/ Krylowo – Nordenburg

Krylowo (Nordenburg)

Krylowo (Nordenburg)

Blick auf Nordenburg aus der Vogelperspektive.

Krylowo (deutsch Nordenburg), Siedlung im Rajon Prawdinsk, gehört zur städtischen Gemeinde Schelesnodoroschny. Der südlichste Ort des Kaliningrader Gebiets. Liegt nahe der Grenze zu Polen. Gründungsjahr: 1305. Einwohnerzahl: 818 (2012). Eine prußische Burg nördlich der Siedlung Krylowo bestand bereits in vorordenszeitlicher Zeit.

Wappen von NordenburgWappen

von Nordenburg

Die Burg auf einem Hügel am rechten Ufer der Aschwöne (ab 1938 Swine) wurde 1305 gegründet, wie eine Urkunde von 1366 belegt. Der Fluss wurde aufgestaut, sodass der Hügel vollständig von Wasser umgeben war. 1368 wird Kuno von Hattenstein als Pfleger der Burg erwähnt. 1372 siedelte der Ordensmarschall Rüdiger von Elner zehn freie Prußen in der ersten kleinen Siedlung an den Mauern der Burg an und wies ihnen 30 Hufen (ca. 5 km2) Land zu. Die hölzerne Ordensburg mit Erdwällen wurde bei einem der litauischen Überfälle niedergebrannt (1376 oder 1403 – die Meinungen darüber gehen auseinander). Anders als die benachbarte Burg Gerdauen (Schelesnodoroschny) wurde Nordenburg nicht in Stein wiederaufgebaut.

1405 wurde im Auftrag des Hochmeisters Ulrich von Jungingen bei der bereits zerstörten Burg eine weitere Siedlung gegründet, die am 24.07.1407 kulmisches Stadtrecht erhielt.

Erster Bürgermeister wurde Nitsche Döring. Die Stadt erhielt eigene Befestigungen in Form einer Stadtmauer. Das der Stadt zugewiesene Land umfasste 130 Hufen (ca. 21,8 km²). Die Stadt gehörte zur Pflegerei Gerdauen (Schelesnodoroschny), an die Steuern und Abgaben abgeführt wurden. Ebenfalls 1407 wurde in Nordenburg ein Dominikanerkloster gegründet, 1409 die Kirche gebaut. 1429 wurde das Kloster von Nordenburg nach Gerdauen (Schelesnodoroschny) verlegt. 1445 gab der Magistrat von Nordenburg dem Orden 60 Hufen Land (ca. 10 km2) zurück, auf dem die Siedlung Truntlack (Schewzowo) für freie Prußen gegründet wurde.


Nordenburg

Im Dreizehnjährigen Krieg (1454–66) stellten sich die Bürger auf die Seite des Preußischen Bundes, wofür der Orden Nordenburg die Stadtprivilegien entzog.

Stadtansicht bei der KircheStadtansichten mit der örtlichen Kirche.


Am 08.05.1469 wurde die Stadt dem sächsischen Söldnerhauptmann Georg von Schlieben und seinem Bruder Christoph als Lohn für ihre Kriegsdienste zu Eigentum übergeben. Noch vor der Säkularisierung des Ordens wurde in Nordenburg eine Schule eröffnet. 1523 kam es in der Stadt zu einem großen Brand.

Ein weiterer Brand ereignete sich 1564. 1611 ließ Katharina von Schlieben in Nordenburg ein Hospital bauen, das bis 1945 bestand. 1692 wurden die mittelalterlichen Stadtmauern als überflüssig abgerissen.

1700 hörte Nordenburg auf, Besitz der Familie von Schlieben zu sein, und erhielt erneut Stadtrechte.

1705 brannte in der Stadt die Kirche aus, sodass sie für Gottesdienste unbrauchbar wurde, und die 1709–11 wütende Pestepidemie verhinderte ihren raschen Wiederaufbau. An der Pest starb mehr als die Hälfte der Bürger. Die Kirche wurde erst 1726 wiederhergestellt. 1737 gab es erneut eine Pestepidemie von weit geringerem Ausmaß. Ihr fielen 86 Menschen zum Opfer.

Am 13./14.06.1820 kam es in Nordenburg erneut zu einem Großbrand, der 60 Häuser erfasste. 1831 brach in Nordenburg die Cholera aus, der 54 Menschen zum Opfer fielen. Dieselbe Krankheit forderte 1852 weitere 200 und 1857–58 nochmals 150 Menschenleben. 1856 musste die Kirche wegen sich senkender Mauern umgebaut und befestigt werden.


