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Lovis Corinth – ein Impressionist aus Ostpreußen

Lovis Corinth – ein Impressionist aus Ostpreußen

Er schuf mehr als 2000 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen. Seine Bilder wurden in einer Reihe mit Werken von Vincent van Gogh, Auguste Renoir, Pablo Picasso und Edvard Munch dem Urteil des Publikums und gnadenloser Kritiker ausgesetzt... Und wenn man der Behauptung glauben darf, dass die Impressionisten die Welt verändert haben, dann hat zweifellos auch Corinth mit seinem Pinsel daran mitgewirkt. Wenn auch zwei Jahrzehnte später.

Dank an Bernstein

Die Ersten, die gegen die akademische Malerei aufbegehrten, waren die französischen Künstler. Am 13. November 1872* eröffnete Claude Monet mit dem Gemälde „Impression, Sonnenaufgang“ die Ära des Impressionismus. Bald überschritt der Impressionismus (dieses Wort galt damals beinahe als Schimpfwort!) die Grenzen Frankreichs und wurde zu einer internationalen Erscheinung.

In Deutschland machte man, so berichtet der schwedische Künstler und „Vater der unmöglichen Figur“ Oscar Reutersvärd, im Herbst 1882 Bekanntschaft mit der Malerei der Meister der neuen Richtung. Damals erwarb der wohlhabende, in Berlin lebende russische Sammler Professor Carl Bernstein (nach Ansicht des französischen Dichters Jules Laforgue „der einzige Kenner der zeitgenössischen französischen Kultur in der deutschen Hauptstadt“) ein Dutzend Gemälde von Manet, Monet, Sisley, Pissarro und Berthe Morisot und lud Künstler und Kunstkenner „zur Besichtigung der Neuerwerbungen“ ein. Die Kenner erschraken verständlicherweise nicht wenig ... Nicht aber die Künstler!

Das Prinzip, „zu malen, was man inmitten von Licht und Luft sieht“, griffen die Maler, die der offiziellen akademischen Kunst ablehnend gegenüberstanden, fast sofort auf. Doch die deutsche Schule kopierte die französische nicht. Für die deutschen Impressionisten war die Komposition des Bildes wichtiger, die Malweise trat dahinter zurück. Deshalb gilt der deutsche Impressionismus als eigenständige Erscheinung.

Den Boden dafür hatte in Deutschland übrigens Wilhelm Leibl bereitet, der Sohn des Kölner Domkapellmeisters – ein Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich bekannter „Meister der Genremalerei und des Typenporträts im Grenzbereich zwischen Romantik und Symbolismus“. An seiner Technik „in einem Zug“ (alla prima) orientierten sich die deutschen Impressionisten. Besonders faszinierte alle seine Malweise – Leibl mischte die Farben direkt auf der Leinwand. Zu seinen Bewunderern gehörte auch Lovis Corinth aus dem ostpreußischen Tapiau (heute Gwardeisk).

Alles wieder erinnert …

Lovis Corinth war nicht nur Maler. Er schrieb zahlreiche Bücher über Kunst und machte sich mit 47 Jahren an seine „Selbstbiographie“. Es schien, als sei es erst gestern gewesen, dass er als fünfjähriger Schuljunge zu seiner Mutter gelaufen war und nach seinem Geburtstag gefragt hatte. Sie antwortete mit einem Rätsel: Dieser Tag falle genau auf den Beginn der Roggenernte. Was das bedeutete, begriff Louis erst, als die Eltern ihn mit aufs Feld zu nehmen begannen. Doch erst als Erwachsener verstand er, wie es seiner Mutter am 21. Juli 1858 ergangen war, als die ganze Familie samt den Arbeitern noch vor dem ersten Hahnenschrei zur Roggenernte aufbrach, um möglichst rasch fertig zu werden und rechtzeitig zur Niederkunft wieder zu Hause zu sein. Sie schafften es nicht. Am 8. August wurde er in der örtlichen Kirche getauft. Man gab ihm den Namen Franz Heinrich Louis Corinth**. Er war das einzige gemeinsame Kind von Heinrich und Wilhelmine, die allerdings bereits fünf Kinder aus erster Ehe hatte.

