In den Jahren 1935–1944, als das Schloss der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Preußen (Berlin) unterstand, wurden seine Räumlichkeiten folgendermaßen genutzt:
Westflügel
In der Neuzeit und der jüngeren Geschichte nahm die Schlosskirche, in der einst die Krönungsfeierlichkeiten stattgefunden hatten, das Erd-, das erste und das zweite Obergeschoss des Westflügels ein. Laut einem Reiseführer von 1938 war der Eintritt in die Kirche frei. Leider brannte ihre gesamte prachtvolle Ausstattung in der schrecklichen Nacht vom 29. auf den 30. August 1944 unter englischen Bomben bis auf den Grund aus.
Das dritte Obergeschoss dieses Teils des Königlichen Schlosses erhielt zur Erinnerung an die Große Gesandtschaft von 1697 den Namen „Moskowitersaal“. Hier wurde am 30. September 1881, nachdem das Prussia-Museum aus dem Schlossturm in fünf neue Räume im Nord- und Westflügel des Schlosses umgezogen war, eine militärhistorische Ausstellung eröffnet (ab dem 27. November 1925 „Ostpreußische Ruhmeshalle“).

Auf dem Logo der Altertumsgesellschaft Prussia (siehe oben), zu der das Museum gehörte, ragte der Schlossturm empor – die historische und kulturelle Achse Königsbergs.
Das Königsberger Schloss wandelte sich ab 1881 schrittweise zum wichtigsten regionalen Heimatmuseum; daneben verblieben darin die Kirche, das Staatsarchiv, ein Restaurant und ein Gericht.
Bereits seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts (?) wurden im Schloss militärische Reliquien aufbewahrt. Sie alle wurden später in der „Ostpreußischen Ruhmeshalle“ ausgestellt. Am 24. April 1924 übergab man dem Prussia-Museum die Regimentsfahnen der Truppenteile, die im August 1914 an der Schlacht bei Tannenberg teilgenommen hatten. Auch sie erhielten einen Ehrenplatz im „Moskowitersaal“.
1944 wurden die Fahnen zusammen mit vielen anderen Exponaten des Prussia-Museums in die Burg Lochstedt (heute Umgebung von Baltijsk) evakuiert, wo dieser Teil der Museumssammlung bei den Kampfhandlungen im Frühjahr 1945 schwer beschädigt wurde. Endgültig verloren ging er 1947 unter Mitwirkung einer Gruppe von Mitarbeitern der Kaliningrader Kulturverwaltung unter der Leitung von A. P. Boiko, als an der Einfahrt nach Baltijsk ein Kontrollposten errichtet wurde.
Die Wände entlang der Treppe, über die die Besucher in den „Moskowitersaal“ hinaufstiegen, waren mit Gemälden geschmückt, die ostpreußische Landschaften und Bildnisse berühmter historischer Persönlichkeiten zeigten.
Im kleinen Vorsaal vor dem Eingang zum „Moskowitersaal“ war eine Decke aus der Renaissance erhalten; dort standen antike Schränke aus heimischer Fertigung sowie der Tisch, auf den bei der ersten Krönungszeremonie 1701 die preußischen Kronen gelegt worden waren.
Auf einem eigens an der Ostwand des Saales angebrachten hölzernen Balkon waren Regimentsfahnen des 18. Jahrhunderts ausgestellt. Die im Saal gezeigte Ausstellung umfasste Gegenstände der militärischen Ausrüstung und Bewaffnung. Zu den Exponaten gehörten Ehrenzeichen und Orden, Uniformen, Schlachtpläne sowie Modelle alter Kanonen und Festungsbauten.
Hier befanden sich auch die numismatische und die sphragistische Sammlung. Möglicherweise handelte es sich bei den Münzen dieser Sammlung um preußische Prägungen der Neuzeit und der jüngeren Geschichte. War es etwa diese Sammlung, die in den 1950er-Jahren „Schatzsucher“ fanden, die ihr Gewicht, wie der örtliche Historiker A. P. Owsjanow betont, auf 10 kg Silber bezifferten?
