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Nikolaus Kopernikus: Der Mann, der über den Horizont blickte

Nikolaus Kopernikus: Der Mann, der über den Horizont blickte

Der Name dieses Gelehrten – des größten Astronomen, Mathematikers, Juristen, Ökonomen und Polyglotten – ist praktisch jedem bekannt. Kopernikus, der „die Sonne anhielt und die Erde bewegte“, fiel die überaus schwierige Rolle zu, das heliozentrische Weltsystem zu begründen, auf das sich alle seine Nachfolger stützen sollten. Kopernikus selbst hingegen konnte sich auf niemanden stützen. Er begann und vollendete sein Werk allein.

Nikolaus Kopernikus (Nicolaus Copernicus) wurde am 2. (17.) Februar 1473 in der Stadt Thorn geboren, im „Kulmer Land“, das einen Teil Preußens bildete. Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts war die Küste des Deutschen Meeres (der Nordsee) und der Ostsee von der Weichsel bis zur Memel unter die Herrschaft der Deutschordensritter geraten.

Das vom Orden erbaute Thorn war zu jener Zeit bereits ein bedeutender Handelsplatz der berühmten Hanse, und als der künftige Astronom geboren wurde, war es eine polnische Stadt mit gemischter Bevölkerung. Den größten Teil davon stellten die Deutschen. Im 19. Jahrhundert schrieb Michail Engelhardt: „… die Entdeckung des Kopernikus steht an der Schwelle zwischen dem alten und dem neuen Europa, seine Heimat liegt an der Grenze zweier Stämme, des slawischen und des germanischen, und er selbst ist halb Pole, halb Deutscher.“

Man nimmt an, dass die Familie Kopernikus aus Oberschlesien stammt, aus dem Dorf Köppernig. Seine Bewohner – allesamt Kopernikus – lebten vom Abbau und der Verarbeitung von Kupfer sowie vom Handel mit Kupferwaren. Um 1396 zogen viele von ihnen nach Krakau, damals die Hauptstadt Polens. Unter den Übersiedlern waren auch die wohlhabenden Vorfahren des künftigen Astronomen.

Über seinen Vater, einen „treuen Sohn der katholischen Kirche“, kursierten zahlreiche Märchen. Die einen behaupteten, er sei ein Chłop (ein Bauer) gewesen, andere hielten ihn für einen Bäcker, Bierbrauer oder Maurer … In Wirklichkeit war er, wie schon seine Vorväter, Kaufmann, ein reicher und einflussreicher Mann. Nachdem er 1458 von Krakau nach Thorn übergesiedelt war, erhielt er ein hohes Amt am städtischen Gericht. 1464 heiratete er Barbara Watzenrode, die Tochter eines reichen Thorner Patriziers (des Vorsitzenden des Stadtgerichts). Sie schenkte ihm vier Kinder: Barbara, Katharina, Andreas und Nikolaus.

Über die Kindheit des Kopernikus ist nur sehr wenig verlässlich bekannt. Er wuchs in einer wohlhabenden Familie auf. Seine erste Schulbildung erhielt er höchstwahrscheinlich an der nahe dem Elternhaus gelegenen Schule der Johanniskirche. Oft besuchte er seine Großmutter, von der er Überlieferungen aus alter polnischer Zeit, Volkslieder und Märchen in polnischer Sprache hörte. In der Schule lernte er Latein. So beherrschte der Junge mit zehn Jahren drei Sprachen ausgezeichnet.

Im Haus der Familie Kopernikus verkehrten häufig gebildete und in der Stadt angesehene Leute. Nikolaus hörte ihren Gesprächen zu und sog wie ein Schwamm alles auf, worüber die Erwachsenen sprachen. Für den künftigen Zerstörer uralter Lehren war das eine überaus günstige Atmosphäre.

