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Selenogradsk (Cranz)

Selenogradsk (Cranz)

Selenogradsk (dt. Cranz), Stadt, Zentrum des gleichnamigen Rajons an der Ostseeküste. Bahnhof (Selenogradsk-Nowy). Klima- und Moorbadekurort mit Mineralquellen (Mineralwasser „Selenogradskaja“). Einwohnerzahl: 16 625 (2021). Gegründet 1252.

Wappen von Cranz

Wappen von Cranz


Die ersten Menschen erschienen an der Küste beim heutigen Selenogradsk etwa 7000–8000 Jahre v. Chr., wovon Funde aus der Mittelsteinzeit zeugen. Diese Kultur, die im Nordosten Estlands vertreten ist, war durch Sesshaftigkeit, Jagd und Fischfang gekennzeichnet. Spätere Funde gehören in die Jungsteinzeit und werden auf das 4.–2. Jahrtausend v. Chr. datiert. In der Niederung am Kurischen Haff und in Friedrichswalde (Dubki-Wald) wurden Feuersteinbeile gefunden, die Trägern einer in Großbritannien, Süd- und Mitteleuropa verbreiteten Kultur gehörten. Ihre Vertreter betrieben Viehzucht, Sammelwirtschaft und Jagd und kannten die Anfänge von Ackerbau und Metallurgie.


Dekoratives Wandbild Selenogradsk-Cranz

Am Ende der Jungsteinzeit tritt im Gebiet des künftigen Cranz (und überhaupt im südöstlichen Baltikum) die Kultur der „Schnurkeramik“ auf. Ihren Namen erhielt sie nach der Verzierung der Tongefäße. Die Herkunft dieser Kultur ist bis heute ein Rätsel.

Kinder am Teichufer im Park PlantageKinder am Ufer des Storchenteichs im Park Plantage.


Man nimmt an, dass ihre Träger aus Dänemark, Mitteldeutschland, Ostpolen oder der Ukraine ins südöstliche Baltikum gekommen sein könnten. Diese Menschen betrieben einen einfachen Ackerbau. Kennzeichnend für ihre Bewaffnung sind steinerne Streitäxte. Die Träger der „Schnurkeramik“-Kultur bestatteten ihre Toten in Einzelgräbern unter kleinen Grabhügeln. In der Umgebung von Cranz wurden bei Ausgrabungen Steinäxte in Wosegau (Wischnjowoje), Mülsen (Cholmy), Friedrichswalde (Dubki-Wald) und Weischkitten (Sokolniki) gefunden.

Die interessantesten Funde erwarteten die Archäologen jedoch im Kaup-Wald. Hier entdeckte man Grabhügel, die etwa in das 2. Jahrtausend v. Chr. datiert werden. In einem von ihnen lagen zwei Skelette in sitzender Haltung.

Mit Bestimmtheit lässt sich sagen, dass es in der „Schnurkeramik“-Kultur den Glauben an ein Leben nach dem Tod gab, denn im Grabhügel fanden sich Gebrauchsgegenstände (Stichel, Pfrieme, Knochenbeschläge) und Waffen (Steinäxte).

Funde aus der Umgebung von Cranz, die der Bronzezeit (2. Jahrtausend v. Chr. - 5. Jh. v. Chr.) und der frühen Eisenzeit (5. Jh. v. Chr. – Zeitenwende) angehören, sind nicht zahlreich: Zu nennen sind einige Äxte und ein Spiralarmband aus einem Hortfund bei Mülsen (Cholmy) sowie Hügelgräber im Kaup-Wald und bei der Siedlung Laptau (Muromskoje). Die Bewohner verbrannten ihre Toten, die Asche kam in einen Tontopf – eine Graburne –, die in eine aus großen Steinen gesetzte Kiste gestellt wurde. Das Ganze wurde von oben mit Erde überschüttet, und so entstand ein Grabhügel.


Strandpromenade in CranzPromenade und Strand des guten alten Cranz.

Verfolgt man die Fundorte einzelner Stücke aus dieser Zeit, so ziehen sie sich von der Kaliningrader Halbinsel in Richtung Kurische Nehrung, die möglicherweise die Rolle eines Handelsweges spielte.

Hotel „Monopol“ am Strand von CranzPostkarte von Fritz Krauskopf mit Blick auf das Hotel „Monopol“ am Strand.


Seitdem lebten hier ständig Menschen, doch weder in der Bronzezeit noch später ist irgendeine besondere Aktivität oder Blüte zu beobachten. Etwas lebhafter wurde es in der Gegend erst in der Zeit des römischen Einflusses: Da die Römer den Bernstein sehr schätzten, weisen die archäologischen Grabungen auf eine deutliche Zunahme der Bevölkerungsdichte hin, die durch den regen Bernsteinhandel bedingt war.

Die Kultur der damaligen Bevölkerung ist anhand der Spuren ihrer Bestattungsbräuche erforscht. Festgestellt wurden sowohl Körper- als auch Brandbestattungen. Bei Körperbestattungen lagen die Überreste in Baumsärgen, manchmal auch direkt auf der Erde, mit dem Kopf nach Norden. Bei Brandbestattungen wurden die Toten auf besonderen Plätzen verbrannt, die Asche kam in eine Graburne und diese in eine kleine ausgehobene Grube, die von oben mit Steinen belegt wurde.

Die Gräber enthalten zahlreiche Beigaben, die vom Wohlstand der hier ansässigen Bevölkerung zeugen: Waffen, Schmuck, Pferdegeschirr, römische Münzen (darunter sogar goldene!) aus den Jahren 81–192.

