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Der Botanische Garten der Baltischen Föderalen Immanuel-Kant-Universität (Stadtgärtnerei)

Der Botanische Garten der Baltischen Föderalen Immanuel-Kant-Universität (Stadtgärtnerei)

Im Jahr 2008 erschien im Verlag des Baltischen Instituts für Wirtschaft und Finanzen das Buch von Elena Salichowa "Chroniken der Gärten und Parks (Königsberg-Kaliningrad)". Mit freundlicher Genehmigung der Autorin veröffentlichen wir ausgewählte Kapitel daraus. Das vollständige Buch steht auf der Website Prussia.Online zum Herunterladen bereit.

Das Gelände des heutigen Botanischen Gartens, einer der Einrichtungen der Kaliningrader Staatlichen Universität, erschien auf dem Stadtplan von Königsberg im Jahr 1904, als im nordöstlichen Vorort Maraunenhof die Stadtgärtnerei angelegt wurde.

Im Botanischen Garten der Baltischen Föderalen Universität, die das Gelände der Stadtgärtnerei übernommen hat, ist ein Gedenkzeichen zu sehen – ein großer Granitstein, der 1919 an einer Allee im östlichen Teil des Gartens zu Ehren von Paul Kaeber (1869–1919) aufgestellt wurde, Professor der Königsberger Universität und Leiter des Lehrstuhls für Systematik der höheren Pflanzen, Begründer der Stadtgärtnerei und ihr erster Direktor, dank dessen tatkräftigem Wirken hier eine bedeutende Sammlung von Pflanzen aus verschiedenen Klimazonen der Welt entstand. Die Inschrift auf dem Gedenkstein ist lakonisch: † 25.03.1919 Gartendirektor Kaeber. Mehr als fünfzehn Jahre seines Lebens widmete Paul Kaeber der Anlage, Gestaltung, Erweiterung und Vervollkommnung des Gartens sowie der praktischen Akklimatisierung eingeführter Pflanzen, die der Flora Ostpreußens fremd waren, um sie künftig für die Bedürfnisse der städtischen Begrünung zu nutzen.


Gedenkstein für Paul KaeberGedenkstein für Paul Kaeber.

1901 wurde in Königsberg die Direktion der städtischen Gärten und Parks geschaffen, an deren Spitze Paul Kaeber trat. Seine Ernennung auf diesen Posten war kein Zufall: Kaeber war eines der aktiven Mitglieder des Kesselschen Verschönerungsvereins, der in Königsberg bereits seit 1838 bestand, und bekleidete zum Zeitpunkt der Gründung der Direktion mit seinen dreiunddreißig Jahren das Amt des Gartenaufsehers.

Er leitete die Arbeiten zur Gestaltung des alten Volksgartens, die dazu beitrugen, diesen Raum mit natürlichem Bewuchs in eine zum Spazierengehen angenehme öffentliche Grünanlage zu verwandeln. 1907, nachdem er bereits drei Jahre lang faktisch die Arbeit der Gärtnerei geleitet hatte, wurde er offiziell zum Direktor der Gärtnerei ernannt. Unter Mitwirkung Paul Kaebers wurden 1912–1913 die ersten Kleingartenkolonien am Oberteich, hinter dem Roßgärter Tor, angelegt.

Die Stadtgärtnerei nahm ihren Betrieb drei Jahre nach der Anlage der Baumschule auf, also 1907. Die schweren Rasen-Gley-Böden des sumpfigen Geländes bereiteten dem Pflanzenbau gewisse Schwierigkeiten. Als man jedoch zur Bewässerung des Gartenbetriebs einen großen Teich von einem Hektar Fläche aushob, erwies sich das ausgehobene Material als Torf und wurde mit Erfolg zur Verbesserung der Bodenstruktur verwendet, was sich in der Folge günstig auf Wachstum und Entwicklung der Pflanzen des Gartens auswirkte. Der Teich wurde von Grundwasser gespeist, und das trug zu einer gewissen Entwässerung der übermäßig feuchten Böden bei. Später wurden auf dem Teichgrund Rohre verlegt und eine Fontäne angelegt, die diesen Winkel des Gartens zweifellos schmückte.

Aus dem Teich entspringt ein Bach, der das Gartengelände durchquert und an dessen Südgrenze gehorsam in ein Rohr unter dem Bahndamm abtaucht, um am Ende seines Weges unweit des Parks „Junost“ das Wasser des westlichen Arms des Oberteichs aufzufüllen.

