Die Redaktion dankt dem Museum der Stadt Königsberg für die Unterstützung bei der Auswahl der Illustrationen.
Vor mehr als hundert Jahren, am 21. Mai 1896, wurde in Hufen, einem nahen westlichen Vorort Königsbergs, an den Hängen der tiefen Schlucht des Freigrabens (heute Parkowy-Bach) im Hufenpark ein Tiergarten eröffnet. Hufen war lange Jahre ein beliebter Erholungsort aristokratischer Familien gewesen, die hier von Gärten umgebene Landhäuser besaßen, und entwickelte sich allmählich zu einem der belebten Geschäftsviertel der Stadt.
Oberbürgermeister Karl Selke (1836–1893), der dieses Amt von 1875 bis 1893 bekleidete, hatte, da die Idee eines Tiergartens damals in der Stadt außerordentlich populär war, dessen Eröffnung bereits für 1889 geplant, doch wie üblich scheiterte die Umsetzung am Geldmangel in der Stadtkasse. Dennoch öffnete 1891 auf dem Gelände des Anwesens Villa Friedericia am Ufer des Freigrabens eine kleine private Menagerie. Weil die Mittel für den Unterhalt der Tiere fehlten und diese infolge unsachgemäßer Pflege eingingen, bestand sie nur ein Jahr. Doch der Anfang war gemacht.
Der Aussichtsturm überragt die „Flamingo-Ecke“.
Die Eröffnung des Königsberger Tiergartens fand am 21. Mai 1896 im Hauptgebäude der Deutschen Gewerbeausstellung statt, die in jenem Jahr auf diesem Gelände stattfand – in einem großen, eigens für dieses Ereignis hergerichteten Saal mit 2000 Plätzen.
Blick vom Aussichtsturm in Richtung Haupteingang. Links die Konzerthalle, rechts das Hauptrestaurant.
Die Vorgeschichte des Königsberger Tiergartens begann 1895, als anlässlich des fünfzigjährigen Jubiläums des „Polytechnischen Gewerbevereins“ an den Ufern des Freigrabens, im Wäldchen des Hufenparks, die Nordostdeutsche Gewerbe- und Industrieausstellung veranstaltet wurde. Zu ihrem Leiter wurde der Geheimrat, Zahntechniker und angesehene Bürger Hermann Claaß ernannt. Dank der Tatkraft dieses rührigen Organisators wurde die Ausstellung, die spürbaren Einfluss auf die Königsberger Unternehmerkreise aus Industrie und Gewerbe hatte, ein beachtlicher Erfolg.
Noch während der Ausstellung schlug Herr Claaß vor, ihr Gelände, ihre Gebäude und ihre Infrastruktur weiter zu nutzen, um einen städtischen Tiergarten einzurichten.
Die Verwirklichung dieser Pläne kostete schließlich 400.000 Mark, die für die Einrichtung des Tiergartens aufgewendet wurden. Davon wurden 237.860 Mark sofort ausgegeben: für den Kauf des Grundstücks im Hufenpark von seinem Besitzer, dem Gastwirt Redotte (125.000 Mark), von siebeneinhalb Hektar Land des Gutes Hardershof von dessen Besitzerin Frau Beek (90.000 Mark) sowie für den Erwerb der Holzgebäude auf dem Ausstellungsgelände (Aussichtsturm, Hauptgebäude u. a.) – 22.860 Mark. Darüber hinaus wurden in der Folge 15.000 Mark für die Gestaltung des Parkgeländes und des Teiches, 100.000 Mark für den Kauf von Tiergehegen und 162.000 Mark für sonstige organisatorische Zwecke ausgegeben, darunter für den Ankauf von Tieren und von Jungpflanzen für die Anlage eines Arboretums mit ausländischen Gehölzen. Die Mittel für die Einrichtung des Tiergartens stellten Privatpersonen zur Verfügung.
Die grandiose Fassade der Konzerthalle.
Die erste Sitzung des Gesellschaftsrates des Tiergartens fand am 10. August 1895 statt. In der Villa Hufenpark, in der später die Verwaltung untergebracht werden sollte, versammelten sich 92 Personen aus den verschiedensten Gesellschaftskreisen. Sie bildeten den Grundstock der Körperschaft, die die Kosten für die Einrichtung und den Unterhalt des Tiergartens übernahm.
Das Hauptrestaurant an der zentralen Promenade.
Den Vorsitz dieser historischen Versammlung führte Dr. Maximilian Braun (1850–1930), Geheimrat, Professor für Zoologie an der Königsberger Universität und seit 1890 Direktor des Zoologischen Museums. In seiner Rede erklärte er, Königsberg als Universitätsstadt müsse einen Tiergarten besitzen – als Grundlage für wissenschaftliche Forschung und die praktische Arbeit der Studenten wie auch für die Volksbildung. Er wollte im neuen Tiergarten Bedingungen schaffen, die den natürlichen möglichst nahekamen, damit „die Besucher sich als Gäste der Tiere fühlen“.
Wegen der unterschiedlichen Interessen der Anwesenden wurden in der endgültigen Fassung des Projekts auch weitere Vorschläge berücksichtigt – die Anlage eines Garten- und Parkensembles sowie die Einrichtung von Flächen für Sport, für Konzert- und Ausstellungsveranstaltungen und für die Erholung der Bürger.
Die Vorbereitungsarbeiten dauerten von August 1895 bis Mai 1896, doch schon Ende August wurde der Verein der Tierfreunde „Tiergarten“ als gemeinnützige Gesellschaft gegründet. Man wählte sein Präsidium und bildete einen Arbeitsausschuss unter der Leitung von Bürgermeister Paul Kunckel. Zum ersten technischen Leiter wurde wiederum Hermann Claaß ernannt, der stets voller Ideen und Pläne steckte und erfolgreich verschiedene städtische Veranstaltungen organisierte. Als der Tiergarten später die Rechte einer juristischen Person erhielt, wurde er im Mai 1897 auch dessen erster Direktor. Für zoologische Fragen war in den ersten Jahren Dr. Johannes Müller zuständig.
Werbung für die Pferde- und Automobilausstellung im Tiergarten.
Hermann Claaß hatte den unruhigen Direktorenposten sechzehn Jahre lang inne, bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 31. März 1913.
Hermann Claaß (5) begleitet die Gattin des Oberpräsidenten, Frau von Windheim (2); Herr von Windheim selbst folgt ihnen (1) in Gesellschaft des Prinzen zu Isenburg (3) und des Grafen Kalnein (4).
Bereits 1901 wurde in Anerkennung der Verdienste des ersten Direktors eine der schönsten Straßen Hufens nach ihm benannt (heute Uliza Swobodnaja). Sie lag unweit des Haupteingangs zum Tiergarten im Viertel Luisenhöh, wo Claaß eine Villa erworben hatte. Ein Jahr nach seinem Tod (1914) wurde zu Ehren des Begründers des Tiergartens an der Hauptallee, in der Mitte beim beleuchteten Springbrunnen mit seinen Blumenbeeten, ein Denkmal des Bildhauers Walter Rosenberg aufgestellt: eine Bronzegruppe, die einen Knaben inmitten einer Pantherin und ihrer zwei herumtollenden Jungen zeigt.
Auf dem steinernen Sockel befanden sich ein bronzenes Reliefbildnis von Hermann Claaß und die Inschrift „Dem Andenken an H. Claaß, Kommerzienrat, Begründer und ersten Direktor des Tiergartens gewidmet“.
1934 wurde das Denkmal auf das Glacis am Königstor versetzt und verschwand nach dem Krieg spurlos. Doch viele Jahre später, 1992, wurde es dank der Bemühungen der russisch-deutschen Gesellschaft „Gedenkstätten Königsberg“ in Privatbesitz aufgefunden und auf seinen Sockel zurückgebracht. Das Relief, das sich am Sockel befunden hatte, war unwiederbringlich verloren. Zum 100-jährigen Jubiläum des Tiergartens schuf der bekannte Kaliningrader Künstler Igor Issajew es im Auftrag der deutschen Seite neu (gegossen wurde das Relief in Deutschland), und 1996 kehrte es schließlich an seinen historischen Platz auf dem Granitsockel zurück.
Das Denkmal für Hermann Claaß von Walter Rosenberg (links, 1913) und eine Infotafel mit dem Porträt des ersten Direktors des Tiergartens.
Das Gelände des Tiergartens mit seiner natürlichen Landschaft wurde im Stil eines englischen Landschaftsparks gestaltet, der an den Hängen einer tiefen Schlucht auf der Grundlage der natürlichen Vegetation entstand und durch eingeführte Gehölze ein wenig „verschönert“ wurde.

Plan des Königsberger Tiergartens aus der Direktorenzeit von Hermann Claaß (1897–1913).
1. Kasse; 2. Direktionsgebäude; 3. Restaurant „Hufenpark“; 4. Pflanzgarten; 5. Stallungen; 6. Wikingerschiff (Drachenboot); 7. Volkspark; 8. Bierstube „Wickbold“; 9. Hauptrestaurant; 10. Lesehalle; 11. Volksrestaurant; 12. Springbrunnen mit Goldfischteich; 13. Konzerthalle; 14. Weinstube; 15. Bierhalle „Ponarth“; 16. Großer Festsaal; 17. Turnhallen; 18. Leuchtfontäne; 19. Aussichtsturm; 20. Milchhäuschen und Mineralquelle; 21. Radrennbahn, Tennisplatz und Reitbahn.
