Tawe (dt. Tawe) ist seit 1520 als Fischerdorf am Ufer des Kurischen Haffs bekannt, das zum Kirchspiel Kuntzen auf der Kurischen Nehrung gehörte. Da die Fahrten zur Kirche in Kuntzen über das Kurische Haff beschwerlich waren, wurde 1570 im Nachbardorf Inse / Inse (Pritschaly) ein eigenes Kirchspiel gegründet, dem fortan auch Tawe angehörte. In Urkunden des 16. Jahrhunderts erscheint Tawe auch unter den Namen Thabelle (um 1525), Tawlen (um 1540) und Thabe (ab 1542).
1785 wurde Tawe als königliches Fischerdorf (königlich Fischerdorf) mit 71 Feuerstellen eingestuft. Das Dorf gehörte zum Amt Labiau / Labiau (Polessk) im Kreis Tapiau / Tapiau (Gwardeisk). Für 1790 sind in Tawe ein „köllmischer“ Krug mit Braurecht und eine litauische Schule belegt.
Ab 1818 war Tawe ein Dorf, das eine Landgemeinde im Kreis Niederung (ab 1938 Kreis Elchniederung) bildete. Bis 1874 gehörte Tawe zum Amt Labiau (Polessk). 1818 gab es im Dorf 70 Feuerstellen. Bis 1871 war die Zahl der Familien in Tawe jedoch bereits auf 186 gestiegen; sie lebten in 67 Häusern. Am 26.03.1874 wurde die Landgemeinde Tawe dem neu gebildeten Amtsbezirk Inse (Pritschaly) zugeordnet.
Tawe auf einer topografischen Karte Ostpreußens von 1938.
1885 besaß die Gemeinde Tawe 499 ha Land, davon 38 ha Ackerland und 330 ha Wiesen. Im Dorf gab es 75 Wohnhäuser mit 209 Haushalten sowie eine ländliche Tranfabrik.
Windschöpfwerk zum Abpumpen des Überschwemmungswassers neben der örtlichen Schmiede.
1895 wird eine Schule in Tawe erwähnt; die Zahl der Wohnhäuser war damals auf 73 gesunken, die Bevölkerung bestand aus 200 Familien. Außerdem gab es eine Einrichtung für gemeinschaftliches Wohnen (eine Art Wohnheim).
1905 umfasste die Gemarkung des Dorfes Tawe 494,4 ha. Die Einnahmen aus der Grundsteuer beliefen sich umgerechnet auf 20,76 Mark je Hektar und lagen damit fast 34 % über dem Durchschnitt der Landgemeinden des Kreises Niederung. Ein so hoher Steuersatz war selbst im Maßstab ganz Ostpreußens ungewöhnlich. Offenbar war er auf erhebliche Investitionen in die Melioration der Küstengebiete des Kreises Niederung zurückzuführen. Im Dorf gab es 74 Wohnhäuser, in denen 171 Familien lebten.
Am 1. April 1924 ging die Försterei Tawe / Forsthaus Tawe (55°06'41'' n. Br. 21°19'29'' ö. L.) aus dem Forstgutsbezirk Tawellningken / Forsthaus Tawellningken an die Gemeinde Tawe über. Mit ihr zählte die Gemeinde Tawe 1925 78 Wohnhäuser und 170 Haushalte.
