/ Tschernjachowsk – Insterburg

Tschernjachowsk (Insterburg)

Tschernjachowsk (Insterburg)

Oberleitungsbus in der Hindenburgstraße (ul. Lenina) auf dem Weg vom Alten Markt zum Hauptbahnhof.

Insterburg wird 1311 vom Chronisten Wigand von Marburg als Insterbang oder Insterberg erwähnt, und zwar als Sitz eines Ordenspflegers. Vermutlich war damit der Verwalter der künftigen Burg gemeint, denn mit deren Bau wurde erst 1336 unter Hochmeister Dietrich von Altenburg (gest. 1341) begonnen. Die Burg entstand am Ufer der Angerapp, wurde jedoch nach dem benachbarten Fluss Inster benannt, da es bereits eine Burg gab, deren Name auf die Angerapp verwies – Angerburg (Węgorzewo, Polen).

Wappen

von Insterburg


Nach Abschluss der wichtigsten Bauarbeiten bildete die Burg Insterburg eine für eine Komturburg des Deutschen Ordens klassische vierflügelige Anlage von beachtlichen Ausmaßen (45 x 44 m). Im westlichen Teil schloss sich eine ausgedehnte Vorburg (50 x 100 m) an. 1339 wurde Insterburg Sitz einer Komturei. Zwei ihrer Komture sind bekannt: Heroldus in den Jahren 1339–40 und Erhard Kulling 1343–46. 1347 wurde Insterburg zur Pflegerei herabgestuft und der Komturei Königsberg unterstellt. Der Grund war offenbar folgender: Obwohl Insterburg am Kreuzungspunkt wichtiger Wasser- und Landwege lag, konnte es sich nicht selbst mit allem Notwendigen (Proviant, Waffen, Gerät usw.) versorgen, wie es die Gesetze des Ordens vorschrieben.

Insterburg auf einem Stich von Christoph Hartknoch, 17. Jh.Ansicht Insterburgs von Norden. Stich von Christoph Hartknoch (17. Jh.).

Das von der Burg aus kontrollierte Gebiet war nur dünn besiedelt. Daher ließ sich auf der Burg nicht das Kontingent an Ordensrittern und Mönchen, Halbbrüdern und Fußknechten unterhalten, das für den Status einer Komturei erforderlich war.

Karte des Zentrums von InsterburgKarte der Sehenswürdigkeiten von Insterburg (1923).

Insterburg diente den Ordensheeren als Zwischenstation auf ihren Kriegszügen nach Litauen. Daneben betrieb man hier Pferdezucht: Nachrichten über ein Gestüt stammen aus dem Jahr 1374. Zu diesem Zweck wurde neben der Burg das Ordensgut Althof-Insterburg (Portowoje) gegründet, dessen Aufgabe eben die landwirtschaftliche Produktion für den Bedarf des Ordens war.

Die Burg Insterburg wurde wiederholt von litauischen Fürsten angegriffen. Erstmals standen die Litauer bereits 1347 vor ihren Mauern. Der nächste Angriff unter der Führung des Fürsten Kęstutis folgte 1366.

Zur selben Zeit reisten Ordensmarschall Henning Schindekopf und der Insterburger Pfleger Heinrich von Schenningen nach Litauen, um mit eben diesem Kęstutis zu verhandeln. Doch selbst der geschwächten Besatzung gelang es, die Burg zu halten. Die Litauer verwüsteten zwar die Umgebung und nahmen 50 Christen gefangen, Insterburg selbst konnten sie jedoch nicht einnehmen. Bereits 1367 drang Kęstutis dann mit einem Überraschungsangriff in die Burg Insterburg ein und brannte sie nieder. Neun Jahre später, 1376, eroberten die Litauer Insterburg erneut und steckten es in Brand, wahrscheinlich unter der Führung von Skirgaila, einem Sohn Algirdas'. Nach jedem Angriff wurde die Burg wieder aufgebaut und ihre Befestigungen wurden dabei stets weiter verstärkt. Ende des 14. Jh. war sie die wichtigste rückwärtige Basis des Ordens für die Feldzüge nach Litauen. An diesen nahm wiederholt auch die Insterburger Besatzung selbst teil, angeführt vom Pfleger.

Burg InsterburgBurg Insterburg. Rechts das Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Ulanen des Litthauischen Ulanen-Regiments Nr. 12 aus Insterburg (eingeweiht 1924, in den 1950er-Jahren zerstört, 2006 wiederhergestellt).

1402 schlossen Hochmeister Konrad von Jungingen und der litauische Fürst Vytautas auf der Burg Insterburg einen Vertrag über einen gemeinsamen Krieg gegen den polnischen König Jagiełło. Bald darauf brach Vytautas den Vertrag jedoch, und schon 1403 wurde ein weiterer Angriff der Litauer auf Insterburg abgewehrt.

Burg Insterburg

Die Burg Insterburg gehörte zur zweiten Befestigungslinie hinter den Burgen an der Memel und diente als Umschlagbasis. Im 14. Jh. empfing sie daher verschiedene namhafte Gäste des Ordens. 1367 weilte hier Butautas, ein Sohn des Kęstutis, der sich zuvor hatte taufen lassen und auf die Seite der Deutschordensritter übergetreten war. 1377 besuchte der österreichische Herzog Albrecht III. (1349–95) Insterburg. 1390 hielt sich Heinrich von Derby, der spätere König Heinrich IV. von England, in Insterburg auf.

Nach der Niederlage des Ordens im Großen Krieg (1410–11) verlor Insterburg seine frühere militärische Bedeutung als Stützpunkt in Nadrauen. Etwa um diese Zeit entstand an den Mauern der Burg eine Siedlung, die später einen eigenen Wall mit Palisade erhielt.

Während des Dreizehnjährigen Krieges (1454–66) wurde die Burg Insterburg 1457 offenbar von den Polen und den Anhängern des Preußischen Bundes eingenommen und niedergebrannt. Einzelheiten dieser Ereignisse haben in den Urkunden allerdings keinen Niederschlag gefunden.

Nach der Säkularisierung des Deutschen Ordens 1525 wurde Insterburg Sitz eines Hauptamtes, dem 13 umliegende Schulzenämter unterstanden.

Erster Hauptmann des Hauptamtes Insterburg war 1525–45 Johann Pein. Am 12.03.1541 erhielt die Siedlung bei der Burg, die in der Urkunde Sparge genannt wird, das Marktrecht. Zugleich wurde das Dorf in Inster umbenannt. Später ließen der Kammerrat Caspar von Nostitz (1500–1588) und der Starost Konrad von der Albe den Strauchmühlenteich (Werchni) für die Karauschenzucht anlegen und an ihm eine zweite Mühle, die Strauchmühle, errichten. Bis 1565 stieg die Zahl der Krüge in Inster auf fünf. Am 25.07.1572 wurden der Siedlung, die damals wie die Burg bereits Insterburg hieß, unter Herzog Albrecht Friedrich einzelne städtische Privilegien verliehen.

Ansicht Insterburgs vom MühlenbergAnsicht Insterburgs vom Mühlenberg (Stich, 19. Jh.).

Am 10. Oktober 1583 schließlich erhielt Insterburg das Kulmer Stadtrecht (einschließlich Wappen und Siegel). Verliehen wurde es von Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg, der damals Regent für Herzog Albrecht Friedrich war.

Ansicht Insterburgs von OstenUfer der Angerapp südöstlich des Stadtzentrums (Ausschnitt einer Lithographie, 19. Jh.).

Gemäß dem Vertrag wurden die 100 zugeteilten Hufen Land (ca. 1700 ha) wie folgt aufgeteilt: 15 Hufen standen den fünf Krügen zu, 4 Hufen dem Pfarrer und 2 Hufen dem Hospital. 20 Hufen und 4 Morgen dienten als Viehweide und Waldland, 58 Hufen und 26 Morgen waren für Güter bestimmt. Felder und zusätzliche Bauflächen mussten sich die Bürger durch Rodung des Waldes selbst schaffen. Der Stadt wurden ein Wappen mit den Initialen des Markgrafen Georg Friedrich, ein Siegel, eine Satzung und die Gerichtsbarkeit verliehen. Einmal im Jahr durfte ein Jahrmarkt abgehalten werden, jeder Sonntag war Markttag. Der Vertrag mit Insterburg verpflichtete die Stadtverwaltung außerdem, Wege, Uferstraßen und Anlegestellen in mustergültigem Zustand zu halten. Hölzerne Straßenpflaster und Brücken sollten durch steinerne ersetzt werden. Der Fischfang in der Angerapp war eine Meile unterhalb und oberhalb der Stadt erlaubt. Die Stadt sollte eine Holzdarre, eine Ziegelei sowie Lebensmittel- und Warenläden errichten. Es gab auch recht ungewöhnliche Bestimmungen, etwa das Verbot von Handmühlen und die Pflicht, sämtliches Getreide in der Schlossmühle mahlen zu lassen. Am 06.11.1583 wurde der Stadt Insterburg zudem das Ackerland Schweispau übergeben, das später den Namen Sprindt erhielt (Gegend der heutigen uliza Tschernjachowskogo).