Die Landschaft des Parks gestalteten der Landschaftsarchitekt Model und sein Gehilfe Wichulla um, Obergärtner wurde Schefer. Das Bett des Baches mit seinen hohen Ufern wurde leicht verändert, um ihm größere landschaftliche Vielfalt zu verleihen. Diese zeigte sich in den Bildern einer künstlichen, breiten Wasserbucht im Ostteil, eines schmalen Bachbetts mit Wasserfall im mittleren Teil des Parks und eines schmalen, sprudelnden Wasserlaufs nahe der Hufenallee (heute Prospekt Mira), an der Grenze zwischen Park und Stadt.
Über den Tierbestand beriet der Rat des „Tiergartens“; zusammengestellt und geliefert wurde er schließlich von der Firma Carl Hagenbeck aus Hamburg – 900 Tiere aus zweihundertsechzig Arten (zwei Amurtiger kamen aus Russland).
Der Pflanzenbestand umfasste neben den in Ostpreußen heimischen Gewächsen mehr als 50 für Königsberg exotische, aus anderen Ländern eingeführte Baumarten, unter denen besonders die Nadelbäume hervorstachen.
In die Lösung der Probleme des Zoos wurden die Einwohner und die städtische Öffentlichkeit in sehr großem Umfang einbezogen. Ein Teil der Projekte wurde durch freiwillige Spenden der Bevölkerung finanziert, der andere Teil des Geldes stammte von Mäzenen – Industriellen, Kaufleuten und anderen wohlhabenden Bürgern. Der Verein „Tiergarten“ regte unter den Bewohnern der Stadt eine lebhafte Diskussion über die Gestaltung und Planung des Zoogeländes an. Jeder Bürger war aufgerufen, seine Meinung zur Einrichtung des Zoos zu äußern – eines großen Projekts, das ausschließlich auf Wohltätigkeit beruhte.

Schon im ersten Jahrzehnt seines Bestehens wurde der Königsberger Zoo zu einem der beliebtesten Ausflugsziele der Stadtbewohner. Von Mai bis September war er von 7 Uhr morgens bis 11 Uhr abends geöffnet, in der übrigen Zeit von 8 Uhr morgens bis Sonnenuntergang.
Zoomitarbeiter mit in Königsberg geborenen Leoparden- und Bärenjungen.
Der erste Eingang lag an der Tiergartenstraße (heute Uliza Zoologitscheskaja), 1910 wurde er in den südlichen Teil des Zoos verlegt. Im Jahr 1910 kostete eine Einzelkarte für den Zoo 50 Pfennig, für Kinder 20 Pfennig, eine Semesterkarte für Studenten drei Mark.
Das Wirken der Gründer fand bei den Bürgern, in der Öffentlichkeit und unter den Fachkollegen große Anerkennung: 1897 wurden 2900 Abonnements verkauft, 1898 erreichte die Zahl der Jahreskarten bereits 25 000; 1904 fand in dem Zoo, der als einer der besten im Land galt, eine Konferenz der Zoodirektoren aus ganz Deutschland statt.
1897, ein Jahr nach der Eröffnung, lebten hier 983 Tiere. Die Sammlung wurde ständig erweitert und umfasste 1910 schließlich 2126 Tiere aus 405 Arten – die höchste Zahl in der gesamten Geschichte des Zoos. Die wirtschaftlichen Erfolge lagen auf der Hand.
Zum Gedeihen des Unternehmens trugen mehrere Umstände bei: der vielfältige Tierbestand, die Möglichkeit, das Leben einheimischer und exotischer Tiere aus nächster Nähe zu beobachten, die günstige Lage des Zoos in einem grünen, vornehmen Stadtteil, die malerische Landschaft der romantischen „Schlucht“ – einer tiefen (bis zu 25 m), mit Hainbuchen bewachsenen Senke, auf deren Grund ein reißender Bach dahinströmte –, der weitläufige Teich „Entenbucht“, der schön angelegte Mittelteil des Geländes mit Alleen und Blumenrasen, Bodendeckerrosen und einem interessant zusammengestellten Arboretum, ein ausgedehntes Netz von Spazierwegen und vielfältige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.
Sommers wie winters gab es täglich Konzerte: im Sommer unter freiem Himmel, im Winter im großen Konzertsaal mit Orgel. Im Sommer fanden sonntags und mittwochs Sinfoniekonzerte statt. Das Publikum lockten auch so angenehme Zerstreuungen wie der Besuch der Restaurants, der Weinstube, der Milchcafés oder der Konditorei Liedtke, in der die in Königsberg so beliebten Marzipanbrötchen gebacken wurden, ferner Radfahren, ein „Lachkabinett“, ein Kinderspielplatz, die hölzerne Terrasse der Lesehalle, von der aus man die etwas düstere Schlucht gut überblicken konnte, und zwei Musikpavillons für Orchester. Regelmäßig trat der Chor des Lehrervereins auf, und häufig wurden weitere Sängerfeste veranstaltet.
Aussichtsturm und Großer Saal für Festveranstaltungen.
Es gab zwei Restaurants: Das eine mit zahlreichen Tischen unter freiem Himmel war das „Volksrestaurant“, das andere – das größte Restaurant Königsbergs – lag im Westteil des Zoos an der Tiergartenstraße; vom Eingang an der Straße führte eine Eichenallee zu ihm.
Das Bärenschloss war stets ein beliebter Ort.
Im Zoo fanden nicht nur häufig verschiedene städtische Veranstaltungen statt, es wurden auch auf persönliche Initiative von Hermann Claaß Projekte verwirklicht, die gute Einnahmen brachten (etwa das große Vorhaben regelmäßiger Völkerschauen mit Lappländern, Nordafrikanern und Angehörigen anderer Völker, die man nach Königsberg einlud). Unter den städtischen Veranstaltungen ist das XXI. Preußische Sängerfest im Juli 1903 zu erwähnen. Alle Teilnehmer erhielten eigens in Bronze gegossene Gedenkmedaillen: Auf der einen Seite war ein Musiker mit Lyra und zwei Engeln abgebildet, auf der anderen ein Elchkopf im Eichenlaubkranz mit der Inschrift „Königsberg in Preußen. Tiergarten. 1903“.
Die damals zahlreichen Konzerte fanden in der Konzerthalle des Zoos statt, einem der Gebäude, die noch von der Gewerbeausstellung stammten. Hier wurde 1908 auch das städtische Fest zum 100-jährigen Bestehen der „Städteordnung“ gefeiert.
1906 ließ der „Verein für Luftschifffahrt“ unter großem Andrang vom Zoogelände einen Ballon auf eine für jene Zeit beachtliche Höhe von 300 Metern aufsteigen, von wo aus Liebhaber solcher Vergnügungen nach dem Kauf einer Karte für 3 Mark die Aussicht auf Königsberg und seine Umgebung genießen konnten.
1910 brannte eines der Holzgebäude des Zoos – das Hauptrestaurant am Eingang von der Tiergartenstraße – ab, doch schon 1911 entstand an seiner Stelle ein neues, steinernes Gesellschaftshaus im Barockstil nach Plänen des Architekten Otto Walter Kuckuck, der an der Königsberger Kunst- und Gewerkschule lehrte (ihr roter Backsteinbau ist in der Uliza Sommera erhalten) und zahlreiche Villen und Wohnhäuser in Königsberg errichtete.
Die Elefantenkuh Jenny liebten Jung und Alt!
Das Gesellschaftshaus mit dem neuen Restaurant, einer offenen Terrasse im Obergeschoss und dem Palmensaal war der Anziehungspunkt für die Besucher des Zoos.
Café im Zoo am Ufer eines lauschigen kleinen Teichs.
Dieses Gebäude, dessen Name – Gesellschaftshaus – sich im Russischen etwa mit „Haus der öffentlichen Versammlungen“ oder „Haus der Geselligkeit“ wiedergeben lässt, verfügte über zahlreiche Räume unterschiedlicher Größe für – wie man heute sagen würde – Workshops und Chorgesang, über einen riesigen Konzertsaal für 3000 Personen sowie über Säle für Gesellschaftsabende, Bälle und festliche Aufführungen. Der Bau war langgestreckt und besaß wegen der unterschiedlichen Höhe seiner vielen Räume eine kompliziert gegliederte Dachlandschaft. Besonders beliebt war das Restaurant. Vom Obergeschoss mit seiner offenen Terrasse bot sich ein Blick über nahezu das gesamte Zoogelände. Der Südflügel des Gebäudes hat den Krieg nicht überdauert.
Während der Bombenangriffe von 1944 und der Kämpfe auf dem Zoogelände im Jahr 1945 blieb das Gebäude teilweise erhalten und erfüllte nach dem Krieg eine neue Aufgabe: Es diente als Elefantenhaus.