Der Anlage der Gärtnerei ging eine Denkschrift des Rektors einer Königsberger Schule, Gramberg, aus dem Jahr 1900 voraus, in der die Notwendigkeit dargelegt wurde, einen Betrieb anzulegen, in dem Pflanzen gezogen würden, um die Schulen der Stadt mit Anschauungsmaterial (Stecklingen, Setzlingen, systematischen Pflanzensammlungen) für den Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern zu versorgen, insbesondere in Botanik und Naturkunde. Außerdem besaß der damals bestehende kleine Garten der Wohltätigkeitseinrichtung Drisensche Stiftung in der Yorckstraße (heute Straße des Jahres 1812) mit einer Baumschule für Gehölze, die für die Begrünung der Stadt bestimmt waren, nur sehr begrenzte Möglichkeiten und genügte den wachsenden Anforderungen der städtischen Begrünung nicht, was die städtische Selbstverwaltung sehr beunruhigte. Mit der Eröffnung der neuen Baumschule von 123 350 m2 (12,3 ha) Fläche wollte die Stadtverwaltung die Probleme der Stadtbegrünung lösen und den Bedarf der schulischen, beruflichen und universitären Ausbildung decken.

Die Aufgaben, die dem Gartenbetrieb in Maraunenhof übertragen wurden, waren recht vielfältig.


Blumenbeet im Botanischen Garten der BFU

Die Stadtgärtnerei sollte die neuen Grünanlagen, Parks, Plätze und Alleen, die in diesen Jahren zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Königsberg intensiv entstanden, mit Baum- und Strauchsetzlingen, Blumensetzlingen, Rosen und schön blühenden Kletterpflanzen versorgen.

Der Garten sollte Lieferant von Anschauungsmaterial für die 80 Schulen Königsbergs werden. Dieser Ablauf wurde viele Jahre lang folgendermaßen gewährleistet: Jeden Samstag wurde den Schulen eine Liste der Pflanzen geschickt, die die Gärtnerei zur Verfügung stellen konnte. Die Lehrer unterstrichen in dieser Liste, was sie für den laufenden Unterricht brauchten, und schickten die Liste zurück. Jeden Mittwoch und Freitag brachte ein besonderer Wagen die Pflanzenpakete an bestimmte Stellen in der Stadt, wo Vertreter der Schulen sie abholten.

Der Garten diente als Lehr- und Bildungszentrum für Berufsgärtner und Liebhaber – die Freunde des Gartens. Hier konnte man Pflanzen erwerben, praktische Kenntnisse, Ratschläge und Beratung zu Pflanzenbau, Gartenbau, Begrünung und Gestaltung städtischer Hausgärten und Landhäuser erhalten. Ihre Eigenart verdankt die Gartenstadt Königsberg-Kaliningrad in hohem Maße dem Wirken der Stadtgärtnerei, ihrem bedeutenden Beitrag zur Herausbildung des neuen Stadtbildes. In den „Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft“ von 1922 vermerkt deren Vorsitzender Dr. Fritz Graf von Schwerin (F. Graf v. Schwerin), dass „es in Königsberg in früheren Jahren äußerst wenig Grün, Beete, Blumenrabatten und Alleen an den Straßen gab, jetzt aber dank dem Wirken der Stadtgärtnerei unter der Leitung von P. Kaeber die Stadt mit farbenfrohen Blumenparterres, Alleen, Promenaden, begrünten Fußwegen, Steingärten an den Villen und exotischen Bäumen mit ungewöhnlichen Formen und Färbungen der Kronen geschmückt ist“.

Die Stadtgärtnerei leistete schwierige und mühevolle Arbeit bei der Einführung und Akklimatisierung von Pflanzen. In jenen Jahren war es, wie schon früher, außerordentlich in Mode, Gärten und Parks nicht nur mit einheimischen Baumarten zu schmücken, sondern auch mit verschiedenen exotischen (reliktischen, endemischen) Laub- und Nadelgehölzen aus anderen Floren der Erde. Das Klima Ostpreußens, recht rau wegen der ständigen Feuchtigkeit, der scharfen und kalten Nordostwinde, der starken Temperaturschwankungen im Winter und Frühjahr und der späten Frühjahrsfröste, erschwerte die Akklimatisierung von Pflanzen aus den Floren wärmerer Regionen.


Im Botanischen Garten der BFU

Viele Laub- und Nadelgehölze, die in Privatsammlungen Königsbergs und seiner Umgebung gepflanzt worden waren, gingen trotz guter Pflege und Schutz ein. Später jedoch wurden dank dem Wirken der Gärtnerei die Ziele der Akklimatisierung vieler Baum- und Straucharten sowie Rosensorten erreicht, und Setzlinge exotischer Bäume und Obstbäume sowie zahlreicher Sträucher wurden für die Pflanzung unter den klimatischen Bedingungen Ostpreußens empfohlen.

