/ Primorsk – Fischhausen

Burg Fischhausen

Burg Fischhausen

Die Burg Fischhausen wurde 1264 als Residenz des samländischen Bischofs angelegt, da das Land um das heutige Primorsk durch den Teilungsvertrag und anschließende Gebietstausche in den Besitz des Bischofs übergegangen war. Ihre Koordinaten: 54.727758, 20.009164.

Die hölzerne Burg, die den Namen Schönewik erhielt, war noch nicht fertiggestellt, als aufständische Prußen vor ihren Mauern erschienen. Der Legende nach befanden sich in der Burg nur ein einziger Ritter mit seinem Knecht, und das Burgtor ließ sich von außen öffnen, doch eine unbekannte Macht blendete die Prußen, und sie ließen von der Einnahme Schönewiks ab. Damit war das Glück, das Fischhausen in seiner Geschichte zuteilwurde, allerdings auch schon aufgebraucht.

Nach der Niederschlagung des Prußenaufstands wurde das Gebiet dem Orden zur Nutzung überlassen, in der Erwartung, dass dieser hier eine steinerne Befestigung errichten würde. Das genaue Datum des Baus der Backsteinburg ist unbekannt, doch begann er aller Wahrscheinlichkeit nach in den Jahren 1280–1285. Es entstand eine „vollständige“ vierflügelige Burg mit ausgedehnter Vorburg und Wassergräben. Auf Betreiben des samländischen Bischofs wurde an den Mauern der Burg die Siedlung Bischofshausen (wörtlich „Bischofshäuser“) gegründet, die am 19. August 1305 das Stadtrecht erhielt. Der Name Bischofshausen wandelte sich bis zum 15. Jahrhundert allmählich zu Fischhausen.


Burg Fischhausen

Ursprünglich lag die Burg äußerst günstig, denn das Tief zwischen dem Festland und der heutigen Frischen Nehrung befand sich damals genau gegenüber, sodass die Handelsschiffe an ihr vorbeifuhren. Auch der Status der Burg als Bischofsresidenz wirkte sich vorteilhaft auf die Entwicklung der Stadt und des Umlands aus. Zudem wurde die Burg nie von den Litauern angegriffen, da sie tief im Hinterland lag, im Schutz von Königsberg.

Fischhausen


Später jedoch versandete das alte Tief, und das neue entstand dort, wo es sich heute befindet, wodurch Fischhausen schlagartig seine strategische Bedeutung verlor. Nach dem Großen Krieg von 1409–1411 und der Niederlage in der Schlacht bei Tannenberg wurden den Bürgern von Fischhausen wie auch anderen Städtern hohe Steuern auferlegt, um Schulden und Kontributionen zu begleichen. Hinzu kam 1416 die Pest, die viele Einwohner dahinraffte, darunter auch den Bischof Heinrich IV. von Schauenburg selbst. Neues Unheil brachte der Burg der Dreizehnjährige Krieg (1454–1466). Bischof Nikolaus II. von Schöneck glaubte zunächst, das Bistum Samland sei unter der polnischen Krone besser aufgehoben, und schloss sich daher dem Preußischen Bund an. Doch eine vor die Mauern Fischhausens entsandte Ordensabteilung unter Hans von Gleichen zwang Bischof Nikolaus, dem Orden den Treueid zu leisten, der daraufhin eine kleine Besatzung zum Schutz der Burg abstellte. Hatte Fischhausen hundert Jahre zuvor noch tief im Hinterland gelegen, so befand es sich nun an vorderster Front, denn die entschiedensten Gegner des Deutschen Ordens saßen in Elbing und Danzig.

Eine Danziger Abteilung ging 1456 bei Fischhausen von den Schiffen an Land, überfiel die Stadt, plünderte sie und brannte sie nieder. Ihre Kräfte reichten nicht aus, um die Burg zu erstürmen, wohl aber, um die Besatzung darin einzuschließen und das Umland zu verwüsten. Und obwohl die Angreifer bald darauf bei Lochstädt geschlagen wurden, hatten sie ihre Beute bereits auf die Schiffe gebracht.

