/ Kaliningrad – Königsberg

Sackheim

Sackheim

Modell des Sackheimer Tores von Horst Düring (1930–2006) im Atelier des Architekten Arthur Sarnitz.

Die erste urkundliche Erwähnung des Sackheims stammt aus dem Jahr 1326. Es gibt jedoch allen Grund zu der Annahme, dass hier schon vor der Eroberung Preußens durch den Orden ein prußisches Dorf bestand. Der Name Sackheim ist prußischen Ursprungs und bedeutet „Pechdorf“. Nach einer anderen Version bedeutet das prußische „Sak Keim“ „Dorf auf einer vom Wald gerodeten Stelle“. Doch wie viele andere Ortsnamen prußischer Herkunft (etwa Kneiphof) lässt sich Sackheim auch ins Deutsche übersetzen und bedeutet dann „Sackhaus“.

Wappen des Sackheims im Königsberger WappenWappen des Sackheims

im Königsberger Wappen in der zweiten Reihe ganz rechts.


Im Dorf Sackheim überwog die prußisch-litauische Bevölkerung. Es lag an der alten Straße von Königsberg nach Tapiau (Gwardeisk), Insterburg (Tschernjachowsk) und weiter nach Litauen. Deshalb machten hier oft Bauern und Händler Halt, die Waren in die Stadt brachten, aber auch Knechte, die in Königsberg irgendeine Gelegenheitsarbeit suchten. Man nimmt an, dass der Sackheim um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert die Züge einer Vorstadt anzunehmen begann.

Im 16. Jahrhundert suchten den Sackheim Unglücke heim, die für die dicht bebauten Städte jener Zeit typisch waren. Zuerst die Brände. In den Jahren 1513, 1539 und 1575 vernichteten sie, jedes Mal rasend schnell von Haus zu Haus übergreifend, einen beträchtlichen Teil der Siedlung.

Im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts kam die Reformation (1523–25) auf den Sackheim wie nach ganz Preußen. Die litauische Bevölkerung des Sackheims nahm sie ebenso wohlwollend auf wie die Mehrheit der Einwohner Königsbergs. Zumal für die polnische und litauische Bevölkerung der Städte und Vorstädte eine eigene Kirche auf dem Steindamm bestimmt wurde, in der in ihrer Muttersprache gepredigt wurde. Doch diese Zweisprachigkeit wurde in der Steindammer Kirche nicht lange praktiziert. Der litauische und der polnische Teil der Gemeinde gerieten in Streit, und um ihn beizulegen, wies man den litauischen Lutheranern auf dem Sackheim 1550 eine eigene Kirche zu. Das wurde die ehemalige Kapelle des St.-Elisabeth-Hospitals.


Siegel des Sackheims

Siegel des Sackheims.

1578 wird der Sackheim zu einer Freiheit, die dem Königsberger Schloss gehört. Der Begriff „Freiheit“ hat im Russischen eine Entsprechung – die Sloboda, eine Vorstadt, in der die Menschen ein städtisches, aber etwas freieres Leben führen. „Frei“ heißt aus dem Deutschen übersetzt „swoboda“, und auch „sloboda“ ist eine Ableitung vom Wort „swoboda“, Freiheit.

Der Sackheim auf dem Stadtplan von Königsberg


Der Sackheim auf der Rekonstruktion einer Karte der Städte, Freiheiten und Stadtteile Königsbergs vor ihrer Vereinigung 1724.