Schule von NordenburgSchule von Nordenburg.

1871 umfasste die Stadtgemeinde Nordenburg außer der Stadt selbst noch acht umliegende Dörfer und Vorwerke. Zusammen gab es dort 206 Wohnhäuser.

Schießstand im StadtwaldSchießstand im Stadtwald.


Ab 1876 erschien in Nordenburg die Stadtzeitung „Nordenburger Zeitung“. Bald darauf wurde sie allerdings zu einer Kopie der Kreiszeitung „Gerdauener Zeitung“.

1885 wird vermerkt, dass in der Stadt 70 Juden lebten, die eine Synagoge und einen eigenen Friedhof hatten. 1898 wurde die Bahnstrecke Gerdauen–Angerburg (Schelesnodoroschny–Węgorzewo, Polen) in Betrieb genommen. Sie führte durch Nordenburg, wo ein Bahnhof eröffnet wurde. 1899 wurde ein neues Synagogengebäude errichtet.

Am 25.08.1914 wurde Nordenburg im Verlauf der Ostpreußischen Operation der russischen Armee von Einheiten des 4. Armeekorps (General Sultan-Girei Alijew) der 1. russischen Armee eingenommen. Doch schon Anfang September mussten die russischen Truppen die Stadt wieder verlassen. Vom 10. bis 13. September 1914 hatte der Oberbefehlshaber der deutschen 8. Armee, Paul von Hindenburg, im Postgebäude von Nordenburg Quartier.

1920 wurde die Schmalspurbahn (750 mm) nach Insterburg (Tschernjachowsk) eröffnet, die zu den Insterburger Kleinbahnen gehörte.

1931 gab es in Nordenburg etwa 300 Wohnhäuser und 670 Wirtschaftsgebäude. In der Vorkriegszeit arbeiteten in der Stadt eine Ziegelei, eine Molkerei, eine Mühle und ein Elektrizitätswerk. Die Nordenburger lebten hauptsächlich von der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse; auf dem örtlichen Markt handelten Bauern aus den umliegenden Dörfern. An Verwaltungseinrichtungen gab es in der Stadt den Magistrat, ein Amtsgericht und ein Postamt. Die Kinder wurden in der Volksschule und der Mittelschule unterrichtet. Für den Sport gab es einen Sportplatz. Die Gotteshäuser waren die evangelische Kirche, die Baptistenkapelle und die Synagoge. Am 09.11.1938, in der sogenannten „Kristallnacht“, wurde die Synagoge in Nordenburg von den Nationalsozialisten und Einwohnern, die sie unterstützten, zerstört.

Eingang zum Nordenburger ThingplatzEingang zum Nordenburger Thingplatz.

Ende der 1930er Jahre wurde im Stadinberg ein Thingplatz angelegt – ein offenes Amphitheater für Massenveranstaltungen.

Eichen in der Umgebung von NordenburgEine der schönsten Alleenlandschaften Preußens mit uralten Eichen – an der Zufahrt nach Krylowo.


Am 26.01.1945 wurde Nordenburg von Soldaten der 2. Garde-Schützendivision (Generalmajor N. S. Samochwalow), der 3. Garde-Schützendivision (Oberst G. F. Polischtschuk), des 1390. Selbstfahrlafetten-Artillerieregiments und der 150. Panzerabwehr-Artilleriebrigade des 11. Garde-Schützenkorps der 2. Gardearmee eingenommen. Bei den Kämpfen wurde die Stadt nur geringfügig beschädigt.

1945 wurde Nordenburg der polnischen Verwaltung übergeben und erhielt den Namen Nordembork. Ende 1945 kam die Stadt bei der Präzisierung der Grenze zwischen der UdSSR und Polen unter sowjetische Hoheit. Für einige Zeit trug sie wieder den Namen Nordenburg. Ende 1946 wurde in Nordenburg und zwei umliegenden Dörfern die Kolchose „Rote Armee“ gegründet. Das Hauptproblem beim Aufbau des friedlichen Lebens war der akute Mangel an Arbeitskräften, denn die Einwohnerzahl der Siedlung war im Vergleich zur Vorkriegszeit um mehr als das Zwanzigfache zurückgegangen. Gerade deshalb stand eine Beibehaltung des Stadtstatus für Nordenburg nicht einmal zur Debatte. Am 17.06.1947 wurde die Siedlung Nordenburg in den neu gebildeten Rajon Prawdinsk eingegliedert, aber schon am 25.07.1947 in den neu gebildeten Rajon Schelesnodoroschny überführt.

