Zur Erinnerung: Den ersten Platz und einen Preis von zwei Millionen Rubel sprach die zur Hälfte aus örtlichen Beamten bestehende Jury Anton Sagal zu, einem Studenten des Politecnico di Milano, dessen Idee darin besteht, die bekanntesten Teile des Schlosses wiederherzustellen und sie durch Bauten im modernen Stil zu verbinden. (Die Preisverleihung fand gestern, am 10. Dezember, abends im Gebäude des Kaliningrader Gebietsmuseums für Geschichte und Kunst statt.)
Bei der Internetabstimmung landete Sagals Entwurf jedoch auf dem fünften von sechs Plätzen. Gewonnen hat dort (und zwar bedingungslos, mit riesigem Abstand zum nächsten Verfolger) der Architekt Arthur Sarnitz, der vorschlug, das Königsberger Schloss samt den angrenzenden Quartieren vollständig wiederaufzubauen.
Dass das kein Zufall ist, bestätigten die Ergebnisse einer parallel laufenden Internetabstimmung auf der Plattform eines der führenden Nachrichtenportale der Stadt. Dort fiel Sarnitz’ Sieg noch überzeugender aus – er erhielt fast fünfmal (!) so viele Stimmen wie der Zweitplatzierte.
Was sagt uns das alles? Es sagt, glaube ich, dass die Notwendigkeit, das Königsberger Schloss wiederaufzubauen, heute von Gesellschaft und Obrigkeit voll erkannt ist. Letztere jedoch, die zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen lavieren muss und allen gefallen will, hat es vorgezogen, den Hauptpreis dem vorsichtigeren Sagal zu geben, der nicht einmal vorzuschlagen wagte, das Haus der Räte abzureißen.
Man darf annehmen, dass die Jurymitglieder (jedenfalls die Fachleute unter ihnen) sehr wohl verstanden, dass der Entwurf des Mailänder Politecnico-Studenten etwas unausgegoren und nicht ganz zu Ende gedacht ist. Nicht zufällig baten sie Sagal, als sie ihm den ersten Platz zusprachen, die Fassaden zu überarbeiten.
Stellen Sie sich vor: Jemand wird zum Sieger erklärt, und man schlägt ihm vor, den Entwurf noch fertigzustellen.
Das ließe sich verstehen, wenn Anton keine ebenbürtigen Konkurrenten gehabt hätte. Aber so ist es ja nicht. Sehen Sie sich die Präsentation von Sagals Entwurf und die Präsentation von Sarnitz’ Entwurf an.
Man muss kein Fachmann sein, um zu sehen, dass der zweite viel gründlicher ausgearbeitet ist. Sarnitz zeichnet nicht nur das Schloss bis ins Detail, sondern zeigt auch eine Perspektive für die Entwicklung der Stadt. Und das ist nicht verwunderlich. Der Architekt hat mehr als zehn Jahre an seinem Entwurf gearbeitet. Man kann sagen, dass er in dieser Zeit im Schloss gelebt hat. Er kennt dort jeden Winkel, jede Fensteröffnung, jede Laterne.
Es scheint, dass Anton als kluger Mensch die Heikelkeit der Lage sehr gut versteht, weshalb ein beträchtlicher Teil seiner öffentlichen Auftritte der Erklärung gewidmet ist, warum er eigentlich nicht vorgeschlagen hat, das Schloss vollständig wiederaufzubauen. So äußerte er sich kürzlich bei einem Vortrag im Kunstraum „Worota“ sinngemäß, ein wiederaufgebautes Königsberger Schloss werde keinerlei historischen Wert haben. „Hier (im Sackheimer Tor – Anm. d. Autors) kann man die Mauer berühren und genau jene Materie spüren, die hier schon seit Jahrhunderten steht. Von einem Neubau geht eine ganz andere Wirkung aus“, sagte er.
Nun, das ist ein recht verbreitetes Argument. Wer jedoch auch nur einmal im benachbarten Gdańsk war, den überzeugt es leider nicht. Danzig wurde von den Alliierten noch stärker bombardiert als Königsberg, nach dem Krieg blieb dort kein Stein auf dem anderen, alles musste praktisch von null an wiederaufgebaut werden. Doch wenn man über den Długi Targ und durch die anderen Gassen der Altstadt spaziert, vergisst man völlig, dass die Schönheit um einen herum in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts errichtet wurde.
