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Kurische Nehrung

Kurische Nehrung

Blick von der Düne Olenja Buda auf das Kurische Haff in Richtung Liwta.

Die Nehrung ist 98 Kilometer lang. Die Hälfte davon gehört zu Russland, der andere Teil zur Republik Litauen. Die größte Sandnehrung der Welt entstand unter dem Einfluss von Wind und Meeresströmungen, die im Laufe von Jahrtausenden zwei ältere Nehrungen – die samländische und die memelländische – miteinander verbanden. Dabei bildete sich eine Lagune, die später den Namen Kurisches Haff erhielt. Die Namen der Nehrung und des Haffs gehen auf den Stamm der Kuren zurück, der hier vor der Kolonisierung Preußens durch die Deutschen im 13. Jahrhundert lebte. In ihrer heutigen Gestalt ist die Kurische Nehrung bis in unsere Zeit dank der titanischen Anstrengungen von Menschen erhalten geblieben, die im 19. Jahrhundert ihre Versandung aufhielten.

Im Süden, am Ansatz der Nehrung, liegt die Stadt Selenogradsk, im Norden Klaipėda (Litauen). Auf dem russischen Teil befinden sich drei Siedlungen: Lesnoi, Rybatschi und Morskoje. Auf dem litauischen liegt der Kurort Neringa, der vier Siedlungen umfasst (Nida, Preila, Pervalka und Juodkrantė), sowie zwei weitere Siedlungen an der Meerenge im Norden der Halbinsel (Alksnynė und Smiltynė; letztere ist formal ein Stadtteil von Klaipėda). Diese litauische Hafenstadt ist von der Nehrung durch eine Meerenge getrennt, über die eine Fähre verkehrt. Die Breite der Nehrung schwankt zwischen 400 Metern (bei der Siedlung Lesnoi) und 3,8 km (nördlich von Nida). Das gesamte Gebiet der Nehrung steht unter Naturschutz und ist auf zwei Nationalparks aufgeteilt – einen russischen und einen litauischen. Im Jahr 2000 wurde die Kurische Nehrung in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Schon allein wegen der unvergleichlichen Schönheit ihrer Natur und der besten Strände des Gebiets Kaliningrad lohnt sich eine Reise auf die Nehrung. Die Hauptattraktion hier sind jedoch die Dünen. Zu den bekanntesten auf dem russischen Teil der Nehrung führen heute die Wanderrouten „Müllerhöhe“, „Epha-Düne“ und „Schwanensee“. Von den dort errichteten Aussichtsplattformen eröffnen sich unvergessliche Blicke auf die Ostsee und das Kurische Haff.

Kaum eine Fahrt auf die Nehrung vergeht ohne Begegnung mit Tieren. Meist sind es Füchse und Wildschweine, die sich so sehr an den Menschen gewöhnt haben, dass sie aus dem Wald kommen, um Kontakt zu suchen und um etwas Leckeres zu betteln. (Seit Juni 2023 ist das Füttern von Wildtieren auf der Nehrung streng verboten. Wer gegen das Verbot verstößt, riskiert ein Bußgeld.) Mit etwas Glück sehen Sie Elche und Rehe und begegnen Seehunden, die sich gern an den hiesigen Stränden ausruhen. Über die Kurische Nehrung verläuft eine Art „Vogelbrücke“, über die die Vögel zweimal im Jahr ziehen. 1901 wurde hier die erste Vogelwarte der Welt gegründet, die bis heute arbeitet. Die Pflanzenwelt der Nehrung besteht zu mehr als der Hälfte aus bewusst vom Menschen ausgewählten Neophyten – Arten, die auf Betreiben des Menschen im kargen Sandboden der Nehrung Wurzeln geschlagen haben.

Tafeln der Geschichte

Archäologische Funde bei der litauischen Siedlung Juodkrantė erlauben die Feststellung, dass die Nehrung bereits im dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung in ihrer ganzen Länge ausgebildet war und die Küsten des Samlands und Schemaitens (des Gebiets Kaliningrad und Litauens) miteinander verband.

In den Urkunden des Deutschen Ordens wird die Nehrung erstmals 1258 als Nestland erwähnt, was aus dem Deutschen übersetzt „Land der Nester“ bedeutet und an ihren alten Namen in der Sprache der Kuren, eines örtlichen baltischen Stammes, anklingt – Nerge oder Neria. Später wandelte sich der deutsche Name der Nehrung zu Kurische Nehrung (dt. Nehrung – „Landzunge, Sandbank“). Übrigens heißt die wichtigste Gemeinde auf dem litauischen Teil der Nehrung bis heute Neringa.

