/ Königsberg

Juditter Kirche

Juditter Kirche

Bis 1525 war die Juditter Kirche katholisch, ab 1525 evangelisch. Erbaut wurde sie 1288–1298, möglicherweise aber auch schon früher, 1276–1294. Sie zählt zu den ältesten Kirchen auf dem Gebiet der Oblast Kaliningrad. Vor der Reformation war sie unter Hochmeister Konrad von Jungingen ein bekannter Wallfahrtsort der Gläubigen.

Der Westturm der Juditter Kirche besteht aus Backstein auf einem Feldsteinsockel. Das Untergeschoss ist im gotischen Verband gemauert, die übrigen Geschosse (19. Jh.) im Kreuzverband. Schindeldach. Wetterfahne von 1577 und 1819. Da das Untergeschoss des Turms im gotischen Verband gemauert ist, die anschließende Vorhalle aber erst im 17. Jahrhundert entstand, war er wahrscheinlich durch einen Bogen nach Danziger Art mit dem Kirchenschiff verbunden. Das Langhaus ist aus Feldsteinen errichtet, die Westwand aus unverputztem Backstein (gotischer Verband). Fünf Blendfenster mit Pfeilbündeln. Hölzernes Gesims aus dem 19. Jh. Schieferdach. Der Chor mit achteckigem Abschluss besteht aus Feldsteinen mit Backsteinecken. Der Anbau im Norden ist verputzt und aus Backstein.


Engelsskulptur aus der Juditter Kirche


DAS INNERE DER KIRCHE UND IHRE AUSSTATTUNG


Im Turm waren, wie die Aussparungen in den Ecken zeigen, Kreuzgewölbe vorgesehen, die jedoch nie ausgeführt wurden. Die Tür sitzt in einem Flachbogen. Im Verteidigungsfall wurde sie mit einem Balken verriegelt. Die Vorhalle mit Tonnengewölbe von 1820 entstand auf Betreiben des Pfarrers, des Vaters von Feldmarschall von Roeder. Die Tür von der Vorhalle ins Langhaus ist spitzbogig in einem Flachbogen; die Gewände bilden 4 Bündel aus Dreiviertelrippen mit zwei flachen Kehlen. Die Eichentür besitzt ein vorzüglich gearbeitetes gotisches Schloss. Auch sie ließ sich mit einem aus der Wand herausziehbaren Balken verriegeln. Das Langhaus mit Tonnengewölbe hat fünf Joche, über den Fenstern befinden sich sogenannte „Ohren“. Ähnliche Gewölbe gibt es in der Burg Lochstedt und in den Seitenschiffen des Königsberger Doms. Die Rippen, jeweils drei, laufen in der Mitte in einem Schlussstein zusammen und ruhen auf Konsolen in mittlerer Höhe. Hinter dem betont gotischen Triumphbogen (restauriert 1804 und 1857) beginnt der etwas später errichtete Chor. Er trägt ein Sterngewölbe, dessen Rippen wie im Langhaus auf in die Wände eingelassenen Halbsäulen ruhen.

Juditter Kirche

In der Westwand des Langhauses befindet sich eine kleine Backsteintreppe, die zum Dachboden führt. Nur über sie gelangte man in alter Zeit auf das Dach, als der Turm noch getrennt von der Kirche stand.

Juditter Kirche


Der Anbau an der Nordseite nach Osten hin beherbergt die Sakristei mit Kreuzgewölbe, Rippen mit birnstabförmigem Profil und Schlussstein, den heutigen Eingang in die Kirche sowie einen Raum, der zur Aufbewahrung verschiedener kirchlicher Gerätschaften diente.

Aus diesem Raum führte eine Tür in die Kirche, die von der Kirchenseite her vermauert, vom Anbau aus aber noch sichtbar ist. Daneben sind Reste einer Wandmalerei in Rot und Grün erhalten. Im Süden gab es eine weitere Tür im mittleren Joch des Langhauses, die in der Renaissancezeit zugemauert wurde.

Juditter Kirche

Die heutige Eingangstür hat ein Schloss von 1753 und einen spätgotischen Türring. Rechts vom Altar steht seit der Zeit der Wallfahrten unter Hochmeister Konrad von Jungingen (1395–1407) die berühmte überlebensgroße Figur der Muttergottes. Zwei Altarleuchter aus Zink, 1804.

Fragment der Wandmalerei in der Juditter KircheFragment der Wandmalerei in der Juditter Kirche.


Ein vergoldeter silberner Kelch und eine ebensolche Hostienschale mit dem Wappen der Schimmelpfennig. Eine ovale silberne Hostiendose, Anfang des 18. Jahrhunderts. Kanzel aus dem 17. Jahrhundert. Orgel von 1840. In einer der Nischen der Sakristei war an einem Haken ein Weihwasserbecken befestigt; heute liegt es vor dem nördlichen Anbau.

Eine Opferbüchse aus dem 18. Jahrhundert. Ein Epitaph eines Mitglieds der Familie Roeder von 1679. Weitere Epitaphe ohne besonderen Wert.

HEUTIGE NUTZUNG DES BAUWERKS


Beim Sturm auf Königsberg im April 1945 blieb die Juditter Kirche unbeschädigt, und bis 1948 hielt die deutsche Bevölkerung darin evangelische Gottesdienste ab. Unmittelbar nach der Aussiedlung der Deutschen wurde die Kirche von Neusiedlern aus der UdSSR verwüstet. Bald stürzte das Dach des Hauptschiffs ein, und bis Ende der 1950er-Jahre wurden auch das Dach des Chors und des Übergangs vom Turm zum Langhaus zerstört.

Bis Anfang der 1960er-Jahre waren das Dach und der obere Teil des Turms zerstört. In den 1970er-Jahren begannen die Mauern einzustürzen.

Juditter Kirche


1985 wurde die Juditter Kirche der Russisch-Orthodoxen Kirche übergeben. Nach der Instandsetzung dient sie heute für orthodoxe Gottesdienste und trägt den Namen St.-Nikolaus-Kathedrale.


Abbildungen auf dieser Seite: Bildarchiv Ostpreußen / bildarchiv-ostpreussen.de, aktuelles Foto von Michail Ogorodnikow.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.