Die Entstehung der Freiheiten hängt mit dem mittelalterlichen Stadtrecht zusammen, nach dem die Städte räumlich begrenzt waren und eine in der Satzung streng festgelegte Zahl von Häusern hatten. Das begrenzte entsprechend auch das Wachstum der Stadtbevölkerung. Gewiss, man konnte Stockwerke aufsetzen, enger zusammenrücken oder sogar heimlich noch ein paar Häuser bauen, aber grundlegend konnte das die Größe der Stadt und die Zahl ihrer Einwohner nicht verändern. Dabei wurden die Menschen in jenen fernen Zeiten wie auch heute von dem verständlichen Wunsch getrieben, reicher zu leben und ihren Wohlstand zu mehren. Mehr Geld wollten die herzoglichen Räte im Schloss ebenso wie die städtischen Handwerker und die Ackerbauern und Viehzüchter, die außerhalb der Stadtmauern lebten. Und obwohl das System der Waren-Geld-Beziehungen in der Feudalgesellschaft eher einer sozialistischen Planwirtschaft glich, galten die grundlegenden ökonomischen Gesetze damals wie heute. Die Häupter der Zünfte [Gilden] begriffen, dass der Weg zum Wohlstand über eine größere Zahl von Käufern ihrer Erzeugnisse führte – dann ließ sich auch die Produktion steigern. Die herzoglichen Schatzmeister erkannten nicht weniger klar, dass die Einnahmen der Staatskasse unmittelbar von der Zahl der steuerpflichtigen Höfe und den Einkünften der darin lebenden Handwerker abhingen. Die Landknechte sahen, wie viel reicher die Menschen in den Städten lebten, und wären deshalb selbst gern Städter geworden. So gewannen buchstäblich alle durch die Entstehung vorstädtischer Siedlungen.

Um solche Vorstädte von gewöhnlichen Dörfern in der Umgebung zu unterscheiden, ohne dabei die Bestimmungen der Verträge zwischen den Städten und dem Staat zu verletzen, erfand man eben die Freiheiten. Die Freiheiten zerfielen in zwei Gruppen: Zur ersten gehörten jene, die den städtischen Magistraten unterstanden, die zweiten wurden unmittelbar von der Schlossverwaltung regiert.

Die städtischen Freiheiten hatten kaum oder gar keine Selbstverwaltung und keine städtischen Attribute. Ihre Bewohner unterlagen den städtischen Gesetzen, waren aber dennoch keine Bürger im vollen Sinne. Darin unterschieden sie sich von den Bewohnern der sogenannten Stadtteile. Die Schlossfreiheiten (staatliche, also herzogliche Freiheiten) reichten nach diesen Kriterien beinahe an Städte heran – viele von ihnen hatten Siegel und Wappen, und auf ihrem Gebiet sprachen örtliche Gerichte Recht. Ein solches Wappen mit einem weißen Lamm, das eine rote Fahne mit weißem Kreuz in der Mitte trägt, erhielt auch der Sackheim. Allerdings besaßen die herzoglichen Freiheiten keine Stadtrechtsurkunde und durften keine eigenen Kirchengemeinden bilden – sie wurden städtischen Kirchspielen zugeordnet, im Falle Königsbergs meist dem Löbenichter. Selbst wenn auf dem Gebiet einer Freiheit eine Kirche errichtet wurde, galt sie als „Tochterkirche“ der Pfarrkirche in der Stadt.


Sackheimer TorBlick auf das Sackheimer Tor von der Außenseite der Festungsmauer.

Der Sackheim wurde eben eine solche Schlossfreiheit. Und wenn man einer bissigen Wendung aus der städtischen Folklore jener Zeit glaubt, stellte man ihn in eine Reihe mit den vollberechtigten Städten, die später Königsberg bildeten.

Blick auf das Tor von der StadtseiteDas Sackheimer Tor von der Stadtseite.


Nicht alle wissen, dass es in dem bekannten Königsberger Sprichwort

In der Altstadt die Macht,

Im Kneiphof die Pracht,

Im Löbenicht der Acker,

Auf dem Sackheim der Racker.

„In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker …“ auch eine vierte Zeile gibt: „… auf dem Sackheim der Racker.“ Muss man danach noch erklären, dass – modern ausgedrückt – die Kriminalitätslage auf dem Sackheim zu wünschen übrig ließ? Etwas anderes war allerdings auch nicht zu erwarten: Die Sackheimer lebten insgesamt ärmer als die Bewohner der drei Pregelstädte, und es siedelte sich hier nicht gerade das kultivierteste und gebildetste Volk an …

Kein Wunder also, dass manche Sackheimer das unwiderstehliche Verlangen verspürten, die reichen Bürger zu „rupfen“ oder die nach Königsberg kommenden Händler auszurauben.

