Die Geschichte des kleinen Privatmuseums Altes Haus*, das im April 2014 seine ersten Besucher empfing, hat einmal mehr bewiesen, was für viele ohnehin offensichtlich ist: Von Königsberg kann Kaliningrad nie genug bekommen. Eine gewöhnliche Vorkriegswohnung mit gewöhnlichen Vorkriegsmöbeln hat sich in kürzester Zeit zu einer der markantesten Sehenswürdigkeiten der Stadt entwickelt und steht fast schon in einer Reihe mit dem Bernsteinmuseum, dem Dom und dem Fischdorf.
Die Tür von Altes Haus steht praktisch nie still. Eine Führung folgt auf die andere, die Gastgeber kommen kaum hinterher, Gäste zu begrüßen und zu verabschieden. Alle interessieren sich für den Alltag der Königsberger in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Die Urheber der Idee – der Kaliningrader Unternehmer Alexander Bytschenko und seine Frau Natalja – sind für sie selbst völlig überraschend zu Medienpersönlichkeiten und stadtbekannten Leuten geworden.
– Freuen Sie sich, dass sich alles so entwickelt hat?, frage ich Alexander, während ich in seiner „deutschen Wohnung“ auf einem deutschen Stuhl an einem runden deutschen Tisch sitze. – Schließlich haben Sie jetzt viel mehr Sorgen und Probleme…
– Aber noch mehr Freude! Noch mehr positive Emotionen. Ich habe ein Geschäft, mit dem ich meinen Lebensunterhalt verdiene: den Verkauf von Verpackungen und Einweggeschirr. Spannend kann man diese Tätigkeit beim besten Willen nicht nennen. Das Museum dagegen ist eine Art Ventil. Es bereitet mir jede Menge Freude und hilft mir, interessante Menschen kennenzulernen.
– Wie lange haben Sie die Idee eines Museums mit sich herumgetragen?
– Eigentlich nie. Alles hat sich ganz zufällig ergeben. Andererseits kann man, wenn man genauer darüber nachdenkt, darin durchaus eine gewisse Folgerichtigkeit erkennen. Seit frühester Kindheit war ich von alten Dingen umgeben. Ich bin in Kaliningrad geboren, in einem Viertel, das „Fort“ genannt wurde. Die Jungs dort spielten Krieg mit echten, aus der Erde ausgegrabenen Waffen. Mit gekauften Spielzeugpistolen und -gewehren zu spielen, galt schlicht als uncool…
Später, als Erwachsener, wurde mir klar: Mich zieht alles Königsbergische an.
Ich kaufte schwere gusseiserne Bügeleisen, deutsche Möbel, Geschirr. Sammeln konnte man das nicht nennen. Ich wollte mich einfach mit solchen Gegenständen umgeben.
Mit der Zeit erwarben meine Frau und ich einen Teil einer deutschen Villa und begannen, sie nach und nach mit Dingen zu füllen, die uns gefielen.
Man kann nicht sagen, dass wir teure Antiquitäten gekauft hätten. Meist waren es gewöhnliche Dinge, aber mit einer gewissen Aura, einer Art Beseeltheit, wenn man so will …
Ein guter Freund von mir sagte einmal: „Hör mal, wir alle hier sind ohne Wurzeln, wir alle wurden vom Wind der Veränderung in dieses Land geweht. Kaum jemand hat einen Sessel, in dem schon der Großvater saß, oder eine Tasse, aus der die Großmutter trank. Aber warum kann diese Geschichte nicht mit uns beginnen?“ Da habe ich beschlossen: Meine Tochter soll solche Dinge haben. Und es muss ja nicht unbedingt der Sessel sein, in dem ausgerechnet ihr Großvater saß. Soll es eben ein Sessel sein, in dem ein anderer Großvater saß. Hauptsache, dieser Sessel hat irgendeine Geschichte…
– Und welche Geschichte hat die Wohnung, in der wir uns gerade unterhalten?
– Bekannt ist, dass dieses Haus um 1907 gebaut wurde. Darin war eine Stiftung untergebracht, so etwas wie eine wohltätige Einrichtung. Hier lebten also betagte Königsberger, die auf Pflege angewiesen waren. Gegründet wurde diese Stiftung bereits 1821. Zunächst befand sie sich in der Altstadt, Anfang des 20. Jahrhunderts zog sie jedoch in ein neues, vornehmes Viertel – nach Amalienau.