Am 05.07.1950 wurde Nordenburg in Krylowo umbenannt. Karlsburg und Korellen wurden offiziell nicht umbenannt und wurden faktisch Teil der Siedlung Krylowo. Die Siedlung wurde zum Zentrum der Kolchose „W. M. Molotow“ (ab 1957 Kolchose „Na strasche“ – „Auf Wacht“).

1962 gehörte Nordenburg wegen der Auflösung des Rajons Schelesnodoroschny wieder zum Rajon Prawdinsk. Schon bis 1966 war das historische Zentrum zerstört und mit Bäumen zugewachsen. Die Siedlung entwickelte sich hauptsächlich im westlichen Teil des ehemaligen Nordenburg. Das ehemalige Karlsburg war 1966 bereits verfallen, im Gut Korellen dagegen standen noch Gebäude.

Die Entwicklung der Siedlung wurde durch ihre Grenzlage stark behindert, in deren Folge die Eisenbahnen nicht mehr gebraucht wurden; die Rolle als Eisenbahnknoten ging völlig verloren. Auf Karten von 1955 sind die Bahnstrecken in Krylowo als in Betrieb verzeichnet, doch schon bis 1985 waren alle Strecken vollständig abgebaut.

Stand 2011 gab es in der Siedlung eine Mittelschule, ein Kinderheim mit Internat, einen Kindergarten, ein Kulturhaus, eine Feldscher-Hebammen-Station und ein privates Heimatmuseum.

Sehenswürdigkeiten: Kirche (1726–1856), Gebäude des Amtsgerichts (19. Jh.), Rathaus (Ende 19. Jh.), verfallener Wasserturm (1898), Baptistenkapelle (Kulturhaus), Grabstätte von 13 russischen und 28 deutschen Soldaten (1914), Massengrab sowjetischer Soldaten (250 Personen, Denkmal von 1955)

Zum Nachschlagen

Laut Gemeindeverzeichnis von 1931 gehörten zur Stadtgemeinde Nordenburg folgende Städte, Güter, Dörfer und Stadtteile: Ahrau (Orłowo, Polen), Bahnhof Nordenburg (Krylowo, Stroitelnaja-Straße 37), Bergenthal (Zielony Ostrów, Polen), Forsthaus Nordenburg (Försterei Sawidowo), Friedrichsflur (Aralowo), Karlsburg (Teil von Krylowo), Kurkowken (ab 1938 Kurkau, 54°20'57'' nördl. Br., 21°37'20'' östl. L.), Nordenburg (Krylowo), Nordenthal (Nekrassowka), Ottoshof (Mrowiny, Polen), Plikow (ab 1938 Plickau, Schewzowo), Raude (54°19'35'' nördl. Br., 21°36'03'' östl. L.), Sandelsruh (ab 1938 Nordenhof, 54°20'02'' nördl. Br., 21°34'58'' östl. L.),Treuhof (54°20'33'' nördl. Br., 21°34'39'' östl. L.), Werder (Czarny Ostrów, Polen). In anderen Verzeichnissen wurden außerdem folgende Wohnplätze und Ortsteile ausgewiesen: Schlachthaus (54°19'59'' nördl. Br., 21°33'56'' östl. L.), Waldhaus (Teil von Schewzowo), Windmühlen (Sewerny), Ziegelei (54°19'52'' nördl. Br., 21°34'29'' östl. L.).

Karlsburg wurde am 06.03.1854 als Gut gegründet. Bis 1912 wurde die Schreibweise Carlsburg verwendet. Das Gut gehörte zur Landgemeinde Nordenburg (Krylowo) und zum Kirchspiel Nordenburg.

Korellen war ein Vorwerk in der Landgemeinde Birkenfeld (Brzeźnica, Polen) und gehörte zum Kirchspiel Nordenburg (Krylowo). Bis 1871 wurde die Schreibweise Corellen verwendet.

Bevölkerungsentwicklung Nordenburg–Krylowo: 1740 – 852, 1782 – 1300, 1820 – 1493, 1867 – 2764, 1871 – 2714, 1875 – 2547, 1880 – 2515, 1885 – 2451, 1905 – 2291, 1910 – 2149, 1925 – 2743, 1933 – 3100, 1939 – 3173, 1947 (Jan.) – 137, 1947 (Okt.) – 36, 2002 – 756, 2010 – 785, 2011 – 831 Einwohner.

Einwohnerzahl von Karlsburg: 1905 – 100 Einwohner.

Einwohnerzahl von Korellen: 1905 – 94 Einwohner.

