Dieses einzigartige Gebiet am Schnittpunkt dreier Länder (Russland, Polen und Litauen) ist reich an Geschichts- und Naturdenkmälern, und dieser Wald (stellenweise ein Reliktwald!) darf mit Fug und Recht als Freilichtmuseum gelten. Hügel und Täler aus der Eiszeit wechseln sich mit malerischen Seen und Flüssen ab. Das heutige Relief entstand hier durch die letzte Eiszeit vor etwa 15 000 Jahren. Der Gletscher hinterließ zahlreiche Steine und Findlinge, die aus Skandinavien hierher verfrachtet worden waren. In der Fachliteratur nennt man sie erratische Blöcke. Einige Steine tragen sogar eigene Namen, etwa „Anita“ oder „Teufelsstein“. Über dessen Herkunft gibt es eine Sage, die sich wie viele andere bis heute erhalten hat:
Als man in Tollmingkehmen (Siedlung Tschistyje Prudy) eine Kirche baute, flog der Teufel zu den Arbeitern und fragte, was sie da bauten. Die Arbeiter fürchteten sich, ihm die Wahrheit zu sagen, und antworteten, sie bauten ein Wirtshaus. Erfreut versprach der Teufel, ihnen zu helfen, und schleppte eifrig Steine herbei. Doch eines Tages, als der Bau fast vollendet war, erkannte er, dass man ihn betrogen hatte. Voller Wut packte er einen riesigen Findling, stieg höher als die Bäume auf und wollte ihn auf die Kirche schleudern. Da krähte im Pfarrhaus dreimal der Hahn. Der Teufel, der diesen Laut nicht ertragen konnte, erzitterte, der Stein glitt ihm aus den Krallen und fiel in die Heide. Seitdem liegt er dort.
Berge, Flüsse und Seen
Der höchste Punkt des Kaliningrader Gebiets – 242 m über dem Meeresspiegel – liegt auf der Wischtynezer Höhe. Besuchen kann man ihn leider nicht, denn er befindet sich jenseits des Kontrollstreifens der russischen Grenze.
Die zweithöchste Erhebung der Gegend ist dagegen gut erreichbar: der Berg Dosor, 230 m, 2 km östlich des Marinowo-Sees (Sewernoje).
Die abwechslungsreiche Landschaft der Wischtynezer Höhe, geschmückt mit einem Mosaik aus Nadel- und Laubwaldbeständen, ist Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren.
Leise plätschernde Flüsse und idyllische Waldseen verzaubern und ziehen Angler und Touristen an.
Flüsse: die Pissa, die Krasnaja, die Tschornaja, die Sinjaja und zahlreiche Bäche.
Seen: der Wischtynezer See, der Marinowo-See (Sewernoje), der Rybnoje-See, der Protottschnoje-See und viele kleine Seen.
Der Wischtynezer See ist die Perle des Gebiets; er gab sowohl dem Naturpark als auch der ganzen Gegend ihren Namen. Bei Erholungsuchenden diesseits wie jenseits der russisch-litauischen Grenze ist er gleichermaßen beliebt. Er ist der größte See eiszeitlichen Ursprungs in der Region. Seine Wasserfläche umfasst etwa 18 km², die größte Tiefe beträgt rund 50 Meter. Das kristallklare Wasser ist fischreich: Hier leben Große und Kleine Maräne, Schleie, Hecht, Brachse, Aal und andere Arten.

Sommerabend am Wischtynezer See.
Erholung und Jagd
Das Waldgebiet zog seit jeher Menschen unterschiedlichsten Standes und Vermögens an. Hier jagten einst der letzte Hochmeister des Deutschen Ordens, der erste Herzog in Preußen Albrecht von Hohenzollern, Markgraf Georg Friedrich, Kurfürst Johann Sigismund sowie Kaiser Wilhelm II. und Reichskanzler Göring. Von unseren Landsleuten weilten seinerzeit S. J. Witte und L. P. Berija in Rominten.
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Heide zum bevorzugten kaiserlichen Jagdrevier Wilhelms II. Im Jahr 1891 entstand im Ort Rominten (Radushnoje, Rajon Nesterow, nicht mehr existent) am Ufer der Rominte (Krasnaja) ein kaiserliches Jagdschloss, das von deutschen Architekten entworfen und errichtet wurde. Es war ein zweigeschossiger, H-förmiger Holzbau aus zwei Flügeln, die durch einen oberirdischen und unterirdische Gänge miteinander verbunden waren. Die Firste der Gebäude zierten geschnitzte Drachenfiguren. 1893 wurde neben dem Jagdschloss eine hölzerne Kapelle errichtet, die dem heiligen Hubertus, dem Schutzpatron der Jagd, geweiht war. Und 1909 stellte man neben der Kapelle die Bronzeplastik eines kapitalen Rothirschs mit Sechzehnendergeweih auf, geschaffen von Richard Friese, Professor an der Königsberger Universität.
Das Bild dieses Hirschs wurde gewissermaßen zum Wahrzeichen Romintens. Über die steilen Flussufer spannte sich zudem eine Brücke, geschmückt mit vier Rothirschskulpturen nach Entwürfen des Malers Friese und des Bildhauers Pallenberg.
Leider sind weder das kaiserliche Jagdschloss noch die Hubertuskapelle und auch viele andere Bauten erhalten geblieben. An ihrer Stelle zeugen nur noch Fundamente von jener Zeit. Einer der Flügel des kaiserlichen Jagdschlosses wurde Ende der 1940er-Jahre abgetragen und nach Kaliningrad gebracht. Stark verändert, ohne Schornsteine, Dachziegel und geschnitzten Holzschmuck, erinnert er nur noch entfernt an den stattlichen Bau, der einst in Rominten stand. Noch kann man ihn im Zentralpark der Stadt sehen.