Einige dieser Gegenstände wurden im Tausch gegen Bernstein erworben. In den Werken antiker Autoren erscheint die hiesige Bevölkerung unter dem Namen „Aestier“.

In der Völkerwanderungszeit (5.–8. Jh.) tritt hier erneut eine Verödung ein, was möglicherweise mit dem schlechten Forschungsstand zusammenhängt. Dass hier dennoch Menschen lebten, belegen jedoch Funde aus dieser Zeit auf dem Gräberfeld Dollkeim (Kowrowo): Fibeln, gedrehte Armreifen und Halsringe, Keramik. In dieser Zeit änderte sich der Bestattungsbrauch. Die Toten werden weiterhin verbrannt, doch die Asche wird nicht in Urnen, sondern in der Erde beigesetzt, in eigens gegrabenen Gruben, die von Steinsetzungen umgeben sind. Auf dem Grund der Grabgrube liegt gewöhnlich ein Pferdeskelett, auf dem Bauch mit untergeschlagenen Beinen.


Familienfoto an den vereisten Pfeilern der SeebrückeFamilienfoto an den vereisten Pfeilern der Seebrücke.

Im 9. Jahrhundert erscheinen in der Umgebung des künftigen Cranz neue Siedler – die Wikinger. Wie an anderen Orten der Ostseeküste gründeten sie hier einen Handelsplatz. Die Beziehungen zwischen den Wikingern und der einheimischen Bevölkerung waren nicht immer friedlich. Ursache der Feindschaft war der Bernstein, dessen Handel die Wikinger kontrollieren wollten.

Zugefrorenes Meer in SelenogradskZugefrorenes Meer in Selenogradsk (2021).


Ab dem 10. Jahrhundert unternahmen sie wiederholt Versuche, das Samland zu unterwerfen. Von den Ereignissen vor tausend Jahren berichten uns auch historische Quellen, etwa Saxo Grammaticus: „Haakon, der Sohn König Haralds, genannt Blauzahn, unterwarf die Sembier. Die Dänen bemächtigten sich des Samlands, heirateten die Frauen der besiegten Prußen und lebten mit den Feinden zusammen.“ Die Prußen selbst lebten in befestigten Siedlungen – Burgwällen –, von denen einer, Garbeck, unweit der Siedlung Sosnowka (Bledau) lag.

Mitte des 13. Jahrhunderts eröffnete der Deutsche Orden am Beginn der Kurischen Nehrung den Krug „Cranza-Krug“.

Die Krüge jener Zeit waren Herbergen, in denen Reisende übernachten, sich verpflegen und ihre Pferde rasten lassen konnten. Einige dieser Krüge waren zum Schutz vor Überfällen der Heiden befestigt. Das Gründungsjahr von Cranz – 1252 – wird gewöhnlich mit der Gründung des Cranza-Krugs in Verbindung gebracht. Mit der Zeit entstand beim Krug das Dorf Cranzkuhren, dessen Bewohner überwiegend Litauer und Prußen waren und sich mit Fischfang und Vogelfang beschäftigten. Diese Siedlung wird 1258 bei der Teilung des Gebiets zwischen dem Deutschen Orden und dem samländischen Bischof erwähnt. Im Ergebnis blieben die Ländereien beim Cranza-Krug beim Orden und kamen zum Kammeramt Rudau (Melnikowo).


Strand und Promenade in SelenogradskPromenade und Strand in Selenogradsk.

Im Winter 1283 fand ein großer Raubzug der Litauer in das Samland statt. 800 Reiter (nach der Chronik Peters von Dusburg) zogen über die Nehrung Kurisch (die Kurische Nehrung) und verwüsteten die Länder Powunden (Gegend der Siedlung Chrabrowo) und Pobethen (Gegend der Siedlung Romanowo), wobei sie 150 Christen töteten und viele weitere gefangen nahmen.

Zugbrücke an der Promenade von CranzDie Zugbrücke an der Promenade von Cranz.


Zum Schutz dieser Richtung wurde auf Anordnung des Landmeisters Konrad von Thierberg des Jüngeren (gest. nach 1287) am Beginn der Nehrung die Holz-Erde-Burg Neuhaus errichtet. Die genaue Lage von Neuhaus ist unbekannt, doch an ihrer Existenz selbst besteht kein Zweifel, da sie in einer Reihe von Urkunden erscheint, die bis heute erhalten sind.

1308 fand unter Führung der Anführer Sugarde und Mansto ein weiterer großer Kriegszug der Schemaiten in das Samland statt. Die Burg Neuhaus wurde eingeschlossen und ihre Umgebung verwüstet. Die Schemaiten zogen weiter und verwüsteten erneut die Länder Powunden und Rudau (Umgebung der Siedlungen Chrabrowo und Melnikowo). Ihnen trat ein Ordensheer entgegen; als die Angreifer davon erfuhren, kehrten sie eilig nach Litauen zurück. Es wird festgestellt, dass die Burg Neuhaus zu dieser Zeit ihre Schlüsselbedeutung bereits verloren hatte, da weiter nördlich auf der Nehrung 1290 die Burg Rossitten (Rybatschi) erbaut worden war. In den folgenden 500 Jahren ereigneten sich in der Gegend keine bedeutenden Ereignisse, und alle Erwähnungen von Cranz sind nur sporadisch.

Der Cranzkrug ist 1584 auf der Karte von Caspar Hennenberger (1529–1600) verzeichnet, im selben Jahr beim Historiker Caspar Stein erwähnt und außerdem in den Aufzeichnungen eines unbekannten Reisenden (1700) vermerkt.