Die Eltern betrieben einen großen Bauernhof und eine Gerberei.

Bis an sein Lebensende erinnerte sich Louis an den herben Geruch, der von ihr ausging. Der riesige Hof voller Getier aller Art war seine Welt. Er sah zu, wie die Tierkörper für die Gerberei vorbereitet wurden, wie die Arbeiter Fleischstücke davon abschnitten und sie den nach frischem Fleisch gierigen Katzen hinwarfen. Das vom Kadaver herabrinnende Blut bildete kleine Pfützen, aus denen die Hühner tranken. Kein Anblick für schwache Nerven, doch der kleine Louis bekam ihn tagtäglich zu sehen.

Mit der Zeit taten sich Louis neue Horizonte auf. Er wusste nun schon, dass der Fluss, an dessen Ufer ihr Haus stand, Deime hieß. Dort lagen die Wiesen, auf die er dem Vater während der Heuernte das Brot brachte. An die Ländereien der Corinths grenzte ein langgestrecktes Gebäude im Empirestil mit einem roten Spitzdach.

Schwarze, weiße und braune Gestalten huschten wie Bienen in einem Bienenstock geschäftig davor hin und her. Über dem Tor stand in goldenen Lettern: „Ostpreußische Besserungsanstalt für schwer erziehbare Kinder“, oder, wie die Einheimischen sie nannten, das Stidut.

Früher war dies eine Ordensburg gewesen, errichtet am Zusammenfluss zweier Flüsse – des Pregels und der Deime.

Hier begegnete Louis zum ersten Mal einem echten Landschaftsmaler – Knorr, dessen Vater in dieser Besserungsanstalt arbeitete.

Das Stidut hatte mit den Corinths unmittelbar zu tun. In ihrem Haus wohnte in einem kleinen Zimmer die Aufseherin der Anstalt, die eine Tochter hatte – die einäugige Emilie. Louis war oft in ihrem Zimmerchen, das mit altertümlichen Möbeln und allerlei Porzellannippes eingerichtet war. Die Kommoden hatten Löwenfüße und vergoldete Ringe an den Schubladen.

Wie Corinth bekannte, kannte Emilie viele Legenden und weckte in ihm das Interesse für die Kunst, wofür er ihr sein ganzes weiteres Leben lang dankbar war. Einmal zeigte sie Louis ein Bild – Friedrich Wilhelm III. auf einem prachtvollen Pferd – und erzählte, dass es in Königsberg genau so ein Denkmal gebe. Seitdem brannte der Junge darauf, es „mit eigenen Augen“ zu sehen. Die Gelegenheit dazu ergab sich, als der Vater in Königsberg ins Krankenhaus kam und der achtjährige Louis mit der Mutter hinfuhr, um ihn zu besuchen.

In Erinnerung blieben ihm außerdem das Schützenfest und der Jahrmarkt in Wehlau (heute Snamensk), die während der Sommerferien stattfanden. Die mit Birnbäumen geschmückten Straßen des Städtchens hallten vom Klang der Fanfaren wider, und die Schützengilde stellte sich auf dem großen Marktplatz auf. Ein Offizier, zugleich Schützenkönig, thronte auf einem prächtig geschmückten Pferd. An den Ordensbändern des Königs und seines Gefolges glänzten tellergroße Silbermedaillen. Der Zug bewegte sich in den Fichtenwald, der sich zwischen Tapiau und Wehlau erstreckte und von einer breiten Chaussee durchschnitten wurde. Der Waldrand war festlich mit Buden voller belebender Getränke „geschmückt“, und hierher strömte das Volk, um zu feiern, bis die Kräfte versiegten. Nach Sonnenuntergang ging das Fest in die nächste Phase über – angetrunkene Burschen verschwanden paarweise mit Mädchen aus den umliegenden Dörfern im Wald. Am Morgen zogen „Horden“ von Betrunkenen und Verliebten nach Hause.

Der Jahrmarkt in Wehlau war wohl das größte Ereignis im Leben der Corinths.

