/ Baltikum

Die Livländische Chronik Hermanns von Wartberge

Die Livländische Chronik Hermanns von Wartberge

Albrecht Dürer


„Der abgeschlagene Kopf eines Ritters beichtet einem Priester“


(Holzschnitt, 1493)

Bearbeiteter Text aus der „Sammlung von Materialien und Aufsätzen zur Geschichte des Baltischen Landes“. E. W. Tscheschichin-Wetrinski, 1876, Riga

Vor allem muss man wissen, dass zu der Zeit, als in Livland noch heidnischer Aberglaube herrschte, nach dem Willen der göttlichen Barmherzigkeit Kaufleute mit ihren Waren auf Schiffen in den Hafen der Düna kamen; mit den Kaufleuten kam auch ein ehrwürdiger alter Priester namens Meinhard. Er widmete sich der Predigt einzig um des ewigen Lohnes willen und verbreitete das Wort unseres Herrn Jesus Christus unter den götzendienerischen Liven. Später, im Laufe der Zeit, gründeten die genannten Kaufleute mit Erlaubnis der Liven die allererste Kirche im Dorf Üxküll. Dann bauten sie dort auf die Bitten eben dieser Liven auch eine Burg. Und nachdem die dortige Kirche zur heilsamen Leitung der Liven gegründet worden war, wurde der ehrwürdige Vater Meinhard im Jahr des Herrn 1143 zum Bischof geweiht und Bischof von Livland genannt. Und er lebte dreiundzwanzig Jahre [1186] in diesem Amt, das er getreu verwaltete, und starb in Frieden (1). [1196, 12. Oktober.]

Im Jahr des Herrn 1167 [1196] war der hochwürdige Berthold Bischof von Livland; ihn töteten die Liven, die abermals treulos ein Heer gesammelt hatten, grausam beim Sandberg [1198, 24. Juli] (2).

Im Jahr 1178 war der hochwürdige Albert Bischof in Livland. Als zu seiner Zeit Papst Innozenz III. bemerkte, dass das geistliche Schwert bei den Ungläubigen zu wenig Nutzen brachte, fügte er ihm auch das sichtbare Schwert hinzu, nämlich den Orden der Brüder der Ritterschaft Christi [1202], denen er den dritten Teil der Länder des ganzen Bistums (der Diözese) zuwies, da er sah, dass jene Länder ohne die Hilfe des Ordens nicht unterworfen oder nach der Unterwerfung nicht gehalten werden konnten. Darum nahm der heiligste Papst diesen Orden nach seiner Gründung gnädig unter den Schutz des heiligen Apostels Petrus und seinen eigenen und befahl ihm, die Regel der Templerbrüder zu befolgen, auf dem Gewand aber ein anderes Zeichen zu tragen, nämlich Schwert und Kreuz, um zu zeigen, dass sie (die neuen Ritter) den Brüdern Tempelrittern nicht unterstellt seien. Die genannten Brüder wählten sich damals einen kundigen Mann namens Winno zum Meister, der „die Kriege des Volkes führen“ (3) und ihren Bund getreu leiten sollte. Derselbe Papst Innozenz aber sandte den hochwürdigen Wilhelm, Bischof von Modena [1225], als Legaten in die livländische Provinz; da die Zahl der Gläubigen zugenommen hatte, teilte dieser Legat das Land zwischen dem Bischof und den Brüdern und wies den einen wie den anderen ihre Teile zu.

Zu dieser Zeit gab es in Livland nur einen Bischof, mit dem Titel „Bischof von Livland“, eben jenen, an den von Papst Innozenz die folgenden Dekretalen gerichtet waren: „Über Lebenswandel und Ehrbarkeit der Geistlichkeit: Gott der Herr, der usw.“, ferner: „Über die Ehescheidungen“; ferner: „Über die Kirchenstrafen und ihre Milderung“.

Dann begannen die Brüder gemeinsam mit den Pilgern den Bau der Stadt Riga und errichteten dort, nachdem ihnen ein Drittel der Stadt zugewiesen und übergeben worden war, eine schöne und starke Burg [Sommer 1201]. Nach dem Bau der Stadt aber wurde um der Sicherheit willen, die der Ort bot, die Kirche nach Riga verlegt, und der Bischof wurde zugleich „Bischof von Riga“ genannt; er war noch nicht Erzbischof, sondern nur Suffragan des Erzbischofs von Bremen. Dieser Bischof nahm seinen Wohnsitz in der genannten Stadt Riga zusammen mit den erwähnten Brüdern, sodass sie nur eine Mauer voneinander trennte, was auch jetzt noch so ist. Und weder damals noch irgendwann später hatte der Bischof in der Stadt Riga weltliche Gerichtsgewalt oder irgendwelche Beamten, sondern die Einwohner richteten und verwalteten sich in Riga selbst und haben bis heute stets uneingeschränkt die weltlichen Gesetze vollzogen.

Die Brüder der erwähnten Ritterschaft Christi aber förderten mutig und getreu die Sache des Glaubens, für die sie gesandt worden waren, und unterwarfen der Kirche durch viele Kriege, mit Hilfe der Pilger und unter Gottes Beistand, nicht nur Livland, sondern auch die benachbarten Länder der Letten und Esten dem christlichen Glauben. Infolgedessen richtete der genannte Legat, jetzt Kardinal, bei einem seiner Besuche noch weitere Kathedralkirchen ein, nämlich auf Ösel und in Dorpat.

Der Meister der genannten Ritterschaft Christi aber baute nach der Unterwerfung der Liven und Letten mehrere Burgen, nämlich Segewold, Wenden und Ascheraden. Kokenhusen und Gerzike jedoch, in denen damals Ketzer (Russen) lebten, zerstörte und vernichtete er vollständig.

Im Jahr des Herrn 1198 war Albert der Zweite, der Reihe nach aber der vierte, Bischof von Riga. Im zweiten Jahr nach seiner Weihe wurde an der Mündung der Düna das Zisterzienserkloster gegründet und erbaut [1202], das Berg des heiligen Nikolaus oder Dünamünde genannt wurde.

Zur selben Zeit wurde der erste estländische Bischof [1211] namens Theoderich gewählt, da die Kirche wuchs und die Zahl der Gläubigen zunahm. In Semgallen aber wurde Lambert zum Bischof gewählt [1224].

Schließlich wurden Winno, der Meister der erwähnten Ritterschaft Christi, und sein Kaplan (Priester) Johannes, die in nichts schuldig waren, von einem Bruder desselben Ordens, Wikbert, grausam ermordet [Anfang 1209]. Dieser Winno hatte seine Brüder und das Land 18 Jahre lang regiert.

Im Jahr 1211 lebte der zweite Meister der Brüder der Ritterschaft Christi, Volkwin, ein nicht minder fähiger, frommer und redlicher Mann. Er führte die Kriege des Herrn mit Weisheit, und die Ordensbrüder halfen ihm getreu.

Er unterwarf auch die Esten und Öseler dem christlichen Glauben und legte ihnen einen Tribut auf; er baute auch, und zwar aus Stein, die Burg Fellin und die kleine Burg von Reval und befestigte sie aufs Beste mit Türmen und tiefen Gräben. Er führte auch andere Bauten bei Dorpat und Odenpäh aus, die ich der Kürze halber nicht erwähne.

Ferner eroberte er Isborsk (4), eine russische Burg [16. September 1249].

Die Pleskauer Russen (Pskower) aber unterwarfen sich ihm, nachdem er ihre Stadt verbrannt hatte. Zum Schutz der Burg wie auch zur Vermehrung der Zahl der Bekehrten ließ der Meister hier zwei Ordensbrüder mit einer kleinen Zahl von Leuten zurück. Als aber die Nowgoroder davon erfuhren, überfielen sie plötzlich die zurückgebliebenen Brüder samt ihren Leuten. [März 1242]

Ferner baute er bei den Russen eine Burg namens Koporje und legte zur selben Zeit den watländischen Russen einen Tribut auf (1). [1241]

Zu seiner Zeit wurden die Länder der Letten und Liven geteilt; der den Brüdern zugewiesene Teil fiel ihnen samt Zehnten, Kirchen und allen weltlichen Einkünften zu, und die Brüder waren auch nicht verpflichtet, davon die Kathedralabgabe (Kathedraticum) zu zahlen (5). [1210]

Im selben Jahr wurde am 19. Dezember in Riga die Kirche des heiligen Georg von dem oben genannten Kardinal, dem hochwürdigen Wilhelm von Modena, unter Mitwirkung dreier anderer Bischöfe geweiht [1225 – ?].

Ferner wurde mit Bischof Hermann von Leal ein Vertrag über die Länder Sackala, Mocha und Normegunde samt ihrem Zubehör geschlossen [1224, 23. Juli].

Dann wurde im Jahr 1225 vom Legaten des Apostolischen Stuhls, dem hochwürdigen Wilhelm von Modena, die Ordnung der Kirchen in Riga vorgenommen [1225, 5. April].

Von ihm wurden auch nützliche Verfügungen über die Grenze der Stadt Riga zu beiden Seiten der Düna und noch über vieles andere getroffen [1226, 15. März].

Ferner bemächtigten sich im Jahr des Herrn 1228, am Freitag, dem 18. August, die Kuren und Semgaller der Burg Dünamünde, und die Mönche wurden auf verschiedene Weise unmenschlich ermordet.

Zu dieser Zeit war Kurland noch nicht christlich oder zur rechtgläubigen Lehre bekehrt; darum versammelten sich der Meister und seine Brüder zusammen mit einer Menge von Pilgern, entflammt vom Eifer für Gott, zu einem zahlreichen Heer, um den Tod der Mönche zu rächen, zogen in das genannte Land und unterwarfen jenes wilde Volk dem Christentum. Infolgedessen setzte der Kardinal, der den Titel eines Priesters der Kirche der heiligen Sabina erhalten hatte (6) und früher „von Modena“ hieß, während seines damaligen häufigen Aufenthalts in Livland Bischof Engelbert ein und unterstellte ihm dieses Land. Mit diesem Bischof schlossen die Brüder der Ritterschaft Christi mit Zustimmung des genannten Legaten einen Vertrag des Inhalts, dass der Bischof zwei Teile und die Brüder den dritten Teil des ganzen Landes in Kurland erhalten.

Als dann der Meister und die Brüder der Ritterschaft Christi die Schlacht am Flüsschen Ymera (7) bestanden hatten [1229], baten sie durch Gesandte und Briefe inständig den Hochmeister des Ordens der Brüder vom Hospital St. Marien der Deutschen zu Jerusalem, Hermann von Salza, sie seinem Orden anzuschließen. [1229] Dies verzögerte sich aus bekannten Gründen, nämlich wegen der Burgen und Länder Reval, Harrien und Wierland wie auch Jerwen, auf die Waldemar, der König von Dänemark, Anspruch erhob, indem er versicherte, dass sie ihm gehörten.

Nach vielen ruhmreichen und glücklichen Schlachten mit den Ungläubigen wurde Meister Volkwin auf einem von ihm unternommenen Feldzug gegen die ungläubigen Litauer von eben diesen Litauern getötet, zusammen mit Herrn Haseldorp und dem Grafen von Dannenberg, fünfzig Ordensbrüdern und einer Menge gläubigen Volkes im Land Saule (8), am Tag des heiligen Mauritius und seiner Mitmärtyrer (22. September 1236).

Nachdem auch Bischof Engelbert, die Geistlichkeit der kurländischen Kirche und das dortige christliche Volk völlig vernichtet worden waren, fielen die Kuren in ihren früheren Unglauben zurück.

Nach diesem traurigen Ereignis wiederholten die überlebenden Brüder der Ritterschaft Christi zusammen mit den Bischöfen von Riga, Dorpat und Ösel in sehr klagenden Briefen an Papst Gregor IX. ihre frühere Bitte und stellten ihm die Hoffnung vor, dass sie, zu einer Herde vereint, die feindlichen Kräfte der Gegner bald mit siegreicher Hand vernichten würden. Und so beschloss der oben genannte heiligste Papst Gregor in einem allgemeinen Rat der Kardinäle im Jahr 1235, jene Brüder zu vereinigen, unter der Bedingung, dass die oben erwähnten Länder dem oben genannten König zurückgegeben würden [1237].

Nachdem die Vereinigung, wie gesagt, vollzogen war, sandte der erwähnte Hochmeister des genannten Hospitals in Jerusalem, Bruder Hermann von Salza, Bruder Hermann Balk nach Livland und mit ihm Bruder Dietrich von Grüningen und setzte Bruder Hermann Balk als Würdenträger oder Meister der Brüder in Livland ein.

Als so von den Brüdern der Ritterschaft Christi das Gewand des erwähnten Ordens angenommen worden war und im Jahr 1238 nach der Fleischwerdung Gottes des Herrn die Burgen und Länder von den Brüdern dem König zurückgegeben wurden, das Land Jerwen aber den Brüdern von dem vielfach erwähnten König als gnädiges Geschenk überlassen wurde [1328, 7. Juni], da begannen die Brüder in Livland sich heftig über ihren Meister, Bruder Hermann Balk, wegen dieser Abtretung zu erzürnen. Er verließ deshalb Livland, nachdem er Bruder Dietrich von Grüningen zu seinem Stellvertreter ernannt hatte, kehrte zum Hochmeister zurück und wurde seines Amtes enthoben.

Im Jahr des Herrn 1240 unterwarf der stellvertretende Meister, Bruder Dietrich von Grüningen, Kurland aufs Neue, erbaute dort zwei Burgen, Goldingen und Amboten [1245], und bewog die Kuren durch Güte und Gewalt zur Annahme der heiligen Taufe, wofür er vom Legaten des Papstes, dem hochwürdigen Wilhelm, und danach vom heiligsten Papst Innozenz die Bestätigung des Besitzrechts an zwei Dritteln Kurlands erhielt [7. und 9. Februar 1245], sodass der frühere, über Kurland mit den Brüdern der Ritterschaft geschlossene Vertrag oder irgendein anderer im Vergleich damit keine Geltung mehr hatte. Er schloss auch mit dem hochwürdigen Bischof von Ösel eine Übereinkunft über die Länder Sworbe und Kotse, ferner darüber, dass das Dorf Lehals zur Hälfte den Brüdern gehören solle [1242].

Es ist zu bemerken, dass im Bistum Semgallen auf den hochwürdigen Lambert, von dem oben die Rede war, Bruder Heinrich von Lützelburg folgte, der aus dem Orden der Minoriten hervorgegangen war. Nachdem der hochwürdige Engelbert, Bischof von Kurland, mit seiner Geistlichkeit von den Litauern erschlagen worden war [1236], wurde dieser Bruder Heinrich von Semgallen durch den Legaten, Bischof Wilhelm von Modena, abgesetzt und an die kurländische Kirche versetzt. Die semgallische Kirche aber wurde danach der rigischen angeschlossen.

Bruder Dietrich von Grüningen aber blieb in Livland, die ganze Zeit über bei den beiden unten erwähnten Meistern, versah im Auftrag des Hochmeisters das Amt des Stellvertreters des Meisters und half ihnen überall getreu mit Rat und Tat.

Im Jahr 1241 war Andreas von Velven Meister in Livland. Zu seiner Zeit fielen die Öseler vom Glauben ab und erschlugen das christliche Volk zusammen mit der anwesenden Geistlichkeit, wobei der hochwürdige Heinrich, ihr Bischof, nur knapp dem Tod entging. Als aber der oben genannte Meister sie wieder unterworfen hatte, verlieh er ihnen einige Rechte und Freiheiten, die dieser Bischof später bestätigte.

Im Jahr 1245 war Bruder Heinrich von Hinneberg Meister in Livland; er hatte heftige Angriffe der Heiden zu erdulden. Danach wurde er seines Amtes enthoben und zog sich nach Deutschland zurück.

Im Jahr 1250 war Bruder Andreas von Stirland Meister. Zu seiner Zeit empfingen Mindaugas, der König von Litauen, und seine Gemahlin Martha die Taufe und erhielten vom heiligsten Papst Innozenz IV. die litauische Königskrone.

Zur Zeit dieses Meisters wurde der Ordensstatthalter in Deutschland, Eberhard von Seyne, mit einer Vollmacht des Hochmeisters nach Livland gesandt. Zu ihrer Zeit, im Jahr 1252, wurde die Burg Memel erbaut. Es gab auch Gründungen und Einrichtungen von Kirchen in Kurland, sowohl im Teil des Bischofs als auch in den Gebieten der Brüder [1253]; ferner erfolgte die Teilung des Landes Kurland [1254], ferner die Teilung der Länder Wiek und Ösel [1255]; ferner die Verteilung und Teilung der Länder von Oppemele [1257]; dann die Schenkung der Länder der Selen, nämlich Wedden, Polon, Maleisin und Towraks, samt den dazugehörigen Ländereien, mit Bestätigung des heiligsten Papstes [1260].

Im Jahr 1255 war Anno Meister in Livland. Er unternahm einen großen Feldzug in das Land der Samen (Samaiten). Den Öselern verlieh er nach ihrem wiederholten Abfall einige Rechte, um sie durch sanfte Lockung erfolgreicher zum Glauben zurückzuführen.

Er baute auch die Mühle, die bei Mutin an der Dange liegt. Später wurde er zum Hochmeister ernannt [Ende 1256].

Im Jahr 1256 war Ludwig Stellvertreter des Meisters in Livland; er soll mit Erzbischof Albert von Riga eine friedliche Übereinkunft über ein Drittel der Burg Gerzike und des Landes der Selen wie auch über die Zehnten von den Burgen Segewold und Wenden getroffen haben; doch man tadelt ihn für vieles: erstens dafür, dass die Übereinkunft mit dem Erzbischof über die Zehnten überflüssig war, da die Brüder im rigischen und in den anderen Bistümern ohnehin ihren Teil samt Zehnten, Kirchen und allen weltlichen Einkünften erhalten und auch über die Bürger Gericht halten sollten; ferner dafür, dass er diese Übereinkunft ohne Bestätigung des Kapitels schloss, obwohl er selbst nur kurze Zeit lediglich Stellvertreter des Meisters war. Im Jahr 1257 war Burchard von Hornhausen Meister in Livland. Er baute zuerst eine Burg in Doblen, dann die Burg Karschowen. Er verlieh auch den Bürgern von Memelburg einige Rechte [1258], die später der hochwürdige Bischof Heinrich von Kurland bestätigte. Ebendort wurde auch eine Bestimmung über die Kirche des heiligen Johannes getroffen.

Doch zusammen mit 150 Brüdern wurde er von den sie verfolgenden Litauern am Tag der heiligen Margareta erschlagen (13. Juli 1260, als die Kuren zum zweiten Mal in ihren früheren Unglauben zurückfielen (9). Der Marschall des Ordens (Anführer des Heeres) wurde mit vielen Pilgern in derselben Schlacht getötet, und acht Brüder erlitten durch Verrat in der Burg Wartajen (10) das Martyrium. Nach der Schlacht versah ein gewisser Georg das Amt des Meisters.

Im folgenden Jahr (1261), am Tag des heiligen Blasius (3. Februar), fand bei Lennewarden eine Schlacht mit den Litauern statt.

Im Jahr 1261 war Bruder Werner Meister. Zu seiner Zeit fiel Mindaugas, der König von Litauen, vom Glauben ab. Die Russen aber nahmen Dorpat ein und zerstörten es bis auf den Grund. Ferner vertrieb jener König die Brüder und alle Christen aus seinen Ländern. Der Meister aber zerstörte in Kurland zwei Burgen, nämlich Kerten und Ampilten (11), und brannte sie samt den Menschen beiderlei Geschlechts und überhaupt allem, was darin war, bis auf den Grund nieder.

Dann wurde derselbe Meister Werner von einem wahnsinnigen Bruder verwundet; seines Amtes enthoben, kehrte er zu Schiff nach Deutschland zurück, um sich behandeln zu lassen.

Im Jahr 1263 war Bruder Konrad von Mandern Meister. Er erbaute im Jahr 1265 Mitau und die Burg Wittenstein (12).Er erließ den Liven den Zehnten vom Vieh, damit sie dafür mit umso eifrigerem Glauben gegen die Heiden kämpften [1265, 5. April]. Er erhielt auch das Land Zomgafe von Bischof Edmund als Pfand für die beim Bau der Burg Amboten gemachten Ausgaben. Ferner verlieh er den Bürgern von Pernau einige Freiheiten, die von Gerhard von Jork, dem damaligen livländischen Meister, bestätigt wurden [1309].

Zu seiner Zeit wurde auch der König von Litauen, Mindaugas, von einem vornehmen Litauer ermordet, der sich des Königreichs bemächtigen wollte. Der Sohn des Königs aber, der sich bei den Russen aufhielt und von der Ermordung seines Vaters hörte, kehrte nach Litauen zurück, um den Mord am Vater zu rächen. Alle Christen, die er gefangen in seinem Reich fand, schickte er gnädig nach Riga zum Meister zurück. Dann aber ließ er sich von den Litauern betören, verschwor sich mit ihnen und schickte im selben Jahr ein Heer nach Wiek und Pernau und verwüstete diese Gebiete zu Mariä Lichtmess (2. Februar) [1263]. Und eine Woche nach diesem Fest wurde den Litauern bei Dünamünde eine Schlacht geliefert (siehe am Ende, Anm. 2) [im Februar 1263].

Zur Zeit dieses Meisters wurde in Kurland die Burg Grese (13) bis auf den Grund zerstört und niedergebrannt, das Vieh und alle anderen Dinge aber wurden weggenommen. Danach kehrte er nach Deutschland zurück.

Im Jahr 1267 war Bruder Otto Meister, für dessen Heiligkeit viele Zeugnisse sprechen. Er erbaute eine Kirche auf Mohn.

Im Jahr 1268 sammelte Dmitri, der russische König (Fürst), ein vieltausendköpfiges Heer und zog kühn nach Wierland, das er mit Raub und Brand verwüstete. Furchtlos und mutig zog ihm der hochwürdige Alexander, Bischof von Dorpat, entgegen, mit den Vasallen seiner Kirche, den Ordensbrüdern aus Fellin, Wittenstein und Leal und ihren Leuten und Vasallen [1268, 18. Februar], wie auch mit den Vasallen des Königs von Dänemark, während Meister Otto an der Düna mit den Litauern kämpfte.

In der Schlacht, die bei der Kirche von Maholm stattfand, fiel der hochwürdige Bischof Alexander mit zwei Ordensbrüdern; das zum Heer versammelte Volk aber erschlug bei einem zweiten Zusammenstoß an einem Flüsschen 5000 Russen und schlug die übrigen in die Flucht (siehe am Ende, Anm. 3) [1268, 23. April].

Meister Otto aber wurde von den Litauern auf dem Eis mit 52 Ordensbrüdern und 600 Christen bei Karusen in der Wiek erschlagen, am Tag der heiligen Juliana (16. Februar).

Im Jahr 1270 versah nach dieser Schlacht ein gewisser Bruder Andreas das Amt des Meisters in Livland. Auch er fiel zusammen mit 20 Ordensbrüdern im selben Jahr in einer Schlacht mit den Litauern.

Im selben Jahr (1270) war Bruder Walter von Nordeck Meister [1272, nach dem 21. April]. Zu seiner Zeit wurden die Semgaller unterworfen und mit Tribut belegt [1272, 7. Oktober]. Er nahm mit dem rigischen Domkapitel eine Teilung Semgallens vor, ferner schloss er mit dem Erzbischof einen Vertrag über den Bau einer Burg dort [1271, 27. August].

Im Jahr 1274 war Bruder Ernst Meister. Er erbaute die Burg Dünaburg; er schloss auch einen Vertrag mit Rudolf von Ungern [1277, 29. März]; ferner (schloss er einen Vertrag) mit dem rigischen Domkapitel über den Bau eines Dammes an der Irbe; ferner verlieh er zusammen mit dem hochwürdigen Johannes, Erzbischof von Riga, und dem hochwürdigen Hermann, Bischof von Ösel, den Kaufleuten in Livland einige Vergünstigungen. Er unternahm einen großen Feldzug in das Land der Litauer nach Kernow (14), und die Litauer verfolgten ihn und erschlugen ihn am 5. März 1278 zusammen mit 71 Brüdern bei Ascheraden; ebenso (erschlugen sie) Eilard von Obergen, den Vorsteher des Landes Reval, mit seinen Leuten, ferner die Ritter Tiesenhausen und Heinrich Wrangel mit vielen anderen Einwohnern und Pilgern. Danach vertrat Bruder Gerhard von Katzenelnbogen den Meister.

Im Jahr 1280 war Bruder Konrad von Feuchtwangen Meister [1279]; zu seiner Zeit fielen die Semgaller zum zweiten Mal vom Glauben ab, ermordeten 20 Brüder samt ihren Leuten und zerstörten die von den Brüdern erbaute Burg Terweten bis auf den Grund [im Frühjahr 1279] (15). Später war Konrad Hochmeister [1290].

Im Jahr 1282 war Bruder Willekin von Endorp Meister. Er erbaute Heiligenberg in Semgallen. Er bestätigte auch den Bürgern von Fellin am 29. Juni 1283 die Grenzen der Stadtmark mit ihren Rechten (Awese und Wachterspe).

Ferner gründete und weihte er zusammen mit dem hochwürdigen Johannes, Erzbischof von Riga, Kirchen in Wolmar, Wenden, Burtneck und Trikaten in den Anteilen der Brüder (16). Mit demselben Erzbischof schloss er ein Abkommen über die Bauern von Sidegunde.

Als Willekin auf einem Feldzug gegen die Semgaller an einen Ort namens Grose (17) gelangt war, wurde er mit 34 Brüdern und anderen im Jahr 1287 erschlagen, am Tag nach Mariä Verkündigung (26. März).

Im Jahr des Herrn 1288 war Bruder Kuno von Hattenstein Meister. Er verwüstete nach und nach ganz Semgallen. Die semgallischen Burgen Ratten, Doblen, Sidobren und Terweten zerstörte er bis auf den Grund (18).

Im Jahr 1290 war Bruder Halt Meister. Er lebte ruhig und friedlich mit allen Bischöfen und der Geistlichkeit, ohne Schaden für seinen Orden [1290, 9. Mai].

In seinem ersten Jahr schloss er ein Bündnis mit dem Bischof von Kurland, dem hochwürdigen Edmund, über die Burg Amboten, die Halt von Edmund mit allen zum bischöflichen Tisch gehörigen Einkünften zur Bewachung und Instandhaltung übernahm, zum Nutzen und Gewinn sowohl der Länder Kurlands als auch des katholischen Glaubens. Derselbe Bischof überließ demselben Meister 90 Haken Land im Gebiet Normes (19) als Pfand für die bereits gemachten und noch zu erwartenden Ausgaben für die erwähnte Burg.

Halt schloss ein Bündnis und einen gütlichen Vergleich mit dem Erzbischof von Riga, dem hochwürdigen Johannes, wegen verschiedener aufgekommener Fragen; infolgedessen überließ der Erzbischof ihm und dem Orden im Bezirk Wenden eine Insel von drei Haken, um die ein Streit entstanden war, da die Grenzen der Brüder offenbar über diese Grenze hinausgingen.