Eine weitere Försterei aus dem Gutsbezirk Tawellningken – Siberien / Forsthaus Siberien (Schljusowoje, teilweise) – kam am 30.09.1929 zur Gemeinde Tawe. Doch bereits am 01.12.1934 kehrten beide Förstereien in den Forstgutsbezirk Tawellningken zurück. In den Vorkriegsjahren gab es in Tawe eine Schule. Im Dorf waren drei Windschöpfwerke zum Abpumpen des Überschwemmungswassers aufgestellt. Über den Fluss Tawe (Towarnaja) verkehrte eine Autofähre. Die Dorfbewohner lebten von Fischfang, Viehzucht und Gartenbau. Die Fischerboote, die zum Fang auf das Kurische Haff hinausfuhren, waren alle nach demselben Typ gebaut und hießen Kurenkähne. An den Masten der Kurenkähne war ein besonderer Wimpel mit den Farben des Dorfes befestigt. Für Tawe war dies ein weißes Rechteck auf rotem Grund. Ab 1854 war das Führen des Wimpels auf Fischerbooten Pflicht. Die Wimpel wurden zum Erkennungszeichen der Fischerdörfer am Kurischen Haff. Handwerker fertigten sie auch als Souvenirs für Touristen an. In den Vorkriegsjahren ging der Anteil des Fischfangs an der Wirtschaft des Dorfes zurück.
Fischerwimpel von Tawe.
Nach dem Krieg, im Oktober–November 1946, wollten die Rajonbehörden Tawe den Status einer Arbeitersiedlung verleihen und es in Koshedub umbenennen, doch die Gebietsverwaltung lehnte diesen Vorschlag ab.
Gästehaus von Walter Ebner im benachbarten Tawellningken.
Noch vor der Umbenennung der Siedlungen Tawe und Inse im Jahr 1947 wurde auf ihrer Grundlage die Fischereigenossenschaft „A. I. Mikojan“ gegründet. Am 25.07.1947 wurde Tawe in die Siedlung Saliwino umbenannt. Zugleich wurde der Dorfsowjet Saliwino gebildet. Die Genossenschaft „Mikojan“ wurde Mitte der 1950er Jahre in die gleichnamige Fischereikolchose umgewandelt. Die Politik der Zusammenlegung der Kolchosen führte jedoch dazu, dass die Fischer von Saliwino samt Booten und Fanggerät in die Fischereikolchose „Rybak Baltiki“ (Fischer der Ostsee) in der Siedlung Myssowka eingegliedert wurden. Nach der Auflösung des Dorfsowjets Saliwino gehörte die Siedlung ab dem 12.01.1965 zum Dorfsowjet Prochladnoje. Zu dieser Zeit war Saliwino jedoch wegen der ständigen Überflutung der Landverbindungen bereits verlassen. Dazu trug auch bei, dass die Kolchosen sich vor allem um den Ausbau ihres zentralen Hofes kümmerten, während abgelegene Dörfer für sie eine Last waren. Deshalb versuchten die Kolchosbauern, in den zentralen Ort umzuziehen. Zudem sind aus den 1960er Jahren Fälle bekannt, in denen Umsiedler in die Gegenden zurückkehrten, aus denen sie gekommen waren. 1972 ist Saliwino als Wüstung mit Gebäuderuinen verzeichnet; danach wurde die Siedlung nicht wieder aufgebaut. Spätestens 1975 wurde Saliwino offiziell aus dem Ortsregister gestrichen.
Koordinaten der Siedlung: 55°03'16'' n. Br. 21°13'37'' ö. L.
Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Tawe: 1818 – 475, 1852 – 641, 1867 – 771, 1871 – 792, 1885 – 924, 1895 – 931, 1905 – 811, 1910 – 782, 1925 – 677, 1933 – 584, 1936 – 589, 1939 – 840, 1946 – 1221 Einwohner.
Bevölkerungsstruktur von Tawe 1871: evangelische Christen – 765, Katholiken – 19, Juden – 8, Kinder unter 10 Jahren – 174, Lese- und Schreibkundige – 223 (von 601 Befragten, 37 %), Blinde – 1, Geisteskranke – 1.
Zur Information
Einwohnerzahl der Försterei Tawe: 1905 – 4 Einwohner.
Bevölkerungsentwicklung der Försterei Siberien: 1885 – 10, 1895 – 7, 1905 – 6 Einwohner.
1 – davon 102 Personen deutscher Bevölkerung.
Foto: Bildarchiv Ostpreußen
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

