Für die Königsberger ist die Sommerfrische untrennbar mit dem Baden im Meer und mit Wanderungen durch die Hügel des Samlands mit ihren schattigen Wäldern verbunden, wo man noch immer Hasen, Hirschen, Wildschweinen und Elchen begegnen kann. Voller Erinnerungen an die Badetage in Rauschen und Cranz, an Ausflüge zum Borstenstein und in die Gausupschlucht rüsten sich die Königsberger für den langen Winter.
Ist der Winter gut geraten, ein richtiger Winter, und nicht ein ewiger Matsch mit nassem Schnee, in dem Frost immer wieder mit Tauwetter und Schnee mit Regen wechselt, ein grauer Nebel über der Erde hängt und der Himmel wolkenverhangen ist, dann erwartet die Bewohner Königsbergs ein großes Vergnügen. Der Pregel friert zu, die Sonne scheint hell und fröhlich, der Rauch aus den Schornsteinen steht wie eine Säule vor dem blauen Himmel, und unter den Füßen knirscht glitzernd der frisch gefallene Schnee, der bis an die Knöchel reicht. Die Krähen krächzen vergnügt, und einem wird festlich und wohl ums Herz.
Manchmal hält dieses klare Winterwetter acht bis neun Wochen an und wird nur selten von trüben Schneetagen unterbrochen. In diesen Wochen werden Schlittenfahrten auf dem Pregel neben dem Schlittschuhlaufen zum wichtigsten Vergnügen der Städter.
Seht nur: Unten am Ufer, wo im Sommer gewöhnlich die Fähre ablegt, stehen Hunderte von Pferdeschlitten. Von hier aus fährt man meist nach Holstein auf ein Tässchen Kaffee. Der zugefrorene Fluss hallt wider vom Klingeln der Schellen, vom Knallen und Pfeifen der Peitschen, vom Hufgetrappel der Pferde, die im Wettlauf miteinander dahinjagen.
Neben den Fahrenden spazieren Scharen von Städtern auf dem Eis des Pregels hin und her, die nach Kosse pilgern oder noch weiter – bis zum Kaffeehaus am Damm, der nach Holstein führt. Der Anblick der vielen Schlitten, die in alle Richtungen eilen, und der munteren Fußgänger, die sich in ihren dunklen Mänteln und Pelzen malerisch vom weißen Schnee des Flusses abheben, ist überaus malerisch. Hinzu kommen die großen beladenen Fuhrwerke, die ständig in alle Richtungen in Königsberg ankommen und es verlassen, denn klare Frosttage begünstigen solche Transporte. Und oft klagt Königsberg über Zeiten, in denen Schneesturm und Gestöber toben und ein Gemisch aus Schnee, Regen und Wind mit sich bringen. Sie bedeuten, dass die Fahrwege in unwegsamem Schlamm versinken und man auf neue Lebensmittellieferungen warten muss. Deshalb ist ein Frost von 8–10 Grad für uns in Königsberg das angenehmste Winterwetter.
Quelle
Karl Friedrich Rosenkranz
«Königsberger Skizzen»
Danzig. Verlag und Druck von Fr. Gerhard. 1842.
Fotos
Bildarchiv Ostpreußen bildarchiv-ostpreussen.de.
LEGENDEN PREUSSENS im Blog von Tatjana Koliwai.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

