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Gebürtig aus Ostpreußen – die Trakehner Pferderasse

Gebürtig aus Ostpreußen – die Trakehner Pferderasse

Enthüllung (der Kopie) des Denkmals für den berühmten Tempelhüter, den besten Vererber des Gestüts Trakehnen, am 28. September 2013 in der Siedlung Jasnaja Poljana (bis 1946 Groß Trakehnen). 


Foto aus dem Archiv des Ökomuseums Wischtynez.

Das ist doch die Vollkommenheit selbst: ein leichter, trockener Kopf mit großen Augen und kleinem Maul, ein eleganter, kegelförmiger Hals, schräg gestellte Schultern, ein kräftiger Rumpf, getragen von einer breiten Brust. Feste Beine mit kurzen Röhrbeinen und herrliche, harte Hufe… Dazu die legendäre Ausdauer, dank der die Rasse die Schrecken des Zweiten Weltkriegs überstand. All das ist sie – das berühmte Trakehner Pferd.

Die Gestüte des Ordens

Ein Pferd wie Feuer

Der lebensgroße Bronzehengst des Bildhauers Reinhold Kübart (Reinhold Kuebart, 1879–1937) wurde 1932 in Trakehnen aufgestellt, zum 200-jährigen Bestehen der von preußischen Züchtern geschaffenen Rasse. Heute befindet sich das Original des Denkmals in der Timirjasew-Akademie in Moskau.

In der Sowjetunion war ihr Schicksal, gelinde gesagt, schwer. Besonders Anfang der 50er-Jahre, als KPdSU-Generalsekretär Chruschtschow die Pferdezucht zu einem unproduktiven Wirtschaftszweig erklärte und sie damit praktisch für vogelfrei erklärte.

Nach dieser Erklärung ging der Bestand an Zuchtpferden drastisch zurück. Anfang 1949 zählte das größte Gestüt, das Kirow-Gestüt, 378 Stuten, davon 177, die im Gestüt Trakehnen in Ostpreußen geboren waren. 1953 waren infolge der gezielten Vernichtung des Bestandes nur noch 18 von ihnen übrig. In anderen Gestüten war die Lage noch schlimmer.

So wurde bei uns in der Nachkriegszeit nicht nur das Werk der preußischen Könige zugrunde gerichtet, sondern auch die jahrhundertelange Zuchtarbeit der Pferdezüchter, deren Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen – in die Zeit, als auf preußischem Boden der Staat des Deutschen Ordens entstand und ein gutes Pferd so viel kostete, dass eine große Bauernfamilie von diesem Geld drei Monate lang hätte leben können, ohne sich etwas versagen zu müssen.

Der Orden unterhielt mehr als 30 Gestüte. Der Pferdebestand schwankte zwischen 10.000 und 15.000 Tieren. Überwiegend handelte es sich um einheimische preußische Pferde.

Von Generation zu Generation wurden sie durch schwere „Ritterhengste“ und feurige orientalische Schönheiten veredelt, die man von den Kreuzzügen mitgebracht hatte.

Für bäuerliche Zwecke brauchte man keine Vollblüter, daher eigneten sich für deren Zucht die einheimischen Pferdchen, deren Blutsverwandte die Waldtarpane waren. Die Deutschen nannten sie „Schweiken“, also „die Schmutzigen“. Allerdings waren diese kleinen, aber ausdauernden Tiere bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts vollständig ausgestorben. Noch heute begegnet man in der Trakehner Rasse Braunen mit einem schwarzen Aalstrich entlang des Rückens – einem Erbe ihrer wilden Vorfahren.

Eine Sache der Könige

Im Jahr 1701 brachte der erste preußische König Friedrich I. zusammen mit seinem Hof 1000 Reit- und 30.000 Zugpferde nach Preußen. Insgesamt verzeichneten seine Ställe 1310 Stück „echter preußischer, vortrefflichster Pferde“. Es waren die Nachkommen eben jener Ritterpferde und orientalischen Schönheiten. Doch durch die Pestepidemie der Jahre 1709–1711 blieben von ihnen kaum welche übrig.

1713 folgte auf Friedrich I. Friedrich Wilhelm I., und die Pferdezucht im Land nahm wahrhaft königliche Ausmaße an. Der König widmete sich nicht nur tatkräftig der Stärkung der Armee, sondern erließ auch ein Edikt zur Verbesserung der Pferdezucht in Preußen. Auf Anraten des Fürsten von Dessau beschloss Friedrich Wilhelm I. 1725, seine Gestüte an einem Ort zusammenzulegen, und entwarf eigenhändig einen Plan zur Trockenlegung der Sümpfe – des einstigen Jagdreviers der litauischen Fürsten zwischen Gumbinnen und Stallupönen.

