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„Ritterturniere“ auf dem Pregel

„Ritterturniere“ auf dem Pregel

Das Zentrum Königsbergs auf dem „Bering-Plan“, 1613.

In der Mitte des „Bering-Plans“ (1613, siehe oben), einer der ersten Karten Königsbergs, ist der Dom abgebildet. Auf dem Pregel, der hinter dem langen Dach der hohen Hauptkirche der Stadt zu sehen ist, rudern zwei Boote aufeinander zu. Ein Stangenkampf auf Booten beginnt...

Das Fischerstechen mit Stangen ist ein sportlicher Zeitvertreib der Bootsleutezunft, der bis ins Mittelalter zurückreicht. Zwei Teilnehmer gegnerischer Mannschaften, bewaffnet mit Stangen mit weichen Spitzen, stellen sich auf besondere Podeste auf Ruderbooten. Während sie aufeinander zufahren, versuchen sie, den Gegner mit ihrer Stange so zu treffen, dass er ins Wasser fällt. Solche Wettkämpfe werden bis heute in einigen Städten Frankreichs, Deutschlands, Österreichs und der Schweiz ausgetragen.

Die Königsberger Bootsleute maßen ihre Kräfte auf dem Pregel [Pregolja]. Es gibt mindestens zwei urkundliche Zeugnisse dieses Ereignisses.

Das erste stammt vom 7. November 1589, aus der Zeit des Besuchs des polnischen Königs Sigismund III. in Königsberg. Der König blieb eine Woche in der Stadt, auf dem Rückweg aus Reval [Tallinn] nach Polen. Bekannt ist, dass die Mitglieder der Bootsleutezunft damals in feierlichem Zug mit Trommelschlag und Fahnen vom Gemeingarten der Altstadt zur Grünen Brücke marschierten, wo das Bootsturnier stattfand.

Vom zweiten Wettkampf berichtet uns Michael Lilienthal (1686–1750), deutscher Theologe und Historiker, der viele Jahre in Königsberg lebte, in seinem Werk „Erleutertes Preußen...“.

Am 3. Januar 1594 hielten die Bootsleute ihr Turnier auf dem Pregel an der Krämerbrücke im Kneiphof ab. Sie marschierten dorthin mit wehenden Fahnen unter Trommelwirbel und Hörnerklang vom Gemeingarten der Altstadt. Sieben Paare von Ruderbooten kämpften gegeneinander. Am Heck stehend, versuchten die Kämpfer, ihren Gegner mit einer langen Stange aus dem Boot zu stoßen.


Lustiges Turnier auf dem Pregel

Wenn jemand kopfüber über Bord ins Wasser flog, ertönten laute Beifallsrufe der Zuschauer.

Nach dem Turnier gingen Zuschauer und Teilnehmer, sehr zufrieden miteinander, auseinander, obwohl manche reichlich eiskaltes Wasser schlucken mussten, denn die Vertreter aller Mannschaften außer der siegreichen mussten im winterlichen Januar-Pregel baden.

Die Bootsstechen mit Stangen beschlossen in der Regel die Feste der Bootsleutezunft und waren eine scherzhafte Nachahmung der mittelalterlichen Ritterturniere. Man kann sagen, es war ein Ritterturnier, das in die damalige Zeit übertragen worden war.

Eine Stadtsage Königsbergs erzählt, dass einmal bei einem dieser Wettkämpfe zwei junge Fischer gegeneinander antraten, die in dasselbe Mädchen verliebt waren. Einer von ihnen stieß seinem Rivalen im Schwung so unglücklich mit der Lanze ins Gesicht, dass dieser bewusstlos ins Wasser fiel und ertrank. Damit stand der Heirat des Siegers mit seiner Auserwählten nichts mehr im Wege. Doch in der Nacht vor dem festgesetzten Hochzeitstag erschien der Tote der Braut in der sehr anschaulichen Gestalt eines Ertrunkenen, und das unglückliche Mädchen verlor den Verstand und stürzte sich in ihrer Verzweiflung in den Pregel. „Der Tote hat sie doch noch erreicht“, sagten die Leute damals.

„Königsberger Leben in Bräuchen und Volkstum“, Hamburg, 1983.

Autor: Herbert Meinhard Mühlpfordt

Zeichnung im Text: Erich Behrendt

  

LEGENDEN PREUSSENS im Blog von Tatjana Koliwai.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.