Märkte gab es in der Stadt mehrere. Im Zentrum Königsbergs gab es zum Beispiel den Steindammer Markt. Er begann am Hotel „Berliner Hof“ und zog sich über den ganzen Steindamm bis zum Gesekusplatz. Die Leute drängten sich, probierten, feilschten und kauften gern. Denn damals war selbst ein Pfennig etwas wert. Stellen Sie sich vor: Eine Schachtel Zigaretten kostete nur 10 Pfennig! Auf dem Gesekusplatz verkauften die Fleischer in ihren Holzbuden, die nach Marktschluss stets abgebaut wurden. Jede Hausfrau hatte in der Regel ihren eigenen Fleischer, bei dem sie immer einkaufte.
Wenn viel eingekauft wurde, legte der Fleischer etwas als Zugabe dazu. Ein Stück leckere Wurst oder Sülze, hierzulande auch „Bautz“ genannt.
Die gebratenen und dick mit Senf bestrichenen Würstchen waren schmackhaft und wurden trotz ihrer Billigkeit mit Genuss verzehrt: Für fünf Pfennig bekam man ein ziemlich großes Stück Wurst.
So drängte sich an Markttagen auf dem Steindammer Markt von früh bis spät das Volk. Von Zeit zu Zeit fuhr gemächlich ein Pferdefuhrwerk vorbei. Wenn mehrere Frauen mitten auf der Straße stehen blieben, um zu plaudern, knallte der Kutscher laut mit der Peitsche. Dann gingen sie lachend auseinander.
Übrigens fuhr damals auch die erste Straßenbahn. Sie hatte, wie man sagte, einen „Hafermotor“ und eine „Peitschenzündung“. Vorn neben dem Kutscher hing ein Glöckchen. Es klingelte „bim-bim“, und die Fahrt begann. Alle Straßenbahnlinien führten durch die Innenstadt.
Die letzte Königsberger Pferdebahn.
Ein- und aussteigen konnten während der Fahrt sogar alte Mütterchen. Das brauchten sie übrigens gar nicht. Wenn die Pferdebahn vorbeikam, winkte die ältere Frau mit dem Regenschirm, die Bahn hielt an, man half der Oma beim Einsteigen, und die Fahrt ging weiter.
Der Altstädtische Markt, bevor Ende der 1920er-Jahre ein für die Straße unverhältnismäßiges Kaufhaus darauf gebaut wurde.
Dasselbe Gedränge herrschte auch vor dem alten Rathaus, auf dem Altstädtischen Markt. Hier standen zwei große Kaufhäuser, „Packkammern“ („Packkammern“) genannt, Heller und Rosenfeld. Was es da nicht alles gab!
Die Reklame lockte: „Friedlander & Rosenfeld's Packkammer, Marktstraße. Große Auswahl der elegantesten Herbst- und Winterhüte nach neuester Pariser Mode, Röcke mit doppelten Volants, Krawatten und Halstücher für jeden Geschmack. Beeilen Sie sich! Herbstausverkauf.“
An Markttagen lief das Geschäft hier besonders lebhaft. In den Altstädtischen Packkammern gab es alle Arten von Kolonialwaren. Gerade hier gaben die Bauern ihre Einnahmen aus.
Ging man vom Altstädtischen Markt durch die Wassergasse, wo sich allerlei Läden befanden, gelangte man durch eine Seitengasse an den Pregel zum Fischmarkt.
Hier machten die Fischer ihre Segelboote fest. In langen Reihen standen entlang dem Kai die Fischkisten, in denen sich ihr Inhalt wand, zappelte und mit den Schuppen schillerte – von Aalen bis zu Flundern und Dorschen.
Die Fischfrauen vom Fischmarkt waren die wahre Verkörperung des Königsberger Geistes. Um ein Wort waren sie nie verlegen, und mit ihren Ausdrücken nahmen sie es nicht so genau.
– Na, Madamchen, was soll’s denn sein? Suchen Sie was Besonderes?“
– Ich weiß nicht recht.. Ihre lebenden Fische haben so trübe Augen!
– Ach, schöne Frau, solche Augen kriegen Sie auch, wenn Sie mal sterben.