„Auf der Kurischen Nehrung“. Aquarell von Wilhelm Eisenblätter (1866–1934).„Auf der Kurischen Nehrung“. Aquarell von Wilhelm Eisenblätter (1866–1934).

Praktisch die gesamte Geschichte der Kurischen Nehrung ist ein ständiger Kampf des Menschen mit dem Sand, der mit wechselndem Erfolg geführt wurde. Im 16. bis 19. Jahrhundert versandete die Nehrung fast vollständig, und man nannte sie scherzhaft sogar die „Preußische Sahara“. Erst im 19. Jahrhundert gelang es den Menschen vorübergehend, die Natur zu besiegen, indem sie das örtliche Ökosystem umgestalteten.

Die wichtigste Funktion, die die Nehrung historisch erfüllte, war die eines Verkehrswegs. Vor der Kolonisierung der Region durch den Deutschen Orden bot die Nehrung Litauern und Kuren die Möglichkeit, in die prußischen Gebiete vorzudringen. Bis einschließlich zum 19. Jahrhundert verlief über sie die einzige Straße von Westeuropa in den Norden des Baltikums – nach Riga und Sankt Petersburg. Am Rande dieses alten Handelswegs errichtete der Orden im 14. Jahrhundert die Burg Rossitten (heute die Siedlung Rybatschi). Alle Ortschaften, die auf der Nehrung entstanden, bildeten sich ursprünglich um Gasthöfe herum. Die Chaussee Königsberg–Taplacken–Tilsit–Tauroggen, die die Straße über die Nehrung ablöste, wurde gegen Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut (1830–1834).

Die Kuren

Als Urbevölkerung der Kurischen Nehrung gilt das baltische Volk der Kuren, nach dem die Nehrung ihren heutigen Namen erhielt. Hier sei auch angemerkt, dass der in Russland weithin bekannte Ortsname Kurland (so hieß früher ein Teil des Gebiets des heutigen Lettlands) ebenfalls auf das Wort „Kuren“ zurückgeht.

Im 6. und 7. Jahrhundert besiedelten die Kuren einen Abschnitt der Ostseeküste zwischen den heutigen Städten Liepāja (Lettland) und Klaipėda (Litauen). Im 10. und 11. Jahrhundert ließen sie sich auch auf der Kurischen Nehrung nieder.

Segelflugzeug über der Kurischen NehrungSegelflugzeug über der Kurischen Nehrung.

Die Kuren waren ein starker und kriegerischer Stamm, der nicht nur die Angriffe der damaligen Schrecken der Meere – der Wikinger – abwehren konnte, sondern auch mehrfach zu Vergeltungsfeldzügen an die Küsten Skandinaviens aufbrach. Im 12. Jahrhundert lautete eines der verbreitetsten Gebete in den Kirchen Dänemarks: „Herr, bewahre uns vor den Kuren!“

Flundertrocknen in Sarkau (Lesnoi)Flundertrocknen in Sarkau (Lesnoi).

Die traditionelle kurische Kultur – insbesondere die flachbodigen Boote mit ihren originellen geschnitzten Wimpeln an den Masten, die Trachten und die Sagen – existierte auf der Nehrung bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Heute kann man sie nur noch in Museen kennenlernen, auf der Kurischen Nehrung in Nida. Sprecher der kurischen Sprache gibt es auf der Nehrung ebenfalls nicht mehr. Einige kurische Familien, die sie bewahren, leben heute in den USA.

Das Relief der Nehrung

Praktisch das gesamte Relief der Nehrung ist vom Wind geschaffen, und sie selbst ist sein Werk. Doch im 19. Jahrhundert griff der Mensch in die äolischen1 Prozesse ein, befestigte die Meeresküste und stoppte die Wanderung des Sandes über die Oberfläche der Halbinsel. Das Querprofil der Nehrung ist sehr klar gegliedert: Seestrand, Vordüne, Palwe (sumpfiges Tal), Dünenkette, Haffpalwe, Strand am Ufer des Kurischen Haffs.

