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Die Königsberger Wurzeln der Berliner Currywurst von Herta Heuwer

Die Königsberger Wurzeln der Berliner Currywurst von Herta Heuwer

Vor 60 Jahren, am 21. Januar 1959, ließ sich die gebürtige Königsbergerin Herta Heuwer (1913–1999) eine Soße für Currywürste patentieren, die später zu einem der Symbole des Nachkriegs-Berlins werden sollten.

Das Schicksal dieser Frau verlief weit glücklicher als das vieler ihrer Altersgenossinnen aus der ostpreußischen Provinz, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verloren. Die Familie Pöppel, in der Herta Charlotte das sechste Kind war, zog lange vor den Kriegswirren der Mitte des 20. Jahrhunderts, Ende 1929, von Königsberg (aus der Heidemannstraße 25 im Sackheim, heute die Gegend um die Tscherepitschnaja-Straße) nach Berlin. Hier erhielt Herta eine kaufmännische Ausbildung, lernte anschließend Schneiderin und absolvierte obendrein einen Kochkurs. 1935 heiratete sie Kurt Emil Heuwer, einen Mechaniker der Firma Siemens & Halske AG. Von 1936 bis 1940 arbeitete Herta als Verkäuferin im Kaufhaus KaDeWe. Nach dem Krieg beteiligte sie sich, wie alle Frauen der deutschen Hauptstadt, aktiv am Wiederaufbau ihres Bezirks Charlottenburg. Dort, im britischen Sektor Berlins, kaufte sie 1949 an der Ecke Kantstraße (wie symbolisch!) und Kaiser-Friedrich-Straße eine Holzbude und eröffnete darin ihren ersten Imbiss.

An einem verregneten Abend, dem 4. September 1949, als in ihrem Lokal kein einziger Gast war, experimentierte sie mit Curry und verschiedenen anderen exotischen Gewürzen, die ihr englische Soldaten großzügig überlassen hatten. „Aus Langeweile fing ich an, die Gewürze mit Tomatenmark zu vermischen, und plötzlich schmeckte es wunderbar“, erzählte Herta später.

Die Soße verlieh den Würstchen einen eigentümlich pikanten Geschmack, und ihr Gericht eroberte die Herzen der Menschen. So entstand das berühmte Berliner Fast Food – die Currywurst.

West Berlin

Harte Realität im Berlin der Nachkriegszeit.

Seitdem gilt die Königsbergerin Herta Heuwer als Erfinderin der Currywurst, also der Verbindung von Soße und Würstchen. Diese Würstchen bezog sie übrigens von dem Fleischwarenhersteller Max Brückner aus dem sächsischen Johanngeorgenstadt. Ende der 1940er-Jahre hatte er ihre Herstellung geradezu revolutioniert: Er entwickelte ein Brätrezept, dessen Erzeugnisse beim Erhitzen ihre Form behielten – ohne den damals sehr teuren und knappen Naturdarm. Dadurch wurde das Produkt wesentlich billiger und für die deutsche Bevölkerung erschwinglicher, die größtenteils in bitterer Not lebte und sogar hungerte.

Bald darauf zog Max Brückner nach West-Berlin und eröffnete im Bezirk Spandau seine Fleischerei mit dem Namen „Maximilian“. Gemeinsam mit seinem Partner Frank Friedrich vervollkommnete er die Produktion. Die „Spandauer ohne Pelle“ (Spandauer ohne Pelle), wie ihre Würstchen bald genannt wurden, fanden bei den Berlinern großen Anklang. Doch weder Brückner noch Friedrich dachten daran, ihre Erfindung patentieren zu lassen. Ihnen lag vielmehr am Herzen, die Berliner mit schnellem, sättigendem und bezahlbarem Essen zu versorgen. Herta Heuwer, eine enge Freundin von Franks Familie, wurde eine der ersten Kundinnen des „Maximilian“.

Die Idee zu der Soße gab Herta Heuwer ihr Mann Kurt, der bei den Amerikanern arbeitete. Er hatte gesehen, mit welchem Genuss sie riesige, reichlich mit Ketchup übergossene Steaks verspeisten. Für Herta war das ein Wink des Himmels. Steaks und ebenso Ketchup waren für die Berliner damals freilich ein unerschwinglicher Luxus. Deshalb goss sie ihre neue Soße über die bewährten Spandauer Würstchen, die sie anschließend noch mit Curry bestäubte. Anfangs zeigte das neue Gericht nicht die erhoffte Wirkung. Da wandte sie sich an ihren Freund Frank Friedrich, der ihr die fehlenden Gewürze lieh. Gemeinsam feilten sie an der Soße und mischten so lange verschiedene Zutaten, bis sie den gewünschten (originellen und unvergesslichen!) Geschmack erreicht hatten.