Das „alte“, verfallene Elefantenhaus des Kaliningrader Zoos (alt deshalb, weil inzwischen ein neues gebaut wurde) erinnert sich wohl noch an die Zeiten, als es eines der größten Restaurants der Stadt war. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wartet es auf Abriss oder Restaurierung. Davon knarrt seit vielen Jahren sein verbogenes schmiedeeisernes Balkongitter und erinnert die Zoobesucher daran, dass es in unserer Stadt nicht wenige seltsame Orte gibt und man sich über nichts wundern sollte…
Zu den bemerkenswertesten Ereignissen in der Geschichte des Zoos gehörte 1912 die Eröffnung des ersten Freilichtmuseums für Volkskunde in Deutschland auf seinem Gelände – nach dem Vorbild des skandinavischen Museums im Park Skansen in Stockholm. Der Ethnograph A. Hazelius hatte im Stockholmer Park ein Museumsdorf aus alten Holzbauten zusammengetragen und es 1891 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel solcher Museen war es, Baudenkmäler zu bewahren und sie in der Landschaft, in ihrer natürlichen historischen Umgebung, als Gesamtheit und Ensemble zu präsentieren.
Das Ostpreußische Volkskundemuseum war ein wichtiger Bestandteil des Tiergartens.
Gründer und Leiter des Museums für ostpreußisches Landleben war Professor Richard Dethlefsen, ein Konservativer aus Überzeugung, der sich für die Bewahrung der traditionellen bäuerlichen Lebensweise und der preußischen Geschichte einsetzte.

Plan des Ostpreußischen Volkskundemuseums in Königsberg.
1. Oberländer Stall. 2. Oberländer Wohnhaus. 3. Ermländisch-oberländisches Wohnhaus mit offener Vorlaube. 4. Oberländer Friedhof. 5. Oberländer Kirche. 6. Glockenturm der Oberländer Kirche. 7. Wegkapelle. 8. Backhaus.
Litauisches Gehöft
9. Wohnhaus. 10. Stall. 11. Erntescheune. 12. Speicher. 13. Vorratskammer. 14. Keller. 15. Brunnen. 16. Darre. 17. Schmiede. 18. Wassermühle.
Litauisches Fischergehöft
19. Stall. 20. Fischräucherei. 21. Wohnhaus. 22. Litauischer Friedhof. 23. Grabhügel. 24. Befestigte Wallburg. 25. Windmühle. 26. Masurisches Wohnhaus.
Die Schmiede im Volkskundemuseum.
Das Museum lag an den Hängen der Freigraben-Schlucht im südlichen Teil des Zoos, umfasste etwas mehr als drei Hektar und hatte eigene Eingänge von der Brahmsstraße (Brahmsstraße, heute ul. Bramsa) und der Liststraße (List-straße). Hier, inmitten der natürlichen Vegetation, im Schatten von Hainbuchen und Buchen, standen Bauten der schon damals verschwindenden altpreußischen Vergangenheit mit unterschiedlichster Bestimmung: Bauernhäuser – ein preußisches, ein masurisches und ein ermländisches –, ein Forsthaus, die Hütte eines litauischen Fischers, der Wirtschaftshof eines Einzelgehöfts, ein Backhaus, eine Schmiede, eine Brauerei, eine Windmühle, eine Holzkirche, eine alte Burganlage und weitere Gebäude von volkskundlichem Wert, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Verschwinden bedroht waren.
In der Landschaft der Bachschlucht waren die Gebäude des Museumsdorfs folgendermaßen angeordnet: Dort, wo heute die kleine Brücke von der Nossow-Straße zur Rimski-Korsakow-Straße hinüberführt, befand sich ein kleiner Damm, sodass der Bach in der Schlucht einen Stauteich mit Forellen und klarem, fließendem Wasser bildete, das über den Damm strömte und einen Wasserfall entstehen ließ.
Am rechten Hang der Schlucht zog sich unter dem Kronendach der Hainbuchen eine lange Allee vom Eingang an der Brahmsstraße an einer altpreußischen Erdbefestigung – einer Fliehburg (Flieburg) – vorbei, weiter an der Mühle, die einst am Bach des Gutes Schönfließ gestanden hatte (dem Beek-Kanal, der vom Pregel ausgeht und das Gebiet der heutigen Stadtbezirke Baltijski und Moskowski entwässert), bis zu einem weitläufigen Elchgehege und von dort weiter zum Ausgang an der Liststraße oder tiefer in das Zoogelände hinein, wo die Besucher als Erstes das „Bärenschloss“ und seine Bewohner empfingen. Am linken Hang der Schlucht lag das Fischerhaus, dahinter die Schmiede und weiter südlich der litauische Hof aus Gilge (heute Matrossowka, Rajon Polessk) – das Gehöft ethnischer Litauer, die den Nordosten Ostpreußens besiedelten. Es bestand aus einem zweigeschossigen hölzernen Wohnhaus; Stall, Scheune, Klete (Sommerhäuschen) und Keller waren so angeordnet, dass sich in der Mitte ein großer Hof ergab. Unweit davon standen eine alte Holzkirche aus Reichenau (heute Polen, in der Umgebung von Ostróda), ein Laubenhaus und zwei masurische Fachwerkhäuser. Zwischen den letzten Exponaten des Museums und dem Südeingang an der Hufenallee (Prospekt Mira) befanden sich der Wirtschaftshof und das Verwaltungsgebäude.
Das Milchhäuschen wurde neben einer Mineralquelle errichtet.
Zoo und Volkskundemuseum nahmen zusammen eine Fläche von etwas mehr als zwanzig Hektar ein: 3 ha das Museum und 17,6 ha der Zoo.
Der Pavillon der Brauerei „Ponarth“.
An bestimmten Tagen erwachte das Dorf zum Leben: Der Fischer fing Fische, der Schmied ließ seinen Hammer klingen, die Mühle drehte sich, und das Bier floss in Strömen... Die Ausstellung des Museums stieß beim Publikum auf großes Interesse und lockte zahlreiche Besucher an – bis 1938, als sie im Zuge der Neuordnung des Zoos nach und nach auf den Hexenberg (Hexenberg) nördlich der Stadt Hohenstein (Hohenstein, heute Olsztynek, Polen) verlegt wurde.
Gegen Ende seines zweiten Jahrzehnts erreichte der Königsberger Zoo dank einer tatkräftigen Leitung und der Unterstützung der Öffentlichkeit seine Blütezeit.
Nach dem Ausscheiden Hermann Claaß’ wurde für die Jahre 1913 bis 1930 Max Emil Meißner (Max Emil Meißner) Direktor des Zoos, der zuvor den Zoo in Posen (heute Poznań, Polen) geleitet hatte. Schon bald, am 17. August 1914, musste der Zoo wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs für dreieinhalb Jahre schließen. Die meisten Mitarbeiter wurden zum Militärdienst eingezogen, die Gebäude des Zoos dienten als Uniformlager. Es war eine schwere Zeit: Es gab weder Futter zu kaufen noch Geld dafür, und der Tierbestand musste drastisch verkleinert werden.
Als der Zoo am 1. Juli 1918 seine Tore für die Bürger wieder öffnete, wurde ein Besucherrekord verzeichnet – die Einnahmen eines einzigen Tages beliefen sich auf 70.159 Mark. Es war ein Triumph der öffentlichen Anerkennung, doch es standen noch viele Schwierigkeiten bevor, die aus der Nachkriegskrise und der Inflation erwuchsen.
1919 brannte das hölzerne Konzerthaus ab und wurde aus Geldmangel nicht wieder aufgebaut.
Brücke über den Parkowy-Bach (Hufenfreigraben) in der Uliza Bramsa.
Im selben schwierigen Jahr, am 26. September, wurde im Zoo die erste Ostdeutsche Messe (Ostmesse) eröffnet. Sie verlief so erfolgreich, dass Reichspräsident Friedrich Ebert den Verein „Tiergarten“ daraufhin als gemeinnützige Organisation würdigte.
Fußgängerbrücke über den Parkowy-Bach auf dem Gelände des Tiergartens nahe der Hufenallee (Hufanallee, heute Prospekt Mira).
Die schwerste Zeit erlebte der Zoo im Jahr 1920: Der Tierbestand umfasste nur noch 380 Tiere. Bis zum 25-jährigen Jubiläum des Zoos, das am 21. Mai 1921 gefeiert wurde, wuchs er auf 565 Tiere an. Am Jubiläumstag besuchten 40.000 Königsberger ihren Zoo. Bis 1924 stieg die Zahl der Tiere auf 700.
Die Wirtschaftskrise brachte dem Zoo Schulden in Höhe von 150.000 Mark ein, und der Tierfreundeverein erwog, seinen Status als gemeinnützige Wohltätigkeitsorganisation aufzugeben und sich der städtischen Verwaltung zu unterstellen. Dank der Unterstützung der Bürger, hoher Besucherzahlen, strengster Sparsamkeit der Verwaltung und des tatkräftigen Einsatzes neuer Vorstandsmitglieder gelang es jedoch, die Unabhängigkeit des Vereins „Tiergarten“ zu bewahren und die Schulden zu verringern.
Die finanzielle Lage des Zoos begann sich allmählich zu stabilisieren.
Ab 1930 ist Dr. Richard Müller Direktor des Zoos. Die materiellen Sorgen lasten weiterhin auf der Leitung, die sich gezwungen sieht, einen Teil des Zoogeländes an der Hermannallee (heute Uliza Tschaikowskogo) und der Hufenallee (heute Prospekt Mira) zu verkaufen, um den Erlös in die Ausgestaltung des Geländes zu stecken. Das Hauptgebäude, in dem sich das Restaurant befindet, erhält Anbauten, im Gebäude selbst wird ein großer Empfangssaal eingerichtet, und es entstehen auch neue Tiergehege.
