/ Königsberg

Paukenhunde

Paukenhunde

Paukenwagen mit Hund der Kapelle des Infanterieregiments „Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz (6. Ostpreußisches) Nr. 43“ im 19. Jahrhundert.

Paukenhund – wörtlich ein „Hund mit Pauken“ oder „Trommelhund“. Eine seltsame Verbindung, aber keineswegs ein Hirngespinst. Gemeint sind Zughunde, die im 19. Jahrhundert die Wagen mit den Musikinstrumenten der Regimentskapellen von Infanterieregimentern zogen. Meist waren es Bernhardiner, manchmal Rottweiler.

Im Jahr 1866 erbeutete in der Schlacht bei Königgrätz (heute Hradec Králové in Tschechien) das 43. Infanterieregiment (6. Ostpreußisches) Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz (Infanterie-Regiment «Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz» / 6. Ostpreußisches) einen feindlichen Wagen mit Pauken, mit denen die Österreicher ihre Siege feierten. Er gehörte dem österreichischen Infanterieregiment Nr. 77 (Infanterieregiment Nr. 77). Der vor den Wagen gespannte Hund war umgekommen. Die Regimentshandwerker konnten den Wagen und die von Kugeln durchlöcherte Pauke reparieren. Wie die Österreicher nahmen auch die Preußen als Zughund einen großen, kräftigen Bernhardiner, dem sie den Namen Sultan gaben. Anfangs erschrak Sultan vor den ungewohnten Klängen und versuchte davonzulaufen, gewöhnte sich aber bald an seine neuen Pflichten. Er wurde sofort zum Gefreiten befördert und erhielt für sein Halsband das Gefreitenabzeichen. Nach Kriegsende kehrte das Regiment in seine Garnison nach Königsberg zurück. Beim triumphalen Einzug in die Stadt stand Sultan im Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit: Alle streckten die Hände nach ihm aus, um ihn zu streicheln und ihm etwas Leckeres zuzustecken. Er ertrug jedoch alles mit sichtlicher Gleichgültigkeit. Der Hund kannte seine Pflichten.


Paukenhund des 20. Jahrhunderts

Königsberger Paukenhund des 43. Regiments im 20. Jahrhundert.

Der Wagen mit dem vorgespannten Hund wurde in Königsberg so gut aufgenommen, dass der Bernhardiner zu einer Sehenswürdigkeit des Regiments wurde.

Denkmal für die Paukenhunde

Kaliningrader Denkmal für die Paukenhunde an der Kaschtanowaja-Allee.


Mit Allerhöchster Kabinettsordre vom 9. März 1867 verlieh der preußische König Wilhelm I. dem 43. Infanterieregiment „auf ewige Zeiten“ das Recht, Hunde in den Dienst zu nehmen und zu verpflegen. So wurden die Paukenhunde über Jahrzehnte zu einer Art Aushängeschild des 43. Regiments. Sie waren bei allen Militärparaden, bei den Konzerten der Militärkapelle und auch bei der Wachablösung am Schloss dabei.

Zusätzlich zum Haupthund nahm man immer einen zweiten, der nach und nach ausgebildet wurde. Die Hunde erhielten gewöhnlich die Namen Sultan und Pascha.

Nach dem Ersten Weltkrieg verlebte der letzte Hund, Pascha, seinen Lebensabend in ehrenvollem Ruhestand auf dem Gut eines ehemaligen Offiziers des Regiments.

Bei der Bildung der Reichswehr – so hießen die Streitkräfte Deutschlands ab 1919 – wurde die Tradition wiederbelebt. Die Geschichte der Königsberger Paukenhunde endet 1945 mit dem Fall der Hauptstadt Ostpreußens.


LEGENDEN PREUSSENS im Blog von Tatjana Koliwai.


Foto: Bildarchiv Ostpreußen, Michail Ogorodnikow.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.