Die Vordüne ist der Schutzwall der Nehrung und zieht sich entlang des gesamten Seestrands an ihrer Küste. Sie besteht aus natürlich entstandenen Dünen und aus im 19. Jahrhundert angelegten Reisig- und Schilfzäunen, die nach und nach vom Sand zugeweht wurden.

Das bewaldete Tal im mittleren Teil der Nehrung zwischen dem Schutzwall an der Seeküste und den Dünen entlang des Haffufers heißt Palwe. Das Wort stammt vom kurischen palv – Ödland. Gerade durch dieses Tal führt heute die Straße. Das Tal am Haffufer wird Haffpalwe genannt.

Die gewaltigen Sanddünen, das Markenzeichen der Nehrung, liegen entlang des Ufers des Kurischen Haffs. Bevor sie im 19. Jahrhundert begrünt wurden, waren die Dünen in Bewegung und stellten eine permanente Bedrohung für alles dar, was der Mensch hier zu unternehmen versuchte.

Auf der Aussichtsplattform der Epha-DüneAuf der Aussichtsplattform der Epha-Düne.

Ohne die Anstrengungen, die die Menschen im 19. Jahrhundert unternahmen, um die Kurische Nehrung in ein bewohnbares Gebiet zu verwandeln, wäre sie statt mit Wäldern, Siedlungen und einer Straße mit Sand und Dünen unterschiedlicher Höhe bedeckt. Doch zum Glück fand der Mensch einen Weg, die Verwandlung der Nehrung in die „Preußische Sahara“, wie man sie bereits zu nennen begann, zu verhindern.

Blick von der Epha-Düne in Richtung MeerBlick von der Epha-Düne in Richtung Meer.

Die Versandung der Nehrung begann Mitte des 16. Jahrhunderts, als der Wald, der auf ihr wuchs, rücksichtslos abgeholzt und über das Haff für den Bedarf Königsbergs abtransportiert wurde. Die auf der Nehrung entstandenen Ödflächen begannen mit Heidekraut zuzuwachsen, das die örtlichen Waldbienenzüchter regelmäßig abbrannten, weil sie aus irgendeinem Grund überzeugt waren, junge Pflanzen seien für die Bienen attraktiver. Unterdessen setzte sich der Sand der Nehrung, seiner Pflanzendecke beraubt, in Bewegung und begann alles auf seinem Weg zu verschlingen. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelang es den Menschen, ihn aufzuhalten, indem sie praktisch die ganze Nehrung mit sandliebenden Pflanzen bepflanzten, die aus Wüstenregionen der ganzen Welt herbeigeschafft worden waren und sich als fähig erwiesen, die Oberfläche der Nehrung mit ihren Wurzeln zu binden.

Heute sind die Dünen der Schmuck der Kurischen Nehrung und ihre wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Man unterscheidet grüne (stabile) Dünen, auf denen Wald wächst, graue (Übergangs-)Dünen, die mit Gräsern und Sträuchern bewachsen sind, und weiße (Wander-)Dünen, deren Sand sich weiterhin nach dem Willen des Windes bewegt. Die höchste Düne auf dem russischen Teil der Kurischen Nehrung ist die Epha-Düne (h>60 m). Sie trägt den Namen des Mannes, der die Wanderung des Sandes in Richtung der Siedlung Morskoje (Pillkoppen) aufhielt, und erwartet die Touristen bei Kilometer 42 der Straße Selenogradsk–Klaipėda.

Ein langer Weg durch die Dünen

Das Hauptproblem für die Bewohner der Nehrung und die Reisenden auf ihr war seit jeher der Sand. Die Menschen wussten nicht, wie sie ihn beherrschen sollten. Vom Wind getrieben, verschlang er alles auf seinem Weg und verschonte selbst ganze Dörfer nicht. Deshalb verlief der größte Teil der einzigen Straße aus dem Norden Europas in seine Mitte, die über die Nehrung führte, an den Ufern des Meeres und des Haffs. Jahrhundertelang mussten die Kutschen mit den Reisenden fast die Hälfte der Strecke von Cranz (Selenogradsk) nach Memel (Klaipėda) am Saum des Meeres entlangrollen, mit einem Räderpaar im Wasser, wo der Sand stets ebener und fester ist. Kein Mobilfunk, keine elektrische Beleuchtung, keinerlei Straßenbelag – versuchen Sie, sich in die Lage derer zu versetzen, die hier vor nur zweihundert Jahren reisten!