Das Gesellschaftshaus des Tiergartens, in dem heute die Zoodirektion untergebracht ist.
Einer gewachsenen städtischen Tradition folgend, finden im Zoo Feste und Feierlichkeiten statt.
Plan des Tiergartens (1930).
1. Haupteingang; 2. Verwaltungsgebäude; 3. Fotoatelier des Zoos; 4. Ostpreußisches Volkskundemuseum; 5. Mineralwasserpavillon; 6. Gesellschaftshaus; 7. Eingang von der Tiergartenstraße; 8. Volksrestaurant; 9. Pottwalskelett; 10. Hermann-Claaß-Denkmal; 11. Musikpavillon ; 12. Pavillon der Brauerei „Ponarth“; 13. Musikpavillon; 14. Café „Benter“; 15. Leuchtfontänen; 16. Milchausschank; 17. Aussichtsturm; 18. Wirtschaftshof; 19. Pflanzengärtnerei; 20. Tennisplätze.
Am 22. Juni 1930 beging der Sängerbund hier den 700. Todestag Walthers von der Vogelweide (1170–1230), des mittelalterlichen Minnesängers und Volkssängers. In der Mitte des Zoos, neben dem von Blumenbeeten umgebenen Springbrunnen, wurde ein Denkmal aus rosa Granit aufgestellt, ein Werk des Bildhauers Georg Fuhg.
Im selben Jahr 1930 schenkte der Bildhauer Erich Schmidt-Kestner, von 1926 bis 1933 Leiter der Handwerker- und Bildhauerschule in der Königstraße (heute Uliza Frunse), dem Zoo seine Bronzeskulptur „Zwei spielende Windhunde“ (in den Nachkriegsjahren befand sie sich lange in „privatem“ Besitz, heute ist sie in der Städtischen Kunstgalerie Kaliningrad ausgestellt). Eine weitere Skulptur, die dem Zoo zwar nicht geschenkt wurde, heute [Anfang des 21. Jh.] aber vor dem Affenhaus auf einem sehr hübsch gestalteten Blumenbeet steht, ist die lebensgroße Figur eines Orang-Utans aus rosa Porphyr, ein Werk des Bildhauers Arthur Steiner.
Er schuf die Skulptur 1930 und stellte sie vor seinem Haus in der Krausallee auf. Viele Jahre später fand der Orang-Utan seinen Platz im Zoo.
Ein Plakat aus den 1930er-Jahren, das für die städtische Sehenswürdigkeit – den Zoo – wirbt, verkündet: „Die erste Sehenswürdigkeit der Stadt und der Provinz! Prachtvolle Blumenanlagen. Leuchtfontäne. Selten reichhaltiger Tierbestand. Aquarium. Bibliothek. Lesesaal. Täglich Konzerte erstklassiger Kapellen unter Leitung der besten Dirigenten. Ausstellungs- und Konzertsäle. Bestes Restaurant! Konditorei. Reitgelegenheit. Tennisplätze. Angenehmster Aufenthalt für alle Besucher!“
Die Rollschuhbahn brachte Schwung ins Geschehen!
1933 verpflichteten die an die Macht gelangten Nationalsozialisten die Zooleitung, ohne finanzielle Hilfe bereitzustellen, die alten Gebäude umgehend zu erneuern und einen Plan für Neubauten aufzustellen.
Die Radrennbahn im Tiergarten entstand bereits im Eröffnungsjahr (1896).
Um den Fortbestand des Zoos zu sichern, erklärten sich wohlhabende Bürger der Stadt bereit, dem Vorstand ab 1931 zehn Jahre lang, bis zum 50-jährigen Jubiläum des Zoos, jährlich 50.000 Mark zur Verfügung zu stellen; außerdem wurde in der Stadt eine Lotterie zugunsten der Tiere veranstaltet. Dennoch zog es die Körperschaft „Tiergarten“ in den schweren Zeiten der faschistischen Herrschaft in Deutschland vor, sich selbst aufzulösen, und der Zoo ging in die Verwaltung der Stadt über.
Die Hilfe der Mäzene ermöglichte es der Direktion, mit der Instandsetzung der baufälligen Gebäude zu beginnen: An der Stelle des alten Vogelhauses entstand ein achteckiges Aquarium für tropische Fische, dazu Unterkünfte für Antilopen, Elche, Hirsche, Mufflons, Seelöwen und Eisbären, ein Gehege für Jungtiere, ein Affenhaus sowie ein vertieftes steinernes Freigehege zur Präsentation der Tiere nahe dem Haupteingang an der Hufenallee (Prospekt Mira); auf der Ostseite des Gartens wurde eine aufwendig konstruierte Bärenanlage errichtet, das sogenannte „Bärenschloss“.
Die alte Radrennbahn im Nordteil des Parks musste acht Tennisplätzen weichen. Zur selben Zeit wurde der Tennisclub „Tiergarten“ gegründet.
Diese Neuerungen lockten noch mehr Besucher an. In den Erinnerungen der Kinder jener Vorkriegszeit bleibt der Zoo der stärkste Eindruck ihrer Kindheit: Hier gab es viel Spannendes und sehr Leckeres. Zwar waren Brötchen, Kakao mit echter Milch, Kondensmilch und dergleichen recht teuer und oft unerschwinglich, dafür konnte man aber ein Glas köstliches Sprudelwasser trinken und vor allem die wohlbekannten, zärtlich geliebten Tiere besuchen (besondere Aufmerksamkeit der Kinder genossen die Elefantenkuh Jenny, der Tiger und die stets drolligen Tierkinder).
Der Haupteingang (1910–1933) an der Hufenallee (Prospekt Mira).
Eine Eintrittskarte für den Zoo war für Königsberger Kinder eine Belohnung für gute Schulnoten, ein Weihnachtsgeschenk oder eine Überraschung zum Geburtstag.
Der Haupteingang, 1934 nach einem Entwurf von Siegfried Saßnick errichtet.
In den Jahren 1933–1934 wurde der einst sehr schöne, mit zierlichen Türmchen geschmückte, farbenfrohe hölzerne Eingang zum Zoo im pseudochinesischen Stil, der sich seit 1910 an der Hufenallee (Prospekt Mira) befand und inzwischen baufällig geworden war, durch ein steinernes Portal ersetzt. Den architektonischen Entwurf lieferte der bekannte Stadtarchitekt Siegfried Saßnick (1903–1971); zugleich erhielt der Zoo auch eine neue Umzäunung. Eben dies ist der Eingang vom Prospekt Mira, den wir heute noch benutzen – schlicht und funktional.
Das Portal – der architektonisch gestaltete Eingang – bildete zusammen mit den übrigen Bereichen des Zoos, den begrünten Sportplätzen am Walter-Simon-Platz und der davor gelegenen Grünanlage mit dem Bronzedenkmal für General Yorck ein einheitliches landschaftsarchitektonisches Ensemble. Im linken Teil des Portals befanden sich die Zookassen sowie Geschäfte für Bernsteinschmuck und tropische Früchte. Im rechten Teil lagen ebenfalls Zookassen und eine Zoohandlung, in der man Fische, Katzen, Kaninchen und andere Tiere kaufen konnte, dazu Literatur über sie. Zwischen den Portalbauten blieben ein zierlicher Ginkgo (Ginkgo biloba, in China endemisch) und eine mächtige, frostharte Großfrüchtige Eiche (Quercus makrocarpa, in Nordamerika endemisch) erhalten – sie schmücken bis heute den Eingang des Kaliningrader Zoos. Die Tierfiguren, die die Besucher von der Höhe des Steinportals aus begrüßen, wurden erst in der Nachkriegszeit aufgestellt.
Beschreibung des Parks und des Arboretums
Nach Ansicht von Fachleuten folgt die Landschaftsgestaltung des Zoogartens vorwiegend dem Stil chinesischer und damit naturnaher Parks. Chinesische Gärten zeichneten sich durch eine vom Menschen betonte Schönheit der Natur aus, mit einer unendlichen Vielfalt wechselnder Ansichten, die sich von zahlreichen Wegen aus eröffnen. Mit deutschem Akzent wurde dieses Ziel auch im Königsberger Zoo erreicht: Pavillons im chinesischen Stil und Gewässer – unverzichtbare Attribute eines chinesischen Gartens – nehmen einen beträchtlichen Teil des Geländes ein, Gartenplastik gibt es nur wenig. Weit häufiger werden Hügel, Rasenflächen und Ufer mit großen natürlichen Findlingen gestaltet (ein Nachklang des japanischen „Steingartens“). Viele Gehege waren Häuschen mit mehrstufigen, verspielten Dächern, und kleine, mit der Landschaft harmonierende Brücken und Lauben setzen ebenfalls orientalische Akzente.
Der zentrale, repräsentative Teil des Zoogeländes ist jedoch, wie im Parkbau üblich, ganz im Barockstil gehalten: Ihn nahmen Teppichbeete in geometrischen Formen ein, und der Kinderspielplatz im Nordwesten des Geländes war mit einem „Labyrinth“ geschmückt – einem Bereich verschlungener, von geschnittenem Grün gesäumter Gartenwege. Dieses Gestaltungsmittel der barocken Gartenkunst fand später weite Verbreitung im europäischen Parkbau, hat die Jahrhunderte erfolgreich überdauert und bis heute nichts von seiner Aktualität verloren.