Jede akklimatisierte Pflanze wurde erfasst, beobachtet, beschrieben und in eine Liste aufgenommen, die in Königsberg im Verlag „Hartung“ veröffentlicht wurde, um die Gärtner damit bekannt zu machen, und die außerdem, wenn auch nicht vollständig, in den „Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft“ von 1922 abgedruckt wurde. Diese Liste umfasst viele Arten von Laub- und Nadelbäumen der außertropischen Zone und ihre vielfältigen Formen mit pyramidalen, hängenden, ausladenden und anderen Kronen, mit ungewöhnlicher Färbung und Form der Blätter.

Aus der Abteilung der Nacktsamer zählt die Liste 60 Arten auf, darunter Ginkgo, Europäische Eibe, die silbrige Form der Kanadischen Hemlocktanne, Douglasie, Coloradotanne, Küstentanne, Felsengebirgstanne, Sibirische Tanne, Sachalin-Tanne, Veitchs Tanne (insgesamt 11 Tannenarten und -formen); Gemeine Fichte, Schwarzfichte, Weißfichte, Stechfichte, Ajan-Fichte, Sitka-Fichte (insgesamt 30 Arten und Formen); Drehkiefer, Korea-Kiefer, Schwarzkiefer, Gelbkiefer (11 Arten, 1 Form); Japanische Lärche, Europäische Lärche, Sibirische Lärche, Amerikanische Lärche; Kaempfers Goldlärche, Hiba-Lebensbaum, Sumpfzypresse, Abendländischer Lebensbaum in den Formen 'Rheingold', Kugelform, 'Rosenthalii', 'Wagneriana'; Sawara-Scheinzypresse, Lawsons Scheinzypresse u. a., Wacholder mit 8 Arten und 5 Formen, darunter Sadebaum, Chinesischer und Virginischer Wacholder. Aus der Abteilung der Bedecktsamer werden 44 Familien genannt, darunter Weidengewächse (26 Arten und 20 Hybriden, davon 21 Pappelarten), Walnussgewächse (6 Arten – 3 Walnuss-, 3 Hickoryarten), Birkengewächse (15 Birkenarten und -formen, darunter Maximowicz-Birke, Schwarzbirke, Karpaten-Birke, Papierbirke, Ermans Birke, Pappelblättrige Birke), Erlen – 8 Arten, 9 Formen, darunter Grauerle, Hänge-Grauerle, Japanische Erle, Schwarzerle, Runzelblättrige Erle), 3 Arten und 3 Formen Hainbuchen; Buchengewächse (2 Arten, 4 Formen Buchen; 16 Arten und 8 Formen Eichen, darunter Roteiche, Mongolische Eiche, Großfrüchtige Eiche, Traubeneiche, Sumpfeiche, Persische Eiche); Ahorngewächse (16 Arten, 22 Formen Ahorn, darunter Tatarischer Ahorn, Bergahorn in acht Formen, Mandschurischer Ahorn, Hainbuchenblättriger Ahorn, Spitzahorn in zehn Formen, Feldahorn, Silberahorn), Rosskastaniengewächse (7 Arten), Ulmengewächse (22 Arten und Formen); Lindengewächse (14 Lindenarten, darunter Mongolische Linde, Sommerlinde, Weinblättrige Linde, Amerikanische Linde, Moltke-Linde, Mandschurische Linde, Verschiedenblättrige Linde); Ölbaumgewächse (Esche – 3 Arten, 7 Formen).

Aus den übrigen Familien der Liste nennen wir einzelne Pflanzen, nur solche, die auch Nichtfachleuten bekannt sind: Strauch-Pfingstrose, Clematis in 10 Arten, Ahornblättrige Platane, Kanadische, Asiatische und Amur-Berberitze (insgesamt 10 Arten), Magnolie (2 Arten), Liriodendron (Tulpenbaum), Virginische Zaubernuss, Strahlengriffel (3 Arten), Spiersträucher (82 Arten und Formen), Eberesche (10 Arten, 5 Formen), Dahurisches Fingerkraut, Sachalin-Korkbaum, Japanische Orixa, Amerikanische Gleditschie, Robinie, Erbsenstrauch (7 Arten), Götterbaum und vieles, vieles mehr.

So legte die Stadtgärtnerei auf ihrem Gelände eine reiche und vielfältige Pflanzschule exotischer Gewächse an: Alles, was es zu jener Zeit an Fortschrittlichem im Garten-, Gemüse- und Blumenbau gab, alles, was Pflanzenliebhaber dazu anregen konnte, Schmuck für ihren Garten, Park oder ihr kleines Grundstück am Haus zu erwerben, fand seinen Platz in der Baumschule.