1590, sieben Jahre nach der feierlichen Verleihung der Stadtrechte, wurde Insterburg von einem verheerenden Brand heimgesucht. Dabei brannten 140 von 149 Häusern nieder, Kirche, Schule und Pfarrhaus blieben allerdings verschont. Insterburg wurde danach jedoch recht schnell wieder aufgebaut. 1610 entstand hier ein Rathaus.

1610–12 wurde ein neues Gebäude der Lutherkirche errichtet. 1638 wurde sie mit Apostelbildern geschmückt. Außerdem befand sich in der Kirche ein prächtiger Brunnen mit einer Darstellung des harfespielenden Königs David. Anfang des 17. Jh. wurde unter Burggraf Fabian zu Dohna (gest. 1631) in Insterburg eine Schützengilde gegründet. Das Wirken Fabians zu Dohna wirkte sich zwar günstig auf die Entwicklung der Stadt aus, doch gerieten die Bürger mit dem Burggrafen wegen seines calvinistischen Bekenntnisses in Konflikt. Dies führte schließlich zu seiner Abberufung aus Insterburg. Unter dem neuen Amtshauptmann Graf Wolf Heinrich Truchsess von Waldburg wurden alle Ländereien des Hauptamtes Insterburg sowie die Stadt selbst topografisch vermessen.

Der Insterburger Alte MarktBlick auf die Lutherkirche über den Alten Markt. Mitte des 19. Jh.

Im Laufe des Jahres 1632 war Insterburg vorübergehend Residenz des Herzogs und Kurfürsten Georg Wilhelm (1895–1640).
Bogenbrücke (erhalten) über die Angrapa.
Lutherische Kirche (nicht erhalten). Foto Anfang des 20. Jh.

Am 24.12.1642 brach die verwitwete Königin von Schweden, Maria Eleonora von Brandenburg (1599–1655), eine Schwester Herzog Georg Wilhelms, von Dänemark nach Insterburg auf. Dort traf sie jedoch erst im Sommer 1643 ein und lebte in der Stadt bis 1648.

Bemerkenswert ist, dass Insterburg trotz seiner geografischen Schlüssellage nie eine eigene Stadtmauer erhielt. Auch ein Bastionsgürtel, wie er für europäische Städte jener Zeit typisch war, wurde nicht angelegt. So konnten feindliche Heere in den Kriegen des 17. Jahrhunderts mühelos in die Stadt eindringen.

Die gesamte Stadtbefestigung bestand aus Toren an den Hauptzufahrten. Erwähnt werden fünf Tore: Goldap-Tor, Scweinertor, Ziegeltor, Burgtor (auch Königsberger Tor genannt) und Tilsit-Tor. Sie wurden nachts geschlossen, waren aber eher symbolische Schutzzeichen als echte Befestigungsanlagen.

Einen gewissen Schutz durch Wall und Graben besaß nur die Burg Insterburg. Doch auch sie wurde in den allerletzten Dezembertagen 1688 eingenommen, während des Feldzugs der schwedischen Armee unter Feldmarschall Henrik Horn (1618–93) gegen Königsberg.

Am 14.05.1697 zog die Große Gesandtschaft aus Russland durch Insterburg. Entgegen einer verbreiteten Annahme war Zar Peter I. damals nicht hier – er reiste von Libau auf dem Seeweg nach Königsberg.

Renaissancehäuser am Alten Markt in InsterburgBarockes Architekturensemble an der Ecke Alter Markt und Pregelstraße (rechts).

Renaissancefassade mit barockem Anbau.

Peter I. kam dennoch auf der Durchreise nach Insterburg, allerdings erst am 28.–29. November 1709, als er hier beim Postmeister Dönitz Quartier nahm.

Häuser am Alten Markt

Wie viele andere preußische Städte litt Insterburg schwer unter der Pest, die 1709–10 hier wütete. 1711 vernichtete dann eine Heuschreckenplage die Ernte auf den Feldern rings um die Stadt. Aus Futtermangel ging damals 3/4 des Viehbestands zugrunde. Den Bevölkerungsverlust infolge dieser Katastrophen glich teilweise das Programm zur Ansiedlung religiöser Flüchtlinge aus ganz Europa aus, das König Friedrich Wilhelm I. vorantrieb.

1723 wurde zwischen Angerapp und Inster ein schiffbarer Kanal gegraben, der die Stelle ihres Zusammenflusses verlegte. Im selben Jahr zog in die Burg Insterburg das „Hofgericht zu Insterburg“ ein – die höchste Gerichtsinstanz Ostpreußens, die im Zuge einer erneuten Reform des Justizwesens geschaffen worden war.

Während des Siebenjährigen Krieges (1756–63) zog die Armee des Generalfeldmarschalls S. F. Apraxin (1702–58) durch Insterburg. Am 19.08.1757 vereinigte sich bei Insterburg Apraxins Hauptarmee mit der Armee des Generals en chef Wilhelm von Fermor (1702–1771).

Im Krieg der Vierten Koalition (1806–07) rückte ein 12.000 Mann starkes Korps der napoleonischen Armee unter Marschall Michel Ney (1769–1815) in Insterburg ein, das die nach der Schlacht bei Friedland (02.07.1807) zurückweichende russische Armee verfolgte. In Insterburg führten die Franzosen umfangreiche Requisitionen von Lebensmitteln und Vieh für den Bedarf der Armee durch. Außerdem besetzten sie die Burg und richteten darin ein Armeelazarett mit 200 Betten ein.

Pregelstraße - Uliza PregelnajaSpritzenstraße (Uliza Wodoprowodnaja).

Nach dem Frieden von Tilsit fanden in Insterburg in der Zeit der preußischen Reformen 1809 nach der neuen Städteordnung die ersten Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung statt.

Hindenburgstraße in InsterburgHindenburgstraße – südlich der Lutherkirche (Uliza Lenina).

1809 zählte die Stadt 396 Häuser, in denen 759 Familien lebten. Eine durchschnittliche Insterburger Familie bestand damals aus sechs Personen.

Napoleons Armee zog 1812 noch zweimal durch Insterburg: vom 7. Juni bis 15. Juli auf dem Marsch an die Grenzen des Russischen Reiches und auf dem Rückzug aus Russland vom 14. bis 24. Dezember. Den Franzosen auf den Fersen rückten am 23.12.1812 die vorderen Kosakenabteilungen der russischen Armee in Insterburg ein.

1818 wurde Insterburg im Zuge der neuen Verwaltungsgliederung Preußens Sitz eines Kreises.

1821 wurde in der Stadt ein landwirtschaftlicher Zentralverein gegründet. 1827 eröffnete eine Schule nach dem System des Schweizer Pädagogen Pestalozzi. Das wichtigste Ereignis für Insterburg war 1860 die Aufnahme des Verkehrs auf der Preußischen Ostbahn, deren Züge von Berlin bis zur russischen Grenze in Eydtkuhnen (Tschernyschewskoje) fuhren. 1861 eröffnete in Insterburg das Sägewerk von Karl Braunschweig. 1863 nahm eine Leinenweberei den Betrieb auf. 1865 wurde die Bahnstrecke Tilsit–Insterburg (Sowetsk–Tschernjachowsk) eröffnet, womit sich Insterburg zu einem Eisenbahnknotenpunkt zu entwickeln begann. Am 16.01.1871 wurde die Strecke Insterburg–Gerdauen (Tschernjachowsk–Schelesnodoroschny) in Betrieb genommen. Bis 1873 wurde sie bis Thorn (Toruń, Polen) verlängert.

Kreishaus InsterburgDas Insterburger Kreishaus wirkte wie ein wohlgenährter Bürger.

1871 umfasste der Gemeindebezirk Insterburg neben der Stadt selbst noch 17 Ortschaften und Objekte mit gleichem Status.

Wiener CaféDas Wiener Café war eine Zierde der Stadt.

