Zusammen mit seinem jüngeren Bruder besuchte Fritz das Königliche Gymnasium in Lyck (heute Ełk, Polen) und studierte anschließend Philologie und Philosophie an der Königsberger Universität. Anfang der 1890er-Jahre zog er nach Berlin, wo er zunächst als Journalist und freier Autor für mehrere Verlage tätig war und später Chefredakteur der Zeitung Breslauer Morgenzeitung wurde. Ab Ende der 1890er-Jahre trat er auch als Dramatiker hervor.
Das Haus der Skowronneks in Schuiken.
Die größte Bekanntheit erlangte Skowronnek jedoch als Autor, der das Masurenland und die Eigenart seiner Kultur besang.
Als leidenschaftlicher Jäger und Angler war Skowronnek von Kindheit an mit den masurischen Bräuchen, Geschichten und Sagen vertraut, die sich später in seinen „Jagdgeschichten“, im „Masurenbuch“ und in weiteren Werken seines masurischen Zyklus niederschlugen. Seine eindrucksvollen Schilderungen der masurischen Landschaft, der Hügel und Seen, der Wälder und ihrer Bewohner lassen den Leser die Verbundenheit des Autors mit seiner Heimat spüren.
In seinen Werken verarbeitete er auch die Ereignisse des Ersten Weltkriegs, die sich sowohl in Ostpreußen als auch in ganz Deutschland abspielten.


Fritz Skowronnek starb 1939 in Oranienburg; auf dem dortigen Friedhof ist sein Grab mit dem wiederhergestellten Grabstein bis heute erhalten. 2013 wurde am Nordostufer des Goldaper Sees, unweit des Geburtsortes des Schriftstellers, ein Gedenkstein mit der Inschrift aufgestellt: Fritz Skowronnek – dem Sänger Masurens.
Im Folgenden geben wir die Übersetzung eines Kapitels aus der polnischen Ausgabe von Fritz Skowronneks „Masurenbuch“ wieder. Die darin geschilderten Ereignisse hätten beinahe zur völligen Vernichtung des majestätischen und malerischen Waldes geführt, der seine Besucher bis heute mit seinen Geschichten und seiner Schönheit nachhaltig beeindruckt.
Fritz Skowronnek „Die Rominter Heide“
(Auszug aus dem „Masurenbuch“)

Nur wenige wissen in der Regel, welche landschaftlichen Wunder die Rominter Heide birgt. Sie liegt nicht in der Ebene, sondern bedeckt im Gegenteil eine Hügelkette, die stellenweise zu beachtlichen Höhen von 250 bis 280 Metern ansteigt. Auf der sogenannten Königshöhe steht ein Aussichtsturm, von dem aus man einen herrlichen Blick über das wogende Waldmeer und die Höhenzüge am Horizont genießt. Auch die schimmernden Spiegel der Seen sind von dort zu sehen: im Osten der riesige Wystiter See, im Westen der Goldaper See und im Süden, schon jenseits der russischen Grenze, eine ganze Gruppe mittelgroßer Seen. Auch in der Heide selbst gibt es einige Seen, allerdings kleinere. Ihr eigentlicher Schmuck aber ist die Rominte mit ihren vier Zuflüssen, die von den Wassern zahlloser Quellen gespeist werden.
Sie schlängeln sich nicht träge dahin, sondern stürzen steil in die Täler hinab und bergen in ihren kalten, klaren Fluten eine unermessliche Zahl von Forellen, die hier geradezu ideale Bedingungen für ihre Vermehrung vorfinden.
An vielen Stellen haben sich diese Bäche mühsam ihr Bett gegraben und rauschen zwischen steilen, oft hundert Fuß hohen Ufern dahin, sodass es mitunter schwerfällt, sie zu überqueren.
Den Hauptbestand der Heide bilden Kiefern und Fichten. Im Süden und Osten überwiegt Laubwald. In den Jahren 1852–1858 wurde die Heide von der Nonne heimgesucht, einem Schmetterling, der einen großen Teil des Waldes vernichtete.
