In den Medien der an das Kaliningrader Gebiet grenzenden Regionen (der Woiwodschaften Pommern, Ermland-Masuren und teilweise Podlachien) ist Kaliningrad natürlich regelmäßig in den Nachrichten. Die Lokalblätter schreiben über Kaliningrad im Rahmen der Themen, die für ihre Region am wichtigsten sind. Der Grund für dieses Interesse liegt auf der Hand. Viele Bewohner der polnischen Grenzstädte und -dörfer betreiben „legalen Schmuggel“ mit Benzin und suchen deshalb Informationen über die Lage an der Grenze und Ähnliches. So erschien zum Beispiel in der Danziger Ausgabe der Zeitung Wyborcza mein Artikel über den Start einer Frachtfährverbindung zwischen Kaliningrad und Deutschland. Daneben gibt es aber noch zahlreiche landesweite Medien, die in ganz Polen gesehen, gehört und gelesen werden. Dort kommt das Kaliningrader Gebiet nicht allzu oft vor, und wenn, dann vor allem unter zwei Gesichtspunkten. Erstens sind das Nachrichten mit militärischem Bezug, die vor dem Hintergrund der Spannungen zwischen Russland und dem Westen auftauchen.
Polens einzige Grenze zu Russland ist die Grenze zum Kaliningrader Gebiet, wo große Streitkräfte konzentriert sind.
Zweitens geht es natürlich um die polnisch-russische Zusammenarbeit in der Grenzregion.
Journalisten großer polnischer Medien tauchen in der Zone des kleinen Grenzverkehrs (auf polnischer wie auf russischer Seite) meist dann auf, wenn interessante politische Ereignisse geschehen, um zu prüfen, ob sie sich auf das gegenseitige Vertrauen zwischen den einfachen Bürgern beider Länder ausgewirkt haben, auch auf die Geschäftsbeziehungen. Zu den wichtigsten Themen der Berichterstattung gehören das Inkrafttreten des Abkommens über den kleinen Grenzverkehr, die Angliederung der Krim durch Russland, Fälle von Prügeleien sowohl an Polen im Kaliningrader Gebiet als auch an Kaliningradern in Polen, das Thema Sanktionen und Gegensanktionen sowie die Fußballweltmeisterschaft 2018, die wohl bald noch häufiger auftauchen wird.
Eine interessante Veröffentlichung fand ich im Juni vergangenen Jahres in der Tageszeitung „Polska The Times“. Der Artikel erschien in einer polnischen Zeitung, doch diese gehört zu einer Mediengruppe, die die berühmte Londoner „Times“ herausgibt. Verfasser der Reportage mit dem Titel „Kaliningrad, ein Stück Russland an der Ostsee“ ist kein polnischer Journalist, sondern ein Mitarbeiter des britischen Blattes, Tom Chesshyre. In Polen wurde der Text in Übersetzung gedruckt. Von einer typisch polnischen Sichtweise kann man hier also kaum sprechen. Ich werde auch nicht zitieren, der Artikel ist ziemlich standardmäßig – ich würde ihn in eine Schublade mit der Aufschrift „Kaliningrad für Anfänger“ legen. Es geht um Kant, um Bernstein, um die Kurische Nehrung. In einem einzigen Satz werden das Königsberger Schloss und das Haus der Sowjets erwähnt. Der einzige Punkt, der auffällt, ist die Beschreibung der Grenze. Für EU-Bürger, die Grenzkontrollen vergessen haben oder sie vielleicht gar nicht kennen, ist sie wohl eine der Hauptattraktionen einer Reise ins Kaliningrader Gebiet.
Während sie nach Moskau oder in andere russische Städte höchstwahrscheinlich fliegen würden, muss man nach Kaliningrad mit dem Auto oder dem Bus fahren. Und hier beginnt das Exotische: die Grenze mit ihren Anlagen, Grenzbeamten und einem seltsamen Gefühl der Bedrohung.
