Sicher bekannt ist nur, dass das Dorf schon seit der Ordenszeit der Stadt Altstadt gehörte. Solche Dörfer hießen Kammerdorf oder „Dorf der Stadtkasse“, weil sie dem städtischen Schatzmeister, dem Kämmerer, unterstanden. Da das Dorf an der Straße in Richtung Fischhausen (Primorsk) lag, wurde hier ein Wirtshaus (Krug) eröffnet, in dem Reisende Halt machen, essen und übernachten konnten. Die Straße am Pregel war nicht allzu belebt, deshalb wurden auch die Besitzer des Kruges nicht sonderlich reich. Überhaupt ist über das, was in dem kleinen Dorf Kosse bis ins 19. Jahrhundert geschah, nur sehr wenig überliefert.
Hin und wieder begegnet man der Behauptung, im Jahr 1712 habe Zar Peter I. im Krug von Kosse übernachtet. Am Hof Peters wurden genaue chronologische Aufzeichnungen über alle Reisen und Aufenthaltsorte des Zaren geführt, doch der Name Kosse taucht darin nicht auf. Der einzige Eintrag von 1712, wonach Peter und Katharina in einem Königsberger Krug übernachteten, ist auf den 18.07.1712 datiert, der Name des Kruges wird darin jedoch nicht genannt.
1804 wird vermerkt, dass es in Kosse nur ein einziges Wirtshaus gibt.
Im 19. Jahrhundert verwandelten sich die Wirtshäuser in Stadtnähe in eine Art Vergnügungskomplexe mit Restaurant, Hotel, Musik, Spazierbereichen und weiteren Unterhaltungsangeboten. Sie erhielten den Namen Etablissements, das Wort wurde auf französische Art „Etablissman“ ausgesprochen und bedeutete übersetzt „Einrichtung“, „Lokal“. Deutlich erkennbar ist hier der Einfluss der Franzosen, zunächst während der Besetzung Preußens durch Napoleon (1807–12), dann umgekehrt während der Besetzung von Paris durch die Koalitionstruppen (1814–18). Übrigens hat wohl auch die russische Gewohnheit, ein Restaurant als „Einrichtung“ (sawedenije) zu bezeichnen, dieselben Wurzeln. Dabei sollte man sich die preußischen „Etablissements“ nicht als Lasterhöhlen mit Vergnügungen „ab 18“ vorstellen. Im Gegenteil, solche „Etablissements“ waren unter anderem auch für die Erholung mit der Familie gedacht.
Die Tradition, mit der ganzen Familie in die nahen Vororte Königsbergs hinauszufahren, entstand mit der Entwicklung des Eisenbahnverkehrs – des demokratischsten Verkehrsmittels jener Jahre. 1865 wurde die Eisenbahn Königsberg–Pillau (Baltijsk) eröffnet. Die Kosse am nächsten gelegene Station befand sich in Neue Bleiche (heute Gegend der Welosipednaja-Doroga-Straße). Von dort konnten die angekommenen Fahrgäste in 15 Minuten gemächlich zu Fuß auf einem Weg entlang des Grabens Hufen-Freigraben (Parkowy-Bach) zum Pregelufer hinuntergehen. Nach Kosse kamen festlich gekleidete Erwachsene und Kinder vor allem zu Spaziergängen am malerischen Ufer, von dem sich ein herrlicher Blick auf den Fluss und auf Königsberg bot. Erst danach konnten solche Spaziergänge an der frischen Luft mit einem Mittagessen im Restaurant enden. In Reisebeschreibungen über Königsberg aus jenen Jahren finden sich Erwähnungen, wie die Kinder in Kosse und Neue Bleiche den vorbeifahrenden Zügen und Dampfern mit Taschentüchern zuwinkten, was die Reisenden rührte.
Anlegestellen in Kosse.
1871 wird Kosse im Verzeichnis der Dörfer und Güter als Siedlung aus zwei Höfen im Landkreis Königsberg erwähnt, die keiner Gemeinde und keinem Gutsbezirk angehörte. In Kosse lebten neun Familien. Die Siedlung gehörte zum Kirchspiel der Altstädtischen Kirche in Königsberg (Altstädtische Kirche).
