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Memel und Kleinlitauen zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Memel und Kleinlitauen zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Im Jahr 1817 erschien in Deutschland das Buch „Bemerkungen eines Russen über Preussen und dessen Bewohner gesamelt auf einer im Jahr 1814 durch dieses Land unternommenen Reise“. Es besteht aus 16 Briefen eines russischen Reisenden, der 1814 zum ersten Mal an die Ufer von Pregel und Njemen kam, an seinen Freund, einen Deutschen. Im ersten Brief des Buches erzählt der Verfasser, der auf Wunsch der Herausgeber anonym blieb, von der ersten Stadt auf seinem Weg – Memel (heute Klaipėda) – und von einer Fahrt auf dem Njemen über Prökuls, Heydekrug und Ruß nach Tilsit (Priekulė, Šilutė, Rusnė, Sowetsk). Ins Russische wurde dieser Text bisher nicht übersetzt.

LEGENDEN PREUSSENS im Blog von Tatjana Koliwai.

Preußen wird selten von Reisenden besucht, die ihre Kenntnisse über dieses Land erweitern möchten. Deshalb ist es gewissermaßen noch immer eine Terra incognita. Die wenigen Pilger, die über Preußen geschrieben haben, vermitteln meist ein völlig falsches Bild davon. Fast alle schildern es als öde, trostlose Wildnis, deren Bewohner auf derselben Kulturstufe stünden wie ihre Nachbarn, die Polen und Russen. Die Franzosen glauben ohnehin, hier sei alles schrecklich. Dank meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Studium der Geschichte, hatte ich Gelegenheit, preußische Chroniken zu lesen, von denen manche längst bibliographische Seltenheiten geworden sind: die von Simon Grunau, Caspar Hennenberger, Paul Weisel und Christoph Hartknoch. In jedem dieser alten Bücher fand ich ein Paradies namens Preußen, über das die Natur ihren Segen reichlich ausgießt. Deshalb unternahm ich im Jahr 1814 eine Reise durch Preußen, die mir die beste Gelegenheit bot, den widersprüchlichen Behauptungen meiner Vorgänger auf den Grund zu gehen.


[ 1814 ]

Die preußische Grenze. – Ankunft in Memel. – Lage der Stadt. – Architektur. – Lebensweise. – Das schöne Geschlecht. – Lustfahrten zu Wasser und zu Lande. – Eine gefährliche Fahrt. – Das Kurische Haff. – Sandbänke. – Die Sage von ihnen. – Handel. – Schmuggel. – Entführung von Zöllnern. – Ausflug nach Litauen. – Schöne Aussicht von Prökuls. – Wasserfahrt nach Heydekrug. – Ruß. – Lachsfang. – Der Njemen. – Die Litauer. – Ihre Sitten und Bräuche. – Die litauische Niederung. – Die Salzburger.


Ich atmete erleichtert auf, als nach langer und ermüdender Zollabfertigung der Schlagbaum in Polangen1 sich endlich hinter mir senkte und ich die preußische Grenze überschritt. Ein glückliches Gefühl überkam mich bei dem Gedanken, wieder auf freiem deutschem Boden zu sein, wo man seine Gedanken ohne Furcht aussprechen darf, wo geistige Nahrung, derer jeder gebildete Mensch bedarf, nicht verboten und keine Schmuggelware ist und wo kein engstirniger Zensor bestimmt, was ich lesen soll und was nicht. Also leb wohl, liebes Kurland! Ich werde deine guten Bewohner in Erinnerung behalten, die Willkür der Zöllner aber, die mir manche ärgerliche Minute bereitet haben, unter diesem freundlicheren Himmel bald vergessen.

Die Einreise nach Preußen konnte man beim besten Willen nicht angenehm nennen, denn der endlose Sand, der in Kurland beginnt, zieht sich ununterbrochen bis nach Memel hin. Es gibt weit und breit keinen einzigen Gegenstand, an dem das Auge haften könnte. Darum ist der Schlaf, der einen in der langsam dahinkriechenden Kutsche leicht übermannt, ein Segen. Doch endlich erreichte ich das Ziel meiner Reise: Die tiefe Stille, die nur vom Knarren der Kutsche unterbrochen wurde, verwandelte sich in lautes, lebhaftes Treiben, und ein gastliches Wirtshaus empfing den Wanderer, der nicht vom Weg, sondern von der Langeweile ermüdet war.

Memel liegt in einer öden, trostlosen Ebene, die von der Ostsee und dem Kurischen Haff umspült wird, an beiden Ufern der Dange2, eines kleinen, langsam fließenden, aber wasserreichen Flusses, der hier in den Kanal mündet, welcher das Haff mit dem Meer verbindet.

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Ringsum findet man weder Gärten noch Promenaden, weder grüne Wiesen noch schattige Wälder. Überall Sand und nichts als Sand und eintönige Gewässer, an deren Horizont die majestätischen Dünen der Kurischen Nehrung aufragen.

Memel ist unregelmäßig bebaut, doch die Stadt ist nicht übel. Manche ihrer Straßen wären einer Hauptstadt durchaus würdig, aber wie in allen Seestädten zeigt sich guter Geschmack selten, wenn es um die städtische Architektur geht. Die Lindenstraße ist zweifellos die schönste von allen Straßen; sie ist mit vier Reihen Linden bepflanzt, in deren Schatten die Bürger gern spazieren gehen, denn es ist die einzige Promenade. Das an dieser Straße gelegene Hotel Das Argelandersche Haus3 zeichnet sich durch erlesene Architektur und bequeme Einrichtung aus.

Am Ufer der Dange steht das Haus des Kaufmanns Consentius, in dem im Jahr 1807 der König und die Königin von Preußen wohnten. Es ist im italienischen Stil mit flachem Dach erbaut und mit edlem Geschmack ausgestattet. Die Ähnlichkeit mit dem Kronprinzenpalais in Berlin, in dem der König heute wohnt, machte dem erlauchten Königspaar den Aufenthalt in diesem Haus erträglicher.

Trotz seiner abgeschiedenen Lage ist Memel selbst für jene, die sich nur kurze Zeit hier aufhalten, ein recht angenehmer Ort. Die außerordentliche Geschäftigkeit, die hier zu jeder Tageszeit herrscht, bietet dem Reisenden manche Unterhaltung. Eine Menge großer Seeschiffe, die beim Be- und Entladen auf dem Fluss verkehren, kleinere Fahrzeuge, die Lebensmittel und Waren befördern, Reeder, Arbeiter, Litauer, Russen, Juden, Polen, Engländer, die sich im lebhaften Getümmel drängen; hier werden Schiffe kalfatert, Waren verpackt, Zöllner eilen geschäftig umher, und an den Rändern der Stadt drehen sich unablässig hundert Windmühlen. Und wenn die See stürmisch wird und die Lotsen sich beeilen, die Schiffe in den Hafen zu bringen, wird das Gesamtbild umso reizvoller.

Wenn ein Russe oder ein Deutscher England zu besuchen gedenkt, sollte er einige Zeit in Memel verbringen, um sich an gewisse Sitten und an den Ton der Engländer zu gewöhnen, die jeden Nichtbriten anfangs abstoßen.