Eine der Münzen, die in den Vitrinen im dritten Obergeschoss des Westflügels aufbewahrt wurden, fiel bei der Zerstörung des Schlosses hinab und landete in einer Maueröffnung an der Ostseite des Kellers dieses Flügels.
Westflügel des Königsberger Schlosses. Im Vordergrund der Berwartturm, benannt nach dem Baumeister Blasius Berwart, der im 16. Jahrhundert den Flügel und seine beiden Türme entworfen hatte.
Bei diesem Exponat handelt es sich um eine seltene Fünf-Mark-Münze, geprägt in den wenigen Monaten der Regierung eines der rätselhaftesten Monarchen Preußens und deutschen Herrscher – Kaiser Friedrichs III.
Krönung Wilhelms I. in der Schlosskirche am 18. Oktober 1861.
Am Tag nach der Krönung Wilhelms I. wurde im „Moskowitersaal“ über der Kirche ein Ball gegeben.
Friedrich III. regierte 1888 neunundneunzig Tage, doch zuvor, in seiner Zeit als Kronprinz, hatte er bereits zur Entfaltung der preußischen Archäologie beigetragen. Mit seiner Unterstützung wurde die preußische Abteilung einer Ausstellung zusammengestellt, die anlässlich der 11. Versammlung der Deutschen Anthropologischen Gesellschaft (Deutsche Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte) stattfand. Diese Ausstellung wurde vom 5. bis 21. August 1880 in Berlin gezeigt, und die preußische archäologische Abteilung beeindruckte die Besucher durch ihre einzigartige wissenschaftliche Bedeutung. Mit ihr begann der Aufstieg der preußischen Archäologie, auf deren Material bis heute das chronologische System der europäischen Altertümer des 1. Jahrtausends n. Chr. beruht.
Die Förderung durch den Kronprinzen führte unter anderem zur Erweiterung der Ausstellung und der Bestände des damaligen Ostpreußischen Provinzialmuseums, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Prussia-Museum umgestaltet wurde.
Zum Abschluss der Schilderung der Museumsausstellung im „Moskowitersaal“ sei noch sein historisches Interieur erwähnt, das für sich genommen eine höchst interessante Sehenswürdigkeit für die Besucher darstellte.
Außerdem gab es im Westflügel seitlich des Hauptausgangs (früher das Westtor des Schlosses), durch den seit der Zeit Friedrichs I. traditionell die Krönungsprozessionen zogen, kleine Räume, die ebenfalls dem Prussia-Museum gehörten.
Dort waren Zeugnisse der Volkskunst ausgestellt (vor allem masurische Wollteppiche des 17. Jahrhunderts). Der Eintritt kostete 30 Reichspfennig.
Zu Beginn der 1920er-Jahre zogen die Leitung der Altertumsgesellschaft Prussia und des zu ihr gehörenden Prussia-Museums samt ihren Sammlungen aus den Räumen in der Königstraße (Königstraße, 65, heute Uliza Frunse) in das erste Obergeschoss des Südflügels des Königsberger Schlosses um, und im Juli 1924 wurde eine neue Museumsausstellung (Geschichte und Volkskunde) eröffnet, die praktisch den gesamten Komplex des westlichen Teils des von den Schlossbauten gebildeten Gevierts einnahm. Ab dem 27. November 1925 bildete sie den Grundstock des neu gegründeten Prussia-Museums.
Aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten, die in den Jahren der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg entstanden waren, gingen sämtliche Museumsexponate, die Eigentum der Altertumsgesellschaft Prussia waren, ab 1925 in die Obhut der Provinz Ostpreußen über.
Das Museum im „Moskowitersaal“ über der Schlosskirche im Westflügel.
Leider kam der Aufschwung der Museumsarbeit, der sich in den 1920er-Jahren abgezeichnet hatte, in der Vorkriegszeit zum Erliegen. Der letzte Band des von der Altertumsgesellschaft Prussia herausgegebenen Jahrbuchs erschien 1940.
Innenraum der Schlosskirche im Westflügel.
In den Kellern unter dem Westflügel (unter der Kirche!) lagerten die Weine des Restaurants „Blutgericht“.