1905 gehörten verwaltungsmäßig ein Petroleum-Magazin (Petroleum-Magazin) und eine Walzmühle (Walzmühle) zu Kosse. In jenen Jahren wurden manche Betriebe Siedlungen gleichgestellt. Deshalb werden Angaben zur Einwohnerzahl dieser Objekte gemacht – 1905 lebten im Petroleum-Magazin und in der Walzmühle jeweils 36 Personen.
Am 01.04.1905 wurde Kosse zusammen mit anderen Vorortgebieten in die Stadtgemeinde Königsberg eingegliedert. Zeitgenossen schreiben, wenn man wörtlich übersetzt, dass damals die „Idylle von Kosse“ zu Ende ging, in Wirklichkeit endete sie aber etwas früher – als die Königsberger Industriellen nach Kosse kamen. Gerade damals begann sich (vorerst inoffiziell) der neue Stadtteil Kosse herauszubilden, der am Holländerbaum-Tor (heute das nördliche Ende der Doppelstockbrücke) begann. Im Süden wurde er vom Pregel begrenzt, im Norden von der Eisenbahn nach Pillau, im Westen von der Straße Kosser Weg (Anfang der Kaschtanowaja-Allee). Einige Betriebe hatte es auf diesem Gebiet auch früher schon gegeben: das oben erwähnte Petroleum-Magazin und die Walzmühle sowie das schon aus dem 19. Jahrhundert bekannte alte Pulvermagazin. Doch mit der industriellen Zukunft von Kosse war das in keiner Weise zu vergleichen.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts konnte die Gasanstalt in der Vorstadt die benötigten Gasmengen nicht mehr bewältigen. Außerdem lag sie mitten im Stadtzentrum, was sich zwangsläufig auf die Umwelt auswirkte, auch wenn man ihr damals keine gebührende Beachtung schenkte. Für die Gasanstalt in der Vorstadt ließ sich der nötige Umschlag an Steinkohle nicht bewerkstelligen. Bei der Wahl des Standorts für das neue Werk versuchte man, die Mängel der Anstalt in der Vorstadt zu vermeiden – nun sollte das Werk außerhalb der Stadt liegen, an einem Ort, an dem ringsum Gelände für eine spätere Erweiterung vorhanden war, nahe der Eisenbahn, und so, dass man die Kohle auf dem Fluss mit Lastkähnen großen Tiefgangs heranschaffen konnte. Die Wahl fiel auf ein unbebautes Grundstück gleich hinter dem Holländerbaum-Tor.
Es sei angemerkt, dass das künftige Werk zwar in unmittelbarer Nähe des Dorfes Kosse lag, das Grundstück dafür aber von der Stadt vom Gut Amalienau gekauft wurde. Teil des Stadtteils Kosse wurde es erst nach 1905. Bei der Abstimmung des Baus stieß die Stadtverwaltung auf den Widerstand des Militärs – das Werksgelände lag im Rayon der städtischen Wallbefestigungen, wo nur leichte Bauten erlaubt waren, die bei Kampfhandlungen abgerissen werden konnten. Schließlich wurden am 19.06.1897 alle Baubedingungen vereinbart, nach denen das Werk nicht näher als 330 m an der Grenze des Walls liegen durfte. 1897 wurde ein Entwurfswettbewerb durchgeführt, doch keiner der preisgekrönten Entwürfe wurde zur Ausführung empfohlen. Im Ergebnis wurde der Generalplan des Werks von der Gasverwaltung selbst unter Leitung des Baurats Dr. Ferdinand Krieger (1858–1919) ausgearbeitet.
Der Dampfer „Poseidon“ an der Anlegestelle der Gasanstalt.
Die Gasanstalt in Kosse wurde 1902 eröffnet. Ihre Erzeugnisse waren stets gefragt – damals wuchs die Zahl der Straßenlaternen und der Gasherde in den Wohnungen der Königsberger rasch.
