Flinsenwinkel
„Flinsenwinkel“ (Der Flinsenwinkel) waren in Königsberg bis zum 20. Jahrhundert1 nur noch zwei erhalten. Einer im Haberberg, der andere im Sackheim. Natürlich nannten sie nur die Einheimischen untereinander so.
Der erste hieß offiziell Thomasgasse (Thomasgasse), und man gelangte in ihn von der Straße Unterhaberberg, indem man in die Große Sandgasse (Gr. Sandgasse) einbog oder durch die Schafgasse (Schafgasse).
Die zweite Winkelgasse lag im Sackheim, nannte sich Friedmannstraße (Friedmannstraße) und führte zur Mauer des alten Garnisonlazaretts. Das Lazarett war auf einem Gelände erbaut worden, das einst der Garten des alten Dönhoffschen Anwesens gewesen war. Zu diesem „Flinsenwinkel“ gelangte man von der Königstraße (Königstraße) über die Steile Straße (Steile Straße).
Beide „Flinsenwinkel“ wurden im Volksmund auch Kehrwiedergassen (Kehrwiedergasse)2 genannt, wie man früher in Norddeutschland Sackgassen bezeichnete. Beide waren oft Schauplatz erbitterter Schlachten zwischen den Straßenraufbolden des Haberbergs und des Sackheims.
„Flinsenwinkel“ klingt zumindest appetitlich: Wem von uns läuft nicht das Wasser im Mund zusammen beim Gedanken an unsere köstlichen ostpreußischen Flinsen, ob aus Kartoffeln, aus Mehl, mit Äpfeln oder mit Reis? Schon der bloße Gedanke an sie ruft den süßen, verlockenden Duft in Erinnerung, der aus der Pfanne aufsteigt.
Knospenwinkel
„Knospenwinkel“ (Der Knospenwinkel) nannten die Königsberger, die den Jargon nicht verschmähten, ein düsteres, sackgassenartiges Stück der Voigdtstraße (Voigdtstraße) im Sackheim. Ihren offiziellen Namen erhielt sie zu Ehren eines hiesigen Pfarrers, dem sogar eine Gedenktafel an dem Haus Sackheimer Kirchenstraße 18 gewidmet war, in dem er gewohnt hatte:
„Dr. Karl Ferdinand Voigdt. 1804–1887.
Zum Gedenken an den Gründer des Ostpreußischen
Gustav-Adolf-Vereins“3.
Dieses Stück der Voigdtstraße wurde wegen der älteren Frauen, die dort wohnten und sich gern „alte Knospen“ nannten, „Knospenwinkel“ genannt – der volkstümliche Name wurde, wie so oft, recht geläufig.
Stille Winkel
Nahe den Königsberger Festungsmauern und Toren gab es vier schöne stille Plätzchen. Die Befestigungen selbst haben eine lange Geschichte, die einen eigenen Artikel verdient.
Diese Winkel sind mit ihnen verbunden und sollen an die Schönheit unserer geliebten Stadt erinnern.
Der erste lag unweit des Ausfalltors neben der Bastion Sternwarte (Bastion Sternwarte). Hier hatte das Königsberger Gartenamt einen entzückenden Steingarten angelegt. Aus irgendeinem Grund war es besonders angenehm, ihn an warmen Frühlingstagen zu besuchen.
Der zweite ist der prächtige Rosengarten an den Festungswällen zwischen Königstor und Roßgärter Tor am Ufer des Festungsgrabens. Erreichen konnte man ihn über die Litauer Wallstraße (Litauer Wallstraße), dann durch den Kasemattentunnel (Kasemattentunnel) oder über die Holzbrücke (Holzbrücke), die vom Königstor über den Festungsgraben führte. Hier herrschte an heißen Sommertagen eine herrliche Kühle, und die Besucher wurden vom süßen, schweren Duft unzähliger Rosen umhüllt.
Der dritte Punkt unserer Liste stiller Winkel ist der Rosengarten, der auf dem ehemaligen Erdwerk E (Erdwerk E) in Maraunenhof angelegt wurde. Von der auf allen Seiten von Wasser umgebenen Anhöhe aus konnte man die prächtigen Blumenbeete bewundern, die hier ab 1910 und besonders in den berüchtigten 1920er Jahren entstanden.
Zum vierten Winkel gelangte man durch das Königstor, besser aber durch das Sackheimer Tor und weiter über die Befestigungen entlang des Kupfergrabens zum Kupferteich. In diese Grünzone kamen die Bewohner des Sackheims zur Erholung – eines Stadtteils, der arm an Grün, dafür aber auf allen Seiten von Reihen unförmiger Bauten der Gründerzeit4 umgeben war.
Ich meine die Festungswerke direkt über dem Pregel. Unten, näher zur Stadt, dienten die alten Kasematten der Litauer Bastion als Bootsstation, doch von oben bot sich ein einprägsamer Blick auf die grünen Wiesen, die Insel Lomse und die Türme der alten Stadt am Pregel.
Am nächsten lugte hinter den Häusern das hübsche Türmchen des Königlichen Waisenhauses mit dem preußischen Adler auf der Spitze hervor.