Die Häute, die der Vater dort verkaufen wollte, wurden auf zwei Fuhrwerke geladen. „Nach zwei Stunden erreichten wir die lange Holzbrücke, die fast ganz von Bettlern besetzt war“, schreibt Corinth in seinen Erinnerungen. „Die Mutter gab ihnen Almosen, und wir fuhren weiter … Mit dem Vater ging ich auf den Markt ... Er galt als der größte der Provinz, viele russische Pferde wurden hierher gebracht.“ Ganze Straßen wurden von Tilsiter Schuhmachern eingenommen. Darüber hinaus blieb dem Kind die endlose Zahl von Buden mit Pfefferkuchen, Süßigkeiten und Getränken für immer im Gedächtnis.

„Ich träumte vom Pregel, von der Kirche und von meinem Hof …“

Im Herbst 1866 ging Lovis nach Königsberg. Die Eltern verwirklichten ihren lange gehegten Plan und schickten ihn auf das Kneiphöfische Gymnasium. Man gab ihm ein paar fette Enten und einen Sack Kartoffeln mit – und brachte ihn bei der Tante in der Magisterstraße 41 unter. Es begann ein Leben in der Fremde, an das der Junge aus Tapiau ganz und gar nicht gewöhnt war. Noch schwerer hatte er es im Gymnasium, wo alle Schüler Hochdeutsch sprachen und über seinen Dialekt lachten. Deshalb musste er neben dem eigentlichen Unterricht viel Zeit darauf verwenden, Hochdeutsch zu lernen. „Es zog mich die ganze Zeit nach Hause“, erinnerte sich Corinth an seine Gymnasialjahre. „Ich träumte vom Pregel, von der Kirche, von meinem Hof …“ Einmal wollte er alles hinwerfen und davonfahren, doch die Tante sperrte ihn im Keller ein. Er musste bis zu den nächsten Ferien warten.

Lovis erinnerte sich an eine Episode aus der Gymnasialzeit: Der Gesangslehrer war im Unterricht eingeschlafen, und er hatte ihn gezeichnet. Als der Lehrer plötzlich aufwachte, sah er Corinth fragend an. Der Junge wurde verlegen und begann, sich umzusehen … Der Lehrer verpasste ihm ein paar Ohrfeigen, doch als er sein Porträt sah, wurde er weich und riet ihm: „Werde Porträtmaler.“ Die Zeichnung nahm er übrigens zur Erinnerung mit. „Nie waren mir Ohrfeigen so angenehm wie damals“, erinnerte sich der Künstler.

Als Lovis 13 Jahre alt war, starb die Mutter. Die ganze Sorge um seine Erziehung lag nun auf den Schultern des Vaters, der sich nichts sehnlicher wünschte, als dass der Sohn eine gute Bildung erhielt. Als er im Sohn das Talent zum Maler erkannte, verkaufte er deshalb das Anwesen in Tapiau, zog nach Königsberg und bezahlte ihm das Studium an der dortigen Kunstakademie.

Es sollte nicht sein …

„Das Schicksal lächelte mir zu“, schrieb Corinth. „Ich werde Maler. Ich bin meinem Beruf treu geblieben und habe nie an Verrat gedacht.“

Die Grundlagen der Malerei und die Historienmalerei unterrichtete an der Akademie Otto Günther, ein enger Freund des Vaters. Er war ein Verehrer des deutschen Malers Ludwig Knaus, eines Meisters der Düsseldorfer Schule, sowie von Marc Louis Benjamin Vautier dem Älteren, einem deutschen Maler schweizerischer Herkunft. Ihre Malweise reizte eine Zeit lang auch Corinth.

Zusammen mit Günther und anderen Schülern reiste Corinth nach Berlin und Thüringen und besuchte die Ateliers namhafter Künstler. In seinem Schaffen konzentrierte er sich auf Porträts und Landschaften. Alles wäre gut gewesen, hätte nicht der ostpreußische Punsch die Idylle gestört, der zum häufigen „Begleiter“ der jungen Künstler wurde. Es wurde viel getrunken. Einige von Corinths Studienkameraden gerieten auf die schiefe Bahn, konnten nicht mehr aufhören, verfielen dem Trunk und starben.