Der Plan des Königsberger Tiergartens von 1936, auf dem nicht nur die Tierhäuser, sondern auch die Lage der Cafés, Imbissstuben und anderer Einrichtungen, ebenso die Denkmäler, Blumenbeete, Spazierwege, Tennisplätze, Toiletten usw. verzeichnet sind, zeigt bis ins Detail, welche Vielfalt an Möglichkeiten der Zoo als Vergnügungsgarten bot (diesen Plan konnte jeder Besucher an der Kasse erwerben).
Der Park hatte zwei Haupteingänge – den südlichen an der Hufenallee (Prospekt Mira) und den nördlichen an der Hermannallee (Tschaikowski-Straße) –, außerdem drei Ausgänge im östlichen und nordöstlichen Teil und zwei im westlichen. Die Tieranlagen nahmen nur 20 % des Zoogeländes ein und lagen an dessen Rand; der zentrale Teil bildete eine Erholungszone mit halboffener Raumstruktur, geprägt von Alleen und Solitärbäumen, die entweder durch eine ungewöhnliche Krone, durch leuchtendes Laub oder durch eine außergewöhnliche Blattform die Blicke auf sich zogen. In der Mitte des Zoos breiteten sich auf einer hellen, offenen Fläche teppichartige „Parterre“-Beete aus, und einzelne Bäume, vor allem Kastanien, die in komplizierten und darum geheimnisvollen Mustern kunstvoll gepflanzt waren, warfen ihren spitzenartigen Schatten. Ein geschlossener, schattiger Raum fand sich nur in der Bachschlucht und rund um den großen Zierteich mit Fontäne im nördlichen Teil des Zoogartens.
Im südlichen Teil des Parks befanden sich das Verwaltungsgebäude (gleich hinter dem Zaun, rechts vom Eingang an der Hufenallee), ein offenes, tiefes, mit Stein ausgekleidetes Gehege für Auslauf und Schaustellung der Tiere, ein Haus für Mufflons und kleine Wildkatzen sowie an beiden Ufern des Freigrabens die Bauten des Freilichtmuseums altpreußischer Baukunst. Hier, jenseits des Baches, stand auf einem hohen Hügel auch die hölzerne „Lesehalle“ mit geschnitzten Geländern, von der sich ein herrlicher Blick auf die tiefe Schlucht, den alten Waldpark an ihren Hängen, das Elchgehege und den „Ententeich“ bot. In diesem Teil des Parks lag die Brücke, die den Haupteingang mit dem übrigen Zoogelände verband; unter ihr rauschte in 20–25 m Tiefe der reißende, ungestüme Bach. Das Gelände der Hufenschlucht blieb in seinem natürlichen Zustand erhalten – als landschaftlich überaus reizvolles Naturobjekt mit Buchen- und Hainbuchenbestand, der an den Bachufern ein geschlossenes, schattiges Blätterdach bildete.
Heute [Anfang des 21. Jh.] gibt es weit weniger Bäume, vor allem weil die Buchen ausgefallen sind, und die geschlossene Raumstruktur hat sich in eine halboffene verwandelt, die überwiegend von Hainbuchen und Ahornanflug gebildet wird. Zu beiden Seiten des Baches befinden sich heute Tieranlagen sowie eine in den 1970er–80er Jahren errichtete Kinderstadt; an dieser Stelle ist das Ufer teilweise abgerutscht. Die Grünzone am Eingang umfasst die erhalten gebliebenen Bäume – den Ginkgo und die Großfrüchtige Eiche – sowie eine Gruppe von Nadelgehölzen: Sadebaum, Abendländischer Lebensbaum, Sawara-Scheinzypresse, Gemeiner Wacholder in Säulenform und Blaue Stech-Fichte (im Königsberger Zoo wuchsen hier, am Weg vom Eingang ins Parkinnere, Serbische Fichte, Gemeine Fichte in Girlandenform, Blaugraue Stech-Fichte, Weiß-Fichte und Colorado-Tanne).
Nördlich des Baches mit seinen fünf Brücken waren im zentralen Teil des Parks Pinguine, Seelöwe, Eisbär, Antilopen und Hirsche untergebracht, außerdem ein Winterquartier für flugunfähige Vögel sowie eine Reihe von Gebäuden – das Gesellschaftshaus mit Restaurant, ein Ausstellungspavillon, ein Musikpavillon und eine Konzertbühne –, ferner die Denkmäler für Hermann Claaß und Walther von der Vogelweide sowie große Blumenbeete. Interessant ist die Geschichte der Hirschgehege und der Eschenallee, die sie im Norden umgab. Nach dem Verkauf eines Teils des Zoogeländes lagen die Gehege fast an dessen Westgrenze. Auf der anderen Seite des Zauns, auf ehemaligem Parkgelände, wurde 1915 das Hufengymnasium errichtet. Die Eschen säumten den Weg zu einer Geschützstellung und verbargen ihn unter ihren Kronen: Bis in die 1920er Jahre gehörte ein kleiner Teil des Zoos am Südeingang der Militärverwaltung, weil die Hufenallee (Prospekt Mira) eine strategische Straße war. Im Zoo hat sich eine Lünette erhalten – eine Erdaufschüttung außerhalb des Ersten Verteidigungswalls, der unweit des Zoogartens verlief, etwa dort, wo heute der Gwardejski-Prospekt liegt.
Nach Westen hin wurde der zentrale Teil von einer zweireihigen Stieleichenallee begrenzt, an deren beiden Seiten sich schmale Blumenrabatten* hinzogen; eine ebensolche Allee führte auch zum Zooeingang an der Tiergartenstraße (ul. Zoologitscheskaja). Die Konzertbühne und den Ausstellungspavillon umgaben Horste** aus Kastanien, Linden und Eichen, die in komplizierten geometrischen Figuren gepflanzt waren und manche an Freimaurersymbole erinnerten. Nördlich der großen Teppichbeete (eines großen halbrunden und acht kleinerer rechteckiger) lagen ein großer Teich mit dem beleuchteten, hoch aufschießenden Springbrunnen „Geysir“ und Bodendeckerrosen auf den grünen Uferrasen sowie ein hoher Aussichtsturm im maurischen Stil mit viereckiger Plattform, Balustrade und vier Ecktürmchen. Im Keller des Aussichtsturms befand sich ein Süßwasseraquarium, in dem der Ostpreußische Fischereiverein einmal im Jahr, im Frühling, dem Publikum die Brut von Nutzfischen vorstellte (heute [Anfang des 21. Jh.] steht an dieser Stelle ein Häuschen für Wasservögel mit spitzem Blechdach). Gerade hier waren die meisten exotischen Gehölze gepflanzt: Hiba-Lebensbaum, buntblättriger Eschen-Ahorn, Veitchs Tanne (Abies veitchii), Nordmann-Tanne, Weymouth-Kiefer, Schindel- und Sumpf-Eiche, Douglasie, Hänge-Birke, Schwarz-Kiefer, Rosenthals Lebensbaum, Gurken-Magnolie, Baum-Hasel, Lawsons Scheinzypresse und ihre Fadenform, Japanische Lärche, Serbische Fichte, Sitka-Fichte und Weiß-Fichte; neben dem Pavillon für Papageien und Schlangen standen zwei Stieleichen. Dieser Teil des Parks ist heute „im Zuge der Erweiterung der Tiergehege“ verloren – genau hier sind jetzt anstelle all der genannten Bäume Strauße und Hausgeflügel untergebracht. Die Eichenallee aus hundertjährigen Bäumen ist nur teilweise erhalten, die Muster aus Kastanien und Linden sind verschwunden, das halbrunde Blumenbeet wurde in einen runden Springbrunnen umgewandelt, und die Nachkriegspflanzungen (Pfeifenstrauch, Rhododendren, Schwedische Mehlbeere, Essigbaum, Wacholder) „folgen keinem einheitlichen gestalterischen Konzept“, sind also zufällig. Von den Exoten der Vorkriegszeit haben sich Hiba-Lebensbaum, Colorado-Tanne und Eschen-Ahorn erhalten.
Weiter im nördlichen Teil des Parks wurden Kängurus, Emus, Robben, kleine Vögel, Affen und Raubtiere gehalten; hier lag die „Fasanenwiese“, und im Schatten der Kastanien stand eine Konditorei. Unmittelbar an der Nordgrenze des Zoos, die heute der ul. Tschaikowskogo zugewandt ist, befanden sich die Tennisplätze und das Haus des Tennisclubs. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden sie an der Längsseite (im Süden) von einem mit Linden bepflanzten Ponyreitweg gesäumt, im Westen von Eichen, im Osten von Kastanien, Eichen und Hainbuchen, die auf dem Erdwall der östlichen Tribüne standen und das Amphitheater der Tribüne in dichten Schatten tauchten. Unter den Bäumen fielen zwei Stieleichen der exotischen Form Cuculata mit löffelförmigen Blättern sowie eine Wilson-Pappel auf. Die Bepflanzung der Osttribüne ist nicht erhalten – an dieser Stelle befinden sich heute die Bisongehege. Auch das Gelände der Tennisplätze gehört inzwischen nicht mehr zum Zoo. Unweit der Plätze wuchsen eine Hänge-Buche, eine Robinie, ein geschlitztblättriger Schwarzer Holunder, Zirbel-Kiefer, Berg-Kiefer, ein Abendländischer Lebensbaum mit eigentümlich „gedrehten“ Trieben, ein violetter vielfarbiger Lebensbaum, eine Österreichische Schwarz-Kiefer, eine Orient-Fichte, ein Tulpenbaum (!), ein weißbunter Eschen-Ahorn und ein Silber-Ahorn 'Wieri'.
