Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg… Für die ältere Generation ruhige Friedensjahre, für die Jugend eine unbeschwerte Jugendzeit. Wir Jungen aus Ratshof streiften gern am Westrand Königsbergs an den Ufern des Pregels zwischen Cosse und Holstein umher, über die Kürassierwiesen (Cuirassierwiesen) in der Umgebung der Waggonfabrik „Steinfurt“ (Waggonfabrik L. Steinfurt), im Park von Ratshof, beim Hammerteich und beim „Pruddelteich“ und vor allem auf dem Veilchenberg.
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An einem Sonntag spazierten wir über den Veilchenberg. Wie staunten wir, als wir dort am Friedhofszaun einen Mann mit einem Paar Segeltuchflügel sahen, der sich an den an ihrer Innenseite befestigten Schlaufen festhielt und immer wieder vom Berg hinab zur Weidenallee im Tal flog.
Er nahm einen kurzen, scharfen Anlauf, glitt dann in geringer Höhe über die Hänge und setzte nach einigen Dutzend Metern Flug auf dem Boden auf.
Jede gelungene Landung des Wagemutigen begleiteten wir mit begeistertem Geschrei. Bei einer davon stolperte er plötzlich und stürzte, die Flügel brachen, und damit war das großartige, von den Taten Lilienthals und der Brüder Wright inspirierte Schauspiel zu Ende.
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Fast jedes Jahr startete an einem Sonntagmorgen unweit des Veilchenbergs, an einem windgeschützten Hang neben dem Gut Neue Bleiche, eine große Ballonwettfahrt. Das war ein großartiges Vergnügen für die abenteuerlustigen Einheimischen!
Der Ballon „Ostpreußen“.
Auf dem Boden lagen flach die riesigen, noch nicht gefüllten Ballone. Einer nach dem anderen wurden sie mit einem Schlauch an ein Gasrohr angeschlossen, dessen Knie aus der Erde ragte.
Postkarte „Der Ballon rettet in der Apokalypse“. Achten Sie auf das Gasrohr!
Bald waren sie alle mit Gas gefüllt, und ihre in großen Buchstaben geschriebenen Namen wurden sichtbar: „Berlin“, „Stuttgart“, „Leipzig“, „Ostpreußen“, „Rheinland“.
Auf ein Signal der Bodenmannschaft stiegen zwei oder drei kühne Pioniere der Luftfahrt in die aus Weidenruten geflochtene Gondel, und der Ballon schwebte lautlos in Richtung Pregel davon. Die Ballone waren lange zu sehen, ihre Gondeln schaukelten in der Luft. Das Geschehen wurde von begeistertem Geschrei der Menge begleitet, die zum Gruß mit Fahnen oder einfach mit den Händen winkte.
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In einem der Vorkriegsjahre stand Königsberg, wie wir damals sagten, „Kopf“: Zum ersten Mal sollte ein Motorflugzeug Schauflüge für das heimische Publikum vorführen.
Jung und Alt – alle strömten zum ehemaligen Kavallerieübungsplatz Devau hinter dem Königstor und versammelten sich, lebhaft das Geschehen erörternd, an den Rändern dieses großen Feldes, auf dem die auf den ersten Blick so zerbrechlich wirkende „Flugmaschine“ stand.
Hans Grade, einer der Pioniere der deutschen Luftfahrt, machte es sich in der offenen Kabine bequem und warf den kleinen Propeller an… Wie eine Ente schwankend, nahm das technische Wunder des 20. Jahrhunderts Anlauf und hob ab. Nach einigen Kurven und Wenden in geringer Höhe landete das Flugzeugchen unter dem freudigen Beifall der begeisterten Zuschauer wohlbehalten.
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Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurden in Königsberg bereits Proben fliegerischen Könnens gezeigt. Nach dem Vorbild des Franzosen Pégoud (Pegoud) vollführten unsere kühnen Piloten mit ihren Flugzeugen die ersten „Sturzflüge“, wie man damals den „Looping“ nannte.
Hans Grade auf seinem berühmten Eindecker mit hängendem Sitz.
Soweit ich mich erinnere, waren es Flugzeuge von „Fokker“ und „Sablatnig“.
Hans Schirrmeister aus Königsberg auf einem „Albatros“-Doppeldecker.
Und einmal sahen wir Jungen bei einem Spaziergang durch Amalienau, wie auf dem Landeplatz der kurz zuvor erbauten „Zeppelinhalle“ (Zeppelinhalle / Königsberger Luftschiffhalle in Klein Amalienau) ein Flugzeug landete. Wir rannten, so schnell wir konnten, dorthin und kamen gerade rechtzeitig. Das Flugzeug wurde von dem russischen Flieger Abramowitsch (Wsewolod Michailowitsch Abramowitsch, 1890–1913) gesteuert. In Königsberg legte er eine Zwischenlandung auf seinem langen Flug von Berlin nach Petersburg ein. Dieser Flug erregte in der ganzen Welt ein Aufsehen, wie es später nur Charles Lindberghs Transatlantikflug hervorrufen sollte.