Zweieinhalb Monate, von Mai bis Mitte Juli, dauerte der Fraß der Raupen. Hätte diese Plage länger angehalten, wäre der gesamte Holzbestand der Heide vernichtet worden. Den Nonnenfraß der Jahre 1852–1858 hat uns ein bekannter Forstmann aus Sachsen ausführlich geschildert, der nach Ostpreußen entsandt worden war, um diese Erscheinung zu untersuchen. Nach seinen Worten trat die Nonne 1850 und 1851 massenhaft auf, zunächst südlich der Grenze in den polnischen Wäldern. 1852 hatte sie dort bereits ganze Wälder vernichtet, deren Besitzer Feuer legen ließen, um sie restlos auszubrennen, da sie das minderwertige Holz ohnehin nicht verwerten konnten. Beseitigt wurde der Schädling auf diese Weise keineswegs, sondern nur verscheucht, und 1852 tauchte er erneut in ungeheuren Mengen auf preußischem Gebiet auf. Die Falter flogen in Schwärmen, die sich mit Worten nicht beschreiben lassen. Die Gebäude der Förstereien waren vollständig von den Insekten bedeckt, und auf dem Pilwong-See lagen die ertrunkenen Falter wie eine dicke Schaumschicht. Der Wald sah aus wie bei heftigstem Schneetreiben, die Bäume schienen verschneit – so dicht waren ihre Zweige mit Nonnen besetzt.
In den ersten Jahren versuchte man noch, der Plage mit menschlicher Kraft ein Ende zu bereiten.
Man beschloss, die Falter zu vertilgen, bevor sie ihre Eier ablegten, und außerdem die Eigelege zu vernichten. Gefangen wurden etwa eine Million Falter, gesammelt rund 150 Millionen Eier.
„Trotz dieser energischen Maßnahmen“, heißt es in dem Bericht, — „fand sich im folgenden Frühjahr (1853) wieder dieselbe Menge Eier, selbst an Stellen, die drei- und viermal gesäubert worden waren, was beweist, dass kaum die Hälfte der abgelegten Eier gesammelt worden war. Das ist nicht verwunderlich, denn die Nonne hatte ihre Eier – im Widerspruch zu früheren Untersuchungen und Beobachtungen – sogar zwischen Wurzeln und Moos in der Bodenstreu sowie in den Kronen der Fichten bis hinauf zum Wipfel abgelegt, was das Sammeln sehr erschwerte. Darüber hinaus ordnete die Verwaltung an, die bereits geschlüpften, aber noch in dichten Klumpen beisammensitzenden Raupen zu zerdrücken, was in den Wäldern um Rothebude bis zum 18. Mai tatsächlich geschah, wenn auch mit äußerst geringen Kräften.“
Da sich herausstellte, dass die Raupen von den kahlgefressenen Flächen nicht in unberührte Bestände weiterwandern, sondern erschöpft zu Boden fallen und dort liegen bleiben, machte man sich dies im Kampf gegen die Falter zunutze.
„Um die Falter zu vertilgen, legte man schon während ihres ersten Fluges vom 29. Juli bis 3. August 1853 sowie auch 1854 an vielen Stellen große Feuer an. Obwohl eine große Zahl von Faltern in den Flammen umkam, hatten sie bereits eine solche Menge Eier abgelegt, dass man das Sammeln einstellen musste, denn die Fichten waren nicht nur mit Gelegen zwischen den Rindenschichten übersät, sondern auf ihrer ganzen Oberfläche buchstäblich mit dicht an dicht und übereinander liegenden Eiern inkrustiert. Die Arbeiter konnten sie mit den Händen abstreifen, jedenfalls von den Stümpfen, deren Rinde man eigens zu diesem Zweck noch im Winter abgeschält hatte, auf die die Nonne aber trotzdem ihre Eier gelegt hatte.