Es war die einzige Wetterfahne, die die Behörden während der ersten russischen Herrschaft in Königsberg (1758-1762) nicht abmontierten und nicht durch den kaiserlich-russischen Doppeladler ersetzten. Die Gründe dafür sind uns nicht bekannt. Vielleicht lag es daran, dass der Adler nur einen Flügel ausbreitete, während der andere gesenkt war? Oder vielleicht daran, dass sich die Wetterfahne nach dem Wind drehte? Wie dem auch sei, es war eine Wetterfahne, die bis zuletzt einwandfrei funktionierte.
In unserem grünen Winkel erfrischten der Duft frischen Heus und die Brise vom Pregel die Besucher in der drückenden Sommerhitze. Überall herrschte Ruhe, die kaum vom fröhlichen Geschrei spielender Kinder gestört wurde.
Kohlhasenwinkel
Ging man vom Roßgärter Markt (Roßgärter Markt) die Straße Mittelanger (Mittelanger) hinunter, bog in den Hinteranger (Hinteranger) mit seinen vielen alten Barockhäusern und dann in die Kohlgasse (Kohlgasse) ein, gelangte man auf einen großen Hof, der mit buntem (sogenanntem „Bonbon“-)Pflaster (Bonbonpflaster) gepflastert war. Er ist von im Grünen versteckten alten, weinumrankten Häusern mit Gaslaternen sowie von Fachwerkschuppen und Ställen umgeben. Offiziell hieß dieser Winkel Löbenichtscher Stadthof (Löbenichtscher Stadthof), umgangssprachlich aber „Kohlhasenwinkel“ (Der Kohlhasenwinkel / der Hasenwinkel am Kohlfeld), obwohl die Zeiten der Kohlfelder, die sich im Mittelalter hinter dem Löbenichter Kohltor (Löbenichter–Kohlthor), dem Sackheimer Tor und dem Krönchentor (Krönchentor) gleich hinter den Stadtmauern erstreckten, längst vorbei waren. Und damit auch die Zeiten der Hasen, die sie immer wieder heimsuchten.
Hier standen oft Fuhrwerke, beladen mit allerlei Lasten, und die müden Pferde ließen in der Stille dieses verborgenen Winkels dösend die Köpfe hängen.
Nicht selten sah man hier auch einen Maler mit Staffelei, der diese oder jene Ansicht festhielt, die sich vor ihm auftat.
Tatsächlich bot sich den Besuchern dieses idyllischen Ortes ein bezaubernder Anblick: Hinter dem östlichen Zaun lugte die niedrige Kuppel des Gartenpavillons der Katholischen Kirche hervor, die äußerlich an den etwas größeren Pavillon an der Kaiserbrücke (Kaiserbrücke) erinnerte – beide waren im Stil des barocken Klassizismus gehalten. Über dem Grün des Gartens dominierte die imposante Kuppel der Katholischen Kirche, die von der prächtigen Turmspitze der benachbarten, 1771 erbauten Sackheimer Kirche ausgeglichen wurde. Ihre Turmspitze war im Rokokostil gehalten und mit einer großen, in der Sonne funkelnden vergoldeten Wetterfahne in Gestalt des Lammes Gottes geschmückt. Auf der anderen, westlichen Seite traf der entzückte Blick auf die fein proportionierte Turmspitze der Löbenichtschen Kirche St. Barbara, die den abschließenden Akzent des ganzen idyllischen Bildes setzte.
ANMERKUNGEN
1. Die Theaterstraße (Theaterstraße), die die Junkerstraße (Junkerstraße) mit dem Paradeplatz (Paradeplatz) verband, war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts ebenfalls eine Sackgasse und heißt auf den offiziellen Karten jener Zeit Kehrwieder (Kehrwieder, siehe unten); folglich konnte auch sie „Flinsenwinkel“ genannt werden.
Kehrwiederstraße, die spätere Theaterstraße, nördlich des Schlosses auf der Karte von 1800.
2. Kehrwieder ist ein deutsches Wort, das man mit „Komm zurück!“ übersetzen kann. So heißt auch eine Insel an der Elbe im Hamburger Hafen, die einst eine Insel war. Es gibt zwei Theorien zur Herkunft des Inselnamens: eine sehr wahrscheinliche und eine schöne.
Kehrwieder bedeutete früher einen Weg, der in eine Sackgasse führt. Die Insel lag im hintersten Winkel des Hafens, und wer dorthin ging, musste auf demselben Weg zurückkehren. Das ist zweifellos die Erklärung für die Herkunft des Namens. Doch die Insel war auch der Ort, an dem sich die Hamburger von den Seeleuten verabschiedeten, die zu langen Fahrten aufbrachen. Die Zurückbleibenden riefen vom Ufer: „Komm zurück!“ (Kehrwieder!)
3. Dr. Carl Ferdinand Voigdt. 1804–1887.
Dem Vater des ostpreußischen
Gustav-Adolf-Vereins zum Gedächtnis.
4. Gründerzeit – die Gründerzeit (in Deutschland nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870 – 71)
LEGENDEN PREUSSENS im Blog von Tatjana Koliwai.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