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Gerade dank der „Zeppelinhalle“ nördlich von Amalienau konnten wir die Entwicklung der lenkbaren Luftschiffe verfolgen.
Wie oft zogen das leuchtend gelbe „Schütte-Lanz“ (Schütte-Lanz), später das „Parseval“ (Parseval) und 1914 auch der „Zeppelin IV“ (Luftschiff LZ IV) stolz über Ratshof und Amalienau hinweg.
Manchmal, an heißen Sommertagen, wenn wir im „Pruddelteich“ badeten, an den Ufern des Ratshöfer Freigrabens herumtrödelten, mit hochgekrempelten Hosen in der Fürstenschlucht fischten oder im Herbst auf den Feldern Kartoffeln brieten, ließen wir alles stehen und liegen, sobald wir hoch am Himmel ein Luftschiff erblickten und das charakteristische Brummen seines Motors hörten, und stürmten in Richtung „Zeppelinhalle“. Nichts konnte uns mehr aufhalten!
Die komplizierten Landemanöver des Luftfahrzeugs waren einfach faszinierend. Die Nase des Zeppelins neigte sich gemessen, die Mannschaft der Halle eilte herbei, um das herabgelassene Seil zu ergreifen, dann zogen sie das scheinbar endlose zigarrenförmige Luftschiff rasch durch das riesige Tor in die Halle.
Einmal wurde der Zeppelin bei der Landung von einer heftigen Windböe jäh in die Luft gerissen. Einer der Männer hatte das Seil nicht rechtzeitig losgelassen und wurde mit nach oben gezogen, woraufhin er aus sechs bis acht Metern Höhe auf den Boden springen musste. Für uns Jungen war das ein aufregender Moment.
Haltemannschaften helfen dem Luftschiff aus der Halle in Klein Amalienau.
Zu Beginn des Krieges flog der Zeppelin LZ IV zum letzten Mal langsam über uns hinweg. Bald erfuhren wir, dass er bei einem Aufklärungsflug über polnischem Gebiet durch Schrapnellfeuer zerstört worden war.
Das Luftschiff auf dem Flugfeld Devau bei Königsberg.
Unweit von Seerappen (Seerappen, heute Ljublino) wurde eine zweite Luftschiffhalle gebaut, mit der mich eine traurige Geschichte verbindet. Im Sommer 1919 bereiteten wir Freiwilligen der 2. Kompanie des Grenadier-Regiments Kronprinz zusammen mit Freiwilligen anderer Regimenter dort mehrere Tage lang die von der Ostfront geretteten Luftschiffe zur Verschrottung vor. Das war das Ende der damaligen Militärluftfahrt. Auch die beiden Luftschiffhallen bei Königsberg mussten nach den Bestimmungen des Versailler Friedensvertrags abgebaut werden.
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Doch damit war das Leben nicht zu Ende. Segelflieger vollbrachten großartige Leistungen über der Kurischen Nehrung. Vor allem war das der ostpreußische Volksschullehrer Schulz. Seinen Apparat „Besenstiel“ konnten mein Freund und ich an einem Regentag bewundern, den Schulz in einer der Hallen in Devau verbringen musste, wo er unsere Fragen kurz beantwortete.
Das wichtigste Luftfahrtereignis des Jahres in Königsberg war stets das Flugrennen „Ostpreußenflug“. Leichte Sportflugzeuge mit surrenden Propellern starteten vor uns Zuschauern vom Flugfeld Devau.
Besonders bewunderten wir das riesige Flugboot Dornier Do X mit seinem glänzenden silbernen Rumpf und sechs hintereinander angeordneten Motorgondeln. Es glitt über dem Pregel stromaufwärts dahin und begeisterte die zahlreichen Zuschauer an beiden Flussufern bei Contienen, an der Walzmühle und in Cosse.
Wegen seiner Größe konnte die damals neueste Errungenschaft der Flugtechnik nicht auf dem Pregel wassern.
(Das Amphibienflugzeug Dornier Do X landete in Königsberg. Auf dem Foto ist es im neuen Hafen zu sehen. In der Ferne sind der Speicher und die Walzmühle zu erkennen – Anm. d. Red.)
Alle waren auch stolz, als man von der Küste bei Rauschen aus unseren Zeppelin in der Ferne über dem Meer erblickte. Er kehrte von seiner großen Fahrt zum Nordkap zurück.