Es ist klar, dass Cranz in dieser ganzen Zeit ein gewöhnliches Fischerdorf war. Der Fischreichtum vor der samländischen Küste begünstigte gerade eine solche wirtschaftliche Entwicklung der Küstenorte. Von anderen Fischerdörfern unterschied sich Cranz nur durch seine besondere geografische Lage. Bis zum 18. Jahrhundert sprach die einheimische Bevölkerung überwiegend Prußisch. Bis 1785 setzte sich für das Fischerdorf die Namensform Kranzkuhren durch. Bevor das Dorf ein eigenes Kirchspiel erhielt, gehörte es zum Kirchspiel Rudau (Melnikowo).


Am Strand von CranzAm Strand von Cranz gab es Sand im Überfluss.

Ende des 18. – Anfang des 19. Jahrhunderts kamen bei den Europäern Seebäder in Mode. Eine Reihe von Physiologen wies auf die wohltuende Wirkung von Meerwasser, Sonnenbädern und frischer Luft hin, besonders in der Nähe von Nadelwäldern. Diese Bestrebungen erlaubten es Ostpreußen, sich bei Landsleuten und Nachbarn wieder in Erinnerung zu bringen.

Die Welle. Humoristische Postkarte aus Cranz„Die Welle“ – Gruß aus Cranz (humoristische Postkarte vom Anfang des 20. Jh.)


Der Königsberger Gelehrte Ludwig von Baczko (1756–1823) bemerkte, dass in Cranzkuhren viele alte Menschen lebten. Er führte dies auf den außerordentlichen Nutzen der Seebäder für den Körper zurück und schlug vor, an der Meeresküste ein Seebad zu bauen. 1793 versuchte der Königsberger Medizinprofessor Johann Daniel Metzger (1739–1805) in einem Artikel im berühmten „Preußischen Archiv“, seine Mitbürger für die Idee eines Seebads an der samländischen Küste zu begeistern, und nannte dabei Cranzkuhren, Palmnicken (Jantarny) und Groß Dirschkeim (Donskoje).

Das erste staatliche Programm zur Einrichtung eines Seebads in Cranzkuhren wurde 1800 von Friedrich Wilhelm III. ausgearbeitet. Es sollte jedoch wegen der beginnenden Kriege mit Napoleon nicht verwirklicht werden.

Dafür wusste Königin Luise die Schönheit der Gegend zu schätzen, als sie 1807 auf dem Weg von Königsberg nach Memel in diesem Dorf Station machte. Das Haus in Selenogradsk in der Turgenjew-Straße 10, in dem die Königin rastete, ist bis heute erhalten.

Zur Idee eines Seebads kehrte man erst nach dem Krieg 1813 zurück. Mit der Leitung der Einrichtung des Seebads wurde der Obermedizinalrat des Bezirks Königsberg, Friedrich Christian Kessel (1765–1844), beauftragt. 1816 wurde Cranz als staatliches Seebad für die Öffentlichkeit eröffnet. In der ersten Saison kamen 35 Badegäste, denen am Strand zwei Badekabinen zur Verfügung standen.

1817 kam zur bestehenden „Kurinfrastruktur“ ein Warmbadehaus hinzu. In den ersten Jahren des Seebads kamen im Sommer nur vereinzelte Königsberger Familien nach Cranzkuhren, um ihre Gesundheit durch Seebäder zu stärken. Um Geld zu sparen, wohnten die Gäste in den Hütten der Fischer, während die Hausherren für diese Zeit in die Schuppen zogen.


Spielplatz und MurariumBlick auf den Wasserturm, in dem sich heute das Katzenmuseum „Murarium“ von Selenogradsk befindet.

1820 gründeten Aktivisten der Kurbewegung ein besonderes Komitee, aus dem später der „Kessel’sche Verschönerungsverein“ hervorging. 1823 begann der Bau einer Chaussee von Königsberg nach Cranz, der sich über 30 Jahre hinzog.

Die Cranzer MühleEine Mühle gab es im alten Cranz – Windmühlen hat das heutige Selenogradsk dagegen keine.


Anders als der alte unbefestigte Weg umging die neue Chaussee Quednau (Sewernaja Gora) im Westen und führte nach Laptau (Muromskoje) über Bledau (Sosnowka). Die Königsberger fuhren nach Cranz sowohl in eigenen (privaten oder gemieteten) Pferdekutschen als auch mit den Postkutschen, die (ab 1852) ans Meer verkehrten. Das Seebad selbst wurde immer häufiger „Cranz“ genannt, als wolle man betonen, dass man ans Meer fuhr und nicht in ein Fischerdorf. Zugleich waren es gerade die Badegäste, die die hiesige, über Kiefernzapfen geräucherte Flunder berühmt machten und behaupteten, nirgendwo sonst werde sie so schmackhaft zubereitet. So gelangte die Flunder später sogar ins Wappen von Cranz (siehe oben) und von dort ins Wappen von Selenogradsk.

1821 wurde in Cranz das erste Gästehaus, das „Logierhaus“ (wörtl. „Haus zum Wohnen“), gebaut, das 1835 leider abbrannte. 1824 besuchten Cranz bereits 220 Badegäste. 1842 wurde das „Konversations- und Logierhaus“ („Haus zum Wohnen und für Gespräche“) im Bereich des Corso-Platzes neu errichtet.

Wirkliche Popularität brachte dem Seebad der Besuch König Friedrich Wilhelms IV. am 9. Juli 1843. Der König war mit dem Gesehenen zufrieden und stellte Mittel für die weitere Entwicklung des Badewesens in Cranzkuhren bereit.