Unter den Fittichen des „Teufels“

Im Winter 1483 suchte eine furchtbare Pestepidemie Europa heim. Eines ihrer ersten Opfer war der Vater von Nikolaus. Die vor Kummer verzweifelte Mutter kam erst wieder zu sich, als ihr Bruder Lucas Watzenrode im Haus erschien. Der künftige Bischof von Ermland – nach dem Willen des verstorbenen Großvaters Vormund der Waisen – regelte die Angelegenheiten der Familie rasch. Er verkaufte das Haus in der St.-Annen-Straße. Eine Nichte ging ins Kloster, die andere machte eine gute Partie. Nikolaus und seinen Bruder aber gab er auf die Domschule an der Krakauer Universität, wo Knaben aus ganz Polen erzogen wurden.

Die Brüder Kopernikus hatten großes Glück, unter die Vormundschaft von Onkel Lucas zu kommen – eines zwar strengen, aber klugen, gebildeten und sehr einflussreichen Mannes, der zudem frei von puritanischer Engstirnigkeit war. Er hatte eine glänzende Ausbildung genossen, war Magister der Krakauer und Doktor des Kirchenrechts der Bologneser Universität. Da Watzenrode die geistliche Laufbahn eingeschlagen hatte, war er zum Zölibat verpflichtet, dem Gelübde der Ehelosigkeit (was ihn allerdings nicht daran hinderte, einen unehelichen Sohn zu haben).

Am politischen Leben des Landes nahm Lucas regen Anteil, und seine Meinung hatte Gewicht. Über ihn wurde geschrieben, dieser Watzenrode „setzte König Kasimir IV. so zu, dass dieser ihn einen ‚Teufel‘ nannte und sich mit allen Kräften seiner Wahl zum Bischof widersetzte“. Unter den Einfluss eines solchen Mannes geriet der zehnjährige Nikolaus Kopernikus. Und er hat es sein Leben lang kein einziges Mal bereut.

„Mich gebar Thorn, und Krakau schmückte mich mit Wissenschaft“

Im Herbst 1491 wurden Nikolaus und Andreas, nachdem sie je eine Viertelmark Studiengeld (für damalige Verhältnisse viel Geld) entrichtet hatten, Studenten der Artistenfakultät der Krakauer Universität. Auf die frischgebackenen Studenten – die Füchse – wartete die erste Prüfung: das Ritual der „Taufe“. Die „Alten“ schleppten sie in eine Schenke, zwangen sie, sich mit Bier zu betrinken, und tranken sich selbst halb tot. Dann verpassten sie den Füchsen ein paar Knüffe und beschmierten ihnen die Köpfe mit Honig und Asche.

Zum Studium an der Krakauer Universität kamen junge Leute aus ganz Europa, sogar aus Deutschland, Schweden und Italien. Gelehrt wurden hier viele verschiedene Wissenschaften, doch am meisten blühte die Astronomie.

Nikolaus sah hier zum ersten Mal einige umfangreiche Handschriften auf Pergament, gewichtige Bände früher Druckwerke und vier astronomische Instrumente aus Bronze – einen Himmelsglobus, ein Astrolabium (ein altgriechisches Instrument zur Bestimmung der geografischen Breite), eine Sonnenuhr und ein Triquetrum, das Regiomontanus, der angesehenste deutsche Astronom, eigenhändig angefertigt hatte. Berühmt war die Universität auch für ihre Gelehrten. 76 Professoren – das war kein Pappenstiel!

Gerade zu jener Zeit zeichneten sich in der mittelalterlichen Hochschulbildung neue Strömungen ab, der Geist freier Forschung erwachte. Auf die Bühne des kulturellen Lebens traten die Humanisten, die der Antike den Vorzug vor dem Dunst des Mittelalters gaben. Die alten, ehrwürdigen Gelehrten und Lehrer verteidigten die mittelalterlichen Lehrtraditionen, die jungen dagegen wollten die Werke der Hellenen im Original lesen und nicht in mittelmäßigen lateinischen Übersetzungen.