Ein Vorfall, bei dem Louis sich wieder einmal mit Freunden „die Kante gegeben“ hatte, brachte ihn zum Nachdenken. Schwer betrunken beschlossen die Studenten, sich in der Gambrinushalle in der Tuchmacherstraße „Nachschub“ zu holen.

Dieses zweitklassige Vergnügungslokal, in dem die jungen Akademiestudenten beinahe Stammgäste waren, genoss in Königsberg einen üblen Ruf. Der Wirt freute sich stets über Gäste und empfing Nüchterne mit offenen Armen, Betrunkenen aber schenkte er nicht aus. Als die Maler zu randalieren versuchten, warfen die Rausschmeißer sie einen nach dem anderen auf die Straße. Es kam zu einer Schlägerei, die mit der Festnahme und einer Nacht in der Zelle der Polizeiwache endete.

An der Akademie erfuhr man natürlich von allem: von dem Gelage, von der Randale im Suff, von der Festnahme, davon, dass einem der Rausschmeißer in den Finger gebissen und einem anderen beinahe das Ohr abgerissen worden war, und auch vom Widerstand gegen die Staatsgewalt … Die Akademieleitung fürchtete, die Sache könnte in die Presse gelangen. Günther tat alles, was in seiner Macht stand, um die Lage zu entschärfen. Zur „Beilegung des Konflikts“ wurden sehr einflussreiche Persönlichkeiten Königsbergs hinzugezogen. Am Ende kamen die Randalierer mit einer Geldstrafe davon. Für Corinth war das eine heilsame Lektion, Günther hingegen musste die Akademie verlassen. Er ging nach Weimar, nicht ohne zuvor seine Lieblingsschüler an verschiedenen Lehranstalten unterzubringen, denn er wusste, dass man sie ihre Ausbildung nun nicht mehr in Ruhe beenden lassen würde.

Erste Pinselproben

So kam Corinth 1880 auf Günthers Empfehlung an die Akademie der Bildenden Künste in München, wo er sein erstes vollwertiges Gemälde schuf und es „Schwarzer Plan“ nannte. Die Kritiker spotteten über den Titel, und er musste das Bild in „Ein Komplott“ umbenennen. Auf dem Londoner Salon 1884 erhielt es eine Bronzemedaille. Später, bereits nach Antwerpen übergesiedelt, schuf er eines seiner bekanntesten Werke, „Der Neger Othello“. Hier in Antwerpen erreichte Lovis auch die traurige Nachricht von Günthers Tod.

Seine Schüler veröffentlichten einen Nachruf in der Zeitung, was den Zorn der Leitung der Königsberger Akademie erregte, die ihn selbst über den Tod hinaus hasste – „echt ostpreußisch“, wie Corinth es in seiner „Selbstbiographie“ ausdrückte.

Im Oktober desselben Jahres trat er in die private Académie Julian in Paris ein, wo er lernte, den nackten weiblichen Körper zu malen. Gegründet worden war diese Lehranstalt, wie Corinth sich ausdrückte, von einem „begabten Spekulanten“, und sie lebte vor allem vom Geld der Ausländer, die hier studierten. Lovis’ Lehrer waren William Bouguereau und Tony Robert-Fleury.

Ohne in der französischen Hauptstadt nennenswerten Erfolg errungen zu haben, kehrte Corinth nach drei Jahren mit 20 großformatigen Gemälden zu seinem Vater nach Königsberg zurück. Doch ihn ließ der Traum nicht los, nach Berlin zu gehen, und etwas später wurde er Wirklichkeit … Das Leben in der Hauptstadt pulsierte. Hier in Berlin malte er sein erstes Selbstbildnis. Im folgenden Jahr kehrte Corinth nach Hause nach Königsberg zu seinem schwer kranken Vater zurück und konnte noch mehrere Porträts von ihm malen. Am 10. Januar 1889 wurde Lovis Vollwaise.