Seitdem trug Cranz den Status eines „Königlichen Seebads“, den es bis 1895 behielt. 1854 besuchten das Seebad Cranz bereits 1714 Badegäste. 1856 eröffnete man im Park Plantage, der Mode für Mineralwässer folgend, eine Kolonnade mit Zapfstellen für Mineralwasser. 1859 wurde ein Sommertheater gebaut, in dem fast täglich Vorstellungen gegeben wurden. 1864 wurde eine Telegrafenverbindung zwischen Cranzkuhren und Königsberg eröffnet. 1871 gab es in Cranzkuhren 173 Häuser, zwei weitere Häuser gehörten zum Cranzkrug und noch eines zur Försterei Grenz, die zur Gemeinde Cranzkuhren gehörte.


Kirche CranzDie Kirche Cranz dient der Stadt heute als orthodoxes Gotteshaus.

1877 wurde in Cranz ein eigenes Kirchspiel gegründet. 1885 wurde das Kirchspiel Cranz mit dem Kirchspiel Sarkau (Lesnoi) vereinigt.

Eisenbahnunglück am Bahnhof Cranz am 27. Juni 1906Eisenbahnunglück am Bahnhof Cranz am 27. Juni 1906.


Für die Gottesdienste diente ein kleines Fachwerkgebäude, das bald nicht mehr ausreichte, und 1896–97 wurde in Cranz die Backsteinkirche St. Adalbert gebaut. 1899 wurde die alte Kirche abgebaut und an das Kirchspiel Medenau (Logwino) verkauft, um eine „Filiale“ in Zimmerbude (Swetly) einzurichten.

Am 31.12.1885 wurde feierlich die Eisenbahnverbindung mit Königsberg eröffnet, die einen Besuch in Cranz breiten Bevölkerungskreisen ermöglichte. Die Zahl der Züge auf der Strecke wechselte je nach Saison sowie nach Werk- und Feiertagen und lag Anfang des 20. Jahrhunderts bei 13 bis 19 Zügen in einer Richtung. Zeitgenossen berichten, dass in der Hochsaison die Zahl derer, die ans Meer fahren wollten, die Zahl der Plätze in den Zügen überstieg und viele stehen mussten.

Erstaunlicherweise war die Fahrzeit der Dampfzüge dieselbe wie bei den heutigen Elektrozügen – von 24 Minuten bei den Eilzügen bis zu 49 Minuten bei den Zügen, die an allen Stationen hielten: Bahnhof Maraunenhof (Perwomaiskaja-Straße), Station Rothenstein (Kutusowo-Nowoje), Bahnhof Quednau (Sewernaja Gora), Haltepunkt Stiegehnen (Orlowka), Bahnhof Groß Raum (Rjabinowka), Bahnhof Mollehnen (Kaschtanowka), Bahnhof Laptau (Muromskoje), Haltepunkt Bledau (Sosnowka).

Die Eröffnung der Eisenbahn wirkte sich sofort auf die Besucherzahlen des Seebads aus – 1889 erreichte die Zahl der Erholungsgäste bereits 8183, Tagesbesucher nicht eingerechnet. Am 8. Juli 1889 wurde in Cranz feierlich das neue Bahnhofsgebäude eröffnet, das bis heute zuverlässig in Betrieb ist. Da die Züge damals mit nur einer Lokomotive fuhren, wurde neben dem Bahnhofsgebäude eine Drehscheibe montiert. Die Lok wurde vom Zug abgekuppelt, fuhr auf die Drehscheibe, wurde um 180 Grad gedreht, umfuhr den Zug auf dem zweiten Gleis und wurde dann wieder angekuppelt, um in Gegenrichtung – nach Königsberg – zu fahren. Am 08.07.1895 wurde der Verkehr auf einem zwei Kilometer langen Gleisabschnitt von Cranz nach Cranzbeek am Ufer des Kurischen Haffs aufgenommen, damit die Badegäste von dort mit dem Dampfer nach Memel (Klaipėda, Litauen) fahren konnten.


Anlegestelle CranzbeekDie Dampfer „Cranz“ und „Rossitten“ am Anleger von Cranzbeek.

Ab 1893 lautete der Name des Dorfes und des Seebads ausschließlich Cranz.

Dampfer

Die „Cranz“ legt ab.


1896 wurde in Cranz ein neues Postamt gebaut. Der Sturm von 1899 zerstörte die Promenade und die Bauten am Ufer. Danach begannen in Cranz Maßnahmen zur Uferbefestigung und zum Bau von Wellenbrechern.

1904 wurde für katholische Gäste die katholische Kapelle St. Andreas eröffnet. Ebenfalls 1904 wurde der Wasserturm gebaut, der in der Nachkriegszeit zum Wahrzeichen von Selenogradsk wurde.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Ort ein beliebtes Seebad sowohl für Deutsche als auch für Gäste aus dem Ausland. 1901 wurde die Bahnstrecke von Cranz bis Neukuhren (Pionerski) verlängert.

1907 wurde das Seebad Cranz vollständig nach den damaligen Anforderungen umgestaltet: Es entstand das erste Familienbad des Samlands, durch einen hohen Bretterzaun vor fremden Blicken geschützt; der Zugang zu den Badeanstalten war mit einem Hauptportal geschmückt. Das Familienbad mit getrennten Herren- und Damenabteilungen hatte 190 Kabinen.

Im Sommer 1911 wurde in Cranz auf dem Gelände des Kurhauses unter aktiver Mitwirkung des Rats und Bankiers Georg Marx (1843–1927) eine Synagoge eröffnet. 1938 wurde sie aus naheliegenden Gründen geschlossen und der Hitlerjugend übergeben. Am südlichen Ortsrand von Cranz wurde eine Rennbahn für Hunderennen angelegt. Die letzten Rennen fanden hier 1920 statt.