Er schloss auch einen Vertrag mit dem hochwürdigen Heinrich, Bischof von Ösel, über ein Viertel von sieben Kiligunden (20) und über ein Viertel des Lehens in der Wiek und über viele andere strittige Gegenstände. Er starb im Jahr 1292.

Im Jahr 1295 war Bruder Heinrich von Dinklage Meister [nach dem 30. April]. Er schloss mit Bischof Bernhard von Dorpat und seinem Kapitel ein Bündnis auf ewige Zeiten. Er starb am 28. Oktober 1296.

Im Jahr 1297 war Bruder Bruno Meister. Zu seiner Zeit begannen die rigischen Bürger zum ersten Mal Krieg mit dem Orden. Mit den Litauern verbündet, zerstörten sie den Hof, d. h. die für 60 Brüder erbaute Burg, und den Konvent, welche Burg der Orden seit der ersten Gründung der Stadt Riga besessen hatte [29. und 30. September]; dort war der gewöhnliche Wohnsitz des Meisters. Die Burg wurde samt den übrigen Häusern, die für die Bedürfnisse der Brüder gebaut waren, und zwei starken und hohen Türmen zerstört.

Sie zerstörten auch einen anderen Turm, an dessen Fuß sich eine Mühle mit vier Rädern befand, die Bartholdsmühle genannt; aus ihr führten sie sechs Brüder weg und nahmen sie gefangen; alles Übrige wurde als Beute genommen [Juni 1298].

Ferner nahmen dieselben verkleideten Bürger mit Hilfe der Litauer durch Verrat die Burg Karkus (21), die sie mit allem, was darin war, durch Feuer zerstörten; dabei wurden ein geistlicher Bruder des Ordens und drei andere Brüder mit ihren Leuten ermordet.

Im Jahr 1298, eine Woche nach Pfingsten (1. Juni), erschlugen dieselben Bürger im Bunde mit den Litauern Meister Bruno zusammen mit 60 Brüdern und einer unzähligen Menge Volkes, als er sie am Fluss Treyder (22) verfolgte. Nachdem mehr als 3 000 Menschen erschlagen worden waren, teilten die Litauer mit den Rigaern die Beute und kehrten heim. Ferner bauten dieselben Bürger am Eingang ihrer Stadt eine Burg für die Ungläubigen, die bis heute die litauische Burg heißt. Im selben Jahr belagerten sie zusammen mit den Litauern Neuermühlen, wo sie am Tag der Apostel Petrus und Paulus (29. Juni) geschlagen und ins Wasser gedrängt wurden.

Im Jahr 1299 war Bruder Gottfried von Rogga Meister. Zu seiner Zeit dauerte der Zwist mit den Rigaern an.

Im Jahr 1307, am Fest der Heiligen Processus und Martinianus (2. Juli), kämpfte man vor Riga mit den Litauern. Dann schloss der Meister mit den Rigaern einen Waffenstillstand und einen Vertrag, durch den er von ihnen jene Haken Land erhielt, die sie in Kurland und auf Ösel in den Anteilen der Brüder besaßen.

Im Jahr 1309 war Bruder Gerhard von Jork Meister. Er baute im Jahr 1313 die Burg Dünaburg wieder auf, die die Brüder zerstört hatten, um den Ritter Johannes Üxküll zu befreien, der von den heidnischen Litauern in der Burg Gerzike gefangen genommen worden war.

Im selben Jahr plünderten einige Seeräuber aus der Stadt Riga auf Ösel das Kirchspiel Kielkond. Auf dem Rückweg trieb sie ein Sturm bei Dondangen an Land. Bruder Eberhard von Monheim, Komtur von Windau, ließ sie gefangen nehmen, ihnen die Füße abschlagen und sie an den verstümmelten Beinen an Bäumen aufhängen. Die Einwohner von Riga aber schickten deswegen durch den hochwürdigen Erzbischof Friedrich (er stammte aus dem Minoritenorden) eine Klage gegen den Orden an den römischen Hof, worauf der heiligste Papst dem erwähnten Komtur befahl, vor dem Hof zu erscheinen. Als er in Rom erschien, klagte der Erzbischof in der allgemeinen Versammlung der Kardinäle mit folgenden Worten: „Heiligster Vater, das ist der Komtur, der ohne jeden Grund meine rigischen Bürger am Hals aufhängen ließ.“ Der Komtur antwortete darauf: „Heiligster Vater, so war es nicht, das ist eine Lüge. Ich habe einige Seeräuber gefangen, die ein Kirchspiel namens Kielkond geplündert hatten; ich habe sie nach dem Recht jenes Landes gerichtet und, wie sie es verdient hatten, an den Füßen an Bäumen aufgehängt!“ Da sagte der heiligste Papst Clemens: „Oh, hätten wir doch auch hier solche Richter!“ Und er legte dem Erzbischof in dieser Sache ewiges Schweigen auf.

Im Jahr 1315, zur Zeit dieses Meisters, herrschten in Livland Teuerung und Hunger, sodass die Menschen vor Hunger ihre Kinder töteten, die Leichen der Verstorbenen aus den Gräbern rissen, die Gehenkten von den Galgen nahmen, sie kochten und verschlangen.

Im selben Jahr sollte aus Kokenhusen nach der Hochzeit die Neuvermählte mit vielen Begleitern und großem Prunk in das Haus ihres Mannes gebracht werden; eine Schar Litauer, die heimlich ins Land gekommen war, erfuhr von einem Einwohner jener Stadt von dem Hochzeitszug. Sie legten im Wald einen Hinterhalt, und als die Bürger aus der Stadt hinausfuhren, überfielen sie sie plötzlich und nahmen die Mädchen und Frauen gefangen; einige Knaben töteten sie, während andere entkamen, und alle, die sie ergriffen hatten, führten sie mit sich fort.

Im Jahr 1316, am Samstag nach Quasimodogeniti (24. April), brannten die rigischen Bürger während des Waffenstillstands die Vorstadt von Dünamünde völlig nieder; sie erschlugen den dort angetroffenen Ordensbruder samt dem ganzen christlichen Volk und begannen so den zweiten Krieg und Zwist.

Im Jahr 1318 erschien derselbe Meister Gerhard zusammen mit den Komturen von Fellin, Wenden und Dünamünde am Hof zu Avignon, wohin er vorgeladen worden war, und fand dort bereits den Hochmeister Karl vor, der ebenfalls mit seinen Würdenträgern vorgeladen worden war, um sich gegen den hochwürdigen Friedrich, Erzbischof von Riga, zu verantworten. Nach vielen Verhandlungen und glücklichem Abschluss der Ordensangelegenheiten erhielten sie im Jahr 1327 am 1. August (richtiger am 25. Juli 1319) vom heiligsten Papst Johannes XXII. die Bestätigung über das Haus (die Burg) Dünamünde.

Im Jahr 1321, um Ostern (19. April), erbaute er in Semgallen die Burg Mesoten gegen die Heiden.

In der Folgezeit entstand ein großer Zwist unter den livländischen Ordensgebietigern über die Meisterwürde des Bruders (Johannes) von Hohenhorst und des Bruders Johannes, genannt Ungenade; um ihn zu beenden, sandte der Hochmeister Bruder Barthold Kettelhot als Stellvertreter des Meisters nach Livland (23).

Im Jahr 1323 unternahm der Stellvertreter des Meisters Kettelhot einen großen Feldzug gegen Pskow und eroberte das Pskower Land und die Stadt (siehe am Ende, Anm. 4).

Im Jahr 1323 schickten die rigischen Bürger im Namen des litauischen Königs Briefe an die Seestädte und an Papst Johannes XXII. des Inhalts, dass der König sich mit seinem ganzen Volk taufen lassen wolle. Dazu sandte der Papst einen Bischof und einen Abt (24) nach Livland, die die Ordensbrüder zusammen mit Gesandten der Bischöfe zum König schickten. Der König aber antwortete, er habe niemals an den Glauben oder an die Taufe gedacht; wenn sie aber über Frieden verhandeln wollten, sei er einverstanden, andernfalls würden sie sehen, ob es ihnen gelinge, aus seinem Land herauszukommen. So zwang der König sie zum Abschluss eines ewigen Friedens. Als der Frieden unterzeichnet und gesiegelt war, rief der König sein Heer zusammen, überschritt, sicher vor einem Angriff von Seiten Livlands und Preußens, die Grenze und verwüstete sie samt allen benachbarten Ländern (siehe am Ende, Anm. 5) [1326].

Zur selben Zeit kehrte Kettelhot zum Hochmeister zurück.

Im Jahr 1324 war Bruder Reimar Hane Meister. Er führte Verhandlungen und Beratungen mit den Bischöfen und Vasallen der livländischen Lande, besonders der Länder Harrien und Wierland, über die Bosheit und den Unglauben der Eingeborenen. Er erneuerte auch bei den Liven und Letten gewisse Verfügungen und Einrichtungen.

Im Jahr 1328 war Bruder Eberhard von Monheim Meister. Als er um Pfingsten (nach dem 21. Mai) die Meisterwürde annahm, überließen die livländischen Brüder den preußischen Brüdern die Burg Memel mit allen Einkünften und Ausgaben auf ewige Zeiten.

Im selben Jahr, am Donnerstag, dem Vorabend des Tages Johannes’ des Täufers (23. Juni), zur Zeit des Bruders Friedrich, Erzbischofs von Riga, des Nachfolgers des hochwürdigen Johannes von Schwerin, Erzbischofs von Riga, überfielen die rigischen Bürger nachts die Burg Dünamünde, und da sie sie nicht einnehmen konnten, verbrannten sie die mit großer Mühe und großen Kosten errichteten Befestigungen samt der Kirche. Mehr als hundert Menschen, Männer wie Frauen, ermordeten sie dort und fügten den Brüdern, ohne ihnen abzusagen, einen Schaden von mehr als 400 Mark zu.

Im Herbst desselben Jahres, in der Quatemberfastenzeit (Quatember) (21. Sept., richtiger 1329, 2. Apr.), schickten die rigischen Bürger, die die Ordensbrüder zu vertreiben gedachten, zwei vom Rat der Stadt, nämlich Heinrich Tralove und Bernhard Darsow, und zwei von der Gemeinde, nämlich Gerlach Vlissenbart und Ertmar Redpennige, als ihre Gesandten zum litauischen König; diese sagten und versprachen ihm, dass ihm, dem König, zur Vertreibung des Ordens und des Christentums aus jenen Ländern alle Burgen und Festungen der rigischen Diözese geräumt würden. Als die Brüder davon erfuhren, nahmen sie den Bürgern mit Gewalt fünf Burgen ab, die in der Nachbarschaft der litauischen Länder lagen. Als der König mit seinem Heer an die Düna kam, erfuhr er, dass die Burgen in der Hand der Brüder waren. Darüber in Wut entbrannt, fuhr er die erwähnten Gesandten mit drohenden Worten an. Diese aber antworteten ihm zum Trost, sie würden ihn dorthin führen, wo er dem Orden großen Schaden zufügen könne.

Und sie führten ihn tatsächlich mit seinem ganzen Heer ganze vierzig Meilen durch das rigische Gebiet, gaben ihm Führer und befriedigten seine anderen Bedürfnisse. Die Litauer verwüsteten die Umgebung von Karkus am Tag der Kreuzerhöhung (15. September) [1329] und blieben dort bis zum folgenden Mittwoch (20. September). Am folgenden Freitag (22. September) verwüsteten sie mit Feuer das Kirchspiel Helmet, das 400 Haken Land besaß, wodurch sie dem Orden einen Schaden von mehr als 6000 Mark Silber zufügten. Am folgenden Samstag (23. September) zogen sie in das Kirchspiel Paistel, wo der König mit seinen beiden Brüdern zwei Nächte lang die Kirche als Stall für ihre Pferde benutzte und in Gegenwart der heiligen Sakramente unzählige schändliche Dinge verübte; alles Übrige verwüsteten sie und verbrannten es mit Feuer. Zu dieser Kirche gehörten 300 Haken Land. Erschlagen wurden dort mehr als 400 Menschen, die übrigen aber nahmen sie gefangen. Dann zogen sie in das Gebiet Sackala, wo sie in Tarwast (25) das Kirchspiel mit 200 Haken Land verwüsteten und niederbrannten; sie erschlugen auch zwei geistliche Brüder des Ordens und den Ritter Nikolaus von Ropp, außer den 400 Menschen, die sie erschlugen oder gefangen nahmen und mit sich führten. Dem Orden wurde dadurch ein Schaden von 6 000 Mark reinen Silbers und mehr zugefügt. Durch solche Gewalttat gezwungen, belagerten die Brüder die Stadt Riga und unterwarfen sie schließlich, und obwohl die Bürger jede Strafe verdient hätten, schlossen die Brüder dennoch einen freundschaftlichen Vertrag mit ihnen, wobei der hochwürdige Erzbischof und seine Kirche alle ihre Rechte behielten [30. März 1330]. Die Brüder bauten auch selbst mit eigener Mühe und auf eigene Kosten ihr Haus (die Burg) und die anderen Gebäude, die geplündert worden waren, wieder auf, an einem anderen, ihnen von den Bürgern angewiesenen Ort, an dem der Erzbischof kein weltliches Recht besaß, an dem aber ein Stall für die Pferde der Bürger und eine Mühle, die mit Pferden mahlte, sowie ein Kalkofen gestanden hatten. Und hätten die Brüder nicht bei den Bürgern gewohnt, so unterliegt es keinem Zweifel, dass die Bürger wieder, wie früher, sich mit den Heiden verschworen hätten (siehe am Ende, Anm. 6).

Im Jahr 1330 überschritt der König von Krakau mit Hilfe von Scharen von Deutschen, Ungarn, Polen und Litauern mit einem zahlreichen und starken Heer feindlich das Kulmerland um Michaeli (29. September) und verwüstete alles mit Raub und Brand.

Im Jahr 1329 erschien der litauische König zum Nutzen der Rigaer mit einem großen Heer vor der bischöflichen Burg Pilten [nach dem 4. März 1330], die er mit verschiedenen Belagerungsgeräten angriff. Beim Brand der Stadt außerhalb der Burg wurden ein Ordensbruder und zwei Knechte ermordet. Nach der Verwüstung des Landes zog er sich wieder in sein Land zurück.

Als aber der Vertrag mit den rigischen Bürgern geschlossen war (1330, 30. März), begann Meister Eberhard Feldzüge gegen die Litauer zu unternehmen, was vorher nicht möglich gewesen war wegen der Abmachung zwischen den Bürgern und den Litauern und wegen des Neides der Ersteren.

Im Jahr 1330 zog derselbe Meister mit seinem Heer in das litauische Land, das Sanctegolm heißt. Unter Raub und Brand erschlugen sie etwa 500 Litauer, die ihnen Widerstand leisteten. Von den Christen wurden zwei Brüder und 40 (Knechte?) eine Woche nach dem Tag des heiligen Laurentius (17. August) erschlagen.

Im Jahr 1331, am Tag der Heiligen Kosmas und Damian (27. September), griffen die preußischen und livländischen Brüder den König von Krakau in seinem eigenen polnischen Land an, wobei sie 5 000 Menschen erschlugen, wenn auch mit einigem Verlust für ihr eigenes Heer. Die Brüder drangen mit solcher Kraft vor, dass der Papst (26), ohne die Sache im Einzelnen zu kennen, auf die Bitten ihrer Gegner hin ein strenges Urteil gegen die Brüder erließ. Da sieht man, was für Feinde das sind und von welcher Art!

Im Jahr 1332 unternahm derselbe Meister einen Feldzug in das Land der ungläubigen Samaiten bis zu den Höfen Maseiken und Windeiken (27).

Im Jahr 1333 schloss er einen freundschaftlichen Vertrag mit dem Stellvertreter des rigischen Erzbischofs, Marquard, und mit dem Domkapitel.

Im selben Jahr 1333, nach Lichtmess (2. Februar), zogen die livländischen Brüder zusammen mit der preußischen Streitmacht in zwei Abteilungen in das Land der Samaiten, das sie mit Raub und Brand verwüsteten, wobei sie die Litauer in die Flucht schlugen.

Im Jahr 1333 stand derselbe Meister vor Wilkenberg.

Im selben Jahr stand er mit einem zahlreichen Heer auf Booten vor Polozk.

Im Jahr 1334 führte derselbe Meister ein Heer in das Land Dubingen und Sikkulen, wo 1200 Litauer beiderlei Geschlechts erschlagen wurden. Und damals war er mit seinen Leuten nur vier Meilen von Welnen (28) entfernt. Dann führte er ein zahlreiches Heer nach Plozeke; an diesem Feldzug nahm auch der Graf von Arnsberg teil (29).

Im Jahr 1335, in der Fastenzeit (1. März bis 16. April), erbaute derselbe Meister gegen die Ungläubigen die Burg Doblen (30).

Im Jahr 1339, nach Weihnachten (d. h. nach dem 25. Dezember 1338), erbaute er die Burg Terweten.

Im selben Jahr, nach Mariä Lichtmess (nach dem 2. Februar), unternahm derselbe Meister einen Feldzug gegen die Samaiten. Zwei Nächte blieb er dort und fügte schweren Schaden zu. Er kehrte wegen der großen Kälte heim, da viele vor Frost umkamen oder sich Glieder erfroren.

Im Jahr 1340 unternahm er seinen letzten Feldzug, den er jedoch wegen des unbeständigen Wetters nicht zu Ende führte und den man deshalb den nassen nannte.

Nachdem er dann eine Burg in Riga gebaut hatte, verließ er, vom Hochmeister abberufen, das Land in Frieden.

Im Jahr 1340, am Tag Johannes’ des Täufers (24. Juni), wurde Burchard von Dreileben Meister.

Zu seiner Zeit verhandelten die Pskower mit den Domherren und mit Woldemar Wrangel, dem Vogt von Kokenhusen, und anderen Würdenträgern des Erzbischofs von Riga; um die Verhandlungen erfolgreicher zu machen, schickte der Meister einen Ordensbruder, einen gewissen Heinrich, der die russische Sprache kannte, nach Pskow. Als sie bereits versammelt waren und berieten, drangen einige Russen heimlich in die Herbergen der Deutschen ein, aßen und tranken dort und warfen das Übriggebliebene umher. Betrunken begannen sie die Deutschen zu beschimpfen und fielen über deren Leute her. Es erhob sich ein Tumult; einige Russen wurden erschlagen, das Geschrei dringt bis zu den Verhandelnden, die nach allen Seiten auseinanderlaufen. Als die Russen sich nicht rächen konnten, fielen sie in das Dorpater Gebiet ein. Der Orden schickte auf eigene Kosten 400 Mann zur Sammlung bei Kirrumpäh (31). Als aber die größte Not eintrat, schickten sie den Dorpatern ihre ganze Streitmacht zu Hilfe.

Im Jahr 1341 war der Graf von Loen mit 36 Rittern in Livland (32).

Im Jahr 1342, am Tag Mariä Verkündigung (25. März), erbaute derselbe Meister zwei Burgen gegen die Ketzer, nämlich Frauenburg (33) im Gebiet des Bischofs von Dorpat und Marienburg im Gebiet der Brüder; die letztere Burg befestigte der Komtur Gerlach von Haren später mit Mauern.

Als derselbe Meister im Jahr 1343 mit einem Heer auf Schiffen gegen dieselben Ketzer zog, fielen am Vorabend des Tages des heiligen Georg (22. April) die Neugetauften des Revaler Gebiets ab und sagten sich vom Glauben los. Sie töteten ihre eigenen Herren und alle Deutschen samt den kleinen Kindern, indem sie die Kinder an Steinen zerschmetterten und ins Feuer oder ins Wasser warfen. Sie taten, was auszusprechen schändlich ist, nämlich schnitten Frauen mit Schwertern auf und durchbohrten die Kinder in ihrem Leib mit Speeren. Häuser und andere Gebäude zündeten sie an, Kirchen brannten sie bis auf den Grund nieder, ebenso das Kloster Padis; 28 Mönche ermordeten sie unter verschiedenen Martern, der Abt aber rettete sich nur mit wenigen. Und diejenigen, die die Männer verschont hatten, erschlugen die rasenden Frauen erbittert. Die Zahl der Erschlagenen beiderlei Geschlechts belief sich auf 1 800 Menschen. Damit nicht zufrieden, belagerten sie jene Vasallen und anderen Christen, die sich zusammen mit dem Bischof und der Geistlichkeit in die Burg und Stadt Reval gerettet hatten.

Außerdem raubten sie, wie man erzählt, das Kruzifix aus dem Hospital vor der Stadt und hängten es neben die Leichen der Gehenkten, und nagelten sogar, wie man versichert, einen christlichen Knaben ans Kreuz, so wie der Heiland gekreuzigt wurde.

Im selben Jahr belagerten die Neugetauften der öselschen Diözese (des Bistums), nachdem sie sich vom christlichen Glauben losgesagt hatten, den Bischof mit seiner Geistlichkeit und anderen Christen in der Burg Hapsal, am Vorabend des Tages des heiligen Jakobus (24. Juli). Auch die Burg Poide auf Ösel belagerten sie auf gleiche Weise. Als ihnen die Burg nach Verhandlungen unter der Bedingung freien Abzugs mit unversehrten Gliedern und Gütern übergeben worden war, steinigten die Neugetauften ihren Vogt, Bruder Arnold, und den Priester, Bruder Johannes, samt einigen anderen Brüdern und Leuten des Ordens zu Tode; sie ertränkten auch einige Mönche und einige Weltgeistliche im Meer und erschlugen sehr viele Vasallen und Christen beiderlei Geschlechts. Außerdem bauten sie aus großen Balken eine ziemlich ausgedehnte und starke Befestigung, in der sie mit Frauen, Kindern und Habe Zuflucht zu finden gedachten.

Als aber der Meister erfuhr, wie groß die Gefahr war, schickte er den Brüdern tapfere und kampferfahrene Leute zu Hilfe, etwa 630 an der Zahl. Der Meister und die Brüder erhoben sich nun mit ihrer ganzen Macht und kämpften mit den erwähnten Abtrünnigen in zwei Schlachten, die eine in Harrien, die andere vor Reval, in denen etwa 12 000 Nichtchristen fielen und die übrigen in die Flucht geschlagen wurden; allerdings auch mit Verlust für die Brüder, denn es wurden einige tapfere Edelleute erschlagen, das einfache Volk nicht gerechnet.

Am Mittwoch in der ersten Woche der großen Fastenzeit, im Jahr 1344 (17. Februar), zog der genannte Meister nach Ösel, nachdem er sein Heer mit dem preußischen Hilfsheer vereinigt hatte, und zerstörte dort die erwähnte Balkenbefestigung. Dabei wurden etwa 10 000 Heiden erschlagen, und auch ihr König namens Wesse wurde an einer Belagerungsmaschine aufgehängt, nachdem man ihm die Beine abgerissen hatte. In der Befestigung aber hatten die Heiden 500 Christen getötet.

Als dann Tauwetter eintrat, war der Meister gezwungen, mit den Seinen die Insel zu verlassen und heimzukehren, während die erwähnten Öseler in ihrem Abfall und Unglauben verharrten. Nach Ablauf eines Jahres jedoch zog der Meister abermals mit einem großen Heer auf die öselschen Inseln [1345]. Und siehe, nachdem er einige Gegenden verwüstet hatte, schickten die Öseler Gesandte, die um Frieden baten und versprachen, den christlichen Glauben wieder anzunehmen. Sie wurden wieder in den Schoß der Kirche aufgenommen, ohne dass ihnen eine weitere materielle Strafe auferlegt wurde (34).

Zur selben Zeit, als der Meister wegen dieser Ereignisse auf Ösel war, im Jahr 1345, sammelte der litauische König ein starkes Heer, zog durch die Länder der Brüder und nahm durch den Verrat eines Mannes namens Pale zuerst die Burg Terweten ein, die Bruder Eberhard von Monheim erbaut hatte, als er Meister war, und zerstörte die Burg durch Feuer bis auf den Grund, wobei acht Brüder mit ihren Leuten erschlagen wurden, das einfache Volk nicht gerechnet. Dann zog der König vor die Burg Mitau, die er zuvor samt dem anliegenden Land erobert hatte; da aber die Burg aus Steinplatten gebaut war, konnte er sie nicht zerstören; er führte jedoch die Priester samt acht Brüdern und etwa 600 Menschen aus dem Volk mit sich fort.

Ferner zog der König von Litauen nach Riga und über Neuermühlen in die Gegend von Segewold, wo ihm ein Live aus den Ältesten entgegenkam mit der Versicherung, er sei einer der Neugetauften und zum König über das ganze livische Volk gewählt; wenn der litauische König seinem Rat folgen wolle, werde er sich das ganze Land unterwerfen. Der litauische König aber fragte ihn, was man mit dem livländischen Meister tun solle. Da antwortete der Live, sie würden ihn mitsamt allen Deutschen verjagen. Der König aber sagte: „Bauer! – du wirst hier nicht König sein!“ und befahl, ihm auf dem Feld vor der Burg Segewold den Kopf abzuschlagen. Dann zog er in das Gebiet von Treiden und Cremon, wo er alle Kirchen zerstörte und die Priester ermordete. Er richtete ein großes Blutbad an, erschlug etwa 2 000 Menschen und führte viele in die Gefangenschaft.

Derselbe Meister Burchard aber baute auf Ösel eine gute, starke Burg, die Bruder Goswin später erweiterte (35) [1345 und folgende].

Zur Zeit dieses Meisters stellte sich ein Litauer in böser Absicht so, als wolle er mit seinem ganzen Haus das Christentum annehmen. Er betrieb diese Sache heimlich mit dem Komtur von Ascheraden. Dann ging der Verräter selbst zum litauischen König, erzählte ihm, was er verabredet hatte, und nannte ihm Zeit und Stunde des Treffens.

Der König kam mit einem Heer unbemerkt geradewegs an den bezeichneten Ort und fiel mit den Seinen über die Unseren her, die nicht gewarnt und unbewaffnet waren, wobei fünfzehn Ordensbrüder umkamen. Er erschlug und ermordete grausam auch die Vornehmsten in den Gebieten Segewold, Wenden und Ascheraden und viele andere aus den Gegenden an der Düna. Dann kehrte er freudig heim.

Im Jahr 1345, am Tag der heiligen Lucia (13. Dezember), fand in der Burg Marienburg ein Generalkapitel statt, auf dem Bruder Heinrich Dusemer zum Hochmeister gewählt wurde. Am folgenden Tag (14. Dezember) wurde Bruder Goswin von ihnen zum livländischen Meister ernannt. Zu seiner Zeit ereignete sich etwas Glückliches für die livländischen Brüder. Denn der genannte Hochmeister kaufte auf Anregung Goswins die Länder Harrien mit den Burgen Reval, Wesenberg und Narwa für 19 000 Mark reinen Silbers vom durchlauchtigsten König von Dänemark Waldemar, gemäß der königlichen Urkunde (1346, 29. August) und der Bestätigung durch Papst Clemens VI.; diese Urkunden wurden im selben Jahr, am Tag der Enthauptung Johannes’ des Täufers (29. August), und im folgenden (1347), an Allerheiligen (1. November), den Brüdern samt den Burgen übergeben (36).