1890 sorgte Corinths für den Pariser Salon eingereichtes Gemälde „Pietà“ für Furore. Er wagte es, erneut nach München zu ziehen, wo er sich der damals populären Freilichtmalerei widmete. Sein Hauptwerk jenes Jahres war der großformatige „Diogenes“, der beim Publikum allerdings keine Begeisterung auslöste. Danach schuf Corinth eine „provokante“ Bilderserie mit Schlachthofszenen, die endlich die Kritiker beeindruckte.

Lovis Corinth. Selbstbildnis mit Skelett. 1896„Selbstbildnis mit Skelett“, 1896.

In den 1890er-Jahren stand Corinth den „Revolutionären“ der Münchner Kunstszene nahe, die sich in der Künstlergesellschaft „Allotria“ trafen. Aus diesem Kreis ging die Münchener Secession hervor, der außer ihm Max Liebermann, Otto Eckmann, Thomas Theodor Heine, Hans Olde, Hans Thoma, Wilhelm Trübner, Franz von Stuck und Fritz von Uhde angehörten. Der Maler aus Tapiau wurde in Berlin zu einer „großen Nummer“ und arbeitete unermüdlich. Die 1895 entstandene „Kreuzabnahme“ war das erste Werk Corinths, das sich gut verkaufte. Im selben Jahr wurde es auf der Ausstellung im Glaspalast mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Die übrigen Arbeiten fanden beim Publikum keinen Anklang. Danach entstanden das eigene „Selbstbildnis mit Skelett“ sowie „Hexen“, „Die Versuchung des heiligen Antonius“ und „Salome“, in die er große Hoffnungen setzte. Doch die Ausstellung der Münchener Secession lehnte das Bild ab.

Daraufhin beschloss Corinth, nach Berlin zu ziehen, wo sein alter Freund Max Liebermann gemeinsam mit Paul Cassirer die Berliner Secession*** gegründet hatte. Und hier kamen „Salome“ und, nebenbei bemerkt, auch ihr Schöpfer gerade recht.

Außer „Salome“ waren auf der Berliner Ausstellung zwei weitere seiner Gemälde zu sehen – „Susanna und die beiden Alten“ und „Kreuzigung“. 1901 wurde das Bild „Perseus und Andromeda“ auf der Secessionsausstellung bei Paul Cassirer neben Werken von Vincent van Gogh, Wilhelm Leibl und Arnold Böcklin gezeigt. Freunde halfen Lovis, ein Atelier in der Klopstockstraße zu finden, und am 14. Oktober 1901 eröffnete er dort seine Malschule. Die erste Schülerin des Lehrers Corinth war Charlotte Berend. Sie war für Corinth nicht nur Schülerin und Modell, sondern auch treue Lebensgefährtin. Am 26. März 1903 heirateten die beiden. Und am 13. Oktober desselben Jahres kam ihr erstes Kind, Thomas, zur Welt. Die Familie zog in die Händelstraße. Sechs Jahre später wurde die Tochter Wilhelmine geboren.

Karriere

Die Geschäfte liefen bestens. Bald wurde Corinth in den Vorstand der Secession gewählt. Er arbeitete sehr viel. „Bildnis des Dichters Peter Hille“, „Samuel verflucht Saul“, „Die Grazien“ und „Selbstbildnis mit Modell“ wurden 1902 in der Secession ausgestellt – gemeinsam mit Gemälden von Édouard Manet und Edvard Munch.

Lovis Corinth. Selbstbildnis mit Charlotte Berend und Sektglas. 1902„Selbstbildnis mit Charlotte Berend und Sektglas“, 1902.

Auf der Jahresausstellung 1903 präsentierte Corinth sein „Mädchen mit Stier“ und „Der Kampf des Odysseus mit dem Bettler“, 1904 entstanden „Tini Senders“ und „Grablegung“. Im selben Jahr zeigte Cassirer in seiner eigenen Galerie eine Ausstellung des Franzosen Paul Cézanne, die Corinth tief beeindruckte. Es entstanden neue Werke: „Die Kindheit des Zeus“, „Nach dem Bade“, „Rudolf Rittner als Florian Geyer“, „Die Gefangennahme Simsons“, „Das große Martyrium“, „Selbstbildnis mit Glas“, der „Liegende Akt“, der für reichlich Gerede sorgte, „Susanna im Bade“, „Orpheus“ …

Lovis Corinth galt als einer der populärsten und einflussreichsten Maler der Berliner Secession. Seine Bilder verkauften sich gut.