Wenn Sie es nicht gewohnt sind, uniformierten Staatsdienern zu begegnen, kann Ihnen angesichts ihrer Häufung an der Grenze der Gedanke kommen, Sie hätten etwas Schlimmes getan … Vielleicht sollte man das gewinnbringend für den Tourismus nutzen und eine Show daraus machen, vor allem vor der WM 2018? (Ein Scherz!) Grenze ist Grenze – eine ernste Sache, und genau das hat der britische Reporter in seinem Text völlig richtig wiedergegeben.
Im März 2015 schrieb die polnische „Newsweek“ auf der Grundlage von Meldungen der Polnischen Presseagentur über die zunehmende Militarisierung des Kaliningrader Gebiets. Kein Wunder: Vor dem Hintergrund der sich verschlechternden Beziehungen zwischen Russland und der NATO ist die Präsenz bedeutender Streitkräfte in der Region eine wichtige Frage der nationalen Sicherheit Polens. Der Autor des Artikels erörtert, ob es im Kaliningrader Gebiet „Iskander“-Raketensysteme gibt, die Atomsprengköpfe tragen können. Dieses Thema kommt in den polnischen Medien regelmäßig auf, und ich kann es nur kommentieren, indem ich mich wiederhole: Das Interesse Polens an dieser Frage ist begründet und durchaus verständlich.
Gehen wir so auf der Zeitachse zurück, kommen wir ins Jahr 2014, als die vorbildlichen polnisch-russischen Beziehungen im Grenzgebiet wegen der Ereignisse in der Ukraine gefährdet waren. Die Stimmung jener Tage vermitteln eine Reportage von Jagienka Wilczak in der großen Wochenzeitschrift „Polityka“ und noch stärker die Fernsehsendung „Po prostu“ („Einfach so“) des populären Fernsehjournalisten Tomasz Sekielski.
Die Journalistin der „Polityka“ untersucht den Zustand der polnisch-russischen Beziehungen auf der polnischen Seite der Grenze und besucht dazu die Grenzstadt Bartoszyce. Im März 2014 erzählte ihr dort jemand, der kleine Grenzverkehr werde bald abgeschafft und die Grenze geschlossen. Der polnische Konsul bestätigte die Gerüchte über die Gerüchte: Beim polnischen Konsulat in Kaliningrad gingen sehr viele Anrufe mit Fragen zu Einschränkungen bei der Visavergabe und beim Grenzübertritt ein.
Obwohl das polnische Außenministerium damals Meldungen über ein Ende des kleinen Grenzverkehrs entschieden dementierte, waren die Menschen auf beiden Seiten der Grenze beunruhigt.
Der Artikel zitiert Amtsträger, etwa den Stadtpräsidenten von Elbląg, Jerzy Wilk, der von seinem Wunsch sprach, die guten Beziehungen zu den Kaliningrader Partnern aufrechtzuerhalten. Das gegenseitige Vertrauen wurde durch die diametral entgegengesetzten Reaktionen vieler Polen und Russen auf die Ereignisse in der Ukraine auf die Probe gestellt. Die Reporterin der „Polityka“ beschreibt verschiedene Vorfälle und Gerüchte über eine feindselige Haltung sowohl gegenüber Russen, die nach Polen kommen, als auch gegenüber Polen, die das Kaliningrader Gebiet besuchen. Dabei ist anzumerken, dass praktisch keine der erzählten Geschichten offiziell bestätigt wurde. Das sagte man der Journalistin sogar im russischen Konsulat in Danzig – dort seien keinerlei Beschwerden eingegangen. Doch die Spannung war spürbar, und der Journalistin gelang es, sie in ihrem Artikel einzufangen. Sie sprach mit einem griechisch-katholischen Priester aus Bartoszyce und mit Russen, die den Kurort Mikołajki besuchten. Die Seiten, die sich hier aus der Ferne widersprachen, waren felsenfest von ihrem Recht überzeugt, und ein Dialog zwischen ihnen war kaum vorstellbar. Auch ich erinnere mich gut an diese Zeit, und obwohl die Probleme geblieben sind, hat sich die Stimmung zum Glück beruhigt. Der Staub hat sich gelegt, und ich sehe, dass beide Seiten die für alle vorteilhafte Zusammenarbeit fortsetzen wollen, selbst um den Preis, manche Fragen zu verschweigen. Das Abkommen über den kleinen Grenzverkehr gilt weiter. Die Gerüchte sind Gerüchte geblieben.