Durch den Nordausgang konnte man den Park zur Hermannallee (ul. Tschaikowskogo) hin über einen Weg verlassen, der von einer geschnittenen Hainbuchenhecke gesäumt war. Hier, im Nordwesten des Zoos, lag auch ein Teil des Wirtschaftsbereichs, der seine Funktion bis heute behalten hat: die Gärtnerei und der Gemüsegarten, umgeben von einer grünen Wand aus geschnittenen Hainbuchen, der mit Eschen bepflanzte Ausgang (sie sind erhalten und heute über 100 Jahre alt), der Hundezwinger, der Ponystall und eine Windkraftanlage zur Stromversorgung. Heute [Anfang des 21. Jh.] gehört zum Wirtschaftsbereich des Zoos auch das Gelände bis zur Kreuzung der ul. Zoologitscheskaja und der ul. Tschaikowskogo, wo Tierarztstation, Heizhaus, Futterküche, Stall und Garagen untergebracht sind.
Entlang der Westgrenze des Parks erstreckte sich der Vergnügungsbereich mit dem Gesellschaftshaus und seinem Restaurant (im Südwesten), dem Volksrestaurant unter freiem Himmel (nördlich des Eingangs an der Tiergartenstraße) und dem ihm gegenüber aufgestellten Pottwalskelett. Etwas weiter nördlich lagen der Kinderspielplatz und das von Ahorn- und Eschenpflanzungen umgebene Gehege für Jungtiere; zwischen diesen beiden Plätzen befand sich ein verschlungenes Labyrinth aus geschnittenem Buchsbaum in ganz barockem Stil, in dessen Innerem ein „Lachkabinett“ mit Zerrspiegeln eingerichtet war. Es folgten die Volieren für Greifvögel, die Raubtierkäfige, das Tigerhaus im Schatten von Linden und fernöstlichen Bäumen (erhalten sind die Mandschurische und die Japanische Birke), die Becken für Fischotter und Seebär unter einem dichten Kronendach aus Linden, Ahorn und Eschen, aus denen eine einzelne alte Hänge-Buche herausragt, Aquarium und Terrarium in einem Gebäude mit einem offenen Becken für den Alligator, eingerahmt von Eichenhorsten, und schließlich das Elefantenhaus.
Die Vergnügungsfunktion dieses Bereichs ist – wie übrigens die des gesamten Zoogeländes – heute verloren: Restaurants, Spielplätze und das „Lachkabinett“ gibt es nicht mehr. Ein Teil der Tiergartenstraße (ul. Zoologitscheskaja) wurde dem Zoo angegliedert: Hier befinden sich jetzt das Flusspferdhaus mit Becken sowie die Gehege für Elefant und Giraffe. Ein Teil des zerstörten Gesellschaftshauses wurde zum Elefantenhaus umfunktioniert. Anstelle des Volksrestaurants steht das Verwaltungsgebäude des Kaliningrader Zoos, daneben das Affenhaus und der Wintergarten. Die kleinen Teiche und der Zirkusplatz sind verschwunden. Die Bäume stammen überwiegend aus neueren Pflanzungen, ein Teil der offenen Fläche wird für weitere Begrünung genutzt: Entlang der Wege stehen Reihen von Lebensbäumen und Stieleichen, gegenüber dem Affenhaus liegen ausgedehnte Blumenbeete, und auf dem ehemaligen Zirkusplatz wurden Gruppen von Nadelgehölzen gepflanzt.
Im östlichen Teil des Parks lag der Hauptbereich der Tierschau: das „Bärenschloss“, das Affenhaus, die Unterkünfte für Bison, Flusspferd, Wölfe und Schakale, Kamele und Lamas, Kängurus, Zebras und Antilopen, die „Kranichwiese“, die „Entenbucht“, Papageien und Schlangen, Biber, Waschbären und das Elchgehege am Bachufer. Doch auch hier fehlte der Pavillon der Brauerei „Ponart“ (Ponart) mit zahlreichen langen Tischen und Bänken nicht, an denen man im Freien Bier trinken konnte. Unweit davon, südlich dieses Pavillons, stand allerdings auf einer Anhöhe der Lesesaal, nördlich davon der Musikpavillon und die von Kastanien umgebene Konditorei, neben denen eine prächtige Buche wuchs (sie ist erhalten und heute mindestens 180 Jahre alt). An den Rändern war dieser Teil des Geländes mit den bereits erwähnten Baumgruppen um den „Ententeich“ bepflanzt: Hänge-Buche, Robinie, Berg-, Zirbel- und Schwarz-Kiefer, löffelblättrige Stieleiche, Tulpenbaum, Orient-Fichte; im Norden begrenzte ihn eine einseitige Lindenallee, während den übrigen offenen Raum mit Teichen, Gehegen und anderem einzelne Bäume schmückten: Rosskastanie, Hänge-Esche, Spitz-Ahorn, Douglasie und Youngs Hänge-Birke. Im Osten markierte eine Hecke aus Abendländischem Lebensbaum (nicht erhalten) die Grenze des Parkgeländes.
Die historischen Pflanzungen im östlichen Teil des Parks sind größtenteils erhalten, doch in seinem zentralen, einst offenen Bereich wurden Gemeine Fichte, Winter-Linde, Stiel- und Roteiche nachgepflanzt; hinzu kommt sehr viel Wildaufwuchs von Ahorn und Schwarz-Erle, der auf eine Vernässung des Geländes und übermäßige Bodenfeuchtigkeit hinweist.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die künstlichen Gewässer des Zoos, die in der Vorkriegszeit den zentralen Teil bogenförmig umschlossen und ein zusammenhängendes System bildeten, das aus einem artesischen Brunnen auf dem Parkgelände gespeist wurde und in den Freigraben abfloss.
Das größte, vor allem dekorative Gewässer mit dem Leuchtbrunnen „Geysir“ hatte eine stark gegliederte, verwinkelte Uferlinie, eine aufgeschüttete Landzunge im Westen und eine künstliche Insel mit einem Steg im Osten. Eine dichte Wand aus Bäumen, unter denen Nadelgehölze überwogen, umgab den Teich (Schwarz-, Berg- und Zirbel-Kiefer, Veitchs Tanne, Abendländischer Lebensbaum, Orient-Fichte). Ihre dunklen Nadeln wurden von Stieleiche, Winter-Linde, Gemeiner Esche, Rotbuche und Silber-Ahorn 'Wieri' kontrastreich ergänzt. Am Ufer, auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel, stand jener Aussichtsturm im maurischen Stil mit dem Süßwasseraquarium im Keller. Westlich dieses Teiches lagen die kleinen, eigens angelegten Schaubecken für Fischotter und Seebär. Ein zweites, kleineres Ziergewässer schmückte den Platz vor der Konditorei Liedtke. Seine Ufer waren als grüner Rasen gestaltet und mit Bodendeckerrosen bedeckt, darüber erhoben sich einzeln stehende Bäume mit mächtigen Kronen – eine Stieleiche und eine Rosskastanie (beide erhalten).
Weiter südlich lagen drei Schauteiche: einer für Reiher mit einer kleinen Insel aus Muschelkalkstein, die ein chinesischer Pavillon schmückte (die Insel ist erhalten) und die von Eschen und Nadelbäumen umgeben war; der flache Teich „Kranichwiese“, von grünem Rasen umgeben und von einer Lärche und einem Spitzahorn akzentuiert; der Teich „Entenbucht“ mit einem Waschbärhäuschen am Ufer und einer Bepflanzung aus Kanadischer Hemlocktanne, Sumpf-Eiche, Hänge-Birke in Trauerform, Veitchs Tanne, Coloradotanne, Douglasie und Nordmanntanne; sowie ein Biberteich, umgeben von einzeln stehenden Eschen und Nordmanntannen. Diese Teiche sind heute zusammengelegt und dienen der Präsentation von Vögeln.
Das Teichsystem endete in großen Becken für Eisbären, Pinguine und Seelöwen, die durch „Eisfelsen“ aus Zementstein voneinander getrennt waren. Daneben wuchsen Bergahorn, Silberahorn und Gemeine Fichte.
Dieses Becken ist in seiner historischen Gestalt vollständig erhalten, doch in diesem Teil des Parks sind verloren gegangen: die Leuchtfontäne, der Musikpavillon, der Aussichtsturm, die Zierfunktion des großen Teiches sowie eine Reihe von Bäumen. An der Stelle des Aussichtsturms wurde ein Becken für Meerestiere aus Beton und Glas errichtet. Die alten Bäume sind zum Teil erhalten: hundertjährige Linden, Rosskastanie, Eschen, Veitchs Tanne, Silberahorn 'Wieri', Blutbuche, die Rotbuche, die unweit des Musikpavillons wuchs, und eine Stieleiche. Zwischen diesen Bäumen finden sich zahlreiche aus Selbstaussaat hochgekommene Spitzahorne und Pappeln.