Ja, ja, so war es. Doch verweilen wir noch ein wenig am Pregel, diesem trägen Tollpatsch, der selbst an Feiertagen nicht nach Nivea-Creme roch. Trotzdem brachte er es irgendwie fertig, mitten in der Stadt eine Insel zu bilden. Das war der Kneiphof. Hinter der Grünen Brücke vereinigten sich die Pregelarme wieder in ihrer ganzen Breite und Tiefe, die Königsberg zu einer internationalen Hafenstadt machten.
Der Fischmarkt am Pregelufer.
Von der alten Eisenbahnbrücke bis zum Hundegatt, also bis zur Krämerbrücke, und bis zur Grünen Brücke entstand das historische Speicherviertel Lastadie. Die Speicher, meist Kornspeicher, ragten unmittelbar am Kai empor.
Der Königsberger Hafen. Der Anfang des Vorstädtischen Kais an den Großen Kränen. Rechts das Geländer der Grünen Brücke.
Dort lagen Schiffe der Engländer, Norweger, Schweden, Finnen, Russen, Türken und Griechen. Ihre Ladung waren Getreide, Hülsenfrüchte, Hering, Kolonialwaren, Kunstdünger, Kohle, Eisen, Zement und Holz. Was für Schiffe es hier nicht alles gab! Frachtdampfer aller Art. Elegante Segler mit eindrucksvoller Takelage, die an die Piratenschiffe Kapitän Morgans erinnerten. Die „leeren Schiffe“ wurden dann von Schleppern hinausgebracht. Ihr Weg führte nach Pillau in die Gewässer des Haffs und dann aufs Meer.
Das Löschen der Schiffe besorgten bärenstarke Kerle. Man nannte sie Stauer – „Hafenarbeiter“. Einen schweren Sack, der an die zwei Zentner wiegen konnte, auf die Schultern geladen, liefen sie damit wiegenden Schrittes flink vom Dampfer über die Laufplanken zum Speicher oder zum Eisenbahnwaggon und dann zurück – zum nächsten.
Die Stauer waren harte Burschen und verdienten manchmal an einem Tag so viel, dass sie davon eine Woche sorglos leben konnten.
Einst war das alte Königsberg von dicken Festungsmauern und Wällen umgeben, durch deren Schießscharten man die spiegelnde Oberfläche des Grabens sehen konnte, der sozusagen die ganze Stadt umgürtete. Der Graben war tief, seine Ufer waren mit Weidengebüsch bewachsen. Grüne Hänge stiegen vom Wasser bis zu den Festungsmauern an.
In den 1920er-Jahren entstanden an der Stelle der Befestigungsanlagen schöne Baum- und Strauchreihen, schattige Wege und Bänke, die zur Erholung einluden. Hier konnten die Einheimischen an Sommerabenden nach der Arbeit und der Hitze des Tages die Abendkühle genießen. Oder, wie sie sagten, „frische Luft schnappen“.
Der Schneider-Gürtel. Eine junge Familie spaziert auf der Promenade am Wrangelturm.
Der Parkring „Schneider-Gürtel“, angelegt auf dem ehemaligen Festungswall, der die Stadt umgab, wurde nach seinem Schöpfer benannt, dem Berliner Landschaftsarchitekten Ernst Schneider, der eigens für diese Aufgabe nach Königsberg geholt worden war.
Die Promenade am Litauer Wall. Links das Roßgärter Tor, geradeaus der Dohnaturm.
Da Königsberg eine starke Garnison hatte und die Kasernen fast unmittelbar an den Stadttoren lagen, brodelte in der Stadt das „Militärleben“: Militärmärsche erklangen, Regimenter zogen in Reih und Glied vorbei, es gab Übungen, und regelmäßig ertönten das „Wecken“ und der „Zapfenstreich“. Und schließlich waren die Soldaten bei den Mädchen der Stadt sehr beliebt. Warum auch nicht? Sie waren alle kräftige, stattliche Burschen.
In Königsberg lag auch ein Regiment schwerer Kavallerie – die Wrangel-Kürassiere. Bei besonderen Anlässen trugen die Kürassiere glänzende Helme und Brustpanzer, weiße Uniform und lange, glänzende schwarze Reitstiefel, Zaumzeug und Zügel ihrer Pferde glänzten, und die Lanzen waren mit den Farben der Schwadron geschmückt.