600 Memeler Soldaten, die zu den Arbeiten herangezogen wurden, gruben in sechs Jahren ein ganzes Netz von Entwässerungskanälen. Später schlug der König diesem Land das Gut Trakehnen hinzu (abgeleitet vom lettischen „trakis“ – „Wald am Sumpf“) und kaufte die Güter Wikinlauken und Jodslauken.

Auf dem kultivierten Land entstanden Stallungen, die sich „durch anmutige Schlichtheit auszeichneten“. Im Sommer 1731 traf hier die erste Partie ein – 1101 Pferde. Als offizielles Gründungsjahr des Gestüts „Trakehnen“ gilt jedoch 1732.

Mit der Zeit jedoch ließ das Interesse des Königs an dem Gestüt nach, und die Dinge entwickelten sich schlecht – die Rasse ließ sich nicht verbessern. Dazu kam ein weiteres Übel: Die Weiden begannen zu versumpfen, was zu Futtermangel und in der Folge zum Tod von Pferden führte. Friedrich Wilhelm I., der Probleme Trakehnens überdrüssig, schenkte es 1739 seinem Sohn Friedrich (dem späteren Großen).

Den Kronprinzen beeindruckten trotz allem die Veränderungen, die sich in dem einst von der Pest verwüsteten Land vollzogen hatten. In Ostpreußen, das zur fruchtbarsten Provinz Deutschlands geworden war, waren Städte und Dörfer neu aufgebaut, Felder wurden bestellt, der Handel blühte … Ein glücklicher Winkel des Überflusses. Der Thronfolger ließ sich in Trakehnen nieder und machte sich daran, im Betrieb Ordnung zu schaffen.

Domhardt und Lindenau

Im selben Jahr 1739, ein Jahr vor seinem Tod, ernannte Friedrich Wilhelm I. Johann Friedrich von Domhardt, der als ausgewiesener Fachmann im Pferdewesen galt, zum Leiter des Gestütswesens (Oberstallmeister). Er war es, der als Erster von der planlosen Kreuzung von Pferden verschiedener Rassen zur Linienzucht überging, die als entscheidender Faktor in der Pferdezucht gilt.

Doch da kam erneut ein Übel: Der gewachsene Bestand führte bald zu Futtermangel und Enge in den Ställen. Vom Bau neuer Ställe wollte der König nichts hören, und die gesamte Zuchtarbeit war ganz den Bedürfnissen seines Hofes untergeordnet. Die besten Pferde holte Friedrich II. entweder in die königlichen Marställe oder verschenkte sie an Höflinge. Am Ende blieben im Gestüt die untauglichsten Pferde zurück. Allerdings gelang es Domhardt wie durch ein Wunder, den König zu überreden, 32 hochedle Trakehner Hengste an das Gestüt zurückzugeben.

1756 begann der Siebenjährige Krieg, „Trakehnen“ wurde geplündert, und die besten Pferde wurden, wie die Quellen berichten, von Kosaken fortgetrieben. Vor dem endgültigen Ruin rettete das Gestüt abermals Domhardt. Der Krieg brachte den König ein wenig zur Besinnung. Nun scheute er keine Mittel mehr für die Pferdezucht. Die Zuchtarbeit an der Trakehner Rasse wurde fortgesetzt.

Es waren Pferde, die ihresgleichen suchten, wovon Friedrich sich mehr als einmal überzeugen konnte – mit Trakehnern ließ sich die sandige Strecke von Berlin nach Potsdam in nur zwei Stunden zurücklegen.

Domhardt aber trieb bereits die Idee um, Rassehengste zum Decken der Bauernstuten zu züchten. Doch der König verfiel ein weiteres Mal in Apathie und berief sich auf sein Alter. Domhardt dachte jedoch nicht daran, von seinen Plänen abzulassen. 1779 gründete er selbst eine Deckstation. Anfangs gab es nur wenige, die den kostenlosen „Dienst“ der Trakehner Zuchthengste in Anspruch nehmen wollten – die Bauern standen allem Neuen stets misstrauisch gegenüber –, doch nach einigen Jahren vervielfachte sich die Nachfrage nach den edlen „Besamern“.