Erwähnt seien noch einige Räume des Westflügels, die keine museale Bedeutung hatten. Zu ihnen gehörte ein 67 x 13 m großer Keller mit einem Tonnengewölbe aus der Renaissance. Hier befanden sich bis April 1945 die Weinlager, und hier wurden die Weine für das Restaurant „Blutgericht“ abgefüllt. Eigentümer des Kellers war, wie A. Orlow und J. Storoschenko in ihrem Buch „Geheimnisse des Königsschlosses: Eine Erzählung in Briefen, Zeugnissen und Dokumenten“ schreiben, die Firma David Schindelmeisser (gegründet 1738), die seit 1921 von Karl Matzdorf geführt wurde.
Bis heute ist nicht ganz geklärt, unter welchen Umständen die Südfassade des Westflügels ihre pseudogotischen Elemente in Gestalt senkrechter, aus Formziegeln gemauerter Pfeilerstäbe erhielt. Offenbar entstanden sie 1866, als auch der Turmhelm des benachbarten Schlossturms dieselben stilistischen Züge annahm. In der Vorkriegszeit war die genannte Fassade des Westflügels jedoch bereits mit S-förmigen Voluten geschmückt. Diese Veränderung erfolgte bei der letzten Restaurierung des Schlosses (1938?).
Südflügel
Im halbrunden Wirzburgerturm (Wirzburgers Turm, erbaut 1519), der von Osten fast unmittelbar an den Schlossturm grenzte, befand sich das Arbeitszimmer des Museumsdirektors Dr. Wilhelm Gaerte (1891–1958). In den Räumen westlich dieses „Direktorenturms“ lag die umfangreiche Museumsbibliothek, in der neben der Literatur offenbar auch die handschriftlichen Inventarverzeichnisse des Museums aufbewahrt wurden.
Weiter westlich führte ein Korridor zum Eckturm (Hintersterort Turm), in dem die bekannten preußischen Archäologen Carl Engel (1895–1947) und Hans Krome (1864–1943) ihre Arbeitszimmer hatten.
Östlich der Direktorenräume, im Erdgeschoss des südlichen Schlossflügels, befand sich die vorgeschichtliche Abteilung des Museums.
Genau an dieser Stelle des Schlosses, im ersten Obergeschoss des Südflügels beim Schlossturm, der zugleich der Turm der Schlosskirche war, fanden am 25. April 1945 „Vertreter“ der Moskauer Staatlichen Universität 20 Sessel aus den Museen von Zarskoje Selo und 12 Bilderrahmen des Kiewer Museums (für westliche und östliche Kunst). Im Erdgeschoss des Südflügels entdeckten die Abgesandten der Universität damals das Schenkungsbuch des Städtischen Kunstmuseums, in dem unter Nr. 141 das Bernsteinzimmer verzeichnet ist.
Das Bernsteinzimmer im Königsberger Schloss.
Im Saal im ersten Obergeschoss des Schlossturms, zu dem ein Korridor aus dem Südflügel führte (?), war die Ausstellung „Preußisches Handwerk des 17.–19. Jahrhunderts“ untergebracht.
Der Südflügel des Königsberger Schlosses war der Altstadt (im Vordergrund) und dem Pregel zugewandt.
Türme des Königsberger Schlosses.
Laut einem Reiseführer von 1938 kostete der Eintritt in die Ausstellung des Südflügels 30 Reichspfennig. Hier, zwischen dem Wirzburgerturm und dem Gruberturm (Grubers Turm), waren Anfang des 20. Jahrhunderts sechs Museumssäle eingerichtet worden. Der flächenmäßig größte Saal 1 umfasste die Altertümer der Steinzeit, in Saal 2 wurden Funde der Bronzezeit gezeigt, in den Sälen 3 und 4 Material des 1.–2. bzw. des 3.–4. Jahrhunderts n. Chr.; Saal 5 war den Exponaten des 5.–8. Jahrhunderts n. Chr. vorbehalten, darunter Funde aus den westmasurischen Flachgräberfeldern Tumiany und Kielary (Daumen und Kellaren, ehem. Kreis Allenstein), die Bestattungen des 6.–7. Jahrhunderts n. Chr. enthielten. Hier gab es auch eine Abteilung „spätheidnischer“ Altertümer des 9.–13. Jahrhunderts, in der die Funde aus den Hügelgräbern von Kaup (Kaup bei Wiskiauten, ehem. Kreis Samland, heute die Siedlung Mochowoje im Rajon Selenogradsk, Gebiet Kaliningrad), einem weltberühmten Fundplatz der Wikingerzeit, allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zogen. In Saal 6 schließlich waren Artefakte des 14. und 15. Jahrhunderts ausgestellt.