Unterstützt wurden die Humanisten auch von Albert Brudzewski, einem in ganz Europa bekannten Universitätsprofessor, der Mathematik und Astronomie lehrte. Ihm sollte Nikolaus sein Leben lang für die Liebe zur Sternkunde dankbar sein. „Mich gebar Thorn, und Krakau schmückte mich mit Wissenschaft“, schrieb Kopernikus über seine Studienjahre.

Doch der „freie Geist“, der von jenseits der Alpen nach Krakau geweht war, verflog bald wieder aus der Universität. Die Auseinandersetzungen zwischen Scholastikern und Humanisten endeten immer häufiger in Prügeleien, denn keine der beiden Seiten zeichnete sich durch feine Sitten aus. Nach drei Studienjahren kehrte Nikolaus 1495 nach Thorn zurück. Ohne Abschluss.

Nikolaus Coperncus

Eine Zeit großer Gärung

Der Onkel, beunruhigt über diese unerwartete Wendung, machte sich Gedanken über die Laufbahn von Nikolaus. Er bestand auf einer geistlichen Karriere und riet ihm, sich zunächst zum Domherrn des Bistums Ermland in Frauenburg wählen zu lassen. Das war wohl die einträglichste Stelle, die das Mittelalter zu bieten hatte. Die zahlreichen Güter, Ländereien sowie Jagd- und Fischereirechte des Bistums brachten gewaltige Einkünfte. Die Tätigkeit des Kapitels (des Kollegiums der Geistlichen) beschränkte sich im Wesentlichen auf die Verwaltung der Güter sowie das Einziehen und Verteilen der Einnahmen.

Im Übrigen war auch die Arbeit eines Domherrn kein Knochenjob: Gottesdienst im Dom, Totenmessen, leichte Geschäfte und Aufträge … Den Domherren standen ansehnliche Einkünfte zu – die Pfründen –, sowohl in Form von Geld als auch von Ländereien, Gütern usw.

Natürlich entschied sich Kopernikus für die geistliche Laufbahn – allerdings, so vermuten seine Biografen, nicht um dem Herrn zu dienen, sondern weil ihn das warme Plätzchen lockte.

Die Wahl verlor Kopernikus allerdings. Für die einzige frei gewordene Stelle kandidierten so viele Bewerber, dass selbst der allmächtige Onkel nicht helfen konnte. Möglicherweise spielte der fehlende akademische Grad die Hauptrolle – nach altem Brauch mussten Domherren einen Universitätsabschluss vorweisen.

Im Sommer 1496 reiste Nikolaus Kopernikus nach Italien, um sein Studium an der Universität Bologna abzuschließen, die als beste Rechtsschule Europas galt. Während der Student sich den Wissenschaften widmete, wurde er in Abwesenheit doch noch zum Domherrn gewählt und erhielt fortan seinen Anteil an den Einkünften. Italien verschlang viel Geld. Kein billiges Vergnügen waren die Bücher, die er für seine astronomischen Forschungen brauchte. Hier, an der Universität Bologna, machte er am 9. März 1497 eine seiner siebenundzwanzig eigenen Beobachtungen, die in seine berühmte Abhandlung über die Himmelssphären eingingen. Und natürlich lernte er perfekt Griechisch.

Das Kirchenrecht interessierte Kopernikus am allerwenigsten – den Abschluss in diesem Fach erwarb er etwas später, im Mai 1503 in Ferrara, im Palast des Erzbischofs. Doch vorerst schrieb man das Jahr 1501. Nikolaus schrieb sich als Hörer an der medizinischen Fakultät der Universität Padua ein. Die Medizin begeisterte den Astronomen unerwartet und brachte ihm später den Ruhm eines begabten Heilkundigen ein. In der Heimat nannte man ihn einen zweiten Äskulap.

Heute rufen manche mittelalterlichen Heilmethoden ein Schmunzeln hervor, wenn nicht gar Gelächter. Doch … bis zur Hochtechnologie war es noch ein weiter, weiter Weg.