Dazu gehörten die Güter Albertshof (Tschernjachowsk, Uliza Tschapajewa), Drebolienen (seit 1938 Insterburg-Drebplienen, 54°34'46'' N 21°51'09'' O), Eckertshöfchen (seit 1895 Eckertshof, Tschernjachowsk, Uliza Kurtschatowa), Eichenthal (54°36'33'' N 21°51'41'' O), Grünhof (Tschernjachowsk, Kaliningradskoje Schosse 20, 22), Hermannshof (Tschernjachowsk, Uliza Pobedy 54), Heinehof, Heinsterbruch (54°36'46'' N 21°51'03'' O), Janzonsruh (Jarki), Johannsthal (54°36'36'' N 21°46'00'' O), Sprindt (Tschernjachowsk, Uliza Tschernjachowskogo) und Tannenhof (heute Teil von Tschernjachowsk); ferner das Waldhaus Drebolienen (54°35'05'' N 21°51'58'' O), die Bahnhöfe Tilsiter und Eydtkuhner, die Strafanstalt (Tschernjachowsk, Uliza Prigorodnaja) und die Abdeckerei (54°36'36'' N 21°46'48'' O). Außerdem gehörten der Stadt fünf Ziegeleien und 10 Bahnwärterhäuser an den Eisenbahnstrecken.

Insgesamt zählte der Gemeindebezirk 646 Wohnhäuser, in denen 2635 Familien und 199 Alleinstehende lebten.

Davon entfielen auf Insterburg selbst 544 Wohnhäuser; auf die Vorortgüter: Albertshof – 2 Häuser, Drebolienen – 2, Eckertshöfchen – 3, Eichenthal – 4, Grünhof – 3, Hermannshof – 4, Heinehof – 2, Heinsterbruch – 3, Janzonsruh – 2, Johannsthal – 1, Sprindt – 4, Tannenhof – 1; den Insterburger Bahnhöfen gehörten: Tilsiter – 1 Haus, Eydtkuhner – 7 Häuser; 1 Haus gehörte zum Waldhaus Drebolienen, 7 zur Strafanstalt, 1 zur Abdeckerei. Darüber hinaus wurden 38 Häuser den abgelegenen städtischen Höfen zugerechnet, 6 gehörten den fünf Ziegeleien, und 10 entfielen auf die Eisenbahninfrastruktur (Bahnwärterhäuser).

Pferderennbahn InsterburgDie Insterburger Pferderennbahn wurde kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs eröffnet.

Denkmal des Trakehner Pferdes auf der Insterburger Pferderennbahn

1876 wurde die Burg Insterburg zur Unterbringung des Ulanen-Regiments Nr. 12 umgebaut.

Stadion und TennisplätzeBlick auf das Stadion und die Tennisplätze aus der Vogelperspektive.

Später entstanden auch an der Straße von der Burg zum Gut Althof-Insterburg (Portowoje) Kasernen. Die Insterburger Garnison wurde die zweitgrößte nach Königsberg (bezogen auf das Gebiet, das nach dem Zweiten Weltkrieg an die Oblast Kaliningrad fiel).

1878 wurde die Bahnstrecke Insterburg–Goldap (Gołdap, Polen) gebaut, was die Bedeutung der Stadt als Eisenbahnknotenpunkt erneut steigerte. In den 1880er-Jahren begann der Bau der Neustadt. Heute ist das die Gegend um die Straßen Gospitalnaja, Suworowa, Toljatti, Sadowaja und Telmana. Im Zentrum der Neustadt, auf dem Markgrafenplatz, errichtete der Architekt Friedrich Adler (1827–1908) im Jahr 1890 die Reformierte Kirche, die zugleich auch Garnisonkirche wurde. 1902 erhielt auch die örtliche katholische Gemeinde ein neues Gotteshaus – die St.-Bruno-Kirche (Arch. Friedrich Heitmann, 1853–1921).

1887 wurde in Insterburg ein Kreismarkt für Obst und Gemüse eingerichtet. Dank dieses Marktes wurden die Erzeugnisse aus den Obst- und Gemüsegärten des Kreises Insterburg weit über dessen Grenzen hinaus verkauft.

Und schon 1889 belegten Sortenäpfel aus Insterburg auf einer Ausstellung in Stuttgart den ersten Platz.

1890 wurde die Brauerei Deutsches Brauhaus Bruhn & Fröse gegründet.

1889–93 wurde in Insterburg der Bau von Kasernen für Armeeeinheiten fortgesetzt. Diesmal entstanden Infanteriekasernen an der Straße nach Alt Kamswicken (heute ul. Gagarina). 1892–1900 wurden hier auch Kasernen für die Artillerie gebaut und 1913–14 außerdem für Jägereinheiten.

PestalozzischulePestalozzischule.

Am 25.06.1900 wurde die Insterburger Kleinbahn AG gegründet. Ihre Gründer waren die preußische Regierung, die Provinzialverwaltung Ostpreußen, die Verwaltungen der Kreise Insterburg, Niederung, Ragnit (Neman) und Tilsit (Sowetsk) sowie die Eisenbahnbaufirma „Lenz & Co“.

Insterburger KleinbahnKleinbahn – betrieben von der Aktiengesellschaft Insterburger Kleinbahn AG.

Aufgabe der neu gegründeten Aktiengesellschaft war der Bau eines Netzes lokaler Schmalspurbahnen. Die ersten beiden Strecken wurden am 01.08.1902 eröffnet. Sie begannen an einem eigens dafür in Insterburg errichteten Kleinbahnhof. Die eine führte nach Trempen (Nowostrojewo) und war 32,2 km lang. Auf sie traf eine Abzweigung von Warnascheln (54°25'21'' n. Br. 21°44'51'' ö. L.) nach Albrechtau (Aljoschkino), die später bis Piontken (Kasatschje) verlängert wurde. Diese Strecke war 10,2 km lang. Die zweite Strecke führte nach Kraupischken (Uljanowo). Ihre Länge betrug 38 km. In Moulienen (Michailowka) konnte man auf ihr in einen Zug nach Ragnit (Neman) umsteigen. Diese Strecke war 28,5 km lang. Bald darauf, am 12.11.1902, wurden die 39,3 km lange Strecke von Insterburg nach Groß Skaisgirren (Bolschakowo) und die Abzweigung Juckeln – Mehlauken (Buchowo–Salessje) mit 21,7 km eröffnet.

Der Bau der Kleinbahn steigerte die Rolle Insterburgs erheblich – sowohl als Verkehrsknotenpunkt als auch als Industrie- und Handelszentrum für die landwirtschaftlichen Erzeuger aus den umliegenden Kreisen.

Am 01.09.1909 wurde eine weitere Strecke von Luxenberg (auf dem heutigen Gebiet von Tschernjachowsk, 54°38'56'' n. Br. 21°50'01'' ö. L.) zum Bahnhof am Pregeltor (Tschernjachowsk, ul. Oktjabrskaja 1) eröffnet. Anfangs diente auch sie dem Personenverkehr, später wurde sie ausschließlich für den Güterverkehr genutzt.

Am 01.05.1901 wurde die Stadt Insterburg aus dem Kreis Insterburg ausgegliedert und bildete einen eigenständigen Stadtkreis. Der verbleibende Teil des Kreises Insterburg wurde entsprechend zum Landkreis.

1913 endete in Insterburg der Langstreckenflug des deutschen Luftfahrtpioniers Alfred Friedrich (1891–1968) auf der Route Berlin–Schneidemühl–Königsberg–Insterburg. Friedrich ging in die Geschichte der Luftfahrt ein, weil er die Kunstflugfigur des Trudelns erfand. Dieses Ereignis steigerte die Beliebtheit der Luftfahrt in der Stadt, und 1914 wurde am Stadtrand von Insterburg der erste Flugplatz angelegt.

Parade russischer Truppen auf dem Alten MarktParade russischer Truppen auf dem Alten Markt am 5. September 1914.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs lag Insterburg in der Hauptstoßrichtung der 1. russischen Armee unter P. K. Rennenkampf. Nach der Niederlage in der Schlacht bei Gumbinnen (20.08.1914) traten die deutschen Truppen den Rückzug an, sodass bereits am Morgen des 24.06.1914 russische Kavallerievorausabteilungen in Insterburg einrückten.

Russische Soldaten in den Straßen InsterburgsRussische Soldaten in den Straßen Insterburgs.

Hervorgehoben wird das vorbildliche Verhalten der Besatzungstruppen in der Stadt – im Grunde ging hier das gewohnte Leben weiter, alle Betriebe und Einrichtungen arbeiteten, und die städtische Verwaltung leitete der von Rennenkampf eingesetzte deutsche Gouverneur Dr. M. Bierfreund. Die russische Armee verließ Insterburg am 11.09.1914 im Zuge des allgemeinen Rückzugs.