Im Mai 1855 erreichte der Raupenfraß ein Ausmaß, wie es wohl seit undenklichen Zeiten nicht vorgekommen war. Bis zum 27. Juni standen in den Wäldern um Rothebude über 10 000 Morgen (Flächenmaß von etwa 0,56 ha. — Anm. d. Übers.) Bäume kahl, und etwa 5 000 Morgen waren beschädigt. Doch die Plage übertraf selbst die schlimmsten Befürchtungen. Ende Juli waren die Bäume auf einer Fläche von 16 354 Morgen völlig vernichtet und auf 5 841 Morgen so stark geschädigt, dass sie gefällt werden mussten. Den Raupen war es inzwischen gleich, ob sie Nadel- oder Laubbäume fraßen. Auch das Alter der Bäume spielte keine Rolle, denn sie befielen und fraßen sogar Fichtenschonungen, die ganz aus vorjährigen und diesjährigen Sämlingen bestanden! Die Wipfel junger Fichten und Kiefern bogen sich unter der Last der Raupenschwärme, die auf ihnen saßen. Ihr Kot, der schließlich den gesamten Waldboden zwei bis drei Zoll, stellenweise bis zu sechs Zoll hoch bedeckte, fiel als unaufhörlicher Regen aus den Baumkronen, und bald war, so weit das Auge reichte, kein einziges grünes Blatt, kein einziger Halm mehr übrig.“
Nach den Nonnen kamen die Bockkäfer und vernichteten, was noch übrig war. Die Arbeiter kamen mit dem Fällen und Abfahren der toten Bäume nicht mehr nach, obwohl jeder so viel Holz nehmen durfte, wie er wollte. Die stehengebliebenen Bäume stürzten von selbst, schon ein mäßiger Wind warf sie um und türmte sie zu Verhauen auf; auf den entrindeten Stümpfen bildete sich ein weißer Schimmel, der im Dunkeln unheimlich leuchtete. Zwei Fuß über dem Boden überzog den Stamm, von dem die Rinde abgefallen war, ein dünner weißer Belag, der so hell leuchtete, dass er auf hundert Meter Entfernung deutlich zu sehen war. Auf den morschen Bäumen wuchs außerdem ein harter Baumschwamm, den man wie ein Wandbord an die Wand hängen kann. Ein halbes Dutzend prächtiger Exemplare davon schmückt die Wand meines Arbeitszimmers.
Die Rominter Heide war von 1868 bis zu seinem Tod das bevorzugte Jagdrevier des Prinzen Friedrich Karl (Friedrich Karl Nikolaus, Prinz von Preußen, 1828–1885. — Anm. d. Übers.).
Der Kaiser kam erstmals 1890 zu einem zehntägigen Besuch hierher. Im folgenden Jahr ließ er ein kleines hölzernes Jagdschloss im norwegischen Stil errichten, in dem er alljährlich zur Hirschbrunft zwei Wochen und länger verbrachte.
1893 wurde eine hölzerne Kapelle, ebenfalls im norwegischen Stil, errichtet und der Kapelle St. Hubertus gewidmet (sie befindet sich im französischen Amboise; der Legende nach ist dort Leonardo da Vinci begraben. – Anm. d. Übers.). Gewöhnlich kam der Kaiser mit kleinem Gefolge in der letzten Septemberwoche nach Rominten. In den letzten Jahren war die Kaiserin seine ständige Begleiterin; auch für sie wurde ein Jagdschloss erbaut, ähnlich dem des Kaisers.
Selbstverständlich mussten für den hohen Jagdherrn, der der Jagd nur wenige Tage widmen konnte, die verschiedensten Vorbereitungen getroffen werden, um ihm das Unternehmen zu erleichtern. Schon im August wurde die Holzabfuhr eingestellt, damit Zeit blieb, die ausgefahrenen Wege zu ebnen. Zahlreiche Sümpfe und Moore wurden trockengelegt und in prächtige Wiesen verwandelt, auf die das Wild gern austrat. Um jede dieser Wiesen führte in gebührendem Abstand ein Pirschpfad, der vor der Ankunft des Kaisers von dürrem Reisig befreit wurde.
Damit das Wild aus seinen Einständen hierher austreten konnte, führten von allen Seiten mit Reisig gedeckte Wechsel zur Wiese. Die Förster kannten ihr Wild sehr genau. Am besten lernten sie es an den Futterstellen kennen, wohin die Hirsche und das übrige Wild ohne Scheu dem Schlitten des Försters folgten, den sie als ihren Wohltäter verehrten. In den letzten Jahren errichtete man für sie große Schutzdächer, unter denen sie bei Unwetter Zuflucht finden konnten, denn die Winter in Ostpreußen sind lang und grimmig und besonders hart für das Wild, auch wenn es zugefüttert wurde. Nicht selten wütete ein sich hinziehender Winter sogar noch bis zu der Zeit, da den Hirschen das Geweih bereits einen Fuß lang gewachsen war.