Fotoshooting im Botanischen Garten der BFU

Die Funktion eines Stadtgartens und Freilichtmuseums war ursprünglich nicht geplant, doch die Direktion der Gärtnerei verwandelte gemeinsam mit vielen begeisterten Gleichgesinnten aus den Reihen der Fachleute und Liebhaber, indem sie die Gliederung des Gartens und das Pflanzensortiment vervollkommnete, die Stadtgärtnerei nach und nach in eine unschätzbare Sammlung, in eine Sehenswürdigkeit Königsbergs.

Die Besucher des Gartens konnten verschiedenste Pflanzen aus anderen Ländern und Klimazonen kennenlernen (hier wurden sogar exotische Gemüsekulturen angebaut) und Setzlinge und Jungpflanzen erwerben. In den Königsberger Stadtführern von 1910 und 1928 heißt es, der Garten sei für Besucher werktags von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends geöffnet, im Sommer an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 12 Uhr abends). Die umfangreiche Sammlung hatte nicht nur ästhetischen und praktischen, sondern auch Bildungswert. Im Garten wurden Studenten der Universität und der mittleren Fachschulen ausgebildet, darunter der Kunstschule, sowie Schüler der allgemeinbildenden Schulen. Die Schüler der Kunstschule kamen hierher zum „Plein Air“ (Arbeit im Freien) und lernten Komposition, die Wiedergabe von Farbe und Licht, das auf dem bunten Laub der Bäume und den leuchtenden Blumenrasen spielte.

Entsprechend den ursprünglichen Zielen, die der Gärtnerei gesetzt worden waren, war ihr Gelände in Abschnitte unterschiedlicher Bestimmung gegliedert:

  • Die Baumschule, bestehend aus einer Pflanzschule von 1,5 ha und einer Fläche für die Anzucht von Setzlingen von 5 ha. Außer Bäumen wurden hier Sträucher, schön blühende Kletterpflanzen, Rosen sowie ein- und mehrjährige krautige Pflanzen gezogen, wofür Frühbeete und Gewächshäuser gebaut wurden;
  • Der „Schulgarten“ (1 ha) lieferte Anschauungsmaterial für den Botanikunterricht in den Schulen der Stadt. Hier wuchsen vor allem Feld-, Wiesen- und Waldkräuter, Unkräuter und Nutzpflanzen, ein- und mehrjährige Pflanzen mit unterschiedlichen Formen von Blüten, Samen, Blättern, Wurzeln, Zwiebeln, Rüben und Wurzelstöcken;
  • Der „Botanische Garten für Schüler“ (3 ha) war für den Unterricht der Kinder unmittelbar während ihres Besuchs in der Gärtnerei gedacht. Einen Teil dieses Geländes (1 ha) nahm ein Teich mit Fontänen ein. Hierher konnte man Kinder zum Unterricht im Freien bringen oder einfach zum Betrachten der Flora, zum Beobachten der Pflanzen und zum Zeichnen in diesem anziehenden und lehrreichen Teil des Gartens. Die Pflanzen waren hier nach Standort und Boden angeordnet: Pflanzengesellschaften des Nadel- und Laubwaldes, des Torfmoors, der Wiese, der Meeresküste. Eine zweite Variante der Anordnung sollte die Nützlichkeit der Pflanzen hervorheben und ihre verschiedenen Verwendungsweisen zeigen: Heilpflanzen, Giftpflanzen, Küchenkräuter, schön blühendes und anderes nützliches Grün. Überall waren auf Schildern die volkstümlichen Namen der Pflanzen, ihr lateinischer Name sowie ihre Verwendungsweisen angegeben;
  • Der experimentelle Sammlungs- und Gehölzteil des Gartens (Arboretum) hatte eine Fläche von 2 ha und gliederte sich in einen biologischen und einen systematischen Teil. Im ersten (biologischen) Abschnitt standen Pflanzen mit verschiedenen Wuchsformen (aufrecht, kriechend, windend u. a.) sowie solche, die verschiedene Anpassungen an Trockenheit, Nässe, das Anlocken von Insekten, die Verbreitung ihrer Samen usw. zeigten. In der Mitte des Abschnitts befand sich auf einer hellen Lichtung eine „Sonnenuhr“ aus Pflanzen, die ihre Blüten zu bestimmten Stunden öffnen oder schließen. Auf die Minute genau zeigten sie die Zeit natürlich nicht an, doch die Stunden des Tages ließen sich an ihnen leicht „mit hinreichender Zuverlässigkeit“ bestimmen. Der systematische Teil des Arboretums (das eigentliche Arboretum) war eine außerordentlich reiche Sammlung von Laub- und Nadelgehölzarten, deren größten Teil eingeführte Pflanzen ausmachten.