Allerdings verlor die städtische Gasbeleuchtung ab den 1920er-Jahren rapide an Boden, da man auf elektrische Laternen umstieg. Dafür wuchs die Zahl der ans Gasnetz angeschlossenen Häuser stetig weiter. Deshalb hat sich auch die Erzeugung von Kokereigas von 1907 bis 1937 mehr als verdoppelt. Erzeugnis des Werks war nicht nur Kokereigas, sondern vor allem der Koks selbst. Außerdem ließen sich aus dem Kokereigas bei seiner Reinigung Ammoniak, Benzol, Schwefelwasserstoff und Ethylen gewinnen. Die Koks- und Gaserzeugung hat jedoch auch eine Kehrseite – sie geht mit periodischen Ausstößen von Schadstoffen in die Atmosphäre einher, und das Kokereigas selbst ist wegen seiner Giftigkeit im Haushalt nicht ungefährlich. Die verschiedenen Geschichten darüber, wie sich durch Gaslecks ganze Familien vergifteten, hängen gerade mit dem Kokerei- (Leucht-)gas zusammen, da es einen erheblichen Anteil an Kohlenmonoxid enthält. In dieser Hinsicht sind Erdgas (Methan) oder Propan-Butan-Gemische wesentlich sicherer.
Das nächste wichtige Industrieobjekt in Kosse war 1907 das Elektrizitätswerk Kosse, das dritte Elektrizitätswerk in Königsberg. Das Kraftwerk neben der Gasanstalt zu bauen, war eine sehr kluge Entscheidung. Zum Werk führte bereits ein Anschlussgleis, über das auch der Brennstoff für das Kraftwerk angeliefert werden konnte. Der erste Bauabschnitt des Elektrizitätswerks bestand aus zwei gleichen Generatoren mit einer Gesamtleistung von nur 0,64 MW. Die Königsberger Elektrizitätswirtschaft jener Jahre zeichnete sich durch die Verwendung einer großen Zahl von Kesseln, Dampfmaschinen und Generatoren geringer Leistung aus. So arbeiteten in den drei Elektrizitätswerken insgesamt 18 Kessel, 15 Maschinen und 22 Generatoren, wobei die installierte Leistung zusammen 3,6 MW betrug. 1911–14 wurde das Elektrizitätswerk Kosse modernisiert. Die Dampfmaschinen wurden durch Turbinen ersetzt. Nun gab es allein in diesem Kraftwerk drei Turbosätze mit einer Leistung von 2,5, 4,5 und 8,0 MW (insgesamt 15 MW). Deshalb wurde das leistungsschwache und veraltete Elektrizitätswerk in Hufen geschlossen und das Elektrizitätswerk in der Straße Mühlenberg neben dem Schloss in ein Unterwerk für das Straßenbahnnetz umgewandelt.
Blick auf das Elektrizitätswerk in Kosse von Norden.
Ebenfalls folgerichtig erscheint es, dass neben dem Elektrizitätswerk das 1913–14 erbaute sechsgeschossige Königsberger Kühlhaus errichtet wurde, das zugleich eine Fabrik zur Eisherstellung war. Dies spiegelte sich auch in seinem offiziellen Namen wider: Königsberger Kühlhaus- und Kristall-Eis-Fabrik.

Das Elektrizitätswerk in Großaufnahme.
Anders als die früher bestehenden Eiskeller, die die Kälte nur dank Tonnen von im Winter eingelagertem Eis hielten, war das Königsberger Kühlhaus eine riesige Industrieanlage, die nach demselben Prinzip arbeitete wie Haushaltskühlschränke. Leistungsstarke Dampfmaschinen trieben Pumpen an, die eine Ammoniaklösung umwälzten, deren Verdampfungs- und Kondensationszyklus dafür sorgte, dass in den Kühlkammern Minustemperaturen herrschten. Es gab 22 solcher Kammern, in denen insgesamt 3100 Tonnen Lebensmittel gelagert werden konnten. Meist war es Fisch.
Erwähnt sei auch, dass sich in Kosse ein Straßenbahndepot befand, das 1902–05 erbaut wurde. Zu ihm führte ein Betriebsgleis vom Holsteiner Damm (Prawaja Nabereschnaja), und auf dem Uferweg selbst fuhr in Kosse die Linie 10. Zwei riesige Backsteinhallen im Straßenbahndepot dienten zum Abstellen und zur Reparatur der Fahrzeuge.
So wurde der neue Königsberger Stadtteil Kosse vor dem Ersten Weltkrieg Teil eines großen Technologieparks, zu dem auch die Betriebe von Rathshof (Siedlung Wosduschny) und die gesamtstädtische Verkehrsinfrastruktur gehörten. Zwar kam das Wort „Technologiepark“ erst viel später auf, doch an der Sache ändert das nichts.