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Die Memeler, die ihren Außenhandel fast ausschließlich mit Engländern betreiben, sind in die Sitten und Gebräuche dieser Inselbewohner so verliebt, dass sie sie bei jeder Gelegenheit nachahmen, wobei es an komischen Situationen nicht fehlt. Man spricht, besonders in den großen Handelshäusern, nur Englisch, isst, trinkt, spielt und vergnügt sich nach englischer Art, hat dieselben Launen wie die Engländer und ist ebenso grob und ungesellig wie sie. Ein Fremder, der dank seiner Empfehlungen in eine Gesellschaft eingeladen wird, kann stundenlang sich selbst überlassen bleiben, und niemand denkt auch nur daran, ein Gespräch mit ihm anzuknüpfen. Die Anwesenden benehmen sich, als wäre er nicht da, und jede Frage, die er stellt, wird mit einer einsilbigen Antwort abgeschnitten. Erst wenn die Anwesenden erfahren, dass der Neuankömmling aus einer Handelsstadt kommt, stellt man ihm vielleicht nach englischer Art die Frage: Wie viel ist dieser oder jener Mensch wert? Das heißt, über welches Kapital verfügt er? Die Frauen beteiligen sich selten am Gespräch, besonders bei Tisch: Sie gehen, sobald die Mahlzeit beendet ist und die Zeit anbricht, ohne Maß und Ziel zu trinken.

Wenn ich mich schon zu einem Gläschen oder zweien entschließe, erlaube ich mir nur leichte französische Weine; Portwein und Madeira aber, die hier gewöhnlich nach dem Mittagessen gereicht werden, sind in der Regel so stark mit Rum versetzt, dass man wahrhaftig in dieser ruhmreichen Stadt geboren sein muss, um einige Flaschen dieses Gebräus ohne Folgen für die Gesundheit zu leeren.

Endlich ist das Gelage vorüber, die Damen erscheinen wieder, mit ihnen der Tee und unversehens auch die Karten. Wer nicht abermals die Rolle einer stummen Puppe spielen will, muss sich am Spiel beteiligen, bei dem man einige hundert Rubel verlieren kann. Das dauert bis tief in die Nacht, und nachdem man ein kaltes Abendessen und eine tüchtige Portion Punsch genossen hat, geht man nach Hause, um das Verzehrte zu verdauen. Und der nächste Tag wiederholt den vorigen. So, mit einigen Abwandlungen, sieht hier das gesellschaftliche Leben aus.

Ich war auch auf einigen Damengesellschaften, über die sich wenig hinzufügen lässt. Die Damen sprechen schlecht Französisch, singen schlecht, spielen recht mittelmäßig auf dem Pianoforte und quälen erbarmungslos die Saiten der Gitarre. Den hiesigen Frauen ist jeder Anflug einer gründlichen Bildung völlig fremd, weshalb ein Gespräch mit ihnen keineswegs reizvoll ist.

Die anwesenden jungen Herren sind völlig unerträglich: Erregen Deutsche, die sich als Französinnen geben, eher Mitleid, so sind Deutsche, die Engländer spielen, widerwärtig.

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Dabei dürfen die hiesigen Vertreterinnen des schönen Geschlechts mit Recht beanspruchen, schön genannt zu werden: Ihr Wuchs, ihre Haltung, ihr Teint, ihre Formen sind über jedes Lob erhaben. Auch kann man, der Gerechtigkeit halber, ihren Geschmack und die Eleganz ihrer Kleidung nur bewundern. Wenn es aber um die geistige Bildung geht, glänzen die Schönen – man lasse meinem Zartgefühl Gerechtigkeit widerfahren – nicht gerade. Sie sind daran nicht schuld: Es fehlt ihnen nicht an der Fähigkeit zur Selbstbildung, wohl aber an der Möglichkeit, ihren Geist zu entwickeln. In Memel gibt es keine Gelehrten außer den wenigen, die es ex oficio4 sein müssen, keine Künstler, keine Buchhandlungen, keine Gemälde- und Kunstsammlungen – rein gar nichts, was den Geschmack verfeinern, den Geist beschäftigen, die Sitten mildern könnte. Das Theater ist unbeschreiblich armselig. Die Memeler empfinden das selbst und besuchen es selten. So bleibt den guten Frauen nichts anderes übrig, als sich mit ihrem Putz, den Karten und dem Stadtklatsch zu beschäftigen, den man jedem weitererzählt, der ihn hören will.

Zu den Vergnügungen zählen hier Wasserfahrten auf dem Kurischen Haff und Barfußwanderungen über die Dünen, knietief im Sand. Die Wasserfahrten haben in der Tat viel Angenehmes, auch wenn sie nicht immer ungefährlich sind, denn das Wetter auf dem Meer ist unbeständig, und es kann jeden Augenblick stürmisch werden. Wie man aber das Wandern unter sengender Sonne in Sandwolken über endlose Dünen für ein Vergnügen halten kann, bleibt mir unverständlich. Und doch musste ich, um nicht unhöflich zu erscheinen, an diesem sogenannten Vergnügen teilnehmen.

Klemmenhof ist der einzige Ort in der Nähe von Memel, wo die Umgebung zwar nicht gerade schön ist, wo es aber wenigstens genug Schatten gibt. Doch er wird nicht oft besucht, denn die Memeler mögen keinen Schatten.

Eine Fahrt über das Kurische Haff wäre beinahe meine letzte gewesen. Das schöne Wetter bewog die Gesellschaft, zu der auch ich gehörte, zu einer Wasserfahrt, und wir bestiegen ein offenes Boot mit Mast, Segel und Ruder. Wir legten damit eine ziemlich große Strecke auf dem Haff zurück, da ein günstiger Wind wehte.

Bald begann sich der Himmel zu bewölken. Der Wind schlug um, ein Sturm erhob sich, die Wellen wurden hoch, und wir begannen um unser Leben zu fürchten.

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Wir wollten so schnell wie möglich das nächste Ufer erreichen, doch ach, unser Vorhaben war nicht leicht auszuführen, wir gerieten in eine verzweifelte Lage. Es stellte sich heraus, dass der Steuermann während der Fahrt auf unseren mitgenommenen Vorrat an Spirituosen gestoßen war und nun sternhagelvoll an Deck lag. Die Damen warfen sich uns in die Arme, das Schwanken des Bootes nahm mit jeder Minute zu, und der Tod in den Wellen schien uns unausweichlich. Da legte der Wind das Boot so heftig auf die Seite, dass die Segel auf dem Wasser lagen.

Plötzlich sprang einer der Männer ans Ruder, riss es mit der ungeheuren Kraft, die nur die Todesangst verleihen kann, zu sich heran und verhinderte so, dass das Boot vollends kenterte. Zu unserem Glück ließ der Wind gerade etwas nach, sodass wir die Segel rasch einholen konnten, und allein diesem Umstand verdankten wir unsere Rettung.

Nach einigen Stunden legte sich der Sturm, ein günstiger Wind kam auf, und gegen Abend trafen wir wohlbehalten in Memel ein. Dort war das Wetter den ganzen Tag über schön und der Himmel völlig klar geblieben, und niemand ahnte auch nur, in welcher Gefahr wir uns kurz zuvor befunden hatten.