Der Löbenicht verlegte seinen Schlachthof auf den Sackheim ans Pregelufer. Damals galten die Berufe der Abdecker und Henker als die „niedrigsten“. Auch die städtischen Henker wohnten übrigens auf dem Sackheim. Die Vertreter dieser unentbehrlichen, aber geächteten Berufe bildeten eine Art „Kaste der Unberührbaren“. So galt es für einen Bürger als empörend, die Tochter eines Henkers oder eines Schlachthofarbeiters zur Frau zu nehmen, und die eigene Tochter in „diese schreckliche Familie“ zu geben, war ein kaum vorstellbarer Entschluss.

Es wäre allerdings falsch zu behaupten, der Sackheim sei nur als Freiheit bekannt gewesen, in der sich ausschließlich Randgestalten herumtrieben. So befand sich hier zum Beispiel der Schießplatz der Löbenichter Schützengilde. Schon 1554 stiftete Herzog Albrecht in Königsberg ein großes Schützenfest. Bei diesem Fest konnten sich Vertreter der Schützengilden und alle Interessierten in einer recht eigentümlichen Art des Schießens versuchen – mit der Armbrust auf Vögel. Getötet wurden bei diesem Fest keine Vögel, geschossen wurde auf hölzerne Ziele in Vogelgestalt. Damit alles wie eine echte Jagd aussah, nutzte man für den „Flug der Vögel“ besondere Gerüste – die Stange.


Der Sackheim auf dem Stadtplan von KönigsbergDer Sackheim auf dem Königsberger Stadtplan von 1885.

Die Stange der Löbenichter Schützengilde wurde eben auf dem Sackheim errichtet. Zunächst stand sie näher am Löbenicht selbst, unweit der Litauischen Kirche. Später wurde sie an den Rand verlegt, wo man dann das Sackheimer Tor bauen sollte.

Blick auf den SackheimBlick auf die Katholische Kirche und den Sackheim vom Turm der Kirche St. Barbara im Löbenicht.


1611 reiste Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg (1572–1619) nach Warschau, um vom polnischen König die Regentschaft für den regierungsunfähigen Herzog Albrecht Friedrich zu erhalten. Sein Recht auf die Regentschaft begründete er damit, dass er seit 1594 der Schwiegersohn des kranken Herzogs war. Im Gegenzug verlangte der polnische König Sigismund III. (1566–1632) Zugeständnisse bei der Lockerung der Religionsgesetze in Preußen gegenüber den katholischen Christen. Das führte dazu, dass 1614–16 an der Grenze zwischen Sackheim und Löbenicht die Katholische Kirche gebaut wurde und am 2. September 1612 im Herzogtum der Gregorianische Kalender eingeführt wurde, der damals als rein katholisch galt.

Als 1626 in Königsberg die Frage einer gemeinsamen Wallbefestigung aktuell wurde, lag der Sackheim nach dem Entwurf des Mathematikers und Festungsbaumeisters Strauß innerhalb der Festungsmauer und wurde zu einem der Grenzbezirke.

Der Abschnitt des Festungswalls auf dem Sackheim umfasste zwei volle Bastionen, eine Halbbastion und ein Stadttor, das Sackheimer Tor genannt wurde. Natürlich war es nicht das Tor, das wir noch heute am Moskowski-Prospekt sehen können. Doch das heutige Tor hat Standort und Namen des Tores der ersten Wallumwallung bewahrt.

Beim Bau des Tores wurde die Stange der Löbenichter Schützengilde abgerissen. Da sich der Ort aber bereits für Schießübungen eingebürgert hatte, baute man gleich hinter dem Tor das Schützenhaus der Löbenichter Gilde – dort, wo heute das „Haus mit dem Hirsch“ steht. Auch die Hirschfigur am Eingang des Gebäudes kam nicht von ungefähr – sie erinnert an das früher hier stehende Schützenhaus.