Als Zeichen der Versöhnung und in Anerkennung seiner Verdienste erhob Friedrich der Große Domhardt und seine Nachkommen in den Adelsstand und schickte als Beweis „seiner allerhöchsten Gnade“ Hengste englischen und türkischen Blutes nach Trakehnen, die bei der Veredelung der Trakehner Rasse eine unschätzbare Rolle spielten.

Johann Friedrich von Domhardt starb 1781, und bis zum Tod Friedrichs des Großen 1786 leiteten Beamte aus Königsberg das Gestüt. Dann ging„Trakehnen“ in Staatsbesitz über, und für das Gestüt begann die wohl beste Zeit. Der neue König Friedrich Wilhelm II. ordnete an, dass die Einnahmen des Gestüts für den Ankauf von Beschälern verwendet werden sollten, und übertrug die Leitung der gesamten Pferdezucht des Landes dem Oberlandstallmeister und Pferdezüchter aus Familientradition Graf Carl von Lindenau, der Domhardts Werk fortführte und faktisch die Grundlagen der staatlichen Gestütsverwaltung Preußens legte. Als Hauptziel der Zuchtarbeit sah der junge Graf die Gewinnung von Reitpferden, und als sichersten Weg dorthin betrachtete er den Einsatz englischer und arabischer Vollbluthengste in der Zucht.

Infolgedessen waren Trakehner nach einiger Zeit selbst außerhalb Ostpreußens äußerst gefragt. Lindenau führte zudem den Brand für alle Pferde dieser Rasse ein – „eine siebenendige Elchschaufel“ auf dem rechten Hinterschenkel.

Mit dem Namen Lindenau ist eine kuriose Geschichte verbunden. Einmal ordnete er an, Stuten von Stieren und Kühe von Hengsten decken zu lassen. Angeblich hatte er im Zoo von Kassel solche Tiere gesehen. Doch Friedrich von Brauchitsch, der inzwischen die Leitung des Gestüts übernommen hatte, weigerte sich rundweg, ein derart undenkbares Experiment durchzuführen.

Krieg um Krieg

Der heraufziehende Krieg mit Napoleon unterbrach die Zuchtarbeit für lange Zeit. Das Gestüt Trakehnen wurde im Januar 1806 über Memel auf das Gut „Schaulen“ des Grafen Subow im Gouvernement Kowno evakuiert. Unterwegs gingen viele Pferde an Entkräftung, Krankheiten und Kälte zugrunde. Die Last des Wiederaufbaus des vom Krieg verwüsteten Betriebs lag auf den Schultern des Meisters des königlichen Reisestalls Wilhelm Karl Friedrich von Burgsdorf. In seiner fast dreißigjährigen Dienstzeit baute er das Gestüt und die ländlichen Ställe wieder auf, gestaltete das Gutsgelände neu und führte eine strenge Zuchtbuchführung ein. Im Verwaltungsgebäude richtete er ein Museum mit Porträts berühmter Pferde ein und eröffnete Schulen für die Kinder der Gestütsangestellten. Nun war Trakehnen ein kleiner Staat mit Krankenhaus, Schule, Gasthaus, Post, Ziegelei und einer Kuhherde.

Mit den Nachfolgern von Burgsdorffs hatte das Gestüt jedoch eine Zeit lang kein Glück. Ein gewisser Mülheim hielt sich nicht einmal ein Jahr im Amt, der forsche Landstallmeister Max vernachlässigte in vier Jahren die Unterlagen so sehr, dass sein Nachfolger, der Kavalleriemajor und nach dem Urteil deutscher Hippologen „begnadete Züchter“ Friedrich von Schwichow, mehrere Jahre brauchte, um sie wieder in Ordnung zu bringen. Als ihm dies endlich gelungen war, wurde er von Gustav von Dassel abgelöst, der zwar kein Meisterzüchter war, dem man aber Organisationstalent nicht absprechen konnte. Der Husarenmajor setzte auf die Zucht sehr großer Pferde für die Landpferdezucht, die eine unerschöpfliche Reserve für die Armee bilden sollten. Jährlich verkaufte Dassel mehr als dreitausend Pferde an die Armee. Die Ankäufe stiegen, wozu nicht zuletzt der Deutsch-Französische Krieg von 1870–1871 beitrug.