Leider sind im deutschen Adressbuch die Wohnungen im Erdgeschoss nicht nummeriert, deshalb ist schwer zu sagen, welche wem gehörte. Bekannt ist, dass dort der Kurator der Stiftung, Herr Hagedorn, und zwei Witwen wohnten. Lange Zeit glaubten meine Frau und ich, Altes Haus seien die ehemaligen Räume von Hagedorn. Inzwischen sind wir uns da aber nicht mehr sicher. Als nämlich mehrere Tapetenschichten von den Wänden entfernt wurden, kam die ursprüngliche Wandfarbe im Wohnzimmer zum Vorschein – Rosa. Bei der Restaurierung der Wohnung wurde das ursprüngliche Aussehen des Zimmers natürlich wiederhergestellt.
Einmal kam der bekannte Modehistoriker Alexander Wassiljew zu uns ins Museum. Als er die Version mit Hagedorn hörte, sagte er: „Leute, erfindet nichts – kein Mann würde zulassen, dass sein Wohnzimmer rosa gestrichen wird.“ Kurz gesagt: Allem Anschein nach hat hier eine der Witwen gewohnt…
– Und wer hat nach dem Krieg hier gewohnt?
– Man muss sagen, dieses Haus hatte großes Glück. Es ist eines der wenigen in diesem Viertel, die praktisch unbeschädigt geblieben sind, deshalb wurden hier Familien von Unteroffizieren und jüngeren Offizieren einquartiert, und die kleinen (64 Quadratmeter) Wohnungen wurden zu Gemeinschaftswohnungen.
In diesem Wohnzimmer, in dem wir jetzt sitzen, lebte eine ältere Frau, Lidija Grigorjewna, die bereits 1946 mit ihrem Vater, einem Militär, hier eingezogen war. Anfang der 2000er-Jahre kaufte ein Freund von mir ihr diese Wohnung ab. … Was meine Frau und mich betrifft, so sind wir ganz zufällig hier eingezogen. Wir hatten nämlich bei uns zu Hause mit einer Renovierung begonnen und mussten irgendwo wohnen, solange sie dauerte. Eine Wohnung zu mieten, erwies sich als gar nicht so einfach, denn wir haben einen großen Hund, und mit ihm wollte uns niemand aufnehmen. Da fiel mir ein, dass ein Bekannter von mir, der sich für Antiquitäten begeistert, eine leerstehende Gästewohnung hat. Ich rief ihn an, und er war so freundlich, sie uns zu vermieten. Wir wollten drei Monate hier wohnen, wurden dann aber neun daraus, weil sich unsere Renovierung in die Länge zog.
– Und wie kam es dann schließlich zum Museum?
Wie gesagt, der Bekannte, dem die Wohnung gehört, begeistert sich ebenfalls für Antiquitäten und die Vorkriegsgeschichte. Vieles von dem, was Sie hier sehen, ist sein Verdienst. Er war es insbesondere, der die Wohnung restauriert und begonnen hat, sie mit deutschen Möbeln einzurichten. Solange wir hier wohnten, kamen ständig Freunde zu Besuch.
Alle wollten ja unbedingt eine Wohnung sehen, in der alles deutsch ist. Dann baten die Freunde um Erlaubnis, irgendwelche Bekannten mitzubringen, und diese Bekannten brachten wiederum ihre eigenen Bekannten mit. Und so kam alles irgendwie ins Rollen.
Wir haben selbst nicht gemerkt, wie die Führungen durch die Wohnung und ihre weitere Einrichtung 80 Prozent der Zeit von meiner Frau und mir in Anspruch nahmen. Vor allem aber haben wir begriffen, dass uns das alles sehr gefällt. Als unsere Renovierung abgeschlossen war, haben wir deshalb den Mietvertrag verlängert und überlegt, wie wir die Wohnung weiter nutzen könnten. Zunächst gab es die Idee, hier einen Antiquitätensalon einzurichten, dann beschlossen wir, die Funktion eines Salons mit der eines Museums zu verbinden.
In Kaliningrad (und eigentlich überall) werden Antiquitäten nämlich meiner Meinung nach falsch verkauft. Die Leute versuchen, alte Dinge zu verkaufen. Verkaufen muss man aber einen Traum. Man muss einen Duft verkaufen, man muss Empfindungen verkaufen.
Wir dachten, wir würden wie bisher Menschen in die Wohnung einladen, Geschichten erzählen, Dinge zeigen. Vielleicht kauft ja jemand etwas.
Doch dann ist die Funktion des Antiquitätensalons fast eingeschlafen. In der ganzen Zeit haben wir vielleicht fünf Gegenstände verkauft.
