Die Rominter Heide – ein riesiger Wald, der sich über mehrere hundert Quadratkilometer erstreckt und heute von einer Grenze durchschnitten wird – war einst ein zusammenhängendes Ganzes. Damit man sich im Wald besser orientieren und bewegen konnte, wurde das gesamte Waldgebiet durch Schneisen in Blöcke und Abteilungen gegliedert. Tief im Inneren der Heide sind ursprüngliche Naturdenkmäler erhalten geblieben – gewaltige Findlinge, die die letzte Eiszeit hierher gebracht hat. Die Forstwirtschaft der Rominter Heide war bereits seit herzoglicher Zeit gut organisiert. Um das Vorankommen in der Heide zu erleichtern, wurden Wege angelegt und Schneisen geschlagen, zur Orientierung stellte man Wegweiser auf.
Karte der Rominter Heide aus dem Archiv von Roman Schirouchow.
Jagen
Im 18. Jahrhundert traten an die Stelle der früheren Waldabteilungen die Jagen. Wie diese waren es rechteckige, durch Schneisen gebildete Waldstücke mit einer Fläche von 50 bis 100 ha. Sie waren durchgehend nummeriert. Die Jagen wurden zu Blöcken zusammengefasst, die wiederum die Beläufe bildeten.
Blöcke
Seit dem 18. Jahrhundert die grundlegende Einheit der Forsteinrichtung. Die Blöcke wurden mit Großbuchstaben bezeichnet. So gab es beispielsweise 1780 im Belauf Nassawen 11 Blöcke, die mit den Unterbeläufen übereinstimmten. Die Blöcke A, B, C, D, E, F, G und H waren ihrerseits in 70 fortlaufend nummerierte Abteilungen unterteilt.
Ausschnitt aus einer Karte der Heide mit Angabe der Blöcke und Jagen. Aus dem Archiv des Ökomuseums Wischtynez.
Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war schließlich das gesamte Gebiet der Heide in Jagen eingeteilt. Dies geschah, um die Orientierung im Wald zu erleichtern. Das ganze Waldgebiet wurde durch gerade Schneisen in quadratische Flächen von etwa 800×800 Metern gegliedert. Jede von ihnen trug bis 1945 – wie auch heute – eine eigene Nummer. Dort, wo Schneisen und Jagenwege beginnen, sowie an ihren Kreuzungen kann man noch alte behauene Steine mit eingemeißelten Buchstaben und Nummern finden – die sogenannten Jagensteine. An der Kreuzung zweier Schneisen wurde ein Paar Jagensteine aufgestellt, die die Haupt- und die Nebenschneise bezeichneten. So stand etwa an der Kreuzung der Schneisen D und d (Jagen 27/28/39/40) auf der Südseite der Schneise D und westlich der Schneise d ein Stein mit den Nummern 27/28, auf der Nordseite der Schneise D und östlich der Schneise d dagegen ein Stein mit den Ziffern 39/40.
Jagensteine.
Auch heute noch helfen diese Steine Wissenschaftlern und Forschern, sich im Gelände zurechtzufinden, denn in deutschen Quellen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen werden gerade die Jagen oder Blöcke als genaueste Ortsangaben genannt – für Standorte seltener Baum- und Pflanzenarten, für Gedenksteine, Grabstätten und anderes. Die Jagen wurden von rechts nach links und von unten nach oben nummeriert, und jede der vier Oberförstereien hatte ihre eigene Zählung, die mit 01 begann. Die beiden benachbarten Oberförstereien Rominten und Warnen hatten jedoch eine gemeinsame Nummerierung.
So wurde bei der Angabe des Standorts eines Naturdenkmals oder Gedenksteins* zunächst die Oberförsterei genannt, dann der Belauf oder die Försterei, dann die Nummer des Jagens oder Blocks und mitunter noch genauere Merkmale wie ein Flussufer, eine benannte Wiese und dergleichen. Mithilfe von Karten der Heide lassen sich diese Objekte mühelos finden.
Die Jagenwege und Schneisen, die den Wald durchzogen und die Waldabteilungen voneinander trennten, trugen eigene Namen, zum Beispiel Hirsch Weg oder Friedrich-Carl Gestell (Weg – Pfad, Weg; Gestell – Schneise). Die Hauptwege hießen Straßen und hatten ebenfalls eigene Namen: So hieß etwa der Hauptweg zum Kaiserlichen Jagdschloss Jagdbuder Strasse, und der Weg nach Goldap hieß entsprechend Goldaper Strasse.
Wegweiser
An manchen Stellen und Wegkreuzungen der Heide trifft man noch auf behauene Säulen – Wegweisersteine, deren eingemeißelte Pfeile die Richtung sowie die Entfernung zu den wichtigsten Ortschaften angeben. (Die Entfernung wurde in Meilen angegeben; eine preußische Meile entspricht 7,533 km.) Die darauf verzeichneten Ortsnamen zeigen, dass manche dieser Steine bereits im 18. Jahrhundert aufgestellt wurden.
So trägt beispielsweise der Wegweiser am Rand der Siedlung Tschistyje Prudy, an einer Weggabelung, folgende Inschriften mit Pfeilen:
Nach Goldapp über Iszlaudzen 3 Milen/Nach Pillupönen 3 Milen
Nach Goldapp über Warnen 3 Milen
Wegweiser.
Allerdings sind die Inschriften auf den meisten Steinen kaum noch zu erkennen oder von der unerbittlichen Zeit völlig ausgelöscht.
