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Alles Gute zum Geburtstag, berühmtester Bewohner unserer Stadt!

Alles Gute zum Geburtstag, berühmtester Bewohner unserer Stadt!

Zwei Jahrhunderte nach seinem Tod ist Immanuel Kant noch immer der berühmteste Bewohner seiner Stadt. Dank ihm weiß jeder gebildete Mensch auf der Welt etwas über Kaliningrad, dank ihm haben die heutigen Stadtbewohner die Möglichkeit, sich den Gipfeln des menschlichen Denkens verbunden zu fühlen.

Dankbarkeit kann verschiedene Formen annehmen; die bequemste und darum leider verbreitetste ist das Aufsagen von Pflichtfloskeln zu allerlei feierlichen Anlässen, gewürzt mit zwei, drei allseits bekannten Zitaten des Philosophen.

Floskeln wie Zitate nutzen sich durch häufigen Gebrauch ab und verlieren ihren Inhalt; hinter ihrer eintönigen Anhäufung geht das Bild des wirklichen Menschen verloren. Der berühmteste Bewohner der Stadt erweist sich als Unbekannter.

Wenn man wieder einmal feierliche Worte über Kants Größe und seine Bedeutung für die heutige Stadt hört und wieder einmal kostspielige Projekte zur Verewigung seines Namens sieht, fragt man sich unwillkürlich: Hätte Kant selbst nicht das Schicksal seines Freundes und philosophischen Gegners Johann Georg Hamann vorgezogen, ebenfalls ein großer Königsberger Philosoph, dessen Andenken in Kaliningrad vor dem müßigen Publikum verborgen ist? Nach allem, was wir über Kant wissen, war Bescheidenheit ein beständiger Zug seiner Persönlichkeit, und sie zu achten ist die erste Pflicht der Dankbarkeit.

Emanuel Kant wurde, versteht sich, 1724 in Königsberg geboren – doch künftig wollen wir die allgemein bekannten Fakten zugunsten weniger bekannter umgehen. Nicht sehr bekannt ist zum Beispiel die Tatsache, dass Kant die ersten gut zwanzig Jahre seines Lebens den Namen Emanuel trug und ihn erst um 1746 aus eigenem Wunsch änderte. Der junge Kant, der damals die alten Sprachen bereits gut beherrschte, meinte, „Immanuel“ gebe den Klang des hebräischen Ausdrucks „Gott mit uns“, von dem sein Name abgeleitet war, genauer wieder. Bekommen hatte er ihn ganz ohne Fantasie nach dem Kirchenkalender von seinen Eltern, dem Sattlermeister in dritter Generation Johann Georg Kant und Anna Regina, geborene Reuter. Herkunft und Beruf der Eltern bedeuteten, dass Kant selbst damit rechnen konnte, Sattler, Pfarrer oder bestenfalls preußischer Beamter zu werden. Wie im heutigen Kaliningrad galt im damaligen Königsberg die Beamtenlaufbahn oft als – bei einer gewissen Gewandtheit – vergleichsweise bequemer Weg zu Wohlstand und Ansehen.

Gewandtheit war in der Familie Kant ausgeschlossen: Die Frömmigkeit der Mutter, die strenge Erziehung und die rege Teilnahme der Familie am Leben der örtlichen pietistischen Gemeinde lenkten Kant von früher Kindheit an auf den Weg zum Pfarramt.

Kant lebte in der Handwerkervorstadt unweit der heutigen Kreuzung von Leninski-Prospekt und Polozkaja-Straße und begann mit acht Jahren den Unterricht in einer kleinen Hospitalschule, deren einziger Lehrer der örtliche Pfarrer war. Der Anfang versprach wenig, doch Kants Begabung fiel einem der Anführer der örtlichen Pietisten und Gönner der Familie auf, Franz Schultz, der ihm zur Aufnahme in das angesehene Gymnasium „Collegium Fridericianum“ verhalf, das auf das Universitätsstudium und eine anschließende Laufbahn in der Kirche oder im Staatsdienst vorbereitete. An die Jahre im Gymnasium dachte Kant stets mit Abscheu zurück. Schuld daran war die religiöse Atmosphäre: Der Pietismus verlangt eine tiefe und gefühlsbetonte Hinwendung zum Glauben, und die Lehrer unternahmen eifrige Anstrengungen, diese in den Schülern zu „erwecken“. Nach einer solchen Erziehung erschien Kant sein Leben lang nur dann in der Kirche, wenn die Umstände kein Ausweichen erlaubten. Doch trotz des psychischen Drucks lernte Kant tadellos. Besonders überzeugend waren seine Erfolge in Latein, und die römischen Klassiker blieben zeitlebens seine Lieblingslektüre.