Dafür ist das Museum tatsächlich zu einem Phänomen im kulturellen Leben Kaliningrads geworden, worüber meine Frau und ich uns unendlich freuen. Die Zahl unserer neuen Freunde hat sich vervielfacht. Wir haben Menschen kennengelernt, denen wir ohne das Museum nie begegnet wären. Zum Beispiel war der Direktor des British Museum, Neil MacGregor, bei uns, und es hat ihm hier sehr gefallen.
– Wer besucht Sie häufiger – Einheimische oder Auswärtige?
– Schwer zu sagen. Nach diesem Kriterium unterscheiden wir unsere Besucher eigentlich nicht. Wir unterscheiden zwischen denen, die sich interessieren, und denen, die sich nicht so sehr interessieren.
– Wie, es kommen auch Leute, die sich nicht interessieren?
– Auch das kommt vor. Irgendwo steht eben, dass man in Kaliningrad unbedingt Altes Haus besuchen muss. Also kommt so jemand, schaut sich hier alles mit gelangweilter Miene an und geht mit dem Gefühl, seine Pflicht erfüllt zu haben.
Aber derer, die nur kommen, um etwas abzuhaken, gibt es äußerst wenige. Die meisten – ob Einheimische oder Auswärtige – wissen genau, warum sie gekommen sind.
Sie suchen Königsberg. Sie wollen ein Bruchstück davon sehen, verstehen, wie die Menschen hier gelebt, was sie gefühlt, worüber sie nachgedacht haben.
Und hier lässt sich eine solche Neugier, glaube ich, etwas leichter stillen als in einem klassischen Museum. Bei uns gibt es keine Vitrinen, keine Absperrungen, keine strengen Aufseherinnen, die darauf achten, dass die Besucher nichts anfassen. Bei uns können die Menschen die Dinge sozusagen auf sich wirken lassen, sie spüren. Und auf diese Weise mehr über diejenigen erfahren, die diese Dinge einst benutzt haben.
– Darüber hinaus veranstaltet Ihr Museum verschiedene interessante Events.
– Ja, die Atmosphäre von Altes Haus lädt zu einem gemächlichen und zugleich spannenden Zeitvertreib ein. Ab und zu veranstalten wir hier zum Beispiel Weinverkostungen.
Überhaupt finden hier oft Vorträge statt. So erzählt etwa der junge Historiker Roman Schirouchow regelmäßig vom Alltag, den Bräuchen und dem Glauben der Prußen. Gemeinsam mit ihm organisieren wir Fahrten zu Orten, die mit der Geschichte Ostpreußens verbunden sind, und diese Exkursionen sind sehr beliebt.
… Vor nicht allzu langer Zeit waren meine Frau und ich auf einem Forum, das dem Social Entrepreneurship gewidmet war. Anfangs dachten wir, mit diesem Tätigkeitsfeld hätten wir nichts zu tun, doch dann wurde uns klar: Das, was wir im Museum machen, ist genau Social Entrepreneurship.
Mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln lösen wir gesellschaftliche Aufgaben, die eigentlich der Staat lösen müsste, was er aber aus irgendwelchen Gründen nicht oder nicht gut genug tut. Es geht darum, Wissen über die Vergangenheit dieses Landes zu vermitteln und das historische Erbe zu bewahren.
Nehmen wir zum Beispiel die Ausflüge durch die Region mit Roman Schirouchow. Jeder von uns tut, was er kann: Roman teilt sein umfangreiches Wissen, und meine Frau und ich organisieren den Transport, die Verpflegung und so weiter. Am Ende erfüllen wir gemeinsam eine für die Gesellschaft wichtige Funktion, die übrigens auch dazu beiträgt, dass sich das Museum selbst trägt.
– Soweit ich gehört habe, wollen Sie noch ein weiteres Museum eröffnen. Diesmal eine Wohnung aus den 60er- und 70er-Jahren …
– Vor etwa einem Jahr waren wir in Kolomna bei Moskau, wo ein paar unternehmungslustige Leute ein regelrechtes Museumsimperium aufgebaut haben – mit 150 Mitarbeitern und einem Lohnbudget von 15 bis 20 Millionen Rubel.
Dazu gehört unter anderem ein Wohnungsmuseum mit der Einrichtung der 60er- und 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts.
Dieses Beispiel hat uns sehr begeistert, und wir beschlossen, in Kaliningrad etwas Ähnliches zu schaffen. Wir haben eine Wohnung mit Vorkriegseinrichtung. Warum also nicht ein Museum mit Nachkriegseinrichtung eröffnen?
Mir scheint, dass es in der Gesellschaft eine gewisse Nostalgie nach dieser Zeit gibt. Ich meine damit nicht die Sehnsucht nach der sowjetischen Ideologie oder der Kommunistischen Partei, sondern die Sehnsucht nach der eigenen Jugend und Kindheit.
