/ Kaliningrad – Königsberg

Lastadie

Lastadie

Das Viertel der Fachwerkspeicher am Ufer des Hundegatts, das im August 1944 unter den Bomben der Royal Air Force bis auf die Grundmauern niederbrannte.

In den Jahren 2012–2014 wurde in „Pregel“, der künstlerischen Beilage zum „Baltischen Almanach“, eine Übersetzung des Buches der Königsberger Autoren Dr. Richard Armstedt, Professor am Altstädtischen Gymnasium, und Dr. Richard Fischer, Oberlehrer am Kneiphöfischen Gymnasium, „Heimatkunde von Königsberg“ (Heimatkunde von Königsberg i. Pr., 1895, Kommissionsverlag von Wilhelm Koch) veröffentlicht, angefertigt von einem unbekannten Übersetzer. Die Idee zur Veröffentlichung stammte von Igor Wladimirowitsch Afonin. Den Text bearbeiteten und mit Erläuterungen versahen Alexej Borissowitsch Gubin und Igor Fjodorowitsch Awtuchow. In jenem Buch gab es auch ein eigenes Kapitel über die Lastadie. Erheblich redigiert legen wir es Ihnen vor.

Die Lastadie (Lastadie), der Name des Handelshafens der Altstadt (Altstadt) am Ufer des Pregels (Pregel), geht auf das aus dem Süden Europas an die Ostsee gelangte lateinische Wort lastagium zurück, das „Beladen von Schiffen“ bedeutet. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts finden wir hier ein dicht bebautes Geschäftsviertel. Es erstreckt sich von der Anlegestelle am Pregelkai (Pregel) entlang des gesamten Westufers des Hundegatts (Hundegatt). Außer Kaufmannskontoren, Fachwerkspeichern (Speicher) und Eisenbahn-Packhäusern (Packhaus) gibt es hier auch einen Schiffsbauplatz (Schiffsbauplatz), das Altstädtische Schlachthaus (Altstädtische Schlachthaus), einen Kalkhof (Kalkhof) und einen Teerhof (Teerhof).

Hier befand sich auch die Altstädtische Börse (Börse der Altstädter). Dieses Viertel leidet oft unter Hochwasser, das von heftigen Westwinden verursacht wird.

(Heute ist das das Pregolja-Ufer vom Museum des Weltozeans an der Uferstraße Peters des Großen, wo sich die Fähre befand, weiter am Sportkomplex „Junost“ entlang bis zum Hotel „Lastadie“, das uns an die Geschichte dieses Ortes erinnert. Was den Gewässernamen Hundegatt betrifft (übersetzt etwa „Hundesund“), so entstand er in Anlehnung an den Namen der Meerenge Kattegat („Katzensund“), die Dänemark und Schweden trennt. Außerdem darf man vermuten, dass der Name die Enge betont – sozusagen kann jeder Hund hinüberschwimmen. Und dazu herrscht dort ein so reger Verkehr, dass man von allen Seiten angebellt wird, während man darauf manövriert – Anm. d. Red.)

Die Börse der Altstadt war aus festem Holz gebaut und mit ionischen Pilastern geschmückt. Im Grundriss stellte sie ein regelmäßiges Viereck dar. Ihre Maße: 7 Meter Länge, 5,5 Meter Breite.

Die Altstädtische Börse an der LastadieDie Altstädtische Börse am Ufer des Hundegatts und das Grüne Tor in der Stadtmauer des Kneiphofs.

Äußerlich ähnelte sie stark der alten Börse von Amsterdam. Ihr kuppelförmiges Dach war von der Figur eines Kranichs bekrönt. Das Innere schmückten Gemälde, deren Hauptmotive Handel und Seefahrt waren.

Die Lastadie und das Königsberger SchlossDas Viertel der Hafenspeicher an der Lastadie unterstrich den hansischen Charakter Königsbergs.

Unter den Gemälden befinden sich ovale Tafeln mit Sinnsprüchen. Das Bild eines Bienenstocks etwa wird von folgendem begleitet: „Allein bist du nichts“ (Nichts vor sich allein); unter einem aus dem Wasser sprudelnden Brunnen: „Teile mit deinem Nächsten“ (Dem Nächsten teil es mit). Auf den bemalten Fensterscheiben standen die Namen von 36 Kaufleuten und Beamten. 1699 wurde die Börse renoviert, doch 1717 wurde an ihrer Außenseite die sogenannte „Rote Waage“ (Rote Wage) angebaut, sodass die Börse vom Wasser aus überhaupt nicht mehr zu sehen war. (In den letzten Jahren vor der Vereinigung der Städte war die Altstädtische Börse auf einem kleinen Lastkahn untergebracht, der an der Krämerbrücke vertäut war, später unterhalb des Hundegatts pregelabwärts – Red.) 1728 ging die Altstädtische Börse in die Geschichte ein und machte der Kneiphöfischen (Börse der Kneiphofs) Platz, die den Status einer gesamtstädtischen Börse für ganz Königsberg erhielt. Auch die „Rote Waage“ wurde abgerissen, als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Eisenbahngleis zu den Speichern und zum Bohlwerk (Bohlwerk, eine Ufer-Stützbefestigung aus dicken Balken) gelegt wurde.