Hier eine der Aufzeichnungen des Kopernikus: „Die Pillen des de Villa Nova kann man zu jeder Zeit einnehmen. Sie verbessern die Verdauung, bringen Fröhlichkeit, halten das Ergrauen auf, das vom Verderben der Lebenssäfte herrührt, besänftigen den Husten, stärken den Verstand, bewahren die Zähne vor Fäulnis, festigen den Schlaf und führen sanft ab.“

Es folgt das Rezept der Wunderpillen: „Nimm zwei Unzen armenischen Bolus, eine halbe Unze Zimt, zwei Drachmen Zitwerwurzel, je zwei Drachmen Usik (Galgant. – Anm. d. Verf.), Diptam (ein Bergkraut. – Anm. d. Verf.) und rotes Sandelholz, je eine Drachme Elfenbein- und Eisenfeilspäne, je zwei Skrupel Asche und Kamille, je eine Drachme Zitronenschale und Perlen, je ein Skrupel Smaragd, roten Hyazinth und Saphir, je eine Drachme Knochen aus dem Hirschherzen, Meerheuschrecke, Einhornhorn und rote Koralle; Blattgold und Blattsilber – je ein Skrupel, Zucker – ein halbes Pfund.“ Und noch ein paar Empfehlungen: „Hände vor dem Essen mit warmem und nach dem Essen mit kaltem Wasser zu waschen, hilft gegen Magenschmerzen“, „Katzenkot mit Schwefel heilt den Blutandrang zum Kopf“.

Doch neben solchen „Wundermitteln“ verfügte die Medizin zur Zeit des Kopernikus auch über zutreffende Vorstellungen vom gesunden und vom kranken menschlichen Organismus, dank deren so manches Leben gerettet wurde.

Kopernikus verbrachte in Italien nach den einen Angaben sieben, nach anderen neun Jahre. Er studierte nahezu alle Wissensgebiete seiner Zeit. Die Atmosphäre war wie geschaffen dafür, sich alles Neue anzueignen.

Heute kann man sich jene Zeit des großen Gärens, in der der Gelehrte lebte und wirkte, kaum noch vorstellen. Die Hochrenaissance! Das Zeitalter der Titanen: Kolumbus, der großen Leonardo, Michelangelo, Raffael, Machiavelli, Erasmus von Rotterdam, Philippus Paracelsus… Alle Gewerbezweige blühten auf, die erste Druckerpresse entstand, und damit begann sich in Europa die Wissenschaft rasant zu entwickeln. All das beflügelte Kopernikus. Er interessierte sich sehr für die Kunst, lernte zu malen, schuf Landschaften und Porträts. Kein Wunder also, dass er in seinen italienischen Jahren endgültig das Interesse an kirchlichen Angelegenheiten verlor, obwohl er bis an sein Lebensende ein Diener der Kirche blieb. Das Kanonikat war für ihn lediglich ein ruhiger Hafen, der ihm Einkommen, gesellschaftliche Stellung und die Möglichkeit sicherte, sich der Astronomie zu widmen. Für Diplome, Ehrungen, Ruhm und Ränge hatte er nur Verachtung übrig.

Rückkehr nach Frombork

Zu Hause träumte er nur von einem – die Sterne zu beobachten.

Doch die schwere Erkrankung des Onkels durchkreuzte alle Pläne des 33-jährigen Nikolaus. Sechs Jahre lang war er sein Leibarzt. Er half dem Bischof in allem, begleitete ihn zu allen möglichen Landtagen und setzte sich mit den Deutschordensrittern auseinander. Nebenher, gleichsam beiläufig, übersetzte er die Sammlung „Sittliche, ländliche und Liebesbriefe“ des Byzantiners Theophylaktos Simokates aus dem 7. Jahrhundert aus dem Griechischen ins Lateinische.

