Schutzheilige der Kirche waren die heilige Barbara [weshalb sich für die Kirche im Volksmund der Name Barbarakirche einbürgerte] und Johannes. Der Turm wurde oft umgebaut und 1702 mit einer Galerie und vier Ecktürmchen vollendet. Beim großen Brand von 1764 brannte die Kirche nieder. An ihrer Stelle wurde nach einem Entwurf von Johann Ernst Löckel eine neue errichtet. Sie wurde am 1. Dezember 1776 geweiht.

Es war ein schlichter Bau mit einem Turm im Westen, einer Sakristei im Norden und einer Taufkapelle unter flachen Bögen im Süden. Innen eine flache Decke. Entlang der Wände Emporen (Galerien), die von Säulen getragen wurden.
Blick auf St. Barbara vom Pregel.
Im Inneren sind hervorzuheben: zwei Beichtstühle (1780), ein Bildnis des Pfarrers Kähler (1843) und Messingkronleuchter (1776). Reiches Altargerät: ein silbervergoldeter Kelch (1515), Oblatendosen (1635) mit Gravur, ein silberner Altarleuchter (1640), ein Taufbecken (1685), eine Taufkanne (1686), ein Messingtaufbecken (1638), ein vergoldetes Silberband (1681). Kanzel und Altar waren zu einem Kanzelaltar vereint und stammten aus der Werkstatt von Friedrich Suse.

Die große Orgel wurde 1728 geweiht. Nach dem Brand wurde sie 1782 vom Königsberger Meister Preuß erneuert. Die Kirche besaß vier Glocken.

Die Löbenichtsche Kirche wurde beim britischen Luftangriff 1944 beschädigt. Weitere Schäden erlitt sie beim Sturm auf Königsberg im April 1945. Übrig blieben nur der dachlose, innen ausgebrannte Turm sowie Mauerreste der Kirche. Nach 1945 wurde zunächst der Turm abgetragen, danach nach und nach das, was von den Mauern noch stand. Endgültig abgerissen wurde sie 1970.
Durch Verfügung des Ministerrats der RSFSR vom 14. August 1961 wurde die Ruine der Löbenichtschen Kirche aus der Liste der als Denkmäler von staatlicher Bedeutung zu schützenden Baudenkmäler gestrichen, die mit Beschluss des Ministerrats der RSFSR vom 30. August 1960 bestätigt worden war.
_________
In den 1950er-Jahren erschien in der im niedersächsischen Göttingen herausgegebenen Zeitung der ostpreußischen Heimatvertriebenen, der Ostpreussen-Warte, eine Reihe von Beiträgen des ehemaligen Königsberger Arztes und begeisterten Heimatforschers Herbert Mühlpfordt unter dem Titel „Königsberger Winkel“. Einige davon hat Tatjana Kolivai längst übersetzt, sie sind auf unserer Website zu lesen, andere warten noch auf ihre Stunde. Im Folgenden bieten wir Ihnen eine Episode dieser Saga an, die die Löbenichtsche Kirche ganz unmittelbar betrifft.
Der Löbenichtsche Kirchenplatz
Nirgends war die Zerstörung Königsbergs durch britische Phosphorbomben in jener verhängnisvollen Nacht so verheerend wie auf dem Löbenichtschen Kirchenplatz. Statt eines idyllischen Stadtbildes empfingen den Königsberger, der hierher kam, grauenvolle verkohlte Hausruinen und Totenstille.
Eisige Schauer und heiße Tränen müssen jeden überkommen haben, der hierher geriet und die eingestürzten Mauern der schönen Kirche und die Trümmer der Häuser sah, deren Schornsteine anklagend zum Himmel wiesen.
Doch wer das nicht gesehen hat oder wer es vermag, das grauenhafte Bild der Zerstörung nicht das freundliche Bild der Vergangenheit in seiner Erinnerung verdunkeln zu lassen, wird zustimmen, dass es in Königsberg kaum einen reizvolleren Ort gab als den Platz um „St. Barbara auf dem Berge“, wie die 1334 zu Ehren der Schutzpatronin der Weber erbaute Kirche hieß.
Vier Wege führten zu ihr.
Der erste: Vom Bergplatz oder, wie die Einheimischen ihn nannten, vom „Schiefen Berg“ („Schiefer Berg“) musste man die Kollegiengasse hinabgehen, entlang der Mauer der Burgschule (später Oberrealschule auf der Burg), die 1892 das Gebäude des Friedrichskollegiums1 übernommen hatte.
Um weiter zum Löbenichtschen Kirchenplatz zu gelangen, ging man von der Ecke Kollegienstraße und Oberbergstraße weiter nach Süden durch die Wernerstraße. Bis in die 1880er-Jahre nannte man sie mitunter „Stippelgasse“ oder sogar „Das Gestippel“ (Stippel – ein Hausfass zum Auffangen von Wasser).
Der zweite: von Westen durch die Tuchmacherstraße und dann steil hinauf durch die Unterbergstraße. Das war die ideale Rodelbahn für die Löbenichter Jungen!