Eine der Folgen des Ersten Weltkriegs war ein Stillstand in der Entwicklung von Cranz, vor allem als Seebad. Es kamen keine Gäste, Hotels, Pensionen und Sanatorien standen leer. Für die Instandhaltung und Erneuerung der Einrichtungen und Anlagen wurde nichts unternommen, und nach der Inflation stand die Kurverwaltung vor gewaltigen, vor allem finanziellen Problemen. Mit der Überwindung der Wirtschaftskrise verbesserte sich die Lage von Cranz jedoch allmählich. In der Saison 1921 besuchten Cranz 10 250 Gäste, darunter 4 860 aus Königsberg, 3 870 aus der Provinz, 425 aus Berlin und 179 Russen.


FamilienbadDas Familienbad und rätselhafte Objekte rechts.

1927 wurde in Cranz ein neues Schulgebäude errichtet, das bis heute seinem Zweck dient.

Schule in Cranz

Die Schule in Cranz. Sie finden sie noch heute an derselben Stelle


Am 1. Januar 1929 galt Cranz nicht mehr als Dorf, erhielt jedoch kein Stadtrecht. Es bekam einen gewissen Zwischenstatus einer Gemeinde zwischen Stadtgemeinde und Landgemeinde. Zur selben Zeit wurden die Dörfer Wickiau (Klinzowka) und Wiskiauten (Mochowoje), die zuvor zum aufgelösten Gutsbezirk Wosegau (Wischnjowoje) gehört hatten, in die Gemeinde Cranz eingegliedert. Am 30.09.1929 wurden der Gemeinde Cranz aus dem Forstgutsbezirk Fritzen Waldflächen von 33,6 ha in der Umgebung von Cranz übertragen, darunter auf der Kurischen Nehrung. Damals kamen zur Gemeinde das Forsthaus Cranz (Selenogradsk, Turgenjew-Straße 10), das Forsthaus Grenz, das Waldrestaurant Fichtenhein und das Waldrestaurant Waldhaus.

1934 wurde in Cranz eine Baptistenkapelle gebaut. In den Dreißigerjahren gab es eine weitere Welle der Erneuerung der Kurinfrastruktur, und bis 1939 war der Ort eine kleine deutsche Idylle abseits der Ereignisse, die Europa erschütterten.

Erstmals spürte Cranz den Krieg 1940, als nach dem Ende des Frankreichfeldzugs die Kegelbahn im „Ostseehotel“ zur Unterbringung belgischer Kriegsgefangener umgebaut wurde. Dennoch änderte sich das Kurleben bis 1944 praktisch nicht. Nach den Bombenangriffen im August 1944 zogen obdachlos gewordene Königsberger nach Cranz. Vor der Küste manövrierten Kriegsschiffe, im Wald bei Bledau (Sosnowka) wurden eine Militärfunkstation und ein Lazarett eingerichtet.


Am Strand von Cranz Ende der 1930er-JahreAm Meeresufer in der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg (Ende der 1930er-Jahre).

Die Einnahme von Cranz erfolgte durch Truppen der 43. Armee unter General A. P. Beloborodow (1903–90). 7–8 km von Cranz entfernt, im Bereich des Dorfes Laptau (Muromskoje), hatten die deutschen Truppen die Hauptverteidigungslinie eingerichtet, die mehrere Staffeln hatte und bis Bledau (Sosnowka) reichte.

Sowjetische Soldaten vor dem KurhausParadefoto von Rotarmisten in der Königsberger Straße 1945.


An sie rückten die 115. Cholmer Rotbanner-Schützendivision (Schützenregimenter 292, 576 und 638 sowie Artillerieregiment 313; insgesamt 2326 Mann), die 325. Dwinsker Rotbanner-Schützendivision und weitere Einheiten der Roten Armee heran. Die Versuche der sowjetischen Truppen, die gegnerische Verteidigung aus der Bewegung heraus zu durchbrechen, blieben erfolglos. Vom 29. Januar bis 2. Februar 1945 griffen deutsche Schiffe in die Kämpfe an Land ein. Der Schwere Kreuzer „Prinz Eugen“ lag in Begleitung der Zerstörer Z 5 „Paul Jacobi“ und Z 25 sowie der Torpedoboote T 33 und T 36 auf der Reede von Cranz. Die Schiffe beschossen außerhalb direkter Sicht die vorrückenden Einheiten der Roten Armee. Nach Aussagen deutscher Augenzeugen wurden zur Verteidigung von Cranz auch die Schweren Kreuzer „Lützow“ und „Admiral Scheer“ mit ihren Begleitschiffen herangezogen, doch diese Angaben werden durch geprüfte Quellen nicht bestätigt.

Die sowjetischen Truppen erhielten den Befehl, in einem Nachtangriff (in der Nacht vom 2. auf den 3. Febr.) die gegnerische Verteidigung im Raum Laptau–Bledau (Muromskoje–Sosnowka) zu durchbrechen und im Raum Cranz an die Ostseeküste vorzustoßen. Den Sturm auf die Stellungen führte das 2. Schützenbataillon (M. W. Wassiljew) des Schützenregiments 114 der 325. Schützendivision aus. Nach dem Fall dieses Stützpunkts war das Schicksal der Verteidigung von Cranz entschieden.