Das Kurische Haff steht bei den Seeleuten in schlechtem Ruf, denn es ist für seine Unberechenbarkeit berüchtigt. Sehr viele Schiffe haben hier Schiffbruch erlitten. Auf dem Haff toben oft Stürme und Unwetter, während die Ostsee selbst völlig ruhig bleibt. Nicht umsonst lautet ein preußischer Volksfluch: „Dass dich das kurische Wetter überfalle!“

Mir scheint, dass an den heftigen Stürmen, die dieses Binnenmeer so gefährlich machen, die hohen Dünen der Kurischen Nehrung schuld sind. Dieser plötzlich aufkommende starke Wind erinnerte mich an den Föhn5 auf den Schweizer Seen. Die Wellenschläge auf dem Haff sind kürzer und härter als auf dem Meer, weshalb Reisende, die eine Fahrt unter solchen Bedingungen nicht gewohnt sind, sehr schnell seekrank werden.

Fast in der Mitte des Haffs liegt eine Sandbank, die sich über seine ganze Breite erstreckt. Sie liegt nur wenige Fuß unter dem Wasserspiegel, sodass die Schiffer an dieser gefährlichen Stelle Vorsicht walten lassen und ihr ganzes Können aufbieten müssen, um nicht auf Grund zu laufen.

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Eine Volkssage erzählt von der Entstehung dieser Sandbank Folgendes:

„An der litauischen Küste des Haffs lebte einst ein Riese. Diese Küste war sumpfig wegen der häufigen Überschwemmungen des Njemen, der hier ins Meer mündet, und das missfiel dem Riesen sehr. Seine geliebte Riesin wohnte auf der Nehrung, die aus hohen Sandhügeln besteht, und wenn sie über das sieben Meilen breite Haff schritt, um ihren Riesen zu besuchen, machte sie sich am schlammigen Ufer stets die Schuhe nass.

Da beschloss die Riesin, das Ufer ihres Liebsten zu erhöhen; dazu füllte sie ihre Schürze mit Sand und schritt damit über das Haff. Leider war die Last zu schwer, die Schürze der Riesin zerriss, und der ganze Sand fiel ins Wasser. So entstand die Sandbank.“

Es sei angemerkt, dass in dieser Sage die Frau alles tut. Bei Völkern, bei denen das weibliche Geschlecht passiver ist, hätte man die Riesin in Ruhe gelassen und das Sandtragen ihrem Kavalier aufgetragen.

Der Handel hat für Memel große Bedeutung, doch die Ausfuhr erstreckt sich nur auf wenige Posten, unter denen das Holz der wichtigste ist. Behauene Balken, Masten, Rundholz, Schiffbauholz, Bretter, Latten und Leisten werden in gewaltigen Mengen ausgeführt. Was die Bretter betrifft, ist Memel überhaupt der wichtigste Handelsplatz des preußischen Staates. Außerdem werden Getreide, wenn auch nicht viel, Pottasche, Federn, Borsten, rohe Häute, Flachs, Hanf, Lein- und Hanfsamen sowie in begrenzter Menge grobe Tuche einheimischer Herstellung ausgeführt. Andere Ausfuhrartikel sind von geringster Bedeutung. Mindestens 9/10 aller Ausfuhrgüter gehen nach England; die Ausfuhr in andere Länder ist sehr gering. Früher schickte Memel Getreide in Säcken aus Hemdenleinen nach England. Da die Einfuhr von Leinen in britische Häfen verboten war, wurde es auf diese Weise geschmuggelt; da England aber nun genug Leinen aus Schottland und vor allem aus Irland erhält, ist diese Einnahmequelle für Memel versiegt.

Der Schmuggelhandel wird in Memel in gewaltigem Umfang und äußerst offen betrieben. Das hängt mit der Nähe der russischen Grenze zusammen.

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Die meisten Kaufleute unterhalten große Lager bei benachbarten Gutsbesitzern, und diese übernehmen den Transport und das heimliche Hinüberschaffen der Waren über die Grenze und verdienen auf diese Weise mehr als mit dem Ackerbau. Kolonialwaren, die in Preußen gewöhnlich höher besteuert werden als in Russland, kommen als Schmuggelgut von der russischen Seite, und aus Memel werden Manufakturwaren heimlich nach Russland gebracht. Solange Russland kein vollkommeneres Zollsystem einführt, wird dieser Schmuggelhandel für Memel stets eine wichtige Einnahmequelle bleiben. Bei den Einwohnern Russlands besteht eine große Nachfrage nach Manufakturwaren, von denen kaum ein Hundertstel im Land selbst hergestellt wird; dennoch ist die Einfuhr der meisten Waren verboten, und andere werden so hoch besteuert, dass dies gewinnsüchtige Kaufleute anlockt und zu zweifelhaften Machenschaften verleitet.

Zudem erhält das unzählige Heer der Zollbeamten einen so kärglichen Lohn, dass diese Leute übermenschliche Tugenden besitzen müssten, um unbestechlich zu bleiben. Außerdem sind auch die Kosaken, die die Grenze gegen die Schmuggler bewachen, nicht abgeneigt, mit ihnen in „geschäftliche“ Beziehungen zu treten.

Und schließlich: Wie kann man eine Grenze von mehreren hundert Meilen zwischen dem preußischen und dem österreichischen6 Staat so sicher verschließen, dass keine Schmuggler hindurchschlüpfen können? Allein dafür wäre ein beträchtlicher Beamtenstab nötig. Würde das Finanzministerium die Zölle um ein Viertel senken und die Arbeit der Zöllner besser bezahlen, gewönne der russische Staat Millionen. Doch natürlich ist zugleich eine strengere Aufsicht über die Zöllner nötig, denn solange in ihren Beziehungen zu den Händlern Raum für den „menschlichen Faktor“ bleibt, sind alle Reformen nutzlos.

Übrigens verhehlen die hiesigen Kaufleute gar nicht, dass sie Schmuggel treiben. Sie sprachen während unserer Spaziergänge über die Dünen ganz offen darüber und zeigten mir sogar Lager mit Schmuggelwaren.

Eine besonders wichtige Rolle spielte der Schmuggel zur Zeit der allgemeinen Handelssperre. Damals wurde er mit solcher List betrieben, dass alle Wachsamkeit des hiesigen französischen Konsuls im Kampf gegen dieses schändliche Treiben vergeblich blieb.

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Wie solche Unternehmungen abgewickelt wurden, zeugt vom Unternehmungsgeist der Memeler. Ich will von einem Fall erzählen, der hier weithin bekannt wurde. Bald nach der Ankunft des französischen Konsuls erschien auf der Reede ein Schiff, allem Anschein nach ein englisches. Unter dem Vorwand widrigen Windes lief es nicht in den Hafen ein. Der Konsul befahl dem Kapitän, die Schiffspapiere zu schicken. Als er sie sah, erkannte er, dass sie gefälscht waren und die Ladung an Bord englisches Eigentum war. Daraufhin schickte der Konsul sofort einige Zöllner an Bord, um die Ladung zu beschlagnahmen. Zur Verstärkung fuhren einige Unteroffiziere mit, um möglichem Widerstand der Matrosen vorzubeugen.