Im Südflügel befand sich außerdem eine Tischlerwerkstatt, in der die Meister Hase und Huse für den Bedarf des Museums arbeiteten. Darüber hinaus führte hier der bekannte Restaurator Fritz Jentsch Restaurierungsarbeiten aus.
An den Restaurierungsarbeiten beteiligten sich aktiv die wissenschaftlich-technischen Mitarbeiter des Museums, darunter J. Wilczek, der zugleich als Fahrer des Museums-Pkw tätig war. Der Rundgang durch die vorgeschichtliche Ausstellung verlief von Westen nach Osten, vom Wirzburgerturm zum Gruberturm und weiter. Die Besucher betraten diesen Teil der Ausstellung vom Schlosshof aus durch ein Portal in der Südwestecke (dort standen vor Kriegsbeginn rechts vom Eingang ein weißmarmorner Aphroditetorso unbekannter Herkunft und links die jatwingische Steinfigur Mankesteen, auch als Männchenstein bekannt, die sich heute im Saal der archäologischen Ausstellung des Kaliningrader Museums für Geschichte und Kunst befindet). Eintrittskarten wurden am Eingang verkauft. Der Ausgang führte durch das sogenannte „Turlein gegen die Stadt“ in den Schloßgarten.
Die Mitarbeiter des Museums leisteten eine rege wissenschaftliche Vermittlungsarbeit: Für Schüler und Heimatforscher fertigten sie Schautafeln mit Fotografien von Bodendenkmälern an, die für die Geschichte Preußens besonders bedeutsam waren, sowie von den bei deren Ausgrabung geborgenen Funden. Fotokopien solcher Tafeln konnte man am Eingang erwerben.
Modellbauer arbeiten im ehemaligen Königsschloss am Modell eines Bauernhauses.
Museumsmitarbeiterinnen im Arbeitszimmer von Wilhelm Gaerte.
In den Kellern des Südflügels, die ebenfalls vom Prussia-Museum genutzt wurden, lagerte ein kleiner Teil seiner archäologischen Bestände (Studiensammlung).
Renaissancedecken in den Räumen des Südflügels und des Eckturms.
Hier waren die Funde, nach archäologischen Fundkomplexen geordnet, mit Inventarnummern-Etiketten versehen, mit Draht auf Kartontafeln befestigt und in Regalen abgelegt. Nach Kriegsende war nur ein geringer Teil der archäologischen Museumsbestände zufällig im Schloss zurückgeblieben; er wurde von uns bei archäologischen Ausgrabungen gefunden.
Der Großteil der einzigartigen Artefakte aus der Museumsausstellung, die Ende August 1944 durch britische Bomben schwer beschädigt worden war, wurde (leider zu spät) im Januar 1945 in das Fort Nr. 3 am äußeren Befestigungsring Königsbergs (heute die Siedlung Sewernaja Gora) ausgelagert. Jahrzehntelang lagen die Funde den Bewohnern des Forts buchstäblich unter den Füßen. Erst um die Jahrtausendwende, 1999–2002, sammelte eine Gruppe Kaliningrader Museumsmitarbeiter unter der Leitung von A. A. Walujew die Reste dieser Sammlung und nahm sie in die Bestände des Kaliningrader Gebietsmuseums für Geschichte und Kunst auf. In dessen Vitrinen haben unsere Zeitgenossen heute die wunderbare Gelegenheit, die von Restauratoren wiederhergestellten Schätze des Prussia-Museums zu betrachten.