Das Haus eines Löbenichter Brauers in der Löbenichtschen Kirchenstraße 8.
In der Löbenichtschen Kirchenstraße, die die Unterbergstraße mit der Oberbergstraße verband, stand das einem reichen Brauer gehörende schöne Haus mit zwei Pilastern und einem farbenprächtig bemalten barocken Relief, das irgendeine mythologische Szene darstellte.

Der Mittelanger im Löbenicht.
Der dritte führte vom Roßgärter Markt durch den Mittelanger zum Löbenichtschen Kirchenplatz. Die grau und unscheinbar gewordenen drei Angerstraßen (Vorder-, Mittel-, Hinter-) erinnern heute in nichts mehr an die blühenden grünen Wiesen, die sich einst hier unter den Löbenichter Stadtmauern ausbreiteten.
Der vierte führte zum Kirchenplatz von der Stelle an der Löbenichtschen Langgasse, wo das sie überspannende, 1752 abgerissene Sackheimsche Tor stand, im Volksmund „Kohltor“ genannt. Das Eckhaus neben dem Tor (Nr. 50) war einst das Löbenichtsche Pauperhaus, das Armenhaus des Löbenicht, und von dort stieg ein Gässchen steil zur Kirche hinauf, das Paupersteig hieß.
Beinahe hätte ich den fünften vergessen! Selbst zu unserer Zeit kannten ihn nur wenige Auserwählte!
Gegenüber dem Haus Nr. 12 in der Löbenichtschen Langgasse, an dem eine Gedenktafel daran erinnerte, dass hier 1805 der berühmte Schriftsteller, Dramatiker und Dichter Heinrich von Kleist (1777–1811) gewohnt hatte, befand sich ein Durchgang zwischen den Häusern 40 und 41, die einander fast zu berühren schienen. Doch genau an dieser Stelle gab es eine schmale Holztür zu einem Souterrain. Wer den Mut hatte, sie zu öffnen, dem bot sich vor staunenden Augen ein unglaublich schmales Gässchen dar, an einer Stelle beinahe von einem Strebepfeiler versperrt; hatte man sich an ihm vorbeigeschoben, konnte man zum Löbenichtschen Kirchenplatz hinaufsteigen. Dieser Durchgang hieß „Heringsgässchen“, und das völlig zu Recht, denn an jenem Strebepfeiler konnte sich nur ein Hering vorbeizwängen.
In jener schrecklichen Augustnacht 1944 wurde er vermutlich verschüttet.
ANMERKUNG
1. 1703 erwarb das kurz zuvor (11.08.1698) gegründete Friedrichskollegium das baufällige Palais des Obermarschalls von Kreytzen, den sogenannten „Landhofmeistersaal“, der vermutlich auf den Fundamenten des ehemaligen Klosters „Zum Heiligen Kreuz“ errichtet worden war, das neben der Kreuzkirche und dem Kreuztor stand.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