Lukas starb 1512 auf der Rückreise von einem der Landtage. Der Deutsche Orden war einen gefährlichen Gegner los, Kopernikus aber verlor seinen Gönner und verlässlichsten Freund.

Astronomie Hand in Hand mit der Astrologie

In den ersten vier Jahren nach dessen Tod führte Kopernikus in Frombork ein recht eintöniges Leben. Wie alle Domherren wohnte er beim Dom, in dessen Turm er eine Sternwarte einrichtete. Im Herbst 1516 wurde er anstelle von Tiedemann Giese – einem Freund und hochgebildeten Mann – zum Verwalter der südlichen Besitzungen des Bistums Ermland gewählt, und Nikolaus zog für vier Jahre nach Olsztyn. Zu seinen Pflichten gehörten die Aufsicht über die städtischen Beamten und die Dorfschulzen, die Steuererhebung und die Überwachung der Rechtsprechung in den dem Kapitel unterstehenden Gebieten.

In dieser Zeit spitzten sich die Beziehungen zum Orden drastisch zu. Für das Bistum war es eine sehr schwere Zeit. Die Truppen des Ordens besetzten einen Teil des ermländischen Landes, brannten Dörfer nieder und plünderten sie.

Kopernikus organisierte die Verteidigung der vom Orden nicht eroberten Städte und errichtete mit einer kleinen Gruppe treuer Helfer aus der örtlichen Bevölkerung Befestigungen und Wehranlagen. Die übrigen versteckten sich in den Wäldern, und die Mitglieder des Kapitels flohen vor Angst aus Frombork in alle Himmelsrichtungen: die einen in sichere Festungen, die anderen ins Ausland.

Kopernikus hielt die Verteidigung von Olsztyn bis zum siegreichen Ende aufrecht, wofür ihn der König mit dem Titel eines Kommissars von Ermland auszeichnete. So nahm der Gelehrte eine leitende Stellung im Kapitel ein und machte sich an die Arbeit am „Kleinen Kommentar“. Nun galt es nur noch, Zeit für die Niederschrift des großen Werkes zu finden. Doch gerade daran mangelte es katastrophal. Die Wirtschaftsgeschäfte ließen ihn nicht los.

„Hier sind die bezwungenen Wasser genötigt, bergan zu fließen“

Erstaunlich, wie viel Nikolaus Kopernikus wusste und konnte. In Frombork etwa war zwei Jahrhunderte lang eine wasserbauliche Anlage in Betrieb, an deren Bau der Gelehrte – und, wie sich herausstellte, hervorragende Wirtschafter – beteiligt war. Daran erinnert eine Inschrift an einem der Türme des Doms:

Hier sind die bezwungenen Wasser genötigt, bergan zu fließen,

Um mit reichlichem Quell den Durst der Bewohner zu stillen.

Was die Natur den Menschen versagt, hat Kopernikus mit Kunst überwunden.

Dies Werk ist, neben anderen, Zeuge seines ruhmreichen Lebens.