Am Samstag, dem 03.02.1945, zogen deutsche Infanterie, motorisierte und bespannte Artillerie sowie einzelne Sturmgeschütze durch die Königsberger Straße von Cranz in Richtung Wargenau (Malinowka). Früh am Morgen des 4. Februar rückte das Schützenregiment 292 der Roten Armee als erstes in Cranz ein. Nach Aussagen von Offizieren der Roten Armee kam das Erscheinen sowjetischer Truppen in der Stadt für die Deutschen völlig überraschend. In der Stadt hatten die Geschäfte weiterhin geöffnet, die Menschen gingen spazieren oder ihren Angelegenheiten nach. Als sie die sowjetischen Soldaten sahen, schlossen die Einwohner eilig ihre Läden, andere ließen sie offen stehen und liefen davon. Die Truppen, mit Ausnahme der Besatzungseinheiten, folgten dem zurückweichenden Gegner. In der Stadt wurde eine Militärkommandantur eingerichtet. Es begann die Überprüfung der Bevölkerung, um NSDAP-Aktivisten und SS-Angehörige ausfindig zu machen. Am 18.02.1945 wurden die Einwohner von Cranz, die nicht mehr hatten evakuiert werden können, nach Schloßberg (Dobrowolsk) gebracht.


Sowjetische Flakschützen vor dem Hotel Sowjetische Flakschützen vor dem Hotel „Monopol“.

Am 07.04.1946 kam Cranz zum Rajon Samland mit dem Verwaltungszentrum in Fischhausen (Primorsk). Am 07.09.1946 wurde der Rajon in Primorski umbenannt. Zu dieser Zeit hatte Cranz den inoffiziellen Namen Nachimowsk erhalten.

Modell des Hotels „Monopol“ im Architekturmuseum von SelenogradskModell des Hotels „Monopol“ im Museum für Geschichte und Architektur „Königsberg“ in Selenogradsk.


In der Stadt arbeiteten bereits ein Krankenhaus, eine Schule und eine Feuerwache. Im Dezember 1946 erging eine Anordnung des Ministerrats der UdSSR über die Einrichtung eines Militärsanatoriums in der Stadt. Am 17.06.1947 wurde Cranz in Selenogradsk umbenannt, und am 27.07.1947 wurde Selenogradsk Rajonzentrum des Rajons Primorski.

1947 wurden in Selenogradsk die Wasserversorgung und (teilweise) die Kanalisation wiederhergestellt, eine Bäckerei nahm den Betrieb auf. Das Sanatorium Selenogradsk bestand damals aus drei Gebäuden und bot Platz für bis zu 300 Gäste. Ihnen standen eine Hydrotherapie-Abteilung, eine Moorbadeabteilung, ein Physiotherapieraum und ein Röntgengerät zur Verfügung. In der Stadt arbeiteten: das Artel „Uniwersal“ (Nähen von Kleidung und Schuhen, Reparatur landwirtschaftlicher Geräte, Brennholzbeschaffung), ein Dachziegel- und Ziegelwerk, eine Bibliothek, ein Kulturhaus. Im Juni 1947 wurde die Bahnverbindung mit Kaliningrad eröffnet.

Im Oktober 1947 erschien die erste Ausgabe der Rajonzeitung „Primorski Bolschewik“. 1947 gingen die ersten 35 Straßenlaternen in Betrieb.

Doch offenbar blieb die Normalisierung des Lebens in Selenogradsk hinter dem geplanten Tempo zurück, denn der erste Vorsitzende des Stadtsowjets der Deputierten, M. I. Wosnessenski, wurde am 17.07.1948 abgesetzt, ohne auch nur ein Jahr im Amt gewesen zu sein, und der nach ihm ernannte M. I. Sidorkin hielt sich nur bis Mai 1949 und wurde ebenfalls „wegen unbefriedigender Arbeit“ abgesetzt.

1950 wurde in Selenogradsk ein Sanatorium für Knochentuberkulose eröffnet. 1958 nahm ein psychoneurologisches Kindersanatorium die ersten Patienten auf. Im selben Jahr wurde in der Stadt eine Kinderkunstschule eröffnet. In den 1950er-Jahren wurde die Küste hergerichtet, man legte Abgänge zum Meer an, Straßen und Gehwege wurden repariert und die Straßenbeleuchtung wiederhergestellt.


Heimatmuseum SelenogradskVilla Krell, in der sich heute das Heimatmuseum von Selenogradsk befindet.

Am 1. Februar 1963 wurde Selenogradsk eine Stadt unter Gebietsverwaltung. 1965 wurde der Rajon Selenogradsk in den Grenzen des Rajons Primorski gebildet, und Selenogradsk wurde wieder eine dem Rajon unterstellte Stadt.

Hotel Das Hotel „Königin Luise“ ist auch heute in Betrieb.


1964 wurden zusätzliche Vorortzüge bis zum Bahnhof Kaliningrad-Sewerny eingesetzt. Im selben Jahr nahmen der Kindergarten Nr. 5 und ein Kino ihren Betrieb auf. Bis 1975 gab es in Selenogradsk fünf Erholungseinrichtungen: das Sanatorium „Selenogradsk“, zwei Fachsanatorien, das Erholungsheim der Gewerkschaften (680 Plätze) und das Sanatorium-Prophylaktorium „Tschaika“ des Kaliningrader Schleppnetzflottenstützpunkts.

1976 wurde der Restaurantkomplex „Priboi“ eröffnet, der außer einem Restaurant mit 200 Plätzen eine Kantine, einen Feinkostladen, eine Bar, eine Bierbar, ein Café und ein Eiscafé umfasste. Im Restaurant „Priboi“ gab es das einzige Varieté im Gebiet.