Der erwähnte Meister verbesserte die genannten Burgen sogleich mit Mauern und Gräben und verwendete viel Geld auf ihre Befestigung und den Bau von Türmen. Er errichtete und verbesserte auch die Burgen Grobin, Doblen und Dünaburg, die letztere mit vier Türmen und dem Platz um sie herum, außer anderen Burgen und Festungen.

Im Jahr 1348 unternahm derselbe Meister Goswin von Herike einen Feldzug gegen die samaitischen Litauer in das Dorf Gedegynnen, das jetzt Bussike heißt (37).

Im selben Jahr, am Tag des heiligen Valentin (14. Februar), verwüstete er das Land Saulia samt den Burgen bis auf den Grund, obwohl es volkreich war, weil die Einwohner, wie es schien, den Litauern ergeben waren und sie in ihren Erfolgen durch Tributzahlungen und andere Dinge unterstützten.

Im selben Jahr verwüsteten die preußischen Brüder mit einem Heer eine ganze Woche lang das Land der heidnischen Litauer. Am neunten Tag, zu Lichtmess (2. Februar), wurde am Flüsschen Strebene (38) eine Schlacht geliefert, in der mehr als 10 000 Litauer und Russen fielen, die aus verschiedenen Orten zu Hilfe gerufen worden waren, wie Lantmar, Breisik (39), Witebsk, Smolensk und Polozk. Narimant, der russische König, der Bruder von Algirdas und Kęstutis, den litauischen Königen, wurde in dieser Schlacht ebenfalls getötet. Von den Christen aber fielen 8 Brüder mit 42 guten Männern (siehe am Ende, Anm. 7).

Im selben Jahr gab es eine große Ernte, sodass es nach dem Tag des heiligen Johannes des Täufers (24. Juni) schon neues Korn und Früchte gab. Und Wein wurde in solcher Fülle eingeführt, dass in Riga und anderen Städten mehr Fässer Wein als Bier verzeichnet wurden (40).

Im ersten Jahr dieses Meisters, um Ostern (1346, nach dem 16. April), zerstörten die Litauer die Burg Mesoten völlig, wobei der Komtur, Bruder Richard von Bacheim, mit einigen Ordensbrüdern und dem Hausgesinde sowie mit Landleuten beiderlei Geschlechts ermordet wurde.

Im Jahr 1350 erschlugen die Dorpater Bürger vor ihrer Stadt 30 von den Ordensbrüdern neubekehrte Landleute, verstümmelten zwei und verwundeten außerdem zehn, wobei sie ihnen zugleich mit Gewalt ihre Sachen raubten. Der Orden ließ das den Dorpatern hingehen, obwohl er sich hätte rächen können. Die Dorpater aber versöhnten sich mit den Angehörigen der Geschädigten.

Im Jahr 1351 herrschte ein großes Sterben (siehe am Ende, Anm. 8).

Dann erließ Papst Innozenz VI. auf die Verleumdung des Ordens durch Erzbischof Fromhold von Vifhusen hin ein öffentliches Urteil (1353, 12. August), aufgrund dessen der hochwürdige Bischof von Västerås (41) den Orden exkommunizierte (1354, 23. Oktober). Dieses Urteil wurde jedoch später durch eine Erklärung des ehrwürdigen Vaters Franz, Kardinals von San Marco, gemildert (1359, 30. Dezember).

Zu dieser Zeit wollten Litauer aus Stripeiwe, Opiten, Mesewilte und Ansteiten aus Litauen nach Livland übersiedeln, doch der Meister verweigerte es ihnen (42).

1357 verpesteten giftige Heuschrecken, die im Frühjahr und Sommer über das Meer herangeflogen kamen, nachts die Luft mit ihrer Fäulnis und fraßen zudem alles Laub von den Bäumen.

Im Jahr 1358 zog der genannte Goswin mit einem Heer aus und zerstörte am Vorabend des Tages der Bekehrung des heiligen Paulus (24. Januar) die prächtig gebaute Burg Dobitzen (43) in Saulia; hier kamen etwa hundert Seelen jener wilden Leute um.

Auch zwei Ordensbrüder, nämlich Johann Hane und Clawenbeke, wurden von den Mauern gestürzt und getötet.

Im selben Jahr kam Hochmeister Winrich, wie schon früher gesagt, Meister Goswin zu Hilfe in das Land der ungläubigen Samaiten. Sie fügten den Heiden viel Schaden zu.

Damals geschah es, dass ein angeblicher Verwandter des Kaisers, ein dem Orden untreu gewordener Mann namens Plawe, zur Schmach des Ordens unter den Vertrauten des Kaisers das Gerücht verbreitete, die Litauer wollten sich zum katholischen Glauben taufen lassen. Der Kaiser, der ihm leichtgläubig vertraute, schickte zur Untersuchung der Sache den Erzbischof von Prag, den Herzog von Troppau und den Deutschmeister (44). Der Hochmeister besorgte zuverlässige Führer und geleitete sie mit großen Kosten zu den Litauern, wo sie den Zweck ihrer Gesandtschaft erklärten. Die Litauer aber forderten folgende Grenzlinie: zuerst von Masowien bis zum Oberlauf der Alle, dann die Alle hinab bis zur Mündung der Alle in den Pregel, dann den Pregel entlang bis zum Frischen Haff, weiter bis zum Meer und von dort das Meer entlang bis zu der Stelle, wo die Düna ins Meer mündet, dann die Düna hinauf bis zu der Stelle, wo in die Düna ein Flüsschen mündet, das aus dem Lubahnschen See fließt, und von diesem Flüsschen entlang dem genannten See auf geradem Weg nach Russland.

Ferner forderten sie, dass der Orden zu ihrem Schutz vor Angriffen der Tataren in die Wildnis zwischen den Tataren und den Russen verlegt werde und dass der Orden kein Recht auf die Russen für sich behalte, sondern ganz Russland vollständig den Litauern gehören solle, und sagten: „Wenn wir unsere Forderungen erreichen, werden wir den Willen des Kaisers erfüllen.“

Daraufhin kehrten die Gesandten unverrichteter Dinge zurück, da sie die Forderungen der Litauer für unverhältnismäßig groß hielten.

Im Jahr 1359 unternahm derselbe Goswin einen großen Feldzug gegen die Litauer in das Land Popillen (45), wobei den Pferden in sehr großer Zahl die Hufe abfielen.

Er starb schließlich in hohem Alter am 10. September.

Im Jahr 1360 war Bruder Arnold von Vietinghoff Meister, ein kundiger Krieger.

Nach dem Fest des heiligen Matthias (25. Februar) unternahm er einen Feldzug gegen den Hof eines Bojaren namens Eginten, der sich rühmte, er könne und werde alle Christen und Deutschen aus Livland vertreiben, und schon verschiedene Burgen seinen Verwandten und Freunden zugeteilt hatte. Der Meister bezwang diesen Hof und die umliegende Gegend.

Im selben Jahr, nach Kreuzerhöhung (14. September), verwüsteten die litauischen Könige mit zwei Abteilungen grausam .... (46) und verbrannten die Kirchen. Prahlend kehrten sie mit Beute heim.

Im Jahr 1361, nach dem Tag des Apostels Matthias (24. Februar), eroberten die Litauer im Sturm die Kirche von Lennewarden; mit Beute und Gefangenen kehrten sie heim. Zur selben Zeit standen sie, nachdem sie ihr Heer geteilt hatten, vor Mitau.

Im selben Jahr, am Samstag vor Judica (13. März), wurde der litauische König Kęstutis in einer Schlacht der Preußen mit den Litauern gefangen genommen und nach Marienburg gebracht.

Im Herbst desselben Jahres unternahm Meister Arnold einen Feldzug, auf dem er das ganze Gesinde des Litauers Siwa gefangen nahm. Betrübt folgte Siwa seinen Leuten und wurde freiwillig ein guter Wegführer der livländischen Christen.

Im selben Jahr, nach Martini (nach dem 11. November, nämlich am 16. November), entfloh der gefangene Kęstutis unbemerkt aus der Burg Marienburg und kehrte heim in sein Land (siehe am Ende, Anm. 9).

Im Jahr 1362 unternahm Meister Arnold vier Feldzüge gegen die Heiden: den ersten am Tag der Bekehrung des Paulus (25. Januar) bis zum sogenannten heiligen Dorf Seten; den zweiten Feldzug unternahm er gleich nach dem ersten (im Februar) mit einigen Gästen aus Deutschland; den dritten, zu Schiff, auf Bitten des Hochmeisters am Palmsonntag (nach dem 16. April), zur Zerstörung der Burg Kauwe (47). Der Hochmeister aber kam mit einem Heer auf Schiffen am Dienstag vor Judica (29. März) zu der genannten Burg und belagerte sie in der Meinung, dass sich der entflohene König Kęstutis darin befinde. Doch die Burg, aus Stein gebaut und auch mit hohen Mauern befestigt, war schwer zu erobern, zumal zur selben Zeit beide Könige mit ihrer ganzen Macht erschienen. Schließlich, nach langen Mühen und lange wiederholten Kämpfen, wurde die Burg am Vorabend von Ostern (16. April) bezwungen. Gefangen genommen wurden darin der Sohn des Königs Kęstutis, der Befehlshaber der Burg mit seinem Sohn und 37 andere; die übrigen, etwa 2 000 auserlesene und starke Männer, kamen durch Feuer und Schwert um. Von den Brüdern fielen 7, von den anderen 20.

Den vierten Feldzug unternahm der Meister im Herbst.

Im selben Jahr, am Freitag in der Woche nach Pfingsten (10. Juni), nahm der genannte Meister mit seinen Ordensgebietigern und den Bischöfen Hermann von Ösel, Ludwig von Reval und Johannes von Dorpat, mit den Pröpsten und Domherren von Riga und anderer Stifte, mit den Äbten von Falkenau und Padis, ferner mit Rittern, Knappen und Bürgern des ganzen Landes an einer Tagfahrt an der langen Brücke beim Dorpater Stift teil. In ihrer Gegenwart klagte der Meister, dass der hochwürdige Johannes, Bischof von Dorpat, ihn und den Orden bei Königen und Fürsten wie auch bei den Seestädten verleumde, was er mit glaubwürdigen Briefen beweisen könne; ferner, dass dieser Bischof seinerzeit nichts oder nur wenig für den Kampf gegen die Litauer getan habe, während der Meister ihm stets treue Hilfe geschickt habe, sooft er nur Krieg mit den Ketzern führte; ferner, dass er die Untertanen des Meisters beim Kauf und Verkauf erheblich betrüge, indem er nämlich den Untertanen des Ordens, wenn sie etwas in der Stadt verkauften, sechs lübische Schillinge für eine Nogata (48) gebe; wenn sie aber etwas kauften, mussten sie 7 Schillinge derselben Münze für eine Nogata geben. Schließlich wurde die Sache durch Vermittlung von Schiedsrichtern, Prälaten und Rittern beigelegt, und der Bischof bat den Meister um Verzeihung und versprach, den Königen und Fürsten zu schreiben, dass die Sache gütlich entschieden sei, und künftig auch mit Hilfe zuverlässiger zu sein; ferner versprach er, dass der lübische Schilling in Dorpat wie in ganz Livland zu 6 lübischen Mark für eine Nogata gelten werde. All das versprach der Bischof; als er aber heimgekehrt war, befahl er seinen Leuten, von den Unseren 7 Lübische für eine Nogata zu nehmen. Daraufhin befahl der Komtur von Fellin seinen Leuten, nichts nach Dorpat zu bringen, sondern nur in andere Länder des Ordens, bis der Bischof von seiner Laune ablasse. Der genannte Bischof hatte auch bei der ersten Messe des hochwürdigen Bischofs Konrad von Ösel und in dessen Gegenwart sowie in Gegenwart des damaligen Meisters, Bruder Burchard von Dreileben, und anderer versprochen, dass er ein Freund des Ordens sein werde. Später aber reichte er beim heiligsten Papst Urban V. eine schändliche Klage ein, der Meister und der Orden bedrängten ihn und seine Leute feindselig und weit grausamer als die Ungläubigen, beschränkten ihn in seinem Münzrecht, und ferner habe der Meister ihm und seinen Leuten die Fehde angesagt. Der Bischof erreichte sogar die Einsetzung einer Kommission in dieser Sache, obwohl dies mit seiner Würde unvereinbar war, denn wie der Spruch sagt: „Nur der Böse gedenkt mit Groll der begangenen Sünde.“ (49).

Im Jahr 1363, nach Lichtmess (2. Februar), unternahm der genannte Meister einen Feldzug in das Land Opiten und andere Gegenden in der Nähe, die er alle verwüstete.

Im selben Jahr bezwang der Hochmeister nach Ostern (2. April) mit einem Heer auf Schiffen mehrere Burgen in Litauen; zuerst die Burg Kauwe, deren Wiederaufbau mit erstaunlichem und unerklärlichem Eifer begonnen worden war; dann Pisten und Welun, die er bis auf den Grund zerstörte.

Zur selben Zeit gab es beim Eisgang ein großes Hochwasser, sodass die Umgebung der Rigaer Burg unpassierbar wurde.

Im Herbst desselben Jahres unternahm der Meister einen Feldzug gegen die Litauer in das Land Opiten, das er verwüstete, wobei er Gefangene mit sich führte.

Im Jahr 1364 trafen Hochmeister Winrich und der livländische Meister Arnold nach Lichtmess (2. Februar) mit zwei Heeren im Land der heidnischen Litauer bei der Burg Wilkenbete (50) zusammen, wo sie 9 Tage lang verwüsteten, brannten, viele in die Gefangenschaft führten und den größten Teil der Menschen erschlugen. Inzwischen verbrannte und vernichtete König Kęstutis die Lebensmittel unserer Scharen und das Futter für die Pferde.

Im selben Jahr wurde im preußischen Marienburg heimlich die Wand eines Turmes durchbrochen, und die Schätze wurden gestohlen und diebisch fortgetragen, jedoch nicht vollständig ausgeräumt.

Meister Arnold starb am 11. Juli desselben Jahres.

Im Jahr 1364 war Bruder Wilhelm von Vrimersheim Meister; er trat das Amt am 29. September an.

Im Jahr 1365 unternahm er einen Feldzug in das Land Opiten, das er verwüstete.

Im selben Jahr, nach dem Tag des heiligen Valentin (14. Februar), eroberten die Litauer drei Burgen in Preußen, nämlich die Schalauerburg in Ragnit, Kaustriten und Splitter. Sie führten alle Leute daraus fort, töteten einen Ordensbruder nach ihrem abergläubischen Brauch und verbrannten die Burgen.

Im selben Jahr, nach dem Fest Petri Kettenfeier (nach dem 1. August), unternahm Bruder Siegfried, Komtur von Goldingen, mit den Kurländern einen Feldzug gegen die Litauer, auf dem er 400 Menschen erschlug, unter Verlust eines Ordensbruders und elf seiner Kriegsleute.

Im selben Jahr, am Tag des heiligen Jakobus (25. Juni), kam der Sohn des Kęstutis, des Königs von Litauen, mit fünfzehn heidnischen Vasallen in die Burg Königsberg, wurde getauft und erhielt den Namen Heinrich. Der Kaiser erhob ihn später in den Herzogsstand.

Die deutschen Gäste machten ihm viele Geschenke [vor dem 31. März 1372]. Er blieb danach ein Anhänger des Christentums und führte auf einem gleich nach Mariä Himmelfahrt unternommenen Feldzug den Hochmeister in das litauische Land bei den Burgen Wilna und Wilkenberg, wo dieser alles verwüstete. Er verbrannte auch die Burg Kernow und Meisegal, wobei er 12 Tage dort blieb, und befreite viele Christen aus der Gefangenschaft und führte auch eine Menge anderer Litauer fort, die übrigen aber tötete er.

Im selben Jahr war Meister Wilhelm sechs Tage lang in Litauen und verwüstete alles mit Raub und Brand.

Im Jahr 1366 führte derselbe Meister zur Mitte der Fastenzeit (nach dem 15. März) ein Heer gegen die Russen auf Polozk.

Im selben Jahr schrieb der hochwürdige Fromhold, Erzbischof von Riga, an den Hochmeister, er wünsche in dessen Gegenwart in Gdańsk (Danzig) über seinen Streit mit dem Meister und den livländischen Brüdern zu verhandeln, und wolle den Meister mit den Ordensgebietigern dorthin einladen. Zuvor aber hatte er es verstanden, sich heimlich von Papst Urban V. Briefe an verschiedene Bischöfe zu verschaffen. Derselbe Papst schrieb auch an den Hochmeister, er möge den livländischen Meister mit dem Hochmeister zu einer Einigung bringen. Er schrieb auch dem livländischen Meister, er möge sich mit dem Erzbischof versöhnen; andernfalls sei der Papst genötigt, strenger vorzugehen. Als aber die Meister mit den Ordensgebietigern zur Tagfahrt kamen, fanden sie dort bereits die Briefe des Papstes vor. Und der Erzbischof erschien mit seinem Bruder, dem hochwürdigen Johannes, Bischof von Dorpat, mit dem Bischof von Lübeck sowie mit seinen Suffraganen aus Pommern, Kulm, Ermland und Samland. Auch der Bischof von Reval war dort; ferner auch die Pröpste, Dekane und Domherren der erwähnten Stifte sowie Ritter, Knappen, Bürger verschiedener Städte, Geistliche und Weltliche und viel anderes glaubwürdiges Volk. In ihrer Gegenwart klagte der Erzbischof von Riga eindringlich und scharf gegen den Meister und die livländischen Ordensgebietiger wegen ihrer Herrschaft über die Stadt, wegen Ungehorsams und Bruchs des Vasalleneides, wegen Nichtzahlung des Zehnten und einiger anderer Abgaben, über viele andere Dinge, wobei er mit der Ausbreitung des Christentums in Livland begann und nichts in seiner Sache ausließ. Da sieht man ihn, der geschrieben hatte, er wünsche gütlich zu verhandeln! Ebenso klagte sein Bruder, der hochwürdige Johannes, Bischof von Dorpat, überaus boshaft und übertrieben gegen die livländischen Ordensgebietiger wegen der bischöflichen Gelder (Einkünfte), wegen der Synodalvisitationen (er wollte, dass die Synoden in den Ordenskirchen aus zweihundert und mehr Teilnehmern bestünden), wegen des Münzrechts, das er damals noch nicht besaß, und wegen vielem anderen, was er boshaft schrieb, indem er die livländischen Brüder verleumdete. Bruder Hermann (51), der Kaplan des Meisters, beantwortete jedoch alle Vorwürfe und Ansprüche nicht dreist, sondern mit Sanftmut, nach dem Beispiel des Herrn. Dennoch schloss der Hochmeister um der Erhaltung des Friedens und der Ruhe in Livland willen einen Vertrag oder gütlichen Vergleich zwischen beiden Parteien, den der Erzbischof mit seinem Siegel und dem Siegel des rigischen Kapitels (52) und der Hochmeister mit seinem Siegel und der Ordensbulle bestätigten, ebenso wie der livländische Meister. Dass aber diese Übereinkunft nicht eingehalten wurde, daran sind nicht die livländischen Brüder schuld, sondern der Erzbischof und das rigische Kapitel, die sich am römischen Hof die Erlaubnis erwirkten, nicht danach zu handeln.

Im Jahr 1367, am Dienstag nach Estomihi (d. h. am 2. März), führte derselbe livländische Meister ein Heer gegen die Litauer in das Land Opiten, das er vier Tage lang mit Feuer und Schwert verwüstete. Daraufhin stellte der litauische König sein Heer zum Krieg auf und schickte seinen Sohn mit den besten Bojaren des Reiches auf Kundschaft. Auf sie stieß Bruder Robin, der Gefährte (Kumpan) des Meisters, der mit einer kleinen Schar ausgeschickt worden war, um Futter für die Pferde zu holen. Robin griff sie an, erschlug einige, führte achtzehn gut Bewaffnete gefangen mit sich, obwohl er mit den Seinen ohne (gehörige) Bewaffnung war, und kehrte dann zu den Seinen zurück.

Im selben Jahr, am Sonntag vor dem vorhergehenden Feldzug (28. Februar), kämpfte Bruder Henning, der Marschall des Ordens, in den nördlichen Teilen Litauens.

Er überraschte die Litauer und teilte sein Heer in drei Teile. Zwei Tage lang erschlug er sie alle mit der Schärfe des Schwertes; mit Brand und Mord verwüstete er die Gegenden Seten, Warlowe, Swinanen, Kaleinen und Salwissow nahe der alten Burg Kauen sowie die Gegend Kalewiten bis Neu-Kauen und führte 800 Gefangene mit sich fort. Er nahm auch das Gestüt des Königs mit 50 Stuten mit nach Preußen (53).

Im selben Jahr, zu Mariä Geburt (8. September), zog Hochmeister Winrich gegen die Burg Welun. Als die dortige Besatzung davon erfuhr, verbrannte sie die Burg selbst. Dann zog er hinauf nach Neu-Kauen. Sechs Tage hintereinander verwüstete er die folgenden Gegenden: Eragelen, Pernarwen, Gallen, Sobenow, Traken, Gesowe und Bastowe, und viele verloren dabei das Leben (54).

Zur selben Zeit verwüstete der Komtur von Goldingen, Bruder Siegfried, mit den Kuren das Land Sare mit Raub und Brand und führte einige Gefangene daraus fort (55) [1367].

Man muss wissen, dass die Russen zum dritten Mal die Brüder und den Bischof von Dorpat beim Fischfang auf dem Peipussee behinderten. Als aber einmal die Fischer des Bischofs und der Brüder auf diesem See auf Russen trafen, ertränkten die Fischer die Russen teils, teils hängten sie sie auf und zerstörten und verbrannten zugleich ihre Hütten und Netze.

Daraufhin verwüsteten die Russen ein Dorf des Vogtes von Rositten (56), ohne den Brüdern vorher den Krieg zu erklären. Da fiel der Meister nach dem Tag des heiligen Mauritius (22. Sept.) mit seinem Heer in das Pskower Land ein; in der ersten Nacht erreichte er die Burg Isborsk, in der zweiten zog er auf dem Weg nach Pskow, in der dritten erreichte er die Burg Pskow und brannte unterwegs die Städte nieder.

Am Tag des heiligen Kleophas (25. September) schickte der Meister den Marschall, Bruder Andreas von Steinberg, und den Komtur von Segewold mit einer kleinen Heeresabteilung voraus, um die Furten der Flüsschen zu erkunden. Ihnen zogen die Russen mit Fahnen entgegen, wurden aber geworfen und auf der Verfolgung niedergemacht. Der Marschall kehrte zu den Seinen zurück, nachdem er sich der Fahnen und Waffen bemächtigt hatte. Inzwischen verwüstete der Meister sechs Tage lang mit beträchtlichem Raub und Brand das Land zu beiden Seiten des Flusses Mode (57).

Zur selben Zeit überschritt Bruder Helmich von Depenbrock, Komtur von Reval, auf Anordnung des Meisters mit den Vögten von Harrien und Wierland sowie von Jerwen und Oberpahlen die Narwa nach Watland. Er verwüstete ihr Land (58) fünf Tage hintereinander mit Feuer.

Zur selben Zeit zogen der Komtur von Dünaburg, Dietrich Vriedach, und der Vogt von Rositten gegen die Russen von Warnaz und Welije (59), die sie unbewaffnet antrafen, und verwüsteten zwei Tage lang ihr Land. Auf dem Rückweg verfolgten die Ketzer sie. Es kam zu einem Gefecht, in dem die Unseren siegten und 29 Bewaffnete erschlugen, deren Rüstung sie als Beute heimbrachten. Die übrigen Russen zogen sich, mit Wunden bedeckt, voller Furcht nach Hause zurück.

Im selben Jahr, am Vorabend des Festes der heiligen Apostel Simon und Judas (27. Oktober), zogen die Pskower ihre Truppen vor dem neuen Ordenshaus (der Burg) Frauenburg zusammen und verbrannten das Dorf davor. Die Dorpater aber sammelten sich und erschlugen 100 Bewaffnete von ihnen. Am Tag nach Allerheiligen (2. November) waren dieselben Russen mit einem anderen Heer auf Schiffen vor Narwa, wo sie die Vorstädte und alles außerhalb der Burg Gelegene verbrannten. Mit einem dritten Heer waren sie bei der Pfarrkirche von Jewe (60), die sie zerstörten. Dort trafen sie auf Bruder Hermann von Vrilinghusen, den Vogt von Wesenberg, und Odoard von Lode, die sie mit fünf anderen der Unseren erschlugen. Doch sie verloren zugleich dreihundert Mann an der Mündung der Narwa.

Im Jahr 1368, am Sonntag Judica (26. März), wurde der Bau der Burg Schrunden in Kurland begonnen, an einem Ort namens Bandowe.

Im selben Jahr, nach dem Fest des heiligen Barnabas (nach dem 11. Juni), führte der Meister mit dem hochwürdigen Johannes, Bischof von Dorpat, ein großes Heer gegen die Russen. Sie belagerten die Burg Isborsk zwei Wochen lang mit Maschinen und anderem Kriegsgerät, hatten aber keinerlei Erfolg.

Nach ihrem Abzug schickten die Nowgoroder Boten als Vermittler zu Friedensverhandlungen, jedoch in treuloser Absicht. Weder der Bischof noch der Meister wussten von der Gesandtschaft, inzwischen aber eilten diese Nowgoroder, schon vorher mit Waffen versehen, heimlich nach Pskow und beabsichtigten, die in dieser Burg belagerten Russen zu befreien.

Im selben Jahr, nach Peter und Paul (nach dem 29. Juni), erbaute der Hochmeister, Bruder Winrich, eine Burg namens Marienburg gegenüber dem Berg von Welun.

Im selben Jahr, am Tag des heiligen Abtes Bernhard (20. August), verwüsteten der Landmarschall, Bruder Andreas von Steinberg, mit den Komturen von Kurland und Segewold und den Brüdern (....) folgende Gegenden in Opiten, nämlich: Malowe, Wisewilte, Swainiken, Preiwisiken und Newesseniken (61); dabei wurde Gerdeiko, der Sohn des edlen Bojaren Stirpeika, mit seiner Frau Messe, seinem ganzen Haus und vielen anderen gefangen genommen und in die Rigaer Burg gebracht, wobei Messe selbst, der Bruder des genannten Gerdeiko, Sohn des erwähnten Bojaren, nur knapp entkam.

Im selben Jahr, am Tag Mariä Geburt (8. September), unternahm der Meister, Bruder Wilhelm, einen zweiten Feldzug gegen die Ketzer in das Land Astrowe, blieb dort fünf Tage und kehrte mit Beute und Gefangenen zurück.

Im selben Jahr, am selben Tag (8. September), stand der Vogt des Bischofs von Dorpat mit seinen Leuten vor der Burg Isborsk. Er führte viel Vieh und Gefangene mit sich fort.