Der Raum zwischen der Altstädtischen Börse und dem Lastadientor (Lastadien Thor) war früher nicht bebaut. Vom Kalkhof bis einschließlich zum Hundegatt war die Uferlinie mit einem Bohlwerk befestigt. Westlich des Schiffsbauplatzes lag noch der Holzplatz (Holzplatz).

Die Altstädtischen Klappholzwiesen (Altstädtischen Klappholzwiesen) befanden sich ebenfalls hier. Bis zum Holländer Baum (Holländer Baum) stand kein einziges Haus. Heute findet man weder den alten Schiffsbauplatz noch andere mittelalterliche Bauten mehr. An ihrer Stelle befinden sich Anlegestellen und Speicher.

Hier werden Dampfer be- und entladen, hier befindet sich der Heringsspeicher (Heringspeicher), erhebt sich der dem Militärfiskus gehörende Körnerspeicher (Körnerspeicher), und in Reihen stehen zahlreiche Speicher mit Speichermarken: Schwarzer Adler (Schwarzenadlerspeicher), Pelikan (Pelikanspeicher), Storch (Storchspeicher) und andere.

Die Eisenbahnschienen verlaufen direkt durch die Speicherstraßen. So wird der Umschlag der Waren erleichtert. Für die schwersten Lasten hat die Stadt einen großen Kran angeschafft, der in der örtlichen Fabrik „Steinfurt“ (Steinfurt) hergestellt wurde.

Die Lastadiengasse (Lastadien Gasse) ist wie die sie kreuzende Altstädtische Tränkgasse (Altstädtische Tränk Gasse) ebenfalls hauptsächlich mit Speichern bebaut. In der Tränkgasse 3 befindet sich das Haus der Mennonitengemeinde (Mennoniten-Gemeinde). Die Mennoniten gehen auf die Täufer (Wiedertäufer) zurück. Sie vollziehen die Taufe nicht im Säuglings-, sondern im Erwachsenenalter (im Alter der bewussten Entscheidung). Nachdem 1535 ihre Gemeinde in Westfalen vernichtet und ihre Anhänger blutig verfolgt worden waren, sammelte ein gewisser Menno Simons (Menno Simons, 1496–1561) die Übriggebliebenen und gründete eine neue Gemeinde, die nach ihm benannt wurde. Die Mennoniten nahmen nicht an Kriegen teil und traten nicht in den Staatsdienst. Sie lebten streng nach den Vorschriften ihres Glaubens.

Speichermarke Till EulenspiegelSpeichermarke Till Eulenspiegel.

1711 kam ein Teil der Mennoniten nach Preußisch-Litauen, das nach der Pest entvölkert war. 1722 erhielt die Gemeinde die Erlaubnis, ihre Bräuche beizubehalten. Am 23. August 1763 begannen sie in Königsberg mit dem Bau ihrer Kirche.

Gassen des Laak
Eine Gasse im Inneren des alten Speicherviertels.

Die Mennonitenkirche an der Lastadie wurde am 1. Januar 1770 geweiht. (Das Gotteshaus ist nicht erhalten, es stand an der Stelle des Sportkomplexes „Junost“ – Anm. d. Red.)

An der Ecke von Tränkgasse und Neuem Graben (Neuen Graben) befindet sich das Zschocksche Stift (Zschocksche Stift) – Eigentum der Kaufmannschaft. Der Garten des Stifts war so prächtig, dass er zu einer echten Sehenswürdigkeit Königsbergs wurde. Er hieß Saturgus-Garten (Saturgusche Garten), nach dem Kommerzienrat Saturgus, der für seine reiche Pflanzensammlung berühmt war. 1803 litt der Garten sehr unter einem großen Brand, wonach er seine Einzigartigkeit und Bedeutung verlor. (Heute findet man nicht einmal mehr Reste dieses Gartens, den der russische Offizier Bolotow während des Siebenjährigen Krieges bewunderte – Anm. d. Red.)