Genau darauf hatten die Engländer gerechnet. Kaum waren die Franzosen an Bord, fielen bewaffnete Seeleute über sie her, nahmen sie gefangen, lichteten dann den Anker und liefen aufs offene Meer hinaus. Man erzählte mir, die Schmuggelware sei nachts vom Schiff an Land gebracht und die Franzosen nach England verschleppt worden. Durch diesen Vorfall belehrt, ließ der Konsul die Schiffe der Memeler fortan auf der Reede liegen, obwohl gerade von dort der größte Teil des Schmuggelhandels betrieben wurde, und beschränkte seine Aufmerksamkeit allein auf den Hafen. Dieser verbotene Handel sowie die Anwesenheit des preußischen Königshofes im Jahr 1807 verschafften der Stadt einen Wohlstand, wie man ihn kaum in einer anderen Stadt dieser Größe findet.

Ich war bereits zwei Wochen in Memel, und mein Aufenthalt zog sich in die Länge, da ich nicht nach Königsberg aufbrechen konnte, bevor ich die nötigen Empfehlungsschreiben erhalten hatte. Darum beschloss ich, mir die Zeit zu vertreiben und einen kleinen Ausflug nach Litauen zu unternehmen. Man hatte mir so viel Gutes davon erzählt, dass ich diese Gegend näher kennenlernen wollte. Ein junger Gelehrter aus Königsberg, der sich zufällig hier aufhielt, erbot sich, mich auf dieser Reise zu begleiten, was umso angenehmer war, als er Litauisch sprach.

Die ersten fünf Meilen von Memel aus führt der Weg größtenteils durch eine unwirtliche Heide, die nur von einigen fruchtbaren Äckern beim Dorf Prökuls7 unterbrochen wird.

Vom Kirchhof in Prökuls, den ich aufsuchte, während die Pferde gefüttert wurden, bietet sich eine weite und überaus schöne Aussicht, was in dieser sonst trostlosen Gegend sehr erstaunlich ist.

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Hinter dem Hafen erblickt man ausgedehnte Saatfelder, dann das Haff mit seiner grünen Küste und schließlich die Kurische Nehrung mit ihren weißen Dünen, die von hier aus wie eine Kette von Alpengletschern aussehen.

Kein einziger Memeler hatte mich auf diese herrliche Aussicht aufmerksam gemacht, was mir ein Beweis dafür zu sein scheint, dass der Mensch, der neben der Natur lebt, sie nicht bemerkt und schönen Landschaften den Anblick eines prall gefüllten Geldbeutels vorzieht.

Zwischen Memel und Heydekrug8 trifft man auf viele kleine Flüsschen, von denen einige recht ungestüm ins Haff münden. In der Nähe von Heydekrug, einem bedeutenden Handelsort, wird die Gegend fruchtbar, und alles deutet hier auf die Nähe einer der reichsten Regionen Preußens hin. Mein Reisegefährte, der diese Gegend gut kannte, riet mir, meine Kutsche nach Memel zurückzuschicken, da die Reise auf dem Wasser wegen der vielen Kanäle und Flüsse leichter und angenehmer sein werde. Ich folgte seinem Rat und bereute es nicht.

Wir mieteten ein Boot bis Ruß9, einem hübschen Städtchen nur eine Meile von Heydekrug entfernt. Unsere Fahrt auf dem breiten Kanal führte durch fruchtbare Wiesen, deren üppiger Graswuchs mich in Erstaunen versetzte. Boden und Vegetation erschienen mir ebenso reich wie in Zeeland. Selbst das Vieh, das hier und da an den Ufern des Kanals weidete, stand zu meiner Verwunderung dem holländischen an Größe in nichts nach. Endlich erreichten wir den weit ausgedehnten Ruß10, den größten der drei Hauptarme des Njemen, der hier ins Haff mündet. Der Ruß ist ein Strom ersten Ranges, wasserreich und majestätisch, der durch Wiesen fließt, ohne Sand mit sich zu führen oder Inseln zu bilden. Der reine, glänzende Wasserspiegel, die grünen, blühenden Ufer, die reichen Weiden mit unzähligen Herden schönsten Viehs bilden ein überaus reizendes idyllisches Bild. Ich fühlte mich hier unglaublich wohl.

Das Städtchen Ruß hat große Bedeutung für die Memeler Holzhändler, denn sie alle unterhalten hier ihre Kontore zur Annahme, Bearbeitung, Sortierung und Weiterbeförderung des aus Polnisch-Litauen kommenden Holzes nach Memel.

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Daher ist dieser Ort sehr belebt und reich. Eine weitere wichtige Einnahmequelle ist der Lachsfang, der hier so ergiebig ist, dass Tilsit, Memel und Königsberg von hier aus in ausreichender Menge mit diesem köstlichen Fisch versorgt werden.

Der Lachsfang wird in einem Flussarm, in einiger Entfernung von der Stadt, auf folgende Weise betrieben: Der Arm wird in seiner ganzen Breite durch ein hölzernes Wehr abgesperrt, das genügend Öffnungen hat, um das Wasser durchzulassen, die aber zu klein sind, als dass der Fisch hindurchschlüpfen könnte. Dieses Wehr ragt etwa drei Fuß über das Wasser, und dahinter, in einiger Entfernung, erhebt sich ein zweites Wehr acht bis neun Fuß über den Wasserspiegel. Wenn der Lachs, seinem Instinkt folgend, gegen den Strom schwimmt und an das erste Wehr gelangt, springt er darüber hinweg. Das zweite aber ist für ihn zu hoch, und da er niemals zurückschwimmt, muss er innerhalb des abgesperrten Raumes bleiben, in den die Fischer von Zeit zu Zeit ihre Netze auswerfen, um die dort angesammelten Fische herauszuholen. Gefischt wird im Frühjahr und im Herbst, weshalb ich keine Gelegenheit hatte, es zu sehen.

Wir übernachteten in einem sehr ordentlichen Gasthof, wo wir gut bedient wurden. Zugleich gelang es uns, mit einem hiesigen Bootsmann zu vereinbaren, dass er uns am nächsten Tag nach Tilsit bringen würde. Da wir ihn baten, dort anzulegen, wo wir es wünschten, mussten wir für seine Dienste recht teuer bezahlen, obwohl das Rudern gegen die langsame Strömung keine besondere Mühe macht. Dafür hatten wir den Vorteil, ganz über unsere Zeit verfügen zu können, was auf einer Reise, die dem Kennenlernen eines Landes gewidmet ist, sehr wertvoll ist.

Der Njemen, wie ihn die Polen und Russen nennen, oder die Memel, wie die Deutschen ihn nennen, ist ein mächtiger und majestätischer Strom, der nach dem Augenschein der Donau an Größe nicht nachsteht, aber bei Weitem nicht so schnell fließt wie sie. Der Njemen entspringt bei Kosana (Kozana), wird zehn Meilen diesseits von Grodno schiffbar und mündet, abgesehen von kleineren Armen und Kanälen, mit drei Armen in das Kurische Haff. Der mächtigste der drei Arme ist der Ruß, die beiden anderen heißen Timber11 und Gilge12.

Der Njemen ist der Hauptweg für die Ausfuhrgüter und folglich die Quelle des Wohlstands von Tilsit, Memel und Königsberg, denn auf ihm gelangen alle Waren des größten Teils des polnischen, jetzt russischen Litauens in diese Städte.

