Vor der Ankunft der Kreuzritter in Preußen im Jahr 1233 gab es zwei markante Perioden, in denen die einheimische Bevölkerung massive Steinkonstruktionen errichtete. In der Bronzezeit waren es Grabkammern in Hügelgräbern aus massiven Steinplatten und Findlingen, die später zu den Steinsetzungen prußischer Bestattungen verkümmerten. Und später, im Frühmittelalter, begannen die Prußen als einzige unter allen Balten, an den Südgrenzen ihrer Lande anthropomorphe Steinskulpturen aufzustellen, die oft „Babas“1 genannt werden. Um sie soll es hier gehen.
Neuigkeiten aus Deutschland
In den Beständen des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin (MVF)2 wurde eine Gipskopie einer prußischen Stein-„Baba“ aus der Vorkriegszeit entdeckt – eines Kultbildes, das bis 1891 auf einem Feld an der Grenze der Dörfer Husehnen-Rossitten-Wackern stand (ungefähr im Gebiet zwischen den Siedlungen Pogranitschnoje und Dolgorukowo). In jenem Jahr brachte Professor Adalbert Bezzenberger (damals Direktor des Prussia-Museums) die anthropomorphe Skulptur, die vermutlich in das 11.–13. Jahrhundert datiert, ins Museum, wo sie zusammen mit anderen alten Steindenkmälern aufgestellt wurde und später spurlos verschwand.
Das Original wurde höchstwahrscheinlich im Schmelztiegel des jahrelangen Steinbruchs des Königsberger Schlosses vernichtet. Allerdings ist das nur eine Vermutung. Die Kopie aber hat sich gefunden, und nun ist sie dem Original, das es nicht mehr gibt, offensichtlich überlegen. Nachts betrachtet der „Versteinerte Mensch“ aus Husehnen, oder wie man die Skulptur auch nannte, „Das garstige Mädchen von Skirwitten“, die geretteten Exponate der Prussia-Sammlung. Höchstwahrscheinlich wurde die Kopie dieser Skulptur 1944 zusammen mit dem sogenannten „Lehr“-Teil der Sammlung nach Berlin gebracht und lagerte in einer der Kisten in den Depots des Museums für Vor- und Frühgeschichte, bis deutsche Erforscher der Prussia-Sammlung auf sie aufmerksam wurden.
Stein-Baba aus Husehnen-Rossitten (Rayon Bagrationowsk).
1. Gipskopie der Skulptur, entdeckt in den Beständen des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte. Foto: Christoph Jahn, 2015.
2. Die Skulptur im Hof des Prussia-Museums im Königsberger Schloss. Foto aus einem Artikel von Wolfgang La Baume, 1927.
3. „Das garstige Mädchen von Skirwitten“ in situ auf dem Feld zwischen den drei Dörfern, vor dem Abtransport ins Prussia-Museum.
Foto aus einem Artikel von Adalbert Bezzenberger, 1891.
Insgesamt zählt man mehr als 20 prußische Steinbildwerke mit „menschlichem Antlitz“, darunter solche, die schon im 18.–19. Jahrhundert verloren gingen und von denen nur mündliche Erwähnungen geblieben sind. Als echt anerkannt sind mindestens 14–15, die übrigen gelten als Nachbildungen der Neuzeit und Neuesten Zeit. Sie alle konzentrieren sich im südlichen Teil der prußischen Lande: im Süden Natangens und in Barten (die erwähnte „Baba“ sowie 2 aus Bartoszyce und die berühmteste aus Barciany, von der weiter unten die Rede ist), in Galinden (eine der Skulpturen ist im Kaliningrader Museum für Geschichte und Kunst erhalten), in Pomesanien und Sassen (südlich von Elbląg, an der Nahtstelle zu den Slawen, hier gibt es die meisten). Ich werde nicht alle Skulpturen mit Namen und Standorten aufzählen, darüber gibt es genug polnische Veröffentlichungen. Zum Beispiel den hervorragenden Sammelband „Prußische Steinbaben“, der bei unseren Nachbarn nach einer wissenschaftlichen Konferenz 2007 erschien, mit Beiträgen der Archäologen und Historiker Mirosław Hoffmann, Seweryn Szczepański und Jerzy Łapo, von denen einige im Internet zu finden sind.
Über die Herkunft der Stein-„Babas“
Beim ersten flüchtigen Blick auf die in den prußischen Landen gefundenen Steinbildwerke ziehen Bilder türkischer, skythischer und kumanischer mittelalterlicher „Babas“ aus dem Vorland des Altai oder den ukrainischen Steppen vorüber.