Interessanterweise brachten die Deutschen im kalten Winter 1945 zusammen mit den echten archäologischen Funden auch Lehrkopien aus dem Schloss fort, die geschickte Museumshandwerker angefertigt hatten, um sie den jungen Bewohnern des Vorkriegspreußens im Heimatkundeunterricht vorzuführen.
Durch den Eingang 6a gelangte man in das erste Obergeschoss des Südflügels, wo die Städtischen Kunstsammlungen untergebracht waren. Ihre Besichtigung kostete 20 Reichspfennig.
Hier wurden Kunstwerke von der Ordenszeit bis zur Gegenwart gezeigt. Dort war auch eine umfangreiche Bernsteinsammlung zu sehen. In diesen Räumen fanden regelmäßig Ausstellungen statt, die gemeinsam mit der Gesellschaft der Kunstfreunde veranstaltet wurden. Die Kunstausstellung erstreckte sich auch auf den „Unfriedtbau“, der formal zum Ostflügel gehörte.
Nordflügel
Den östlichen Teil des Nordflügels nahm im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss das Landgericht ein. Im westlichen Teil (zur Ordenszeit die Firmarie), dem ältesten der bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts erhaltenen Bauten des Schlosses, war im Erdgeschoss (oder im Keller?) ein Gang zum im 16. Jahrhundert zerstörten Konventshaus erhalten geblieben. Im Obergeschoss dieses Flügels waren seit 1881 in fünf Sälen die Gemälde und sonstigen Exponate des Kunstvereins (später des Städtischen Kunstmuseums) untergebracht. Später zog ein Teil dieser Ausstellung in das erste Obergeschoss des Südflügels und in den „Unfriedtbau“ um.
Den Nordflügel fotografierte man meist von der Hofseite aus, wo sich der Eingang zum „Blutgericht“ und die Turniergalerie befanden.
Interieur des Restaurants „Blutgericht“ mit geschnitzten Fässern und Segelschiffmodellen unter der Decke.
Im Nordflügel verblieb die „Silberbibliothek“, die hier auch während der Kriegsjahre aufbewahrt wurde.
Verglaste Vitrine mit der „Silberbibliothek“ im Raum des Konsistoriums.
Das Staatsarchiv war ebenfalls unter den mittelalterlichen Gewölben des Nordflügels untergebracht.
Laut einem Reiseführer von 1938 kostete der Eintritt in die Ausstellung dieses Flügels 24 Reichspfennig.
Im Turm an der Nordwestecke des Schlosshofs, dem sogenannten Kürschnerturm (Turm des Kürschners), fand nach der Darstellung von Heinrich Lange der deutsche Chirurg Professor Oskar Ehrhardt das Relief „Mann mit Schädel“ (siehe unten), ein Werk von Hans Schenck aus dem Jahr 1550. Ursprünglich befand sich dieses Relief im „Albrechtsbau“ im Ostflügel des Schlosses, wo es das Portal eines Saales mit gefliesten Wänden schmückte. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Relief auf Anordnung des Direktors des Königsberger Schlossmuseums Alfred Rohde in den Raum Nr. 13 im Kürschnerturm gebracht. Angeblich schickte der genannte Chirurg das Relief, das sich vorübergehend im St.-Elisabeth-Krankenhaus befand, 1948 mit einem Lazarettzug nach Deutschland.
Ein Rotarmist, dem man das Relief mitgegeben hatte, verkaufte es in Deutschland an einen Dr. Franke, von dem das Stück 1958 wieder in die Obhut der Verwaltung der Schlösser und Gärten in Berlin gelangte.
Allerdings bleibt unklar, wie ein namenloser Soldat eine solche Rarität an seinen neuen Dienstort mitnehmen und sie ungestraft verkaufen konnte. Wer sich an die Stalin-Zeit erinnert, dürfte ernsthafte Zweifel an der Richtigkeit dieser Version hegen.