Die Inschrift war selbstverständlich lateinisch. Der Wasserversorgung der Städte des Bistums Ermland und der Nutzung der Wasserressourcen für wirtschaftliche Zwecke sind die Forschungen des Kandidaten der technischen Wissenschaften Fjodor Nesteruk gewidmet – „Die Ingenieurarbeiten des Nikolaus Kopernikus“. Bestätigt werden sie auch durch Untersuchungen polnischer Wissenschaftler. In seinem Buch „Nikolaus Kopernikus“ schreibt der sowjetische und russische Astronom und Mathematiker Jewgeni Alexandrowitsch Grebenikow, seit 1996 Dozent an der Universität im polnischen Siedlce, nach dem der Kleinplanet 4268 benannt ist, dass nach dem Entwurf des Kopernikus zwei Kilometer von Frombork entfernt an der Bauda ein großes Überlaufwehr, ein Damm, ein Stausee und eine Schleuse gebaut wurden, die den Wasserstand im Stausee regulierte. Aus der Bauda wurde das Wasser über einen Kanal abgeleitet, den man Kopernikus-Kanal nannte. „Die Trasse des Kanals fiel stellenweise mit dem Flussbett zusammen, doch zwei Kilometer vor dem Hügel, auf dem der Dom von Frombork stand, bog sie scharf zu ihm ab. Dank der Besonderheiten des örtlichen Reliefs beschleunigte das Wasser hier merklich seinen Lauf, und die Räder der am Ende des Kanals errichteten Getreidemühle drehten sich unter seinem Druck. Weiter floss das Wasser unter einem Turm hindurch, in dem eine mechanische Vorrichtung mit Schöpfeimern eingebaut war, die einen Teil des Wassers für wirtschaftliche Zwecke auf eine Höhe von 25 Metern hob. Das weiterfließende Wasser des Kanals trieb zwei Wassermühlen an und wurde dann in die Ostsee abgeleitet. Die Gesamtlänge des ganzen wasserbaulichen Komplexes betrug etwa vier Kilometer.“

Spätere Untersuchungen belegen, dass Kopernikus Initiator und Leiter des Baus von Wasserleitungen in Toruń, Braniewo, Lubawa, Grudziądz und anderen Städten des Bistums Ermland war.

Die Kalenderreform

Das Ansehen des Kopernikus war so groß, dass ihn Bischof Paul von Middelburg, ein bekannter Mathematiker, der sich mit Fragen der Zeitrechnung befasste, nach Rom einlud. Er bat den Gelehrten, seine Meinung zur Reform des Julianischen Kalenders zu äußern. Das Jahr war darin länger als das tatsächliche, tropische Jahr. Von 325 bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts war die Abweichung auf neun Tage angewachsen. Änderungen waren natürlich nötig. Am dringendsten brauchte sie jedoch der Vatikan, um Ostern und die übrigen beweglichen Feste richtig zu bestimmen. Kopernikus lehnte jede Erörterung entschieden ab, solange nicht die kleinsten Einzelheiten der Bewegung von Sonne und Mond bekannt seien. So wurde die Reform erst 68 Jahre später von Papst Gregor XIII. durchgeführt. Ihr liegen die genauen Berechnungen des Kopernikus selbst zugrunde.

Die Geldreform

Wie man sieht, musste sich der Astronom den größten Teil seines Lebens mit Dingen befassen, die mit Astronomie nicht das Geringste zu tun hatten. So beschäftigte ihn etwa sehr das Problem der Münzverschlechterung und Geldentwertung. Kopernikus verfasste auf Latein drei Schriften zur Verbesserung des Finanzwesens: „Betrachtungen“, „Über die Art der Münzprägung“ und „Traktat über die Münzprägung“.

Das Münzrecht war ein überaus einträgliches Privileg, und die preußischen Städte fürchteten, es zu verlieren. Im eigentlichen Polen wurden Mark und Groschen in einer einzigen Münzstätte geprägt, im kleinen Preußen dagegen in vier. Der Silbergehalt der Königsberger Taler und Schillinge nahm ständig ab. Warum, das galt es herauszufinden. Kopernikus erkannte, dass die Münzverschlechterung dem Orden zusätzliche Mittel für den Krieg verschaffte, und forderte, nur eine einzige Münzstätte beizubehalten. In seinem „Traktat“ schrieb er:

„Wenngleich die Übel, an denen Königreiche, Fürstentümer und Republiken zugrunde gehen, unzählig sind, so sind nach meinem Dafürhalten vier die wichtigsten: Zwietracht, Sterblichkeit, Unfruchtbarkeit des Bodens und Verschlechterung der Münze. Die ersten drei sind so offenkundig, dass niemand sie bestreitet; das vierte aber erkennen nur wenige, die tiefer blicken; es führt den Untergang des Staates nicht auf einmal und jäh herbei, sondern allmählich und verborgen.“