Frühmittelalterliche Steinbaben der Steppenvölker.
Foto aus der Sammlung des Autors.
Zugegeben, weit entfernt von den Prußen. Obwohl bekannt ist, dass die Zeit keine Entfernung ist für beliebige, selbst die kühnsten und scheinbar radikalsten Gedanken und Bilder. Man kann festhalten, dass alle genannten Beispiele gemeinsame Wurzeln haben könnten, die im Bereich der steinzeitlichen Kunst liegen. Da unser Gebiet lange von einem Gletscher bedeckt war, stehen die Steinbildwerke sowohl der Prußen als auch der Nomaden kaum in direkter Beziehung zu den paläolithischen Venusfiguren (man denke an die sog. „Venus von Laussel“ mit dem „Füllhorn“).

Venus von Laussel, Jungpaläolithikum.
Foto aus der Sammlung des Autors.
Dabei reisten die Ideen, Mythen und Mysterien des Mesolithikums durch Zeit und Raum und konnten vor etwa 10.000–12.000 Jahren zusammen mit den Rentierjägern durchaus die Ufer der eben entstandenen Ostsee erreichen. Viel später, in der Jungsteinzeit, um 5000 v. Chr., erscheinen im Gebiet des südöstlichen Baltikums Beispiele örtlicher ritueller „Kunst“, die von fern an die monumentalen Darstellungen von Ahnen, Geistern, Göttern oder Helden auf den prußischen mittelalterlichen Skulpturen erinnern. Vor allem sind dies die Bernsteinfiguren des Schatzfundes von Schwarzort-Juodkrantė, der einst zur berühmten Prussia-Sammlung gehörte, die bis 1944 in Königsberg aufbewahrt wurde.

Neolithische Bernsteinfiguren aus dem Schatzfund, der in einer Grube bei Schwarzort-Juodkrantė entdeckt wurde.
Zeichnung aus der zweiten Hälfte des 19. Jh. aus dem Buch von Audronė Bliujienė, 2007.
Monumentalität und Minimalismus der Ausdrucksformen bestimmten für lange Jahrtausende die Entwicklung der Kunst im Ostseeraum. Was wir heute in den strengen Gesichtern der prußischen Bildwerke sehen, könnte lange vor dem Erscheinen der Prußen selbst entstanden sein, genauer – vor ihrer Herausbildung und ihrem Selbstverständnis als solche.
Was verbindet die Bildwerke aus verschiedenen Regionen des historischen Preußen?
Vor allem ähnliche Größe und Form sowie das Material – granitoide Gesteine. Viele der Skulpturen stellen offensichtlich männliche Krieger, Anführer oder Anführer-Priester dar (die Baba aus Mózgowo-Łaseczno) und sind mit Rhyta ausgestattet – Trankopferhörnern –, in einigen Fällen auch mit Schwertern, Helmen und sogar Schilden. Mitunter sind die Arme der Skulpturen vor der Brust gekreuzt, was an die Haltung einer „Orans“ erinnert. Auffällig sind die Gemeinsamkeit der Plastik, die Ausdruckskraft und Klarheit der Formen, die mit asketischen Mitteln erreicht wird. Meist handelt es sich um Reliefarbeit an der Vorderseite des Steins, wobei mit Linien unterschiedlicher Tiefe durch das Spiel von Licht und Schatten größtmögliche Ausdruckskraft erzielt wird. Gewöhnlich sind der Kopf, die vor der Brust oder in Gürtelhöhe gefalteten Hände, manchmal auch Details der Kleidung und des Schmucks gut ausgearbeitet. Die Rückseite der Skulptur ist gewöhnlich nur minimal bearbeitet, einfach geglättet.
Stein-Baba aus Mózgowo-Łaseczno. 1. Foto: W. La Baume, aus dem Archiv von Herbert Jankuhn, Schleswig.
2. Vor der Restaurierung, 2006. Foto des Autors. 3. Nach der Restaurierung/Reinigung, 2009. Foto des Autors.
Wann erschienen die Stein-„Babas“ im Gebiet der Prußen?
Was könnte das Aufkommen eines für die anderen Balten so untypischen Phänomens bei den Prußen beeinflusst haben? Manche Autoren meinten, die Errichtung monumentaler Steinbildwerke durch die Prußen sei ebenso ein Nachklang der Steppen- oder Nomadenkultur wie Bestattungen mit Pferden, das Trinken von Kumys, der Gebrauch von Steigbügeln u. a., insbesondere der Traditionen der Awaren. Letztere erschienen im 6. Jahrhundert an den Grenzen Europas und gingen im 8.–9. Jahrhundert im Reich Karls des Großen und unter den Magyaren auf. Der Haken ist, dass Pferdebestattungen bzw. -opfer bei den Aisten – den Vorfahren der Prußen – bereits an der Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert auftreten. Und das Trinken von Stutenmilch ist für alle Völker typisch, bei denen das Pferd im Alltagsleben und in den Ritualen eine besondere Rolle spielt. In diesem Fall hätten die Stein-„Babas“ bei den Prußen am Ende der Völkerwanderungszeit auftauchen müssen. Doch das geschieht erst einige Jahrhunderte später.
Woher kennen wir die Entstehungszeit der prußischen Stein-„Babas“? Vor allem aus der relativen Datierung einiger Typen archäologischer Artefakte, die von den Steinmetzen dargestellt wurden. Zum Beispiel das Schwert an der Seite der „Baba“ aus Mózgowo, dessen Aufkommen auf das Ende des 12. bis zur ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert wird (siehe vorige Abbildung). Der spitze und der ovale Helm der Skulpturen aus Bartoszyce und Bronowo können einem breiteren Zeitraum angehören – dem 11. bis Anfang des 13. Jahrhunderts.