Im Nordflügel befand sich eine Ausstellung von Grabbeigabenurnen von der Jungsteinzeit bis zur Mitte des 1. Jahrtausends n. Chr., die in zahlreichen Schränken in einem Saal im dritten Stock aufbewahrt wurden, im Grundriss genau über dem Restaurant „Blutgericht“ (Blütgericht). Zum Urnensaal hatten Besucher keinen Zutritt. Wie sich 1974 die herausragende estnische Archäologin Prof. Dr. Marta Schmiedehelm erinnerte, die Königsberg 1940 besucht hatte, waren diese Urnen die einzige Gattung archäologischer Funde, die im Prussia-Museum ohne die zugehörigen Beigabenkomplexe ausgestellt war.

Relief „Mann mit Schädel“. Holz. Hans Schenck, um 1550.
1943 (?) wurde ein Teil dieser Sammlung (einige Dutzend Gefäße) in die Umgebung von Rastenburg (Kętrzyn, Polen) ausgelagert; heute ist er in Museen in Olsztyn und Warschau zu sehen.
Der Jagdsaal im Nordflügel gehörte dank seiner Ausstattung zu den eindrucksvollsten Räumen.
Die Firmarie des Ordens diente einst als Krankenstube und Siechenhaus.
Die Informationen, die über die Urnensammlung des Museums auf uns gekommen sind, sind ebenso wie die über die ebenfalls im Nordflügel untergebrachten Abteilungen „Volkshandwerk“ und „Bevölkerung und Grenzlandpolitik“ äußerst spärlich. In unmittelbarer Nähe dieser Ausstellung lagen seit 1738 die Räume des historischen Restaurants „Blutgericht“, das die Keller unter dem Nordflügel einnahm, wo der städtischen Überlieferung nach im Spätmittelalter Gericht gehalten und grausame Strafen vollstreckt wurden.
Der letzte Direktor dieses Restaurants war Paul Feyerabend, der im Sommer 1945 bei der Suche nach Kulturgütern mit den damit Beauftragten zusammenarbeitete.
Ostflügel
Seine Räume, die den historischen „Albrechtsbau“ bildeten, der in seiner äußeren Gestaltung Züge des Barocks des 16. Jahrhunderts bewahrt hatte, wurden nach dem Auszug der Verwaltungsbehörden um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zu Ausstellungssälen und damit gewissermaßen selbst zu historischen Exponaten. Dies gilt vor allem für den Fahnensaal, der im 18. und 19. Jahrhundert den preußischen Königen und deutschen Kaisern als Ort für Audienzen und feierliche Empfänge diente. Wie Tilo Eggeling, ein heutiger deutscher Denkmalpfleger, berichtet, wurde 1944 (?) eine beträchtliche Zahl von Gemälden und alten Möbeln aus dem Schloss nach Westen auf Schloss Rheinsberg gebracht, von wo die Wertgegenstände später geplündert wurden und damit unwiederbringlich verloren gingen. Dasselbe Schicksal ereilte auch die Inventarunterlagen zu diesen Kunstwerken.
Unbekannt ist das Schicksal der Unterlagen der Direktion der Städtischen Kunstsammlungen, die in den Kellerräumen des Ostflügels aufbewahrt wurden.
Neben dem Museumskomplex war bis 1944 im Ostflügel das Hochbauamt Ostpreußen untergebracht. Im gegenüberliegenden Westflügel befand sich eine weitere Baubehörde, das Provinzialbauamt.
Im Schloss gab es viele Räume, deren Erscheinungsbild im Mittelalter geprägt worden war. Das gilt vor allem für das zweite Geschoss des Ostflügels, wo die Besucher des Prussia-Museums über dem Albrechtstor das Arbeitszimmer des ersten Herzogs in Preußen, den Thronsaal, den Saal des Schwarzen Adlerordens („Adlersaal“), den Saal der Hohenzollerndynastie („Ahnensaal“) und das Geburtszimmer König Friedrichs I. besichtigen konnten. Im Nordflügel waren bis 1944 das Hochmeisterzimmer, die St.-Annen-Kapelle und die Schlossküche für Besucher geöffnet.
Der Ostflügel des Königsberger Schlosses bestand aus dem „Unfriedtbau“ (links) und dem „Albrechtsbau“ mit dem gleichnamigen Tor. Das Denkmal des ersten preußischen Herzogs stand ursprünglich daneben.