In der Schrift „Über die Art der Münzprägung“ gelangte er zu dem Schluss, dass jeder Versuch des Staates, bei der Ausgabe vollwertigen Geldes zu sparen und „leichtere“ Münzen in Umlauf zu bringen, unweigerlich dazu führt, dass „gutes“ Geld durch „schlechtes“ verdrängt wird. Dies untergrabe die Wirtschaft, „verschärft durch die unvermeidliche Korruption beim Umtausch von Münzen unterschiedlichen Gewichts, aber formal gleichen Werts in der Schatzkammer“. Kopernikus forderte dringende Maßnahmen, sonst werde „Preußen bald eine Münze haben, die nur noch aus Kupfer besteht. Dann wird jeder Außenhandel zum Erliegen kommen. Denn welcher Kaufmann wird bereit sein, seine Waren gegen Kupfermünzen herzugeben? Unweigerlich verteuern sich die lebensnotwendigen Güter. Alles steigt oder fällt im Preis, je nachdem, welchen Wert das Geld hat. Die Preise der Waren bestimmt nicht das Kupfer, sondern Gold und Silber.“

Die meisten Vorschläge des Kopernikus wurden jedoch nicht angenommen. Die Forderung, der Staat solle keinen Gewinn aus der Münzprägung zu ziehen versuchen, erschien damals ebenso absurd wie die Hypothese von der Bewegung der Erde. Außerdem blieb ungeklärt, auf wessen Kosten die Reform durchgeführt werden sollte. Mit diesem traurigen Akkord endete Kopernikus’ Beteiligung an den Münzangelegenheiten. Noch einmal wandte er sich 1531 wirtschaftlichen Fragen zu, als er den „Olsztyner Brottarif“ verfasste und empfahl, das Gewicht des Ein-Pfennig-Brötchens an den Getreidepreis anzupassen. Mit der für ihn typischen Akribie berechnete er eine gleitende Skala, um ein breites Spektrum möglicher Marktschwankungen zu berücksichtigen.

All diese mittelalterlichen Probleme sollten im aufgeklärten Europa mit der Zeit dank seiner Nachfolger gelöst werden.

Nicolaus Copernicus

Privatleben

Mit fast 60 Jahren beschloss der Gelehrte, sich endlich der Erforschung der Himmelskörper zu widmen und das Buch zu vollenden, für das er nie die Zeit gefunden hatte. Ein riesiger Stapel von Manuskripten hatte sich angesammelt, beschrieben in einer kleinen Handschrift mit schönen Schnörkeln. Auf dem obersten Blatt stand der Titel des künftigen Werks: „Des Nikolaus Kopernikus aus Toruń Über die Umschwünge der Himmelssphären“.

Der gealterte und etwas füllig gewordene Kopernikus war nach wie vor eine stattliche Erscheinung und für sein Alter recht rüstig. Seine Gesundheit erlaubte ihm, viel zu arbeiten. Er beobachtete die Sterne und eilte zu Kranken, wenn man ihn rief. Er behandelte Syphilis ebenso wie Gicht. Es wäre an der Zeit gewesen, an den Druck seines Buches zu denken, doch wie es der Teufel wollte (für einen Kanoniker trifft das ja tatsächlich zu), verliebte er sich in die junge, schöne Anna, die Tochter seines entfernten Verwandten mütterlicherseits Matthias Schilling, eines damals bekannten Medailleurs und Metallschneiders. In einer seiner astronomischen Tafeln umrahmte Nikolaus das Zeichen der Venus mit einem Kranz aus Efeublättern. Das war das Familienzeichen der Schillings, das die Münzen und Medaillen zierte, die Annas Vater prägte.

Nach den kirchlichen Vorschriften durfte im Haus eines Geistlichen keine Frau wohnen außer der Haushälterin, und auch diese hatte eine nahe Verwandte zu sein, die nicht mehr in der Blüte ihrer Jahre stand.