Die Reportage in der „Polityka“ erschien im März 2014, und im September desselben Jahres, buchstäblich unmittelbar nachdem Russland sein Lebensmittelembargo verhängt hatte, reiste der populäre polnische Fernsehjournalist Tomasz Sekielski nach Kaliningrad. Seine persönliche Popularität und die Tatsache, dass „Po prostu“ im Ersten Programm des polnischen Staatsfernsehens läuft, sind schon Grund genug, sich mit der Sendung zu befassen. Dieser Beitrag versetzt uns wieder in die Nervosität, die 2014 in der Region herrschte.
Der Moderator besuchte den Zentralmarkt, wo er mit seinem Kamerateam eine alte Frau filmte, die den Wunsch äußerte, „US-Präsident Barack Obama aufzuhängen“.
Andere Verkäuferinnen priesen das Vorgehen Putins und der russischen Regierung und erklärten, das Embargo auf europäische Lebensmittel werde den russischen Produzenten helfen und ihren Marktanteil erhöhen. Dennoch waren schon damals Preissteigerungen spürbar. Tomasz Sekielski spricht mit Abgeordneten der Gebietsduma und hört sich ihre Sicht an. Kommentare des Autors gibt es in dem Beitrag kaum, dafür äußert sich der Kaliningrader Journalist Alexej Schabunin kritisch über das Geschehen. Der interessanteste Moment der Sendung war, dass die polnischen Journalisten bemerkten, wie ihnen ständig dieselben Autos folgten, und versuchten, die Beschattung abzuschütteln. So entstand ein Beitrag über das Kaliningrader Gebiet als einen abgeschotteten Ort, der vor Fremden besonders bewacht wird.
Genau so verschlossen und gefährlich stellte man sich Kaliningrad in Polen bis vor Kurzem vor. All das natürlich wegen der Geschichte der Region als abgeriegelter Militärstützpunkt und wegen der 90er Jahre, als die Polen die Möglichkeit bekamen, das Gebiet zu besuchen. Elemente dieses Narrativs sind in der polnischen Medienlandschaft noch immer präsent. Erst vor Kurzem trat der polnische Journalist Tomasz Lis in einer Sendung der ARD auf und sprach über die schwierige Lage der Medien in Polen nach den letzten Wahlen. Unter anderem erwähnte er Kaliningrad als den Ort, an den anonyme Internettrolle seine Leiche zu schaffen drohen.
Im Ergebnis erscheint Kaliningrad dem durchschnittlichen Polen (und allgemeiner: dem Europäer) als ein gefährlicher und undurchschaubarer Ort, an den man „Leichen schaffen“ kann.
Und schließlich noch ein Beispiel für die Haltung gegenüber dem Kaliningrader Gebiet, das ich auf einem der großen Internetportale, „Interia“, gefunden habe. In der Männerrubrik erschien zu einem unbestimmten Zeitpunkt (das Datum der Veröffentlichung ließ sich nicht ermitteln), aber sicher innerhalb der letzten drei Jahre (darauf deutet die Erwähnung des Hits „Hallo Lidl, hallo Biedronka“ der Gruppe „Parowóz“ hin), ein Artikel mit der Überschrift: „Kaliningrad – Lasst, die ihr hier einreist, alle Hoffnung fahren“. Der Beitrag strotzt vor reißerischen „Fakten“, auch wenn er ganz gewöhnlich beginnt: Das Abkommen über den visafreien Verkehr ist angelaufen, die Grenzübergänge kommen mit so vielen Autos nicht zurecht, Schlangen, die Polen fahren wegen des Benzins, die Russen wegen der Lebensmittel, darüber singt „Parowóz“. Dann dreht der Text auf. Auf den meisten Straßen des Kaliningrader Gebiets gilt ein Tempolimit von 70 km/h, doch nicht alle halten sich daran: „Ladas“ und „Volkswagen“ werden von Luxuswagen überholt, von neuen „BMW“ und „Mercedes“. Am Steuer dieser Wagen sitzen angeblich örtliche Gangster oder Beamte oder, wie der Autor bemerkt, beides in einer Person. „Der Fahrer eines solchen Wagens verbringt den Vormittag als Beamter im Büro, unterschreibt Papiere und trinkt Kaffee, dann zieht er eine Lederjacke an, setzt eine getönte Brille auf, steigt in diesen [d. h. den Luxus-]Wagen und fährt los, um richtige Geschäfte zu machen.