Ohne Zweifel war unser Zoo einer der schönsten im Land. Zwar war die Tiersammlung nicht besonders groß, doch das Gelände selbst war ein prächtiger Park, vor allem dank des Baches und der tiefen Schlucht.
Als der Tiergarten 1896 eröffnet wurde, war eine seiner Hauptattraktionen – gartenkünstlerisch wie architektonisch – der Aussichtsturm, verkleidet mit weißen und rosafarbenen „Marmor“-Platten. Natürlich war das nur eine schöne Illusion, denn er war aus Holz gebaut, doch er stand sehr lange, und solange er dem Publikum offenstand, bot er einen herrlichen Rundblick auf Königsberg und die umliegenden Wälder, Felder, Seen und Flüsse.
Der Blick aus der künstlichen Tropfsteingrotte unter dem Turm auf den Teich und die Hauptallee entlang war wahrhaft bezaubernd.

Über die Hauptallee, die sich vor dem Teich nach Osten und Westen verzweigte, zog unablässig ein Strom von Besuchern. Die Kinder drängten sich um die Käfige, und die kaffeedurstigen Erwachsenen kamen an unzähligen Tischen vor dem Hauptrestaurant und dem Café Benther – später Café Liedtke – unter den Klängen der Musik zu ihrem ersehnten Getränk.
So war unser geliebter Tiergarten kein gewöhnlicher Zoo (ein nachträgliches Bravo dafür!), und eine stille Idylle konnte man ihn wohl kaum nennen!
Allenfalls das Vogelhaus am Teich hätte diesem Beiwort entsprochen; denn wenn man an einem frühen Frühlingsmorgen seinen hellen gläsernen „Tempel“ betrat, mit Tausenden violetter Glyzinien, die von der Decke herabhingen, konnte man das Gesehene gewiss eine Idylle nennen. Doch auch hier herrschten keineswegs Stille und Ruhe – das Zwitschern, Singen, Kreischen und Trillern war laut genug, um selbst die verhärtetsten Herzen zu erweichen.
Doch nicht das Vogelhaus meine ich, wenn ich sage, dass es im Tiergarten einen stillen Winkel gab – ich möchte Ihnen vom „Flamingowinkel“ erzählen, wie wir ihn immer nannten.

Man erreichte ihn vom Café Bender aus. Der „Flamingowinkel“ lag auf einer schön geschwungenen schmalen Halbinsel, die beim Aussichtsturm in den Teich hineinragte. An ihrem Ende standen ein kleiner hölzerner Aussichtspavillon und einige Bänke. Hier konnte man in friedvoller Umgebung sitzen und in aller Bequemlichkeit die edlen Vögel beobachten oder einfach die Silhouette des Turms genießen.
Die zahlreichen Flamingos wanderten gedankenverloren und lautlos an den Teichufern umher, ohne jede Scheu vor den Menschen, kamen oft an den Pavillon heran und musterten die dort sitzenden Besucher aufmerksam mit ihren blassgelben Augen, ohne je aufdringlich zu werden. Sie kannten weder Angst noch Aufregung; sie waren die Verkörperung der Ruhe und wirkten dabei doch nicht so philosophierend langweilig wie der kahlköpfige Marabu. Dazu kamen ihr erlesen schönes blassrosa Gefieder, der Anblick ihrer anmutig gebogenen Hälse und, nicht zuletzt, ihr bewundernswertes Betragen.
So war an diesem Ort selbst der zornigste und ungehobeltste Mensch gezwungen zu schweigen, und schon deshalb durfte man den „Flamingowinkel“ mit Recht zu den angenehmsten Orten Königsbergs zählen.
Was ist aus euch geworden, ihr friedlichen Bewohner des Nils?
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