Skulpturen aus Bartoszyce („Bartel“) (1, 2) und Bronowo (3, 4),
bekrönt mit mutmaßlichen Helmen. Foto des Autors.
Und die mehrfach gewundenen Halsringe, die wahrscheinlich auf den erwähnten „Babas“ aus Bronowo und Mózgowo dargestellt sind, verbreiten sich bei den Prußen im 13. Jahrhundert und später. Die Stein-„Baba“ aus Barciany hält unten möglicherweise eine sogenannte Pavese, auch als „Prußenschild“ bekannt, der an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert aufkam.

Stein-Baba aus Barciany im Hof der Burg Olsztyn und ihre Details:
Rhyton und mutmaßlicher Pavesenschild. Foto des Autors.
Allerdings könnte Letzterer auch später eingemeißelt worden sein – an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert. So lässt sich die allgemeine ungefähre Datierung 11.–13. Jahrhundert auf den Zeitraum von der zweiten Hälfte des 12. bis zur ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts eingrenzen – die Zeit heftiger Zusammenstöße der Prußen mit polnischen und dänischen Feudalherren und ab den 1230er-Jahren mit den Rittern des Deutschen Ordens.
Andere, den „Babas“ ähnliche Bilder
Strenge Bilder von Ahnen und Göttern existieren also seit Jahrtausenden in den Archetypen des Unterbewusstseins. Vielleicht lag die Quelle bildlicher Inspiration für die prußischen Steinmetze irgendwo in der Nähe. Näher, als uns scheint. Wir wissen, dass die Prußen viel reisten. Nowgorod und Gdańsk, Gotland und Jütland und viele andere Städte und Dörfer Nordeuropas, des alten Polen und der Rus. Die den prußischen Bildwerken am nächsten stehenden und zeitgleichen Beispiele monumentaler Kunst sind die Flachreliefs mit Darstellungen von Priestern und Göttern der Westslawen auf der Insel Rügen und in Pommern. Und vor allem ist das der sogenannte „Svantevit-/Swantewit-Stein“ in der Kirche von Altenkirchen unweit des berühmten Kap Arkona auf der Insel Rügen, der in die Wand der Kirche aus dem 12.–13. Jahrhundert eingemauert ist und einen Gott oder Priester (?) mit einem Rhyton oder Füllhorn darstellt. Ihm ähnelt auch ein Stein, der in die Stadtmauer von Bergen auf Rügen eingemauert ist und gewöhnlich entweder mit Svantevit oder mit dem Rügenfürsten Jaromar in Verbindung gebracht wird.
Steinbildwerke westslawischer Götter oder Priester des 11.–12. Jh.
1. Stein, eingemauert in die Wand der Kirche von Altenkirchen. 2. Stein in der Mauer der Stadt Bergen.
Foto: Denis Dawydow.
Ebenso einige andere als heidnisch gedeutete Steine, die in den lausitzischen Landen (einem Teil des heutigen Sachsen und Brandenburg) auf dem Gebiet Norddeutschlands gefunden wurden. Den prußischen „Babas“ nahe stehen auch hölzerne „Idole“ des ersten Jahrtausends unserer Zeitrechnung, die auf dem Gebiet Pommerns und Schleswig-Holsteins gefunden wurden. Interessanterweise wurde mindestens eines der prußischen Bildwerke ebenfalls in die Wand einer Ordenskirche des 14. Jahrhunderts in Prątnica eingefügt.