An der Spitze des Kavalleriemusikkorps ritten der Pauker und der Dirigent, der einen stattlichen Vollbart trug und mit ausgestreckten Armen im Takt der Paukenschläge dirigierte.
Ihn trug ein edler Rappe, gelenkt mit Zügeln, die aus den Steigbügeln ragten. Der Reiter zählte die Sterne, das Pferd zählte die Steine. Im Takt des Kavalleriemarsches folgte eine Schwadron tänzelnder, einfarbiger, schöner Pferde. Ostpreußen war ihre Heimat. Und jedes Regiment hatte seinen eigenen Chor.
So hatte zum Beispiel das Infanterie-Regiment 43 einen Trommelhund, der beim Marsch die große Trommel auf einem Wägelchen zog. Es war ein großer, kräftiger Bernhardiner, und er diente seinem Regiment lange. An seinem Halsband prangte das Gefreitenabzeichen. Der Bernhardiner wurde vom Regiment verpflegt und war der Liebling aller.
Publikum auf dem Konzertplatz des Tiergartens.
Sonntags im Frühling und Sommer, wenn die schönen Parks und grünen Anlagen Königsbergs zu gemächlichen Spaziergängen und zur Erholung lockten, fanden dort auch Nachmittagskonzerte statt. Sie wurden abwechselnd von verschiedenen Regimentern gegeben.
Der Königsberger Trommelhund mit Kollegen.
Gewöhnlich auf der Promenade am Schlossteich, dieser Perle Königsbergs, oder auf dem Paradeplatz im Königsgarten. Jung und Alt drängten sich lange vor Konzertbeginn um diesen Platz und plauderten unbeschwert im Schatten dichter Kastanien und Linden.
Doch da ist das Musikkorps eingetroffen, und die Musiker stellen sich im Kreis auf. Die Notenpulte sind aufgestellt und die Noten daraufgelegt. Der Kapellmeister steht wartend in der Mitte des Platzes. Ringsum drängt sich das Publikum. Nun, ein scharfer Schlag des Taktstocks auf den Degen, und die Musik setzt ein…
„Alte Kameraden“! Wer kennt nicht diesen Armeemarsch von Carl Teike, dem ehemaligen Königsberger Polizisten? Er wurde 1889 komponiert. Man erzählt, der Kapellmeister habe zu seinem Untergebenen Teike, einem Musiker des Regimentsmusikkorps, gesagt, nachdem dieser ihm die Noten übergeben hatte: „Märsche haben wir genug. Werfen Sie ihn in den Ofen!“
Zum Glück gehorchte der Komponist nicht, und sein Werk ist bis heute einer der beliebtesten und meistgespielten deutschen Militärmärsche.
„Hoffmanns Erzählungen“, „Mignon“, „Martha“ – Franz von Suppé, Johann Strauss, Paul Lincke, Franz Lehár – all diese Melodien entflammten die lebensfrohen Herzen der Königsberger.
Höhepunkt des sommerlichen städtischen Konzertprogramms war das große Konzert im Tiergarten. Es fand an einem eigens dafür ausgewählten Samstag statt. Zu Beginn des Musikabends erklang der „Pilgerchor“ aus Richard Wagners „Tannhäuser“. Als Hauptnummer des Programms wählte man gewöhnlich die „Schlachtmusik“ von Heinrich Saro, eine eindrucksvolle musikalische Darstellung der Ereignisse von 1870–1871. An manchen Stellen war sie weit über den Tiergarten hinaus zu hören… Den Abschluss des musikalischen Schauspiels bildete der begeisternde Chorgesang des alten christlichen Liedes „Wir treten zum Beten vor Gott, den Gerechten…“, das alle Konzertbesucher zusammen mit den Musikern und dem Orchester sangen. Den krönenden Abschluss bildete das größte Feuerwerk des Jahres mit musikalischer Begleitung.
…Doch nun sind die Feuerwerke erloschen, geblieben sind nur die ewigen Lichter des Himmels – die Sterne…
LEGENDEN PREUSSENS im Blog von Tatjana Koliwai.
Quelle: Ostpreußen-Warte, Folge 06 vom Juni 1954.
Abbildungen: Bildarchiv Ostpreußen, bildarchiv-ostpreussen.de.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

