Sein Name wurde erst hundert Jahre später weithin bekannt. Er war es, der ein erstaunliches poetisches Werk schuf – eines der ersten in litauischer Sprache – und so zum Klassiker der litauischen Literatur wurde. Heute ist sein Poem „Die Jahreszeiten“ in viele Sprachen der Welt übersetzt. Es entstand in einem der gemütlichen und malerischen Winkel Ostpreußens, am Rand der Rominter Heide, im Dorf Tollmingkemen.
Hoch in die Ferne, den Wolken entgegen, stieg majestätisch der Kranich,
Klang, als stöhnte und weinte er, und schwand in den Weiten des Himmels.
Doch es ist gar kein Weinen, des Kranichs klingender Ruf da!
Nein, er ist lebendes Zeugnis der großen Allmacht des Herrn,
Jener, die Wunder vollbringt und selbst in die Kehle des Vogels einzieht.
Gerade hier verbrachte Kristijonas Donelaitis den größten Teil seines Lebens, und hier wurde er 1780 unter den Gewölben der Kirche beigesetzt, in der er als Pfarrer den Menschen und dem Herrn diente. Heute befindet sich hier, im Dorf Tschistyje Prudy, in der wiederaufgebauten Kirche ein Gedenkmuseum des Dichters. Dieser Ort ist, ebenso wie der Name Kristijonas Donelaitis selbst, nicht nur für das litauische Volk von Bedeutung, sondern für alle gebildeten Menschen. Für uns, die Bewohner der Rominter Heide und ihrer Umgebung, ist es der Name unseres großen Landsmannes. Eines jener Menschen, die ihr Land und ihr Volk liebten, eines jener, die die Welt um sich herum mit feinem Gespür wahrnahmen.
Doch er war der Einzige, der es in jenen fernen Zeiten vermochte, seine Gefühle in einfacher und wahrhaftiger Sprache auszudrücken, sie auf Papier festzuhalten und in Verse zu kleiden.
Die Welt der Menschen, die Welt der Natur und der Vorfahren sind darin auf außergewöhnliche Weise miteinander verwoben. Beim Lesen der Zeilen des Poems scheint es manchmal, als tauchten vor dem Fenster Bilder der Vergangenheit auf. Das Gedächtnis der Erde, das Gedächtnis der Zeit, das Gedächtnis der Generationen. Es ist ein wahres literarisches Denkmal, das vor einem Vierteljahrtausend von einem Augenzeugen geschaffen wurde.
Beim Lesen des Poems erfährt man viel über die harte bäuerliche Arbeit und über die Kost der einfachen Leute, darüber, wie sie sich kleideten, was sie säten und wie sie sich erholten und freuten, wenn sie Feste feierten. Man erfährt, in Berührung mit dem Werk von Kristijonas Donelaitis, von den verschiedenen Sitten, von den unterschiedlichen Völkern und Ständen, die im fernen 18. Jahrhundert in diesem Land lebten. Und natürlich erfahren Sie beim Lesen des Poems von der großen Natur, ihrer alles bezwingenden Kraft und der Weisheit des Schöpfers, von der Zeit selbst, die in der Folge der Jahre den Kreislauf der Jahreszeiten wiederholt und den Kreis des menschlichen Lebens schließt.
Sei gegrüßt, du lichte Welt, die ihr Frühlingsfest schon gefeiert!
Sei gegrüßt auch du, o Mensch, der den lieben Sommer erwartet!
Erinnern wir uns am ersten Januar an einen unserer großen Landsleute, dessen Name 1977 in die Liste der 240 Autoren aufgenommen wurde, aus deren Feder die Meisterwerke der europäischen Literatur von der Antike bis 1940 stammen. Am selben Tag, dem 1. Januar 2014, wurde der 300. Geburtstag des Dichters gefeiert. Das Ökologisch-Historische Museum Wischtynez öffnete seine Türen für alle Bewohner des Dorfes Krasnolesje und ihre Gäste. Kinder und Erwachsene erwartete duftender Kräutertee mit würzigem Weihnachtsgebäck, und am Kamin konnte man altes Holzschuhwerk – Klumpen – anprobieren und eine Erzählung über das Leben von Kristijonas Donelaitis und seine Zeit hören. Am festlichen Tisch mit Moosbeerensaft, Cepelinai und anderen traditionellen Speisen erklangen, wie einst, in verschiedenen Sprachen wieder die Verse des Dichters, die Bilder der Vergangenheit malten und das Gedächtnis unseres Landes weckten.
Sieh, da ist der böse Winter tobend wiedergekommen.
Struppig jagt der Nordwind daher und schreckt die Geschöpfe der Erde.
Schau, wie sich Seen und Teiche im Morgenrot oben verschlossen,
Als hätte ein Glaser kunstvoll überall Scheiben gesetzt.
Schau, das Reich der Fische, wo Frösche den Sommer verbrachten,
Hat sich wie mit einem Panzer vorm zänkischen Winter verschanzt.
Alles Getier begibt sich dort nun im Dunkel zur Ruhe.
Grimmig tobte der Nordwind über die Felder, dass überall
Tümpel zu Stein erstarrten, Falten das Moor durchzogen,
Und der herbstliche Schlamm unterm Fuß zu schmatzen aufhörte.
Jagt nun ein Wagen im Galopp die Straße entlang –
Dröhnt er und poltert im Frost wie eine straffe Trommel,
Und weithin rollend hallt das Getöse im Kopfe wider.
Wieder ist die Zeit gekommen – den Winter zu empfangen und zu begrüßen!
Foto aus dem Archiv des Ökomuseums Wischtynez.
Im Artikel wurden Verse aus dem Poem „Die Jahreszeiten“ von Kristijonas Donelaitis in der russischen Übersetzung von David Brodski verwendet
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

