Im Löbenicht lebte eine Frau, die Besitzerin der dortigen Brauerei. Und sie war eine Hexe. Jede Nacht verwandelte sie sich zusammen mit ihrer Freundin, einer Nachbarin, in eine Katze; dann setzten sich beide in den Braukessel und rollten darin den Katzensteig hinab zum Pregel, und von dort ging es weiter zum Hexensabbat. Der Wächter, der an der Holzbrücke am anderen Flussufer Posten stand, sah sie eines Tages und erzählte alles einem Knecht aus eben jener Brauerei.
Auch der Knecht schwieg nicht und verkündete jedem, der ihm zuhören wollte, wer die Herrin in Wirklichkeit war.
Schließlich kamen diese Geschichten der Hexe selbst zu Ohren. Sie wurde wütend und beschloss, mit ihrem geschwätzigen Knecht gründlich abzurechnen.
Als er eines Tages am Braukessel stand und das Bierbrauen überwachte, kam eine große Katze zu ihm, schnurrte und begann, ihren Rücken an seinem Bein zu reiben. Dabei versuchte sie, den Burschen anzustoßen, damit er in den Kessel fiele. Der erschrak, packte die Katze und schleuderte sie mit aller Kraft in die kochende Würze. Am nächsten Morgen fand man auf dem Boden des Braukessels keine Katze, sondern die tote Hexe.
QUELLE
Газета Das Ostpreussenblatt, Hamburg, №32 / 15.11.1952.
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Heinrich Tobal
Ballade vom „Katzensteig“ in Königsberg
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Im Viertel Oberlöbenicht
Ein altes Weib einst war,
Von Antlitz garstig, schwarz im Geist,
Das Herz voll Bosheit gar.
Als Wirtin jener Schänke dort
Kannt' sie ein jeder Mann,
Doch bei den ehrbar'n Leuten sah
Man sie als Hexe an.
Man raunte, dass die Hexe dort
Ganz heimlich in der Nacht
Mit einer Nachbarin zu zweit
Gar bösen Zauber macht.
Einmal zur stillen Mitternacht,
Als alles friedlich schlief,
Erspähte da der Brauknecht still
Die Herrin, wie sie lief.
Er ahnte, dass hier Teufelswerk,
Und kroch ins Buschwerk sacht,
Und von erhöhter Stelle gab
Er auf die Weiber acht.
Zu schwarzen Katzen wurden sie,
Die glühten feuerhell,
Die Teufelinnen sprangen in
Den Kessel, kreisten schnell.
Der Kessel, ganz als lebte er,
Rollt' übers Pflaster hin,
In vollem Lauf hinab zum Ort,
Wo Pregel floss dahin.
Den Kessel lenkend wie ein Boot
Auf dunkler Wellen Bahn,
Bis hin zum ersten Morgenrot
Die Katzen kreisten dann.
Der Knecht erzählte gleich herum,
Was er bei Nacht gesehn.
Seitdem ließ jeder, wie er konnt',
Den Hexen Platz zum Gehn.
Die Wirtin wusste bald genau,
Woher die Rede kam,
Und Rache für den Knecht stand fest,
Die Rechnung ohne Scham.
Im großen Kessel braute er
Am Morgen einst sein Bier,
Da schlich sich, wer weiß wo daher,
Heran ein Katzentier.
Sie schmiegt sich an den Burschen, schnurrt,
Reibt sich am Bein den Rücken,
Doch drängt ihn an des Kessels Rand
Mit immer festrem Drücken.
Die Augen zu, ergriff der Bursch
Die Trugkatz' quer und gut,
Und warf, des „Vaterunsers“ denkend,
Sie in die Siedeflut.
Am nächsten Morgen fand man dann
Am schwarzen Kesselgrund
Die Wirtin jener Schänke, die
Als Katze schlich zur Stund'.
P.S.
(von der Übersetzerin)
Seitdem verging so manches Jahr
Und mancher Winter auch,
Und reichlich Wasser floss im Pregel
Hinab nach altem Brauch.
Man treibt nicht Zauberei mehr hier
Im Viertel Löbenicht.
Ruhig ist es hier, und den
„Katzensteig“ gibt's mehr – nicht.
QUELLE
Heinrich Toball
Katzensteig zu Königsberg. 1892
«Ostpreussische Sagen und Schwanke»
● Von der Redaktion: Lesen Sie auf VisitPrussia.com das Interview mit der Übersetzerin deutscher und insbesondere preußischer Märchen, unserer ständigen Autorin Tatjana Koliwai, die einen eigenen Blog führt, in dem unzählige weitere Gleichnisse, Legenden und Märchen in ihren Übersetzungen veröffentlicht sind.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