Während des Ersten Weltkriegs wurde das Netz der Insterburger Kleinbahn um zwei Strecken erweitert. Die erste, 14,3 km lang, wurde am 27.03.2015 eröffnet und führte von Kauschen (heute Teil von Perelesnoje) nach Wirbeln (Schaworonkowo). Die zweite, 26 km lang, wurde am 26.06.1917 in Betrieb genommen und verband Warnascheln mit Nordenburg (Krylowo). Ebenfalls 1917 nahm im Gebäude der Brauerei Bruhn & Fröse eine Drahtfabrik den Betrieb auf. Dort war auch eine kleine Wurstfabrik untergebracht.

Nach dem Krieg wurden in Insterburg trotz der allgemeinen Wirtschaftskrise in Deutschland mehrere bedeutende Vorhaben verwirklicht.

Es entstand eine Pferderennbahn von Weltrang, die nicht nur Reitsportwettbewerben diente, sondern auch der Förderung der Trakehner Pferderasse. Bekannt wurde die Rennbahn vor allem dadurch, dass sie der deutschen Olympiamannschaft im Reitsport vor den Olympischen Spielen 1936 als Trainingsstätte diente.

1921 wurden Arbeiten zur Anlage eines Schifffahrtskanals durchgeführt. Er wurde am 17.09.1926 eröffnet. Im Schloss Insterburg zogen anstelle des Ulanenregiments Polizeidienststellen und ein Museum ein. 1926 erwarb die Stadt den Flugplatz, auf dessen Grundlage der Insterburger Luftfahrtverein „Altpreußen“ gegründet wurde. Unter der Leitung des Architekten H. Kaufmann begann in Insterburg die Landschaftsgestaltung – es wurden städtische Parks und Grünanlagen angelegt. Außerdem setzte die städtische Bebauung im Bereich des Gutes Sprindt (ul. Tschernjachowskogo) ein.

Obus am Schloss InsterburgObus am Schloss Insterburg.

Am 27.11.1936 wurde Insterburg zur ersten Stadt Deutschlands, in der ein Obusverkehr aufgenommen wurde. Im selben Jahr wurde ein neues Rathaus gebaut.

Eisbahn auf dem Oberen See (Gawehnscher Teich)Eisbahn auf dem Oberen See (dt. Gawehnscher Teich).

Bis 1940 gab es in Insterburg sieben Obuslinien mit der Zentralstation auf dem Alter-Markt-Platz (pl. Lenina).

Mit Stand von 1939 umfasste die Gemeinde Insterburg außer der Stadt selbst: Albertshof, Insterburg-Amalienhof, Insterburg-Bärenrode (54°36'07'' n. Br. 21°49'41'' ö. L.), Insterburg-Drebolienen, Insterburg-Eckertshof, Insterburg-Gut Eichenthal, Insterburg-Grünhof, Insterburg-Georgenhorst, Insterburg-Herrmannshof, Insterburg-Heinehof, Insterburg-Jakobsruh, Insterburg-Janzonruh, Insterburg Johannisthal (54°36'37'' n. Br. 21°45'59'' ö. L.), Vorwerk Kammershof, Insterburg-Köhlershof, Insterburg-Nehmsdorf (bis 1939 Abbau Nehm, 54°36'51'' n. Br. 21°45'46'' ö. L.), Insterburg-Pätsch, Insterburg-Strauchmühle, Insterburg-Tannenhof, Insterburg-Sprindt und die Insterburger Rennbahn.

Für Insterburg begann der Zweite Weltkrieg am 23.06.1941.

An diesem Tag flogen 17 Maschinen des 46. Schnellbomber-Fliegerregiments (Major M. I. Senkow, 1904–41) der Roten Armee einen Angriff auf Insterburg und Gumbinnen. Alle Flugzeuge, einschließlich der Maschine des Kommandeurs, wurden von der gegnerischen Luftabwehr abgeschossen, überwiegend von Jagdflugzeugen. Über Zerstörungen in Insterburg liegen keine Angaben vor, in Gumbinnen dagegen wurden mehrere Gebäude zerstört und beschädigt.

Der Flusshafen von InsterburgDer Hafen von Insterburg war der Endpunkt der Schifffahrt auf dem Pregel.

Im Verlauf der Ostpreußischen Operation der Roten Armee (zu der auch die Insterburg-Königsberger Angriffsoperation gehörte) geriet Insterburg in den Angriffsstreifen der 3. Weißrussischen Front.

Im Hafen von InsterburgIm Hafen von Insterburg.

Am Vortag hatte die 39. Armee (Generalleutnant I. I. Ljudnikow, 1902–76) die Front nördlich von Insterburg durchbrochen. Um diesen Erfolg auszubauen, wurde die kampfstärkste Armee der Front in das Gefecht geführt – die 11. Gardearmee (Generaloberst K. N. Galizki, 1897–1967). Der Sturm auf Insterburg erfolgte somit aus nördlicher, nordöstlicher und nordwestlicher Richtung. Bei der Vorbereitung des Angriffs ging aus erbeuteten Dokumenten hervor, dass die Stadt lediglich von zwei Regimentern verteidigt wurde und sofort gestürmt werden musste, bevor die Reserven des Gegners eintrafen. Erschwert wurde die Lage dadurch, dass die 5. Armee, die von Osten auf Insterburg vorrückte, deutlich hinter der 11. Gardearmee zurücklag. Zudem musste die 11. Gardearmee zwei Aufgaben gleichzeitig erfüllen: den Vormarsch auf Wehlau / Wehlau (Snamensk) fortsetzen und Insterburg stürmen, um ihre linke Flanke zu sichern. Deshalb setzte der Hauptstoßverband der Armee den Angriff nach Westen fort, während für den Sturm auf die Stadt das 36. Garde-Schützenkorps (16. und 18. Garde-Schützendivision) abgestellt wurde, das von Osten her durch Verbände der 5. Armee unterstützt werden sollte.

Am 19.01.1945 begannen die ersten Kämpfe im Vorfeld von Insterburg. Am 20.01.1945 griffen Schlacht- und Bombenflieger die Stadt an, und am 21.01.1945 um 22:00 Uhr begann nach einer 20-minütigen Artillerievorbereitung der Sturm auf Insterburg.

Das 58. Garde-Schützenregiment (stellvertretender Regimentskommandeur Oberstleutnant A. A. Grigorjew) überquerte den Pregel bei Nettingen / Nettingen (Krasnaja Gorka) und schloss die Stadt dadurch halbkreisförmig ein. Die 18. Schützendivision (Generalmajor G. I. Karischski, 1895–1971) griff mit dem 51. und 53. Garde-Schützenregiment und dem ihnen zugeteilten 75. Panzerregiment von Georgenburg / Georgenburg (Majowka) her an. Die 16. Schützendivision (Generalmajor M. A. Pronin, 1892–1978) stieß mit dem 43. und 49. Schützenregiment auf Sprindt vor (Gegend der heutigen Tschernjachowski-Straße). Begünstigt wurde der Erfolg dadurch, dass die Brücken über Inster und Angerapp unversehrt eingenommen werden konnten. Bis 4:00 Uhr wurde an den nördlichen Stadträndern Insterburgs gekämpft. Danach drang das 53. Regiment über die Hindenburgstraße ins Stadtzentrum vor. Bis 5:30 Uhr waren die Widerstandsnester niedergekämpft. Im Morgengrauen besetzte die 16. Division die nordöstlichen Stadtränder, und von Osten rückten die inzwischen herangeführten Einheiten der 5. Armee in die Stadt ein. Die Soldaten des 51. und 53. Regiments erreichten die südwestlichen und westlichen Stadtränder Insterburgs und brachen den letzten Widerstand am Bahnhof. Um 10:00 Uhr meldete Generalmajor Karischski die Einnahme Insterburgs. Das unzureichende Zusammenwirken der 5. Armee und der 11. Gardearmee führte jedoch dazu, dass die neu formierten gegnerischen Truppen mehrere Gegenangriffe unternahmen und die Truppen in der Stadt mit Artillerie beschossen. Um 15:00 Uhr erfolgte der heftigste Gegenangriff unter Einsatz eines Panzerzuges, bei dem sogar ein Teil der sowjetischen Truppen in der Stadt eingeschlossen wurde. Erst der Einsatz der Reservebataillone der 18. Garde-Schützendivision und einer Selbstfahrlafetten-Abteilung sowie eine weiträumige Umfassung des Gegners durch das 53. Regiment zwangen die Deutschen, sich unter der drohenden Einkesselung aus der Stadt zurückzuziehen.

Der Bahnhof von InsterburgDer Bahnhof von Insterburg.