Im selben Jahr und zur selben Zeit verwüstete der Marschall jenseits der Newese in Litauen folgende Gegenden, nämlich: Bastowe und Romagin (62), und als er zur Burg Kauwe kam, die unbemerkt zum zweiten Mal wieder aufgebaut worden war, bezwang und eroberte er sie am folgenden Tag und machte 600 Bewaffnete nieder, die er dort vorfand, mit Ausnahme weniger aus dem höchsten Adel, die er gefangen mit sich führte. Von den Unseren wurden drei getötet, von den Mauern gestürzt; für das Leben der Verwundeten bestand Hoffnung.

Im selben Jahr kam der hochwürdige Konrad, Bischof von Ösel, als Stellvertreter des hochwürdigen Fromhold, Erzbischofs von Riga, nach Riga und feierte seine Weihe in der Quatemberfastenzeit (Quatember) (20. Sept.). Am folgenden Sonntag (24. September) gab er auf dem erzbischöflichen Hof ein großes Mahl, zu dem er den Meister, den Landmarschall sowie die Komture von Dünamünde, Segewold und Mitau einlud. Am folgenden Dienstag (26. September) lud der Meister ihn zu sich ein.

Im selben Jahr, nach dem Tag des heiligen Dionysius (nach dem 9. Okt.), unternahm der Landmarschall einen dritten Feldzug mit den Segewoldern, Rosittern, Ascheradenern und Dünaburgern gegen die Ketzer von Welije; obwohl er sie gewarnt antraf, blieb er doch zwei Nächte dort und mordete und verwüstete alles. Er führte Vieh und etwa hundert Gefangene mit sich fort, während von den Unseren sechs beim Futterholen umkamen.

Im Jahr 1369, am Samstag Reminiscere (24. Febr.), unternahm der Meister mit dem Landmarschall und den Bewohnern von Sacke (63) und Karkus einen Feldzug gegen die Russen, nämlich gegen Warnaz, wo vier Nächte lang ein großes Blutvergießen stattfand und fünfzig Menschen in die Gefangenschaft geführt wurden.

Zur selben Zeit verwüstete auch der Komtur von Reval, Bruder Helmich, mit den Bewohnern von Harrien, Wierland und Oberpahlen sowie mit den Vasallen und Bürgern des Dorpater Stifts vier Nächte lang das Land derselben Russen, wobei, die Erschlagenen nicht gerechnet, 301 Menschen gefangen genommen wurden.

Während dieser Ereignisse verwüstete Algerde (Algirdas), der König von Litauen, während der Meister und der Landmarschall abwesend waren, die Länder Ascheraden und Zesegal wie auch die Besitzungen der Nonnen in Pebalg (64). Ein Ordensbruder wurde mit seinem Knaben von ihnen ebenfalls auf dem Weg erschlagen. Dann kehrte der König mit Beute und Gefangenen heim.

Im selben Jahr, am heiligen Osterfest (31. März), eroberten die Russen Kirrumpäh, plünderten und verwüsteten dieses Städtchen und führten Beute und Gefangene mit sich fort.

Im selben Jahr, am Sonntag Misericordia (nach dem 15. Apr.), begann der Hochmeister, Bruder Winrich, im litauischen Land eine Burg namens Gotteswerder auf einer Insel zu bauen, auf der König Kęstutis zuvor dreimal die Burg Kauwe gebaut hatte, die jedoch von demselben Meister zerstört worden war. Er vollendete den Bau der Burg nach dem Fest der heiligen Dreifaltigkeit (nach dem 20. Mai).

Im selben Jahr, nach dem Tag des heiligen Jakobus (nach dem 25. Juni) [1369], führte der livländische Meister ein Heer gegen die Pskower; im Pskower Land blieb es 9 Tage und fügte den Pskowern viel Schaden zu.

Im selben Jahr, am Tag nach den Heiligen Protus und Hyacinthus (12. September), nahmen die litauischen Könige die neu erbaute Burg Gotteswerder ein. Zu ihrer Bezwingung errichteten sie außer anderem Kriegsgerät 18 Wurfmaschinen und belagerten die Burg fünf Wochen lang. Sie zerstörten sie jedoch nicht, sondern bauten daneben auf derselben Insel noch eine andere Burg. Die Brüder und die anderen, die dort waren, führten sie in die Gefangenschaft.

Im selben Jahr standen der Landmarschall mit den Bewohnern von Segewold und Wenden nach dem Matthäustag (21. September) vor der russischen Burg namens Welije und richteten dort zwei Nächte lang Schaden an.

Zur selben Zeit war der Vogt von Grobin mit einigen Kurländern, die er gesammelt hatte, in Litauen, wo er einige Dörfer und Felder niederbrannte und viele Menschen erschlug. Die Litauer verfolgten ihn jedoch und töteten hundert Mann aus seiner Schar.

Zur selben Zeit verlor der Vogt von Narwa beim Übergang über die Narwa fünfzig seiner Leute, die von den Russen erschlagen wurden.

Im selben Jahr, in der Nacht auf den heiligen Matthäus (vom 20. auf den 21. September), verbrannten die Russen drei Dörfer des Vogtes von Narwa und erschlugen etwa hundert Seelen beiderlei Geschlechts.

Im selben Jahr, nach Allerheiligen (1. November), verhandelte der Obermarschall des Ordens, Bruder Henning Schindekopf, mit den litauischen Feinden über den Loskauf der bei der Einnahme der Burg Gotteswerder gefangen Genommenen. Als der Marschall nach geschlossenem Vertrag auf dem Rückweg bis Ragnit gekommen war, begegnete ihm ein vom Hochmeister ausgesandtes zahlreiches Heer. Daraufhin kehrte er mit dem Heer um und gelangte zusammen mit den befreiten Gefangenen am Tag des heiligen Martin (11. November) glücklich wieder auf die erwähnte Insel, auf der er zwei neue Burgen erbaut fand. Als die Litauer sie bemerkten, verließen sie die beiden neuen Burgen, zündeten sie an und gingen in die alte Burg hinüber, um sie zu verteidigen.

Die alte Burg wurde jedoch dennoch bezwungen, wobei 309 Krieger gefangen genommen und 54 erschlagen wurden; die übrigen kamen samt den Befehlshabern in den Flammen um. Man fand dort auch sechs Wurfmaschinen und vier andere große Kriegsgeräte, die alle ohne Ausnahme verbrannt wurden. Auf all diese Verluste blickten die litauischen Könige vom gegenüberliegenden Ufer, wie vom Donner gerührt.

Im Jahr 1370, am Tag der Heiligen Fabian und Sebastian (20. Januar), war der Landmarschall, Bruder Andreas von Steinberg, mit Kurländern, Litauern und Kokenhusenern im litauischen Land. Zuerst fiel er in das Land Swainiken ein, dann zog er mit dem Heer nach Prewaisiniken, wo er zwei Nächte blieb. Er war auch an anderen Orten, nämlich in Malowe, Wensen, Minanen bis Remgallen, Raden und Eginten (65), wobei 600 Menschen beiderlei Geschlechts erschlagen und 300 gefangen genommen wurden; von den Unseren aber fielen drei.

Zur selben Zeit überschritt Bruder Arnold von Altena, Vogt von Narwa, mit seinen Leuten die Narwa zum Kampf mit den Pskowern, die ihm im vergangenen Herbst Schaden zugefügt hatten. Er fand sie in Nowgoroder Dörfern, erschlug einige von ihnen und brachte 200 Gefangene mit.

Im selben Jahr führte der livländische Meister ein Heer gegen die Ketzer von Welije, deren Burg er zu Lichtmess (2. Februar) von allen Seiten einschloss und bis zum fünften Tag belagert hielt, wobei er zwei seiner Leute verlor. Die Treidener und Cremoner (66) aber verloren beim Futterholen 24 Mann. Das Land wurde stark verwüstet.

Als sich im selben Winter das Gerücht von einem Bündnis der Litauer und Russen mit anderen verbündeten Völkern verbreitete, schickte der Hochmeister den Obermarschall auf Kundschaft. Dieser traf sie zu Lichtmess (2. Februar) unvorbereitet an und schlug sie aufs Haupt, wobei 220 Menschen gefangen genommen wurden. Die Gefangenen aber brachten ihm sichere Nachricht von der Sammlung eines großen litauischen Heeres. Nur eine Nacht blieb er dort und kehrte sogleich zum Hochmeister zurück, der daraufhin sogleich in Königsberg das Landesaufgebot aus den Brüdern und den Eingeborenen jener Länder sammelte, jedoch nicht alle, da ihm unbekannt war, wann und wo die Litauer ins Land einfallen würden. Sie aber kamen mit ganzer Macht, mit vielen Tausenden, am Sonntag Exurge domine, der auf den 17. Februar fiel, frühmorgens in das Land der Samaiten zur Burg Rudau. Am Mittag zogen ihnen der Hochmeister und der Obermarschall entgegen, und es kam zur Schlacht, in der etwa 5 500 tapfere Männer fielen, größtenteils Russen, diejenigen nicht gerechnet, die, in der Wildnis zerstreut, vor Kälte umkamen. So erfror Wesewilte, ein edler Bojar. Von den Unseren aber fielen der Obermarschall, der Komtur und der Hauskomtur von Brandenburg, der Komtur von Rhein mit zwanzig anderen Ordensbrüdern und einigen anderen vornehmen Leuten aus Preußen; von den Fremden fielen drei tapfere Männer, nämlich Arnold von Laretto mit zwei anderen Rittern; der Gesamtverlust der Unseren überstieg 300 Mann nicht.

Im selben Jahr, am Samstag nach Reminiscere (9. März), fiel der Komtur von Goldingen zusammen mit den Kurländern in das litauische Land ein, das er verwüstete, nämlich: Pluten, Malowe, Warnen und Medeniken (67) in Richtung des sogenannten Pluddenschen Sees, wobei er in Werzewen übernachtete und 320 Menschen beiderlei Geschlechts mit sich führte, ferner 430 Stück Hornvieh und Pferde, außer vielen, die er töten ließ. Er kehrte mit den Seinen ohne Verluste heim.

Dann legten die Litauer am Meeresufer, nahe der sogenannten Heiligen Aa, einen Hinterhalt, wovon dem Vogt von Grobin Nachricht gegeben wurde. Er schickte Kundschafter aus, die jedoch unterwegs unvorsichtig waren. Infolgedessen erschlugen die im Hinterhalt liegenden Litauer 20 Mann von ihnen.

Im Sommer desselben Jahres konnten die livländischen Brüder wegen ungünstigen Wetters und allzu häufiger Regenfälle keinen Feldzug unternehmen. Bruder Rotger, der Obermarschall, schickte jedoch einige Leute mit dem Vogt von Samland dem Komtur von Ragnit zu Hilfe, der im litauischen Land, obwohl es gewarnt war, dennoch zwei Nächte blieb und folgende Länder verwüstete, nämlich: Eragelen, Pernarwe und Gesowe.

Im Herbst schickte derselbe Marschall leichte Abteilungen in das Land Drogotzen, wo sie vier Nächte blieben, mordeten und verwüsteten und 106 Menschen in die Gefangenschaft führten, ebenso 61 Pferde und 9 Schock (ein Schock – 60 Stück) Ochsen und Kühe. Der Komtur von Ragnit fuhr mit 100 seiner Leute auf Schiffen stromaufwärts gegen die Litauer, vernichtete zwei Höfe (Gehöfte) mit den Bewohnern beiderlei Geschlechts im Land Gesowe und erbeutete 20 Pferde und 9 Ochsen, die er mit sich führte.

Im Jahr 1371 war der Winter so feucht und unbeständig, dass man weder den Tribut von Karkus auf Schlitten nach Riga bringen noch irgendeinen Kriegszug unternehmen konnte.

Im selben Jahr, am Vorabend des Tages der Geburt des heiligen Johannes des Täufers (23. Juni), hielten der livländische Meister mit seinen Ordensgebietigern, der Bischof von Dorpat Johannes mit seinen Domherren, mit dem Vikar und dem Propst von Riga, den Vasallen beider Seiten, dem Lübecker Ratmann Johannes Schepenstede sowie anderen deutschen Kaufleuten und angesehenen, hochgestellten Russen sowohl aus Nowgorod als auch aus Pskow eine Tagfahrt vor der dem Bischof von Dorpat gehörenden Burg Frauenburg. In ihrer Versammlung wurde bis zum Vorabend von Peter und Paul (28. Juli) verhandelt, und dabei wurden die früheren Streitsachen entschieden. Der Meister und der Bischof von Dorpat verziehen um des teuren Friedens willen den Russen alle von ihnen bis zum Beginn des Krieges zugefügten Ungerechtigkeiten und Schäden. Der Meister gab auch den Kaufleuten ihre Güter im Wert von 30 000 Mark zurück, die ihnen während des Krieges zurückgehalten worden waren, als auf unrechtmäßige Weise, heimlich und gegen die Erlaubnis des Meisters, aber mit Wissen jener Kaufleute, diese Güter von den Russen gehandelt und gekauft worden waren. Ferner wurde bestimmt, dass beide Seiten ihre Länder und Grenzen in Fischerei, Flüssen und allem wie bisher behalten sollten.

Im selben Jahr, am Dienstag nach Bartholomäus (26. August), zogen Bruder Winrich von Kniprode, der Hochmeister, und der Obermarschall mit ihren Leuten zu Feld; dann teilten sie sich, und zwar fiel der Hochmeister in das Land Rossiene ein, das er samt aller Umgebung verwüstete, während der Marschall in das Land Widukelen (68) zog, das er ebenfalls verwüstete. Sie befanden sich fünf Meilen voneinander entfernt. Am folgenden Tag trafen sie sich im Land Waikene, zogen zusammen bis Eragelen, dann nach Pernarwe, Galwe, Gesow und Bastowe und in andere benachbarte Gegenden, die sie alle im Verlauf einer Woche mit Raub und Brand verwüsteten, wobei sie die Feldfrüchte vernichteten und viele in die Gefangenschaft führten.

Zur selben Zeit fiel Bruder Wilhelm, der livländische Meister, in das Land der Litauer ein und verwüstete folgende Gegenden, nämlich: Weltze, Minanen, Malow, Preweistke, Swainike, die Länder Opiten, Lipkow, Zwien, Strengew, Opitelaken, Ase, Wake, Slappeberze und Kalleberze; dann die Newese hinab zu beiden Seiten bis zum Hof Algeminen im Land Arwist, wo Algelminn, ein großer Bojar, seinen Wohnsitz gewählt hatte (69). Hier blieb er vier Tage. Ohne einen seiner Leute zu verlieren, kehrte er heim.

Derselbe livländische Meister vergrößerte die Burg Reval und befestigte sie mit zwei sehr starken Türmen und hohen Mauern; ferner baute er in Riga einen Turm oder ein Vorhaus beim Tor; ferner baute er dort Häuser für die kranken Brüder (70). Er machte auch andere große Ausgaben für gottgefällige Zwecke.

Im Jahr 1372, nach Fastnacht (nach dem 10. April), sammelte der Meister ein Heer gegen die Litauer, kehrte jedoch wegen Krankheit nach Riga zurück und schickte den Landmarschall und einige andere Ordensgebietiger in das Land Lankeniken (71). Dort blieben sie zwei Nächte, verwüsteten das Land samt der Umgebung und führten viele Gefangene, Pferde und Vieh mit sich fort.

Im selben Jahr, zur selben Zeit, waren in Preußen Leopold, Herzog von Österreich, mit 1 500 Pferden, die Grafen (richtiger Herzöge) Stephan und Friedrich von Bayern, ferner (zwei?) (o)polnische Herzöge, ferner der Landgraf von Luttenberg und der Graf von Halle (72) mit vielen anderen Tapferen, die alle gern gegen die Litauer gezogen wären; doch das Wetter ließ es nicht zu, da die Flüsse nicht zugefroren waren. Der Graf von Halle gelangte mit fünfzig anderen bis Riga, nach dem Sonntag Judica (nach dem 14. März); sie kehrten jedoch aus Mangel an Proviant und Pferdefutter nach Quasimodogeniti (nach dem 4. April) nach Preußen zurück.

Im selben Jahr, nach Mariä Himmelfahrt (15. August), unternahm Bruder Winrich von Kniprode, der Hochmeister, einen erfolgreichen Feldzug gegen die Litauer in das Land Medenike in der Gegend Persterwise und durchzog so mit dem Heer alle jene Länder jenseits der Nawese bis dorthin, wo die Nerge beginnt, und blieb dort 10 Tage (73).

Im selben Jahr, zur selben Zeit, brach der livländische Meister zwar mit einem Heer auf, war aber wegen Krankheit gezwungen umzukehren und schickte (an seiner Stelle) den Landmarschall, Bruder Andreas von Steinberg, der mit dem Heer die Länder der Heiden angriff. Den ersten Rastach, d. h. Lagerplatz, machte er in Kistenas, wo folgende Gegenden verwüstet wurden: nämlich Winapen, Weltzen und Malu. Den zweiten Lagerplatz machte er in Wedenste, wo folgende Gegenden verwüstet wurden, nämlich: Silnike, Barklene, Remigalle, Sukeine, Lisneinen, Zreibe. Den dritten Lagerplatz in Salkapen, wobei die Gegenden Weiseke, Waisewilte und Opiten verwüstet wurden. Der vierte Rastach, in Richtung der Samaiten, war in Eginten [1372]; verwüstet wurden dabei die Gegenden: Dauden, Knien, Burwe, Linkowe, Sasen. Der fünfte Rastach war Datinen; verwüstete Gegenden: Berze, Ramoe, Slapniberze, Megene, Datiske, Sasati, Wergo. Der sechste Rastach war in Andigenkuti; hier wurden die Gegenden verwüstet: Rammine, Babine, Gaidine, Karianowe, Labunowe, Pedins, Kapplius und Narmaine. Der siebte Rastach war bei Kralinowe, wobei die Gegenden verwüstet wurden: Ozitelake, Rady und Strenge. Der achte Rastach war Egglait, wobei verwüstet wurden: Swanike, Prewaisike und Newesenike. Der neunte Lagerplatz, Salweite, lag an der Newese; die dabei verwüstete Gegend heißt Wadachte (74).

Als im selben Jahr der livländische Meister und die Ordensgebietiger infolge einer Vorladung beim großen Kapitel in Marienburg in Preußen waren, am Tag nach dem heiligen Dionysius (10. Oktober), und auf dem Rückweg nach Rossitten (75) kamen, schickte ihnen der Komtur von Memel einen Brief mit der Warnung entgegen, dass 350 litauische Räuber uns am Meeresufer einen Hinterhalt gelegt hätten und dass er dies auch dem Vogt von Grobin geschrieben habe. Als wir aber am Vorabend des Tages der 11 000 Jungfrauen (20. Oktober) in Memel ankamen, empfing uns der Vogt von Grobin mit einigen Brüdern und Kriegern aus Kurland mit der Erklärung, alles sei sicher. Die ausgesandten Späher meldeten genau dasselbe. Dasselbe versicherte auch Bruder Heinrich von Rambow, der uns mit einigen anderen an der Heiligen Aa entgegenkam. Doch siehe! Als die Wagen und einige der Unseren den Fluss überschritten hatten, stürzte sich der Feind auf uns, erschlug zehn der Unseren und verwundete den genannten Bruder Heinrich. Gezwungen zurückzuweichen und unsere Kräfte zu sammeln, berieten wir, was weiter zu tun sei.

Als aber die Feinde sahen, dass wir nicht weniger tapfer waren, erhob sich auf beiden Seiten ein Kriegsgeschrei, das von neun Uhr bis zum Abend dauerte; die Unseren maßen sich mit den Feinden, flößten ihnen Furcht ein und schlugen sie in die Flucht, wobei einige von ihnen erschlagen wurden oder im Fluss umkamen.

Im selben Jahr verhandelte der Hochmeister, Bruder Winrich von Kniprode, an Allerheiligen (1. November) mit den litauischen Königen, nämlich mit Algirdas und Kęstutis, und befreite alle in Litauen befindlichen Gefangenen, für die Litauer ausgeliefert wurden.

Im Jahr 1373 führte der livländische Meister, Bruder Wilhelm von Vrimersheim, nach dem Tag des heiligen Valentin (14. Februar) ein Heer in das Land der heidnischen Litauer, wo er acht Nächte blieb, da die Einwohner nicht gewarnt waren. Den ersten Lagerplatz machte er vor der Burg Taurage, den zweiten im Dorf Gaweikene, den dritten im Dorf Nadunei, den vierten auf dem Hof des Girdemantes, den fünften im Dorf Eipare, den sechsten in Mulowe, den siebten in Labbenare, den achten vor der Burg Lengemene. Verwüstet wurden folgende Gegenden: Taurage, dann der Bezirk in Wittena, Antezelwe, Wideniske, das Land Enkretas, Silniks, Loumene, Gedereite, Oswiam Linnane, Dobinge, der Bezirk Geidojatten, Asdubingen, Anstischtirne mit dem Bezirk Lengemen. Gefangen genommen wurden etwa tausend Menschen beiderlei Geschlechts, die Erschlagenen nicht gerechnet, und viele Pferde erbeutet (76).

Im selben Jahr sammelte Bruder Andreas, der Landmarschall, wieder ein Heer von 350 Mann, mit dem er in der Nacht auf Oculi (vom 19. auf den 20. März), zur Stunde des ersten Schlafes, das Dorf bei der Burg Uzupalle plünderte, alle Einwohner erschlug und das Dorf selbst niederbrannte. Mit 70 Pferden kehrte er unversehrt heim.

Zur selben Zeit stand Sirogaile (Švitrigaila), der Sohn des litauischen Königs Algarde (Algirdas), mit 600 Bewaffneten vor der Burg Dünaburg, wo sie jedoch nur einige Häuser vor der Stadt verbrannten.

Im selben Jahr, nach Ostern (nach dem 17. April), schickte der Komtur von Mitau acht Auflaurer (Wegelagerer) (77) aus, die in ein litauisches Dorf kamen, in der Schenke sechzehn Menschen antrafen und sie in demselben Haus verbrannten, zwei aber gefangen nahmen und mit sich führten.

Im selben Jahr, am Samstag vor Quasimodogeniti (24. April), stand Andrei, Fürst von Polozk, mit seinen Leuten vor der Burg Dünaburg, wo er einige der Unseren mit ihren Pferden ergriff und mit sich führte.

Im selben Jahr, eine Woche nach Mariä Himmelfahrt (22. August), führte Bruder Winrich, der Hochmeister, seine Leute gegen die Litauer in das Land Austheiten, wo ihn König Kęstutis mit seinem Heer nicht durchließ. Der Hochmeister zog weiter in das Land an der Nerge, wo er durchzukommen hoffte. Doch der König hinderte ihn auch hier wie auch an einem anderen Übergang. Und so verwüstete der Hochmeister das Land um die Nerge bis Walkenberg. Dann führte er sein Heer in das Land Seimen (78) und blieb etwa zehn Nächte im Land der Heiden, wobei er ihnen viel Schaden zufügte.

Im selben Jahr, zur selben Zeit, begannen die Brüder den Bau einer Burg im Land der Selen (79).

Im selben Jahr wurde vom Meister eine Mühle mit sechs Rädern beim Sandberg vor der Stadt Riga erbaut.

Im Jahr 1374 war der Komtur von Dünaburg mit seinen Leuten am Vorabend von Christi Himmelfahrt (10. Mai) in Russland vor einer neuen Burg, wo auf der Burgbrücke drei Russen erschlagen und neun andere gefangen genommen wurden; ebenso wurden 120 Stück Großvieh erbeutet, die fortgetriebenen oder verzehrten Schafe nicht gerechnet.

Im selben Jahr, am Tag Mariä Geburt (8. September), war der Obermarschall mit zwei Abteilungen in Austeiten, in den litauischen Ländern, die er mit dem Heer drei Tage und drei Nächte lang verwüstete.

Im selben Jahr, zur selben Zeit, war der livländische Meister mit einem Heer fünf Tage und fünf Nächte in den litauischen Ländern, die er stark verwüstete; er erschlug auch einige Menschen und führte andere mit sich fort. Damals flohen in Livland verräterisch zwei Brüder zu den Litauern, nämlich Johannes Lanzeberg und Friedrich von Meißen, tapfere Männer, mit einem Wegführer namens Billene, und zwar mit allen Waffen und Sachen, von denen sie nichts zu Hause ließen, und mit vielen Pferden, nicht nur mit ihren eigenen, sondern auch mit solchen, die sie dem Meister und dem Vogt von Kandau gestohlen hatten.

Im selben Jahr, am Tag des heiligen Apostels Matthäus (21. September), zog der Komtur von Dünaburg mit 100 seiner Leute auf dem Landweg nach Russland, und als er die Düna zwei Meilen hinter sich gelassen hatte, rückten inzwischen die Fürsten von Polozk und Odrija (80) mit einem Heer vor die Burg Dünaburg, nahmen alles Vieh des Komturs und der Bauern, das auf der Wiese vor der Burg weidete, nämlich Kühe, Schafe, Schweine und Pferde, wie auch einen Mann, der den Fürsten die erwähnte Abwesenheit des Komturs gemeldet hatte. Daraufhin eilte Fürst Andrei von Polozk mit 250 seiner besten Leute ihm nach. Der Komtur hatte inzwischen zwei Späher hinter sich zurückgelassen, die, sobald sie davon erfuhren, sogleich zum Komtur eilten, der sich fünf Meilen von der Düna entfernt an einem Ort befand, wo er zu übernachten gedachte, und ihm alles berichteten. Der Komtur ging zurück durch die breite und weite Steppe, aber auf einem anderen Weg. Am folgenden Tag kamen sie unversehrt in die Burg Dünaburg. In derselben Nacht, noch vor der Rückkehr des Komturs, zog sich auch der übrige Teil des russischen Heeres voller Furcht von der Burg zurück. Am Tag danach kamen 50 Bewaffnete aus dem Gebiet von Rositten hierher, wo sie alles verwüstet hatten, und gelangten durch eine Furt bis zur Burg Dünaburg. Der Komtur konnte sie aus Mangel an Pferden nicht verfolgen. Als die Burg Dünaburg, wie man erzählt, von ihnen belagert wurde, floh in derselben Nacht ein Diener des Fürsten von Polozk in die Burg, der sagte, die Fürsten hätten, falls der Komtur zu Hause (in der Burg) geblieben wäre, drei Nächte vor der Burg stehen und inzwischen eine Abteilung, Sarnik genannt, bis nach Kreuzburg schicken wollen.

Im Jahr 1375 versammelten sich der Meister und die Gebietiger des Ordens aus allen Teilen Livlands zu einem zahlreichen Heer und gelangten am Tag der hl. Agatha (5. Februar) bis zu folgenden litauischen Gegenden, nämlich Taurage, Utten, Balniwe, Nadiske, Sessolen, Widenwske, Gedereiten und Teile des Landes Dubingen und Asdubingen (81), wo sie zehn Tage lang alles mit Feuer und Schwert verwüsteten, 600 Menschen beiderlei Geschlechts fortführten und dann unversehrt, mit dem Verlust nur eines einzigen Mannes, heimkehrten.