Doch nach dem Ersten Weltkrieg, als der Versailler Vertrag Deutschland ein Heer untersagte, verlor die ostpreußische Pferdezucht ihren wichtigsten Absatzmarkt.

Eine vergleichsweise kurze Blütezeit der Rasse begann 1922 mit der Ernennung des Grafen Siegfried von Lehndorff zum Landstallmeister des Gestüts. Unter seiner Leitung kamen hier Hengste zur Welt, deren Name im Stammbaum eines Pferdes bis heute als Garant für dessen Qualität gilt. 1931 jedoch musste der in Ungnade gefallene Graf nach einem Konflikt mit dem Landwirtschaftsminister seinen Posten aufgeben und mit Dr. Ernst Ludwig Carl Ehlert, der das Gestüt in Braunsberg leitete, die Plätze tauschen.

Der neue Direktor leistete seinen eigenen Beitrag zur Vervollkommnung der Rasse. Er pflegte zu sagen: „Bei den Trakehnern muss die innere Harmonie eine Folge ihres äußeren Erscheinungsbildes sein.“ Während seiner Amtszeit wurden die Trakehner unter dem Sattel und im Geschirr geprüft, zugleich wurde auf Gehorsam und Gutartigkeit selektiert.

Berühmt für ihre seltene Verbindung von Eleganz und Ausdauer, erlebten die Trakehner fast zwei Jahrhunderte lang eine Blütezeit, doch im Zweiten Weltkrieg kam die Katastrophe.

Als 1944 die sowjetische Offensive begann, wurde das Gestüt nach Graditz, Neustadt und Perlin evakuiert. Die zurückgebliebenen Pferde erwartete ein anderes Schicksal: Im August 1945 wurden sie in das Gestüt „Kirow“ im Gebiet Rostow gebracht. Die Trakehner wurden zwar zu einer schicksalhaften Trophäe für die sowjetische Pferdezucht, passten dort aber, wie man so sagt, nicht recht hin… Nach dem bekannten Plenum des ZK der KPdSU im Jahr 1953 traf die sowjetische Pferdezucht eine wahre Tragödie. Auch die Trakehner standen am Rande des Aussterbens. Man hatte keine Verwendung für sie – die Kavallerie der Sowjetarmee war abgeschafft worden. Wegen der rasch fortschreitenden Mechanisierung fand man auch auf dem Land keinen Einsatz für sie. Es war die Zeit, in der sich in den Schaufenstern der Geschäfte die Pferdewurst stapelte...

Sapros von Saponka und Pepel

Erst gegen 1957 begann sich die Lage zu bessern, als die Kirower Züchter mit polnischen Pferdezüchtern ein für beide Seiten vorteilhaftes Geschäft abschlossen: Sie gaben ihnen 14 Stuten und erhielten dafür Vollbluthengste. Nun begann die Arbeit im Dienste des sowjetischen Sports.

Schon bald bewährten sich die Trakehner als hervorragende Sportpferde. 1970 gewann die sowjetische Reiterin Jelena Petuschkowa auf dem Trakehnerhengst Pepel den Weltmeistertitel in der Dressur.

Übrigens ließen sich die deutschen Züchter die Gelegenheit nicht entgehen, einen seiner Nachkommen zu erwerben – einen Sohn der Saponka, der den seltsamen Namen Sapros („Anfrage“) erhielt.

Im September 1997 wurde Russland Mitglied der internationalen Gemeinschaft der Züchter und Freunde des Trakehner Pferdes, die unter dem Dach des Trakehner Verbandes in Deutschland vereint sind, und erhielt das Recht, seine Pferde mit der doppelten siebenendigen Elchschaufel mit dem für Russland festgelegten Zeichen „K“ zu brennen. Und in der Heimat der Trakehner, im Gebiet Kaliningrad, betreibt heute Juri Michailowitsch Luschkow aktiv Pferdezucht, der früher als Moskauer Bürgermeister in aller Welt bekannt war. Ob es ihm gelingen wird, die Tradition wiederzubeleben, wird die Zeit zeigen. Wir hoffen, dass Juri Michailowitsch uns nicht verwehren wird, zu erzählen, wie es bei ihm läuft.

Quellen:

Архивы ЗАО «Кировский конный завод»

Борислав Камзолов. «История Тракененской лошади»

Джудит Дрейпер. «Лошади и уход за ними»

E. Joachim, Johann Friedrich von Domhardt. Ein Beitrag zur Geschichte von Ost- und Westpreußen unter Friedrich dem Großen


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.