Die letzten Widerstandsnester waren bis 20:00 Uhr am 22.01.1945 beseitigt. Die Verluste der Roten Armee an Gefallenen beim Sturm auf Insterburg werden auf etwa 4000 Soldaten und Offiziere geschätzt – mehr als die Personalverluste bei der Einnahme Königsbergs.

Auf dem Bahnhof von InsterburgAuf dem Bahnhof von Insterburg.

Die ersten Nachkriegsbewohner der Stadt waren sowjetische Militärangehörige und die verbliebene deutsche Zivilbevölkerung. Um das städtische Leben kümmerten sich die Verwaltungen für Zivilangelegenheiten bei den Militärkommandanturen, die unmittelbar nach der Einnahme Insterburgs eingerichtet worden waren. Die massenhafte Ansiedlung von Menschen aus anderen Regionen der UdSSR begann nach dem Regierungsbeschluss vom 09.07.1946.

Am 07.09.1946 wurde Insterburg in Tschernjachowsk umbenannt.

In der Stadt wurden ein Umspannwerk und eine Telefonzentrale für 200 Anschlüsse wiederhergestellt. Bis Ende 1946 wurden 20 km des städtischen Wasserleitungsnetzes in Betrieb genommen. 1946 nahmen gleich vier Schulen den Unterricht auf: eine Mittelschule, eine Grundschule, eine deutsche Schule und eine Schule für die arbeitende Jugend. Im selben Jahr wurden ein Offiziershaus, ein Kulturhaus, eine Stadt- und eine Kinderbibliothek, eine pädagogische Fachschule, eine Fabrikberufsschule (FSO), zwei Kindergärten sowie eine Aufnahme- und Verteilungsstelle für obdachlose Kinder eröffnet. Nach ihrem Wiederaufbau nahmen der Bahnhof, die Gewerbegenossenschaft „Weg zur Kommune“ sowie eine Lederfabrik, eine Konservenfabrik und ein Kfz-Reparaturwerk den Betrieb auf. Für den Bedarf der Stadtbewohner wurden eine Schlosser- und eine Tischlerwerkstatt eingerichtet. In der Lebensmittelindustrie nahmen ein Fleischkombinat, ein Brotkombinat, ein Lebensmittelkombinat, eine Brauerei und eine Süßwarenfabrik ihre Arbeit wieder auf. Außerdem wurde ein Zuchtbetrieb für Rinder der ostfriesischen Rasse gegründet.

Insterburg im ersten NachkriegswinterInsterburg im ersten Nachkriegswinter.

Obwohl die Stadt noch in Trümmern lag (nach dem Sturm waren 60 % der Gebäude beschädigt oder zerstört), wurde 1947 die Sportgesellschaft „Lokomotiw“ gegründet und eine Fußballmannschaft aufgestellt; bis zum Herbst 1947 wurde zudem eine Sporthalle eröffnet. Bereits 1948 fand übrigens die erste Gebietsspartakiade statt, bei der die Mannschaft aus Insterburg den zweiten Platz belegte.

Deutsche Kriegsgefangene auf einer Straße in InsterburgDeutsche Kriegsgefangene in der Hindenburgstraße.

Ebenfalls 1947 wurden die Exekutivkomitees des Rajons und der Stadt Tschernjachowsk gebildet. Die Macht ging von den Militärkommandanturen auf zivile Organe über. Bis Ende 1947 wurden der Rundfunk eingerichtet und die Herausgabe der Rajonzeitung „Kommunist“ aufgenommen. Zwei Kinos – „Saljut“ und „Udarnik“ – wurden eröffnet. Mehrere Geschäfte nahmen den Betrieb auf, darunter ein großes Warenhaus.

1948 nahm der Bahnhof von Tschernjachowsk seinen vollen Betrieb auf. Durch die Stadt verkehrten nun drei Fernzüge von Kaliningrad nach Moskau, Riga und Vilnius. Daneben gab es Nahverkehrszüge von Tschernjachowsk nach Kaunas und Gussew.

Ab dem 01.07.1948 bestand eine Postfluglinie Kaliningrad – Tschernjachowsk. Auch Busverbindungen von Tschernjachowsk nach Kaliningrad und in die Rajonzentren des Gebiets wurden eingerichtet.

Ebenfalls 1948 wurde ein Fracht- und Personenverkehr mit Dampfschiffen von Gwardeisk nach Tschernjachowsk aufgenommen. Im selben Jahr errichteten deutsche Kriegsgefangene ein Denkmal für I. D. Tschernjachowski. Auch die Produktion entwickelte sich weiter: Ein Nagel- und Drahtgitterwerk (das spätere Werk „TechMasch“) ging in Betrieb, das städtische Industriekombinat begann mit der Herstellung von Eichenstühlen und Keramikerzeugnissen, außerdem wurden eine Molkerei und eine Bonbonfertigung eröffnet.

Demonstration im Tschernjachowsk der NachkriegszeitDemonstration im Tschernjachowsk der Nachkriegszeit.

Die 1950er-Jahre waren für Tschernjachowsk eine Zeit raschen Bevölkerungswachstums. Dabei hielt der städtische Wohnungsbau mit dem Wohnraumbedarf der Menschen nicht Schritt. Zudem verfügten Ende der 1940er-Jahre etwa 300 Häuser nicht einmal über so grundlegende Annehmlichkeiten wie fließendes Wasser.

Sporthalle in der Reformierten Kirche von InsterburgSporthalle in der Reformierten Kirche von Insterburg.

Bereits 1951 wurde der erste Vorentwurf für die Planung und Bebauung der Stadt genehmigt. 140 Ruinen wurden abgerissen; 1952 gab es in der Stadt noch 970 Wohnhäuser, die alle elektrifiziert waren, 519 davon verfügten über Wasserleitung und Kanalisation.

Parallel zum Wohnungsbau wurden auch öffentliche Gebäude und Anlagen errichtet. 1954 wurde das Stadion „Lokomotiw“ mit 3000 Plätzen in Betrieb genommen.

Ende der 1950er-Jahre gab es in Tschernjachowsk sechs Schulen (darunter eine Eisenbahnerschule), drei Kindergärten, drei Kinderkrippen mit 205 Plätzen, eine pädagogische Fachschule, ein Pionierhaus, zwei Kulturhäuser, drei Filmvorführstätten und einen Stadtpark.

Die medizinische Versorgung umfasste drei Krankenhäuser – ein Rajonkrankenhaus, ein Kinderkrankenhaus und ein Krankenhaus für Infektionskrankheiten –, eine Entbindungsklinik, eine Tuberkulose- und eine Haut- und Geschlechtskrankenfürsorgestelle, eine Rettungsstation, eine Hygiene- und Epidemiologiestation sowie Sanitätsstellen.

1954 wurde die Brauerei von Tschernjachowsk in ein Werk für alkoholfreie Getränke umgewandelt.

Bis zum 01.01.1959 stieg die Zahl der Wohnhäuser in Tschernjachowsk auf 1427. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Einwohner betrug 6,67 m2. Das war eindeutig zu wenig, selbst im Vergleich zur gesamten Oblast, die nie für einen Überfluss an Wohnraum bekannt war.

BismarckturmVon der Aussichtsplattform des Bismarckturms bot sich ein Blick auf Insterburg und auf den Zusammenfluss von Instrutsch und Angrapa, an dem die Pregolja entspringt.

In den 1960er Jahren entwickelte sich die Stadt weiter als örtliches Industriezentrum und als Verwaltungszentrum für die umliegenden ländlichen Ortschaften. Auch in der Landwirtschaft wurden gewisse Erfolge erzielt.

Zusammenfluss von Instrutsch und AngrapaZusammenfluss von Instrutsch und Angrapa – hier entspringt die Pregolja.

So wurde bereits 1953 in Tschernjachowsk eine landwirtschaftliche Rayonausstellung eröffnet. 1957 belegte der Rayon Tschernjachowsk unter den Rayons der RSFSR den ersten Platz beim Wachstumstempo der tierischen Produktion. 1960 entstand auf der Grundlage der staatlichen Stallungen von Tschernjachowsk das Kaliningrader Staatliche Gestüt Nr. 7, das sich auf die Zucht von Trakehner und Hannoveraner Pferden spezialisierte.

1960 wurde ein Asphaltbetonwerk eröffnet. Im selben Jahr nahm das Keramikwerk die Herstellung von Steingut auf. 1964 begann das Nagel- und Drahtgitterwerk, Bauteile für Werkzeugmaschinenautomaten zu produzieren, und wurde 1965 zum Werk „Awtomatkommunmasch“.

1968 wurde eine Zweigstelle des Kaliningrader Maschinenbauwerks eröffnet, die 1975 zum Maschinenbauwerk Tschernjachowsk wurde.