Gegen Mitte des 17. Jahrhunderts begann der Sackheim trotz seines nicht gerade glänzenden Rufes eine immer wichtigere Rolle im Königsberger Leben zu spielen. Zum einen wurde 1636 auf dem Pregel beim Sackheim eine Balkensperre errichtet, der „Litthauische Baum“. Hier hielt man die in die Stadt fahrenden Schiffe und Lastkähne zur Kontrolle und Zollabfertigung an. Zu demselben Zweck baute man am Pregelufer auf dem Sackheim Speicher – hierher wurden die Waren zum Nachzählen und zur vorübergehenden Lagerung bis zur Zollabfertigung umgeladen. 1640 erreichten die deutschsprachigen Lutheraner des Sackheims, dass für sie eine eigene Kirche gebaut wurde. Ihr Grundstein wurde unweit der katholischen gelegt, was den Unmut der Katholiken erregte. Wegen ihrer Einwände zog sich der Bau 8 Jahre hin.

Sackheimer Kirche

Die Sackheimer Kirche war interessanter als viele andere in der Stadt.

Der erste Gottesdienst in der neuen Kirche, die den Namen Sackheimer Kirche erhielt, fand 1648 statt. 1707 wurde in ihr eine Orgel des Meisters Johann Josua Mosengel (1663–1731) aufgestellt.

Barockhäuschen auf dem Sackheim

Barockhäuschen in der Sackheimer Rechten Straße 111.


1654 wurde auf dem Sackheim die erste Schule eröffnet.

Am 17. Januar 1701 stiftete der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. (einen Tag vor seiner Krönung zum ersten König in Preußen unter dem Namen Friedrich I.) den höchsten Ritterorden Preußens – den Orden vom Schwarzen Adler (Hoher Orden von Schwarzen Adler). Laut Ordensstatut war sein Oberhaupt stets der regierende König von Preußen. Im selben Jahr 1701 gründete König Friedrich I. bereits als Oberhaupt dieses neuen Ordens das wohltätige Königliche Waisenhaus auf dem Sackheim, dessen Schirmherr eben der Orden vom Schwarzen Adler war. Das Gebäude des Waisenhauses entwarf Joachim Ludwig Schultheiß von Unfriedt (1678–1753), einer der bekanntesten Architekten Ostpreußens, der eine Zeit lang das gesamte staatliche Bauwesen der Provinz leitete.

Nach seinen Plänen wurden die Orte Tapiau (Gwardeisk), Ragnit (Neman), Gumbinnen (Gussew), Darkehmen (Osjorsk), Stallupönen und Schirwindt (Kutusowo, Kreis Nesterow) umgestaltet, als sie das Stadtrecht erhielten.

Und wenn man von Schirwindt absieht, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, verdanken alle übrigen genannten Städte die heutige Topologie ihrer Straßen und Plätze eben dem Architekten Unfriedt. Außerdem wurde Unfriedt der Umbau des Südostflügels des Ordensschlosses in Königsberg anvertraut, der den Namen „Unfriedtbau“ erhielt. Um 300 Jahre vorzugreifen: Das Gebäude des Königlichen Waisenhauses ist das Einzige, was in Kaliningrad von den Bauten von Unfriedts übrig geblieben ist. Die Arbeit des Architekten lässt sich allerdings nur noch anhand alter Fotografien beurteilen – nach dem Krieg wurde das barocke Waisenhaus in hässlich vereinfachter Form wiederaufgebaut. Im 18. Jahrhundert aber war das Waisenhaus zweifellos eine Zierde des Sackheims. 1705–1809 bestand beim Waisenhaus die Waisenhauskirche, die reformiert (calvinistisch) war, da sich der brandenburgische Zweig der Hohenzollern traditionell zu dieser protestantischen Richtung bekannte. Wer das heutige Gebäude betrachtet, könnte vermuten, dass dort mehrere Dutzend Zöglinge lebten, in Wirklichkeit waren es aber nur 12, dafür hatte jeder eine eigene Zweizimmerwohnung. Natürlich war eine Einrichtung mit so üppiger Ausstattung nicht für gewöhnliche Sterbliche gedacht: Aufgenommen wurden Kinder aus vornehmen Familien, die aus irgendeinem Grund ihre Eltern verloren hatten.