Vier Jahre später, 1462, während die Hauptkräfte des Ordens Frauenburg (Frombork) belagerten, landete ein gemischtes Aufgebot aus Polen sowie Elbinger und Danziger Bürgern für die Ordensritter völlig überraschend erneut bei Fischhausen, nahm die Stadt ein, plünderte sie und brannte sie bis auf die Grundmauern nieder. Die Burg hielt abermals stand, doch nach Kriegsende waren die umliegenden Gebiete vollständig verwüstet.

Nach der Säkularisation des Ordens legte der samländische Bischof Georg von Polentz sein Amt nieder und übergab den Kirchenbesitz dem Herzog. Die bischöfliche Residenz, die Burg Fischhausen, wurde für Verwaltungszwecke umgenutzt: Hier waren die Verwaltung des Hauptamts (Bezirks) sowie das Bernstein- und das Strandgericht untergebracht. Mindestens dreimal noch trat die Burg in der Geschichte hervor: 1526 heiratete Herzog Albrecht in der Burgkapelle Dorothea von Dänemark, und ab 1567 zog Albrechts geisteskranker Sohn und Thronfolger Albrecht Friedrich hierher. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1618 in der Burg. Schließlich fanden 1629 in der Burg Fischhausen Verhandlungen zwischen dem schwedischen König Gustav II. Adolf und dem Kurfürsten Georg Wilhelm statt. Sie endeten zur allseitigen Zufriedenheit mit der Unterzeichnung eines Vertrags, nach dem Preußen im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) eine bewaffnete Neutralität wahrte.


Fischhausen

Zur selben Zeit wurden um die militärisch bedeutungslos gewordene Burg Fischhausen Erdwälle mit Bastionen angelegt, die sie in ein kleines Fort verwandelten, in dem das alte Ordensgebäude als Zitadelle diente.

Ruinen von Fischhausen


Doch gerade zu dieser Zeit begann die Burg selbst rasch zu verfallen. Einige Bauarbeiten wurden zwar ausgeführt, etwa Teile des Daches erneuert, zumal Angehörige des regierenden Hauses Hohenzollern auf der Jagd häufig in der Burg abstiegen. Dennoch begann auf Anordnung König Friedrichs I. zu Beginn des 18. Jahrhunderts der Abbruch der Burggebäude; das Abbruchmaterial wurde zur Befestigung der Festung Pillau und der Ufer ihrer Wassergräben verwendet. So teilte Fischhausen das Schicksal der Burg Balga. Von der Burg blieben nur der Uhrturm und der Südflügel oder lediglich ein Teil davon übrig. Der Turm brannte 1776 nach einem Blitzschlag aus und stürzte danach ein. Im 19. Jahrhundert wurden auf dem Burggelände neue Gebäude als Wohnsitz des Pächters errichtet, während der erhaltene Südflügel als Wirtschaftsgebäude und zur Unterbringung von Arbeitern diente. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts standen diese Bauten als Geschichtsdenkmäler unter Schutz. Den Schlusspunkt in der Geschichte der Burg Fischhausen setzte der Zweite Weltkrieg. Die Burg lag in der Hauptstoßrichtung der Verbände der 3. Weißrussischen Front bei der Offensive auf das Samland im April 1945. Die Burggebäude gerieten unter schweren Beschuss, nach dem vom Südflügel nur noch formlose Trümmer übrig waren. Nach 1945 wurde die Burg noch ein wenig „durchwühlt“, um Ziegel zu gewinnen und nach sagenhaften Schätzen zu suchen. Heute ist von ihr nur die Ruine einer Flügelmauer von bis zu anderthalb Geschossen Höhe erhalten. Durchaus möglich, dass sich unter den Bergen von Bauschutt und Hausmüll noch unversehrte Keller befinden.



Fotos auf dieser Seite: Bildarchiv Ostpreußen, bildarchiv-ostpreussen.de


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.