Betreiber der Straße über die Nehrung war im 13. bis 15. Jahrhundert der Deutsche Orden. Die Verbindung zwischen seiner Hauptstadt Marienburg (heute Malbork, Polen), Memel (Klaipėda), Riga und den übrigen deutschen Besitzungen an den Ostseeküsten verlief ausschließlich über die Kurische Nehrung.

Picknick am Ufer des Kurischen HaffsPicknick am Ufer des Kurischen Haffs.

Um die Sicherheit zu gewährleisten, wurden im 14. Jahrhundert am Anfang, in der Mitte und am Ende der Nehrung Burgen errichtet – Neuhausen, Rossitten und Memel. Die erste befand sich in der Gegend des heutigen Selenogradsk, die zweite in der Siedlung Rybatschi, die dritte in Klaipėda.

Ferienhäuschen auf einem Campingplatz am Ufer des Kurischen HaffsFerienhäuschen auf einem Campingplatz am Ufer des Kurischen Haffs.

Alle Ortschaften auf der Nehrung wuchsen um Gasthöfe herum, die zugleich Poststationen waren. Im 17. Jahrhundert wurde die Straße über die Nehrung Teil der offiziellen Postroute, die den westlichsten Punkt der „deutschen Welt“ in Kleve am Rhein mit dem östlichsten – Riga – verband. Erst 1834, als der Bau der neuen Poststraße von Tilsit nach Sankt Petersburg abgeschlossen war, verlor die Nehrung ihre strategische Bedeutung.

Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Zufahrt mit Autos auf die Nehrung ausschließlich Krankenwagen und der Feuerwehr gestattet. Alle anderen hatten Fahrräder, Pferdefuhrwerke oder Wasserfahrzeuge zu benutzen. Die Urlauber kamen meist mit Schiffen über das Kurische Haff an, was die Einzigartigkeit dieses Ortes besonders unterstrich.

Die Pflanzenwelt

Wer auf die Nehrung kommt, staunt über die Schönheit und Vielfalt ihrer Pflanzenwelt. Doch der Mensch hat keineswegs immer zur Erhaltung der hiesigen Naturschätze beigetragen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war praktisch der gesamte Wald auf der Kurischen Nehrung vernichtet – weil er sich so bequem über das Haff abtransportieren ließ. Das führte zu einer ökologischen Katastrophe: Der Sand geriet in Bewegung und begann, ein Dorf nach dem anderen zu verschlingen. Mit diesem Zustand konnte man sich nicht abfinden. Die Königsberger Behörden schrieben daher einen Wettbewerb für Projekte zur Befestigung des Sandes aus. Gewonnen wurde er von Professor Titius, der vorschlug, die Erfahrungen Dänemarks zu nutzen, wo man ein ähnliches Problem zu jener Zeit bereits erfolgreich mit Hilfe sandliebender eingeführter Pflanzen gelöst hatte.

Blumen am Ufer des Kurischen HaffsBlumen am Ufer des Kurischen Haffs.

Die beispiellose Kampagne zur Befestigung der Dünen begann an der Seeküste: Auf der gesamten Länge der Nehrung wurde eine Vordüne angelegt, die der zerstörerischen Wirkung von Wasser und Wind standhielt.

Strand in Morskoje, rechts die VordüneStrand in Morskoje, rechts die Vordüne.

Gleichzeitig begann man im mittleren Teil der Nehrung (der Palwe), mehrere Kiefernarten anzupflanzen, die aus verschiedenen Teilen der Welt herbeigeschafft worden waren und sich für die sehr speziellen örtlichen Bedingungen als am besten geeignet erwiesen. Neben den Bäumen sollten auch eingeführte sandliebende Pflanzen und Sträucher das Relief der Nehrung befestigen. Als Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit wurde die Wanderung des Sandes gestoppt, der Bau einer Straße und von Gebäuden wurde möglich – es entstand ein neues Ökosystem, das uns bis heute durch seine Harmonie in Erstaunen versetzt. Auf der Nehrung wachsen Dutzende Pflanzenarten, die im Roten Buch verzeichnet sind; ihr Gebiet ist Nationalpark und steht unter dem Schutz der UNESCO.