“ Dann wechselt der Autor zum nächsten Thema. Fährt man nicht von Elbląg aus ins Gebiet, sondern von Suwałki über den Grenzübergang in Gołdap, gelangt man nach Gussew, das im Artikel als „Siedlungskaff“ bezeichnet wird und als eines der europäischen Zentren der Drogensucht, wo Aids die häufigste Todesursache sei. „Auf dem Boden verrotten Dutzende Spritzen mit Nadeln …“. Danach wird ein illegales Kasino in Osjorsk beschrieben, in dem angeblich (nebenberuflich) eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung namens Tatjana arbeitete. Weiter lesen wir, dass in Kaliningrad selbst, zweifellos dem kriminellen Zentrum der Region, Schießereien an der Tagesordnung seien. Nach Angaben des Journalisten, der seine Quellen allerdings nie nennt, wurde in Kaliningrad etwa 2012–13 ein gewisser Andrjucha Kaliningradski von der kriminellen Gemeinschaft zum „Dieb im Gesetz“ erklärt. Gegen Ende dieses „eleganten“ Textes erfahren wir, dass in Kaliningrad rund 20 000 Menschen der Prostitution nachgehen. Und die einfachen Einwohner?
„Die Einwohner versuchen, auf ihre Weise zu leben, ohne Beamten und Banditen in die Quere zu kommen. Obwohl in dieser am stärksten militarisierten Region Europas die schönsten Strände zu Truppenübungsplätzen umgebaut wurden, achten die Russen nicht darauf – sie breiten ihre Decken aus und stellen ihre Sonnenschirme direkt neben Stacheldrahtzäunen auf. Nur manchmal wird ihre Erholung von einer Landung des größten Luftkissenschiffs der Welt, der ‚Subr‘, unterbrochen.“
Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie ich das, was in diesem Artikel steht, kommentieren soll, aber ich gestehe, dass mir der Text als eine Art literarisches Werk mit eigener innerer Logik und Folgerichtigkeit sehr gefallen hat. Aus dem Gelesenen geht nicht hervor, ob der Autor überhaupt selbst im Kaliningrader Gebiet war, auch Informationsquellen werden nicht genannt. Doch gerade wegen seiner Pseudosensationen zieht der Text Leser an.
Leider ist ein polnischer Leser, der weit von der Grenzzone entfernt lebt, selbst nicht nach Kaliningrad fährt und die Lage hier nicht verfolgen kann, bereit, so etwas für bare Münze zu nehmen. Wie schon gesagt, erscheint Kaliningrad wegen einer gewissen Geheimnistuerei, die sich in der Nachkriegszeit um die russische Exklave gebildet hat, im polnischen Diskurs meist als halbmythische Stadt, ähnlich wie Gotham City aus den Batman-Filmen. Deshalb erwarten manche polnische Touristen, die nach Kaliningrad kommen, genau postsowjetische Exotik und etwas, das ihre Reise zu einem echten Abenteuer macht. Wenn es einen solchen Blick auf die Stadt und solche Erwartungen gibt – sollte man nicht vielleicht darauf setzen und es nutzen, um Touristen anzulocken?
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* Der Titel des Artikels „Der nahe Fremde“ – eine wunderbare Metapher für unsere nachbarschaftlichen Beziehungen – verweist auf ein bekanntes Buch und einen Film sowie auf ein großes regionales Projekt, das der Entwicklung der Zusammenarbeit russischer, polnischer und litauischer Kulturorganisationen gewidmet ist. Das Projekt „Der nahe Fremde“ bietet Nachbarn eine gute Gelegenheit, einander besser kennenzulernen.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