Von jeder Mauer, von jedem Stein geht dort die Energie einer mittelalterlichen Stadt aus.
Deshalb fühlt sich keiner der Abertausenden Touristen (unter denen übrigens viele Kaliningrader sind) betrogen. Man muss sagen, dass Sagal all das sehr wohl bekannt ist. Er räumt ein, dass die polnische Erfahrung durchaus erfolgreich ist, meint aber, man solle sie nicht vollständig übernehmen, denn „Gdańsk holen wir ohnehin nicht ein“.
Nun ja, klar – nicht einholen, wenn man den Start ständig mit dem Hinweis verschiebt, wir hätten unseren eigenen, besonderen Weg. Wobei völlig unklar ist, worin dieser besondere Weg bestehen soll. Darin, bis ans Ende aller Tage das hässliche Haus der Räte zu bewundern?..
Andererseits räumt Sagal ein, dass es in der Gesellschaft eine Nachfrage nach der Architektur Königsbergs gibt. Aber wenn es diese Nachfrage gibt, sollte man sie dann nicht befriedigen? Und zwar vollständig und nicht halb, indem man die wiederaufgebauten Schlosstürme mit seltsamen, riesigen Hangars ähnelnden Bauten verbindet.
Natürlich kann man viele kluge Worte darüber verlieren, dass verschiedene historische Epochen im architektonischen Raum nicht miteinander in Konflikt geraten sollten, dass die Vergangenheit kein Vorbild, sondern eine Quelle der Inspiration sei, dass die Atmosphäre wichtig sei und nicht die genaue Rekonstruktion eines Objekts.
All das macht das Haus der Räte und die modernistischen Einschübe in das Schloss jedoch nicht attraktiver.
Selbstverständlich ist das, wie man heute so sagt, mein Werturteil. Doch eine ähnliche Meinung vertreten, wie die Internetabstimmungen gezeigt haben, Tausende Kaliningrader.
Warum hat Sagal also diesen Weg gewählt? Warum versucht er, Unvereinbares zu verbinden? Ich bin weit von dem Gedanken entfernt, der Grund sei der Wunsch, den Jurymitgliedern zu gefallen, von denen sich einige schon lange vor Beginn des Wettbewerbs öffentlich dafür ausgesprochen hatten, dass es gut wäre, auf dem Schlossberg alle historischen Epochen zu zeigen. Sagal ist einfach ein junger, talentierter Architekt, der versucht, sich selbst und seinen Weg zu finden, etwas Ungewöhnliches, Originelles vorzuschlagen und seine berufliche Kompetenz zu beweisen.
Er selbst besteht allerdings darauf, er sei „überhaupt kein Künstler“, er nutze lediglich seine Kenntnisse und Erfahrungen, um in Kaliningrad etwas zu schaffen, das es dort nie gegeben hat. Doch die schöpferische Suche ist in seiner Arbeit zu erkennen, unabhängig davon, wie man zu ihr steht.
… Und das wäre alles nicht schlimm – die wissbegierige Jugend neigte schon immer zu Experimenten. Das Problem besteht jedoch darin, dass Sagals Entwurf die Idee des Schlosswiederaufbaus selbst diskreditiert. Mir scheint (ich wäre froh, mich zu irren), dass wir im Falle seiner Verwirklichung kein architektonisches Wahrzeichen der Stadt bekommen, sondern irgendein Disney-Häuschen mit Türmchen. Und dann werden die Gegner des Schlosswiederaufbaus sich freudig die Hände reiben und sagen: „Na, seht ihr, seht ihr, was dabei herausgekommen ist?! Wir haben es doch gesagt, wir haben doch gewarnt!“ Wirklich, man sollte ihnen keinen so guten Anlass zur Schadenfreude geben.
Das Schloss muss vollständig und ordentlich wiederaufgebaut werden.
Vielleicht ohne sich zu bemühen, die Arbeit unbedingt bis zur Weltmeisterschaft 2018 oder zu irgendeinem anderen Termin abzuschließen, unter Verwendung möglichst hochwertiger Materialien und mit gründlichem Studium ausländischer (in erster Linie polnischer) Erfahrungen. Auch auf die eigenen kann man durchaus einen Blick werfen. In Moskau hat man ja die 1931 gesprengte Christ-Erlöser-Kathedrale wiederaufgebaut. Und zwar ganz und gar nicht schlecht.
Und experimentieren kann man doch auch in anderen Teilen der Stadt. Zum Beispiel in Selma …
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