Bevölkerungsstruktur von Nordenburg 1871: evangelische Christen – 2932, Katholiken – 27, Juden – 50, Kinder unter 10 Jahren – 706, des Lesens und Schreibens kundig – 1865 (85 %), Blinde – 2, Taubstumme – 1, Geisteskranke – 1.

Einwohnerzahlen der zur Stadtgemeinde Nordenburg gehörenden Ortschaften und Vororte:

Ahrau: 1885 – 56, 1905 – 44 Einwohner.

Bergenthal: 1905 – 33 Einwohner.

Waldhaus: 1905 – 2 Einwohner.

Werder: 1905 – 30, 1910 – 31 Einwohner.

Windmühlen: 1905 – 15 Einwohner.

Sandelsruh: 1905 – 65 Einwohner.

Ziegelei: 1905 – 3 Einwohner.

Forsthaus Nordenburg: 1905 – 3 Einwohner.

Ottoshof: 1905 – 24 Einwohner.

Raude: 1905 – 51 Einwohner

Schlachthaus: 1905 – 5 Einwohner.

Treuhof: 1905 – 25 Einwohner.

Nordenburg auf der Karte

Zusammensetzung des Kirchspiels Nordenburg: Abelischken (ab 1938 Ilmenhorst, Belkino), Adolfshof (Goszczewo, Polen), Adolfschlieben (54°22'25'' nördl. Br., 21°34'45'' östl. L.), Adolfswalde (Danilowo), Ahrau (Orłowo, Polen), Bajohrental (ab 1938 Blankenwalde, Bajorski, Polen), Bajohrenwalde (ab 1938 Blankenwalde, Bajory Gaj, Polen), Bergenthal (Zielony Ostrów, Polen), Birkenfeld (Brzeźnica, Polen), Birkenkrug (54°20'05'' nördl. Br., 21°27'23'' östl. L.), Blendowen (ab 1938 Blendau, Barejewka), Brägsigwalde (54°20'07'' nördl. Br., 21°42'10'' östl. L.), Ellernbruch (Watutino), Friedenshof (Wyskok, Polen), Friedrichsflur (Aralowo), Gendrinn (ab 1938 Gendern, Wschody), Groß Bajohren (ab 1938 Großblankenfelde, Bajory Wielkie, Polen), Groß Pentlack (ab 1938 Pentlack, Kamenka), Grünhagen (Grebnoje), Hochlindenberg (Podlipowo), Karlsburg (Teil von Krylowo), Klarahof (Przybki, Polen), Klein Bajohren (ab 1938 Kleinblankenfelde, Bajory Małe, Polen), Klein Pentlack (Sergejewka), Korellen (Teil von Krylowo), Kurkowken (ab 1938 Kurkau, 54°20'57'' nördl. Br., 21°37'20'' östl. L.), Langenfeld (54°19'17'' nördl. Br., 21°27'49'' östl. L.), Langental (54°18'50'' nördl. Br., 21°26'55'' östl. L.), Liskendorf (Liskino), Mally Park (ab 1938 Schönheim, ab 1939 Burgsdorff, Pawlinowo), Mazurhöfchen (Mazurkowo, Polen), Neu Bajohren (ab 1938 Neublankenfelde, Bajory Gaj, Polen), Nordenburg (Krylowo), Nordenthal (Nekrassowka), Oschkin (ab 1938 Oschern, Korolenkowo), Ottoshof (Mrowiny, Polen), Plaitil (ab 1938 Plattau, Tarassowo), Plikow (ab 1938 Plickau, Schewzowo), Raude (54°19'37'' nördl. Br., 21°36'04'' östl. L.), Raudischken (ab 1938 Raudingen, Rudziszki, Polen), Reuschenfeld (Ruskie Pole, Polen), Sandelsruh (ab 1938 Nordenhof, 54°20'02'' nördl. Br., 21°34'58'' östl. L.), Sawadden (ab 1938 Bruchort, Sawidowo), Sechserben (Kałki, Polen), Sophienwalde (ab 1910 Katzborn, Makejewka), Sutzken (ab 1938 Sutzen, Suczki, Polen), Treuhof (54°20'33'' nördl. Br., 21°34'39'' östl. L.), Trotczin (ab 1938 Trotzenau, Ostrowki), Truntlack (Teil von Schewzowo), Waldau (Przyłasek, Polen), Waldhof (Pasternak, Polen), Werder (Czarny Ostrów, Polen), Wilhelmssorge (Garschino).

Fotos auf dieser Seite: Bildarchiv Ostpreußen, bildarchiv-ostpreussen.de, Michail Ogorodnikow.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.