Kaiserliches Jagdschloss und Hirschskulptur.
Die bronzene Hirschskulptur wurde als Kriegstrophäe nach Smolensk gebracht, wo sie bis heute im M.-Glinka-Park zu sehen ist.
Von den vier Hirschskulpturen der Brücke sind nur zwei erhalten; sie schmücken heute den Eingang zum Verwaltungsgebäude des Sanatoriums „Sosny“ bei Moskau.
Als Zeugnisse der kaiserlichen Jagd sind in der Heide Gedenksteine erhalten, die an bedeutende Trophäen und Jagdjubiläen des Kaisers erinnern.
Insgesamt wurden 20 solcher Steine aufgestellt, 16 davon sind bis heute erhalten und größtenteils frei zugänglich.
Einige der Steine sind sogar in touristische Wander- und Radrouten eingebunden. Neben den kaiserlichen Gedenksteinen sind auch andere erhalten, die Förstern gewidmet sind, welche deutliche Spuren in der Geschichte dieser Gegend hinterlassen haben und auf tragische Weise durch Wilderer ums Leben kamen.
Historisches Erbe
Viele weitere stumme Zeugen der Vergangenheit lassen sich bis heute in der Heide finden: Dorfkirchen, teils erhalten, teils im Wiederaufbau, vergessene und überwucherte Dorffriedhöfe, zahlreiche Gräber aus dem Ersten Weltkrieg, Brücken, Bahngleise und Bahnhöfe, Ruinen von Wassermühlen.
Unter den Ortschaften der Heide stechen einige als besonders interessant und bemerkenswert hervor.
Tschistyje Prudy (Tollmingkehmen/Tollmingen) – Mitte des 18. Jahrhunderts lebte und wirkte in diesem Ort der Pfarrer Kristijonas Donelaitis, der als Begründer der klassischen litauischen Literatur gilt. In der Kirche und im Haus, in denen Donelaitis arbeitete und lebte, befindet sich heute ein Museum. Erhalten sind im Ort außerdem das Bahnhofsgebäude und der Wasserturm. Am Ortsrand kann man mehrere alte Wegweiser mit kaum noch erkennbaren Pfeilen und Ortsnamen entdecken.
Tokarewka (Makunischken/Hohenwaldeck) – Hier sind zwei bemerkenswerte Bauwerke erhalten: die Eisenbahnbrücke über die Krasnaja, eine der höchsten im Gebiet (1901, Höhe 25 m), und eine Mühle. Außerdem findet man unweit der Brücke, an der Straße in Richtung Dmitrijewka, das Fundament einer alten Bäckerei. Das Gebäude überstand die schweren Zeiten des 20. Jahrhunderts nicht, doch die schönen Ziegelpfeiler sind erhalten geblieben, an denen einst das Tor hing, durch das Fuhrwerke und Autos zur Bäckerei fuhren.