Sein ursprüngliches mittelalterliches „Gesicht“ bewahrte auch der Haberturm (Haberturm), der sich an der Ecke von Ost- und Nordflügel erhob (siehe oben).
Die Fenster des „Kachelsaals“ gingen auf den Schlosshof hinaus.
Der „Ahnensaal“ des Königsberger Schlosses.
Von Südosten schloss sich an den Ostflügel der „Unfriedtbau“ (Unfriedtbau) an. Hier wurde während des Zweiten Weltkriegs in der Beletage (dem hohen Erdgeschoss) im Raum Nr. 36 eine Ausstellung über das Schaffen des ostpreußischen Malers Lovis Corinth eröffnet, in der sechzehn seiner Werke zu sehen waren. Zur Ausstattung dieses Raumes gehörten Bronzeplastiken von Edwin Scharff. Ebenda, im Saal Nr. 37, wurden 1942–1944 (möglicherweise auch noch Anfang 1945) die Paneele des Bernsteinzimmers gezeigt. Alle oben genannten Ausstellungen gehörten zu den Städtischen Kunstsammlungen.
Anfang April 1945 befand sich im Erdgeschoss des „Unfriedtbaus“ ein Sanitätspunkt eines Volkssturmbataillons. Reste seiner Ausrüstung wurden in den Ruinen dieses Schlossteils sowohl 1967–1969 als auch bei den Ausgrabungen im Winter 2006 gefunden.
Wie A. Orlow und E. Storoschenko in ihrem Buch schreiben, hisste Paul Feyerabend, der letzte Direktor des historischen Restaurants „Blutgericht“, am Morgen des 10. April 1945 an der Südfassade des Schlosses und in dessen Hof weiße Fahnen.
Einige Dutzend entkräftete Verteidiger des Schlosses, die nicht durch die unterirdischen Gänge hatten entkommen können (andere Wege, einen der letzten Stützpunkte der „Festung“ Königsberg zu verlassen, waren abgeschnitten), schleppten sich zur Gefangenensammelstelle im Gebäude der „Reichsbank“ (der Vorburg des Schlosses).
Die erste Flüchtlingswelle aus dem belagerten Königsberg zog im Januar bis März 1945 nach Westen. Die zweite bildeten die von Stalin deportierten Einwohner – angeblich auf einen Rat hin, den ihm auf der Konferenz von Jalta im Sommer 1944 der weitsichtige Churchill gegeben hatte, der schon damals den Grundstein für einen Markt qualifizierter Arbeitskräfte im Nachkriegs-Westdeutschland legte –, die 1947–1948 in die späteren Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg gelangten. Allen diesen Leidgeprüften, die wie durch ein Wunder überlebt hatten, blieb als heiliges Bild ihrer preußischen Heimat für immer die Silhouette des stolz in den Himmel ragenden spitzen Turms des Königsberger Schlosses im Gedächtnis. Am 28. Mai 1955 nahmen an der 700-Jahr-Feier der ersten preußischen Hauptstadt in Duisburg rund 25 000 ehemalige Königsberger teil. In der Lotharstraße sahen sie voller Staunen ein aus Sperrholz ausgesägtes und bemaltes Modell des südwestlichen Schlossteils, das zum Symbol ihrer Heimatstadt geworden war. 1968 wurde in Duisburg bei der Stadtgemeinschaft Königsberg das Stadtmuseum „Haus Königsberg“ gegründet, das bis heute [Stand 2008 – Anm. d. Red.] unter der ununterbrochenen Leitung von Lorenz Grimoni besteht.
Für dieses Museum fertigte Horst Dühring Anfang der 1990er Jahre ein Modell des Westflügels des Schlosses im Zustand des 18. Jahrhunderts an.

Modell des Königsberger Schlosses in Duisburg (1953).
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Im Jahr 2008 erschien im Kaliningrader Verlag „Schiwjom“ das Buch „Geschichte des Königsberger Schlosses“ von Prof. Dr. habil. Wladimir Iwanowitsch Kulakow, das heute vollständig auf der Website Prussia.Online zum Herunterladen zur Verfügung steht. Mit Genehmigung des Autors veröffentlichen wir ausgewählte Kapitel daraus.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