Patent for Currywurst


1959 ließ Herta Heuwer ihre Erfindung beim Münchner Patentamt unter der Nummer 721319 als Chillup eintragen.


Hertas Geschäfte liefen so gut, dass sie in der Kaiser-Friedrich-Straße 59 einen großen Imbiss mit Küche eröffnete, aus dem bald ein ansehnlicher, rund um die Uhr geöffneter Betrieb wurde. In den besten Zeiten arbeiteten hier bis zu 20 Verkäuferinnen und Verkäufer. Die deutsche Firma KRAFT versuchte, Herta Heuwer die Rechte an der Currywurst abzukaufen, doch sie lehnte ab.

Unterdessen entbrannte unter den Wurstherstellern ein heftiger Streit. Die einen meinten, die Würstchen für die Currywurst müssten einen Darm haben, die anderen behaupteten das Gegenteil. Schließlich einigte man sich darauf, dass beide Varianten taugen, die ohne Darm aber doch die richtigere sei.

2003 wurde in Berlin am Haus Kantstraße 101, neben dem sich der Imbiss befunden hatte, zu Ehren seiner Inhaberin eine Gedenktafel angebracht (siehe Foto unten). Zur feierlichen Enthüllung kamen zahlreiche ihrer Stammkunden, und Hertas Nichte und Adoptivtochter Brigitte Böhmer bewirtete gemeinsam mit der Bürgermeisterin des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf Monika Thiemen und der Schauspielerin Brigitte Grothum, Hauptdarstellerin der Serie „Drei Damen vom Grill“ (Drei Damen vom Grill), alle Gäste mit Würstchen und Herta Heuwers berühmter Soße, die von der Firma „Maximilian“ unter dem Namen Chil-Max hergestellt wurde. Monika Thiemen dankte in ihrer Festrede dem Ehepaar Böhmer, auf dessen Initiative die Gedenktafel zustande gekommen war. Für ihre Anbringung hatten Brigitte und ihr Mann Olaf 2000 Euro zur Verfügung gestellt.

Memorial plaque, Herta Heuwer, Kantstraße 101, Berlin-Charlottenburg, Germany

In Deutschland werden jährlich mehr als 800 Millionen Currywürste verzehrt – mit oder ohne Darm, in Stücke geschnitten oder im Ganzen. Allein 70 Millionen davon entfallen auf die Bewohner der deutschen Hauptstadt.

Die Popularität der Currywurst ging so weit, dass 2009 in Berlin das Deutsche Currywurst Museum (Deutsches Currywurst Museum) eröffnet wurde, das allerdings unlängst (2018) wegen der in der deutschen Hauptstadt ständig steigenden Mieten wieder schließen musste. Der bekannte deutsche Rockmusiker, Sänger und Schauspieler Herbert Grönemeyer, Träger zahlreicher „Goldener Schallplatten“, nahm 1982 den Song Currywurst in sein Album Total Egal auf. Es gibt sogar einen Film über die Entstehungsgeschichte der Currywurst, der erwartungsgemäß „Die Entdeckung der Currywurst“ heißt.

Mit der Zeit gewann die Currywurst auch politisches Gewicht. Manche Kandidaten für hohe Staatsämter lassen sich gern vor einer Imbissbude fotografieren, einen Pappteller mit Würstchen und einem Häufchen Pommes frites in der Hand, um so ihre Volksnähe zu demonstrieren. Und der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder, den seine Frau auf vegetarische Diät gesetzt hatte, musste seine Currywurst heimlich, ganz ohne Werbeabsicht, im nächstgelegenen Lokal verzehren.

Alljährlich findet an einem Wochenende im Mai in der Stadt Neuwied in Rheinland-Pfalz zu Ehren der berühmten Würstchen ein Festival statt, zu dem Vertreter zahlreicher Firmen anreisen. Sie wetteifern in der Zubereitung der Currywurst und versuchen, die Besucher zu überraschen – jede mit ihrer eigenen Hausmarke von Soße. Der Kult um dieses Fast Food ist so weit gediehen, dass manche Restaurants es mit Blattgold verzieren oder mit Trüffeln servieren.

Doch die Currywurst ist in erster Linie ein einfaches Straßenessen oder, wie man heute auf amerikanische Art sagt, Fast Food, das sich in 70 Jahren zu einem kulinarischen Phänomen und einem der Symbole Berlins entwickelt hat. Alle essen sie, unabhängig vom sozialen Status.

Wer weiß – hätte Herta ihr heimatliches Königsberg nicht verlassen, würde die Currywurst heute vielleicht neben Klopsen und Marzipan einen Ehrenplatz auf den Speisekarten der Kaliningrader Restaurants mit regionaler Küche einnehmen. Doch in Kaliningrad gibt es so etwas nicht.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.