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Burgkirche

Burgkirche

Die Königsberger Burgkirche – Entwurf (links) und seine Ausführung.

Die Kirche wurde 1687–1690 nach einem Entwurf von Johann Arnold Nering auf einer Anhöhe am Schlossteich erbaut.

Endgültig fertiggestellt wurde sie 1701. Laut Entwurf sollte im Osten ein quadratischer viergeschossiger Turm mit hohem pyramidenförmigem Abschluss stehen. Gebaut wurden aber nur zwei Geschosse. Der Entwurf selbst ist eine Nachahmung der 1631 erbauten Westerkerk in Amsterdam.

Die Burgkirche ist durch folgende Besonderheiten interessant: Das Schiff wurde von Querarmen mit Abschluss gekreuzt, ebenso wie der westliche Altarteil. Die Gewölbe im Schiff waren aus Holz. Neben dem Eingang eine offene Bemalung. Der Eingang an der Turmfassade war mit toskanischen Säulen und einem Giebel gestaltet. In der Mitte der Nordwand des Schiffs befand sich eine prächtige Kanzel mit zwei Treppen, angefertigt 1699.

Vor der Kanzel ein schlichter Tisch. Die Kirche besaß drei reiche Kronleuchter von 1705. Das Altargerät des 18. Jahrhunderts war sehr schlicht. Die Orgel von J. Mosengel wurde 1724 gebaut. Die Glocken wurden 1707 gegossen.

Die Burgkirche wurde beim englischen Luftangriff 1944 schwer zerstört. Ihre Ruine stand bis 1954 und wurde danach gesprengt. Die Südwand aber blieb, allmählich verfallend, bis 1971 stehen, als sie endgültig abgerissen wurde.

Bauplan der BurgkircheBauplan der Burgkirche.

In den 1950er-Jahren veröffentlichte die im niedersächsischen Göttingen erscheinende Zeitung der ostpreußischen Heimatvertriebenen „Ostpreussen-Warte“ eine Reihe von Beiträgen des ehemaligen Königsberger Arztes und passionierten Heimatforschers Herbert Mühlpfordt unter dem Titel „Königsberger Winkel“. Einige davon hat Tatjana Kolivai schon vor längerer Zeit übersetzt, und sie sind auf unserer Website zugänglich, andere warten noch auf ihre Zeit. Im Folgenden bieten wir Ihnen eine Episode dieser Saga, die unmittelbar mit der Burgkirche zu tun hat.

Der Burgkirchenplatz

Der städtische Verkehr dröhnt durch die Französische Straße. Es war fast unmöglich, in Ruhe vor dem Geburtshaus von E. T. A. Hoffmann (1776–1822) zu stehen und die Bronzetafel zu betrachten, die am 25. Juni 1922 zu seinem hundertsten Todestag angebracht worden war. Geschaffen vom Königsberger Bildhauer Stanislaus Cauer (1867–1943), betonte sie das Dämonische in Hoffmanns Gesicht. Im Inneren des Hauses selbst, in dem über viele Jahrzehnte die Buchhandlung Bayer (Bayers Buchhandlung) untergebracht war, hatten sich nur in einem einzigen Türrahmen Reste der früheren Rokokoausstattung erhalten. Zu Ehren ihres berühmten Sohnes benannte die Stadt die Straße, die von der Französischen Straße zum Burgkirchenplatz führt, nicht nach E. T. A. Hoffmann, sondern nach Kreisler1 (Kreislerstraße).

Diese Straße versetzte einen ebenso in eine andere Welt wie die Lektüre von Hoffmanns Märchen. Doch nicht in die Gesellschaft wunderlicher, dämonischer Gestalten, die von der Sehnsucht nach einem besseren Leben getrieben werden, sondern eher in eine Welt stummer Stille, einer fast leblosen Wüste.

Zum Teil erklärte sich dieser Eindruck dadurch, dass die weite Fläche, die sich dem Blick öffnete, mit Kopfsteinen gepflastert und völlig ohne jedes Grün war. Die imposante Kirche mit ihren majestätischen Formen vervollständigte das Bild.


Zugang zum Burgkirchenplatz von der Kreislerstraße


Die Burgkirche aus der VogelperspektiveBlick auf den Schlossteich, die Stadtteile Burgfreiheit, Roßgarten, Neue Sorge und Sackheim. Die Burgkirche – in der Mitte.

Der Burgkirchenplatz wurde regelmäßig zum Schauplatz epischer „Schlachten“ zwischen den Schülern der Burgschule und des Friedrichskollegiums, die sich dort in geschlossenen Reihen gegenseitig mit Steinen bewarfen.

Die Burgkirche auf der KarteDie Burgkirche (rechts oben) auf dem Stadtplan von 1901.