1922–26 folgte eine weitere Modernisierung des Elektrizitätswerks Kosse. Zunächst erhielt es ein neues Umspannwerk, das es zu einer zentralen Schaltwarte machte, von der aus man betriebliche Umschaltungen vornehmen und die Hochspannungsleitungen steuern konnte, die Königsberg mit Strom aus den Wasserkraftwerken in Friedland (Prawdinsk) und Groß Wohnsdorf (Siedlung Kurortnoje) versorgten. Außerdem wurde das Elektrizitätswerk nun zum Heizkraftwerk und versorgte neben Strom die Stadtbewohner und Industriebetriebe auch mit Warmwasser. Dann wurde 1925 der leistungsschwächste Turbogenerator mit 2,5 MW durch einen Satz mit 6,15 MW ersetzt. Und schließlich folgte 1926 der Einbau eines weiteren Satzes mit 17 MW, wonach die Gesamtleistung des Elektrizitätswerks auf 37,25 MW stieg.
Der Pregel in Kosse.
All diese Jahre gehörte Kosse weiterhin zum Kirchspiel der Altstädtischen Kirche, was für diejenigen Bewohner von Kosse, die diese Kirche regelmäßig besuchten, nicht sehr bequem war. Nachdem 1936–37 in Rathshof (Siedlung Wosduschny) eine eigene Kirche gebaut worden war, wurden die Einwohner von Kosse deren Gemeindeglieder, da sie wesentlich näher lag als die Altstädtische.
Die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs richteten in Kosse keinen nennenswerten Schaden an. Bombentreffer auf dem Gelände der Betriebe sind nur für den 23.06.1941 verzeichnet, beim ersten Angriff der Fernfliegerkräfte der Roten Armee auf Königsberg. Auf die Gasanstalt fielen damals mehrere Bomben, von denen einige nicht explodierten. Bei den beiden britischen Luftangriffen am 27. und 30. August 1944 wurden auf dem Gebiet von Kosse keine Bombentreffer registriert. Die Betriebe des Stadtteils arbeiteten bis unmittelbar vor Beginn des Sturms auf die Stadt, wobei gerade das Heizkraftwerk in Kosse das Ende Januar 1945 eingeschlossene Königsberg bis Anfang April mit Strom versorgte. Während des Sturms auf die Stadt wurde in Kosse allerdings gekämpft, doch die heftigsten Gefechte fanden westlich und nördlich dieses Stadtteils statt. Deshalb wurden die Industriebetriebe von Kosse zwar beschädigt, aber nicht verhängnisvoll. In der Memoirenliteratur, die 20–30 Jahre nach der Einnahme Königsbergs erschien, liest man mitunter die Behauptung, die Truppen hätten den Befehl erhalten, das Elektrizitätswerk, die Gasanstalt und die Zellstofffabrik zu schonen, da diese Stadt ohnehin an die Sowjetunion fallen werde und die genannten Betriebe dann zum Wohl des Sowjetvolkes arbeiten würden. Einen solchen Befehl gab es jedoch nicht. Im April 1945 kannte kein Kommandeur und kein Politoffizier den genauen Inhalt der Vereinbarungen, die beim Treffen der Führer der Länder der Anti-Hitler-Koalition in Jalta getroffen worden waren. Sie wussten auch nichts von den Plänen, einen Teil Ostpreußens an die UdSSR zu übergeben. Und die Soldaten waren während des Sturms ohnehin mehr mit der Erfüllung ihrer Kampfaufträge und der Verringerung der eigenen Verluste beschäftigt als mit der Erhaltung irgendwelcher Gebäude. Hier liegt offensichtlich das Phänomen der Konfabulation vor, bei dem nachträglich erworbenes Wissen über einen Zeitraum sich in der Erinnerung mit tatsächlichen Ereignissen verbindet und vermischt.