Und all diese Herrlichkeit ist fast spurlos verschwunden! Flugzeuge und Luftschiffe, ihre Hallen – verschrottet, gesprengt, verbrannt, beseitigt. Doch es entstand eine neue, grenzenlose Welt der Luftfahrt. Heute erstaunt sie alle ebenso, wie uns einst die ersten Flugapparate erstaunten, die den dem Menschen bis dahin unzugänglichen Himmel stürmten.
Der Zeppelinflug über Insterburg
Am 12. August 1913 sahen die Bürger von Insterburg (Insterburg, heute Tschernjachowsk) zum ersten Mal ein Zeppelin-Luftschiff. Im Rahmen der ostpreußischen Luftfahrt-Rundreise erschien LZ1 IV an einem herrlichen sonnigen Morgen um 6:00 Uhr, überflog die Stadt in 250 Metern Höhe, beschrieb eine prächtige Schleife in Form einer Acht und flog dann gegen 6:30 Uhr wieder in Richtung Tilsit (Tilsit, heute Sowetsk) davon. Alle, die die Möglichkeit hatten, kletterten auf die Dächer, um diesen Luftriesen zu sehen und zu bewundern.
Ein Augenzeuge beschrieb das Ereignis so:
„Schon am frühen Morgen spürte man in der ganzen Stadt, dass gleich etwas Besonderes geschehen würde. Durch die Straßen zogen Alt und Jung, Schüler stellten sich in langen Reihen auf, alle eilten zu den Althöfer Wiesen (Althöfer Wiesen). Automobile, Kutschen und Droschken bahnten sich ihren Weg durch die nicht abreißende Menge. Am frühen Morgen stand keine Wolke am Himmel, und die helle Sonne überflutete die taubedeckten Wiesen. Die Zuschauermenge wuchs von Minute zu Minute. Lange Reihen von Schaulustigen warteten am anderen Ufer der Angerapp (Angerapp, heute Angrapa). Auf der Anzeigetafel des Flugplatzes wurde bekannt gegeben, dass das damals in Königsberg stationierte Luftschiff LZ IV aus der Luftschiffhalle nach Insterburg aufgestiegen sei. Diese Nachricht steigerte die allgemeine Aufregung, die beim ersten örtlichen Flugtag herrschte. Und als etwa eine Viertelstunde vor der erwarteten Ankunft des Luftschiffs die Militärflieger die Flugzeuge aus der Halle schoben, kam Bewegung in die Zuschauermenge.

Der weitläufige Flugplatz mit seinem eingezäunten Gelände erwies sich als zu klein für alle Versammelten.
In der Führergondel des Luftschiffs „Graf Zeppelin“ (siehe oben).
Um fünf Minuten vor 6.00 Uhr, nachdem die Motoren der Flugzeuge ordnungsgemäß geprüft worden waren, stiegen zwei Eindecker und zwei Doppeldecker den Gästen entgegen auf. Gewiss war das Können der Piloten beeindruckend, doch das Herannahen des Luftschiffs überstrahlte den Eindruck der an Höhe gewinnenden Flugzeuge. Aus der Ferne wurde das dumpfe Dröhnen der Motoren hörbar…
Mit klarem Kurs auf die Stadt ließ das Luftschiff den Flugplatz links liegen. In 250–300 Metern Höhe zog der Zeppelin majestätisch über das von der Morgensonne hell beleuchtete Pregeltal. Alle seine Propeller surrten und drehten sich mit mäßiger Geschwindigkeit. Ein jubelndes „Hurra!“ kräftiger Männerstimmen erscholl zur Begrüßung des Luftriesen. Zwischen 6 und 7 Uhr morgens vollführte das Luftschiff einen prächtigen Flug in Form einer Acht über Stadt und Flugplatz.
Aus der Gondel warf die Besatzung einen schriftlichen Gruß ab: „Luftschiff LZ IV, auf dem Weg nach Tilsit, wünscht dem Flugtag in Insterburg alles Gute. Wobeser, Nuppe, Scherzer, Luge, Bode.“ – Das Luftschiff überflog den Flugplatz noch einmal im Kreis und verschwand dann in nordöstlicher Richtung aus dem Blickfeld.
ANMERKUNG DER ÜBERSETZERIN
1. LZ, Abkürzung für Luftschiff Zeppelin, wobei Zeppelin der Familienname des deutschen Adligen Ferdinand von Zeppelin (Ferdinand Adolf Heinrich August Graf von Zeppelin, 1838–1917) ist, der sein Leben der Luftfahrt widmete und durch seine Luftschiffe berühmt wurde.
LEGENDEN PREUSSENS im Blog von Tatjana Koliwai.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