Prußisches Idol (?), eingemauert in die Wand der Kirche aus dem 14. Jh. in Prątnica, Polen.
Foto: Seweryn Szczepański.
So betonten die Diener des neuen Kults die untergeordnete Stellung der alten Religion, indem sie Kirchen an der Stelle alter Heiligtümer errichteten und teilweise heidnische Attribute und Feste nutzten, um Neubekehrte zu gewinnen. Doch hier geht es um etwas anderes. Die Kunst der westslawischen Steinmetze des 11.–12. Jahrhunderts erfuhr einen erheblichen Einfluss des monumentalen romanischen Stils, dessen Wirkung in der sakralen Architektur und Plastik Europas dieser Zeit besonders spürbar war.
Die Prußen selbst, bekannte Reisende, könnten ebenfalls stark beeindruckt gewesen sein vom Schmuck der frühen steinernen Kathedralen von Gniezno, Gdańsk, Dänemark, Gotland und Norddeutschland und teilweise den strengen Ausdruck des romanischen Bildes übernommen haben. Und natürlich könnten die früheren Runensteine Skandinaviens als Quelle der Inspiration gedient haben. Besonders die gotländischen Bildsteine des 5.–12. Jahrhunderts mussten die Aufmerksamkeit prußischer Händler auf sich ziehen.

Gotländische Bildsteine des 9.–11. Jh. in der Landschaft.
Foto: Gotlands Museum, Visby.
So verkörperten sich uralte Archetypen, die Geometrie des prußischen Stils und äußere Einflüsse in primitiven, aber ausdrucksstarken Skulpturen von Ahnen, Anführern, Göttern oder Helden, die sich an den Südgrenzen des baltischen Sprachraums erhoben.
Die funktionale Bedeutung der Stein-„Babas“
Eines der Probleme bei der Deutung der prußischen Steinskulpturen besteht darin, dass sich keine von ihnen schon im 18.–19. Jahrhundert an ihrem ursprünglichen Platz befand. Und man kann über die ursprüngliche Lage und Bedeutung der „Babas“ nur Vermutungen anstellen. Nach ihrer Entstehungszeit und ihrer Bildsprache zu urteilen, müssen sie eine kultische Bedeutung gehabt haben. Doch welche? Ein möglicher Hinweis könnte der Fund eines Steins sein, der einem anthropomorphen Bildwerk ähnelt, zusammen mit Kontextkeramik des 11.–12./13. Jahrhunderts bei den Ausgrabungen von Mariusz Wyczółkowski am Fuß des Burgwall-Heiligtums der Barter Prußen Poganowo (Gegend von Kętrzyn).

Mutmaßliches Steinbildwerk, gefunden
am Fuß des prußischen Burgwalls Poganowo, Gegend von Kętrzyn.
Foto: Mariusz Wyczółkowski.
Der Stein selbst erinnert allerdings kaum an die gut ausgearbeiteten Gestalten der prußischen Skulpturen, sondern ähnelt eher den bronzezeitlichen „Stelen“ aus dem Schwarzmeerraum und von der Krim. Wahrscheinlich haben wir es mit einem natürlichen Stein zu tun, der einige „menschliche“ Züge aufweist und deshalb von den Prußen auf dem Gelände einer Opferstätte aufgestellt wurde. Vielleicht befand sich ein Teil der prußischen Stein-„Babas“ tatsächlich auf dem Gelände bekannter Kultzentren, denn eine ähnliche Skulptur im südlichen Teil Preußens wird in einer der Ordensurkunden als sakrales Objekt erwähnt.
Es gibt auch die Vermutung des Allensteiner Erforschers prußischer Altertümer Robert Klimek, die prußischen Stein-„Babas“ könnten an Kreuzungen wichtiger Straßen, Handelswege und anderer Verbindungen gestanden haben, auch solcher, die mit Pilgerfahrten zu heiligen Stätten vor der Ankunft der Kreuzritter verbunden waren. Interessant ist auch, dass die größte Konzentration prußischer Stein-„Babas“ auf die Region Pomesanien-Sassen entfällt, die nahe am baltisch-slawischen Grenzgebiet liegt. Vielleicht waren diese monumentalen Skulpturen eine Art Grenzmarken der prußischen Lande im Zuge des Vordringens der Prußen nach Süden.