Für Menschen meiner Generation (ich bin 1969 geboren) wird das auf jeden Fall interessant sein.
Und ich hoffe, dass auch die Jugend dieses Museum nicht links liegen lässt. Schließlich gab es damals viele Dinge, von denen heutige Kinder und Jugendliche nicht die geringste Ahnung haben. Meine Tochter zum Beispiel war von einem Telefon mit Wählscheibe hellauf begeistert. Sie hatte so etwas einfach noch nie gesehen …
– Wird das einfach eine Wohnung aus den 60er- und 70er-Jahren sein oder eine Kaliningrader Wohnung aus dieser Zeit?
– Natürlich eine Kaliningrader! So wie Altes Haus nicht einfach eine deutsche Wohnung von 1907 ist, sondern eine Wohnung von 1907 in Ostpreußen, in der Stadt Königsberg, in der Hardenbergstraße, so wird auch in der sowjetischen Wohnung alles konkret und wiedererkennbar sein. Unter anderem wollen wir das Thema Fischerei aufgreifen, denn hier sind viele zur See gefahren.
Wo sich das neue Museum befinden wird, weiß ich noch nicht. Wir hatten überlegt, es direkt über der „deutschen Wohnung“ in der Pugatschowa-Straße einzurichten, aber die Pläne mussten geändert werden, da Altes Haus umgezogen ist.
– Warum?
– Die Sache ist die: Diese Wohnung gehört uns, wie ich schon sagte, nicht. Wir wollten sie kaufen, konnten uns aber mit dem Eigentümer nicht einigen.
Deshalb haben wir eine andere Wohnung erworben – in der Krasnaja-Straße 11 –, in die unser Museum nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten umgezogen ist.
– Aber der Ort in der Pugatschowa-Straße 12 hat schon seine Aura. Die Leute haben sich an ihn gewöhnt …
– Halb so schlimm. Dann geben wir eben dem neuen Ort seine Aura. Ein Museum ist ja weder ein Ort noch eine Ansammlung von Dingen. Ein Museum sind vor allem Menschen …
Und außerdem erreichen wir bei der Einrichtung des neuen Museums eine neue Stufe der Authentizität. Dort wird, so hoffe ich, wirklich alles deutsch und aus der Vorkriegszeit sein – bis hin zur Badewanne und den Heizkörpern.
– Sie waren an der Herausgabe von Michael Wiecks Buch „Zeugnis vom Untergang Königsbergs“ beteiligt. Erzählen Sie bitte davon.
– Dieses Buch habe ich vor etwa zwei Jahren gelesen, und es hat mich sehr stark beeindruckt. Damals beschloss ich, es eines Tages neu herauszugeben. Dieser Wunsch wurde noch stärker, nachdem ich Wieck persönlich kennengelernt hatte. Einmal brachte Gerfried Horst, der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde Kants und Königsbergs, einige seiner Bekannten zu uns ins Museum, von denen viele gebürtige Königsberger waren. Unter ihnen war auch der Autor des „Zeugnisses vom Untergang Königsbergs“, Michael Wieck.
… Als ich mich mit dem Museum zu beschäftigen begann, lernte ich den Inhaber von „Piktorika“, Max Popow, kennen, der Wieck ebenfalls unbedingt neu herausgeben wollte. Und wir suchten nach einer Möglichkeit, das gemeinsam zu tun. Lange Zeit konnten wir die Rechteinhaber des russischen Textes nicht ausfindig machen, schließlich gelang es uns doch. Sie hatten nichts gegen eine Neuauflage, sagten aber, wir bräuchten die offizielle Genehmigung von Wieck.
Über Gerfried Horst nahm ich Kontakt zum Autor auf, er schickte sehr bald seine Zustimmung, und Max machte sich an die Arbeit. Man muss sagen, dass er und sein Team eine Menge geleistet haben. Da der Text nicht in elektronischer Form erhalten war, musste jede einzelne Seite des alten gedruckten Buches eingescannt werden.
Das Buch enthält viele gute Abbildungen. Einen Teil davon hat Wieck zur Verfügung gestellt, einen anderen Max Popow aus seiner umfangreichen Sammlung. Alles in allem ist das Ergebnis meiner Meinung nach gelungen. Dafür muss man sich nicht schämen. Im Grunde bin ich der Ansicht, dass das Buch „Zeugnis vom Untergang Königsbergs“ in jeder Kaliningrader Familie vorhanden sein sollte.
*Altes Haus – im Russischen erläutert als „altes Haus“ (dt.)
Website des Museums: alteshaus.ru
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

