Es gibt jedoch Belege dafür, dass ein Rezept für Königsberger Klopse wesentlich früher gedruckt wurde. 1805 erschien im Verlag Göbbels und Unzer das Buch „Preussisches Kochbuch fuer Frauenzimmer, die Hauswesen und Kueche mit moeglichst geringer Muehe und Kosten selbst verwalten wollen“. Die Verfasserin Juliane Amalie widmete es ihren Schwestern Caroline und Luise. Obwohl es „preußisches Kochbuch“ heißt, sind darin Rezepte Königsberger Gerichte gesammelt, wie die Autorinnen der Sammlung „Rezepte der guten Ostpreussischen Kueche“, Margarete Haslinger und Ruth Maria Wagner, anmerken.
In ihrem Buch schreiben sie, dass Klopse in heutiger Form Klößchen aus Hackfleisch sind, die man kochen oder braten kann.
Doch Anfang des vorletzten Jahrhunderts, als es noch keinen Fleischwolf gab und das Zerkleinern von Fleisch mit dem Messer zu mühsam war, machten es sich die Hausfrauen einfacher.
Die Autorinnen führen ein altes Klopse-Rezept an, für das Schweinefleisch in dünne Scheiben geschnitten und mit einem Holzhammer oder dem Griff eines Küchenmessers geklopft werden muss.
Vom deutschen Wort „klopfen“ leitet sich auch der Name des Gerichts ab.
Den Boden einer Pfanne mit fein gehacktem Nierenfett auslegen, darauf eine Schicht Fleisch geben, salzen, pfeffern und mit englischem Gewürz bestreuen. Dann wieder Stückchen Nierenfett oder Butter, eine Schicht Fleisch und Gewürze. So fortfahren, bis die Pfanne zu zwei Dritteln gefüllt ist. Wasser angießen und bei mäßiger Hitze schmoren, dabei das Fleisch von Zeit zu Zeit mit einem Löffel ringsum leicht anheben, damit es nicht anbrennt. Wenn es fast gar ist, ein paar Zitronenscheiben, Kapern und zerkleinerte Sardellen darauflegen, Wein angießen und noch etwas schmoren lassen.
Die folgende Zubereitungsart der Königsberger Klopse stammt von der Familie Lube aus Königsberg und ist auf das Jahr 1840 datiert. Der Rezeptsammler Harald Saul aus Gera (Deutschland) hat sie in seinem Buch „Unvergessliche Küche Ostpreußens“ (Harald Saul. „Unvergessliche Kueche Ostpreussen“) veröffentlicht.
Auf ¾ Pfund Schweinefleisch und ¼ Pfund Rindfleisch (zuvor zerkleinert) nimmt man 125 g altbackenes Weißbrot, das in Wasser eingeweicht wird, eine geriebene Zwiebel, 4 gekochte, zerdrückte Kartoffeln und das Eiweiß von zwei Eiern, das gut steif geschlagen werden muss. Das Eigelb nicht wegwerfen! Dann Salz und Pfeffer zugeben und alles zu einer breiigen Masse vermengen. Klopse formen. Am besten gart man sie in Knochenbrühe mit reichlich Gewürzen und Zwiebeln.
Wenn die Klopse gar sind, herausnehmen und warm stellen. Für die Soße etwas Mehl in saurer Sahne anrühren und in die kochende Brühe geben, in der die Klopse gegart wurden. Zum Abschmecken ein kleines Stück Butter, gehackte Kapern oder etwas Zitronensaft zufügen. Wenn die Soße etwas abgekühlt ist, das Eigelb unterziehen.
Es gibt also Grund zu der Annahme, dass der Fleischwolf 1840 bereits existierte. Oder die Hausfrauen benutzten ein spezielles zweihändiges, halbkreisförmig gebogenes Wiegemesser zum Zerkleinern des Fleisches.
Harald Saul hat bereits mehr als 100 Rezepte für Königsberger Klopse gesammelt.