In der Heide und ihrer Umgebung (auf russischer Seite) erhaltene Wegweisersteine:
– im Zentrum der Siedlung Pugatschowo, ohne Inschrift;
– an der Weggabelung in der Siedlung Tschistyje Prudy, Inschrift lesbar;
– an der Weggabelung Krasnolesje – Pugatschowo – Raduschnoje, Inschrift verwittert, Pfeile erkennbar;
– an der Weggabelung Dmitrijewka – Raduschnoje – Sosnowka, ohne Inschrift;
– an der Straße Lesistoje – Raduschnoje, an der Gabelung links, Inschrift schwer lesbar;
– an der Straße Uwarowo – Lesistoje, links am Straßenrand;
– an der Weggabelung beim Friedhof der Siedlung Pugatschowo, ohne Inschrift.
Wegweiserstein.
Heute werden manche Schneisen und Waldwege nicht mehr genutzt, die Jagensteine sind bemoost und von Gras und Gebüsch überwuchert, doch sie erfüllen nach wie vor ihren Zweck: Der Verfasser dieser Zeilen hat mehr als einmal auf das deutsche Bezeichnungssystem zurückgegriffen, um Gedenksteine und eiszeitliche Findlinge aufzuspüren, und die erhaltenen Jagensteine sind dabei eine große Hilfe.
Naturdenkmäler
Die letzte Eiszeit hat auf dem Gebiet der Heide eine große Zahl von Steinen und Findlingen unterschiedlicher Form und Gesteinsart hinterlassen. Sie alle sind Bruchstücke von Felsgestein, die aus dem Gebiet des heutigen Skandinavien hierher getragen wurden.
Einige von ihnen sind auf deutschen Karten als Erratische Blöcke eingetragen – vom lateinischen „erraticus“, umherirrend. So nennt man gewaltige unbearbeitete Gesteinsbrocken, die weit (mehrere hundert bis tausende Kilometer) von ihren ursprünglichen Entstehungsorten entfernt liegen. Besonders große Steine sind an ihrem Platz liegen geblieben. Insgesamt zählt man auf dem Gebiet der Rominter Heide acht erratische Blöcke, von denen einige eigene Namen tragen, etwa Teufelsstein**, Annita oder Breiter Stein. Um einen dieser Findlinge rankt sich eine Sage*** vom Teufelsstein, dem Stein des Teufels.
Teufelsstein.
Einer der größten erratischen Blöcke liegt unweit des Berges Dosor; sein Umfang beträgt etwa 19 Meter, seine Höhe über 2,5 Meter.
Fast alle diese Steine weisen Spuren von Bearbeitung und Zersägen auf. Die meisten der herangetragenen Steine wurden nämlich später für die Fundamente von Häusern und Mühlen in der Heide verwendet, einige wurden zu Gedenk- und Jagensteinen umgearbeitet.
Eine eigene Gruppe von Naturdenkmälern (Naturdenkmal auf deutschen Karten) bilden die erhaltenen (und nicht erhaltenen) uralten oder seltenen Bäume (Eichen, Buchen, Hainbuchen, Fichten, Kiefern).
Insgesamt bedeckte die Große Wildnis einst ein riesiges Gebiet mit Wald; heute sind neben der Rominter Heide die Borker Heide, die Wälder an der Biebrza und – in ihrem ursprünglichen Zustand am besten erhalten – der Białowieża-Urwald vereinzelte Inseln dieser Wildnis.
Und obwohl von jenem urwüchsigen, unberührten Wald, der einst die eigentliche Grundlage der Heide bildete, so gut wie nichts mehr übrig ist, kann man an manchen Stellen noch uralte Bäume von etwa 50 Metern Höhe antreffen.
Besonders große oder auffällige Bäume erhielten Eigennamen zu Ehren deutscher Kaiser und ihrer Gemahlinnen, bedeutender Staatsmänner und Feldherren, etwa die Kaiser Fichte; andere wurden nach den dendrologischen Besonderheiten ihrer Art benannt – Strauchbirke oder Kugelfichte.
Ausschnitt aus einer Karte der Rominter Heide mit den oben genannten Bäumen.
Heute gibt es noch mehrere Flächen mit erhaltenen uralten Bäumen, zum Beispiel am Katharinenberg, in der Siedlung Lesistoje sowie ein Gebiet am rechten Ufer des Flusses Krasnaja unweit der Siedlung Sosnowka. Dort ragen, eingezäunt und mit erläuternden Tafeln versehen, mehr als hundertjährige Samenkiefern, Hainbuchen und Fichten in den Himmel.
Die Naturdenkmäler sind ein Teil der Geschichte, die sich in der Heide seit unvordenklichen Zeiten bis in unsere Tage vollzieht. Und gewiss ist es ihnen bestimmt, Zeugen jener Ereignisse zu werden, die sich nach uns auf diesem Land zutragen werden.
Verwendete Quellen:
Gautschi A. Rominten 1500 bis 1945: Ein alphabetisches Merkbuch. Nuemann-Neudamm Melsungen, 2009.
Rothe W. Dörfer der RominterHede. — Prussia-reihe, 2004.
Archiv des Ökologisch-historischen Museums Wyschtynez.
Deutsche topographische Karten 1:25000/4-cm Karte Messtischblatt 1924-1938.
Fotos: Alexander Kasjonnow.
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* Kaiserlicher Gedenkstein zum 40-jährigen Jagdjubiläum: Forstamt Rominten, Revierförsterei Fuchsweg, Jagen 93.
** Der Teufelsstein befindet sich an folgender Stelle der Heide: Forstamt Warnen, Revierförsterei Iszlaudszen, Jagen 164, „Teufelsstein“ (oberhalb der Rominte) — also über dem heutigen Fluss Krasnaja (linkes Ufer).
*** Hinze C. Ostpreussische Sagen: von Samland und der Kurische Nehrung bis zur Rominter Heide und den Masurischen Seen. Köln: Eugen Diederichs Verlag GmbH & Co. KG, 1983.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