Es herrschte eine entsetzliche Kälte, und der Schnee lag tief und hart, sodass das ganze Heer nur einzeln, einer hinter dem anderen, vorankommen konnte. Bruder Andreas von Steinberg, der Landmarschall, der sein Amt 21 Jahre lang geschickt versehen hatte, starb infolge des Sturzes eines Baumes, der während dieses Feldzugs unvermutet auf ihn niederstürzte.

Im selben Jahr war der Großmarschall, Bruder Gottfried von Linden, mit den Leuten von Elbing, Brandenburg, Balga und Christburg sowie mit beiden samländischen Vögten und noch einigen Gästen aus Deutschland in Litauen. Am Tag der hl. Scholastika (10. Februar) verwüsteten sie die unten genannten Länder mit Raub und Brand. Er teilte sein Heer in drei Abteilungen, sodass die aus Christburg und Balga Gekommenen in einem Dorf namens Swirdekeinendorp übernachteten, der Marschall selbst und die Gäste aus Deutschland mit den samländischen Vögten in Swente-Azere, die aus Elbing und Brandenburg Gekommenen in Stagenisken. Am anderen Tag (11. Februar) zogen sie vereinigt nach Sanilisken, wo sie zum zweiten Mal übernachteten, nachdem sie die Vorhut gegen die Burg Traken und eine halbe Meile darüber hinaus zum Dorf Detargesdorp gewandt hatten, wo dann das ganze Heer übernachtete. Am anderen Tag kehrten sie zu der genannten Burg zurück, wo sie den König Keinstut antrafen, der mit dem Marschall verhandelte. Danach verwüsteten sie die Gegend an der Strebe bis zu ihrer Mündung in die Memel. So blieben sie sieben Nächte in den genannten litauischen Ländern und führten 715 Gefangene beiderlei Geschlechts mit sich fort, ohne diejenigen zu rechnen, die den Gästen zufielen [1375].

Im selben Jahr, bald nach der Rückkehr der Preußen, fielen in die Gegenden an der Düna Keinstut, der König von Litauen, mit drei Söhnen seines Bruders, des Königs Algerd, sowie mit dem Sohn des Fürsten von Smolensk, ferner Andrei, Fürst von Polozk, mit seinen Leuten am Freitag vor dem Sonntag Estomihi (2. März) ein. Sie teilten ihr Heer nach dem Beispiel der Preußen in drei Abteilungen, verwüsteten die Güter des hochwürdigen Erzbischofs von Riga und besonders die Besitzungen der Tiesenhausen, nämlich zuerst die Gegend von Kreuzburg, ferner Lokschteen, Barsone, Erle, Pepalge, Kessowen bis Baltowe, und führten Gefangene mit sich fort (82). Dem Orden jedoch vermochten sie wegen der Beschwerlichkeit des Weges und wegen des tiefen Schnees keinerlei Schaden zuzufügen, doch blieben sie eine Woche in den Ländern des Erzbischofs, obwohl sie selbst große Verluste erlitten. Denn sechs vom Komtur von Dünaburg gefangene Litauer sagten aus, dass sie wegen der Beschwerlichkeit des Weges mehr als 100 Pferde verloren hätten und dass 50 Mann getötet worden seien. Ebenso ertranken 50 mit allen Waffen bei der Burg Gerzike, wo sie versuchten, den Fluss zu durchschwimmen. Ferner lagen auf dem Weg, nahe der Burg Dünaburg, zwei Russen erschlagen – der eine namens Andrei, Sohn eines großen Bojaren aus Witenbeke, der sich wie ein König gebärdete, der andere aber ein großer Bojar aus Polozk namens Radeke, aus dem Gefolge des Königs.

Im selben Jahr war der Pfleger von Insterburg mit den Bewohnern von Samland und Natangen am Sonntag Laetare (nach dem 1. April) in Litauen, wo sie vom frühen Morgen bis zum Abend des folgenden Tages verwüsteten und 87 Gefangene mit sich fortführten, die Getöteten nicht gerechnet.

Im selben Jahr, am Freitag vor Judika (6. April), war der Vogt von Rositten mit 400 Einheimischen und Neugetauften im Land Polozk, das sie verwüsteten und aus dem sie 86 Menschen beiderlei Geschlechts und 100 Pferde fortführten. Am Palmsonntag (15. April) kehrten sie unversehrt heim.

Im selben Jahr machten sich 300 auserlesene Litauer am Ufer der Düna Kähne aus Baumrinde, auf denen sie bis zum Flecken Lixten (83) fuhren. Hier versteckten sie ihre Boote und drangen zu Lande bis in den Bezirk von Rositten vor. Der Komtur von Dünaburg und seine Leute, die von diesen Litauern Kunde erhalten hatten, zerstörten zuerst ihre Boote, erschlugen dann einen Teil der Litauer, insgesamt 200 Mann, wobei ihnen ihre Beute von 40 Menschen abgenommen wurde; der andere Teil aber wurde in die Flucht geschlagen und kam danach in der Wildnis um.

Im selben Jahr, nach Peter und Paul (nach dem 29. Juni), fiel der Komtur von Ragnit mit seinen Leuten und mit 300 Mann, die ihm der Großmarschall geschickt hatte, in das litauische Land Waiken ein, wo er alles mit Raub und Mord erfüllte. Die Litauer aber gingen ihnen in der Wildnis in den Rücken, und obwohl die Gefangenen dies voraussagten, zog der Komtur, alles Gerede der Gefangenen verachtend, weiter. Dafür erlitt er auch eine Niederlage. Denn als die Litauer sich alle in der Wildnis vereinigt hatten und, im Vertrauen auf ihre Überzahl, von vorn, von hinten und von beiden Seiten auf sie losstürzten, waren die Unseren gezwungen, ihre Beute und die Gefangenen zurückzulassen. Wie viele Heiden fielen, ist unbekannt; von den Unseren aber kamen der Komtur mit 11 Brüdern und 19 andere um. Außerdem nahmen die Litauer einen Ordensbruder und sieben Kriegsknechte gefangen.

Im selben Jahr, nach Mariä Geburt (nach dem 8. September), zog Bruder Robin, der livländische Landmarschall, gegen die Litauer nach Opiten. Als er dorthin kam, gingen einige Männer aus seinem Heer unbemerkt bis zu den litauischen Verhauen voraus, wo sie Litauer mit ihren Frauen, Kindern und ihrer Habe fanden, die vor dem preußischen Heer geflohen waren, das sich, wie weiter unten erzählt wird, zur selben Zeit in Litauen befand. Nachdem die erwähnten Plänkler (Struter) (84) sich so der Beute bemächtigt hatten, töteten sie einige von denen, die sich im Verhau befanden.

Als die Litauer aber ihre geringe Zahl sahen, begannen sie Widerstand zu leisten, nahmen ihnen die Beute wieder ab und töteten etwa 25 Gemeine von ihnen. Einer von ihnen jedoch kehrte schwer verwundet in der Nacht mühsam zum Heer zurück und meldete den Ausgang der Sache. Als der Morgen anbrach, fand der Landmarschall (mit seinen Leuten) die Leichen der Getöteten entblößt und ausgeplündert; sie verbrannten die Leichen und zogen dann weiter. Und sie blieben in dem erwähnten Land Opiten nur eine Nacht, erstens, weil ihr Heer sehr klein war, zweitens, weil das Land schon sechs Tage im Voraus gewarnt war.

Im selben Jahr, am Samstag nach Allerheiligen (3. November), zog Fürst Andrei von Polozk mit seiner ganzen Reiterei und seinen Booten vor die Burg Dünaburg. Er verbrannte das ganze Heu des Komturs und der Bauern, sodass nichts davon übrig blieb; er führte auch fünfzehn Menschen und die Pferde der Bauern mit sich fort. Ferner trieb er auch das Schlachtvieh des Komturs weg, das der Komtur danach ein ganzes Jahr lang entbehrte.

Im selben Jahr, am Tag des hl. Calixtus (14. Oktober), fand in Preußen in Marienburg ein großes Kapitel statt. Es ist zu bemerken, dass die livländischen Brüder dem Hochmeister das zum Kauf des Landes Reval geliehene Geld noch nicht vollständig zurückgezahlt hatten. Als die livländischen Brüder mit der Zahlung zögerten, erinnerte der Hochmeister sie daran und befahl ihnen, 10 000 (?) Mark in preußischer Münze zu zahlen, wonach sie von allen Ansprüchen seitens der preußischen Brüder völlig frei sein würden. Diese 5 000 Mark (85) zahlte einzig aus den Einkünften seines Amtes Bruder Albert von Brenken, damals Vogt von Wenden. Es ist zu bemerken, dass niemand von den livländischen Ordenswürdenträgern jemals bis zu dieser Zeit, solange er im Amt war, über eine solche Geldsumme verfügte wie er.

Im Jahr 1376, in der Woche nach Ostern (14.–20. April), vereinigten sich die Fußbrüder in Livland nach dem Beispiel der Struter, 600 an der Zahl (86), gegen die Heiden. Ihr Bannerträger und Anführer war Bruder Dietrich von Holtey, Komtur von Doblen. Im Land der Heiden angekommen, verwüsteten sie alles mit Feuer und Schwert, ergriffen 40 Menschen beiderlei Geschlechts sowie 59 Pferde und 40 Stück Großvieh, die sie alle mit sich fortführten, und erschlugen außerdem eine Menge, obwohl sie dort nur eine Nacht blieben. Diese verbrachten sie auf dem Hof eines Bojaren namens Drinigailo, den sie ebenfalls gefangen nahmen und mit sich fortführten.

Im selben Jahr, nach dem Fest Johannes des Täufers (24. Juni), verwüstete Keinstut, der litauische König, in Preußen die Gegenden zu beiden Seiten des Memelflusses bis Welow, indem er einen Einfall in das Land unweit der Burg Nerwekete (87) machte, die in der Gegend Nadrauen, 3 Meilen von der Stadt Welow, liegt. Von dort wandten sie sich zur Burg Insterburg, wo sie einen Überfall machten und etwa 400 Menschen beiderlei Geschlechts samt Kindern mit sich fortführten. Sie führten auch aus dem Gestüt bei der Burg Insterburg 50 Stuten mit zwei Zuchthengsten und 60 anderen Hengsten und Fohlen fort. Die Dorfbewohner verloren ihr ganzes Vieh und alle übrige Habe.

Im selben Jahr, nach dem Fest Petri Kettenfeier (nach dem 1. August), stand derselbe König vor der Burg Mitau, verbrannte die Vorstadt und trieb die auf der Weide gelassenen Pferde und das Vieh weg. Während dieses Feldzugs stand er vor der Burg Dobleen; und nachdem sie das Heu in beiden Burgbezirken verbrannt hatten, führten die Litauer aus ihnen etwa 40 Gefangene beiderlei Geschlechts fort.

Im selben Jahr, am Dienstag vor Mariä Himmelfahrt (12. August), waren der Komtur von Dünaburg und die Bewohner von Rositten und Selburg mit anderen Kriegsleuten des hochwürdigen Erzbischofs von Riga vor der Neuen Burg in Litauen jenseits von Dünaburg, wo sie 13 Menschen und 20 Pferde töteten und auch das Heu und das Getreide rings um jene Burg samt der Brücke verbrannten. Unterdessen lief ein Ordensbruder, Johann Wlower, als Verräter in die erwähnte Neue Burg über.

Zur selben Zeit stand der Fürst von Polozk mit seinem ganzen Heer vor der Burg Rositten; in einer Nacht verbrannte er alles vor der Burg, der Komtur aber erbeutete bei der Neuen Burg etwa hundert Schiffe, auf denen jener den Fluss heraufgekommen war, zerstörte einige davon und führte die anderen mit der ganzen Ladung fort.

Im Jahr 1376 zogen die Litauer durch das Land des Herzogs von Masowien bis in den Bezirk Soldau in der Komturei Osterode, wo sie, so unerwartet erschienen, etwa 800 Menschen töteten oder gefangen nahmen. Es ist zu bemerken, dass der König von Ungarn dem Herzog von Oppeln einige Länder überlassen hatte, die den Brüdern der litauischen Könige gehörten, nämlich Georg von Belz und Lubert von Luzik (88). Infolgedessen begann jener Herzog Feindseligkeiten und Überfälle auf die Länder der genannten Könige. Die Könige aber, darüber erbittert, riefen ihren Bruder Keinstut herbei, der mit seinem ganzen Heer ihnen zu Hilfe kam. Vereinigt fielen sie am Donnerstag vor Allerheiligen (30. Oktober) feindlich in das polnische Land ein und zogen, verwüstend, plündernd und mordend, die Weichsel hinauf bis 4 ½ Meilen vor Krakau. Dabei richteten sie unter Rittern, Edelleuten, Jungfrauen und ehrbaren Frauen eine solche Niederlage und solches Elend an, wie man es in vergangenen Zeiten niemals gehört hatte.

Im Jahr 1377 zogen der Großmarschall und die übrigen preußischen Ordensgebietiger zu Mariä Lichtmess (2. Februar) gegen die Litauer, wobei sie 11 Nächte im Land blieben und bis zur Burg und Stadt Wilna gelangten, wo damals König Algerd lebte; sie verwüsteten und beschädigten auch die Ernte schwer mit Feuer und Schwert. Unterdessen plünderten einige der Heiden die Maien (89), d. h. die Hütten, in denen der Proviant und das Futter für die Pferde für vier Tage aufbewahrt wurden, und verbrannten sie. Daher war der Marschall gezwungen, wegen Mangels an Lebensmitteln mit seinen Leuten umzukehren, was ihm auch ohne Schaden gelang.

Im selben Jahr zur selben Zeit zogen der Meister und die livländischen Brüder mit ihren Leuten gegen die Litauer, fielen am Tag der hl. Scholastika (10. Februar) bei ihnen ein, verwüsteten vier Nächte lang alles mit Mord und Brand und nahmen etwa 300 Menschen gefangen oder töteten sie. Sie konnten jedoch wegen des vielen Schnees nicht länger dort bleiben.

Im selben Jahr, am Vorabend des Palmsonntags (21. März), fiel König Keinstut mit seinen Söhnen und den Söhnen Algerds, seinen Vettern, mit einem großen Heer, das auch aus Russen bestand, feindlich in Kurland ein (niemand war zuvor davor gewarnt worden) und richtete für viele Jahre nicht wiedergutzumachenden Schaden im Gebiet von Goldingen und auf den Gütern der Domherren des kurländischen Stifts an durch Verwüstung, Raub und das Niedermachen von Vieh und Menschen. Die Zahl der Getöteten und Gefangenen belief sich auf 700, wobei auch einige Litauer gefangen genommen und getötet wurden. Damals wurde auch ein Bojar namens Pekste gefangen genommen, der Vogt des litauischen Königs in Traken, ein schändlicher Verächter und Peiniger der gefangenen Christen.

Im selben Jahr zog Bruder Robin, der Landmarschall, nach Trinitatis (nach dem 24. Mai) mit den Leuten von Wenden, Segewold, Kandau, Mitau und Dobleen in das Land Opiten, wo er alles mit Feuer und Schwert verwüstete, 120 Menschen gefangen nahm und mit sich fortführte und auch 280 Streitrosse und 260 Stück Großvieh wegtrieb. Gefangen genommen wurde auch die Frau eines Bojaren namens Kantalge mit seinen Söhnen und seinem ganzen Haus. Als dieser Bojar erkannte, dass sein Verlust nicht wiedergutzumachen sei, folgte er nach einigen Tagen seiner Frau und seinen Söhnen, nachdem er zuvor vom Meister freies Geleit erhalten hatte. Er kam nach Riga und versprach, zum Christentum überzutreten. Einige Tage später kam ebendorthin Biwane, der Sohn Egintes, eines Bojaren aus Opiten, mit einem Diener und vier Pferden.

Im selben Jahr starb Algarden, der oberste litauische König. Bei seinem Begräbnis wurde nach litauischem Aberglauben ein feierlicher Umzug abgehalten, wobei verschiedene Gegenstände und 18 Streitrosse verbrannt wurden.

Im selben Jahr führten der Meister und die Ordensgebietiger ein großes Heer die Düna hinauf zur Neuen Burg der Russen, die fast 11 Meilen jenseits unserer Burg Dünaburg lag; sie kamen dort am Tag des hl. Bartholomäus (24. August) an und stellten vier Belagerungsmaschinen sowie zwei andere Kriegsgeräte auf, sogenannte Huken. Etwa dreizehn Tage lang mühte sich der Meister tapfer mit der Belagerung dieser Burg, erreichte aber nichts.

Im selben Jahr, am Freitag vor Mariä Geburt (4. Sept.), unternahmen Hochmeister Winrich und andere Ordensgebietiger einen Einfall in die litauischen Länder Widukelen und Krasien und in andere benachbarte im samaitischen Königreich, wobei sie acht Tage lang alles verwüsteten, mordeten und brannten. In diesem Heer befand sich auch der Herzog von Österreich mit seinen Leuten und Hauptleuten, etwa 100 Mann an der Zahl.

Im selben Jahr zur selben Zeit war der König von Ungarn mit einem zahlreichen Heer in den Ländern der Ungläubigen, nämlich der Lademarer (90). Nachdem er einen Teil davon verwüstet hatte, belagerte derselbe König die Burg Belse, in der Georg, der Sohn Narmantes (91), seinen Sitz hatte. Als der König jedoch fast sieben Wochen vor der Burg gelegen hatte, begann Georg Gefahr für sich und die Seinen zu fürchten und überließ dem König die Burg samt Land und Leuten. Der König nahm die Burg an und übergab sie seinen polnischen Räten. Und so gehört diese Burg, in der Häretiker lebten, jetzt zur ungarischen Krone. Der König nahm dann Georg mit Frau und Söhnen mit sich und schenkte ihm dafür eine Burg in Ungarn mit Leuten, Land und allen dazugehörigen Besitzungen und Gütern. Während der Belagerung der oben erwähnten Burg sandte der König eine Abteilung aus, die zwei andere russische Burgen eroberte.

Zur selben Zeit, als er die Burg noch belagerte, unterwarfen sich ihm freiwillig Koddere, der Bruder des verstorbenen litauischen Königs Algerd, und Lubert, der Sohn desselben Königs, mit ihren Frauen, Kindern und allen Hausgenossen (92). Sie ergaben sich seiner Gnade und schworen ihm Treue. Der König gab ihnen in Russland einige Burgen zurück, nahm aber zur Sicherheit ihre Söhne als Geiseln.

Gegen Ende desselben Jahres sandte Hochmeister Winrich den Komtur von Balga mit 600 Mann gegen die Häretiker. Er überfiel sie am Heiligen Abend (24. Dezember) und schlug sie unter großer Verwüstung, wobei er seine Zelte bis zur Burg Belitz (93) aufschlug. Nachdem er in einer Nacht die Gegend verwüstet hatte, nahm er 200 Menschen beiderlei Geschlechts gefangen. Sie hätten noch mehr fortgeführt, wenn das Tauwetter sie nicht gehindert hätte; und so kamen diese durch das Schwert um. Sie führten auch 1 000 Stück Großvieh und 100 Pferde mit sich fort.

Zur selben Zeit sandte der genannte Meister die Leute von Ragnit und Insterburg mit 500 Mann gegen die Litauer. Als sie zum Memelfluss kamen, fanden sie ihn aufgebrochen; das Eis war geborsten und so wenig fest, dass sie hier keinen Übergang bewerkstelligen konnten. Und so zogen sie weiter flussabwärts. Hier trafen sie auf eine solche Eisstauung, dass sie vorsichtig einer nach dem anderen hinübergingen. Dann fielen sie am Weihnachtstag (25. Dezember) in das Land Slawislow ein, in dem sie durch Verwüstung, Raub und Mord viel Schaden anrichteten, und führten von dort auch 100 Heiden beiderlei Geschlechts und 200 Pferde fort. Auf dem Rückweg mussten sie an beiden Ufern Brücken bauen und kehrten unversehrt heim (94).

Im Jahr 1378 sandte Bruder Wilhelm, Meister von Livland, den Landmarschall Bruder Robin gegen die Russen im Gebiet der Burg Mendelen, die den Heiden ergeben waren und sie unterstützten. Er griff am Sonntag nach Epiphanias (10. Januar) an und verwüstete das Land zwei Tage lang, indem er Menschen tötete, Wohnstätten niederbrannte und Vieh schlachtete; auch führten sie 300 Russen beiderlei Geschlechts und 400 Pferde mit sich fort.

Im selben Jahr, am Freitag vor dem Valentinstag (12. Februar), zog Bruder Wilhelm, der livländische Meister, mit seinen Leuten tapfer gegen die Litauer, nämlich nach Opiten, wo er 9 Tage und Nächte lang mordete, brannte und alles verwüstete und zerstörte. Das erste Nachtlager war in Linkow, das zweite in Sandenisk, das dritte in Ruden, das vierte in Loken; dann standen sie zwei Nächte vor der Burg Wilkenberg, das siebente Nachtlager war in Ballellen, das achte in Landukten, das neunte in Minanen (95).

Die Zahl der Gefangenen beiderlei Geschlechts belief sich auf 521, die Zahl der Pferde auf 723. Gefangen genommen wurden auch die Frau des Bojaren Wilegailen mit ihrer Tochter und drei Söhnen sowie Schoweminne mit seinem Sohn, ferner Mapteminne, ferner Rankene und Dungele, Billene und Gegert.

Im selben Jahr kehrte der unlängst übergelaufene Verräter Johann Lanzberg wieder zurück.



ZUSÄTZLICHE ANMERKUNGEN ZUR CHRONIK HERMANNS VON WARTBERGE

(Zusammengestellt nach den Angaben im dritten Band der „Geschichte Russlands“ von S. M. Solowjow.)


I

Er (Volkwin) eroberte Isbork ... erlegte den watländischen Russen einen Tribut auf.

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Mit dem Fall von Jurjew (Dorpat) im Jahr 1224 (siehe Heinrich von Lettland XXVIII, 5; in Prib. Sborn., Bd. I, S. 265) war die Unterwerfung der Länder der Letten und Esten im Baltikum abgeschlossen. Die Eroberer und der Papst verstanden jedoch sehr wohl, dass sich ihre Herrschaft im Land nur bei völliger Beseitigung des Einflusses der Polozker, Pskower und Nowgoroder auf die livländischen Eingeborenen festigen konnte, und dieser Einfluss bestand zweifellos seit ältesten Zeiten (siehe z. B. Heinrich von Lettland I, 3; in Prib. Sborn., Bd. I, S. 74). Die Beseitigung dieses Einflusses konnte aber nur durch weitere Eroberungen erfolgen, und zwar nun schon rein russischer Länder.

Offene Versuche solcher Eroberungen zeigten sich etwa 15 Jahre nach der Taufe Jurjews. Als Erste traten die Schweden auf, die schon unter Bischof Albert versucht hatten, sich in Livland festzusetzen, damit aber keinen Erfolg hatten (Heinrich von Lettland XXIV, 3; in Prib. Sborn., S. 235).

In Schweden endete der Kampf zwischen dem gotischen und dem schwedischen Herrscherhaus um 1222, zwei Jahre vor der Einnahme Jurjews und dem Erscheinen der Tataren in Russland. Der Kampf endete mit der Stärkung der Macht der Großen, unter denen das Geschlecht der Folkunger, das erblich die Würde des Jarls innehatte, den ersten Platz einnahm. Der Vertreter dieses Geschlechts, Birger, entschloss sich, vom Papst angetrieben, einen Kreuzzug gegen die Nowgoroder Länder zu unternehmen, mit dem unmittelbaren Ziel, sie dem Katholizismus zu unterwerfen. Im Jahr 1240 erschien das schwedische Heer an der Mündung der Ischora. Als der Nowgoroder Fürst Alexander Jaroslawitsch von Birgers Absicht erfuhr, gegen Ladoga zu ziehen, griff er, ohne weder auf Hilfe von seinem Vater noch auf die allgemeine Sammlung aller Kräfte des Nowgoroder Landes zu warten, mit einer kleinen Gefolgschaft am 15. Juli 1240 die Schweden an und brachte ihnen an den Ufern der Newa eine entscheidende Niederlage bei, wofür er auch den Beinamen Newski erhielt. In der Erzählung von den Taten des Fürsten Alexander werden die Schweden nicht anders als Römer genannt. Die Schweden hatten den Krieg im Namen des Katholizismus begonnen, darum hatte der Sieg an der Newa für Nowgorod und die übrige Rus religiöse Bedeutung.

Die Schweden waren zurückgeschlagen, aber nicht so leicht war es, mit den livländischen Deutschen fertigzuwerden, die ebenfalls im Namen des Katholizismus nach weiteren Eroberungen strebten. Nach dem Fall Jurjews griffen sie die Pskower Länder an, und im Jahr 1233 nahmen sie gemeinsam mit den aus Nowgorod vertriebenen russischen Fürsten (Boris Negotschewitsch u. a.) und dem Fürsten Jaroslaw, dem Sohn Wladimirs von Pskow, Isborsk ein, doch die Pskower nahmen ihnen die Stadt wieder ab. Im selben Jahr griffen die livländischen Deutschen die Nowgoroder Länder an; da fiel der Nowgoroder Fürst Jaroslaw im Jahr 1234, vereint mit den Pskowern und den Perejaslawler Regimentern, selbst in Livland ein, lagerte vor Dorpat, schlug die Livländer und schloss mit ihnen Frieden „nach seinem ganzen Recht“, – wovon schon in der Einleitung zu diesem Band, S. VII, die Rede war.

Der Frieden nach Recht dauerte nicht länger als sechs Jahre. Gleichzeitig mit Birger erhoben sich auch die Livländer. Im September 1240, also schon nach der Niederlage der Schweden, nahmen sie zusammen mit dem Fürsten Jaroslaw Wladimirowitsch erneut Isborsk ein. Die Pskower eilten zum Entsatz herbei, wurden aber geschlagen, verloren ihren Woiwoden Gawrila Gorislawitsch (nach deutschen Quellen Gerwold) und flohen, die Deutschen aber rückten ihnen auf den Fersen vor Pskow, brannten die Vorstädte und die umliegenden Dörfer nieder und standen eine ganze Woche vor der Stadt. Die Pskower mussten alle ihre Forderungen erfüllen, gaben ihre Kinder als Geiseln und ließen Ordensbrüder zur Verwaltung Pskows zu sich herein. Zusammen mit den Ordensbrüdern begann ein gewisser Twerdilo Iwanowitsch Pskow zu regieren, ein Pskower Verräter, der, wie der Chronist behauptet, die Deutschen gegen Pskow geführt hatte.