Verbreitungskarte der Bestattungen mit Trinkhörnern —
Rhyta – bei Kuren und Prußen im 10.–13. Jh. Unten links die Zone
der Hauptkonzentration der ausdrucksstärksten Skulpturen der Prußen.
Abbildung aus der Dissertation des Autors, 2012.
Bekanntlich waren die Beziehungen der Prußen zu den polnischen Feudalherren im 11.–13. Jahrhundert alles andere als friedlich, schlossen aber die Teilnahme prußischer Kriegerscharen an den Bruderkriegen der Polen nicht aus.
Im Mittelalter und in der Neuzeit kommen neue Deutungen der Gestalten der prußischen Skulpturen auf, die ursprüngliche Bedeutung wird mit der Zeit immer weniger verstanden. Daher entstehen die nicht tiefgründigen, aber nicht reizlosen und teilweise historisch verankerten Legenden von „Bartel und Gustebalde“ (die „Babas“ aus Bartoszyce), vom „Garstigen Mädchen von Skirwitten“ und von anderen Menschen, die für ihre Vergehen und Sünden zu Stein wurden. Bartel durfte dank seines kegelförmigen Helms die Rolle einer Bischofsskulptur spielen und wurde im 18.–19. Jahrhundert mit einer echten goldenen Tiara geschmückt (deshalb entstanden seitlich am Kopf der Skulptur Löcher für ihre Befestigung). Viele der Skulpturen wurden bis Ende des 19. Jahrhunderts von ihren damaligen Standorten fortgebracht und in Freiluftausstellungen der Museen von Danzig und Königsberg aufgestellt. Ein kleiner anthropomorpher Stein aus Jelitken/Jelity, der einen bärtigen Mann mit einer Mütze (?) darstellt, aus der alten Sammlung des Prussia-Museums wurde in den Ruinen des Königsberger Schlosses gefunden und befindet sich heute im Kaliningrader Museum für Geschichte und Kunst.

Anthropomorphes Bildwerk aus Jelitken (Jelity)
in der alten archäologischen Ausstellung
des Kaliningrader Gebietsmuseums für Geschichte und Kunst.
Foto des Autors, 2008.
Stein-„Babas“ auf dem Gebiet der Region Kaliningrad
Nach historischen Quellen und archäologischen Daten sind auf dem Gebiet der Region Kaliningrad heute keine Stein-„Babas“ bekannt, mit Ausnahme des Steins aus Husehnen, von dem oben die Rede war. Es gibt allerdings eine Erwähnung eines „Kultsteins“ bei der Siedlung Pribreschnoje im Rayon Selenogradsk, der angeblich die Darstellung eines menschlichen Gesichts trägt. Der Stein wurde bei archäologischen Erkundungen gefunden, die Wladimir Kulakow 1977 durchführte. Da der Stein selbst nach späteren Angaben dieses Autors nicht erhalten ist, lässt sich seine Echtheit anhand der angeführten Zeichnungen und des Fotos schwer beurteilen3.