Jedenfalls war es so in meiner Jugend. Aus mir unbekannten Gründen (vielleicht weil sich die Schüler der Burgschule mit dem verlassenen Gebäude des Friedrichskollegiums begnügen mussten?) herrschte zwischen den beiden Schulen eine erbitterte Feindschaft, die erst mit dem Umzug der Burgschule in ein neues Gebäude auf den Hufen endete. Heute ist das nur noch eine von vielen alten Legenden.

Zwei weitere Zugänge zum Burgkirchenplatz gab es vom Bergplatz her, der auch „Schiefer Berg“ genannt wurde. Der eine führte von der Französischen Schulstraße durch ein Tor, der andere war der Haupt-, der „zeremonielle“ Zugang, typisch für die Barockarchitektur, bei der man, um in den Innenhof eines bedeutenden Gebäudes und zu dessen Haupteingang zu gelangen, ein prunkvolles Portal durchschreiten und an Nebengebäuden zu beiden Seiten vorbeigehen musste.

Auch in architektonischer Hinsicht begann die Kirche mit dem Eingang in das Portal. Dieses schöne dreibogige Portal war mit prächtigen Rokoko-Skulpturen geschmückt, Allegorien der Gerechtigkeit (sie hielt hier das Schwert aus irgendeinem Grund in der linken und die Waage in der rechten Hand), der Liebe und der Barmherzigkeit.

Das Portal wurde 1727 vom Königsberger Kaufmann Charles Cabrit gestiftet.

Übrigens wurden die bereits verfallenden Skulpturen kurz vor dem Zweiten Weltkrieg durch sehr hochwertige Kopien ersetzt, die nach den Originalen angefertigt wurden; diese wiederum kamen ins Stadtgeschichtliche Museum.

Das Portal wurde von zwei Gebäuden flankiert, die den Hof der Burgkirche bildeten. Das erhaltene Haus rechts erinnerte schmerzlich daran, wie schön dieses Ensemble war, an das ich mich noch heute so gut erinnere. Es ist völlig unbegreiflich, wie die Stadt um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert den Abriss des Gebäudes links vom Portal zulassen konnte, um an seiner Stelle ein scheußliches Mietshaus zu errichten, das die Idee des Architekten zerstörte!

Wählte man den dritten Weg zum Burgkirchenplatz – von der Weißgerberstraße her –, so führte diese Route durch die Kleine Schloßteichstraße. Dort stand ein so niedriges Haus, dass ich als kleiner Junge der Versuchung nicht widerstehen konnte, nach seinem Gesims zu langen. Doch wie sehr ich mich auch anstrengte, es gelang mir nicht, und so sagte mein Vater aufmunternd: „Nun, da musst du eben noch ein paar Scheffel Salz essen!“


BurgkircheEntwurf der Ostfassade der Kirche mit dem Portal.

Die Häuser am Ufer des Schlossteichs waren sehr beliebt – man hatte von ihnen einen herrlichen Blick auf den Teich und die Brücke darüber!

Tor der Burgkirche

Das Portal der Burgkirche am Bergplatz. Links jenes „scheußliche Mietshaus“.


In einem von ihnen wohnte ein Mann, den ich aus Dankbarkeit nie vergessen werde, zumal sich außer mir wohl niemand mehr an ihn erinnert. Bis 1918 hatte sich die Zahl meiner Mitschüler, die die Schule abschlossen, halbiert, und von den wenigen, die heute vielleicht noch leben, war wohl kaum einer Zeuge jener Liebe und Frömmigkeit, mit denen dieser Mann als guter Lehrer unsere Kindheit umgab. Als unser Erzieher blieb er ein Mensch, dessen kindliche Unmittelbarkeit und Geradlinigkeit ihn für diese Rolle besonders geeignet machten. Von 1899 bis 1904 war er Erzieher in der Vorschule des Friedrichskollegiums, das bis zum Ersten Weltkrieg eine eigene Elementarschule mit fünf Lehrern hatte. Dank unermüdlicher Arbeit brachte es dieser Mann bis zum Oberlehrer – was damals nicht einfach war – und wurde schließlich Oberregierungs- und Schulrat bei der Regierung, zuständig für das gesamte Volksschulwesen der Provinz. Selbst die Nazis schienen ihn für unentbehrlich zu halten, obwohl er sich, seinen Grundsätzen treu, entschieden weigerte, der NSDAP beizutreten. Für mich blieb er immer unser geliebter Lehrer, Otto Konopka.

Noch vor Kurzem stand an der Nordostseite des Burgkirchenplatzes einsam ein altes Haus, dicht an dem eine riesige uralte Linde wuchs – wahre Reliquien! In meiner Kindheit standen hier viele alte Gebäude, die im Laufe der Jahre wegen Baufälligkeit abgerissen werden mussten.

Selbst das prätentiöse und geschmacklose Pfarrhaus, das den Blick auf die Kirche von verschiedenen Punkten aus stark verstellte, ist nur ein architektonischer Fehltritt des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts.