Auf dem Posten des Direktors der Gärtnerei stand nach dem Ausscheiden Paul Kaebers eine Zeit lang der Dendrologe und Gartenaufseher Ludwig Butz (1879–1966), doch bis 1922 wurde Ernst Schneider (1874–1968) Direktor aller städtischen Gärten und Parks Königsbergs, darunter selbstverständlich auch der Gärtnerei in Maraunenhof – ein bekannter Landschaftsarchitekt, Schöpfer des Grüngürtels von Königsberg, der der Dendrologie mehr als ein Vierteljahrhundert widmete.

Ende der 1930er Jahre umfasste allein die Sammlung der Gewächshauspflanzen der Stadtgärtnerei rund 4000 Positionen.


Teich im Botanischen Garten der BFU

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Stadtgärtnerei bei Weitem nicht vollständig erhalten. 1948 wurde das Gelände der ehemaligen Königsberger Gärtnerei mit der teilweise erhaltenen Pflanzensammlung in einen Botanischen Garten umgewandelt, der dem Kaliningrader Trust für Grünanlagen unterstand; danach, ab 1949, gehörte der Garten 18 Jahre lang der Kaliningrader Forschungsstation für Grünbau der Plechanow-Akademie für Kommunalwirtschaft.

Die erste Bestandsaufnahme im Garten fand 1950–1951 statt, als alle erhaltenen Pflanzen erfasst wurden. Die zweite Bestandsaufnahme von 1958 ergab nur noch 400 Pflanzenpositionen, überwiegend Reste des Sammlungsarboretums. Die Freilandblumen, der Schul-Botanische Garten und die Gewächshauspflanzen waren vollständig zugrunde gegangen, die frühere Gliederung des Gartens war praktisch nicht mehr zu erkennen.

1967 wurde der Botanische Garten eine der Einrichtungen der Kaliningrader Staatlichen Universität und setzt in gewissem Maße die wissenschaftlichen Traditionen der Königsberger Gärtnerei fort. Hauptrichtung der wissenschaftlichen Arbeit des heutigen Botanischen Gartens ist die Einführung von Vertretern der Floren verschiedener Regionen der Erde, die der südlichen Ostseeregion fremd sind, sowie die Arbeit mit tropischen Gewächshauspflanzen. Der Botanische Garten hat seine Funktion als städtischer Erholungsort bewahrt, doch die Bildungsfunktion für Schüler, die Beratung von Gärtnern und der Verkauf von Setzlingen für die Stadtbegrünung sind praktisch verloren gegangen.

Die erneuerte Gliederung des Gartens in den 1970er Jahren trug zur Entstehung neuer Landschaftsbilder bei, in denen die exotischen Bäume der Königsberger Gärtnerei einen würdigen Platz einnehmen. Die streng geometrische Gliederung des offenen Parterres am Eingang des Botanischen Gartens erinnert an den regelmäßigen Stil vieler europäischer Parks: festliche rechteckige Blumenbeete und eine gerade Hauptallee, die zu zwei Teichen führt – einem großen und einem kleinen –, in denen sich das silbrige Grün sich neigender Weiden spiegelt und die von grünen Rasenflächen mit zarten, erlesenen Wildiris umgeben sind – den Vorfahren der prächtigen europäischen Sorten. In dieser Komposition aus grünem Wasser und grünem Raum um die Teiche sind Züge des romantischen Parkstils zu erkennen. Leider wird der kleine Teich, der bei der Umgestaltung und Reinigung des großen Teiches entstand, allmählich flacher und beginnt zuzuwachsen. Die Fontänen des großen Teiches wurden nicht wiederhergestellt, auch die Seerosen der Vorkriegszeit gibt es nicht mehr, dafür schwimmen hier die allgegenwärtigen Enten, die der zugewachsene Teich nicht schreckt.


Eichhörnchen im Botanischen Garten der BFU

Der zentrale Teil des Gartens ist ringsum von alten, schattigen Alleen umgeben – einer Eichen-, Pappel-, Nuss-, Linden-, Buchen- und Nadelbaumallee. Einige von ihnen sind nur bruchstückhaft erhalten, teilweise erneuert, neue Bäume wurden nachgepflanzt. Der Gesamteindruck des Parkstils spricht für einen landschaftlichen „englischen“ Park. Gerade dieser Stil war für die Parks Königsbergs sehr charakteristisch.

In der Gestaltung des Gartens spielen, als Erinnerung an seine Vergangenheit, nach wie vor die gelungene Verbindung von Bäumen mit unterschiedlich gefärbten und geformten Kronen sowie Kompositionen aus verschiedenen Formen verwandter Pflanzenarten – aufrechten, kriechenden, hängenden – eine große Rolle.