Auch die Kaiserin gewann die Rominter Heide lieb und begleitete den Kaiser bei seinen Besuchen.
So genoss der Kaiser im entlegensten östlichen Winkel des Reiches zwei Wochen Familienleben und echter Erholung, in die auch erfolgreiche Jagdausfahrten fielen.
Manchmal zog der Kaiser die Jagd der Ruhe vor; dann stand er so früh auf, dass er um halb vier bereits gefrühstückt hatte und zur Abfahrt bereit war. In den letzten Jahren seiner Regentschaft verzichtete er ganz auf weite Ausfahrten und schlief länger. Eines Morgens meldete man ihm, dass ganz in der Nähe ein kapitaler Sechzehnender gesichtet worden sei. Bei guter Laune entschied der Kaiser, der Hirsch könne warten! Und der Hirsch äste tatsächlich noch etwa zwei Stunden auf der Waldlichtung und zog dann gemächlich davon.
In Rominten wurde der Kaiser nur über die wichtigsten politischen Ereignisse unterrichtet, doch ganz konnte er sich seinen Pflichten nicht entziehen und arbeitete mitunter bis tief in die Nacht. Minister und Staatssekretäre trafen zum Vortrag ein, der Telegraf klingelte unablässig, und die Postboten eilten immer wieder zwischen Post und Schloss hin und her. Mehrere Telefonleitungen verbanden diesen weltabgeschiedenen Ort unmittelbar mit Berlin, damit der Monarch mit seinen Ministern beraten konnte.
Der Kaiser liebte lange Spaziergänge. In Rominten streifte er bisweilen ganz allein durch den Park oder stieg ins Tal hinab und knüpfte Gespräche mit den rechtschaffenen Bauern an, die auf den Feldern arbeiteten. Dabei rauchte er unablässig, allerdings ausschließlich hellen, leichten holländischen Tabak zum Preis von höchstens einem Pfennig. Auf langen Ausfahrten schmauchte er kurze Pfeifchen, originell mit Jagdmotiven verziert, und im Schloss griff er bisweilen auch zur Zigarette.
Dieses Bild wäre unvollständig, ohne der herzlichen Zuneigung der Bewohner von Rominten zum Kaiserpaar zu gedenken. Der Rominter Gutsherr sorgte gut für seine Arbeiter. Er baute ihnen solide, möblierte Häuser.
Noch größere Fürsorge ließ ihnen die Kaiserin angedeihen. Kleine Kinder, die noch nicht zur Schule gingen, wurden in die Obhut einer Krankenschwester gegeben, die ihnen bei Unwohlsein Erste Hilfe leisten konnte, sodass kein Arzt nötig war. Die Schulkinder erhielten Bücher und Hefte, und zu Weihnachten bekamen alle, Groß und Klein, nützliche Geschenke, die die Kaiserin selbst für sie ausgesucht hatte. Wenigstens einmal waren alle Einheimischen bei den „Kaisers“ zu Gast. Sie bekamen Gebäck und Schokolade geschenkt, und bei der Bewirtung ließ der Kaiser auch allerlei Imbisse auftragen. Wiederholt prüfte er persönlich, ob die Bunken, wie man die Kinder in Ostpreußen nannte, in der Schule fleißig lernten. Schon in aller Frühe kam er in die Schule und hörte eine halbe Stunde lang dem Unterricht zu. Die Kinder schienen in Gegenwart dieses hiesigen Schulinspektors nicht die geringste Verlegenheit zu verspüren. Wie auf einen Zauberstabwink schnellten alle Hände in die Höhe, und vierzig Augenpaare brannten darauf, die richtige Antwort zu geben.
Ein schönes Bild! Kaiser Wilhelm II. setzte damit die alten Traditionen seines Hauses fort. Man denke nur an Friedrich Wilhelm III. und Kaiser Friedrich! Und wer Gelegenheit hatte, die kaiserliche Familie in Rominten zu beobachten, gewann die Überzeugung, dass die Befreiung von zermürbenden Pflichten und die Rückkehr zur unbeschwerten Natürlichkeit im Umgang mit den nächsten Menschen gewiss die beste Erholung ist.
Übersetzung: Sergej Michailow. Fotos: Ostpreussen.net.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