Ergänzend zu den bestehenden Bildungseinrichtungen wurden in den 1960er Jahren eine Abendmusikschule (1961), ein Internat (1962) und die Berufsschule Nr. 12 (1963) eröffnet. Mitte der 1960er Jahre kam außerdem eine neue Mittelschule für 690 Schüler hinzu.

Die Stadt hatte zu dieser Zeit alle Merkmale eines typischen großen Rayonzentrums angenommen: Es entstanden Fachgeschäfte wie „Kinderwelt“, „Schuhe“, „Bekleidung“, „Haushaltswaren“ und „Kulturwaren“. Gebaut wurden die für jene Zeit typischen fünfgeschossigen Wohnhäuser, die „Chruschtschowkas“. 1969 wurde das Breitwandkino „Oktjabr“ mit 600 Plätzen eröffnet. Das Wohnungsproblem der Einwohner von Tschernjachowsk konnte nur teilweise gelöst werden: Bis 1969 entfielen auf jeden Einwohner 8,4 m², was zwar besser war als in den 1950er Jahren, aber weder die Hygienenormen noch die durchschnittliche Wohnraumversorgung in der UdSSR erreichte.

Wasserturm von InsterburgWasserturm von Insterburg.

Anfang der 1970er Jahre wurde der dritte Generalbebauungsplan verabschiedet, nach dem die Wohnraumversorgung der Einwohner von Tschernjachowsk durch den Bau von fünfgeschossigen Typenhäusern und vereinzelt auch neungeschossigen Häusern verbessert werden sollte.

Fußgänger-Bogenbrücke über die AngrapaFußgänger-Bogenbrücke über die Angrapa.

Auch wenn es beim Wohnungsbestand noch immer ernste Probleme gab, ließ sich Tschernjachowsk im Übrigen als „dynamisch wachsendes Rayonzentrum“ bezeichnen. So wurde das städtische Kulturhaus 1970 zum besten der RSFSR gekürt. 1971 organisierte man aus eigener Kraft eine Industrie- und Landwirtschaftsausstellung mit Erzeugnissen des Rayons.

1977 ging Tschernjachowsk als Sieger aus dem sozialistischen Wettbewerb auf Unionsebene hervor und wurde mit der Roten Wanderfahne des ZK der KPdSU, des Ministerrats der UdSSR, des Zentralrats der Gewerkschaften und des ZK des Komsomol ausgezeichnet.

Zur selben Zeit belegte das Fleischkombinat Tschernjachowsk im sozialistischen Wettbewerb der Betriebe der Fleischindustrie landesweit den ersten Platz. Gleich zu Beginn der 1970er Jahre wurde im Pionierhaus ein Heimatmuseum eröffnet. 1972 wurde die Ruine der Lutherkirche endgültig abgetragen. 1973 erhielt die Stadt eine Zweigstelle des Projektierungsinstituts „Kaliningradkolchosprojekt“, das Bauprojekte für den ländlichen Raum entwickelte. Das Netz der Dienstleistungs- und Gastronomiebetriebe wurde ausgebaut. Ein Plattenbauwerk nahm den Betrieb auf.

Villa BrandesDie Villa Brandes dient der Stadt seit 2008 als Kindergarten kombinierter Art Nr. 1.

In den 1980er Jahren setzte sich die industrielle Entwicklung von Tschernjachowsk fort. Das Fleischkombinat erhielt 1981 zum zweiten Mal die Rote Wanderfahne. Weiterhin wurden neue Produktionsstätten eröffnet: eine Weinkellerei sowie ein Stützpunkt der Steinbruchvereinigung „Kaliningradawtodor“. Ganz im Geist der Zeit wurde ein Sonderkonstruktionsbüro für Robotertechnik gegründet.

Villa CibulinskiDie Villa von Hermann Cibulinski – heute die Kindermusikschule Tschernjachowsk.

Auch der Konsumbereich entwickelte sich: In Tschernjachowsk gab es 2 Restaurants, 5 Kantinen, 1 Cafeteria, 1 Pelmeni-Stube, 28 Lebensmittel- und 12 Industriewarengeschäfte, 2 Buchhandlungen, 2 Rayon-Konsumgenossenschaften und 6 Betriebsverkaufsstellen.

Die 1990er Jahre waren für alle Rayonstädte der Oblast, darunter auch Tschernjachowsk, außerordentlich schwer. Die gesamte industrielle Infrastruktur war bis dahin auf Staatsaufträge und garantierte Abnahmemengen ausgerichtet gewesen. Mit dem Einzug der Marktwirtschaft, dem allgemeinen Rückgang der Industrieproduktion und der Zunahme der Importe wurden die Erzeugnisse vieler Betriebe nicht mehr gebraucht. Gleichbleibend gefragt waren allein die Produkte der Lebensmittelindustrie. Das Werk „TechMasch“, das Keramikwerk und das Asphaltbetonwerk schlossen. Das städtische Kinonetz wurde aufgelöst, die Kinos „Udarnik“ und „Oktjabr“ wurden geschlossen – das erste wurde zu einem Kultur- und Freizeitzentrum umgestaltet, das zweite zu einer Produktionsstätte für Stahlkonstruktionen.

1990 wurde im Gebäude der Reformierten Kirche eine orthodoxe Kirche eröffnet, und in der St.-Bruno-Kirche wurden nach 45 Jahren wieder Gottesdienste nach katholischem Ritus gefeiert.

1991 wurde eine Motorisierte Schützendivision aus Deutschland nach Tschernjachowsk verlegt. Im selben Jahr wurde die neue Schule Nr. 3 für 980 Schüler eröffnet, und am Bahnhof wurde ein Zollamt eingerichtet. 1995 fand in Tschernjachowsk erstmals eine Etappe des Weltcups im Pferdesport statt. 1997 wurden die Siedlungen Majowka und Timirjasewo in die Stadt Tschernjachowsk eingegliedert. Ebenfalls 1997 nahm die neue Schule Nr. 8 ihre ersten Schüler auf. In der Burg Insterburg wurden erste Arbeiten zur Räumung des Geländes durchgeführt. In einem der Burggebäude wurde ein Museum eröffnet, außerdem wurde das Burggelände fortan für verschiedene Großveranstaltungen genutzt.

2003 begann die Wein- und Kognakfabrik Tschernjachowsk mit der Herstellung von Kognak. Die Produktion von Mineraldünger wurde aufgenommen. 2006 wurde das Denkmal für das Ulanen-Regiment Nr. 12 bei der Burg wiederhergestellt.

Insterburger WetterfahneInsterburger Wetterfahne (1827).

Heute ist Tschernjachowsk die zweitgrößte Stadt der Oblast Kaliningrad.

Insterburger NotgeldInsterburger Notgeld im Nennwert von 2,5 Mark. (Notgeld – Ersatzzahlungsmittel, das in Deutschland und Österreich von 1914 bis 1924 infolge der Wirtschaftskrise, des Bargeldmangels und der Hyperinflation von örtlichen Behörden sowie von nichtstaatlichen Organisationen ausgegeben wurde.)

Das Stadtgebiet umfasst rund 4500 ha, es gibt 200 Straßen, 5 Plätze und mehr als 4500 Häuser. In der städtischen Infrastruktur sind 9 Brücken, 3 Parks und 25 Grünanlagen verzeichnet.

Die Grundlage der Industrieproduktion von Tschernjachowsk bilden nach wie vor die Lebensmittelindustrie (Spirituosen, Fleisch, Süßwaren), der Maschinenbau und die Holzverarbeitung einschließlich der Möbelherstellung. Es gibt einen Torfabbaubetrieb sowie Produktionsstätten für Unterhaltungselektronik und Düngemittel. In der Stadt sind mehrere Bauunternehmen ansässig, außerdem arbeitet hier ein Werk für Kunststofffenster.

2020 begann in Tschernjachowsk eine umfassende Rekonstruktion und Neugestaltung des historischen Stadtzentrums.

Zur Information

Kurzinformationen zu den Gütern und Dörfern, die zum Stadtgebiet von Insterburg gehörten oder heute Teil der Stadt Tschernjachowsk sind.

Der Fischereibetrieb Abschruten gehörte bis 1928 zum Gutsbezirk Pieragienen / Pieragienen (Mitschurino). Er war Teil des Kirchspiels Insterburg, Land, dessen Sitz die Lutherkirche / Lutherkirche in Insterburg war. 1871 bestand der Fischereibetrieb Abschruten aus einem Wohnhaus. Als der Gutsbezirk Pieragienen am 30.09.1928 in eine gleichnamige Landgemeinde umgewandelt wurde (ab 1938 Gemeinde Angerlinde / Angerlinde), wurde ihr auch der Fischereibetrieb Abschruten eingegliedert. Heute steht an dieser Stelle das Wohnhaus Nr. 41 in der Tschernjachowski-Straße.