Es ist unbekannt, für welches Fach Kant sich 1740 an der Universität einschrieb – neben seinem Namen vergaß man, die Fakultät anzugeben (und auch den Namen schrieb man falsch: „Kandt“).

Doch das ist nicht so wichtig, denn das Studium begann damals für alle gleich, mit der Philosophie. Schon gegen Ende des ersten Studienjahres hatte Kant die feste Absicht, sich nicht mehr von ihr zu trennen.

Diese Absicht hat er vollauf verwirklicht.

Die Aufnahme an der Universität bedeutete für Kant einen Wechsel des Standes: Aus dem Kreis der Handwerker trat er in den Kreis der Gelehrten über, sein Leben wurde nun nicht mehr von der Zunftgemeinschaft, sondern von der Universität geregelt. Fortan umgaben ihn gestandene Professoren, tatkräftige Dozenten und fröhliche Studenten. Kant fügte sich gern in ihre Gesellschaft ein, doch nach den Erinnerungen seiner damaligen Freunde begeisterte er sich nicht sonderlich für Trinkgelage, Fechten und andere studentische Vergnügungen. In den höheren Semestern genoss er Ansehen bei den jüngeren Kommilitonen, denen er bei schwierigen Fächern half. Für Kant war das zugleich eine Verdienstmöglichkeit, auf die er in jenen Jahren dringend angewiesen war: Sein Vater war krank, und er konnte nur auf die eigenen Kräfte und auf die Hilfe des Bruders seiner Mutter zählen, die damals längst gestorben war. Freunde erinnerten sich an Kants knappe Mittel und daran, wie gelassen er sie ertrug.

Ganz schwierig wurde die Lage für Kant 1748, als sein Vater starb und er die Sorge für die jüngeren Schwestern und den Bruder übernehmen musste. Kant konnte die Universität gerade noch abschließen und musste, noch bevor er seine Dissertation verteidigt hatte, Hauslehrer werden. Zuerst stellte ihn Pfarrer Andersch ein, Vater von fünf Söhnen, der im Dorf Judtschen lebte, dem heutigen Weselowka, 120 Kilometer von Königsberg entfernt. In Judtschen verbrachte Kant etwa drei Jahre, danach zog er nach Groß Arnsdorf, dem heutigen Jarnołtowo in Polen, um in der Familie Friedrich von Hülsens zu unterrichten.

Nach Königsberg kehrte er erst im August 1754 zurück, nachdem er etwa sechs Jahre außerhalb der Stadt verbracht hatte – vom Mythos des Stubenhockers Kant müssen wir uns also verabschieden.

Diese sechs Jahre waren mit gelehrter Arbeit gefüllt: Kant schrieb seine ersten Werke, offenbar in der Absicht, eine Stelle an der Universität zu finden. Seine allererste Schrift erschien 1749 und enthielt tiefsinnige metaphysische Betrachtungen. Danach wandte sich Kant jedoch den Naturwissenschaften zu. Gleich mehrere seiner Arbeiten aus der Mitte der 1750er Jahre waren der Kosmologie gewidmet, und eine davon, die „Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels“, enthielt eine Hypothese über die Entstehung der Himmelskörper, die später als „Kant-Laplace-Theorie“ bekannt wurde. Man kann sagen, dass den jungen Kant der gestirnte Himmel offenkundig mehr interessierte als das moralische Gesetz.

Die Überlegungen zu den Himmelskörpern hinderten Kant nicht daran, in das gesellschaftliche Leben der Stadt einzutauchen. Bald nach seiner Rückkehr nach Königsberg gehörte er zum festen Umgang der Familie des Grafen Heinrich von Keyserlingk, eines der großen Königsberger Aristokraten mit engen Verbindungen nach Russland – zunächst als Hauslehrer, dann als Freund und Gesprächspartner. Die Gräfin Caroline zeichnete 1754 das erste erhaltene Porträt Kants, und er nannte sie zeitlebens sein Frauenideal. Von da an erwarb sich Kant den Ruf des „eleganten Magisters“ – eines weltgewandten Gelehrten, eines Salonintellektuellen, der zwanglosen Gesprächen über die Themen, die das Königsberger Publikum bewegten, Tiefe zu verleihen vermochte.