Die Verteilung der Pflanzen über das Gartengelände unter Berücksichtigung seiner Boden-, Wasser- und Kleinklimaverhältnisse und der Ansprüche der Pflanzen selbst sowie die Besonderheiten der landschaftlichen Gliederung spiegeln sich in den interessantesten Kompositionen des Gartens wider – das sind der Steingarten; die Allee der Kletterpflanzen – Lianen, die verschiedenen Familien, Gattungen und Arten angehören: Jungfernrebe, Fuchsrebe und Amur-Rebe, Kolomikta-Strahlengriffel, Scharfzähniger Strahlengriffel, Chinesisches Spaltkörbchen, Großblättrige Pfeifenwinde, Weinblättrige Waldrebe, Deutsches Geißblatt oder Echtes Geißblatt (Caprifolium); eine Komposition von Nadelgehölzen aus mehr als 80 Positionen; Gruppen und Alleen von Bäumen mit ungewöhnlichen Kronenformen (hängend, pyramidal, kugelig, ausladend, kandelaberförmig, schlangenförmig) oder mit ungewöhnlicher Färbung und Form der Blätter (purpurn, golden, rot, bunt, geschlitzt, zerschlitzt, farnblättrig, verschiedenblättrig).

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Im Botanischen Garten gibt es mehr als ein Dutzend Arten und Formen von Kiefern (Pinus) – die Waldkiefer (Pinus silvestris), die Weymouth-Kiefer (P. Strobus), die Bergkiefer (P. montana) und ihre Form P. m. var pumilio, die Pech-Kiefer (P. rigida), die Schwarzkiefer (P. nigra), die Banks-Kiefer (P. banksiana), die Koch-Kiefer (P. cochinna), die Krim-Kiefer (P. pallasiana), die Rumelische Kiefer (P. peuce), die Zirbelkiefer (P. cembra), die Korea-Kiefer (P. koraiennsis) und die Sibirische Zirbelkiefer (P. c. sibirica).

In der Fichtensammlung (Picea) seien die Ajan-Fichte (Picea ajanensis), die Orientalische Fichte (P. orientalis), die Blaue Stechfichte (P. pungens Glauca), die Silberne Stechfichte (P. p. Argentea), die Gemeine Fichte (P. exelsa) und ihre Formen – die dicht benadelte (P. e. Parviformis) und die Zwergform (P. e. nana) –, die Serbische Fichte mit schmaler, spitzer Krone (P. omorica), die Sibirische Fichte (P. obovata) und die Kanadische Fichte (P. canadensis) mit ihren zur Blütezeit leuchtend roten Zapfen genannt.

Die Kastanien des Gartens (Aesculus L) sind vielfältig sowohl in der Farbe ihrer üppigen Kerzen – der Blütenstände – als auch in der Kronenform: die Gewöhnliche Rosskastanie mit blassrosa, fast weißen Blüten (Aesculus hippocastanium), ihre Formen – die hängende (A. h. Pendula) und die kugelige (A. h. umbraculifera) –, die Pavie mit leuchtend rosa Blütenständen (A. pavia) und ihre Form – die dunkelrote (A. p. Atrosanguinea) –, die Strauch-Rosskastanie (A. parviflora) und ihre Form – die fleischrote (A. p. carnea). Die bekannte und unbekannte Linde (Tilia L) zeigt sich in verschiedenen Gestalten – die Holländische Linde (T. europaea) und ihre Form – die weinblättrige (T. e. vitifolia) –, die Winterlinde (T. cordata) und ihre durch die Kronenform unterschiedene Form – die hängende (T. c. pendula) –, die Verschiedenblättrige Linde (T. heterophylla), die dunkelgrüne Kaukasische Linde (T. caucasica Euchlora), die Sommerlinde (T. platyphyllos) und ihre Formen – die goldene (T. p. aurea), die hängende (T. p. pendula) und die geschlitztblättrige (T. p. laciniata).

Die Ahornsammlung (Acer) umfasst mindestens 15 Arten und Formen: Rotahorn (Acer rubrum), Bergahorn (A. pseudoplatanus) und seine Formen – die purpurrote (A. p. Purpureum), die rotfrüchtige (A. p. Erythrocarpum), 'Nizetii' (A. p. Nizeti) –, Spitzahorn (A. platanoides) und seine Formen – die handförmig geteilte (A. pl. Palmatifidum), 'Crimson King' (A. pl. Crimson King Drummondii), die kugelige (A. pl. Globosum) und Schwedlers Spitzahorn (A. pl. Schwedleri) –, Zuckerahorn (A. saccharum), Semjonows Ahorn (A. semenovi), Silberahorn, auch „Zuckriger Ahorn“ genannt (A. saccharinum), Eschenahorn oder Amerikanischer Ahorn (A. negundo) und seine Form – die silberbunte oder weißbunte (A. n. Variegatum).