Sägewerk „Prinz von Preußen“Sägewerk „Prinz von Preußen“ (unbekannter Künstler, Lithografie, 19. Jh.).

Die Schule des Waisenhauses bot eine bessere Bildung, als man sie an den Bürgerschulen erhalten konnte, und viele Zöglinge nahmen nach dem Waisenhaus ohne zusätzliche Vorbereitung ein Studium an der Universität auf.

Königliches WaisenhausFassade des Königlichen Waisenhauses.


Blick auf das Waisenhaus vom HofGruppenfoto der Zöglinge. Blick auf das Waisenhaus vom Hof.


Am 13.06.1724 wurden die drei Pregelstädte Altstadt, Kneiphof und Löbenicht zur einheitlichen Stadt Königsberg vereinigt. Zu ihr kamen auch die Freiheiten dieser Städte. Was die staatlichen Freiheiten und insbesondere den Sackheim betrifft, so wurden sie räumlich Teil Königsbergs, administrativ unterstanden sie dem Königsberger Magistrat jedoch erst nach der Städtereform vom 19. November 1808.

Der große Königsberger Brand vom 11.11.1764 erfasste auch den Sackheim. Damals brannten hier 369 Häuser und 49 Kornspeicher nieder. Betroffen waren vor allem die an den Anger grenzenden Straßen und Viertel, also der westliche Teil des Sackheims. Die Sackheimer und die Katholische Kirche brannten ab. Man beschloss, sie an alter Stelle unter Verwendung der alten Fundamente und Mauern wiederaufzubauen. Den Wiederaufbau der Sackheimer Kirche leitete der Oberbaudirektor Carl Ludwig Bergius (1716–67). Die Sackheimer Kirche wurde 1768 erneut geweiht.

Auf ihrer Turmspitze wurde 1771 eine vergoldete Wetterfahne in Gestalt des „Gotteslamms“ angebracht – des Symbols des Sackheims. Den Umbau der Katholischen Kirche leitete Johann Samuel Lilienthal (1724–99). Die Hauptarbeiten fanden 1765–76 statt, 1777 wurde sie geweiht.

Der Brand von 1764 bot den Anlass, das etwas chaotische Straßennetz des Sackheims zu „berichtigen“, das im alten westlichen Teil noch aus der Zeit stammte, als die Freiheit ein prußisches Dorf war.

Nun bestand das Straßennetz des Sackheims aus langen, schmal fächerförmig auseinanderlaufenden Straßen, die im Westen begannen und sich nach Osten bis zu den Wallbefestigungen zogen. Sie wurden von kurzen, von Nord nach Süd verlaufenden Straßen gekreuzt, die nach und nach mit dem Bau neuer Viertel entstanden.

1806 wurde an der Grenze zwischen Anger und Sackheim das Gebäude der Ostpreußischen Generallandschaftsdirektion errichtet, die Kredite zur Förderung der Landwirtschaft vergab. Am 5. Februar 1813 fand in diesem Gebäude eine Ständeversammlung statt, auf der der preußische Politiker und Reformer Friedrich Ferdinand Alexander Graf zu Dohna-Schlobitten (1771–1831) und General Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg (1759–1830, siehe unten) sprachen. Die Versammlung beschloss die Aufstellung einer neuen ostpreußischen Freiwilligenarmee: eines Reservekorps von 10 000 Mann, einer Landwehr von 20 000 Mann, eines Landsturms zur örtlichen Verteidigung und eines Kavallerieregiments.


Yorcks Rede


Der Saal, in dem Yorck sprachDer historische Saal, in dem General Yorck sprach.

Später wurde der Sackheim zur Erinnerung an dieses Ereignis zu einem Winkel der Stadt, in dessen Straßennamen die Namen der Helden des Krieges gegen Napoleon verewigt wurden: Ludwig Yorck und Friedrich Wilhelm Freiherr von Bülow (1755–1816).