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Seiner Lage wegen hat sich Tilsit auf den Zwischenhandel verlegt, während Memel fast den gesamten Holzhandel und Königsberg den Getreidehandel in seinen Händen vereinigt. Den Grund für diese scheinbar so seltsame Arbeitsteilung erklärte man mir so: Die russischen Litauer besitzen nicht genug seemännisches Geschick, um mit ihren schwerfälligen Fahrzeugen (Wittinnen) über das stürmische Kurische Haff zu fahren; deshalb ließ zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Gräfin Truchsess zu Waldburg auf eigene Kosten zum Wohl des Königsberger Handels einen Kanal graben, der den Njemen mit der Deime verband, die in den Pregel mündet. Auf ihm kann man von Memel und Tilsit unter Umgehung des Haffs nach Königsberg gelangen13.

Doch dieser Kanal ist für die riesigen Holzflöße nicht breit genug. Deshalb werden sie im südlichen Arm des Njemen, der Gilge [wenn das Holz in Richtung Königsberg geflößt wird – Red.], in einzelne Stämme zerlegt und zu neuen, aber kleineren Flößen zusammengefügt, was natürlich viel Zeit und Mühe kostet. Dafür können die Flöße [in Richtung Memel – Red.] ohne Halt bis Ruß treiben, wo die Memeler Händler ihre Kontore haben. Dort werden die Geschäfte abgeschlossen, worauf die Flößer, die das Holz verkauft haben, auf dem Landweg nach Hause zurückkehren. Die Getreideverkäufer finden die besten Käufer in Königsberg und nehmen als Rückfracht von dort gewöhnlich [nach Tilsit, Heydekrug, Memel usw. – Red.] Salz, Hering, Eisen und Luxuswaren mit.

Der Kaiser von Russland und der König von Preußen wollten einst den Njemen auf seiner ganzen Länge schiffbar machen, wofür jeder der beiden Monarchen 200 000 Taler stiftete. Der unglückselige Krieg, der so vielen guten Unternehmungen ein Ende setzte, verhinderte die Ausführung dieses Plans, der Litauen entwickeln und Königsberg bereichern sollte.

Bis Tilsit fließt der Njemen durch Wiesen und Felder, deren Fruchtbarkeit wenig ihresgleichen hat. Das Land ist überall von Kanälen durchzogen und völlig flach. Endlose, farbenprächtige Wiesen mit Schnittern, Weiden, auf denen unzählige Herden wohlgenährten Viehs und auch ausnehmend schöne Pferde grasen, im Hintergrund unzählige Heuschober, die noch von der Ernte des Vorjahres übrig sind – all das zusammen ergibt ein überaus reizvolles Bild, das sich zwar nicht mit den erhabenen Naturlandschaften Italiens und der Schweiz messen kann, ohne Übertreibung aber den schönsten Gegenden Zeelands und Westfrieslands nicht nachsteht.

An vielen Stellen, wo das Land unter dem Wasserspiegel liegt, wurden am Njemen schon in früheren Zeiten mächtige Deiche zur Entwässerung des Landes errichtet.

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Man sagt, dieser Strom, der keine Untiefen hat und keinen starken Eisgang kennt, richte mit seinen Frühjahrshochwassern mitunter große Verwüstungen an. Deshalb wird auf die Instandhaltung der Deiche große Sorgfalt verwandt, und jede vorsätzliche Beschädigung wird durch schwere Strafen für die Übeltäter unterbunden. So wollte ich einmal einen Weidenzweig von einem Busch auf dem Deich abbrechen, doch der Steuermann warnte mich, das nicht zu tun, weil darauf Gefängnis stehe.

Das Land zwischen Ruß und Gilge hat eine Fläche von etwa fünfzig Quadratmeilen und ist so fruchtbar, dass es sogar für den Weizenanbau zu fett ist. Man hat sich hier auf Wiesenwirtschaft und Gemüsebau verlegt. Dabei sind Gemüse und Obst aus den hiesigen Gärten von solcher Güte, dass man sie bis nach Königsberg schickt. Auch etwas Anis und Gerste wird angebaut. Die Wiesen werden dreimal im Jahr gemäht und liefern so vorzügliches Heu, dass die Pferde selbst bei schwerster Arbeit ohne Futterkorn satt werden. Mit diesem Heu füttert man sogar die Schweine. Diese Ländereien haben den Vorzug, dass hier weder reiche Gutsherren noch Katholiken noch Juden leben. Wer sich mit dem Adel überworfen hat oder ein Feind der beiden genannten Religionsgruppen ist, findet hier einen stillen Hafen, wo er seine Widersacher nicht zu sehen bekommt. Städte gibt es hier ebenfalls nicht.

Die Bewohner dieser Gegend und überhaupt des litauischen Teils Preußens sind ursprünglich ein altpreußischer Stamm, der seine eigentümlichen Sitten und seine Mundart bewahrt hat, eine leibliche Schwester der altpreußischen Sprache, die heute – bis auf etwa zweihundert Wörter – vollständig verloren ist.

Die preußischen Litauer unterscheiden sich in Sitten, Sprache und Aussehen so sehr von den ehemals polnischen, jetzt russischen Litauern, dass zwischen ihnen nicht einmal eine äußere Ähnlichkeit besteht. Die schonende Rücksicht der preußischen Regierung auf die Eigenart und die Besonderheiten der verschiedenen Völkerschaften ist ein schöner Beweis ihrer Humanität. Prediger und Schullehrer, die sehr gut bezahlt werden, müssen auf Litauisch predigen und unterrichten, und sogar die Beamten sind verpflichtet, ihre Akten auf Litauisch zu führen.

Bibeln, Gesangbücher und Schulbücher werden auf Verlangen der Regierung in dieser Sprache gedruckt und müssen in den Buchhandlungen stets in ausreichender Zahl vorrätig sein, damit niemand Mangel daran leidet.

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Die Litauer haben hohe, edle Gestalten. Sie sind schlank und wirken dank ihrer stolzen Haltung noch größer. Sie haben eine ausdrucksvolle, oft etwas verschmitzte Physiognomie. In der Regel haben sie blaue Augen, dunkelbraunes Haar und eine frische Gesichtsfarbe. Das weibliche Geschlecht ist fast immer schön, aber weniger schlank als das männliche. Selten habe ich so viele blühende, vor Gesundheit strotzende Mädchen gesehen wie hier. Ebenso auffallend sind ihre Lebhaftigkeit und Fröhlichkeit. Was aber die Kleidung der Damen betrifft … – etwas Phantastischeres habe ich noch nicht gesehen!

Sie bedecken ihr schönes kastanienbraunes Haar mit einem Tuch, verstehen es aber auf hundert verschiedene Arten zu binden, sodass die Enden mitunter ein Paar stattlicher Hundeohren bilden. Das Tuch gehört jedoch zur Alltagstracht; der festliche Kopfputz ist ein farbiger oder schwarzer Aufsatz in Form eines Zuckerhuts, dem die Spitze abgeschnitten ist, oder eine Haube in Form eines Soldatentschakos oder ein Turbanmützchen, das oben von einer eigentümlichen radförmigen Windung gekrönt wird.