Eisenbahnbrücke in Makunischken über die Rominte.
Kalinino (Mehlkehmen/Birkenmühle) – Im Ortszentrum steht eine baufällige Kirche aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts, neben der sich eine kleine Grabstätte aus dem Ersten Weltkrieg befindet. Am Ortsrand sind ein Gedenkstein an das staatliche Arbeitslager, das hier 1934–36 bestand, sowie eine Eisenbahn-Bogenbrücke zu sehen, die sich über die Straße spannt.
Krasnolesje (Gross Rominten/Hardteck) — An der zentralen Kreuzung des Ortes steht ein erhaltenes Denkmal aus dem Ersten Weltkrieg. Nicht weit davon befindet sich die Kirche, die lange Zeit ohne Dach dastand und nun restauriert wird. Am Ortsrand liegt der Bahnhof und unweit davon eine Eisenbahnbrücke. Am interessantesten ist jedoch das im Ort gelegene „Wischtynezer Öko-historische Museum“. Im Gebäude der ehemaligen Dorfschule sind hier Ausstellungen zur Geschichte und Kultur der Heide untergebracht: Gesteins- und Pflanzenproben, Zeugnisse der materiellen Kultur ihrer Bewohner und vieles mehr. Allen Interessierten bieten die Mitarbeiter des Museums Führungen an und erzählen von den Sehenswürdigkeiten und Naturdenkmälern. Darüber hinaus finden im Museum Kurse zur Umweltbildung und Sinfoniekonzerte statt. Hier erhält man auch Informationen über die touristischen Möglichkeiten in der gesamten Heide.

Karte der Sehenswürdigkeiten am Museum.
Seit August 2014 veranstaltet das Museum jedes Jahr das internationale Kultur- und Folklorefestival „Nachbarn“. Sein Hauptziel ist es, gutnachbarliche Kontakte und Beziehungen zwischen den Bewohnern der drei Teile der Rominter Heide zu knüpfen.
Unweit von Krasnolesje überspannt eine gewaltige, mehr als 25 Meter hohe Eisenbahnbrücke das Tal der Rominte (siehe Foto oben).
Seit 2012 gehört der größte Teil der Rominter Heide zum Naturpark „Wischtynezki“, der sich über eine Fläche von 22.700 Hektar erstreckt. Hauptaufgabe des Parks ist der Schutz und die Wiederherstellung der natürlichen Ressourcen sowie deren Nutzung für Erholung, Gesundheit und Umweltbildung.
Karte des regionalen Naturparks „Wischtynezki“.
2013 wurden im Park Informationstafeln und Wegweiser aufgestellt. Die ausgearbeiteten Touristenrouten sind sowohl für Liebhaber des Aktivurlaubs als auch für heimatkundlich interessierte Besucher von Nutzen.
Touristische Routen
– Pfad des Försters Reiff — eine Wanderung vom Marinowo-See zu der Stelle, an der der Förster ums Leben kam und heute ein Gedenkstein steht.
– Kaiser-Wilhelm-Pfad — ein Spaziergang in der Umgebung des Jagdschlosses Rominten.
– Mit dem Fahrrad vom Marinowo-See zum Wystiter See, entlang der Pissa oder auf der Trasse der abgebauten Eisenbahnstrecke.
– Zu Fuß auf den Forstwegen tief in den Wald hinein auf der Suche nach den kaiserlichen Gedenksteinen oder über die Hügel bei Krasnolesje auf der Suche nach den Quellen der Sinjaja.
– Zu Pferd entlang der Rominte, vorbei an alten Brücken, zu anderthalb Jahrhunderte alten Kiefern oder über die Wiesen um die Wette mit dem Wind.
– Eine mühsame Flussfahrt auf der Rominte durch Verklausungen und umgestürzte Bäume, unter hundertjährigen Brücken hindurch und vorbei an Dörfern, die es längst nicht mehr gibt...

Alt und neu — ein Kaiserstein und eine moderne Informationstafel.
Eine flotte Radtour auf den Wegen durch den Wald oder am See entlang, Wanderungen in abgelegene und wenig bekannte Winkel des Waldes, Kajakfahrten auf der Rominte für Ausdauernde und Freunde des Wassersports, dazu Ausritte und einfach Erholung in der Natur – all das erwartet die Gäste der Rominter Heide und lässt sie ihr natürliches und historisches Erbe näher kennenlernen.
In den Dörfern der Heide und ihrer Umgebung gibt es Unterkünfte für jeden Geschmack: Privatzimmer und Ferienanlagen, Gästehäuser und Zelten in freier Natur. Reiterhof und Angelpark, Hausmannskost und Fahrradverleih – das bieten die Gästehäuser. Die Ferienanlagen locken mit Boots- und Tretbootverleih, Sauna und Erholung am Seeufer.
Zu jeder Jahreszeit empfängt die Heide ihre Gäste freundlich und offenbart ihnen ihre landschaftliche Schönheit und ihre historischen Denkmäler.
P.S. Man sollte sich bewusst sein, dass unsere eigene Haltung für die Bewahrung dieses einzigartigen Naturdenkmals mehr bedeutet als die zahlreichen geltenden Gesetze und Schutzstatus. Es ist unser Erbe, und es verdient unseren Respekt.
Fotos aus dem Bildarchiv Ostpreußen (www.bildarchiv-ostpreussen.de).
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