Parallel zum Neuen Graben (heute Krasnojarskaja-Straße) verläuft die Licentgrabenstraße (Licentgrabenstraße, heute Mariupolskaja-Straße). Im Süden werden sie durch die Licentstraße (Licentstraße, heute Prawaja Nabereschnaja) verbunden.

Die Straßennamen mit dem Wort „Licent“ gehen auf den Zoll zurück, der auf Waren erhoben wurde, die auf dem Wasserweg ankamen. Große Schiffe werden hier an der Kaimauer des Zollamts (Licenthaus) kontrolliert.

Kleine Schiffe werden kontrolliert, indem sie unmittelbar am Holländer Baum im Westen und am Litauer Baum im Osten anlegen. Die örtlichen Namen, die auf „…baum“ enden (der Baum – auf Deutsch Baum, Balken), erinnern an die Sperren aus miteinander verbundenen Baumstämmen, die über den Pregel gelegt waren. Sie verhinderten die Einfahrt von Schiffen in die Stadt, solange ihre Ladung nicht verzollt war. Danach wurde einer der Stämme gelöst und längs des Flusses gedreht, damit ein Boot, ein Schiff oder ein Floß in das Hafenbecken einfahren konnte. (Zur Erinnerung: Als Hafen dienten Königsberg bis 1924 die Ufer der Altstadt und der Vorstadt – Anm. d. Red.)


HundegattHundegatt. Ein Schlepper zieht einen Lastkahn am Ufer der Lastadie entlang.

Auch alle Waren, die auf dem Landweg ankamen, wurden besteuert. Die Abgabe wurde entweder an den Stadttoren erhoben oder, bei größeren und wertvolleren Sendungen, im Postpackhaus. Ballen, Kisten und andere Waren wurden zum Packhof (Packhof) gebracht, flüssige Waren dagegen einer Behörde übergeben, die Krahnamt (Krahnamt) hieß.

Pillauer BahnhofDer Pillauer Bahnhof. Links ist der Turm der Neuroßgärter Kirche zu sehen.

Die auf dem Wasserweg aus Königsberg versandten Waren bereitete eine Plombierstelle, die „Plombage“ (Plombage) genannt wurde, für den Transport vor; dort wurden die Ladungen zur Sicherheit verplombt. Die Postplombage (Postplombage) nahm die mit der Post eintreffenden Waren entgegen und versandte alle, die auf dem Landweg befördert wurden. Heute werden Zölle nur noch auf Waren erhoben, die aus dem Ausland eingeführt werden.

Das alte Zollhaus (alte Licenthaus) stand am linken Pregelufer, wo später das Fort Friedrichsburg (Fort Friedrichsburg) erbaut wurde. 1665 wurde das Zollamt ans rechte Ufer verlegt. Heute befindet sich an seiner Stelle das Hauptsteueramt (Hauptsteueramt) in der Holländerbaumstraße 16–17 (Holländerbaumstraße). (Dieses Gebäude ist zerstört, es stand an der Nordwestecke der heutigen Mariupolskaja-Straße und der Prawaja Nabereschnaja – Anm. d. Red.) Ihm gegenüber erhebt sich das große Gebäude des Zollspeichers, das direkt am Pregelufer liegt.

Der alte Licentgraben (alte Licentgraben) verlief früher in der Nähe des Gebäudes des Pillauer Bahnhofs (Pillauer Bahnhof), der manchmal auch Licentbahnhof (Licentbahnhof) genannt wird.

Ebenso wie der Ostbahnhof (Ostbahnhof) am linken Pregelufer wurde der Pillauer Bahnhof 1865 praktisch auf einem Sumpf gebaut, der zuvor trockengelegt worden war. Und heute nimmt der gesamte Raum zwischen den Straßen Alter Graben (Alten Graben), benannt in Erinnerung an den alten Licentgraben, Holländerbaumstraße (Holländerbaumstraße), Licentgrabenstraße (Licent-Grabenstraße) und Reiferbahn (Reiferbahn) der Bahnhofskomplex ein. Das Äußere des Pillauer Bahnhofsgebäudes ist recht schlicht.

(Ein beträchtlicher Teil der hiesigen Bauten wurde um 1930 im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Bahnhofs Holländerbaum an der Doppelstockbrücke abgerissen. Heute erinnern an jene Zeiten noch die alte Eisenbahnbrücke, Reste des Bahndamms und Gleise. So nahm der altstädtische Handelshafen Lastadie den Uferstreifen des Hundegatts ein und erstreckte sich in seinem westlichen Teil am Pregelufer entlang bis zur Doppelstockbrücke. – Anm. d. Red.)

Fotos auf dieser Seite: Bildarchiv Ostpreußen / bildarchiv-ostpreussen.de.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.