und an der Stelle des Denkmals steht ein Obelisk zum Gedenken an die Gefallenen mit der Inschrift: „Soldat! Sei des Andenkens derer würdig, die in den Kämpfen um die Befreiung dieser Höhe gefallen sind.“
Der Bismarckturm bei Ragnit (Neman)

Die Idee, einen Turm an der Memel zu errichten, stammte vom Landrat des Kreises Ragnit (Neman), Graf Georg von Lambsdorff. Er wollte bereits Mitte 1899 mit dem Bau beginnen. Doch wieder scheiterte alles an der Finanzierung. Anfang 1910 befanden sich im Baufonds lediglich 8.000 Mark, während die Gesamtkosten der Arbeiten 17.000 Mark betrugen.
Als Bauplatz wählte man den Signalberg (Signalberg) in der Ortschaft Ober-Eißeln (heute Garino/Gorino), 67,8 Meter über dem Meeresspiegel. Der Grundstein des Turms wurde 1911 gelegt. Die Arbeiten führte die Baufirma Evermann aus Ragnit aus. Der Kern des Turms wurde aus Ziegeln gemauert und anschließend mit Granitplatten verkleidet.
Der Turm war 19,7 Meter hoch, hatte einen quadratischen Grundriss und eine Breite von 6 Metern. Oben befand sich eine Feuerschale, zu der eine Treppe mit vier Läufen zu je 18 Stufen hinaufführte. Über dem Eingang war eine Tafel aus grob behauenem Stein mit der Inschrift BISMARCK angebracht.
Die feierliche Einweihung fand am 17. August 1912 statt. Bei der Eröffnung hielt Landrat Hans von Trebra eine Rede und überbrachte die Glückwünsche des Initiators des Projekts, Graf von Lambsdorff.
Der in einem Waldpark gelegene Turm war bei den Bewohnern und Gästen des Kreises sehr beliebt. Neben dem Turm gab es ein Ausflugslokal, von dem eine Spaziertreppe hinunter zur Memel führte.
Im Ersten Weltkrieg wurde der Turm beim Beschuss durch russische Batterien beschädigt; am 12. Juli 1914 kam der deutsche Beobachter Karl Wendt durch eine Splitterverletzung ums Leben und wurde später mit militärischen Ehren am Turm beigesetzt. 1933 wurde an der Nordseite des Turms auf eigenen Wunsch auch der Landrat Dr. Bernhard Penner begraben, der bei einem Jagdunfall ums Leben gekommen war.

Heute befindet sich der Turm in einem äußerst bedauernswerten Zustand. Die Granitverkleidung ist abgebröckelt. Der obere Teil des Turms ist zerstört, die Treppe ebenfalls teilweise, und der Aufstieg ist lebensgefährlich. Die Gräber am Turm wurden geplündert und sind verloren.
Der Bismarckturm bei Insterburg (Tschernjachowsk)

Die Idee, bei Insterburg einen Bismarckturm zu errichten, brachte der Gutsbesitzer Wagner 1908 erstmals vor. Im selben Jahr wurde in der Stadt ein Komitee für den Bau des Bismarckturms gegründet, das sich der Sammlung von Geldern widmete. Die für die Arbeiten benötigte Gesamtsumme von 15.000 Mark kam durch freiwillige Beiträge und Spenden zusammen.
Als Bauplatz für den Turm wurde ein 33 Meter hoher Hügel unweit des Zusammenflusses von Inster (Instrutsch) und Angerapp (Angrapa) gewählt, wo der Pregel (heute Pregolja) entspringt.
Den Entwurf des Turms erarbeitete der Insterburger Architekt Schlichting. Im Juni 1913 verkündete er auf einer Sitzung des Komitees, dass alle erforderlichen Baumaterialien bereits auf dem Gelände lägen und mit dem eigentlichen Bau begonnen werden könne. Die Arbeiten wurden dem Bauunternehmer Emil Kadereit übertragen. Die Bauaufsicht führte Regierungsbaumeister Bode zu Kreuznach.
Der Turm war 15 Meter hoch, der quadratische Grundriss maß sechs Meter in der Breite. Als Baumaterial dienten außen unbearbeitete Feldsteine, innen Ziegelmauerwerk. Oben auf der offenen Plattform befand sich die traditionelle Feuerschale. Über dem Eingang war eine Tafel mit der Inschrift BISMARCK angebracht.
Bei der feierlichen Einweihung am 7. September 1903, zu der zahlreiche Bürger erschienen waren, hielt der Regierungspräsident des Regierungsbezirks Gumbinnen, Dr. Gramsch, die Festrede. An die Gräfin von Bismarck wurde ein Telegramm geschickt mit der Nachricht, dass der Bismarck-Gedächtnisturm unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eröffnet und geweiht worden sei. Als Antwort traf ein Telegramm mit Dankesworten ein.
Der bei den Einheimischen und den Gästen des Kreises beliebte Turm überstand das Ende des Zweiten Weltkriegs. Heute ist er baufällig. Treppe und obere Plattform sind teilweise zerstört, ein Teil des Feldsteinmauerwerks ist verloren gegangen.

2011 wurde der Turm im Rahmen des Projekts „InsterGOD“ vermessen und fotografisch dokumentiert; zudem entstand ein Vorentwurf für seine Restaurierung (Projekt).
So weit die kurze Geschichte der Bismarcktürme auf dem Gebiet des heutigen Kaliningrader Gebiets. Die erhaltenen Ruinen – anders kann man sie nicht nennen – sind bei einheimischen und auswärtigen Touristen beliebt, doch ihr baufälliger Zustand lässt befürchten, dass wir in naher Zukunft auch diese Sehenswürdigkeiten verlieren könnten.
Fotos des Autors und aus dem „Bildarchiv Ostpreußen“ (www.bildarchiv-ostpreussen.de).
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* Die meisten Türme waren oben mit einer Feuerschale ausgestattet, in der an bestimmten Tagen ein Feuer entzündet wurde – an Bismarcks Geburtstag oder am Jahrestag der Reichsgründung.
** Insgesamt sind auf dem Gebiet des heutigen Polen 17 Türme erhalten.
*** Staatsrat Karl Ouvrier (Karl Ouvrier) war zugleich Vorsitzender der Königsberger Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes.
**** Zum Beispiel: Кобылянский И.Г. Прямой наводкой по врагу. М.: Яуза, Эксмо, 2005. Oder: Fischer-Borken K. Sturm auf Galtgarben/Der Landser. № 314.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