Von 1938 bis 1945 war Dr. Hans Georg Thienemann (Hans Georg Thienemann) Direktor des Zoos, ein bekannter Zoologe und Sohn von Johannes Thienemann (Johannes Thienemann, 1863–1938), Professor für Ornithologie, Gründer der Vogelwarte in Rossitten (heute Rybatschi) auf der Kurischen Nehrung und Autor eines damals weithin bekannten Buches über die Vögel der Welt.
Die britischen Bombenangriffe von 1944 zwangen den Direktor, die wertvollsten Tiere an Orte zu bringen, die er für sicher hielt – Güter in der Umgebung Königsbergs. So wurden etwa auf das Gut Heyde-Waldburg (heute Pribreschny), das der gräflichen Familie zu Dohna gehörte, einige wertvolle Tiere gebracht, darunter zwei Przewalski-Pferde. Doch die Bemühungen des Wissenschaftlers und Zoodirektors in den Kriegsjahren blieben vergeblich: Am Ende kamen alle Tiere um.
Nach dem Krieg setzten H. G. Thienemann und einige seiner Kollegen ihre Arbeit im Zoo von Duisburg (Deutschland) fort, der 1934 eröffnet worden war und in seinem Bestand mehr als 2000 Arten zählte (auch dort hatten nach dem Krieg, ebenso wie in Königsberg, nur wenige Tiere überlebt – ein Esel, ein Strauß, Flamingos und Schafe). In Duisburg organisierte Thienemann in der Tradition des Königsberger Zoos Attraktionen, Dressurvorführungen, ein Tiertheater, Falknerei und vieles mehr. Wenige Jahre später besuchten 411.000 Menschen den dortigen Zoo, 1965 waren es eine Million – es war das Todesjahr Dr. Thienemanns.
Beim Sturm auf Königsberg im April 1945 wurde unmittelbar auf dem Gelände des Zoos gekämpft. Der Heimatforscher A. Gubin zitiert in der Zeitung „Westnik“ Nr. 14 von 1994 eine Geschichte aus dem Buch „Staliniana“ von Ju. Borew: „Zur Ausarbeitung der Operation zur Einnahme Königsbergs wurden Militärs zu Stalin bestellt. Er stellte die Frage: ‚Und wie gedenken Sie den Zoo einzunehmen?‘ Niemand konnte antworten, denn daran hatte keiner gedacht, und niemand verstand, worum es ging. Stalin erklärte: ‚Im Königsberger Zoo gibt es ein einzigartiges Nilpferd. Es ist von großem Wert. Man muss versuchen, es lebend zu erbeuten.‘ Der Operationsplan musste überarbeitet werden, um den Interessen des Nilpferds Rechnung zu tragen. Während der Kämpfe wurde über dem Zoo eine Landungstruppe abgesetzt. Die überlebenden Fallschirmjäger nahmen das Nilpferd lebend gefangen.“
Das Nilpferd wurde am Stadtrand in einem Gewässer gefunden, völlig verängstigt und mit neun Wunden. In einem Bericht an den Befehlshaber des Baltischen Militärbezirks meldete der Stadtkommandant Generalmajor M. A. Pronin, die Militärkommandantur der Stadt habe einige Tiere, die auf dem Gelände des ehemaligen deutschen Zoos verblieben waren, unter Bewachung gestellt. Das Nilpferd wurde der Obhut des Militärfeldschers W. P. Polonski anvertraut, und von seiner Behandlung war in Zeitungsartikeln über den Zoo oft die Rede. In der „Nesawissimaja Gaseta“ gab der Journalist S. Wolkow im Februar 2000 die Aufzeichnungen des Feldschers jedoch im Original wieder (die Unterlagen sind im Staatsarchiv des Kaliningrader Gebiets erhalten), und ihr Ton wirkt sehr rührend: „Nilpferd. 18 Jahre. Wuchs groß. Rufname ‚Hans‘. Wurde 7-mal verwundet. Und 2-mal Selbstverletzung. 13 Tage war es ohne Futter und Wasser. Behandlungsverlauf des Nilpferds (kurz). Habe die Behandlung des Nilpferds ab 14. April d. J. (dieses Jahres) übernommen. Zuerst Hilfe mit Wasser geleistet. Danach versucht, ihm Milch zu geben. Beim nächsten Mal geriebene Rüben. Das Nilpferd fing an zu fressen. Aber nach 3 Tagen verweigerte es. Ich beeilte mich, dem Nilpferd Wodka zu geben. Gab 4 Liter. Danach fing das Nilpferd an, heftig nach Futter zu verlangen. Ich gab ihm zuerst einen Einlauf (4 Eimer destilliertes Wasser). Danach fing ich an, es zu füttern. Das Nilpferd versuchte hinauszugehen, aber da es betrunken war, ließ es sich fallen. Seitliche Wunde (25x27 cm). Tiefe 4 cm. Andere Wunde (6x7 cm). Das Nilpferd fing an zu fressen, entleert sich aber nicht. Ich gab ein anderes Mal einen Einlauf (4 Eimer destilliertes Wasser). Das Nilpferd fing an, sich zu entleeren. Es vergingen 2 Wochen. Das Nilpferd frisst schwach. Ich beschloss, Wodka zu geben, 4 Liter. Das Nilpferd fing an zu fressen, gut. Aber wieder ergab sich Verstopfung. Ich gab noch einen Einlauf (4 Eimer destilliertes Wasser). Das Nilpferd entleert sich, frisst aber schlecht. Ich beschloss, Wodka zu geben (4 l). Und das Nilpferd fing ausgezeichnet an zu fressen. Es kamen appetitlose Tage vor. Ich behob sie durch Futterwechsel.“ „Ergebnisse der Behandlung. Es gelang, das Nilpferd zu retten. Ohne von ihm zu weichen nach 21 Tagen. Nach Ablauf von 1 Mon. und 19 Tagen. Ich habe die volle Gesundheit erreicht und beschäftige mich jetzt mit der Dressur des Nilpferds – Reiten auf dem Nilpferd durch den Park usw.“
Wladimir Petrowitsch Polonski schrieb am 24. Juli 1945 an den Direktor des Moskauer Zoos, das Nilpferd und andere Tiere müssten nach Moskau gebracht werden, „da die Tiere den hiesigen Gegebenheiten nicht entsprechen, nämlich für die Überwinterung.“ Ob aus Moskau eine Antwort kam, ist nicht bekannt. Das Nilpferd Hans starb 1950.
Am 27. Juni 1947 fasste der Ministerrat der RSFSR den Beschluss Nr. 461 „Über Maßnahmen zur Wiederherstellung der Wirtschaft der Stadt Kaliningrad und des Kaliningrader Gebiets“, der auch die Wiedererrichtung eines Zoos in der Stadt auf der Grundlage des deutschen Tiergartens vorsah.
1947 wurde der Zoo für die ersten Besucher geöffnet, die einige überlebende Tiere des deutschen Zoos (einen Dachs, ein Reh, einen Esel und das Nilpferd) sowie in den umliegenden Wäldern gefangene Tiere sehen konnten. Die zerstörten Bauten wurden beseitigt, die Bombentrichter zugeschüttet, die Gewässer gereinigt. Bis 1947 gehörte der Zoo zusammen mit dem ehemaligen Park Luisenwahl zum Park für Kultur und Erholung, der diese beiden großen Grünflächen Kaliningrads vereinte. Am 26. Februar 1949 wurde der Zoo zu einer eigenständigen städtischen Einrichtung, die unmittelbar der Abteilung für Kultur- und Bildungseinrichtungen des Stadtexekutivkomitees unterstand. Ab dem 1. März 1953 wurde der Zoo laut Beschluss Nr. 277 des Stadtexekutivkomitees dessen Kulturabteilung unterstellt. Laut Beschluss Nr. 712 des Gebietsexekutivkomitees ging der Zoo zum 1. Januar 1962 in die Zuständigkeit der Kulturverwaltung des Gebietsexekutivkomitees über. Erster Direktor des Kaliningrader Zoos wurde A. D. Sulumatow, danach hatten W. M. Stein, P. D. Minakow, L. A. Werschinin, N. S. Tschumarowa und L. A. Woronina diesen Posten inne. [Seit 2011 leitet Swetlana Sokolowa den Zoo.]
1984 war die Sammlung des Zoos recht beeindruckend – 387 Tierarten und 2043 Exemplare; ein Märchenstädtchen für Kinder wurde eröffnet, Wege wurden angelegt, Beete und Rasenflächen geschaffen.