Mit der Einnahme Pskows begnügten sich die Ordensbrüder nicht: Sie überfielen die Wotische Pjatina (die watländischen Russen bei Wartberge), erlegten den Bewohnern einen Tribut auf und legten im Pogost Koporje (Kaporie bei Wartberge) eine Festung an, begannen die Nowgoroder Länder auszuplündern und zu verwüsten und erschienen etwa 30 Werst vor Nowgorod, wobei sie Kaufleute erschlugen. Die Nowgoroder sahen sich gezwungen, sich an Jaroslaw zu wenden, damit er ihnen wieder seinen Sohn Alexander (Newski) schicke, der nach dem Sieg über Birger im selben Jahr Nowgorod verlassen hatte, nachdem er sich mit den Bewohnern dieser Stadt überworfen hatte.

Fürst Alexander Jaroslawitsch kam im Jahr 1241 nach Nowgorod und zog sogleich gegen die Livländer nach Koporje, nahm die Festung ein, führte ihre deutsche Besatzung nach Nowgorod und ließ die Verräter unter den Woten und Tschuden aufhängen, die zusammen mit den Deutschen gegen die Russen gekämpft hatten.

Nach der Einnahme von Koporje rückte Alexander Newski im folgenden Jahr 1242, als ein russisches Heer aus dem Nisowaja-Land zu Hilfe gekommen war, vor Pskow und nahm es ein, wobei 70 Ritter mit einer Menge einfacher Kriegsknechte umkamen. Gleich darauf zog Alexander in die livländischen Länder und lieferte am 5. April 1242 bei Sonnenaufgang den Livländern eine Schlacht auf dem Pskower See, auf dem Eis selbst. Diese Schlacht heißt in den russischen Chroniken die Schlacht auf dem Eise. Die Deutschen wurden vernichtend geschlagen; sie verloren 500 Mann an Toten und 50 an Gefangenen, von den Tschuden aber (richtiger: den einfachen Kriegsknechten) kam eine unzählige Menge um. Alexander kehrte im Triumph nach Pskow zurück; die gefangenen Ritter führte man zu Fuß neben ihren Pferden, und die Pskower, Äbte und Priester mit Kreuzen zogen dem Fürsten entgegen.

Nach dieser Schlacht auf dem Eise reiste Fürst Alexander nach Wladimir, um sich von seinem Vater zu verabschieden, der zur Horde aufbrach. In seiner Abwesenheit schickten die Livländer Gesandte mit einer Ehrerbietung nach Nowgorod, die sprachen: „Was wir mit dem Schwert besetzt haben – Wot, Luga, Pskow, Letgola –, von alledem sagen wir uns los; so viele Leute von euch wir gefangen genommen haben, die tauschen wir aus: Wir lassen die Euren frei, und ihr lasst die Unseren frei.“

Darauf schloss man Frieden. Die livländischen Ritter, von den Pskower und Nowgoroder Ländern zurückgeschlagen, richteten ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Vollendung der Unterwerfung Kurlands.


II

Mindow empfing die Taufe ... Die Kuren fielen zum zweiten Mal in den Unglauben ... Mindow fiel vom Glauben ab.

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Mindow – das ist der litauische Fürst Mindaugas. Seine Annahme des Christentums und sein späterer Abfall vom Christentum bilden ein Ereignis, das es verdient, daran zu erinnern. Der Deutsche Orden erschien auf die Einladung Konrads, des Fürsten von Masowien (siehe Einleitung zu diesem Band, S. VI), im Jahr 1228 in Preußen; die Ritter betraten das rechte Ufer der Weichsel an der Stelle, wo sich die heilige Eiche der Heiden erhob, und befestigten sich unverzüglich an diesem Punkt. Hier legten sie 1231 eine befestigte Stadt an und nannten sie Thorn, zum Zeichen dafür, dass sich ihnen das Tor nach Preußen öffnete (Thor – Tor). Die Heiden stürzten herbei, um die neue Festung zu zerstören, aber vergebens: Die Ritter schlugen die Angriffe ohne besondere Mühe ab und drangen selbst allmählich in die Länder der Prußen vor; die Burgen der prußischen Ältesten fielen eine nach der anderen, und in den von den Ankömmlingen besetzten Ländern begann man an militärisch auch nur einigermaßen bedeutenden Punkten feste Burgen anzulegen und zu errichten.

Der Deutsche Orden setzte sich in Preußen dank dem Umstand fest, dass dieses Land (siehe Einleitung zu diesem Band, S. VII) in 11 Gebiete geteilt war, die durch keinerlei politisches Bündnis miteinander verbunden waren. Infolge dieser Zersplitterung konnten die Prußen ihrer Verteidigung keine Einheit verleihen, sie konnten im Kriegswesen nicht mit der kriegerischen Bruderschaft wetteifern, die Verstärkungen von außen erhielt, und erlitten selbst dann Niederlagen, wenn sie in einer Zahl ins Feld zogen, die das Ritterheer um das Doppelte übertraf.

Zur Festigung seiner Macht handelte der Orden ebenso energisch wie geschickt: Mit Vergünstigungen lockte er deutsche Kolonisten in die neu gegründeten Städte, die unterworfenen Landstücke vergab er als Lehen an zuverlässige deutsche Zuwanderer, den gewaltsam getauften Prußen nahm er die Kinder weg und schickte sie zum Lernen nach Deutschland. Mit einem Wort: Indem der Orden die prußischen Länder eroberte, germanisierte er sie zugleich.

Die Prußen, erbittert durch Bedrückungen, schwere Arbeiten und den Hochmut ihrer Sieger, verließen die Heimat und flohen in Scharen entweder über den Njemen zu ihren Stammesverwandten, den Litauern, oder zum pommerellischen Fürsten Swantopolk, der anfangs ein tätiger Verbündeter des Ordens gewesen war, aber bald erkannte, dass die Ritter ungleich gefährlicher waren als die räuberischen Prußen, und darum die Partei der Heiden ergriff. Swantopolk wiegelte vier prußische Gebiete zum Aufstand auf, vernichtete eine Menge Ankömmlinge, führte Frauen und Kinder in die Gefangenschaft, schleifte viele Ordensburgen bis auf den Grund, kämpfte ganze 12 Jahre mit den Rittern, konnte aber dennoch nichts gegen die Bruderschaft ausrichten, die sich leicht mit frischen Kräften der Kreuzfahrer auffüllte, die aus Westeuropa dem Orden zu Hilfe zogen. 1253 musste er mit dem Orden endgültig Frieden schließen und die Prußen ihrem Schicksal überlassen.

Im folgenden Jahr 1254 kam ein großes Kreuzfahrerheer nach Preußen unter der Führung von Přemysl Ottokar, König von Böhmen, Otto, Markgraf von Brandenburg, und Rudolf, Graf von Habsburg, dem Stammvater des österreichischen Hauses.

Der Orden unternahm mit diesen Kreuzfahrern die Eroberung des prußischen Gebiets Samland, das nördlich jenseits des Pregels lag. Dieses Gebiet wurde furchtbar verwüstet, und die Ritter legten darin zu Ehren des böhmischen Königs eine neue Stadt an, die Königsberg (Królewiec) genannt wurde.

Die Ritter fassten, wie es schien, festen Fuß in Preußen, aber sie mussten bald doch mit eben jenen räuberischen Litauern rechnen, zu denen die Prußen geflohen waren, die sich den Ankömmlingen nicht unterwerfen wollten. Die Litauer lebten, gleich den Prußen, getrennt in ihren Ländern, und ihre Fürsten kannten, gleich den prußischen, ebenfalls keinerlei politisches Bündnis untereinander und befassten sich nur mit räuberischen Einfällen bei den Nachbarn. So wild die Litauer auch waren, sie begriffen doch die Gefahr, die ihnen über den Njemen von Seiten der Deutschordensritter und vom Norden von Seiten des livländischen Zweiges dieser kriegerischen Bruderschaft drohte. Die Gefahr, ihre Unabhängigkeit zu verlieren und zur Beute des Ordens zu werden, trieb die litauischen Fürsten dazu, nach Alleinherrschaft zu streben, die allein ihrem Handeln Einheit verleihen konnte. Unter den litauischen Fürsten beginnt sich Mitte des 13. Jahrhunderts Mindaugas zu erheben, ein grausamer, listiger Fürst, der in den Mitteln zur Erreichung seines Ziels nicht wählerisch war und vor keiner Missetat zurückschreckte, wenn sie ihm vorteilhaft schien.

Lange führte Mindaugas innerhalb Litauens Kampf mit seinen Verwandten. Vielleicht hätte er sie alle zugrunde gerichtet, aber vom Norden lenkte ihn unaufhörlich der Livländische Orden ab und vom Süden die Rus, vor allem der berühmte Fürst Daniel von Galizien, der sogar ein Verwandter des Mindaugas war, denn eine Nichte des Mindaugas war mit diesem Fürsten verheiratet. Die Brüder von Daniels Frau, Tautvilas und Edivid, waren mit Mindaugas verfeindet, und als sie erfuhren, dass Mindaugas sie umbringen wollte, flohen sie zu Daniel, der ihre Partei ergriff.

Um diese Zeit versöhnten sich die Livländer (siehe oben Anm. I) mit den Russen und richteten ihre Anstrengungen auf die Unterwerfung Kurlands, dessen Bewohner sich an Mindaugas mit der Bitte wandten, er möge sie vor den Rittern schützen und in seine Untertanenschaft aufnehmen. Mindaugas willigte gern in eine solche Bitte ein, doch als er sah, dass sein Neffe Tautvilas nach Riga gekommen war, wo er die Taufe empfing und darauf hinwirkte, den Orden zu gemeinsamem Vorgehen mit Daniel von Galizien gegen Litauen zu bewegen, griff Mindaugas zu folgendem Mittel: Er schickte heimlich dem Meister des Livländischen Ordens Andreas Stirland (von Stirland) reiche Geschenke mit dem Angebot: „Wenn du Tautvilas tötest oder vertreibst, bekommst du noch mehr.“ Der livländische Meister nahm die Geschenke an, antwortete aber, er hege zwar starke Freundschaft für Mindaugas, könne aber mit einem Heiden keinerlei Abmachungen eingehen. Da erbat Mindaugas eine Zusammenkunft mit dem Meister, traf ihn persönlich und ließ sich katholisch taufen, ohne sich im Geringsten daran zu stören, dass er schon 1246 orthodox getauft worden war.

Der Papst nahm ihn, sobald er die Nachricht von der Taufe des Mindaugas erhalten hatte, unverzüglich unter den Schutz des hl. Petrus, wies den Bischof von Riga an, dass niemand den Neubekehrten zu kränken wage, und beauftragte den Bischof von Kulm, Mindaugas mit der Königskrone zu krönen.

Mindaugas erhielt den Königstitel, blieb aber derselbe Heide, der er gewesen war: Er opferte seinen Göttern wie früher und gab sich nur in den Augen des Ordens als eifriger Katholik. Tautvilas floh nach Schemaiten zu seinem Onkel Vykintas und begann sich auf den Krieg mit Mindaugas vorzubereiten, dem die Deutschen zu Hilfe kamen.

Fürst Daniel schickte Tautvilas ein russisches Hilfsheer, doch der 1252 begonnene Krieg hatte keinerlei entscheidende Ergebnisse; im folgenden Jahr fiel Daniel selbst in Litauen ein, aber auch die Litauer blieben nicht zu Hause: Der Sohn des Mindaugas verwüstete die Umgebung von Turijsk. Endlich versöhnten sich die Gegner im Jahr 1255: Der Sohn des Fürsten Daniel, Schwarn, heiratete die Tochter des Mindaugas, und sein älterer Bruder Roman erhielt einige Länder.

Mindaugas schien immer noch ein eifriger Sohn des Papstes und vermachte einmal dem Deutschen Orden ganz Litauen, doch gleich darauf, Orden und Papst betrügend, stiftete er bis 1259 die Prußen zu einem allgemeinen Aufstand an und überschwemmte Kurland mit Scharen von Litauern. Die Litauer machten sich daran, die Ordensländer auszuplündern; eine Abteilung Ritter zog gegen die Räuber aus, erlitt aber an den Ufern der Dubra eine entscheidende Niederlage. Die Litauer zersprengten die Ordensabteilung und verbrannten die gefangenen Ritter als Opfer für ihre Götter. Dieser Sieg diente als Zeichen zum Aufstand der Prußen zur Vernichtung der Christen. Die Bewohner jedes Gebiets wählten sich eigene Anführer, die alle in Deutschland erzogen worden waren, und überfielen an einem verabredeten Tag im Jahr 1260 die Christen, erschlugen alle, die sich nicht rechtzeitig in den Burgen hatten verbergen können, und brannten die christlichen Häuser und Kirchen nieder.

Mindaugas wartete immer noch ab und entschloss sich erst, als er sah, dass seine Stammesverwandten, die Prußen, einen allgemeinen Aufstand begonnen hatten, offen zu handeln: Er sagte sich 1260 vom Christentum und vom Königstitel los und fiel mit einem Heer in Preußen ein, wobei er nach damaligem Kriegsbrauch alles, was ihm begegnete, Feuer und Schwert preisgab. Die Ritter, mit Verstärkung aus Deutschland, zogen gegen die Aufständischen, erlitten aber in zwei blutigen Schlachten schwere Niederlagen: Nur zwei Gebiete, die der Orden als erste besetzt hatte, blieben ihm treu, wofür sie von den Litauern und Prußen völlig verwüstet wurden.

So begann in Preußen der Aufstand, der 14 Jahre dauerte. Nachdem er die preußischen Ordensländer ausgeplündert hatte, kehrte Mindaugas nach Litauen zurück und wurde, wie der Chronist sagt, so stolz, dass er niemanden als sich ebenbürtig anerkannte.

Im Jahr 1262 starb Mindaugas’ Frau, um die er sehr trauerte. Die Verstorbene hatte eine Schwester, die mit Daumantas, dem Fürsten von Nalšia, verheiratet war; Mindaugas ließ ihr sagen: „Deine Schwester ist gestorben, komm hierher, um sie zu beweinen.“ Als jene kam, sagte er: „Deine Schwester hat mir sterbend befohlen, dich zu heiraten, damit keine andere ihre Kinder quäle“ – und heiratete seine Schwägerin. Daumantas, darüber erbittert, sann darauf, wie er Mindaugas umbringen könne, und fand einen Verbündeten im schemaitischen Fürsten Treniota, dem Neffen des Mindaugas von dessen Schwester. 1263 schickte Mindaugas sein ganzes Heer über den Dnjepr gegen den Fürsten Roman von Brjansk, Daumantas aber, der sich im Heer befand, erklärte, eine günstige Zeit abpassend, den anderen Anführern, die Zauberer hätten ihm Böses vorausgesagt, und kehrte darum nach Litauen an den Hof des Mindaugas zurück; er überraschte Mindaugas und tötete ihn zusammen mit zwei Söhnen. Treniota begann an Mindaugas’ Stelle in Litauen zu herrschen.

Unterdessen eröffnete der Orden, der starke Verstärkungen aus Deutschland erhalten hatte, Angriffshandlungen gegen die aufständischen Prußen. Der Kampf nahm den früheren Charakter an: Jedes Gebiet verteidigte sich wieder für sich und konnte natürlich den Rittern nicht standhalten. Nach dem Aufstand von 1260 erhoben sich die Prußen noch viermal, aber alles war vergeblich: Bis 1283, nach einem Kampf, der mehr als 50 Jahre gedauert hatte, setzte sich der Deutsche Orden endgültig in Preußen fest und eröffnete unverzüglich den Vormarsch nach Litauen. Von dieser Zeit an verlagert sich der Hauptschauplatz des Kampfes der Ritter mit den litauischen Stämmen von den Ufern der Weichsel und des Pregels an die Ufer des Njemen.


III

Die Russen besetzten Dorpat ... Dmitri, der russische König, sammelte ein vieltausendköpfiges Heer ... in der Schlacht bei der Kirche von Maholm fiel der hochwürdige Bischof Alexander.

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Der 1242 (siehe Anm. I) zwischen Pskowern, Nowgorodern und Livländern geschlossene Frieden dauerte nicht lange – alles in allem etwa zehn Jahre; offene Feindschaft brach, bei völliger Unbestimmtheit der Beziehungen und Grenzen, im Jahr 1256 aus. In diesem Jahr zogen die Schweden und Dänen mit den Finnen die Narva entlang und begannen an diesem Fluss eine Stadt zu bauen. Die Nowgoroder, die zu dieser Zeit ohne Fürsten waren, schickten in das Susdaler Land zu Alexander (Newski) um Regimenter und sandten auch in ihrem Gebiet umher, um ein Heer zu sammeln; der Feind erschrak über diese Vorbereitungen und zog über das Meer ab.

Doch schon früher, 1253, brachen die livländischen Deutschen, ermutigt durch die Erfolge in Litauen, den Vertrag, rückten vor Pskow, brannten seine Vorstädte nieder, konnten aber die Stadt selbst nicht einnehmen, und als sie hörten, dass Pskow ein Nowgoroder Regiment zu Hilfe komme, hoben sie die Belagerung auf und zogen ab. Die Nowgoroder begnügten sich nicht mit diesem Abzug, sondern zogen selbst über die Narva und „legten das deutsche Gebiet wüst“. Die Pskower ihrerseits drangen ebenfalls in Livland ein und schlugen ein deutsches Regiment, das ihnen entgegengezogen war. Da schickten die Deutschen nach Pskow und Nowgorod, um Frieden ganz nach dem Willen Nowgorods und Pskows zu bitten – und schlossen Frieden.

Der Frieden dauerte bis 1262. In diesem Jahr verabredeten die russischen Fürsten – Newskis Bruder Jaroslaw und sein Sohn Dmitri – zusammen mit Mindaugas von Litauen, Treiwit von Schemaiten und Tautvilas von Polozk (hier schlossen die Russen zum ersten Mal ein Bündnis mit den Litauern), gemeinsam gegen den Orden loszuschlagen. Mindaugas erschien vor Wenden, kehrte aber, ohne die Russen abzuwarten, nach Litauen zurück, nachdem er das Land verwüstet hatte. Die Russen belagerten nach dem Abzug der Litauer ihr altes Erbe Jurjew, nahmen und verbrannten die Vorstädte, machten viele Gefangene und allerlei Güter, konnten aber die Festung von Jurjew nicht einnehmen, denn die Stadt Jurjew war, wie sich die Chronik ausdrückt, fest in drei Mauern, und eine Menge Leute aller Art darin, und sie hatten sich eine starke Verteidigung für die Stadt gebaut.

Die Russen zogen aus Livland ab. Es vergingen etwa 5 Jahre, in denen weder Frieden noch Krieg war: Weder überschritten die Livländer die Pskower und Nowgoroder Länder, noch griffen die Russen die Ordensländer an. In dieser Zeit fanden in Litauen heftige Fehden statt, und einer der litauischen Fürsten, namens Daumantas, erschien mit seiner Gefolgschaft und seinem ganzen Geschlecht in Pskow, nahm den orthodoxen Glauben und den Namen Timofej an und wurde von den Pskowern auf den Thron des hl. Wsewolod gesetzt. Daumantas wurde bald berühmt durch erfolgreiche Feldzüge gegen seine räuberischen Stammesverwandten, gegen Litauen. Im Jahr 1267 schickten sich die Nowgoroder an, gegen die Litauer zu ziehen, besannen sich aber unterwegs anders, zogen über die Narva gegen Rakowor (Wesenberg), verwüsteten viel Land, nahmen aber die Stadt nicht ein und kehrten, nachdem sie sieben Mann verloren hatten, heim; bald aber entschlossen sie sich, einen bedeutenderen Feldzug zu unternehmen. Nachdem sie sich mit ihrem Possadnik Michail beraten hatten, schickten sie nach dem Sohn Newskis, dem Fürsten Dmitri Alexandrowitsch, um ihn mit seinen Regimentern aus Perejaslawl zu rufen, schickten auch zum Großfürsten Jaroslaw, und dieser sandte seine Söhne mit einem Heer. Da suchten die Nowgoroder Meister, die Mauerbrecher zu bauen verstanden, und begannen auf dem Hof des Erzbischofs Wurfmaschinen herzurichten. Die Deutschen – die Rigaer, Felliner, Jurjewer –, als sie von solchen Rüstungen hörten, schickten Gesandte nach Nowgorod, die den Bürgern erklärten: „Mit euch haben wir Frieden; rechnet ab mit den Dänen von Kolywan (Revalern) und den Rakoworern (Wesenbergern), wir aber schließen uns ihnen nicht an, und darauf küssen wir das Kreuz“, – und küssten tatsächlich das Kreuz.

Die Nowgoroder begnügten sich jedoch nicht damit und schickten nach Livland, um alle Bischöfe und Gottesedelleute (Ritter) zum Kreuzkuss zu bringen, und diese schworen, den Dänen nicht zu helfen.

Nachdem sie sich so von Seiten der Deutschen gesichert hatten, zogen die Nowgoroder unter der Führung von sieben Fürsten ins Feld, unter denen auch Daumantas mit den Pskowern war. Im Monat Januar 1268 zogen sie in das deutsche Land und begannen es nach dem Brauch zu verwüsten: An einem Ort fanden die Russen eine riesige, unzugängliche Höhle, in die sich eine Menge Tschuden versteckt hatte; drei Tage standen die Regimenter vor der Höhle und konnten den Tschuden auf keine Weise beikommen; schließlich kam einer der Meister, die bei den Maschinen waren, auf den Gedanken, Wasser hineinzuleiten; durch dieses Mittel wurden die Tschuden gezwungen, ihren Zufluchtsort zu verlassen, und wurden niedergemacht. Von der Höhle zogen die Russen weiter nach Rakowor, doch als sie am 12. Februar 1268 den Fluss Kegola erreichten, sahen sie plötzlich die deutschen Regimenter vor sich, die wie ein dichter Wald standen, denn das ganze deutsche Land hatte sich versammelt, nachdem es die Nowgoroder mit einem falschen Eid betrogen hatte. Die Russen jedoch erschraken nicht, gingen über den Fluss auf die Deutschen zu und begannen die Regimenter aufzustellen: Die Pskower stellten sich auf die rechte Seite, Fürst Dmitri Alexandrowitsch mit den Perejaslawlern und mit dem Sohn des Großfürsten, Swjatoslaw, stellten sich ebenfalls auf die rechte Seite, etwas höher; auf die linke stellte sich ein anderer Sohn des Großfürsten, Michail, mit den Twerern, die Nowgoroder aber stellten sich Stirn an Stirn dem eisernen Regiment gegenüber, gegen das große „Schwein“ (die deutsche Keilformation), und in dieser Ordnung gerieten sie mit den Deutschen aneinander. Es war ein furchtbares Gemetzel – sagt der Chronist –, wie es weder die Väter noch die Großväter gesehen hatten; die Russen brachen die Deutschen und jagten sie sieben Werst weit bis zur Stadt Rakowor, doch teuer kam sie dieser Sieg zu stehen: Der Possadnik fiel mit 13 der angesehensten Bürger, viele andere gute Bojaren fielen, vom einfachen Volk aber ohne Zahl; andere blieben verschollen, darunter der Tausendschaftsführer Kondrat. Wie viele Feinde fielen, ist daraus zu ersehen, dass die russische Reiterei über ihre Leichen nicht vorankommen konnte; doch hatten sie noch frische Regimenter, die während der Flucht der übrigen sich als „Schwein“ in den Nowgoroder Tross keilen konnten. Fürst Dmitri wollte sie sofort angreifen, aber die anderen Fürsten hielten ihn zurück: „Es geht schon auf die Nacht zu“, sagten sie, „in der Dunkelheit geraten wir durcheinander und werden die Unseren schlagen.“ So standen beide Heere einander gegenüber und warteten auf die Morgendämmerung, um die Schlacht von Neuem zu beginnen; doch als es tagte, waren die deutschen Regimenter nicht mehr zu sehen: Sie waren in der Nacht geflohen. Die Nowgoroder standen drei Tage auf den Gebeinen (auf dem Schlachtfeld), am vierten brachen sie auf und führten die erschlagenen Brüder mit sich, die ehrenvoll ihr Leben hingegeben hatten, wie der Chronist sich ausdrückt.

Daumantas aber mit den Pskowern wollte den Sieg nutzen; sie verwüsteten Livland bis ans Meer und füllten nach ihrer Rückkehr ihr Land mit einer Menge Gefangener. Die Lateiner (Deutschen), nachdem sie den Rest ihrer Kräfte gesammelt hatten, eilten, sich an den Pskowern zu rächen – sie kamen heimlich an die Grenze, brannten einige Pskower Dörfer nieder und zogen wieder ab, ohne etwas Bedeutendes unternehmen zu können: Es waren ihrer nur 800 Mann, aber Daumantas jagte ihnen mit 600 Mann Gefolgschaft nach und schlug sie. Im folgenden Jahr 1269 kam der Meister mit schwerer Heeresmacht vor Pskow: Zehn Tage standen die Deutschen vor der Stadt und mussten mit Verlust abziehen. Unterdessen erschienen die Nowgoroder zu Hilfe und jagten dem Feind nach, der jedoch noch über den Fluss entkommen konnte, und von dort aus schloss er Frieden ganz nach dem Willen Nowgorods.

Es blieb noch, mit den Dänen von Reval abzurechnen, und im selben Jahr schickte Großfürst Jaroslaw selbst seinen Sohn Swjatoslaw in das Nisowaja-Land, um Regimenter zu sammeln: Alle Fürsten versammelten sich, und eine unzählige Menge Kriegsvolk kam nach Nowgorod; auch der große Wladimirer Baskak namens Amragan war da, und alle zusammen wollten gegen Kolywan ziehen. Die Dänen erschraken und schickten, um Frieden zu bitten: „Wir schwören auf euren ganzen Willen, von der ganzen Narva sagen wir uns los, nur vergießt kein Blut.“ Die Nowgoroder bedachten es und schlossen unter diesen Bedingungen Frieden.



IV

Im Jahr 1323 unternahm der Stellvertreter des Meisters, Ketelhod, einen großen Feldzug gegen Pskow und eroberte das Pskower Land und die Stadt.

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Im Jahr 1269 versöhnten sich die Nowgoroder und Pskower, wie oben in der 3. Anm. gesagt, mit dem Orden, die Kriegshandlungen ruhten, während sich unterdessen in Litauen die Umstände so gestalteten, dass die Vereinigung der Rus, d. h. Westrusslands, mit Litauen kurz vor der Vollendung zu stehen schien. Gerade in dieser Zeit trat erneut der Sohn des Mindaugas auf die Bühne, berüchtigt für seine Unmenschlichkeit und Grausamkeit und die schroffen Wendungen in seinem Leben – Vaišvilkas. Er tötete noch zu Lebzeiten des Vaters, als Fürst von Nowogrudok und „im Heidentum verharrend“ – wie sich der Chronist ausdrückt –, jeden Tag drei, vier Menschen; an einem Tag, an dem er niemanden tötete, war er traurig, sobald er aber jemanden getötet hatte, wurde er heiter. Ebendieser Fürst nahm den orthodoxen Glauben an, ließ sich zum Mönch scheren, machte sich auf den Weg zum Berg Athos, kehrte aber infolge der Wirren auf der Balkanhalbinsel heim und baute sich ein eigenes Kloster am Njemen, zwischen Litauen und Nowogrudok.