Ostpreußische LandschaftOstpreußische Generallandschaftsdirektion in der Landhofmeisterstraße.


Ebenfalls 1806 hörte die Litauische Kirche auf zu bestehen, die an der Kreuzung der Straßen Sackheim und Sackheimer Hinterstraße stand. Grund war der Rückgang der Gemeindemitglieder. Die Politik, die Bevölkerung Preußens zu einem einheitlichen Volk mit einer Sprache zu machen, hatte im Laufe mehrerer Jahrhunderte ihre Wirkung getan. Die ethnischen Litauer betrachteten nun das Deutsche als ihre Muttersprache und brauchten keine eigene Kirche mit Gottesdiensten auf Litauisch mehr. Für das Kirchengebäude fand man eine recht ungewöhnliche Verwendung – man machte daraus das, was man heute eine Arrestanstalt nennen würde, auf Deutsch hieß es damals Arresthaus. Der Platz, an dem die ehemalige Litauische Kirche stand, hieß fortan Arresthaus-Platz.

Als 1843–62 der 2. Bastionsgürtel Königsbergs gebaut wurde, war er auf dem Sackheimer Abschnitt durch die Bastion „Litauen“, den Ravelin „Sackheim“ und das neu errichtete Sackheimer Stadttor vertreten. Die Bastion „Litauen“, wie wir sie heute nennen, unterschied sich – gemäß der allgemeinen Regel, dass es im Bastionsgürtel keine gleichen Elemente geben sollte – von allen anderen Bastionen dadurch, dass sie eine kasemattierte, zum Pregel gerichtete Batterie besaß. Nach dem Plan der Festungsbauer sollten die Geschütze dieser Batterie den Fluss von Osten her kontrollieren und die Stadt vor möglichen Angriffen einer feindlichen Flussflotte schützen.

Das Sackheimer Tor glich einem kleinen mittelalterlichen Fort mit vier Türmen, die allerdings bestenfalls als Beobachtungstürme dienen konnten und im Grunde dekorative Elemente waren.

Am Tor wurden in Medaillons Hochreliefs der bereits erwähnten Helden der Koalitionskriege Bülow und Yorck angebracht. Das Sackheimer Tor und die Reduit-Caponniere mit der Batterie der Bastion „Litauen“ sind bis heute erhalten und registrierte Objekte des Kulturerbes. Der Ravelin „Sackheim“ dagegen überlebte die Schleifung des 2. Bastionsgürtels 1910–11 nicht. Von ihm blieb nur die charakteristische Biegung des Festungsgrabens.

Nach dem Ersten Vatikanischen Konzil (1870), das die Bulle über die Unfehlbarkeit des Papstes erließ, bildete ein Teil der Katholiken, die mit den Konzilsbeschlüssen nicht einverstanden waren, eine Bewegung, die man „Altkatholiken“ nannte und die sich der Autorität des Papstes entzog. 1876 übernahmen die Königsberger „Altkatholiken“ die Katholische Kirche auf dem Sackheim, und erst 1889 gehörte sie wieder der römisch-katholischen Kirche.


Bülowstraße

Eingangsbereich des Hauses Bülowstraße 32.

Zieht man für den Sackheim Bilanz des 19. Jahrhunderts, kann man feststellen, dass sich der Stadtteil von einem einstigen „Banditenviertel“ in ein durchaus bewohnbares verwandelt hatte. Auf seinem Gebiet befanden sich für die Stadt wichtige Einrichtungen.

ZiegelstraßeBlick vom Hof auf ein Haus in der Ziegelstraße.


Hier lagen zwei Kirchen und zwei Kapellen bei Krankenhäusern und Heimen, vier Schulen: die Sackheimer Stadtschule (mit getrenntem Unterricht für Jungen und Mädchen), die litauische Hilfsschule, die 9. Volksschule für Mädchen und die 9. Volksschule für Jungen; medizinische und soziale Einrichtungen: das St.-Elisabeth-Krankenhaus, das städtische Lazarett, das Königliche Waisenhaus, das städtische Waisenhaus, das Johannesstift; das Kreditinstitut „Ostpreußische Landschaft“, eine Turnhalle, eine öffentliche Badeanstalt und das Arresthaus. Letzteres wurde allerdings ganz am Ende des Jahrhunderts (1896) geschlossen, und das Gebäude bezog das Bezirkskommando der Landwehr.