Die Fläche des Zoos betrug 2003 16,7 ha; es gab hier zweihundert Gehege und andere Anlagen, eine Toilette sowie einige Kioske mit Getränken, Süßigkeiten und dergleichen. Das Gelände litt unter übermäßiger Bodenvernässung, wodurch die Fundamente der Gebäude zerfielen und die Wurzeln der Pflanzen faulten. Der Parkowy-Bach führte schmutziges Wasser durch den Zoo, das den Erholungsfunktionen dieser Kultureinrichtung mit ihrem Bildungsauftrag keineswegs entsprach. Die Ufer des Baches waren vermüllt und wurden zweckentfremdet…
Das Arboretum des Zoos verdient nicht weniger Aufmerksamkeit als das Bestiarium (die Tiersammlung), denn es verleiht dem Gelände seine besondere Aura. Als Mitglieder der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft 1922 den Zoo besichtigten, nannte ihnen der Obergärtner Schäfer, der dieser Gesellschaft ebenfalls angehörte, vierundfünfzig Baum- und Straucharten, die das Interesse der Fachleute verdienten, darunter Ginkgo, Großfrüchtige Eiche, Roteiche, Sumpfeiche und Stieleiche in der löffelblättrigen Form, Lawsons Scheinzypresse und ihre Fadenform, silbriger Eschen-Ahorn, Eschen-Ahorn, weißbunter Eschen-Ahorn, Spitzahorn in der Form 'Schwedleri', Edelkastanie, Rosskastanie, Douglasie und ihre blaugraue Form, Blaue Stech-Fichte, schlangenförmige Stech-Fichte, säulenförmige Stech-Fichte, Serbische Fichte, Weiß-Fichte, Orient-Fichte, Sitka-Fichte, Nordmann- oder Kaukasus-Tanne, Veitchs Tanne, Colorado-Tanne und Felsengebirgs-Tanne, Rotbuche in der Hängeform, Robinie (Scheinakazie), Thunbergs Berberitze, geschlitztblättriger Schwarzer Holunder, Zirbelkiefer, Bergkiefer, Weymouth-Kiefer, Schwarzkiefer (Österreichische Kiefer), Liriodendron (Tulpenbaum), Lebensbaum 'Rosenthalii' und Abendländischer Lebensbaum (gedrehte Form), Hiba-Lebensbaum, Kanadische Hemlocktanne, Gurken-Magnolie, Papier-Birke und Hänge-Birke in der Trauerform, Baum-Hasel, Japanische Lärche und andere.
Unter den Pflanzen des Kaliningrader Zoos, die in der Florenliste für das Jahr 2000 verzeichnet sind, finden sich einige besonders wertvolle: Ginkgo, Amur-Korkbaum, Rosskastanie in der Schirmform, rotblättriger Bergahorn, Spitzahorn 'Schwedleri' (mit rötlichen Blättern), Rotbuche in der Hänge- und in der Blutbuchenform, Roteiche, Stieleiche in der Säulenform, Persische Eiche, Gemeine Esche in der Hängeform, Robinie (Scheinakazie), Krim-Linde und Silber-Linde, geschlitztblättriger Silber-Ahorn, weißbunter Eschen-Ahorn, Colorado-Tanne, Urweltmammutbaum, Youngs Trauerbirke, Kobushi-Magnolie, Hiba-Lebensbaum, Sawara-Scheinzypresse, Lawsons Scheinzypresse in der Fadenform, Nootka-Scheinzypresse, Wilson-Pappel und Baum-Hasel. Die gewöhnlicheren, in heutigen Gärten und Grünanlagen häufiger anzutreffenden Pflanzen sind durch Schwedische Mehlbeere, Filzkirsche, Zwergmispeln, Japanische Zierquitte, Trauerweide, Rhododendren, Azaleen, Blaufichten und anderes vertreten – in den Pflanzungen der Nachkriegszeit und der letzten Jahrzehnte.
Zweifellos hat sich das Arboretum des Zoos erheblich verändert: Viele Baumarten aus der Vorkriegszeit gibt es nicht mehr (die einen gingen während der Kämpfe auf dem Zoogelände zugrunde, andere sind schlicht altersschwach geworden, wieder andere leiden unter der übermäßigen Bodenfeuchte oder halten der Belastung durch die Besucher nicht stand), doch werden neue Baum- und Straucharten nachgepflanzt. Sehr schön sind im heutigen [Anfang des 21. Jh.] Zoo die Blumenbeete, Steingärten und die kleinen, aber überaus dekorativen grünen Winkel bei den Tiergehegen; beeindruckend ist der Wintergarten im gläsernen Gewächshaus, und eine Freude für das Auge sind die jungen Säuleneichen, ein kleiner Ginkgo-Setzling sowie die Bäumchen, die von Delegationen der Ostseeanrainerstaaten gepflanzt wurden. Und dennoch: Nach Angaben der Zoomitarbeiter zählte man 1985 noch 150 Baum- und Straucharten, 1996 waren es 110, und die Liste von 2000 führt nur noch 64 Arten auf, wobei sich die Bäume in drei Altersgruppen einteilen lassen: hundertjährige, fünfzigjährige und zwanzigjährige.
Dass der Zoo grün bleibt, ist den Bemühungen der Dendrologen zu verdanken, doch wachsen hier keine Nordmann- und Felsengebirgs-Tannen mehr, kein Tulpenbaum, keine Edelkastanie, keine Douglasie, keine Kanadische Hemlocktanne, und es fehlen etliche Fichten-, Kiefern- und Lebensbaumarten und andere Bäume, die offenbar nicht leicht wieder heranzuziehen sind. Vielleicht ist die schnelllebige Zeit daran schuld – doch hundert Jahre sind für solche Bäume bei Weitem kein Höchstalter… In allen Parks der Stadt ist eine Verarmung des Artenbestands zu beobachten. Kommt die Mode für exotische Pflanzen vielleicht aus der Mode? Fehlt es vielleicht, wie üblich, an Geld…? Oder ist es ein anderes Zeitgefühl – weniger Exotisches, dafür mehr Schnellwüchsiges, das keine Ansprüche an Klima und Boden stellt und sofort Wirkung zeigt?
2003 wurde der Zoo 112 Jahre alt. Seine Wasserversorgung und Abwasserableitung, das Vogelhaus, das Löwenhaus, die Adlervoliere, das steinerne Auslaufgehege, das Becken für Meerestiere mit den „Eisfelsen“, der „Schwanenteich“, die Treppenstufen, die Brücken, der Haupteingang – all das ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts erhalten und in Gebrauch. Der Zoo verfällt, der Baumbestand wird immer gewöhnlicher, das Baudenkmal „Gesellschaftshaus“ droht einzustürzen, die Tiersammlung wird nur mit großer Mühe erhalten, und der Bach Parkowy, der ohnehin die Abwässer der ganzen Stadt sammelt, verwandelt sich im Zoo in eine Kloake.
Dennoch ist der Zoo nach wie vor der Stolz der Kaliningrader: Ganze Familien kommen hierher und bringen ihre Gäste mit, um die Tiere – die Bewohner des Zoos – zu sehen. Der zweite Teil des russischen Wortes „Zoopark“ – „Park“ – hat gleichsam seine Bedeutung verloren. Doch die Freude am Anblick der Tiere wäre nicht so vollkommen ohne das vielnamige, vielfarbige, bezaubernde Grün der alten und neuen Bäume, ohne ihre stille und stolze Schönheit, die Aufmerksamkeit, Pflege und letztlich auch Investitionen verdient.
Das multifunktionale Zoogelände vom Anfang des Jahrhunderts, auf dem die Tierschau nur 20 % der Parkfläche einnahm, war ein natürlicher Landschaftskomplex mit einem nahezu ursprünglichen Waldbestand und einem malerischen Bach, die nur ein wenig mit Brücken, Teichen, Pavillons und exotischen Pflanzen „geschmückt“ und so in einen Landschaftspark verwandelt worden waren. Die Tiere lebten hier unter Bedingungen, die ihren natürlichen Lebensräumen nahekamen, in künstlichen Miniaturlandschaften mit einer klug genutzten räumlichen Struktur der Pflanzungen, während die Besucher zahlreiche Vergnügungen und „stille Erholung“ erwarteten. In der heutigen landschaftlichen Gestaltung des Zoos ist dieses Prinzip der durchdachten Anordnung der Bereiche weitgehend verloren gegangen. Das ungepflegte Gelände lässt weder Erholung noch ein „Schwelgen in der Natur“ zu. „Tiergarten“ – das bedeutete zoologischer Garten… Garten und Tiere – Symbole des Paradieses…
Denkmal für Hermann Claaß, ein Werk von Walter Rosenberg (1913).
…Die Natur ist etwas, das wir von unseren Nachkommen geliehen haben. Ein vernünftiger Schuldner weiß, dass es einen zweiten Kredit nicht geben wird. Längst nicht jede russische Gebietshauptstadt besitzt eine Tiersammlung, geschweige denn einen Zoo mit einem historischen Arboretum aus dem 19. Jahrhundert.
Fotos: Museum der Stadt Königsberg, Michail Ogorodnikow, Bildarchiv Ostpreußen.
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* Rabatte – ein rechteckiges Blumenbeet in Form eines schmalen Streifens entlang eines Gartenwegs, eines Zauns oder einer Einfriedung, bepflanzt mit einer oder mehreren Pflanzenarten. In der Regel hat eine Rabatte parallele Seiten. Sie ist eines der Elemente der Landschaftsarchitektur. Je nachdem, ob eine Einfassung vorhanden ist, unterscheidet man einseitige und zweiseitige Rabatten.
** Kurtine (Horst) – in der Forstwirtschaft eine Gruppe von Bäumen oder Sträuchern derselben Art in einem Mischwald.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