Das jüngste – das 107. – aus dem Familienkochbuch von Anna Kubert aus Groß Weide (heute Pastwa, Polen) ist in seinem Buch „Alte Familienrezepte aus Ostpreussen“ veröffentlicht.
Königsberger Klopse nach Oma Anna, mit denen ihre Enkel bis heute Gäste und Kollegen überraschen:
500 g Hackfleisch (halb Schwein, halb Rind), 1 verquirltes Ei, Pfeffer und Salz vermengen und 30 Minuten zugedeckt ruhen lassen. Inzwischen einen halben Liter Wasser in einen Topf geben, eine Zwiebel, zwei Lorbeerblätter, fünf schwarze Pfefferkörner, einen Teelöffel Kapern sowie gewürfelte Möhre und Knollensellerie hinzufügen. Die Brühe 30 Minuten kochen, aber nicht stark sprudeln lassen. Dann aus dem Hackfleisch Klöße formen und in die Brühe legen. Den Topf an den Rand des Herdes ziehen. Nach 20 Minuten sind die Fleischklöße gar. Den Topf wieder auf die Flamme stellen und die Brühe aufkochen, dabei mit saurer Sahne verrührtes Mehl hinzufügen. Wenn die Soße andickt, vom Feuer nehmen und über die Klopse gießen.
Königsberger Klopse sind bis heute sehr beliebt – und zwar nicht nur in Kaliningrad-Königsberg, wo einige Restaurants und Cafés das Gericht als Spezialität des Hauses anbieten, sondern auch in Europa.
Mit der Zeit entstanden viele Spielarten von Klopsen. Man kocht sie und brät sie, bereitet sie nicht nur aus dem Fleisch von Haustieren zu, sondern auch aus Wild und Fisch.
Den Beweis liefert ein Rezept aus dem oben erwähnten Buch von Margarete Haslinger und Ruth Maria Wagner „Rezepte der guten Ostpreussischen Kueche“.
Fischklopse
– 1 kg Hecht oder Schellfisch (oder 500 g Filet)
– 1 Zwiebel
– 2 Eier
– 2 kleine altbackene Brötchen oder 3 EL Semmelbrösel
– 1 Bund Suppengrün
Gewürze für Fischgerichte
– 6 EL Butter
– 2 EL Mehl
– ½ l Sahne
– Zitronensaft (nach Geschmack)
– 2 Eigelb
– Kapern oder Krabben – nach Belieben
Den Fisch entgräten und zusammen mit den in Wasser eingeweichten Brötchen durch den Fleischwolf drehen. Die fein gehackte Zwiebel in Butter leicht anbraten und unter die Fischmasse geben. 2 EL Butter mit den zwei Eiern leicht verschlagen und ebenfalls hinzufügen. Gut vermengen und Klopse formen.
Aus dem Kopf und den übrigen Fischteilen eine Brühe kochen, Suppengrün, Salz und Gewürze zugeben. Nach 15 Minuten die Brühe abseihen, wieder aufs Feuer stellen und die Klopse 10 Minuten darin ziehen lassen.
Aus Mehl und Butter eine Mehlschwitze bereiten, mit Brühe und Sahne auffüllen, Zitronensaft, Salz und eine Prise Zucker zugeben. Die Klopse in die Soße legen, mit Krabben garnieren und mit Salzkartoffeln servieren.
Es gibt noch eine weitere Zubereitungsart für Fischklopse. Man kann sie nicht nur kochen, sondern auch braten. Dazu aus der Masse Klöße formen, in verquirltem Ei und Semmelbröseln wenden und in Butter goldbraun braten. Man kann die Klopse auch frittieren, indem man sie in einen Topf mit siedendem Pflanzen- oder Kokosöl gibt.
Fischklopse, garniert mit Zitronenscheiben und Petersilie, wurden auf einer vorgewärmten Platte serviert.