Dennoch fielen die Gasanstalt, das Elektrizitätswerk und das Kühlhaus von Kosse der sowjetischen Militärverwaltung in nicht betriebsfähigem Zustand zu und wurden später in ihren Vorkriegsgebäuden wiederhergestellt. Die größte Bedeutung für die Versorgung des Nachkriegs-Königsbergs hatte das Elektrizitätswerk Kosse. Die Arbeiten zur Wiederherstellung der Stromversorgung der Stadt begannen unmittelbar nach dem Ende der Kampfhandlungen. Am 25.11.1945 wurde über die Hauptschalttafel des Elektrizitätswerks die Stromversorgung Königsbergs aus dem Wasserkraftwerk GES-3 in Friedland (Prawdinsk) aufgenommen. Danach wurde der erste Maschinensatz des Elektrizitätswerks Kosse selbst in Betrieb genommen.
Die Maschinenhalle des Elektrizitätswerks in Kosse.
Das Kaliningrader Gaswerk wurde am 27. August 1946 gegründet. Zu seiner Wiederherstellung wurde die deutsche Bevölkerung herangezogen, da es unter den Übersiedlern deutlich an Fachleuten dieses Zweigs mangelte und die vorhandenen nicht ausreichend qualifiziert waren. Im November wurde es in Koks- und Gaswerk umbenannt.
Die ersten Erzeugnisse sollten, wie damals üblich, zum 30. Jahrestag der Oktoberrevolution – dem 06.11.1947 – geliefert werden. Doch obwohl die Brigaden laut Berichten 250–300 % des Plansolls pro Schicht erfüllten, zogen sich die Arbeiten stark in die Länge. Erst am 25. August 1951 lieferte das Werk den ersten Koks, und am 5. November desselben Jahres erreichte es den planmäßigen Betrieb. Die Stadtbewohner, die das Glück hatten, beim ersten Bauabschnitt der Gasversorgung berücksichtigt zu werden, konnten endlich ihre Holzherde durch Gasherde ersetzen. Kaliningrad wurde die 13. Stadt der RSFSR mit einer leitungsgebundenen Gasversorgung. 1952 erreichte das Koks- und Gaswerk eine Produktion von 50.000 Tonnen Koks und 21.000 Kubikmetern Gas im Monat. Als Haupterzeugnis galt dennoch der Koks, der an die Stahlwerke der Belarussischen SSR und der Republiken des sowjetischen Baltikums ging. Ein Teil des Kokses wurde auch im Kaliningrader Gebiet selbst verwendet, wo es ebenfalls kleine Gießereien gab. Die Kohle kam aus den Bergwerken des Donbass ins Werk.
Das Königsberger Kühlhaus hatte im Krieg nicht weniger gelitten als die übrigen Betriebe von Kosse. Am 27.11.1945 erging der Befehl zu seiner Wiederherstellung. Der erste Abschnitt wurde am 1. Oktober 1946 in Betrieb genommen. Doch die weitere Wiederherstellung erforderte weit mehr Zeit und den vollständigen Austausch der Ausrüstung. 1951 wurde in dem Betrieb die erste sowjetische Kälteanlage in Betrieb genommen. Doch schon im Mai 1965 wurde das Kühlhaus Nr. 1 (wie es damals hieß) für eine Generalüberholung stillgelegt. Das Objekt selbst wurde mehrfach verschiedenen mit der Fischindustrie verbundenen Verwaltungen übergeben. Unverändert blieb nur sein Profil – die Lagerung von Tiefkühlfisch. Es ist der einzige Betrieb in Kosse, der bis heute arbeitet und seine Funktion vollständig bewahrt hat.
Das Elektrizitätswerk Kosse trug erstaunlich lange seinen Vorkriegsnamen. Erst am 22.05.1953 wurde es in Kaliningrader GRES-1 (Bezirkskraftwerk) umbenannt. 1960 wurde die GRES-1 mit einer Fernwärmeanlage ausgestattet und begann, wie vor dem Krieg, städtische Abnehmer mit Warmwasser für die Heizung zu versorgen. Übrigens arbeiteten die GRES-1 und das Koks- und Gaswerk zwar beide mit Steinkohle, doch war diese Kohle unterschiedlich – für das Kraftwerk kam sie zunächst aus Polen (Oberschlesisches Steinkohlenbecken), dann aus dem Lwiw-Wolhynischen Becken.
Der Pregel vor Beginn der Schifffahrtssaison bei Kosse.
Ab 1975 wurde das Koks- und Gaswerk zum Zweck eines ökonomischen Experiments regelmäßig auf billige Kohlesorten umgestellt. Man glaubte, solche Experimente dienten der Volkswirtschaft, in Wirklichkeit aber kamen sowohl Koks von niedriger Qualität als auch erhöhte Ausstöße gasförmiger Abfälle in die Atmosphäre heraus.
