Die Löbenichter Gasse Katzensteig kann man, wenn man will, ebenfalls einen „Winkel“ nennen, denn in Königsberg gab es keine anderen so engen und unheimlichen Durchgänge. Mit ihrer Enge, die angeblich nur einer Katze den Durchgang erlaubte, hat der Name allerdings kaum zu tun – unseren an enge Straßen gewöhnten Vorfahren kam sie gar nicht so eng vor. Eher verweist der Name darauf, dass sie zum Katzenbach führte, der munter plätschernd vom Mühlenberg herabfloss.
Zum Anfang des Katzensteigs gelangte man vom Roßgärter Markt aus über die Kollegiengasse oder über den Mittelanger.
Der Katzensteig auf dem Stadtplan von 1901. Der Roßgärter Markt rechts oben.
Bog man von der einen oder der anderen in die Krönchenstraße ein und ging dann die Oberbergstraße weiter, so stand man an der Stelle, wo einst das Krönchentor stand – ein niedriges Gebäude mit Satteldach und kleinem Giebel, das erst 1814 abgerissen wurde.
Das Haus hinter dem Tor, an der Ecke Kollegiengasse und Oberbergstraße, war seinerzeit der Gemeingarten des Löbenicht (Löbenichtscher Gemeingarten) oder, modern gesprochen, ein Gildenklub. An der Innenseite der Tür hing folgende Inschrift:
„Hier im Gemeingarten, so sagt man fein,
soll das dunkle Bier ein wahrer Schatz sein!
Wer mir nicht glaubt, der komme nur her
und trinke vom schwarzen Bier, so viel er begehr’!“
«In diesem Garten ingemein, Sagt man,
soll das best' Schwartzbier seyn;
Wer's nicht will glauben, wag' daran Ein'
Zech' und sey nur friedesam».
Fast bis 1900 diente der alte Saal des Gemeingartens als Tanz- und Fechtboden. Am 7. Dezember 1840 wurde in diesem Haus Hermann Goetz (Hermann Gustav Goetz, 1840–1876) geboren, der Komponist der Oper „Der Widerspenstigen Zähmung“. Am heutigen Gebäude, das an derselben Stelle steht, hängt eine ihm gewidmete Gedenktafel.

Hinter dem Tor wurde die Gasse enger, steinerne Stufen führten hinab, an der Wand leuchtete trüb eine Gaslaterne, wer wollte, konnte ein wenig schnurren – das war er, der Katzensteig.
Tauchte man aus dem Halbdunkel in die Tuchmacherstraße auf und überquerte sie, so gelangte man in die krumme Entengasse, die zur Löbenichtschen Langgasse führte. Am Haus des Dichters1 vorbei ging es weiter in die Bullatengasse, die zum Münchenhof führte, wo man, die alten Wege hinter sich lassend, mitten in den lärmenden Strudel der Gegenwart geriet.
Auch wenn der Katzensteig nicht die Poesie ähnlicher Gassen in Passau oder Danzig besaß, wurde er doch zum Schauplatz einer alten Legende, die zweifellos in die Herzogszeit, vielleicht sogar in die letzten Tage des Deutschen Ordens zurückreicht:
Nacht für Nacht rollten zwei Katzen in einem Braukessel die schmalste Gasse Königsbergs hinab zum Pregel und schwammen darin irgendwohin stromabwärts davon. Der Wächter auf der alten Holzbrücke wurde oft Zeuge dieses Schauspiels, und Gerüchte machten die Runde. Ein junger Brauknecht vom Berg ging ihnen nach und erzählte, was er gesehen hatte, allen, die er kannte, auch seiner Geliebten, die ausgerechnet die Frau eines Brauers war, dessen Brauerei auf jenem Hügel lag. Bald darauf, als der Knecht am Braukessel stand, kam eine große Katze auf ihn zu, rieb sich schnurrend an seinen Beinen und versuchte dann plötzlich, den Burschen in den Kessel zu stoßen. Der Brauknecht bekreuzigte sich voller Entsetzen und schleuderte sie mit letzter Kraft ins kochende Bier. Am nächsten Tag fand man die gesottene Brauersfrau tot im Kessel. Sie war eine der Hexen gewesen, die sich in Katzen verwandelten und auf dem Pregel ihr teuflisches Unwesen trieben.
ANMERKUNG DES ÜBERSETZERS
1. Vermutlich meint der Autor das mit einer Gedenktafel versehene Haus Löbenichtsche Langgasse 12, in dem der seinerzeit populäre Schriftsteller, Dichter und Dramatiker Heinrich von Kleist (Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist, 1777–1811) in den Jahren 1804–1806 wohnte.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