Zuvor standen hier Barockbauten im Stil des Gebäudes des Segelklubs „Rhe“ in der Kreislerstraße. Sie gehörten dem alten Dr. Hay, einem ehrwürdigen alten Mann mit einem prächtigen, ausdrucksvollen Gesicht, dem man unverhofft an den verschiedensten Orten der Stadt begegnen konnte.

Dort, wo die Kreislerstraße auf den Burgkirchenplatz mündet, soll einst ein Portal gestanden haben, ähnlich dem am Schiefen Berg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann man mit der Gestaltung des Platzes. Vielleicht wird er, wenn die Büsche herangewachsen sind, zu einem idyllischen stillen Winkel.

An dieser Stelle befand sich einst der Gemüsegarten des im Schloss wohnenden Obermarschalls. Als Ahasverus von Lehndorff (1637–1688) das Amt innehatte, kaufte der Große Kurfürst (Friedrich Wilhelm von Brandenburg, 1620–1688) ihm das Grundstück ab und schenkte es der deutsch-reformierten Gemeinde, deren bekannter Anhänger er war. Die Gemeinde hatte noch keinen eigenen Gottesdienstort; ihr stand nur das Schloss zur Verfügung. Der Grundstein der Burgkirche wurde am 25. Mai 1690 gelegt, bereits nach dem Tod des Kurfürsten. Der Bau wurde 1696 vollendet, und die Weihe fand am Sonntag, dem 23. Januar 1701, in Anwesenheit des gerade gekrönten Friedrich I. (1657–1713) und seiner Gemahlin Sophie Charlotte (Herzogin von Braunschweig und Lüneburg, 1668–1705) statt. Bis 1819 hieß die Kirche Reformierte Kirche, danach kam der Name Burgkirche in Gebrauch.

Die Vollendung des Kirchturms erwies sich aus einer Reihe von Gründen als unmöglich.


Winteransicht der BurgkircheWinteransicht der Burgkirche über den Schlossteich hinweg.

Die Burgkirche war eines der letzten Werke von Johann Arnold Nering (Johann Arnold Nehring, 1659–1695), einem gebürtigen Niederländer, der in jungen Jahren in die preußische Armee eingetreten war und es bis zum obersten Baumeister gebracht hatte.

Schiff und Orgel der Burgkirche

Innenraum der BurgkircheDie karge Ästhetik des Innenraums der Reformierten Kirche.


Er entwarf sie nach dem Vorbild der Nieuwe Kerk in Den Haag, die vierzig Jahre älter war. Steht man vor ihrem verkleinerten Modell und vergleicht den schlanken, doppelt so hohen Turm mit unserem unvollendeten, so erscheint das Zeltdach des Baus, das nur als vorläufig gedacht war, im Laufe vieler Jahre aber so vertraut geworden ist, sogar reizvoller als der Turm, der die Kirche geschmückt hätte, wäre sie nach dem Entwurf gebaut worden.

Wie dem auch sei, die Burgkirche war ein prächtiges Beispiel des skandinavischen und norddeutschen Barocks.

Leider wurde ihr kärglicher, aber geräumiger Innenraum den Erwartungen nicht gerecht.

Barock bedeutet immer Prunk, Pracht, Luxus, Bewegung, Pathos. All das fehlte ihr. Die Burgkirche war ein Gotteshaus der Reformierten, die bekanntlich alles Überflüssige aus dem Kirchenraum verbannten …

Barock und die strenge Ästhetik der Reformierten – ein unversöhnlicher Widerspruch.

So vermochte die schön aus Nussbaumholz geschnitzte Kanzel, die der Königsberger Tischlermeister Caspar Schreiber 1699 schuf, den weiten Raum nicht zu füllen, und der Gesamteindruck blieb streng und kalt, wozu die unglücklich gewählte, billige Ausmalung in kalten grünen und grauen Tönen wesentlich beitrug.

Doch einmal sah ich diesen Kirchenraum schön: bei einem Bach-Konzert, bei dem die 1726 vom Hoforgelbauer Siegmund Caspari (1693–1741) gebaute Orgel die Hauptrolle spielte und als man die Kerzen in den schönen Messingkronleuchtern anzündete, die jeder über 1000 Kilogramm wogen und vom Gut des Fürsten Radziwill hergebracht worden waren. Die Burgkirche war wohl die einzige Kirche in Königsberg ohne elektrische Beleuchtung.

Und dieses Kerzenlicht, das die zyklopischen Mauern in ein zauberhaftes graues Dämmerlicht tauchte, war von unbeschreiblicher Stimmung. Und dazu die herrliche Akustik!

Die völlige Zerstörung unserer Stadt durch die Engländer, die auch die Burgkirche nicht vergaßen, bedarf keines weiteren Kommentars.

ANMERKUNG DER ÜBERSETZERIN

1. Johannes Kreisler – Alter Ego und literarisches Pseudonym des gebürtigen Königsbergers Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, des herausragenden deutschen Dichters, Komponisten und Malers der Romantik. Der geniale, aber verkannte Musiker wurde zur zentralen Figur einer ganzen Reihe seiner Werke.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.