1911 traten der Präsident Max Liebermann sowie die Vorstandsmitglieder Max Slevogt und Paul Cassirer zurück. Zum neuen Vorsitzenden der Secession wurde Corinth gewählt.

Doch bald darauf erlitt er einen Infarkt, nach dem er gezwungen war, mehr Zeit im Badeort Nienhagen bei Bad Doberan zu verbringen. Das Malen gab er dennoch nicht auf. 1912 entstand unter seinem Pinsel „Der geblendete Simson“. Der 1914 ausgebrochene Erste Weltkrieg fand Eingang in sein Schaffen mit den Gemälden „Kain“ und „Bildnis des Großadmirals Alfred von Tirpitz“.

Im März 1918 veranstaltete die Berliner Secession eine Ausstellung zum 60. Geburtstag von Lovis Corinth. Zu dieser Zeit begann die Berliner Nationalgalerie, eine Sammlung seiner Werke aufzubauen, und die Berliner Akademie der Künste verlieh dem Maler den Doktortitel.

Zurückgezogenheit

Nach dem Ende des Krieges und angesichts der darauf folgenden Ereignisse im politischen Leben des Landes zogen sich Corinth und seine Frau 1919 in das Dörfchen Urfeld am Walchensee zurück, wo Charlotte ein Grundstück gekauft und ein Haus gebaut hatte. Hier malte er Landschaften, Porträts, Stillleben … Die Bilder gingen weg wie warme Semmeln. Der Künstler gestand, noch nie so viele Werke verkauft zu haben. Man riss sie ihm buchstäblich von der Staffelei.

Am 15. März 1921 wurde Corinth die Ehrendoktorwürde der Königsberger Albertina verliehen.

In den folgenden Jahren entstanden seine Gemälde „Der rote Christus“, „Flora“, „Das Trojanische Pferd“, „Carmencita“ sowie Porträts seiner Kinder Thomas und Wilhelmine. Aus dem Gedächtnis malte Corinth Porträts seiner Freunde und Kollegen – Bernt Grönvold, Leonid Pasternak, Georg Brandes. Sein letztes großes Werk war „Ecce Homo“. Er vollendete es unmittelbar vor seiner Abreise nach Düsseldorf und Amsterdam am 16. Juni 1925. Er hatte vor, noch einmal die besten Museen dort zu besuchen …

Doch einen Monat später war Lovis Corinth nicht mehr. Er starb in Zandvoort bei Amsterdam an einer Lungenentzündung. Charlotte überführte den Leichnam ihres Mannes nach Berlin und bestattete ihn auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf.

Zur Zeit des Dritten Reichs wurden die Werke von Lovis Corinth als „entartete Kunst“ eingestuft.

Gute Zusammenstellungen der Werke von Lovis Corinth finden sich auf wikiart.org und museumsyndicate.com.

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* Das genaue Entstehungsdatum des Gemäldes wurde 2014 anhand topografischer und meteorologischer Daten ermittelt.

** Obwohl der Künstler bei seiner Geburt den Namen Franz Heinrich Louis Corinth erhielt, ging er als Lovis Corinth in die Geschichte ein. Der Grund dafür ist das Niederdeutsche (Plattdeutsch), das dem Niederländischen nahesteht und im Norden Deutschlands gesprochen wurde, darunter auch in seiner Heimat Ostpreußen. Da Lovis' Vater ein gebildeter Mann war und Hochdeutsch beherrschte, ließ er seinen Sohn auf den Namen Louis taufen. In der Kindheit riefen die Eltern ihn entweder „Louis“ oder „Luis“. Corinth aber blieb bis zuletzt seinem niederdeutschen Dialekt „treu“, den er von Kindesbeinen an sprach. So signierte er seine Werke natürlich mit Lovis Corinth.

*** Berliner Secession — Vereinigung Berliner Maler und Bildhauer vom Ende des 19. Jahrhunderts, die die damals vorherrschende akademische Kunst ablehnten.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.