Die Tierwelt

Nirgendwo sonst im Gebiet Kaliningrad leben auf einem so kleinen und von allen Seiten begrenzten Gebiet so viele Wildtiere Seite an Seite mit dem Menschen. Kaum eine Fahrt auf die Nehrung vergeht ohne Begegnung mit ihnen. Reh, Hirsch, Elch, Wildschwein, Fuchs, Dachs, Marder und andere Arten leben hier in Harmonie mit dem Menschen. Wer auf der Nehrung unterwegs ist, sollte ihren Bewohnern gegenüber äußerst aufmerksam sein – vor allem beim Autofahren auf der Straße, die die Tiere oft überqueren, besonders in der Dunkelheit.

Graureiherkolonie auf der Kurischen NehrungGraureiherkolonie auf der Kurischen Nehrung.

Auf der Nehrung kann man mehr als 250 Vogelarten beobachten, von denen etwa 100 hier brüten; die übrigen ziehen während der saisonalen Wanderung durch. Der größte Greifvogel, der auf der Nehrung brütet, ist der Seeadler.

Wildschweine auf der Kurischen NehrungWildschweinen kann man auf der Kurischen Nehrung an den unerwartetsten Orten begegnen.

Hier brüten Graukraniche und Reiher, die auf der Nehrung die größte Kolonie im Gebiet Kaliningrad haben – mit etwa 400 Paaren. Ihre Nester bedecken den Wald auf einer Fläche von rund drei Hektar. Eine Zierde der Seen der Kurischen Nehrung sind die Höckerschwäne. Am zahlreichsten aber sind hier die Buchfinken (lat. Fringílla coélebs). Nach ihnen ist die berühmte örtliche Vogelwarte „Fringilla“ benannt.

An den Seestränden des Nationalparks kann man auf ruhende Seehunde stoßen. In einem solchen Fall ist es sehr wichtig, die Tiere nicht zu stören und ihr Vertrauen und ihre Schutzlosigkeit nicht auszunutzen.

Die Bettler

Wenn Sie ein Frühaufsteher sind und mit den ersten Sonnenstrahlen auf die Nehrung kommen oder sich verspäten und erst im Dunkeln zurückfahren, ist die Wahrscheinlichkeit groß, ihren vierbeinigen Bewohnern zu begegnen. Meist sind es Rehe, Elche oder Wildschweine, mit etwas Glück auch Rothirsche. Sie können am Straßenrand entlanglaufen oder die Fahrbahn überqueren, deshalb sollte man am Steuer äußerst vorsichtig sein, sich nicht beeilen und die durch Schilder vorgegebene Geschwindigkeit einhalten. Doch unter den Bewohnern der Nehrung gibt es besonders mutige und neugierige. Meist sind es Wildschweine und Füchse.

Ein kurischer Fuchs bettelt auf der StraßeEin kurischer Fuchs, der auf der Straße bettelt.

Die Füchse betteln gewöhnlich am Grenzübergang um Futter. Als spürten sie, dass die Menschen, die unter Videoüberwachung in ihren Autos warten, bis sie an der Reihe sind, hier nicht aussteigen und ihnen erst recht nichts Böses antun können. Etwas Leckeres mit ihnen zu teilen – das dagegen kommt oft vor.

Die Wildschweine sind aus irgendeinem Grund mit den Grenzbeamten nicht befreundet, können aber ohne Weiteres auch tagsüber auf einem Parkplatz oder an der Abzweigung zu einer örtlichen Sehenswürdigkeit auf Sie zukommen – sie wissen, wo am ehesten etwas für sie abfällt. Man sollte ihnen gegenüber natürlich vorsichtig sein und ihnen kein Futter direkt aus der Hand geben. Doch besonders fürchten muss man sich auch nicht. Wir leben auf der Nehrung ständig Seite an Seite mit den Tieren, und in all den Jahren ist den Menschen noch nichts Schlimmes passiert.

Meer und Strände

Im Gebiet Kaliningrad gibt es viele wunderbare Strände, doch niemand wird bestreiten, dass die besten von ihnen hier liegen – auf der Kurischen Nehrung. Sie fragen, warum? Nicht nur, weil die ganze Nehrung ein einziger prächtiger Seestrand von fast hundert Kilometern Länge ist!

Nur hier können Sie sich, wenn Sie möchten, für Ihre Erholung einen Platz aussuchen, an dem weit und breit niemand ist. Der Pfad zum Strand und zurück führt in neun von zehn Fällen durch reinsten Wald. Und erst der Sand! Laufen Sie einmal barfuß darüber, und Sie werden hören, wie er „singt“. Dieser Klang ist eine einzigartige Eigenschaft des hiesigen feinkristallinen Sandes.