Albertshof hieß bis zum 13.09.1861 Sweigershöfchen und war ein Gut, das zur Stadtgemeinde Insterburg gehörte. 1871 standen auf dem Gut zwei Wohnhäuser. Im 20. Jahrhundert befand sich in Albertshof einer der staatlichen Höfe des Gestüts Georgenburg (Majowka), die der Zucht und Veredelung der Trakehner Rasse dienten. Heute liegt hier die Kreuzung der Tschapajew-Straße mit der 2. Tschapajew-Gasse.

Amalienhof wurde 1838 als Abbau Till gegründet. Danach hieß es bis etwa 1867 Abbau Ziehe. Amalienhof hatte den Status eines Etablissements, das weder einer Gemeinde noch einem Gutsbezirk angehörte. 1871 gab es in Amalienhof ein Wohnhaus, in dem eine Familie lebte. Seit dem 19. Jahrhundert war in Amalienhof eine Ziegelei in Betrieb, die bis zum Zweiten Weltkrieg bestand. Im 20. Jahrhundert befand sich in Amalienhof ein staatlicher Hof des Gestüts Georgenburg, der der Zucht und Veredelung der Trakehner Rasse diente. Heute ist Amalienhof das Gebiet um die Motornaja-Straße.

Abbau Eckert hieß im 19. Jahrhundert Kellershof.Im 20. Jahrhundert befand sich auch in Abbau Eckert einer der staatlichen Höfe zur Zucht und Veredelung der Trakehner Rasse. Um 1939 erhielt Abbau Eckert den Namen Insterburg-Kellershof. Bei der Erweiterung des Bahnhofs Tschernjachowsk wurde das Gelände, auf dem das Gut lag, mit dem neuen Westpark des Bahnhofs überbaut.

Eckertshof wurde 1826 als Eckertshöfchen gegründet. 1871 und 1895 standen auf dem Gut drei Häuser. Im 20. Jahrhundert war in Eckertshof ein staatlicher Hof des Gestüts Georgenburg (Majowka) in Betrieb, der der Zucht und Veredelung der Trakehner Rasse diente. In den Vorkriegsjahren befanden sich neben dem Gut eine Fabrik, eine Ziegelei und ein Sägewerk. Heute ist dies das Gebiet an der Kurtschatow-Straße beim Haus Nr. 28.

Ernstfelde hieß um 1785 Leitnershof / Leitnershof, später änderte sich der Name in Abbau Kamswyken / Abbau Kamswyken.

Das Gut Ernstfelde gehörte zur Landgemeinde Kamswyken (heute Teil von Tschernjachowsk) und zum Kirchspiel Insterburg, Land / Insterburg, Land, dessen Sitz die Lutherkirche / Lutherkirche in Insterburg war. Am 11.03.1874 wurde das Gut Ernstfelde als Teil der Gemeinde in den neu gebildeten Amtsbezirk Kraupischkehmen / Kraupischkehmen (Saliwnoje) eingegliedert. Am 10.10.1912 verkaufte der bisherige Besitzer Gehrmann / Gehrmann das Gut Ernstfelde mit 1000 Morgen Land und einer Ziegelei für 512.000 Mark an Oberamtmann Kopp / Kopp. Stand 2023 befinden sich auf dem Gelände des Gutes die Datschen der Gartenbaugenossenschaft „Druschba“.

Grünhof hieß bis 1804 Beckenhöfchen / Beckenhöfchen. 1871 gab es in Grünhof drei Wohnhäuser. In den Vorkriegsjahren war es ein Gut mit Ziegelei. Während des Krieges wurde an der Stelle der Ziegelei ein Luftschutzbunker errichtet, der bis heute erhalten ist. Stand 2023 befindet sich auf dem Gelände des Gutes selbst eine Brachfläche, die teilweise mit Garagen bebaut ist.

Herrmannshof wurde 1822 als Hermannshöfchen / Hermannshöfchen gegründet. 1871 zählte Herrmannshof vier Wohnhäuser, außerdem war ein Park angelegt. Im 20. Jahrhundert befand sich in Herrmannshof ein staatlicher Hof des Gestüts Georgenburg (Majowka). Heute ist dies das Gebiet beim Kontrollpunkt des Fliegerhorsts „Tschernjachowsk“. In der Nähe steht ein verlassenes Fliegerklubhaus.

Heinehof wird 1839 als Heynehöfchen / Heynehöfchen erwähnt. 1871 gab es in Heinehof zwei Wohnhäuser. Auf dem Gut befand sich ein Bahnhof der Schmalspurbahn Insterburg–Warnheide / Warnheide. In den Vorkriegsjahren war auf dem Gut eine Ziegelei in Betrieb. Nach dem Krieg fiel Heinehof in das Erweiterungsgebiet des Militärflugplatzes „Tschernjachowsk“.

Jakobsruh entstand als Ausspanne an der Gabelung der Straßen nach Gerdauen (Schelesnodoroschny) und nach Darkehmen / Darkehmen (Osjorsk). Das Gasthaus in Jakobsruh war bis zum Zweiten Weltkrieg in Betrieb. Heute ist dies das Gebiet am Ende der Tschapajew-Straße am Tschapajew-See.

Janzonsruh wurde am 13.04.1840 als Gut gegründet. Das Gut gehörte ursprünglich zur Stadtgemeinde Insterburg. 1871 gab es in Janzonsruh zwei Wohnhäuser. Am 05.07.1950 wurde Janzonsruh in die Siedlung Jarki umbenannt. 1955 zählte die Siedlung sechs Häuser, bis 1984 waren noch drei übrig. In den 1990er-Jahren befand sich in der Siedlung der Nebenwirtschaftsbetrieb einer örtlichen Militäreinheit. 1997 waren in der Siedlung fünf Häuser registriert. Im Jahr 2000 wurde Janzonsruh in die Stadt Tschernjachowsk eingemeindet. Stand 2021 gab es in der Siedlung sieben Haushalte.

Kammershof war ein Vorwerk der Stadt Insterburg. Heute stehen an der Stelle des Vorwerks die Häuser am Ende der Saosjornaja-Straße.

Kamswyken wird bereits in der „Chronik des Preußenlandes“ Peters von Dusburg als prußische Burg Kameniswike am Fluss Angerapp (in der Chronik Arsa) erwähnt. Der Landmeister des Deutschen Ordens Konrad von Thierberg der Ältere / Konrad von Thierberg der Ältere (gest. 1279) nahm 1275 während des Aufstands der Prußen in Nadrauen die Burg ein, die von 200 Kriegern verteidigt wurde. Alle Männer wurden getötet, Frauen und Kinder gefangen genommen.

Als Siedlung ist Kamswyken seit 1536 bekannt. Erwähnt wird ein Schulze Greger / Greger, der hier lebte und das Schulzenamt Georgischen / Georgischen oder Gregerschen / Gregerschen leitete. Nach 1539 erscheint die Siedlung in den Urkunden als Comswigk / Comswigk oder Kamswigk / Kamswigk. Bis 1554 hatte sich der Name zu Kamswieken / Kamswieken gewandelt. Um 1785 war es ein königliches Bauerndorf mit neun Feuerstellen im Kreis Insterburg. Bis 1815 erhielt das Dorf den Namen Alt-Kamswicken / Alt-Kamswicken. Es gehörte zum Amt Althof / Althof (Portowoje) und zählte 12 Feuerstellen.

Ab 1818 bildete das Dorf Kamswyken eine Landgemeinde im Landkreis Insterburg. Es gehörte zum Kirchspiel Insterburg, Land / Insterburg, Land, dessen Sitz die Lutherkirche / Lutherkirche in Insterburg war. 1871 gab es in Kamswyken 15 Wohnhäuser, in denen 58 Familien und fünf Ledige lebten. Bis 1905 stieg die Zahl der Häuser in Kamswicken auf 20, und vor Beginn des Zweiten Weltkriegs waren es bereits 43.

Stand 2023 befindet sich an der Stelle des ehemaligen Kamswyken die Straße Krasnoflotskije Datschi.

Lenkeningken wurde um 1531 gegründet. Um 1539 hieß es Lanckinicken / Lanckinicken, ab 1561 dann Lankenningken / Lankenningken und ab 1698 Lenkeningken / Lenkeningken.