Alteingesessene Kaliningrader müssten sich gut an den winterlichen Blick auf Kosse Ende der 1970er-Jahre erinnern, der sich vom Butterberg (Botanitscheskaja-Straße) aus bot. Das Koks- und Gaswerk stieß in die frostige Morgenluft gewaltige weiße Rauchwolken aus. In einem viel dünneren Strahl rauchte der Schornstein des Heizkraftwerks TEZ-1, und sein Rauch legte sich nicht über die Pregolja, sondern stieg hoch in den Himmel. Von Erwachsenen hörte ich jedoch, dass man in der Umgebung schon nicht mehr atmen könne und die Menschen in Häusern mit ständig geschlossenen Fenstern lebten. 1978 begannen im Werk Arbeiten zur Installation von Kläranlagen und von Geräten zur Überwachung der Schadstoffemissionen in die Umwelt. Selbst optisch gingen die Emissionen des Werks deutlich zurück, dennoch war die Haltung der Bevölkerung gegenüber einer Koks- und Gaserzeugung innerhalb der Stadtgrenzen entschieden ablehnend. Als volkswirtschaftlicher Betrieb schloss das Koks- und Gaswerk bis in die 1970er-Jahre seine Berichtsperioden entweder mit einem Reinverlust oder mit einem kleinen Gewinn ab. Unter den Bedingungen der sozialistischen Wirtschaft mit festen, vom Finanzministerium bestätigten Preisen für Rohstoffe und Fertigprodukte hatte das jedoch keinerlei Bedeutung. Es genügte, 1975 ein neues Großhandelspreisverzeichnis herauszugeben, und schon zählte das Werk zu den stabil rentablen.
Die Kaliningrader GRES-1 erlebte Anfang der 1970er-Jahre eine Rekonstruktion der Ausrüstung mit Erhöhung der Wärmeleistung. Nach Abschluss dieser Arbeiten wurde die GRES-1 am 28. Juni 1974 in TEZ-1 (Heizkraftwerk) umbenannt. Bis Mitte der 1980er-Jahre wurde die Stromerzeugung dort unwirtschaftlich, deshalb wurde sie bis Ende der 1980er-Jahre ausschließlich auf die Wärmeerzeugung für die Fernheizung der Stadt umgestellt. Die Generatoren wurden demontiert. Dem Kraftwerk blieb zudem die Funktion der zentralen Leitwarte der Stromversorgung Kaliningrads.
Mit dem Beginn des Übergangs zur Marktwirtschaft wurde das Koks- und Gaswerk, wie Hunderte anderer Betriebe des Gebiets, 1993 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Unter den neuen Bedingungen hielt die „Koks“ AG nicht lange durch und wurde 1995 für bankrott erklärt. Der Betrieb wurde geschlossen, doch die mit ihm verbundenen Umweltprobleme endeten nicht. Das Gelände war voller schädlicher und gefährlicher Stoffe. Ganz Ende 2002 kam es zu einem Brand in einem Behälter zur Schwefelreinigung, bei dem eine Schadstoffwolke freigesetzt wurde. Die kostspielige Rekultivierung des Geländes wurde erst 2003–05 durchgeführt.
Der Autor des Textes, Alexej Petruschin, und der Trawler „Lira“ an der Anlegestelle in Kosse.
Heute wirkt das industrielle Potenzial des ehemaligen Kosse nicht mehr so eindrucksvoll wie in der Vorkriegs- und Sowjetzeit. Nach wie vor arbeitet das Kühlhaus („Chladokombinat“), das TEZ-1 erzeugt Wärme und steuert das städtische Stromnetz. Das Straßenbahndepot wurde um 2010 geschlossen.
Das Straßenbahngleis zu ihm wurde abgebaut, doch auf dem Gelände selbst sind die Gleise erhalten geblieben. Eine Zeit lang war es an einen Motorradklub vermietet. Auf dem Gelände des Koks- und Gaswerks arbeitet der Konzern „Sojus“, der Speisefette herstellt. Das übrige Gelände ist von zahlreichen Groß- und Einzelhandelsgeschäften, Lagern, Autowerkstätten usw. belegt. Keiner dieser Betriebe hat für die Stadt eine so wichtige Bedeutung, wie sie einst die Gasanstalt, das Elektrizitätswerk Kosse und das Kühlhaus hatten.