Kopernikus jedoch setzte sich darüber hinweg und nahm seine Geliebte zu sich ins Haus. Schließlich lebte auch bei seinem Amtsbruder und Freund, dem Kanoniker Alexander Sculteti, eine keineswegs alte Frau, die ihm sogar Kinder geboren hatte.

Einige Jahre blieb alles ruhig. Die kirchliche Öffentlichkeit fand sich mit der Anwesenheit der jungen, angeblichen Haushälterin im Haus des Gelehrten ab. Doch das Glück währte nicht lange. 1538 wurde Kopernikus’ früherer Freund Dantiscus zum Bischof von Ermland gewählt. Seit einiger Zeit konnte er gebildete und freidenkende Kanoniker nicht ausstehen und wachte so gewissenhaft über die Einhaltung der Kirchengesetze, dass er sogleich auf die Denunziationen von Übelwollenden und Neidern reagierte. Dantiscus befand, Annas Anziehungskraft sei in Wahrheit gefährlich und für andere Mitbrüder eine Versuchung, und befahl ihr, zunächst das Haus des Kopernikus und nach einer zweiten Beschwerde auch Frombork selbst zu verlassen. Gegen den völlig gebrochenen Gelehrten wurde Anklage erhoben. Diese schmutzige Geschichte zog sich lange hin und untergrub seine Gesundheit. Nach Hirnblutungen war er gelähmt. Auch Sculteti musste für seine Sünden büßen: Er wurde aus dem Kapitel ausgeschlossen und aus Polen verbannt.

„Glücklich das Zeitalter, das einen solchen Gelehrten hervorgebracht hat“

Der revolutionäre (und damals mit einem Inquisitionsprozess samt anschließender Verbrennung auf dem Scheiterhaufen bedrohte) Gedanke, dass die Erde auf einer Umlaufbahn um die Sonne kreist, kam Kopernikus lange bevor sein größtes Werk „Über die Umschwünge der Himmelssphären“ das Licht der Welt erblickte. Sein Verständnis des heliozentrischen Systems hatte sich bereits in den Jahren 1506–1508 herausgebildet. Doch er konnte sich nicht damit begnügen, Hypothesen aufzustellen. Fast sein ganzes Leben lang suchte er nach Beweisen dafür, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Zu seiner Zeit verfügte die Wissenschaft jedoch noch nicht über Methoden und Instrumente, die dies anschaulich hätten belegen können. Unter Nutzung aller damals verfügbaren Errungenschaften der Mathematik und Astronomie bewies Kopernikus seine Annahmen im Grunde theoretisch. Erst 1851 schuf der französische Physiker, Mathematiker und Astronom Jean Bernard Léon Foucault ein Versuchspendel – ein Gewicht an einem 67 Meter langen Draht, das die Tagesdrehung der Erde sichtbar machte.

Lange zögerte Kopernikus, seine Forschungen zu veröffentlichen. Herausragende und hochgelehrte Männer drängten ihn, nicht länger zu warten und das Werk „zum allgemeinen Nutzen derer, die sich mit Mathematik befassen“ bekannt zu machen. Der Gelehrte gab nach.

Am Tag seines Todes, dem 23. Mai 1543, wurde Kopernikus das Unterpfand seiner Unsterblichkeit überbracht – das Buch „Über die Umschwünge der Himmelssphären“. Der Überlieferung nach „legten die Freunde es dem Kranken in die Hände, doch der Tod hatte sein Opfer bereits ergriffen“. Wenige Stunden später verschied der große Sohn Toruńs. Ihm blieb erspart, die Gleichgültigkeit zu erfahren, mit der selbst manche Gebildete jener Zeit seinem Werk begegneten, und die Verfolgungen zu erleben, die seitens der Kirche über seine Lehre hereinbrachen.

„Glücklich das Zeitalter, das einen solchen Gelehrten hervorgebracht hat“, sagte über Kopernikus sein einziger Schüler, der deutsche Astronom und Mathematiker Joachim Rheticus.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.