Die Eichenarten und -formen in der Allee des Gartens bilden eine prächtige Komposition: die wohlbekannte Stieleiche (Quercus robur), auch Sommereiche oder Gemeine Eiche genannt, und ihre erstaunlichen Formen – die farnblättrige (Q. r. Filicifolia), die pyramidale (Q. r. Fastigiata) und die hängende (Q. r. Pendula) –, die Zerreiche (Q. cerris), die aus Nordamerika stammenden Scharlacheiche (Q. coecinea), Sumpfeiche (Q. palustris) und Roteiche (Q. rubra), die Hartwiss-Eiche (Q. hartwissiana), die Trauben- oder Wintereiche (Q. petraea) und ihre Form – die mispelblättrige (Q. p. Mespilifolia).

Allzu hell für diesen Garten sind die Birken – die aus Japan stammende Maximowicz-Birke (Betula maximowisziana), die Hängebirke (B. pendula) und ihre Formen – die Karelische Birke (B. p. Carelica), Youngs Birke (B. p. Joungii) und die erstaunliche hängende Säulenbirke (B. p. Fastigiata).

Von den neun existierenden Buchenarten (Fagus) sind in der Sammlung des Gartens in einer Allee nur zwei Arten und ihre Formen vertreten, doch wie schön sind sie: die Amerikanische Buche (Fagus grandifolia), die Rotbuche (F. silvatica) und ihre Formen – die goldene (F. c. Aurea), die geschlitztblättrige (F. s. laciniata) und die dunkelpurpurne (F. s. Purpurea).

… Und das ist erst der Anfang der Liste der Gehölzsammlung an Arten und Zierformen des heutigen Botanischen Gartens. Unmöglich, nicht auch die Pappeln und Eschen zu erwähnen und dazu exotischere Pflanzen: die Spottnuss (Carya alba) und die Bitternuss (C. cordiformis), den Amur-Korkbaum (Phellodendron amurense), den Sachalin-Korkbaum (Ph. sachalinense), den Japanischen Korkbaum (Ph. japonicum), die Amerikanische Platane (Platanum occidentalis), die keilblättrige Platane (P. cuneata), die Sumpfzypresse (Taxodium distichum), den geschlitztblättrigen Schwarzen Holunder (Sambucus nigra Laciniata), den Essigbaum (Phus typhina), die Himalaya-Zeder (Cedrus deodare), die Kaukasische Flügelnuss (Pterocarya pterocarpa), den Prächtigen Trompetenbaum (Catalpa speciosa), den Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera), die Magnolien: Gurken-Magnolie (Magnolia acuminata), Stern-Magnolie (M. stellata), Kobushi-Magnolie (M. cobus), Tulpen-Magnolie (M. Soulangeana), Honoki-Magnolie (M. obovata), den Ginkgo (Gincgo biloba), die Nussbäume – Walnuss (Juglans regia) und Butternuss (J. cinerea) –, die Klebrige Robinie (Robinia viscosa), die Gewöhnliche Robinie (R. pseudoacacia) und ihre Form – die einblättrige (R. ps. unifolia).

Die Sammlung des Arboretums des Botanischen Gartens der BFU wurde durch die Bemühungen mehrerer Generationen seiner Mitarbeiter auf der Grundlage des erhaltenen Vorkriegsbestands an Bäumen und Sträuchern geschaffen.

Im Ergebnis umfasste die Sammlung der Gehölze am 1. Januar 1997 475 Arten, 7 Varietäten, 174 Formen, 40 Hybriden, 27 Sorten – insgesamt 723 Taxa aus 160 Gattungen, 62 Familien und 3 Klassen. Auf eingeführte Pflanzen entfallen 616 Taxa (85 %), auf autochthone (einheimische) Pflanzen 107 Taxa (15 %).

Die Abteilung der Nacktsamer ist mit 57 Arten, 3 Varietäten, 62 Formen und 1 Hybride vertreten – insgesamt 126 Taxa aus 16 Gattungen und 5 Familien. Auf eingeführte Pflanzen entfallen 108 Taxa (86 %), auf einheimische Pflanzen 18 Taxa (14 %). Mit der größten Zahl von Taxa sind die Gattungen Abies – Tanne (7 Arten, 1 Varietät, 2 Zierformen), Chamaecyparis – Scheinzypresse (4 Arten, 11 Formen), Juniperus – Wacholder (5 Arten, 10 Formen), Picea – Fichte (9 Arten, 11 Formen), Pinus – Kiefer (16 Arten) und Thuja – Lebensbaum (3 Arten, 24 Formen) vertreten.