Im Jahr 2024 waren in Kosse 15 Vorkriegsgebäude erhalten, die beim Wiederaufbau und bei Umbauten in unterschiedlichem Maße verändert wurden. Von historischem Interesse sind die Gebäude des Straßenbahndepots, des Kühlhauses und des TEZ-1. Letzteres liegt jedoch auf einem Sperrgelände, ein freier Zugang ist nicht möglich.
Kurzes Verzeichnis der Straßen von Kosse für die Jahre 1928–32
Am Pulversteg ist seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bekannt. Ihren Namen erhielt sie nach dem an ihr gelegenen Pulvermagazin. Am 29.07.1948 wurde Am Pulversteg in Metallurgitscheskaja-Straße umbenannt, doch dieser Name ging mit der Zeit verloren. Heute ist es eine namenlose Zufahrt, die parallel zur Magnitnaja-Straße und 50–60 m westlich davon verläuft. Vorkriegsgebäude sind nicht erhalten.
Gewerbe Straße ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts auf Karten verzeichnet. An ihr befanden sich vor allem Lagerräume und Werkstätten. Am 01.08.1946 wurde sie auf Anordnung der städtischen Zivilverwaltung in Remeslennaja-Straße (Handwerkerstraße) umbenannt, was eine Übersetzung ihres deutschen Namens war. Im Jahr 2024 waren in der Straße zwei Vorkriegsgebäude erhalten.
Kosser Weg, die Grenzstraße von Kosse. Sie entstand an der Stelle des alten Weges in Richtung Kosse. Nach dem Krieg wurde sie nicht umbenannt und wurde faktisch Teil der Kaschtanowaja-Allee. Vorkriegsgebäude sind an ihr nicht erhalten.
Neue Bleiche, die Straße gehörte nur in ihrem südlichen Teil zu Kosse. Sie lag an der Stelle des alten Weges nach Kosse entlang des Grabens. Am 29.07.1948 wurde sie in Katuschetschnaja-Straße umbenannt. Dann verschwand die Straße als solche, obwohl sie laut offiziellen Dokumenten Teil der Welosipednaja-Doroga-Straße wurde. Vorkriegsbauten sind an ihr nicht geblieben.

Paul Naumann-Straße erschien in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts auf den Karten. Nach dem Krieg wurde sie am 01.08.1946 in Magnitnaja-Straße umbenannt. Heute sind in der Straße zwei Vorkriegsgebäude erhalten, darunter das Gebäude des Straßenbahndepots.
Posseldtstraße, die Straße entstand Anfang der 1930er-Jahre. Sie verband die Straßen Gewerbe Straße, Neue Bleiche und Am Pulversteg. Nach dem Krieg wurde sie nicht umbenannt. Heute ist es eine namenlose Zufahrt im Industriegebiet. Vorkriegsgebäude gibt es nicht.
Holsteiner Damm entstand an der Stelle des alten Weges am Pregelufer. Ihren Namen erhielt sie vom Gut Groß Holstein (Siedlung Pregolski), auf dessen Weg sie lag. Am 23.11.1945 wurde sie auf Befehl des Befehlshabers des Besonderen Militärbezirks K. P. Galizki einfach in Nabereschnaja (Uferstraße) umbenannt. Ab dem 01.08.1946 trug sie den Namen Prawaja Nabereschnaja (Rechtes Ufer). 2024 gehören zur Prawaja Nabereschnaja acht Vorkriegsgebäude, darunter das Gebäude des Königsberger Kühlhauses. Ein Teil dieser Gebäude liegt jedoch nicht an der Straße selbst, sondern im Inneren des Industriegebiets.
Einwohnerentwicklung von Kosse: 1867 – 20, 1871 – 56. 1905 – 409 Einwohner.
Zusammensetzung der Bevölkerung von Kosse 1871: evangelische Christen – 46, Katholiken – 10, Kinder unter 10 Jahren – 18, des Lesens und Schreibens kundig – 33 (87 %).
Fotos auf dieser Seite: Bildarchiv Ostpreußen / bildarchiv-ostpreussen.de, Michail Ogorodnikow.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