Wer großes Glück hat, kann am hiesigen Strand einem Seehund begegnen. Diese Tiere kommen hier gern aus dem Wasser, um sich ein wenig auszuruhen und sich in der Sonne zu wärmen.

Und echte Glückspilze können junge Elche oder Rehe sehen, die sich am Ufer erfrischen. In solchen Fällen ist es wichtig, die Tiere nicht zu erschrecken, sondern sie aus der Entfernung zu beobachten.

Vergessen wir auch die Strände am Kurischen Haff nicht. Wegen seiner geringen Tiefe erwärmt sich das Wasser in der Lagune auf bis zu 27 Grad, und der Sand ist ebenso herrlich wie an der Seeküste. Für Kinder ist das hier ein wahres Paradies!

Was die Vorsichtsmaßnahmen betrifft, so sind sie die üblichen: Wenn auf dem Meer Sturm herrscht, sollte man das Schicksal nicht herausfordern. Im Sommer gibt es auf der Ostsee jedoch keine Stürme, deshalb droht den Touristen hier keine Gefahr.

Daran sollten Sie denken

Die Kurische Nehrung ist ein sehr empfindliches Ökosystem, dessen Gleichgewicht in Jahrzehnten titanischer menschlicher Anstrengungen erreicht wurde. Zerstören lässt sich dieses Gleichgewicht viel schneller. Wer auf die Nehrung fährt, sollte sich die Beschränkungen in Erinnerung rufen, die uns helfen, dieses Naturdenkmal für die kommenden Generationen zu bewahren, ebenso wie die Regeln der persönlichen Sicherheit:

► Wenn Sie mit dem eigenen Fahrzeug auf der Nehrung unterwegs sind, überschreiten Sie nicht die vorgeschriebene Geschwindigkeit. Besonders nicht in der Dunkelheit. Oft treten Tiere auf die Straße. Die Nehrung ist ihr Zuhause. Respektieren Sie ihr Recht, darin umherzugehen und umherzulaufen.

► Das Füttern von Wildtieren auf der Kurischen Nehrung ist streng verboten.

► Alle von den Mitarbeitern des Nationalparks aufgestellten Schilder, die den Zugang zu bestimmten Orten beschränken, sind zu beachten. Die Kurische Nehrung ist ein Nationalpark – ihre einzigartige Natur steht unter staatlichem Schutz.

► Seien Sie beim Baden im Meer, besonders bei Sturm, äußerst vorsichtig. Rückströmungen gibt es hier nach wie vor. Wenn Sie in eine geraten (und das werden Sie spüren – es beginnt Sie aufs offene Meer hinauszuziehen!), versuchen Sie nicht, gegen die Strömung zu schwimmen, sondern schwimmen Sie seitlich aus ihr heraus – parallel zum Ufer. Und erst wenn Sie spüren, dass es Sie nicht mehr aufs offene Meer zieht, schwimmen Sie zum Ufer. Die Wellen werden Ihnen helfen.

► Zecken sind auf der Nehrung ebenso verbreitet wie im gesamten Gebiet Kaliningrad. Treffen Sie bei Spaziergängen durch die Wälder des Nationalparks alle nötigen Vorsichtsmaßnahmen. Untersuchen Sie sich nach der Rückkehr unbedingt. Wenn Sie eine festgesaugte Zecke entdecken, geraten Sie nicht in Panik. Wenden Sie sich an die Poliklinik Ihres Wohnorts oder an eine rund um die Uhr geöffnete Unfallambulanz (in Kaliningrad gibt es drei – im Zentralen Städtischen Krankenhaus, im Krankenhaus für Notfallmedizin und im Gebietskinderkrankenhaus), wo man Ihnen hilft, das Insekt zu entfernen, und die Wunde versorgt. Anschließend sollte die Zecke zur Untersuchung im Labor des Zentrums für Hygiene und Epidemiologie im Gebiet Kaliningrad in der Kosmitscheskaja-Straße 27 abgegeben werden. Die Einrichtung ist werktags von 8:30 bis 15:00 Uhr geöffnet, Mittagspause von 12:00 bis 12:40 Uhr. Telefon für Auskünfte: 53-23-94.

1 — Das Adjektiv äolisch leitet sich vom Namen des Aiolos ab, des altgriechischen Gottes der Winde.


Aktuelle Fotos von Michail Ogorodnikow.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.