Die Abteilung der Bedecktsamer ist mit 418 Arten, 4 Varietäten, 112 Formen, 39 Hybriden und 19 Sorten vertreten – 579 Taxa aus 144 Gattungen und 57 Familien. Auf eingeführte Pflanzen entfallen 490 Taxa (84 %), die einheimischen Pflanzen sind mit 89 Taxa (16 %) vertreten. Mit der größten Zahl von Taxa sind folgende Gattungen vertreten: Acer (Ahorn) – 15 Arten, 1 Varietät, 21 Formen; Berberis (Berberitze) – 26 Arten, 6 Formen, 4 Hybriden; Lonicera (Heckenkirsche) – 12 Arten, 4 Formen, 3 Sorten; Siringa (Flieder) – 18 Arten, 3 Hybriden, 13 Sorten; Spirea (Spierstrauch) – 14 Arten, 3 Formen, 6 Hybriden. Die übrigen Gattungen sind mit weniger Taxa oder mit einer einzigen Art vertreten. Unter den Pflanzen des Arboretums sind 9 Arten, die im Kaliningrader Gebiet geschützt oder zum Schutz empfohlen sind, 20 Arten stehen im Roten Buch der UdSSR. Die Liste seltener exotischer Bäume umfasst: Amerikanische Lärche, Geweihbaum, Japanische Orixa, Amur-Korkbaum, Ahornblättrige Platane, Prächtigen Trompetenbaum, Japanischen Katsurabaum, Tulpenbaum, Gurken- und Stern-Magnolie, Sumpfzypresse, Ginkgo, Goldbuche, farnblättrige Stieleiche und eine Reihe weiterer.

In den Gewächshäusern des Gartens, in der tropischen, der subtropischen und der Kakteenabteilung, ist eine Sammlung von 500–600 Pflanzen untergebracht. Im Freiland werden rund 900 Arten und Sorten schön blühender Sammlungspflanzen gepflanzt – Einjährige (180 Sorten), kleine Zwiebelpflanzen (260 Sorten), Narzissen und Tulpen (130–150 Sorten), Iris (52 Sorten), Pfingstrosen (30 Sorten), Gladiolen (etwa 200 Sorten), Dahlien (116 Sorten), Rosen – mehr als 100 Sorten –, und so schmücken ständig blühende Sammlungen den Garten vom Frühling bis zum Herbst.

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Im Botanischen Garten der BFU

Heute beträgt die Gesamtfläche des Gartens 13,754 ha; das Arboretum nimmt 8,5 ha ein, die Gehölzbaumschule 0,5 ha, die Freiland-Blumensammlung 1,5 ha. Das übrige Gelände nehmen Sammlungsgewächshäuser, Frühbeete, Rasenflächen, zwei Teiche, der Wirtschaftshof und das Wegenetz ein. Der Sammlungsbestand des Botanischen Gartens umfasst über 2500 Pflanzenpositionen – Vertreter fast aller Naturzonen der Welt.

Ein Botanischer Garten ist eine lebende Sammlung: Manche Pflanzen gehen aus diesem oder jenem Grund ein, andere werden neu gepflanzt. Die tückischen klimatischen Bedingungen und der Mangel an ausreichenden Mitteln für den Erhalt der Sammlung – zwei Faktoren, die alle Parks Kaliningrads unablässig verfolgen – drohen den Artenbestand zu vereinfachen und zu verarmen, wogegen die Direktion des Botanischen Gartens Jahr für Jahr tapfer ankämpft.

… Der Flug der Zeit und ihre Schwierigkeiten sind nicht zu spüren für den, der gemächlich unter den Kronen alter und heranwachsender Bäume spaziert, die dem Menschen nur von der Ewigkeit und vom Schönen flüstern. Ein Baum kann nichts Böses wollen, nicht klagen, nicht in dumpfen Anwandlungen der Unzufriedenheit seufzen. Die geheimnisvolle, reine, zeitlose Aura der Lebenskraft der Pflanzen und Wellen guter Magie senken sich hier auf die unruhigen und rastlosen Menschenseelen herab.


Der Botanische Garten der Baltischen Föderalen Immanuel-Kant-Universität ist 2024 von April bis November täglich ohne Mittagspause und ohne Ruhetage für Besucher geöffnet. Die Kassen sind von 10 bis 18 Uhr geöffnet, im Garten spazieren kann man bis 19.00 Uhr. Die Gewächshäuser sind dienstags, mittwochs, donnerstags, samstags und sonntags geöffnet (Montag und Freitag sind Ruhetage). Öffnungszeiten der Gewächshäuser: 12.00 bis 16.00 Uhr. Eintrittspreise:


Eintrittspreise des Botanischen Gartens der BFUFoto: Michail Ogorodnikow.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.