Ab Ende der 1970er-Jahre wurden in Selenogradsk in großem Umfang betriebseigene Pensionen, Erholungsheime und Erholungsstätten eröffnet: „Stroitel“ (Trust „Kaliningradselstroi“), „Neringa“ (1981), „Topas“ (1986). Außerdem gab es das Kindersanatorium „Teremok“ und 4 Pionierlager („Juri Gagarin“, „German Titow“, „Ljonja Golikow“, „Solnetschny“).

In der Stadt gab es zahlreiche Gastronomiebetriebe: den Restaurantkomplex „Priboi“, das Restaurant „Turist“, die Cafés „Wstretscha“, „Majak“, „Parus“, „Teremok“, „Tschaika“ und ein Eiscafé. 1981 wurde eine neue Buchhandlung eröffnet. Zur selben Zeit nahm das Geschäft „Detski Mir“ seinen Betrieb auf.

Außerdem gab es ein Kaufhaus, Fachgeschäfte für Fleisch, Milchprodukte und Gemüse, vier Lebensmittelgeschäfte, Geschäfte für Fotobedarf, Kulturwaren und Sportartikel sowie einen Markt. 1988 wurden fünf artesische Brunnen gebohrt und an die Wasserversorgung angeschlossen. 1989 wurde in Selenogradsk eine der ersten orthodoxen Gemeinden im Gebiet gegründet. Stand 1991 gab es in der Stadt 39 Straßen, 19 Geschäfte, drei Sanatorien, zwei Erholungsstätten, sechs Kindergärten, zwei Schulen, ein Kino, ein Kulturhaus, zwei Bibliotheken, einen Videosalon, neun Cafés, Bars und Restaurants, drei Pionierlager und sechs Hotels. An medizinischen Einrichtungen gab es ein Krankenhaus und zwei Polikliniken. 1995 begann die Abfüllung des Mineralwassers „Selenogradskaja“. Ende der 1990er-Jahre waren in der Stadt 212 gewerbliche Unternehmen registriert. Ebenfalls in den 1990er-Jahren begannen sich die Touristen nicht mehr nur für Strand und Kurbetrieb der Stadt zu interessieren, sondern auch für die Vorkriegsvergangenheit dieser Gegend.


Königsberger StraßeDie Königsberger Straße war eine Zeit lang Leninstraße, bevor sie zum Kurortny Prospekt wurde.

Am 26.12.2000 wurde ein Teil der Leninstraße zur Fußgängerzone Kurortny Prospekt umgestaltet. 2006 wurde an der Promenade die Trinkhalle „Königin Luise“ eröffnet. 2008 begann der Umbau des Cranzer Wasserturms, in dem infolgedessen 2012 das Katzenmuseum „Murarium“ eröffnet wurde.

Kurortny Prospekt in SelenogradskDer Kurortny Prospekt in Selenogradsk – die schönste Fußgängerstraße des Gebiets.


2014 wurde ein Denkmal für die Katzen von Selenogradsk enthüllt, und die Stadt selbst begann, sich als „Stadt der Katzen“ zu positionieren. Es entstanden zahlreiche Kunstobjekte mit Darstellungen von Katern und Katzen, für die hiesigen Katzen wurden Häuschen und Futterstellen eingerichtet.

2015 wurde in Selenogradsk ein Denkmal für Adam Mickiewicz eröffnet. 2021 wurde an der Promenade das Riesenrad „Auge der Ostsee“ errichtet. Im selben Jahr wurde das Puppenmuseum Selenogradsk eröffnet. 2022 wurde am inzwischen verschönerten Kurortny Prospekt das Museum der Kurmode von Alexander Wassiljew eröffnet.

Sehenswürdigkeiten: St.-Adalbert-Kirche (1897, heute orthodoxe Verklärungskirche), katholische Kapelle (1904), Wasserturm (1904), Eisenbahn-Wasserturm (1865), Haus der Poststation, in dem Königin Luise übernachtete (Ende 17. Jh.), Gebäude des „Logierhauses“ (1842, umgebaut), Bahnhofsgebäude (1889), Postamt (1896), zahlreiche Vorkriegsbauten vom Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts, hölzerner Brotladen (1905, restauriert 2019), Park, Skulpturengruppe am Heimatmuseum, Gedenkstätte am Massengrab sowjetischer Soldaten (633 Personen, Denkmal 1950), archäologische Denkmäler, die 1872 gepflanzte „Kaisereiche“, städtische und private Museen (Heimatmuseum, Katzen-, Kurmode-, Puppen-, Eulen-, Engelmuseum), Königin-Luise-Platz (2000er-Jahre) mit einem ihr zu Ehren gepflanzten Baum (1843), zahlreiche moderne Kunstobjekte.

Zum Nachschlagen

Am 13.06.1874 wurde im Kreis Fischhausen (Primorsk) der Amtsbezirk Nr. 31 Cranz gebildet, der eine einzige Landgemeinde, Cranz, umfasste. Erster Amtsvorsteher war 1874–78 der Postagent Hüge. Nach und nach gingen Flächen des Gutsbezirks Wosegau (Wischnjowoje) an die Gemeinde Cranz über. In die Gemeinde Cranz wurden das Vorwerk Wickiau (Klinzowka) und das Gut Wiskiauten (Mochowoje) eingegliedert. Am 01.10.1932 wurde aus Wosegau (Wischnjowoje), Wickiau (Klinzowka) und Wiskiauten (Mochowoje) die neue Gemeinde Wosegau gebildet, die zum Amtsbezirk Cranz kam. Danach änderte sich die Zusammensetzung des Amtsbezirks nicht mehr.