Oben in der zweiten Anmerkung wurde erzählt, wie Mindaugas ermordet wurde und wer nach ihm in Litauen zu herrschen begann. Das war Treniota, der Fürst von Schemaiten. Er ließ seinem Bruder Tautvilas, der in Polozk herrschte, sagen: „Komm hierher, wir teilen das Land und die ganze Habe des Mindaugas.“ Der Bruder kam, doch bei der Teilung zerstritten sie sich: Tautvilas sann darauf, wie er Treniota töten könne, und Treniota darauf, wie er Tautvilas loswerden könne. Treniota wurde ihn tatsächlich los, indem er Tautvilas tötete; er herrschte nun allein, aber nicht lange: Vier Stallmeister des Mindaugas töteten, seinen Tod rächend, Treniota, als er ins Bad ging. So blieb der Sohn des Mindaugas am Leben – Vaišvilkas. Als er vom Tod seines Vaters erfuhr und um sein Leben fürchtete, floh er aus dem Kloster nach Pinsk; als er aber hier erfuhr, dass auch Treniota getötet war, zog er mit dem Pinsker Heer in Nowogrudok ein und von dort nach Litauen, wo er, von den Anhängern seines Vaters bereitwillig aufgenommen, im ganzen litauischen Land zu herrschen begann und seine Feinde vernichtete. Und er erschlug ihrer eine unzählige Menge, andere aber liefen davon – sagt der Chronist.

Vaišvilkas setzte sich in Litauen mit Hilfe seines Schwagers Schwarn Danilowitsch und dessen Onkels Wasilko Romanowitsch von Wolhynien fest, wobei er den Letzteren als seinen Vater und Herrn anerkannte, was nach damaligen Begriffen die Anerkennung der Abhängigkeit von Wasilko (dem Bruder des berühmten Daniel von Galizien) bedeutete. Litauen schickte sich an, unter der Herrschaft eines der Söhne Daniels endgültig mit der Rus zu verschmelzen, doch wurde eine solche Verschmelzung gleich am Anfang abgebrochen.

Im Jahr 1268 zog sich Vaišvilkas wieder ins Kloster zurück und übergab alle seine Besitzungen seinem Schwager Schwarn. Doch Schwarn starb kinderlos, und die Litauer riefen Vaišvilkas wieder aus dem Kloster, damit er ihr Land regiere. Schwarns Bruder, Lew Danilowitsch, wollte selbst seinem Bruder in Litauen nachfolgen, aber Vaišvilkas wollte das nicht. Es entstand ein Zwist, der damit endete, dass, als Vaišvilkas und Lew auf Einladung Wasilko Romanowitschs nach Wladimir-Wolynski kamen, um sich zu versöhnen, die Feinde sich bei einem Gelage im Kloster zerstritten und Vaišvilkas von Lew getötet wurde. Die Litauer wollten Lew nicht und wählten sich einen Fürsten aus ihrem eigenen Stamm – Traidenis. Von einer friedlichen Verschmelzung mit der Rus war seitdem keine Rede mehr.

Die ganze zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts verging in feindseligen Handlungen der Nowgoroder mit den Schweden, die den Gedanken noch immer nicht aufgaben, sich in den Nowgoroder Ländern festzusetzen, und der Nowgoroder und Pskower mit dem Livländischen Orden und den Litauern, die die russischen Länder an der Düna und am Peipus nicht in Ruhe ließen.

Die Schweden fielen in kleinen Abteilungen in den Jahren 1283, 1292, 1293, 1295 in die Nowgoroder Länder ein, erlitten aber Misserfolge; schließlich liefen sie im Jahr 1300 mit einem großen Heer in die Newa ein und errichteten an der Mündung der Ochta eine Stadt, die sie Landskrona (Krone des Landes) nannten. Das war schon kein einfacher Einfall mehr, sondern ein gefährliches Vorhaben, gegen das man entschiedene Maßnahmen ergreifen musste, und zwar mit allen Kräften. 1301 kam Großfürst Andrei den Nowgorodern zu Hilfe, belagerte Landskrona, nahm es ein, schleifte es und vernichtete die schwedische Besatzung teils, teils führte er sie in die Gefangenschaft. Den Schweden gelang es so nicht, sich in den Nowgoroder Ländern festzusetzen, aber ebenso wenig gelang es den Dänen, sich auf der russischen Seite der Narva festzusetzen: Die Nowgoroder verbrannten 1294 die von den Dänen angelegte kleine Stadt.

Die Befriedung zwischen den Nowgorodern und den Dänen und Schweden erfolgte 1302. Der Frieden dauerte jedoch nicht länger als 8 Jahre. Ab 1310 begannen wieder gegenseitige Einfälle, wobei sowohl die Nowgoroder als auch die schwedischen Länder Verwüstungen erlitten. Die Schweden und Dänen suchten sich in den Nowgoroder Ländern festzusetzen, und auch die livländischen Ritter gaben die Absicht nicht auf, sich Pskows zu bemächtigen. Im Jahr 1298 schlug Daumantas die livländischen Ritter von Pskow zurück. Das war seine letzte Heldentat: Im folgenden Jahr starb dieser berühmte Fürst, und die Pskower verloren einen ebenso tapferen wie klugen Anführer.

Der Orden versöhnte sich mit den Pskowern und ließ sie etwa 20 Jahre in Ruhe, doch 1322 erschlugen die Deutschen mitten im Frieden Pskower Kaufleute auf dem See und Fischer am Fluss Narva und verwüsteten einen Teil des Pskower Gebiets. Die Pskower konnten den Deutschen diese Tat nicht ungestraft lassen, obwohl sie sahen, dass sie aus eigener Kraft nicht mit dem Orden kämpfen konnten. Hilfe von den Nowgorodern zu bekommen war unmöglich, erstens, weil die Nowgoroder selbst mit dem Krieg gegen die Schweden beschäftigt waren, und zweitens, weil zwischen Nowgorod und Pskow schon Streitigkeiten begonnen hatten, da Pskow nicht unter der Vormundschaft seines älteren Bruders Nowgorod bleiben wollte. Auch von den russischen Fürsten, die mit ihren Fehden beschäftigt waren, war keine Hilfe zu erwarten, darum entschlossen sich die Pskower, sich nach Litauen an den Fürsten Dawyd zu wenden. Als dieser eintraf, zogen die Pskower mit ihm über die Narva und verwüsteten das Land bis vor Reval.

Die Deutschen blieben die Antwort nicht schuldig: Im März 1323 kamen sie mit aller Macht vor Pskow, standen drei Tage und drei Nächte vor der Stadt und zogen mit Schande ab, doch im Mai erschienen sie wieder, hochmütig geworden, wie der Pskower Chronist sagt, mit schwerer Macht, ohne Gott; sie kamen auf Schiffen, in Booten und zu Pferd, mit Mauerbrechern, beweglichen Belagerungstürmen und vielen Anschlägen. Beim ersten Sturm töteten sie den Possadnik; 18 Tage standen sie vor der Stadt, schlugen mit den Maschinen gegen die Mauern, schoben die Türme heran, legten Leitern an. In dieser Zeit eilten viele Boten aus Pskow zum Großfürsten Juri Danilowitsch und nach Nowgorod, mit vielem Kummer und Jammer, denn sehr schwer war es damals für Pskow, als plötzlich aus Litauen Fürst Dawyd mit seiner Gefolgschaft erschien, zusammen mit den Pskowern auf die Deutschen losschlug, sie über den Fluss Welikaja jagte, die Maschinen erbeutete und die Türme in Brand steckte. Und die Deutschen flohen mit Schande; der Großfürst Juri aber und die Nowgoroder halfen nicht – fügt der Pskower Chronist hinzu.

Zu der Zeit, als die Nowgoroder mit den Schweden und die Pskower mit dem Orden kämpften, ereigneten sich bei den Litauern, die ihre verheerenden Einfälle in alle umliegenden russischen, Pskower und Ordensländer fortsetzten, sehr wichtige Ereignisse, die für lange Zeit den ganzen Gang der Entwicklung Westrusslands bestimmten.

Es wurde oben gesagt, dass die Litauer nach der Ermordung des Vaišvilkas sich einen Fürsten aus ihrem Volk wählten. Unter Traidenis und seinen Nachfolgern setzte sich die früher, schon seit Mindaugas’ Zeiten, begonnene Festigung der litauischen Herrschaft in den russischen Fürstentümern – Polozk, Turow und teilweise Wolhynien – fort und wurde abgeschlossen. Im Jahr 1315 bewirkte der berühmte Gediminas einen Wechsel in der Dynastie der litauischen Fürsten. Die einen sagen, Gediminas sei Stallmeister des Fürsten Vytenis gewesen, habe ihn getötet und den Thron an sich gerissen; andere behaupten, Gediminas sei der Sohn des Vytenis gewesen und habe den litauischen Thron nach dem Tod des vom Blitz erschlagenen Vaters erhalten. Wie dem auch sei, Gediminas bemächtigte sich 1320 des Fürstentums Wladimir, dann des Fürstentums Luzk, und 1321 bemächtigte er sich auch Kiews, das sich ihm nach zweimonatiger Belagerung ergab. Andere russische Städte folgten dem Beispiel Kiews. Gediminas sammelte so die westliche Hälfte Russlands unter seiner Herrschaft, zu einer Zeit, als die östliche Hälfte sich unter der Herrschaft der Moskauer Fürsten, der Nachkommen des hl. Wladimir, sammelte. Russland teilte sich in zwei Hälften: die östliche (die Rurikiden) und die westliche (die Gediminiden). Es entstand das litauisch-russische Fürstentum, und den wichtigsten Teil des litauischen Heeres bildeten von dieser Zeit an Russen – Polozker, Bewohner von Nowogrudok, Grodno usw.

Der Deutsche Orden musste von dieser Zeit an nicht mehr mit einzelnen, kleinen Stämmen kämpfen, sondern mit einem ganzen Fürstentum, das immer mehr an Kraft und Bedeutung gewann.


V

Im Jahr 1323 schickten die Rigaer Bürger dem Papst Johannes XXII. Briefe im Namen des litauischen Königs.

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Im Jahr 1323 schickte Gediminas tatsächlich einen Brief an den Papst und drückte sich darin unter anderem so aus (siehe Anm. 278 zum 4. Band der Geschichte Russlands von Karamsin): „Wenn ich die Christen in Schlachten besiege, will ich sie nicht vernichten, sondern mich nur gegen Feinde verteidigen, gleich allen anderen Herrschern. Dominikaner- und Franziskanermönche umgeben mich: Ich gebe ihnen die Freiheit, in meinem Staat die Menschen zu lehren und zu taufen, ich selbst glaube an die Heilige Dreifaltigkeit, wünsche dir, dem Haupt der Kirche und Hirten der Könige, zu gehorchen, ich bürge auch für meine Großen: Bändige nur die Bosheit der Deutschen.“ Der Papst schickte unverzüglich Bartholomäus, Bischof von Alet, und Bernhard, Abt von Le Puy, nach Litauen.

Diese Gesandtschaft hatte keinerlei Erfolg, weil der Deutsche Orden 1324 von jenseits des Njemen erneut die Kriegshandlungen gegen die Litauer eröffnete. Darüber erzürnt, sagte Gediminas zu den Gesandten: „Euren Papst kenne ich nicht und will ihn nicht kennen; ich bekenne den Glauben meiner Vorfahren und bleibe bei ihm bis zum Tod.“


VI

Und wenn die Brüder nicht angefangen hätten, mit den Bürgern zusammenzuleben, so unterliegt es keinem Zweifel, dass die Bürger wieder, wie früher, sich mit den Heiden verschworen hätten.

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Die Erzählung von der Einnahme Rigas durch die Ritter bedarf einiger Erläuterung. Bischof Albert gründete den Schwertbrüderorden in der Absicht, eine Streitmacht zu schaffen, die, ihm untergeordnet, zur Festigung der deutschen und katholischen Herrschaft in Livland beitragen sollte. Die Ritter halfen dem Bischof tatsächlich, sich in Livland festzusetzen, wollten ihm aber nicht dauerhaft untergeordnet bleiben. Der Frieden zwischen den zwei Gewalten – der weltlichen und der geistlichen, zwischen den zwei Einrichtungen – den Bistümern und dem Orden – konnte sich nicht halten, und die Rivalität zwischen ihnen verwandelte sich bald in offene Feindschaft. Diese Feindschaft trat besonders unter Meister Bruno und Erzbischof Johann von der Vechte zutage. Riga unterstützte den Erzbischof, doch da die Streitkräfte der Stadt und des Erzbischofs für den Kampf mit den Rittern zu gering waren, wurden zu diesem Kampf die heidnischen Litauer gerufen. Ab 1297 begann ein verheerender Krieg zwischen dem Orden und dem Erzbischof. Im Lauf von 18 Monaten wurden neun Schlachten geliefert, in denen die Ritter fast immer Siege davontrugen, doch 1298 fiel der litauische Fürst Vytenis, der Vorgänger, wenn nicht der Vater des Gediminas, in Livland ein und brachte den Rittern an der Aa eine schwere Niederlage bei: Meister Bruno, 60 Ritter und eine Menge einfacher Kriegsknechte fielen in dieser Schlacht. Die Rigaer belagerten mit den Litauern die Ordensfestung Neuermühlen, doch hier kamen den livländischen Brüdern die Ordensbrüder aus Preußen zu Hilfe und schlugen das rigische und das litauische Heer.

Die livländischen Bischöfe, die die völlige Unmöglichkeit sahen, mit offener Gewalt gegen den Deutschen Orden zu kämpfen, entschlossen sich zu dem Versuch, auf anderem Weg vorzugehen. Zu dieser Zeit lief der Prozess gegen die Templer, der bekanntlich mit der Aufhebung dieses Ordens und der Verbrennung seines Meisters endete. Die livländischen Bischöfe reichten in der Hoffnung, dass auch der Deutsche Orden das Schicksal der Templer erleiden könnte, 1308 beim Papst eine Anklageschrift ein, in der sie dem Orden den Misserfolg bei der Bekehrung der Litauer zuschrieben, die Ritter der Ausrottung der Bewohner Semgallens beschuldigten, als diese bereits Christen waren, und schließlich – und das war für den Orden offenbar sehr gefährlich – anzeigten, dass, wenn ein Ritter in der Schlacht Wunden empfing, die anderen Ritter den Verwundeten töteten und seine Leiche nach dem Brauch der Heiden verbrannten. Papst Clemens V. setzte eine besondere Kommission zur Untersuchung der Klage der Bischöfe ein, doch die Sache verlief im Sande.

Die livländischen Bischöfe konnten sich mit einem solchen Ergebnis natürlich nicht zufriedengeben, und darum schlossen sich, kaum dass sich der Erzbischof von Gnesen und die Bischöfe von Kujawien, Płock und Posen gegen den Orden erhoben und der König von Polen mit dem Orden einen Streit um Pommerellen begann, der Erzbischof von Riga und die Rigaer ihnen unverzüglich an und behaupteten nicht ohne einige Gründe, die Litauer hätten längst den Katholizismus angenommen, wenn die Ritter sie nicht daran gehindert hätten. Es entstand ein neuer Prozess, der vor den Papst gebracht wurde, der in jenen Zeiten seine Residenz in Avignon hatte. Der Hochmeister gewann den Prozess: Er rechtfertigte sich in allen Anklagen und legte dem Papst den Originalbrief des Erzbischofs von Riga und der Rigaer vor, in dem sie den litauischen Fürsten baten, die Ordensbesitzungen anzugreifen.

In der Hoffnung getäuscht, dem Orden beim Papst zu schaden, knüpften die Rigaer neue Beziehungen zu den litauischen Heiden gegen die Ritter an. Da entschloss sich der livländische Meister, die Sache mit den Waffen zu beenden. Er belagerte Riga, hielt es ein ganzes Jahr belagert und brachte die Rigaer durch Hunger so weit, dass sie um Frieden baten. Der Meister zwang sie, im Lager der Ritter zu erscheinen und zu Füßen des Meisters alle ihre Privilegien niederzulegen. Die Rigaer mussten einen Teil ihrer Festungsgräben zuschütten und die Wälle erniedrigen, der Meister aber baute eine neue Burg, die die Stadt beherrschte und die Rigaer im Zaum hielt.


VII

Narmant, der russische König, Bruder der litauischen Könige – Algard und Keinstut ...

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Narmant ist Narimantas-Gleb, Fürst von Turow und Pinsk; Algard und Keinstut – das sind die berühmten litauischen Fürsten Algirdas und Kęstutis.

Ab 1315 erscheint Gediminas als der erste der litauischen Fürsten und hatte gegen Ende seines Lebens ein gewisses Recht, sich Großfürst von Litauen und Russland zu nennen, da das südwestliche Russland (das vorzugsweise Rus genannt wurde) seine Herrschaft über sich bereits anerkannte. Unbestreitbar war Gediminas ein bemerkenswerter Krieger und Herrscher, der sich nach den Umständen der Zeit zu richten verstand. In den ihm unterworfenen Ländern ließ er überall die alte Ordnung bestehen und setzte nur seine Statthalter und Besatzungen in die Städte.

In Wilna lebend, einer von ihm selbst gegründeten Stadt, bemühte er sich, hansische Kaufleute nach Litauen und Handwerker und Werkleute in seine Städte zu ziehen, sorgte überhaupt für Ordnung in seinen Ländern, die er so oder anders zu etwas Ganzem gesammelt hatte – er vollbrachte in Westrussland dasselbe, wozu in Ostrussland gleichzeitig mit ihm die Moskauer Fürsten den Anfang machten.

Er starb 1339 und hinterließ sieben Söhne, nämlich: von der ersten Frau Mantvydas, Fürst von Karatschew und Slonim, der bald nach dem Vater starb, Narimantas-Gleb, Fürst von Turow und Pinsk, der im Gefecht am Fluss Strawa fiel, wie Wartberge schreibt; von der zweiten Frau Olga, einer russischen Fürstin, hinterließ Gediminas Algirdas, der, nachdem er die Tochter des Fürsten von Witebsk geheiratet hatte, Witebsk und das Fürstentum Witebsk als Mitgift seiner Frau erhielt, und Kęstutis, Fürst von Trakai. Von der dritten Frau, Eva, ebenfalls einer russischen Fürstin, hinterließ Gediminas Liubartas-Wladimir, Fürst von Wolhynien, Karijotas-Michail, Fürst von Nowogrudok, und schließlich Jaunutis, Fürst von Wilna.

Von den sieben Gediminiden waren die fähigsten und energischsten Algirdas und Kęstutis. Ihr ganzes Leben lebten sie sehr einträchtig miteinander, und der russische Chronist (Nikon. III, 174) bemerkt über Algirdas, er sei sehr klug gewesen, habe verschiedene Sprachen gesprochen, keine Vergnügungen geliebt und sich Tag und Nacht mit Regierungsgeschäften befasst; er sei enthaltsam gewesen von Wein, Bier, Met und habe kein berauschendes Getränk getrunken und dadurch großen Verstand und Sinn erworben, durch seine List viele Länder erobert und sein Fürstentum vergrößert. Algirdas und Kęstutis verabredeten sich und beschlossen, Jaunutis aus Wilna zu vertreiben. Kęstutis besetzte, ohne die Ankunft des Algirdas abzuwarten, Wilna, nahm Jaunutis gefangen, und als Algirdas aus Witebsk kam, sagte er: „Dir, Algirdas, gebührt es, Großfürst in Wilna zu sein, du bist der ältere Bruder, und ich will mit dir einträchtig leben.“ Und Kęstutis setzte Algirdas auf das Großfürstentum in Wilna, Jaunutis aber gab man Isjaslawl (nach russischen Nachrichten floh Jaunutis aus Wilna nach Pskow, von dort nach Nowgorod, von Nowgorod nach Moskau zum damaligen Fürsten Simeon dem Stolzen, wurde hier getauft und Iwan genannt). Dann kamen beide Fürsten untereinander überein, dass alle Brüder Algirdas gehorchen sollten, und vereinbarten: Was sie erwerben – sei es eine Stadt, sei es ein Gebiet –, alles zur Hälfte zu teilen und bis zum Tod in Liebe zu leben und nichts Böses einer gegen den anderen zu sinnen. Algirdas und Kęstutis schworen das und hielten Wort.

Algirdas erwies sich als der gefährlichste Gegner Ostrusslands und wäre vielleicht wirklich der Fürst beider Hälften Russlands (der östlichen und der westlichen) geworden, wenn ihn nicht der Deutsche Orden von jenseits des Njemen und der livländische Zweig des Ordens von Kurland aus von Moskau und den russischen Fürsten abgelenkt hätten. Doch gerade darum ging es: Die livländischen Ritter begannen nach der Bändigung der Rigaer im Jahr 1330, als sie sich von ihrem gefährlichen Rivalen in Gestalt der Bürger befreit hatten, sofort verstärkte Unternehmungen gegen Pskow und Litauen, und die Deutschordensritter eröffneten nach der endgültigen Unterwerfung Preußens im Jahr 1283 den Angriff auf Litauen von jenseits des Njemen nun schon mit dem unmittelbaren Ziel, die Litauer ihrer Herrschaft ebenso zu unterwerfen, wie sie die Prußen unterworfen hatten. Bekanntlich gelangen die Pläne des Ordens nicht: Die livländischen Brüder unterwarfen Pskow nicht, und auch die preußischen Brüder konnten sich in Litauen nicht festsetzen; doch um sich der Ritter zu erwehren, mussten Algirdas und Kęstutis alle ihre Kräfte anspannen und die Moskauer Fürsten gerade in den für diese kritischsten Augenblicken in Ruhe lassen. Die östliche Hälfte Russlands geriet gerade deshalb nicht unter die Herrschaft des unternehmungslustigen Algirdas, weil die Deutschordensritter in ihrem Streben, Litauen zu unterwerfen, die Kräfte des Algirdas von den Moskauer Grenzen an den Njemen ablenkten.


VIII

Im Jahr 1351 gab es ein sehr großes Sterben.

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Das Sterben rührte natürlich von einer ansteckenden Krankheit her, die in den russischen Chroniken unter dem Namen Schwarzer Tod bekannt ist. Man schreibt, dass diese außerordentlich rasch verlaufende Krankheit, die sich durch Drüsenentzündung und Bluthusten äußerte, in China begann, dort bis zu 13 Millionen Menschen dahinraffte, nach Griechenland und Ägypten vordrang und um 1346 in den Ländern am Kaspischen und am Schwarzen Meer erschien. Aus Ägypten brachten genuesische Schiffe den Schwarzen Tod nach Italien, von wo er nach Frankreich, England und Deutschland überging und überall ein außerordentliches Sterben verursachte; ganze Städte verödeten buchstäblich. 1349 erschien der Schwarze Tod in Schweden, drang von hier 1351 nach Livland und aus Livland im Frühjahr 1352 nach Pskow vor. Im August 1352 zeigte sich der Schwarze Tod in Nowgorod, und 1353 erschien er in Moskau. Der Moskauer Metropolit Feognost, Großfürst Simeon der Stolze, seine beiden Söhne und sein Bruder Andrei fielen der Seuche zum Opfer. Der Schwarze Tod verbreitete sich auch in anderen Städten: Kiew, Tschernigow, Smolensk, Susdal. In Gluchow und Beloosersk blieb kein einziger Einwohner übrig.


IX

Keinstut gefangen genommen ... floh aus der Marienburg …

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Die ganze Zeit von der endgültigen Unterwerfung der Prußen im Jahr 1283 bis zu Algirdas und Kęstutis tobte an den Ufern des Njemen ein erbitterter, blutiger Kampf der Deutschordensritter mit den Litauern: Die Ritter fielen unaufhörlich in die litauischen Länder ein, die Litauer ihrerseits brachen in die Ordensbesitzungen ein. Diese Einfälle waren von außerordentlichen Verwüstungen begleitet, und dennoch gelang es dem Orden keineswegs, am litauischen Ufer des Njemen festen Fuß zu fassen: Ihre Flussfeldzüge waren erfolglos, und auch ihre Feldzüge zu Lande zeichneten sich nicht durch besondere Erfolge aus. Um zu beurteilen, bis zu welcher Erbitterung der Kampf ging, führen wir folgenden, keineswegs vereinzelten Fall an:

Im Jahr 1336 kamen der Markgraf von Brandenburg, der Graf von Henneberg und der Graf von Namur mit Truppen nach Preußen, um dem Orden im Krieg mit den Heiden zu helfen. Der Hochmeister nutzte die Gelegenheit und zog mit den angekommenen Verbündeten nach Litauen, um die litauische Feste Pune zu zerstören, die den Litauern, die von Einfällen in Preußen zurückkehrten, als Schlupfwinkel diente. In die Feste flüchteten sich bis zu 4 000 Litauer mit Frauen, Kindern und aller Habe. Die Belagerten verteidigten sich verzweifelt, aber auch das christliche Heer war entschlossen, Pune um jeden Preis zu bezwingen: Man schlug mit Widdern gegen die Mauern und grub sich unter die Feste selbst. Als die Litauer die Unmöglichkeit der Verteidigung sahen und die Mauern der Feste schon einzustürzen drohten, töteten sie Frauen und Kinder, schichteten inmitten der Feste einen riesigen Scheiterhaufen auf, zündeten ihn an und begannen dann, einander umzubringen. Der Befehlshaber der Feste, Margiris, tötete selbst eine Menge seiner Gefährten; ihm half eine alte Frau, die hundert Krieger mit einem Beil erschlug und sich dann selbst tötete. Die Deutschen brachen unterdessen in die Feste ein. Margiris stürzte sich mit einem Teil der am Leben gebliebenen Gefährten auf sie, und als diese bis auf den letzten Mann erschlagen waren, lief er in ein unterirdisches Gewölbe, in dem seine Frau verborgen war; hier tötete er sie und dann sich selbst. Pune mit Haufen litauischer Leichen fiel den Deutschen zu.

Ab 1345, als Heinrich Arfbergski (von Arfberg) zum Hochmeister gewählt wurde, wurde der Kampf mit den Litauern weit erbitterter als früher. Arfberg drang bis Trakai vor und brachte den litauisch-russischen Regimentern, auf die er traf, am Flüsschen Strebene (Strawa) 1348 eine schwere Niederlage bei. Algirdas zögerte nicht, sich zu rächen, fiel in Preußen ein, plünderte eine Menge Ordensgüter, wurde aber auf dem Rückweg vom Hochmeister eingeholt und erlitt eine neue schwere Niederlage.

Zur selben Zeit, als an den Ufern des Njemen ein erbitterter Kampf geführt wurde, begannen die livländischen Ritter, nachdem sie mit den Rigaern fertig geworden waren, den Angriff auf Pskow: 1341 erschlugen die Deutschen ohne jede Kriegserklärung Pskower Gesandte; die Pskower verheerten dafür einige livländische Dörfer. Es begann ein Kleinkrieg: Deutsche Trupps brannten und plünderten die Pskower, die Pskower die deutschen Länder. Die livländischen Ritter begannen sich schließlich auf einen ernsthaften Feldzug vorzubereiten; da wandten sich die Pskower um Hilfe nach Witebsk an Algirdas. Die Deutschen belagerten unterdessen Isborsk. Algirdas und Kęstutis und ihre Mannen, die „Litauer“, kamen zu Hilfe, leisteten jedoch keine ernsthafte Hilfe: Die Deutschen zogen selbst von Isborsk ab.