Die Brust der Frau ist nicht von einem Tuch bedeckt, sondern nur von einem anliegenden Hemd, das einen Teil des Halses verhüllt. Das helle Schnürmieder, gewöhnlich rosa oder grünlich, sähe nicht übel aus, wären die Nähte der Hemdärmel nicht mit breiten, grell giftfarbenen Bändern besetzt, die das Auge mit ihrer unvereinbaren Farbzusammenstellung beleidigen.

Röcke tragen sie nicht; stattdessen haben die Frauen um die Hüften ein klein kariertes Stück Stoff, das bis zu den Knien reicht und von einem schmalen, um die Taille gewundenen Gürtel gehalten wird. Bücken sich die Damen, um etwas vom Boden aufzuheben, oder treibt ein böiger Wind sein neckisches Spiel mit diesem Kleidungsstück, so muss eine schüchterne Seele die Augen abwenden, um nicht für diese naiven, arglosen Schönheiten erröten zu müssen. Über das wohlgeformte, schlanke Bein wird entweder ein blutroter Strumpf mit grünen Zwickeln oder ein grasgrüner mit scharlachroten Zwickeln gezogen; blaue Strümpfe trägt man seltener.

Die Schuhe haben drei Zoll hohe Absätze. An Feiertagen werfen sich die Frauen ein viereckiges, farbiges Tuch über die Schultern, das den Schals unserer Damen ähnelt.

Die hiesige Männerkleidung ist sehr schlicht. Um einen Rock von einfachem Schnitt, der unter dem Namen Litewka in die Herrenmode eingegangen ist und hier Schupan heißt, bindet man einen schmalen gewebten Gürtel oder einen Ledergurt. Die Litauer tragen sehr weite Hosen und statt Stiefeln, besonders im Sommer, Sandalen.

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Im Charakter dieser wahren Naturkinder gibt es nicht nur viel Licht, sondern auch viel Schatten, wie es bei ungebildeten Menschen immer der Fall ist. Sind ihnen die Laster der aufgeklärten Welt fremd, so fehlen ihnen auch die Tugenden der Menschheit, die nur eine Frucht der Erziehung sind. Die Litauer sind klug, berechnend, sparsam, fleißig, beharrlich, mutig, ernst, stolz, ordentlich und gastfreundlich. Sie sind aber auch misstrauisch, verlogen, selbstsüchtig, verschlossen, starrsinnig und über alle Maßen dem Trunk ergeben.

Hilfsbereitschaft ist ihnen so fremd, dass sie, wenn sie jemanden in Todesgefahr sehen, mit ihm um den Preis seiner Rettung feilschen, bevor sie ihm die Hand reichen. Von ihrer Trunksucht habe ich viele Beispiele gesehen, sodass ich behaupten kann, dass sie darin den Russen weit voraus sind, nur mit dem Unterschied, dass sie anders als die Russen niemals ihr letztes Hemd vertrinken würden. Der Litauer arbeitet aus Leibeskräften, um Geld für den Schnaps zu verdienen, aber er wird niemals wie der Russe seinen Hausrat oder einen Gegenstand verkaufen, den er braucht, um den Branntwein bezahlen zu können. Und während man den Russen mit Schnaps zu allem verleiten kann, wird der Litauer selbst im Rausch nie etwas tun, was er nicht auch nüchtern täte.

Was die sinnliche Liebe betrifft, so sind die litauischen Männer in der Regel nicht ausschweifend, was wohl mit dem häufigen Alkoholgenuss zusammenhängt, der bekanntlich die Zeugungskraft schwächt. Andererseits sind sie nachsichtig in Bezug auf die weibliche Tugend, sodass ein leichtfertiges Mädchen ebenso auf einen Ehemann rechnen kann wie eines, das seine Unschuld bis zur Hochzeit bewahrt hat. Das schwache Geschlecht teilt die Vorzüge und Mängel der Männer, doch die Frauen wahren mehr Anstand beim Trinken des Branntweins, den sie in eine Schüssel gießen und wie Suppe mit Löffeln essen. Andererseits sind sie sinnlicher als die Männer und gegenüber Anträgen zweifelhafter Art recht nachgiebig. Was ich gesehen habe, überzeugt mich, dass sie in dieser Hinsicht ziemlich freie Sitten haben.

Die Litauer sind noch immer voller Aberglauben. Sie glauben fest an Hexen, Gespenster und den bösen Blick, glauben an gute und schlechte Tage und halten Zauberei und Hexerei für einen Gegenstand des Glaubens.

Austos tautinės juostos

Eine wichtige Rolle in ihrem Aberglauben spielen die Zwerge oder Erdgeister, die sie Puskaiten nennen und für Hüter des Hauses wie auch für kleine Unheilstifter halten. Sie bringen ihnen sogar Trankopfer dar, was ich mit eigenen Augen gesehen habe. Auch werfen sie, wenn das Herdfeuer in Schwaden aufsteigt, unbedingt Salz hinein, da sie glauben, dass der Hausgeist durch das Salz seine Wünsche kundtut.

Betrügen litauische Verkäufer ihre Kunden auch ohne jede Gewissensbisse und verstehen sie es, aus der Notlage anderer Nutzen zu ziehen, so halten sie Diebstahl doch für eine große Schande und dulden keine Diebe unter sich. In dieser Hinsicht sind sie das genaue Gegenteil der Russen, die im Stehlen wahre Virtuosen sind und die Geschicklichkeit ihrer Finger mitunter ganz ohne Not gebrauchen.

Kein Araber kann Pferde mehr lieben als der Litauer. Sie sind geborene Reiter, und kaum von der Mutterbrust entwöhnt, sitzt der litauische Knabe schon zu Pferde. Selbst den kürzesten Weg legt der Litauer nur im Sattel zurück. Hoch zu Ross reitet er auf Brautschau, zu seiner eigenen Hochzeit, in Geschäften zu den Nachbarn, und ebenso im Sattel geleitet er seine Toten auf ihrem letzten Weg. Jede freie Minute verbringt er mit seinen vierbeinigen Freunden, und er hat, zugegeben, guten Grund, sich an diesen wunderbaren Tieren zu freuen, denn etwas Schöneres als die litauischen Pferde findet man nicht. Sie haben ein prächtiges Exterieur: kräftige, trockene, korrekt gestellte Beine und einen edlen, trockenen Kopf.

Die litauische Sprache ist, da sie von Gelehrten weder benutzt noch gepflegt wird, sehr wortarm, aber sehr bildhaft und blumig und hat einen angenehmen Klang. In ihrem Wortschatz gibt es keine überflüssigen Konsonanten, was die Aussprache erleichtert.

Den Ausdruck lak laima latet – „so hat es Laima gewebt“ – könnte man wohl in keiner anderen Sprache der Welt kürzer, wohlklingender und sinnvoller wiedergeben als auf Litauisch.

Obwohl der Litauer ein frommer Lutheraner ist, hat er doch die Erinnerung an seine alten Götter bewahrt, deren Namen er zumindest bis heute kennt, auch wenn er sie nicht mehr anbetet. Er hat Laima, die Schicksalsgöttin; wenn es donnert, zürnt Perkunas, und der Todesgott Pikollos holt die Verstorbenen zu sich.