Stein aus der Siedlung Pribreschnoje im Rayon Selenogradsk.
Zeichnungen und Foto aus dem Bericht von W. Kulakow, 1977.
Andererseits erwähnt Wladimir Kulakow in einem der historischen Reiseführer durch die Region Kaliningrad einen anderen merkwürdigen Stein, der sich heute unweit der Stadt Swetlogorsk in der Siedlung Salskoje/St. Lorenz bei den Ruinen einer in den Nachkriegsjahren zerstörten Kirche befindet. Es ist eine längliche, an den Seiten abgeflachte „Stele“, die von fern in ihrer Form an die prußischen Stein-„Babas“ erinnert. Dabei ist der Stein kleiner und weist keine deutlichen anthropomorphen Züge und andere Details auf, die den erwähnten Skulpturen eigen sind. Auf Bauch und Rücken des Steins sind Kreuze in einem Schild eingemeißelt sowie die lateinischen Buchstaben A.H., was auf die Verwendung des Steins als Grenzstein an den Grenzen von Ordens- und Kirchenland oder alter Landzuteilungen hindeuten könnte, was jedoch fraglich bleibt. Unbekannt ist allerdings, von wem und wann diese Symbole in den Stein gehauen wurden und wann er zur Kirche gelangte. Wladimir Kulakow deutet den Stein als unvollendete prußische Stein-„Baba“, worauf die rudimentären „Arme“ an den Seiten der „Statue“ sowie die „abgeschlagene“ und geglättete Vorderseite hindeuten könnten, die mit einem Ordens(?)kreuz im Schild „geschmückt“ ist und oben einen runden Vorsprung hat. Alles in allem gibt der Stein aus Sankt Lorenz, wie die prußischen Stein-„Babas“ selbst, mehr Rätsel auf, als er reale Fakten liefert.

Teilnehmer der internationalen wissenschaftlichen Konferenz Natural Holy Places („Natürliche Heiligtümer“),
die im Kaliningrader Gebietsmuseum für Geschichte und Kunst stattfand,
besichtigen den Stein aus Sankt Lorenz. Foto des Autors, 2012.
In den letzten Jahrzehnten haben sich unsere polnischen Nachbarn einer aktiven Popularisierung des ostpreußischen historischen Erbes angenommen. Auch an einem so visuell markanten Phänomen wie den prußischen Stein-„Babas“ gingen sie nicht vorbei. Am populärsten wurde die rundgesichtige Skulptur aus Barciany, die heute im Hof der Burg Olsztyn steht. Gipsrepliken dieser Skulptur, mitunter in völlig unerwarteten Farben und ungewöhnlichen motivischen Deutungen, begegnen einem immer wieder im öffentlichen Raum von Olsztyn sowie als Kleinplastik in Form von Schlüsselanhängern und anderem Krimskrams.

„Parade der prußischen Babas“. Repliken des Bildwerks aus Barciany auf einer Straße in Olsztyn.
Foto: Tomasz Waszczuk, Gazeta Wyborcza, 2012.
Und die Schmuckkollektion „Prußische Babas“ von Anna Szewczuk-Ciesielska (Studio TT, Elbląg), in der Motive der Skulpturen aus Barciany und Mózgowo verwendet werden, erhielt vor einigen Jahren einen Preis als bestes „Souvenir von Ermland und Masuren“ und wurde zur Visitenkarte der Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Die Stein-Baba aus Barciany in der Schmuckkollektion von Anna Szewczuk-Ciesielska.
Foto: Studio TT.
Dem einen gefällt das, dem anderen nicht, aber die Hauptsache ist, dass das Erbe der Prußen, indem es neue und mitunter völlig unerwartete Formen annimmt, weiterlebt und die Aufmerksamkeit von Liebhabern alter Geschichte und Kunst auf sich zieht.
Von Legenden, Mythen und volkstümlichen Erfindungen über die prußischen Stein-„Babas“ erzähle ich in der nächsten Veröffentlichung.
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1. Das türkische „babá“ übersetzen manche als „Vater, Papa“, „Ahne“. Das polnische Baby kamienne steht ihrer deutschen Bezeichnung Steinbaben nahe, daher auch das russische „kamennyje baby“.
2. Das Museum für Vor- und Frühgeschichte ist in vielem der Erbe des Königsberger Prussia-Museums, da sich in ihm ein bedeutender Teil von dessen „Lehr“-Sammlung befindet, die Ende 1944 fortgebracht wurde.)
3. Man kann nur hinzufügen, dass Mitarbeiter der Samländischen Archäologischen Expedition der Russischen Akademie der Wissenschaften im Sommer 2005 ohne große Mühe nach einer Zeichnung aus dem Buch von W. Kulakow von 2003 eine Kopie dieses bemerkenswerten pseudo-prußischen Bildwerks anfertigten, die den Spitznamen „Pikachu“ erhielt und zu einem festen festlichen Attribut während der Grabungssaison 2005–06 wurde. Das weitere Schicksal des Bildwerks ist, wie das seines Vorbilds, unbekannt.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