Es gibt sogar falsche Königsberger Klopse. Erfunden haben sie die ostpreußischen Hausfrauen während des letzten Krieges, schreibt Marion Lindt in ihrem Buch „Ostpreußische Spezialitäten“ (Marion Lindt. „Ostpreussische Spezialitaeten“). Heute ist dieses Gericht bei Vegetariern sehr beliebt. Deshalb nennt man es manchmal auch „vegetarische Klopse“.
Das Rezept ist recht einfach:
– 200 g Linsen
– 250 g Wirsing
– 2 Eier
– 2 Zwiebeln
– 1 EL Butterschmalz
– 1 TL Kapern
– Salz (nach Geschmack)
– Gemahlener Pfeffer (nach Geschmack)
– 1 EL Grieß
– 1 kleines Brötchen
– 1 Lorbeerblatt
– 4 Pimentkörner (Nelkenpfeffer)
– 2 EL Mehl
– 125 g saure Sahne
– Zucker (nach Geschmack)
– Zitronensaft (nach Geschmack)
– 20 g Butter
– 1 Eigelb
Die getrockneten Linsen im Mixer zerkleinern. Den Wirsing putzen, halbieren und den Strunk entfernen. Die Blätter ablösen und waschen. Die zerkleinerten Linsen in einen Topf geben, mit Wasser bedecken und leicht dünsten. Dann das Wasser abgießen.
In einen anderen Topf die Kohlblätter legen, mit Wasser bedecken und weich kochen. Das Wasser abgießen und ebenfalls beiseitestellen.
Die Eier hart kochen und zusammen mit einer Zwiebel und dem Kohl hacken, alles mit den Linsen vermengen, das in der Pfanne zerlassene Butterschmalz, die Kapern, Salz, gemahlenen Pfeffer und den Grieß zugeben. So viel Brötchen hinzufügen, bis die Masse „bindet“. Kugeln formen und auf eine Platte legen.
Die zweite Zwiebel fein hacken. ½–¾ l Wasser aufkochen, die Zwiebel, eine Prise Salz, das Lorbeerblatt und die Pimentkörner hineingeben. Die Klopse vorsichtig in die Brühe gleiten lassen und bei mittlerer Hitze etwa 10 Minuten garen. Ebenso vorsichtig mit einem Schaumlöffel herausheben und warm stellen.
Die Brühe abseihen, das Mehl mit der sauren Sahne verrühren und in die Brühe geben. Unter Rühren aufkochen und 5 Minuten köcheln lassen. Mit Salz, Zucker und Zitronensaft abschmecken. Den Topf vom Herd nehmen, in einer Pfanne die Butter zerlassen und mit dem Eigelb verrühren. Die angedickte Soße vor dem Servieren über die Klopse gießen.
Übrigens nennt man Klopse hinter vorgehaltener Hand manchmal auch „deutsche Volksfleischklößchen“. Es gibt Königsberger, Dresdner, bayerische …
Allerdings bereitet man sie in jedem deutschen Land nach eigenem Geschmack zu. Unverändert bleibt nur die Soße, mit der sie übergossen werden.
Als nächste Verwandte der Klopse kann man die traditionellen schwedischen Fleischbällchen (Köttbullar) bezeichnen. Sie werden zu Kugeln von der Größe einer Walnuss bis zu der eines kleinen Apfels geformt. Von Klopsen unterscheiden sie sich dadurch, dass sie nicht gekocht, sondern gebraten werden, nachdem man sie in Reis- oder Weizenmehl gewendet hat. Außerdem kann man der Masse für Fleischbällchen (die aus Fleisch wie aus Fisch bestehen kann) Getreide, Gemüse und sogar Trockenobst oder Kartoffelpüree zugeben. Doch das sind schon „lyrische Abschweifungen“ vom Klassiker. Sie kommen auch bei der Zubereitung von Klopsen nicht selten vor. Das Wichtigste aber, was die beiden Gerichte verbindet, ist natürlich die Soße. Weder schwedische Köttbullar noch Königsberger Klopse werden ohne sie serviert.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