Der Begriff „Eleganz“ verwies bei einem Mann jener Epoche unter anderem unbedingt auf seine Galanterie gegenüber Damen. Diese Galanterie bewies Kant nicht nur gegenüber Caroline von Keyserlingk. So dankte etwa eine gewisse Charlotte von Klingsporn noch in den Siebzigerjahren Kant in einem Brief für ein ihr einst geschenktes Gedicht von Christoph Wieland, das nicht nur philosophischen Inhalts war.

Bekannt sind mindestens zwei Fälle, in denen Kant ernsthaft eine Heirat erwog, sich aber beide Male entschloss, auf diesen beschwerlichen Schritt zu verzichten.

Zweifellos spielte in Kants Schicksal auch der Umstand eine Rolle, dass seine niedrige Herkunft eine Heirat mit einer Frau aus den Kreisen, in denen er verkehrte, unmöglich machte. Erst mit der Zeit wurde Kant zu dem uns bekannten alten Junggesellen, der in seinen Texten missgünstige Banalitäten über das andere Geschlecht fallen ließ.

1755 verteidigte Kant kurz hintereinander zwei Dissertationen, und das gab ihm das Recht zu lehren, was er mit großer Begeisterung tat. Interessanterweise war neben „Logik“ und „Metaphysik“ die populärwissenschaftliche „Physische Geographie“ seine gefragteste Vorlesung, die er im Laufe seiner Laufbahn neunundvierzigmal hielt. Kant war, wie wir wissen, kein Stubenhocker, aber natürlich auch kein passionierter Reisender; doch seine umfassende Belesenheit, sein Gedächtnis und seine Fantasie erlaubten ihm, den Hörern lebendige Vorlesungen über ferne Länder und ihre Sitten zu bieten.

Ein anderes populäres Vorhaben Kants – leider nicht verwirklicht und darum praktisch unbekannt – war ein Physiklehrbuch für Kinder. Die Idee dazu kam ihm Ende der 1750er Jahre; er besprach sie mit Hamann und lud ihn als Mitautor ein. Das wäre ein Königsberger „Dream-Team“ gewesen, doch Kant und Hamann vertraten zu unterschiedliche Ansichten: Kant wollte Newton folgen und den Kindern die Grundlagen des Mechanismus darlegen, Hamann dagegen war Kreationist und warnte Kant vor der „Verderbnis der Geister“.

Kant wie Hamann gehörten zum Kreis der örtlichen Literaten, dem auch Johann Gotthelf Lindner, Professor der Poesie, Theodor Gottlieb von Hippel, Jurist und später Bürgermeister von Königsberg, und der Beamte Johann George Scheffner angehörten. Dieser Kreis reichte über Königsberg hinaus und hatte Verbindungen nach Riga, Berlin und Petersburg. Viel Zeit verbrachte Kant auch in Gesellschaft von Offizieren – russischen, als Königsberg gut vier Jahre lang der russischen Krone gehörte, danach preußischen. Durch Privatstunden gewann Kant allmählich die Freundschaft der Generäle Meyer und Lossow; auf dem Gut des Letzteren war er sogar mehrere Monate zu Gast. Freunde hatte Kant auch unter den Kollegen – etwa Professor Kypke, dem das Lehren mit der Zeit so zuwider wurde, dass er stattdessen Zwiebeln und Möhren für den Verkauf anbaute, oder Professor Funck, dessen früher Tod 1764 Kant tief erschütterte.

Die „elegante“ Phase in Kants Leben dauerte bis Mitte der 1760er Jahre, also etwa bis zu seinem vierzigsten Lebensjahr. In dieser Zeit finden wir in seinem Leben keine Spuren der späteren berühmten Ordnung:

Ja, er verbrachte viel Zeit am Schreibtisch und hielt Vorlesungen, doch vom Mittagessen an gehörte seine Aufmerksamkeit den Freunden, die Abende den Karten und dem Billard, und nicht nur einmal kam es vor, dass Magister Kant nur mit Mühe den Heimweg fand.