Cranzbeek wurde 1895 als Siedlung aus einigen Gehöften und einem Hafen gegründet. Cranzbeek gehörte zur Landgemeinde Cranz und zum Kirchspiel Cranz. Cranzbeek war mit Cranz durch eine Stichbahn verbunden. Von Cranzbeek aus konnte man über das Kurische Haff mit dem Dampfer nach Memel (Klaipėda, Litauen) fahren. Auf der Linie verkehrten die Dampfer „Cranz“, „Rossitten“ und „Memel“. Sie fuhren an der Küste der Nehrung entlang und legten unterwegs in Rossitten (Rybatschi), Nidden (Nida, Litauen), Preil (Preila, Litauen) und Schwarzort (Juodkrantė, Litauen) an.

Die Kolonie Westende entstand etwa 1915–16 unweit der Cranzer Mühle. Die Geschichte der Villenkolonie (Villencolonie) begann damit, dass einige wohlhabende Königsberger Landhäuser auf gepachtetem Land errichteten, das damals der Familie von Batocki-Friebe gehörte. Ursprünglich gehörte Westende zur Landgemeinde Michelau (Kamenka). Das Kirchspiel war Cranz.


Kolonie Westende und Adolfshöh auf einer Karte der KüsteKolonie Westende und Adolfshöh auf einer Karte der Küste bei Cranz.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde die Kolonie beliebt, und hier begannen örtliche Industrielle und Beamte sowie einige Professoren der Königsberger Universität Albertina Villen zu bauen. Am 22.03.1929 wurde die Kolonie Westende zusammen mit einigen weiteren Gebieten der Landgemeinde Michelau (Kamenka) an die Gemeinde Cranz angeschlossen. In den 1930er-Jahren gab es in der Kolonie Westende ein Kinderheim.

Selenogradsk – Stadt der KatzenDas heutige Selenogradsk – eine Stadt der Katzen.


Adolfshöh entstand 1922 als Fortsetzung der Kolonie Westende, die sich von der Küste landeinwärts zwischen den ehemaligen Gütern Ziegenfeld und Seewäldchen auszudehnen begann. Ursprünglich gehörte es zur Landgemeinde Michelau (Kamenka). Das Kirchspiel war Cranz. Am 22.03.1929 wurde das Wohngebiet Adolfshöh zusammen mit einigen weiteren Gebieten der Landgemeinde Michelau (Kamenka) an die Gemeinde Cranz angeschlossen.

Die Försterei Cranz wird erstmals 1729 erwähnt, als sie Sitz des Oberförsters wurde, der die Förstereien im Gebiet von Cranzkuhren bis Nidden (Nida, Litauen) verwaltete. Im 19. Jahrhundert war die Försterei Cranz eine gewöhnliche Försterei im Forstgutsbezirk Fritzen, Forst, mit der Verwaltung in der Oberförsterei Fritzen (Sosnowka). Ab 1877 gehörte die Försterei Cranz zum Kirchspiel Cranz-Sarkau. Am 30.09.1929 kam die Försterei Cranz zur Gemeinde Cranz.

Bevölkerungsentwicklung: 1816 – 268, 1831 – 314, 1840 – 402, 1858 – 782, 1864 – 925, 1867 – 993, 1871 – 9911, 1900 – 2093, 1905 – 2598, 1910 – 2570, 1933 – 4667, 1939 – 5089, 1959 – 6886, 1970 – 9781, 1989 – 10 786, 1998 – 12 200, 2002 – 12 509, 2010 – 13 026 Einwohner.

Bevölkerungsentwicklung des Cranzkrugs: 1867 – 13, 1871 – 19 Einwohner.

Einwohnerzahl von Cranzbeek: 1905 – 6 Einwohner.

Einwohnerzahl des Schlachthofs: 1905 – 6 Einwohner.

Einwohnerzahl des Krankenhauses Cranz: 1905 – 8 Einwohner.

Einwohnerzahl der Försterei Cranz: 1905 – 8 Einwohner.

Einwohnerzahl der Mühle: 1905 – 20 Einwohner.

Bevölkerungsentwicklung der Försterei Grenz: 1871 – 5, 1905 – 8 Einwohner.

Einwohnerzahl von Schwendlung: 1905 – 10 Einwohner.

1 — davon 5 Personen in der Försterei Grenz.


Bevölkerungsstruktur des Cranzkrugs 1871: evangelische Christen – 17, Katholiken – 2, Lese- und Schreibkundige – 19 (100 %).

Bevölkerungsstruktur von Cranzkuhren 1871: evangelische Christen – 914, Katholiken – 8, sonstige Christen – 47, Juden – 2, Kinder unter 10 Jahren – 213, Lese- und Schreibkundige – 627 (85 %), Blinde – 3, Taubstumme – 1.


Zum Kirchspiel Cranz-Sarkau gehörten: Beekinsel (Insel Rybatschi, 54°57'19'' n. Br. 20°31'23'' ö. L.), Bledau (Sosnowka), Cranz (Selenogradsk), Cranzbeek (Selenogradsk, Teil), Försterei Cranz (Selenogradsk, Turgenjew-Straße 10), Forsthaus Grenz (54°58'56'' n. Br. 20°33'50'' ö. L.), Garbeck (Selenogradsk, Teil), Krankenhaus Cranz (Selenogradsk, Rajonkrankenhaus), Mühle (Selenogradsk, Teil), Rodahn (Sosnowka, Teil), Rosehnen (Priboi), Sarkau (Lesnoi), Schlachthof (Selenogradsk, Teil), Schwendlung (54°57'44'' n. Br. 20°31'49'' ö. L.), Wargenau (Malinowka), Wosegau (Wischnjowoje), Ziegelei Wosegau (Selenogradsk, Teil).

Historisches Bildmaterial: pastvu.com.

Aktuelle Fotos: Michail Ogorodnikow.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.