Im 19. Jahrhundert war Lenkeningken ein Gut, das ab 1867 einen Gutsbezirk im Landkreis Insterburg bildete. Das Gut gehörte zum Kirchspiel Insterburg, Land / Insterburg, Land, dessen Sitz die Lutherkirche / Lutherkirche in Insterburg war. 1871 gab es in Lenkeningken fünf Wohnhäuser, in denen fünf Familien lebten. Am 11.03.1874 wurde der Gutsbezirk Lenkeningken in den neu gebildeten Amtsbezirk Kraupischkehmen / Kraupischkehmen (Saliwnoje) eingegliedert. Am 17.06.1876 kaufte die Stadt Insterburg vom Gut Lenkeningken ein 1,2 ha großes Grundstück für den Bau einer Brauerei. Spätestens 1908 wurde auch das Gut Lenkeningken selbst in die Stadt Insterburg eingemeindet. 1932 erhielt es den Namen Georgenhorst.

Nach dem Krieg standen hier bis in die 1970er-Jahre noch Gebäude. Karten aus den 1990er-Jahren zeigen auf dem Gelände des ehemaligen Lenkeningken teilweise verfallene Bauten. Heute ist dies eine Brachfläche zwischen dem Bahnhof (Strecke nach Sowetsk) und der Angrapa.

Luxenberg entstand als Krug mit Ausspanne.1865 wurde an Luxenberg vorbei die Bahnstrecke Insterburg–Tilsit (Tschernjachowsk–Sowetsk) verlegt, an der in Luxenberg ein Bahnhof gebaut wurde. Am 01.09.1909 wurde eine Schmalspurstrecke von Luxenberg zum Bahnhof am Pregeltor (Tschernjachowsk, Oktjabrskaja-Straße 1) eröffnet. Heute (2023) liegt beim ehemaligen Luxenberg die Kreuzung der Leningradskaja- und der Kirow-Straße.

Die Ziegelei Pätsch wurde nach 1820 gegründet. 1939 erhielt sie den Namen Insterburg-Pätsch. Heute ist dies ein Stadtteil im Bereich der Pobedy-Straße und der 4. Pobedy-Gasse.

Sprindt wurde spätestens 1539 als Gut Schweicslauken / Schweicslauken gegründet. Es wird außerdem als Schwitslaukenn / Schwitslaukenn (ab 1540) und Schweitslauken / Schweitslauken (ab 1542) erwähnt. 1871 standen auf dem Gut vier Wohnhäuser. Ende des 19. Jahrhunderts begann man, das Gutsgelände mit städtischen Häusern zu bebauen. Im Februar 1945 lag Sprindt in der Richtung eines der Hauptstöße der Roten Armee beim Sturm auf Insterburg. Stand 2023 ist dies ein Stadtviertel im Bereich der Tschernjachowski-, Slawjanskaja-, Kirow- und Tschernyschewski-Straße sowie der Tschernjachowski-Gasse.

Tannenhof wurde um 1860 gegründet. 1871 gab es in Tannenhof ein Wohnhaus. Heute stehen hier ein paar Wohnhäuser und einige Wirtschaftsgebäude am Ende der Tschapajew-Straße hinter dem Tschapajew-See.

Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Insterburg – Stadt Tschernjachowsk: 1790 – 4274, 1809 – 4500, 1819 – 5094, 1864 – 11 659, 1867 – 13 741, 1871 – 14 4392, 1875 – 16 303, 1885 – 20 914, 1890 – 22 227, 1910 – 31 624, 1925 – 39 311, 1933 – 41 230, 1939 – 48 711, 1946 – 85483, 1947 – 16 3304, 1950 (Jan.) – 25 123, 1950 (Mai) – 26 854, 1951 – 29 376, 1953 – 35 537, 1959 – 29 063, 1970 – 33 446, 1979 – 35 576, 1989 – 39 622, 1992 – 40 600, 2002 – 44 323, 2009 – 39 874, 2010 – 40 449, 2012 – 39 597, 2013 – 38 571, 2014 – 37 948, 2015 – 37 521, 2016 – 37 037, 2017 – 36 423, 2018 – 35 888, 2019 – 35 432, 2020 – 35 398 Einwohner.

Einwohnerzahl des Fischereibetriebs Abschruten: 1871 – 6, 1905 – 6 Einwohner.

Einwohnerzahl von Albertshof: 1871 – 72 Einwohner.

Bevölkerungsentwicklung von Amalienhof: 1867 – 6, 1871 – 9 Einwohner.

Bevölkerungsentwicklung von Eckertshöfchen: 1871 – 47, 1895 – 63 Einwohner.

Einwohnerzahl von Ernstfelde: 1905 – 28 Einwohner.

Einwohnerzahl von Grünhof: 1871 – 78 Einwohner.

Einwohnerzahl von Hermannshof: 1871 – 88 Einwohner.

Einwohnerzahl von Heinehof: 1871 – 45 Einwohner.

Einwohnerzahl von Heinsterbruch: 1871 – 44 Einwohner.

Bevölkerungsentwicklung von Janzonsruh-Jarki: 1871 – 35, 1984 – 10, 1997 – 14 Einwohner.

Bevölkerungsentwicklung von Kamswyken: 1815 – 69, 1867 – 268, 1871 – 226, 1905 – 177, 1925 – 121, 1933 – 119, 1939 – 149 Einwohner.

Bevölkerungsentwicklung von Lenkeningken: 1867 – 40, 1871 – 38, 1885 – 85 Einwohner.

Einwohnerzahl von Sprindt: 1871 – 135 Einwohner.

Einwohnerzahl von Tannenhof: 1871 – 24 Einwohner.

Einwohnerzahl des Tilsiter Bahnhofs: 1871 – 4 Einwohner.

Einwohnerzahl des Eydtkuhner Bahnhofs: 1871 – 78 Einwohner.

Einwohnerzahl der Strafanstalt: 1871 – 683 Einwohner.

Einwohnerzahl der Abdeckerei: 1871 – 7 Einwohner.

Einwohnerzahl des Guts Drebolienen: 1871 – 36 Einwohner.

Einwohnerzahl des Waldhauses Drebolienen: 1871 – 6 Einwohner.

Einwohnerzahl von Eichenthal: 1871 – 58 Einwohner.

Bevölkerungsentwicklung von Johannsthal: 1871 – 20, 1885 – 9, 1905 – 5 Einwohner.

Bevölkerungsstruktur der Gemeinde Insterburg 1871: Evangelische – 13 961, Katholiken – 147, sonstige Christen – 57, Juden – 274, Kinder unter 10 Jahren – 2864, Lese- und Schreibkundige – 9787 (86 %), Blinde – 11, Taubstumme – 20, Geisteskranke – 23.

Bevölkerungsstruktur von Insterburg 1925: Evangelische – 36 797, Katholiken – 1174, Orthodoxe – 86, Juden – 338, sonstige Konfessionen – 809, Konfessionslose – 107.

Bevölkerungsstruktur von Amalienhof 1871: alle 9 Evangelische, Kinder unter 10 Jahren – 3, Lese- und Schreibkundige – 6 (100 %).

Bevölkerungsstruktur von Kamswyken 1871: alle 226 – Evangelische, Kinder unter 10 Jahren – 66, Lese- und Schreibkundige – 73 (von 153 Befragten, 48 %), Blinde – 1.

Bevölkerungsstruktur von Kamswyken 1939: unter 6 Jahren – 24, 6–14 Jahre – 18, 14–65 Jahre – 94, über 65 Jahre – 13, in Land- und Forstwirtschaft – 56, in Industrie und Handwerk – 36, in Handel und Verkehr – 16, Selbstständige – 21, Angestellte – 14, Arbeiter – 72.

Bevölkerungsstruktur von Lenkeningken 1871: alle 38 – Evangelische, Kinder unter 10 Jahren – 13, Lese- und Schreibkundige – 17 (74 %), Blinde – 1, Geisteskranke – 1.

Zahl der Häuser in Kamswyken: 1785 – 9, 1871 – 15, 1905 – 20, 1925 – 16, 1939 – 43.

Struktur der Betriebe in Kamswyken 1939: 0,5–5 ha – 5, 5–10 ha – 2, 10–20 ha – 1, 20–100 ha – 1, über 100 ha – 1.

Siehe auch Majowka

1 — Die Siedlungen Majowka (Georgenburg) und Portowoje (Althof-Insterburg) werden in eigenen Artikeln behandelt.

2 — davon in der Stadt Insterburg selbst 12 282 Einwohner, auf abgelegenen Höfen – 536 Einwohner, in 5 Ziegeleien – 99 Einwohner, in 10 Bahnwärterhäusern – 62 Einwohner.

3 — davon deutsche Bevölkerung: 4014 Personen.

4 — davon deutsche Bevölkerung: 789 Personen.


Fotos: bildarchiv-ostpreussen.de, pastvu.com, Michail Ogorodnikow.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.