All das begann sich Mitte der 1760er Jahre zu ändern, als Kant die britischen Kaufleute kennenlernte, die in Königsberg lebten. Einer von ihnen, Joseph Green, wurde sein bester Freund. Der Überlieferung nach begann ihre Freundschaft recht dramatisch: Ohne einander zu kennen, gerieten sie in einen politischen Streit über das Recht der nordamerikanischen Kolonien auf Selbstbestimmung; Kant ergriff Partei für die künftigen Vereinigten Staaten, Green forderte ihn daraufhin zum Duell, doch Kant vermochte seine Position so überzeugend zu begründen, dass die Streitenden sich versöhnten und Freunde wurden. Greens Leben folgte einem sorgfältig durchdachten System von Regeln oder „Maximen“, weshalb die Freundschaft mit ihm große Pünktlichkeit verlangte. Bekannt ist die Anekdote, wie Kant, der mit Green eine Kutschfahrt verabredet hatte, sich um einige Minuten verspätete und, als er zum Haus des Freundes eilte, sah, wie dieser vorbeifuhr, ohne auch nur den Kopf nach dem rufenden und mit den Armen fuchtelnden Kant zu wenden.

Green war, gestützt auf die Theorien britischer und französischer Philosophen, die er gut kannte, der Ansicht, dass der Mensch nur in dem Maße frei sein und wahre Würde besitzen könne, wie er sich nicht vom Strom der Ereignisse treiben lasse, sondern selbst gesetzten Regeln folge. Diese Überzeugung ging auch auf Kant über. Allmählich unterwarf auch er sein Leben einer strengen Ordnung, deren erste Opfer die Karten und die nächtlichen Gelage wurden und zu deren letzten die Theaterbesuche gehörten. Erst jetzt nahm Kants Erscheinung die Züge an, die man ihm gewöhnlich zuschreibt, und etwa ab 1770 begann der Philosoph mit der Niederschrift seiner berühmten „kritischen“ Werke. Doch diese Geschichte ist hinreichend bekannt.

Es ist Zeit, sich zu fragen: Was haben wir, einfache Kaliningrader, davon, dass in dieser Stadt einst Immanuel Kant gelebt hat?

Sollen wir alle sofort die „Kritik der reinen Vernunft“ lesen oder mit den „Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik“ beginnen? Was aus Kants Leben und Lehre kann uns von Nutzen sein? Wir hören die Stimmen der Skeptiker, die ihren Spott über die offizielle „Kant-Anbetung“ aus irgendeinem Grund auf die Gestalt des Philosophen selbst übertragen, die Stimmen selbsternannter „Patrioten“, die der Umstand beunruhigt – ihrer Meinung nach der wichtigste –, dass Kant ein Deutscher war. Die einen wie die anderen vermehren nur die überflüssige Aufregung. Vor allem hat unsere Stadt großes Glück gehabt. Berühmt ist sie nicht durch den Namen irgendeines bekannten Tyrannen oder Feldherrn und schon gar nicht durch den Namen jenes Funktionärs, zu dessen zweifelhafter Ehre sie heute benannt ist. Ihr wichtigster Bewohner ist kein Liebling Fortunas, den der Zufall zum Ruhm emporgetragen hat, sondern ein Mensch, der sich selbst geschaffen hat und sich durch mühevolle Denkarbeit und beharrliche Willensanstrengung von einer wenig verheißungsvollen Ausgangslage zu den Höhen des Geistes emporgearbeitet hat. Die Provinzialität der Stadt störte Kant nicht: Er, der Sohn eines Sattlers, setzte sie kurzerhand auf die Landkarte der Weltkultur. Wollte man die zentrale Idee seiner Philosophie benennen, so wäre es weder das „Ding an sich“ noch der „kategorische Imperativ“, sondern die jedem verständliche Idee der Menschenwürde, die sich in der freien und bewussten Entscheidung für einen achtungsvollen Umgang mit sich selbst und mit anderen verwirklicht. Man muss zugeben, dass diese Idee zu allen Zeiten Verehrung verdient. Ehren könnten wir Kants Andenken zum Beispiel, indem wir verkünden, dass seine Stadt ein Ort ist, an dem jeder Mensch als Zweck und nicht bloß als Mittel behandelt wird. Und indem wir uns bemühen, dass dies so oft wie möglich der Wirklichkeit entspricht.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.