Im Mai 1343 zogen die Pskower mit den Isborskern aus, das deutsche Land zu bekriegen. Fünf Tage lang bekriegten sie die Dörfer um Odenpäh (Bärenhaupt) und zogen mit der zusammengeraubten Beute und den gemachten Gefangenen nach Pskow. Die Deutschen holten sie unweit von Nowy Gorodok (Neuhausen) am Maly Borok ein. Es war ein großes Gemetzel – sagt der Pskower Chronist –, und Gott half den Pskowern: Sie schlugen die Deutschen und standen auf den Gebeinen. Seitdem vergingen sechs Jahre ohne gegenseitige Einfälle, doch 1348, als das Pskower Heer zusammen mit den Nowgorodern gegen die Schweden kämpfte, begannen die Livländer Pskower Dörfer niederzubrennen, und im Frühjahr 1349 standen sie plötzlich vor Isborsk und errichteten dann eine neue Festung über dem Fluss Narva. Die Pskower boten ihr ganzes Gebiet auf, umzingelten und verbrannten diese neue Festung, wobei ihre Besatzung teils verbrannte, teils von den Pskowern erschlagen wurde. Wichtige Folgen ergaben sich aus diesen Einfällen jedoch nicht, wie sich auch aus dem 1348 von den Schweden gegen die Nowgoroder Länder unternommenen Feldzug nichts Besonderes ergab (die Schweden bemächtigten sich allerdings Oreschek).

Zwanzig Jahre vergingen in unaufhörlichen Kriegen an den Grenzen der Pskower Länder und am Njemen; Algirdas unternahm in dieser Zeit wiederholt Feldzüge gegen Ostrussland, musste aber ständig und immer wieder zurück an den Njemen eilen, wo die Ritter den Litauern keinen Augenblick Ruhe ließen. Im Jahr 1360, am 13. März, trafen Algirdas, Kęstutis und dessen Sohn Patrikas an den litauischen Grenzen auf das Ordensheer; sie kämpften einen ganzen Tag, und die Ritter trugen den Sieg davon. Vergebens versuchte Kęstutis die Fliehenden aufzuhalten; man warf ihn vom Pferd und schleppte ihn in die Gefangenschaft. Patrikas stürzte herbei, um den Vater zu retten, konnte aber nichts ausrichten: Er wurde vom Pferd geworfen und geriet selbst beinahe in Gefangenschaft. Die Ritter brachten Kęstutis in ihre Hauptstadt Marienburg und warfen ihn ins Gefängnis. Tag und Nacht stand die Wache an den Türen, und außer dem Diener, der das Essen brachte, ließ man niemanden zu dem Gefangenen. Doch dieser Diener, ein Vertrauter des Meisters, war von Geburt Litauer, in seiner Jugend gefangen genommen und getauft. Die täglichen Gespräche mit Kęstutis in der Muttersprache, das böse Schicksal und die Taten des litauischen Fürsten erweckten in diesem Diener die längst eingeschlafene Liebe zu seinem Vaterland: Er verschaffte Kęstutis die Möglichkeit, aus dem Gefängnis zu seinem Schwiegersohn, dem Fürsten von Masowien, zu fliehen. Kęstutis wollte jedoch nicht heimkehren, ohne sich an den Rittern gerächt zu haben. Er nahm ihnen zwei Burgen und plünderte sie, wurde auf dem Rückweg von einer Ordensabteilung ergriffen, geriet zum zweiten Mal in Gefangenschaft, entkam zum zweiten Mal aus der Gefangenschaft und begann sich wieder auf den Kampf mit den Rittern vorzubereiten, denn 1362 hatten sie sich Kownos bemächtigt.

Diesmal kam Kęstutis nicht dazu, sich persönlich mit seinen Feinden zu messen. Algirdas Gediminowitsch – sagt der Chronist – hatte die Gewohnheit, dass niemand, weder die Eigenen noch die Fremden, wusste, wohin er seine Gedanken richtete und wozu er ein großes Heer sammelte; durch eben diese List nahm er Städte und Länder ein und unterwarf viele Länder; er kämpfte nicht so sehr mit Gewalt als mit Weisheit. Mit Kęstutis stürmte er 1363, dem Fürsten von Twer helfend, gegen Moskau, stand im November drei Tage vor dem Kreml, verwüstete die ganze Umgebung furchtbar und führte eine unzählige Menge Volk und Vieh mit sich fort. Die Brüder zogen von Moskau ab, um sich des Ordens zu erwehren, der, wie aus den Angaben Wartberges zu ersehen ist, immer beharrlicher vorging.


X

Wartberge führte seine Chronik bis zum Jahr 1378, als der Deutsche Orden sowohl in Preußen als auch in Livland bedeutende Kraft und Macht erreicht hatte. Wie lange Wartberge danach noch lebte, ist unbekannt, wahrscheinlich aber sehr kurz, denn er hätte nicht versäumt anzumerken, dass nach dem Tod des Algirdas ein Zwist zwischen dem betagten Kęstutis und seinem Neffen Jogaila (orthodox Jakow) entstand; der Orden mischte sich in diesen Zwist ein, und Kęstutis wurde 1379 durch Verrat ergriffen und im Gefängnis erdrosselt.

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Mit dem Tod des Kęstutis, des unversöhnlichsten und furchtbarsten Feindes, schimmerte dem Orden die Hoffnung auf, sich ganz Litauens zu bemächtigen. Schon hatte sich der Orden in den Zwist zwischen Jogaila Algirdowitsch und Vytautas Kęstutowitsch eingemischt, schon bedeckte sich 1384 der Njemen mit zahlreichen Ordensschiffen mit allerlei Baumaterial zur Wiederherstellung des alten Kowno (des Schlüssels zu Litauen, der mehr als einmal den Besitzer gewechselt hatte), schon hatte der Orden die Mauern des neuen Kowno aufgeführt, das den Namen Ritterswerder erhielt, doch die rivalisierenden Fürsten erkannten rechtzeitig, dass Litauen das Schicksal Preußens bevorstand. Sie versöhnten sich miteinander; Vytautas, der bedeutende Gebiete erhielt, sagte sich vom Bündnis mit dem Orden los, und beide Fürsten belagerten mit vereinten litauisch-russischen Regimentern Ritterswerder. Drei Wochen dauerte die Belagerung; jeden Tag kam es zu erbitterten Gefechten, und schließlich fiel die neue Festung. Der Schlüssel zu Litauen war wieder in den Händen der Litauer, wobei der Orden gewaltige Verluste erlitt: 150 Brüder und vornehme Ritter fielen in den Kämpfen, 55 Ordensbrüder und 250 weltliche Ritter gingen in Gefangenschaft. Der Orden verlor außer dem unersetzlichen Ritterswerder drei weitere seiner festen Burgen und mehr als 100 Quadratmeilen neu erworbenen Landes. Die Hoffnungen auf die Eroberung Litauens schwanden bedeutend, besonders seit der Zeit, als von der Vereinigung Polens mit Litauen die Rede war, die dann 1385 zustande kam, als Jogaila den Katholizismus annahm mit dem Versprechen, ihn in Litauen und in der Rus zu verbreiten, und sich mit der Erbin des polnischen Throns, Hedwig, vermählte. Jogaila, zum polnischen König gekrönt, erwies sich als eifriger Katholik. Die päpstlichen Legaten sahen, wie Jogaila für die Verbreitung des Katholizismus in seinen Ländern sorgte, sahen, dass das Heidentum überall verschwunden war und dass nur noch Schemaiten sich hartnäckig dem Katholizismus widersetzte. Der Orden musste seine Tätigkeit einstellen, die eben im Kampf mit den Heiden bestand. Vergebens verbreitete der Orden, Litauen werde ganz Polen zum Heidentum bekehren, der neue König betrüge sowohl den Papst als auch die Christenheit: Solchen Verbreitungen glaubte schon niemand mehr. Der Kaiser trat in ein Bündnis mit Jogaila, und dem Orden fiel es von Jahr zu Jahr schwerer, Freiwillige für den Kampf mit den Litauern anzuwerben. Westeuropa überließ den Orden seinen eigenen Kräften, die für den Kampf mit den Kräften Litauens, der Rus und Polens bei Weitem nicht ausreichten.

Übrigens konnte der Orden eine Zeit lang auf seinen Triumph rechnen, als 1394 ein heftiger Zwist zwischen den leiblichen Brüdern Jogaila und Švitrigaila Algirdowitsch um Witebsk entstand. Der Orden mischte sich zwar in den Zwist ein, erreichte aber nichts; im Gegenteil, er war 1398 gezwungen, mit Vytautas einen ewigen Frieden zu schließen, nur um ungehindert aus Litauen abziehen zu können.

Schemaiten wurde als Gegner des Katholizismus aus dem Vertrag ausgeschlossen. Ebendieses Schemaiten bildete den Zankapfel zwischen dem Orden und Vytautas. Der Zwist dauerte mit einigen Unterbrechungen bis 1410, als Vytautas schließlich, mit Jogaila vereint, mit dem Orden bei Grunwald (Tannenberg) kämpfte. Die Ritter erlitten eine furchtbare Niederlage: Sie verloren den Hochmeister Jungingen, 40 000 an Toten und 15 000 an Gefangenen. Der Mut und die Kunst der kriegerischen Bruderschaft erwiesen sich als machtlos gegen die vereinten Kräfte dreier östlicher Völker. Vytautas setzte durch diese Schlacht den Versuchen, Litauen zu erobern, ein Ende und untergrub die Kräfte des Ordens so sehr, dass sein weiteres Bestehen, das übrigens noch mehr als ein Jahrhundert, bis 1525, dauerte, nichts anderes als eine langwierige Agonie war. Die verlorenen Kräfte des Ordens wurden nicht mehr durch Ritter aus Westeuropa ergänzt, weil er keine Kriege mit Ungläubigen mehr führte, und seine Existenz selbst war schon zwecklos und unnötig geworden.

Der livländische Zweig des Deutschen Ordens, der ebenfalls den Kampf mit den Ungläubigen zum Ziel hatte, bestand bis 1561 fort, doch auch er ging unter, nun schon infolge anderer Ursachen und anderer Ereignisse, deren Darstellung der Leser in der Chronik Russows findet.

Dieser Text ist ganz oder teilweise auch hier verfügbar:

http://lib.ru/INOOLD/BALTIA/livonia.txt

http://livonia.narod.ru/list.htm

Anmerkungen

1. Die Erzählung Hermanns von Wartberge über den Beginn der deutschen Beziehungen zu Livland, für deren Geschichte die Chronik Heinrichs von Lettland als Autorität gilt, leidet an erheblichen Unrichtigkeiten. Der Hauptfehler besteht darin, dass zur Abstimmung des in der Reimchronik unrichtig angegebenen Jahres 1143 mit dem Jahr der Ankunft Bischof Alberts nach dem Tod des zweiten Bischofs Berthold, der bei Wartberge 1178, in Wirklichkeit aber 1198 erfolgte, ein Bischof Albert I. eingefügt ist, den es nie gegeben hat. Infolgedessen entstanden auch andere Fehler, die jedoch größtenteils am Rand berichtigt sind. In Wirklichkeit nahm auch die bischöfliche Tätigkeit in jener Zeit in Livland einen weit wichtigeren Platz ein, als Wartberge zugesteht. Ikeskula ist Üxküll, südöstlich von Riga, unweit des rechten Ufers der Düna.

2. Der Sandberg befand sich bei Riga.

3. Und er wird den Krieg des Volkes führen (Judas Makkabäus). Siehe 1. Makkabäer 2, 66. Als solche Glaubenskämpfer wurden die Ritter des Deutschen Ordens in sehr vielen sowohl eigenen als auch fremden Urkunden häufig bezeichnet.

4. Isbork ist Isborsk, Pleskow – Pskow; Nogard – Nowgorod; Kaporje – Koporje zwischen Narva und Oranienbaum.

5. Kathedraticum ist eine jährliche Abgabe an den örtlichen Bischof, zum Zeichen der Anerkennung seiner geistlichen Gewalt.

6. Wilhelm, der frühere Bischof von Modena, war nicht Kardinalpriester der römischen Titelkirche Santa Sabina, sondern vielmehr Kardinalbischof von Sabina, eines der sieben nahe bei Rom gelegenen, von Kardinälen verwalteten Bistümer.

7. Imern, früher Ischora, Emern, wahrscheinlich die heutige Sedde, die von Osten in den Burtnecksee mündet.

8. Das Land Saule. Die Gegend Raden bei Bauske heißt auf Lettisch Saule.

9. Marsows ist heute Jurburg an der Memel. Memelburg ist das heutige Memel. In der Handschrift sind statt 150 200 angegeben, doch ist das ein Fehler.

10. Wartajen ist das heutige Wartaggen im Kirchspiel Durben.

11. Kertenen und Ampilten – das heutige Krottingen, Kretingen im Gouvernement Wilna und wahrscheinlich Impelt an der kurländischen Grenze zu Litauen.

12. Witensteen, heute in hochdeutscher Mundart Weißenstein.

13. Grese, das heutige Gresen am rechten Ufer der Windau, wo dieser Fluss nach Kurland eintritt.

14. Kernowe, heute Kernowo – Residenz der litauischen Fürsten an der Wilija.

15. Die Burgen Terweten und Heiligenberg lagen beim heutigen Hof zum Berge in Semgallen an der Terwete, einem Nebenfluss der Swehte oder Schwedte.

16. Trikaten zwei Meilen östlich von Wolmar. Sidegunde ist das heutige Siggunde südlich von Segewold.

17. Grose. Der Flecken Grosen liegt in Kurland neben dem Gut Wesahten.

18. Die genannten vier semgallischen Burgen waren anscheinend: Raketen, auch Raken, vielleicht das heutige Raggenhof; oder Ratten, das heutige Raden bei Bauske; Doblen westlich von Mitau; nach Kallmeyer beim Hof (Gut) Sudrabbe oder an der Sudrabbe, einem Nebenfluss der Platone, die in Litauen entspringt. Über Terweten siehe Anm. 15.

19. Normes befand sich nach Kallmeyer bei Schlecken südöstlich von Pelten.

20. Die sieben Kilegunden sind der sogenannte Strandwiek.

21. Karks, heute Karkus, westlich vom Südende des Wirzjerw-Sees.

22. Treidera – die heutige Aa.

23. Der Name Johannes steht nicht in der Handschrift; der Name Barthold ist ein Fehler entweder des Chronisten selbst oder des Abschreibers – es muss Konrad heißen.

24. Bischof Bartholomäus von Alet aus dem Erzbistum Narbonne und Abt Bernhard von Saint-Théofrède aus dem Bistum Le Puy in Südfrankreich.

25. Helmede etwas westlich vom Südende des Wirzjerw-Sees; Neuetel etwas südlich von Fellin. In der Gegend Sackeln liegt Fellin. Tarwest nahe dem Westufer des genannten Sees.

26. Papst Johannes XXII.

27. Masejke ist vielleicht Mosejkischki nahe der Swenta (Nebenfluss der Wilija), zwei weitere Meilen von Windejken, heute Windejki, bei Schirwinta, die ebenfalls in die Wilija mündet.

28. Wilkenberge ist Wilkomir an der Swenta, Plozke – Polozk an der Düna; Dubingen – Dubinki, sechs Meilen nordöstlich von Kernowo; Sikkulen vielleicht Scheschole zwischen Wilkomir und Dubinki; Welnen – Wilna.

29. Der Graf von Arnsberg hieß Wilhelm.

30. Doblen ist das heutige Doblen in Semgallen.

31. Die Burg Kirrumpäh am Fluss Woo, der in den Peipussee mündet, gehörte dem Bischof von Dorpat. Am Ende des Satzes steht in der Handschrift offensichtlich ein Fehler, nämlich heißt es: Da schickten die Dorpater ihr ganzes Heer zu Hilfe.

32. Die Grafschaft Loen oder Loon lag in Limburg.

33. Frauenburg oder Neuhausen, südöstlich vom Pskower See.

34. ... ohne weitere materielle Strafe, d. h. wahrscheinlich ohne Körperstrafe oder Verlust des Lebens oder des Vermögens, da eine Kirchenbuße, wie gering sie auch sein mochte, immer als unumgänglich galt.

35. Die neu erbaute Burg auf Ösel war nach späteren Nachrichten wahrscheinlich Sonneburg.

36. Die Bestätigung durch Papst Clemens VI. erfolgte erst am 8. Februar 1348, und deshalb hat der Chronist die Bestätigung fälschlich mit der königlichen Urkunde vom 29. August 1346 zusammengezogen.

37. Bussike ist vielleicht das heutige kurländische Bauske.

38. Strebene, auf Deutsch gewöhnlich Strebje, auf Litauisch Strawa, ein Nebenfluss des Njemen.

39. Lantmar – das ist Wladimir, Breisike – Brest.

40. Es wurde aufgeschrieben – wahrscheinlich bei der Erhebung der Zölle.

41. Bischof von Västerås war zu jener Zeit Magnus.

42. Strinejke, das heutige Stripejki in Samaiten, acht Meilen südwestlich von Dünaburg; Opiten, heute Upita, unweit des linken Ufers der Newjascha (deutsch Nawese); Mesewilte, wahrscheinlich Weischwilty ganz nahe östlich von Upita. Anstreiten ist, im Gegensatz zum litauischen Niederland oder Samaiten, das litauische Oberland von der Wilija bis zum Njemen.

43. Dobitzen, wahrscheinlich das heutige Polubis am Fluss Dubissa, deutsch Dobese. Saulin – eine Gegend, die ihren Namen von Schaulen erhielt, einem Flecken nördlich von Podubis.

44. Plane, wahrscheinlich einer aus dem Geschlecht der Reußen von Plauen. Der Erzbischof von Prag hieß Arnest von Pardubitz, der Herzog von Troppau hieß Johann; Deutschmeister war Wolfram von Nellenburg.

45. Popillen oder Popeli, eine Meile von der semgallischen Grenze südlich von Radsiwilischki, oder Popilian an der Windau in Samaiten.

46. ... die Namen fehlen in der Handschrift.

47. Seten wahrscheinlich Schaty an der Wilija; Kauwe, deutsch Kauen, heute Kowno.

48. Nogata oder Nagata. Schon bei Heinrich von Lettland werden Nogaten als umlaufende Münze erwähnt.

49. Dieser Vers findet sich in den sittlichen Distichen des Dionysius Cato, II, 15. Das ganze Distichon hat folgenden Inhalt:

Vergiss die Schimpfworte des vergangenen Streits!

Nur der Böse gedenkt mit Groll der begangenen Sünde!

50. Wilkenbete, wahrscheinlich das heutige Wilkomir.

51. Bruder Hermann – das ist der Chronist selbst.

52. Im Original müsste man lesen: „cum sigillo suo et capituli Rigensis“.

53. Die aufgezählten Orte heißen heute: Schatyle nahe der Wilija, Worlowo, Swilany an der Wilija (Kalejnen besteht nicht mehr); Salwissowe muss unweit von Kowno zwischen Ejgule an der Wilija und Rumschischki an der Memel gelegen haben; Kalewiten befand sich wahrscheinlich zwischen Alt- und Neu-Kowno (auf der Insel Wirgallen).

54. Weljun – heute Wileny am Njemen, Ejragoda an der Dubissa, Pernarow, Gilazyna (Sobnow besteht nicht mehr), Trokini, Buda Gajtschewska oder Gojzew, Potschtow.

55. Sare, wahrscheinlich Schorany nordwestlich vom heutigen Schaulen.

56. Rositten oder Reschiza, im polnischen Livland.

57. Mode – heute die Welikaja.

58. „Ihr Land“ ist in dem Sinne gesetzt, als ob vorher schon „die watländischen Russen“ gesagt worden wäre. Watland – das ist die Wotische Pjatina.

59. Warnaz und Welin, heute Woronez und Welija südwestlich davon. Das Wort „Häretiker“ (Irrglaubigen) bezieht sich überall auf die Russen.

60. Iewi, heute Jewe in Estland, im Kreis Wierland.

61. Malowe vielleicht Malaizy bei Ponewesch; Wisewilte heute Weischwilzy; Swainiken das heutige Swojniki; Preiwkisiken, das heutige Prewotschki bei Nowy Gorod (Nowemiasto); Newesseniken, heute Ober-Ponewesch.

62. Astrowe heute Ostrow an der Welikaja. Nawese, heute – Newjascha; Romagin wahrscheinlich Romany nördlich von Wilki.

63. Sakke, anders Sakkala – die Gegend, in der Fellin liegt.

64. Zisegale heute Siselgal; Pefolt wahrscheinlich Pebalg. Die Nonnen gehörten dem Zisterzienserinnenkloster St. Marien in Riga an.

65. Bensen vielleicht Waiwasy nordöstlich von Ober-Ponewesch, zwischen Newjascha und Lawenna; Raden wahrscheinlich Rudy; Eginten vielleicht Jagintowice gegenüber Nieder-Ponewesch oder Ogance westlich von Nowy Gorod (Nowemiasto).

66. Toreiden und Kremun – Treyden und Kremon, zwei Burgen des Erzbischofs von Riga.

67. Warnen heute Worny östlich der Stadt Memel, daneben Medemiken, heute Midingany. Die übrigen Orte sind in der Nachbarschaft zu suchen.

68. Widukelen heute Windukle, zwei Meilen westlich von Rossieny.

69. Welzy unweit südlich von Ober-Ponewesch. Ein Linkowen liegt an der Newjascha. Onitolokichi an demselben Flüsschen etwas oberhalb von Kejdany. Schlapoberze und Kolnoberze westlich des Flusses. Arwisten, heute Orwistow, drei Viertelmeilen von Kejdany.

70. Häuser für kranke Brüder in den Ordensburgen, anders sogenannte Infirmaria, Krankenhäuser.

71. Lankeniken ist vielleicht das heutige Luknik bei Worny.

72. Die Landgrafschaft Leuchtenberg lag in der Oberpfalz am Fluss Raab, die Grafschaft Hals in Niederbayern an der Ilz.

73. Nerge ist ein anderer Name der Wilija; Nause, Nawese – das ist die Newjascha. Perstewise wahrscheinlich Berschty, ¾ Meilen nordöstlich von Medniki, das bei Rossieny liegt.

74. Heute ist es nicht mehr möglich anzugeben, wo sich alle diese Orte befanden. Einige von ihnen wurden schon oben angegeben; einige Namen sind in der Handschrift wahrscheinlich entstellt. Jedenfalls lagen diese Orte größtenteils am Ober- und Unterlauf der Newjascha, wie Borkloini und Barkloinija, Upita, Waskany, Weischwilzy, Linkowe, Datnow, Berzy, Slapoberzy, Megiany, Rominija, Bobijany, Kejdany, Kornowo, Labunow, Narmoine, Karolinow bei Wenzegola (?), Opitbloki, Radi, Swojniki, Prewetschki, Ponewesch, Wodokty nahe Upita, jedoch westlich der Newjascha.

75. Rositten in der kurländischen Niederung.

76. Unter den genannten Orten, die alle zwischen dem Oberlauf der Swenta und der Wilija liegen, erkennen wir die heutigen: Tanrogeny, Lebonary, Lingmjany, Widsenischki, Lumjany, Gedrojz, Dubinki, Podubinki.

77. Wegelagerer – Auflauerer. Die alte, heute nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung solcher Auflauerer war Struter (Struter), von dem Wort Strut – Busch; folglich bedeutet Struter einer, der durch die Büsche kriecht; struten bedeutet mit der Wurzel ausreißen.

78. Wolkenberge ist vielleicht heute Walinogrodek an der Wilija, oder ein Schreibfehler statt Wilkenberge, d. h. Wilkomir? Seimen heute Seimy.

79. Die seeländische Burg ist Selburg an der Düna.

80. Odriske – wahrscheinlich das heutige Drissa an der Mündung der Drissa in die Düna unterhalb von Polozk.

81. Die hier genannten litauischen Orte im Gebiet der Flüsse Swenta und Wilija wurden schon oben teilweise erwähnt. Der Deutsche Orden unternahm Angriffe von Livland aus, während die preußischen Ritter mit ihren Heeren häufig die litauischen Länder östlich und westlich dieser Länder verwüsteten. Balnike ist Bolniki östlich von Wilkomir; Sessolen – Scheschole südöstlich von Wilkomir; Swente Azore bedeutet Heiliger See; Stagelisken ist Stolkliski westlich von Wilna; Sanilisken heute Sumilischki; Traken – Trakai; Strebe heute Strawa.

82. mit dem Sohn des Fürsten von Smolensk Swjatoslaw Iwanowitsch I., 1386. Die aufgezählten Orte sind Kreuzburg, Lasdohn, Bersohn, Erlaa an der Oger, Pebalg, Selzau (oder Sesswegen?), Biltop an der Oger. Gerzike lag gegenüber Selburg. Witenbeke – das ist Witebsk.

83. Liksten, wahrscheinlich das heutige Liksna unterhalb von Dünaburg auf der rechten Seite der Düna.

84. Struter nannte man in den mittelalterlichen Quellen Preußens leicht bewaffnete Leute, die immer in geringer Zahl dem Heer zur Kundschaft vorausgingen.

85. Eine dieser Zahlen, 10 000 oder 5 000, ist unrichtig.

86. In der Handschrift steht nicht „ihrer Leute“.

87. Welow heute Wehlau; Nerwekete heute Norkitten.

88. Belse heute Belz in Galizien; Luzik heute Luzk in Wolhynien.

89. Maien, ein estnisches Wort, bedeutet Hütte.

90. Widukelen und Krasien heute Widukle und Kroze; Lademar wahrscheinlich Lodomerien, Wladimir.

91. Narmante, der in der Schlacht an der Strebe 1348 fiel, war ein Bruder von Algirdas und Kęstutis.

92. In der Übersetzung ist hier, wo in der Handschrift „Bruder“ steht, „Sohn“ gesetzt und umgekehrt. Man muss annehmen, dass der Abschreiber die Wörter filius und frater vertauschte. Karijotas-Michail ist derselbe wie Koddere; in der Thorner Chronik erscheint er unter dem Jahr 1382 unter dem Namen Kodar – er war ein Bruder des Algirdas, Lubert von Luzk aber ein Sohn des Letzteren. Es ist selbstverständlich wahrscheinlicher, dass der Chronist den Onkel vor dem Neffen nannte.

93. Der Komtur von Balga hieß Dietrich von Elner. Belitz ist das heutige Bielica.

94. Die Brücken wahrscheinlich über dem Wasser entlang der Ufer bis zum festen Eis in der Mitte des Flusses.

95. Unter den genannten Orten erkennen wir: Upita am Oberlauf der Newjascha, Rudy, Lokjany, Wilkomir, Bollely nördlich davon, Mokjuny (?).


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.