Interessanterweise hat das Litauische wie das Griechische einen Dual. Es eignet sich besonders gut für die Poesie, und fast jeder Litauer ist wie der Italiener ein Improvisator.

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Für dieses Volk ist der Gesang überaus wichtig: In der Regel beginnt ein Lied als Stegreifdichtung, behält aber dennoch seinen Sinn und bleibt beim gegebenen Thema. Vor allem die Mädchen üben ihr Improvisationstalent. Wann immer sie zusammenkommen, singen sie abwechselnd Lieder, die sie Dainos nennen. Kenner der Sprache versichern uns, diese Lieder seien voller Poesie. Ihr Thema ist in der Regel die Liebe.

Die Wirtschaft Litauens zeichnet sich durch Ordnung und Zweckmäßigkeit aus. Keine baufällige Hütte, keinen schiefen Zaun, keinen verschmutzten Graben habe ich auf meinem ganzen Weg gefunden. Überall bemerkte ich Wohlstand und die eindrucksvollsten Zeichen der Regsamkeit. Da die Litauer wenig Ackerland, aber mehr Wiesen haben, betreiben sie hauptsächlich Rinder- und Pferdezucht – und zwar mit großem Erfolg. Die Milch aber verarbeiten sie nicht gehörig, und vielleicht sind sie gerade deshalb nicht so reich wie die holländischen Bauern. Die Litauer machen Butter, vernachlässigen aber die Käseherstellung fast völlig. Die Milch verwenden sie zur Aufzucht von Fohlen, Kälbern und Schweinen. Es lässt sich nicht leugnen, dass sie dabei weit weniger gewinnen, als wenn sie Käse daraus machten.

Das Rindvieh wetteifert an Größe und Schönheit mit dem friesischen und gibt viel fette Milch. Ochsen für die Feldarbeit brauchen die Litauer nicht, und deshalb verkaufen sie die Stiere, sobald diese drei oder vier Jahre alt sind, zum Schlachten. Dieses Jungvieh wird sehr gut bezahlt, denn das Fleisch hat einen ganz besonderen Geschmack und ist sehr begehrt.

Dass man den Fohlen Milch gibt, vor allem saure Milch und Buttermilch, ist, wie die Erfahrung zeigt, ein Fehler. Die jungen Pferde wachsen schnell und werden schön, sind aber keineswegs ausdauernd, schwitzen leicht und ermüden rasch. Die Regierung hat sogar versucht, die Litauer darüber zu belehren, doch diese beharren auf ihrem Tun und lachen über gute Ratschläge, weil sie alle Deutschen ohne Ausnahme für dumm halten.

Tilsit, Königsberg und Memel versorgen die Litauer mit Butter sowie mit Obst und Gemüse, die sie auf Booten in diese Städte bringen. Die Notwendigkeit, viel auf dem Wasser zu reisen, macht sie zu guten Schiffern.

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Das weibliche Geschlecht ist im Spinnen und Weben sehr geschickt. Ich sah hier einige Proben vorzüglicher feiner Leinwand, doch in der Regel wird Leinen nur für den Eigenbedarf hergestellt, da der Boden dem Flachsanbau nicht günstig ist. Sehr geschickt sind die Litauer in der Anfertigung verschiedenster Bänder. Besonders schön gelingen ihnen seidene Strumpfbänder, die mit Blumen, Ranken und Buchstaben aus Gold und Silber verziert und sehr zierlich sind. Gewöhnlich schenken sie sie ihren Nächsten und Liebsten, fertigen sie aber auch auf Bestellung zum Verkauf an. Solche zierlichen Geschenke wurden von litauischen Frauen der Familie des russischen Kaisers und Mitgliedern des preußischen Königshauses überreicht.

Ich war sehr überrascht, als ich auf dem Webstuhl eines litauischen Mädchens ein Strumpfband sah, in das ein französischer Wahlspruch eingewebt war, obwohl die junge Weberin ebenso wie ihre Mutter nicht einmal verstand, was das für Buchstaben waren, und erst recht nicht wusste, dass es Französisch war. Übrigens beschränken sich die Frauen nicht auf Frauenarbeit – sie hacken Holz, rudern Boote, fischen und hantieren gern mit Pferden, was angesichts ihrer oben beschriebenen Kleidung nicht allzu schicklich aussieht.

Die Kost der Litauer ist einfach, aber nahrhaft und sättigend. Sie essen schwarzes, aber schmackhaftes Brot, viel Fleisch und Sauerkraut, noch mehr Fisch. Es gibt auch einige Nationalgerichte, die sie sehr lieben. So sind Kuchen aus Weizenmehl, Milch und Eiern sehr schmackhaft, ebenso „Kissel“ – ein Wsswar14 aus Mehl, Butter und Milch – und „Schaltenos“, eine Art in Butter gebratener Pastetchen mit Fleisch- oder Käsefüllung. Die Getränke der Litauer sind außer dem selbstgebrannten Schnaps zwei Sorten Bier: ein dünnes Bier, das gewöhnlichem Kwas ähnelt, und ein Doppelbier für besondere Anlässe und Bewirtungen, „Allaus“ genannt. Beide Biersorten sind schmackhaft und gesund. Kaffee, Tee, Wein und Zucker kennen sie kaum dem Namen nach.

Die Einfachheit der litauischen Sitten und ihre völlige Unkenntnis von Luxusgegenständen erklären sich wohl daraus, dass es unter ihnen keinen gebildeten Stand gibt. Sie haben weder Adel noch Großgrundbesitzer, weder Gelehrte noch Herren. Sie leben fern von den Städten, die sie zwei- oder dreimal im Jahr nur aufsuchen, um ihre Waren zu verkaufen, sodass ihnen die städtischen Verlockungen unbekannt bleiben. Auch Volksaufklärer werden ihre Denkweise schwerlich ändern, denn außerhalb der Provinz ist das Litauische nicht leicht zu verstehen. Ihre Pastoren und Schullehrer sind gewöhnlich Söhne von Pastoren und Lehrern.

Die Kinder studieren einige Jahre in Königsberg und übernehmen dann diese Ämter von ihren Vätern. Weiter als bis Königsberg kommen sie nie, der Rest der Welt bleibt ihnen unbekannt.

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Sie heiraten, sobald sie eine Familie ernähren können, Predigertöchter aus ihrem Kreis, und da es seit Beginn der Reformation so war und so bleibt, bleiben diese Völkerschaft und ihre Sitten unvermischt. Genau genommen gilt das nur für die Litauer, die am Njemen, an der Tawe15 und am Friedrichsgraben bis hinauf nach Tilsit leben. Dieses 60 bis 70 Quadratmeilen große Gebiet heißt hier Niederung – „Tiefland“16 –, und seine Bewohner nennt man im Unterschied zu den übrigen Litauern Kuren, weil sie unweit des Kurischen Haffs leben.

Die Höhengebiete Litauens bilden den größten Teil dieser großen Provinz. Hier liegen mehrere bedeutende Städte, darunter Memel, Tilsit, Insterburg, Gumbinnen, in denen außer Litauern viele deutsche Einwohner leben, weshalb Sprache und Sitten dort nicht mehr so altertümlich sind. Diese Provinz, die durch die Pest zu Beginn des 18. Jahrhunderts17 fast zur Wüste geworden war, besiedelte Friedrich Wilhelm I. mit 30 000 Salzburgern, die ihres Glaubens wegen aus ihrem Vaterland vertrieben worden waren.

Diese Einwanderer haben die menschenfreundliche Tat des staatsklugen Königs auf wunderbare Weise vergolten, denn sie waren ohne Ausnahme gesetzestreue, fleißige Menschen, die die Kultur ihres Vaterlandes hierher mitbrachten. Noch heute ist die Wirtschaft der Salzburger ein Loblied auf gute Haushaltung. Auf den ersten Blick sieht man, dass die Felder der Salzburger Siedler besser bestellt sind als andere. Diese Kolonisten leben fast ganz in ihrer eigenen Gemeinschaft und vermischen sich mit niemandem. Die Liebe zum Vaterland ist ihnen so tief eingeprägt, dass sich diese Flüchtlinge noch nach mehreren Generationen fremd fühlen in dem gastlichen Land, das sie mit offenen Armen aufgenommen, ihnen Wohlstand und alle Rechte seiner Bürger geschenkt hat. Im Übrigen sind die Salzburger ihrem neuen Vaterland gegenüber loyal und fühlen sich durchaus glücklich, doch das Land ihrer Vorfahren ist ihnen nach wie vor teuer, und sie halten sich von ihren anderen neuen Mitbürgern abgesondert.


LEGENDEN PREUSSENS im Blog von Tatjana Koliwai.

ANMERKUNGEN DER ÜBERSETZERIN

1. Palanga (lit. Palangà; bis 1917 Polangen, Palangen, dt. Polangen) – Stadt und Kurort im Bezirk Klaipėda im Westen Litauens. Der Name könnte von einer baltischen Wurzel stammen, die „niedriger, sumpfiger Ort“ bedeutet.

2. Dange (veraltet Danga; lit. Dangė) oder Danė (lit. Danė) – Fluss in Litauen, fließt durch die Rajongemeinde Kretinga, die Rajongemeinde Klaipėda und die Stadt Klaipėda im Bezirk Klaipėda im Nordwesten des Landes. Mündet in das Kurische Haff.

3. Als Memel 1807/08 preußische Residenz wurde, nahm der Kaufmann Argelander die preußischen Prinzen in seine Familie auf, während das Königspaar im Haus des Kaufmanns Consentius, des späteren Rathauses, wohnte. Das Grundstück hatte eine 80 Meter lange Straßenfront und eine Tiefe von 150 Metern, sodass im Garten genug Platz für die Kinder der Königin Luise war. Ihr Spielgefährte war Wilhelm Argelander, später ein bekannter Bonner Astronom. Das Haus wurde um 1890 abgerissen, und auf seinem Gelände wurde ein Postamt errichtet.

4. ex oficio – von Amts wegen (lat.).

5. Föhn (dt. Föhn) – starker, böiger, warmer und trockener örtlicher Wind, der von den Bergen ins Tal weht.

6. Hier liegt im Original offensichtlich ein Druckfehler vor; gemeint war die preußisch-russische Grenze.

7. Prökuls – Priekulė (lit. Priekulė, dt. Prökuls) – Stadt in der Rajongemeinde Klaipėda im Bezirk Klaipėda in Litauen, Verwaltungssitz des Amtsbezirks Priekulė. Einwohnerzahl ca. 1500. Liegt am Ufer der Minija, 22 km von der Stadt Klaipėda entfernt.

8. Heydekrug (Heydekrug) – heute Šilutė (lit. Šilutė) – Stadt in der Rajongemeinde Šilutė in Litauen, deren Zentrum. 1511 von Georg Tallat als Fischmarkt auf dem Gebiet Ostpreußens gegründet.

9. Das Städtchen Ruß (heute die Stadt Rusnė in Litauen) am gleichnamigen Njemenarm (dt. Ruβ).

10. Der Fluss Ruß – Rusnė (lit. Rusnė, dt. Russ) – Teil des Njemen vom Abzweig der Gilge bis zur gleichnamigen Insel Rusnė. Bis ins 19. Jahrhundert galten die Rusnė und die Gilge (heute Matrossowka) als Arme des Njemen, doch nach einer Reihe wasserbaulicher Arbeiten am Fluss, darunter die Verlegung des Abzweigs der Gilge mittels eines künstlich angelegten Kanals, verlor sie ihre Bedeutung als eigenständige geographische Einheit. Heute wird der Name Rusnė für diesen Teil des Njemen nur noch äußerst selten verwendet, hauptsächlich in litauischen Quellen.

11. Golowkinski-Kanal (Timber) (dt. Timber) – Kanal im Gebiet Kaliningrad.

12. Matrossowka (veraltet Gilija, Gilge; dt. Gilge) – Fluss in Russland, fließt durch den Rajon Slawsk im Gebiet Kaliningrad. Linker Arm des Njemen.

13. 1671 schloss der Große Kurfürst von Brandenburg und Herzog in Preußen Friedrich Wilhelm (1620–1688) mit dem Baumeister und Generalquartiermeister Philipp de la Chièze einen Vertrag über den Bau eines Kanals, der die Flüsse Gilge und Deime verbinden sollte. Nach dessen Tod im Jahr 1673 setzte seine Frau Katharina de la Chièze (1650–1703) das von ihm begonnene Werk fort. Sie, nach ihrer zweiten Heirat auch als Katharina Truchsess zu Waldburg bekannt, erhielt für ihre Mühen das Recht, für die Durchfahrt durch den Kanal Gebühren zu erheben. 1710 ging der Friedrichsgraben in Staatsbesitz über.

14. Wsswar (ukr. Uswar, Absud, Aufguss) – ein Getränk, das durch langes Erhitzen von Wasser oder Bier mit Kräutern, Wurzeln, Früchten oder Beeren gewonnen wird.

15. Towarnaja (Tawa, Tawelle) – Fluss im Rajon Slawsk im Gebiet Kaliningrad. Rechter Arm der Matrossowka, Einzugsgebiet der Ostsee, mündet in das Kurische Haff. Der offizielle Name des Flusses – Towarnaja – wird in Nachschlagewerken und auf Karten verwendet. Fischer und Einheimische gebrauchen oft den Namen Tawa.

16. Niederung (Elchniederung). Der Landkreis Elchniederung (dt. Landkreis Elchniederung, wörtl. „Elchtal“) – ehemaliger Kreis in Ostpreußen. Der Kreis lag im Norden Ostpreußens und grenzte im Norden an den Kreis Heydekrug, im Nordosten an den Kreis Tilsit, im Osten an den Kreis Ragnit, im Südosten an den Kreis Insterburg, im Süden an den Kreis Labiau; im Westen bildete das Ufer des Kurischen Haffs seine natürliche Grenze.

17. Während des Großen Nordischen Krieges (1700–1721) kam es in Ost- und Mitteleuropa zu einem schweren Pestausbruch mit Höhepunkt von 1708 bis 1712. Diese Epidemie war vermutlich Teil einer Pandemie, die ein riesiges Gebiet von Zentralasien bis zum Mittelmeerraum erfasste.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.