1903 waren die Gebäude des Löbenichtschen Hospitals endgültig baufällig geworden. Man beschloss, die Einrichtung selbst aus dem Stadtzentrum zu verlegen. Neuer Ort für ihre Patienten wurde der Sackheim. Zur Erinnerung an das alte Gebäude übertrug man das Einfahrtsportal aus dem 18. Jahrhundert in den neuen Komplex. Den Namen behielt das Hospital bei, obwohl es nun auf dem Sackheim in der Heidemannstraße (heute Tscherepitschnaja-Straße) lag.

1906 (auf dem Grundstein steht das Datum 18.09.1906) wurde ein gemeinsames Schulgebäude errichtet, in dem eine Mädchen- und eine Knabenschule untergebracht wurden. Die erste trug den Namen von Johann Friedrich List (1787–1868), dem 4. Oberbürgermeister Königsbergs, der dieses Amt 1825–38 innehatte, die zweite den des Professors und 2. Oberbürgermeisters (1810–13) August Wilhelm Heidemann (1773–1813).

Der letzte Vorkriegsschmuck des Sackheims war der Bau geschlossener Wohnhausreihen entlang der ehemaligen Wallbefestigungen in den 1920er–30er Jahren.

Diese Häuser wirkten so wuchtig, dass man sich im sowjetischen Kaliningrad die Mär erzählte, sie seien mittelalterlich und hätten zugleich als Stadtmauer gedient. Natürlich hatten diese Häuser mit der Verteidigung der Stadt nichts zu tun – mit einer Ausnahme: dem sogenannten „Feuerwehrhaus“. Der Magistrat baute es für diejenigen, die die Stadt gegen das Feuer verteidigten – die Männer der städtischen Feuerwehr und ihre Familien. Außerdem wurden auf dem Sackheim in den 1930er Jahren einige Umbenennungen vorgenommen, die hier jedoch nichts mit der nationalsozialistischen Ideologie zu tun hatten. Der unschöne Name Arresthaus-Platz wurde durch Sankt-Elisabeth-Platz ersetzt – zur Erinnerung an das einst hier stehende St.-Elisabeth-Kloster mit Hospital. Die alte Sackheimer Hinterstraße hieß ab 1932 zu Ehren einer Unternehmer- und Mäzenatenfamilie Gebauhr-Straße.

St.-Elisabeth-Krankenhaus

Das St.-Elisabeth-Krankenhaus in derselben Ziegelstraße.

Die Folgen des britischen Luftangriffs auf Königsberg in der Nacht zum 30. August 1944 lassen sich für den Sackheim höchstens mit dem Brand von 1764 vergleichen. Der Vergleich ist umso treffender, als wieder der an Löbenicht und Anger grenzende westliche und älteste Teil des Stadtteils am stärksten betroffen war.

Löbenichtsches HospitalDas Löbenichtsche Hospital nach dem Umzug auf den Sackheim.


Die meisten Häuser hier brannten völlig aus und verloren Dächer, Decken, Fenster und Türen. Weitere Zerstörungen brachte der Sturm auf die Stadt. Obwohl der Sackheim nicht im Streifen des Hauptstoßes der Roten Armee lag, griffen ihn Schlacht- und Bombenflieger an, und am letzten Tag des Sturms besetzte die 83. Garde-Schützendivision (Generalmajor A. G. Maslow, 1903–71) der 11. Gardearmee den Stadtteil.

Nach dem Ende der Kampfhandlungen wurde der Sackheim dem 1. Bezirk Königsbergs (Militärkommandantur Nr. 1) zugeschlagen. Einen eigenen sowjetischen Namen erhielt der Sackheim nicht. Die Hauptstraßen des Sackheims wurden schon im November 1945 umbenannt, und viele von ihnen haben diese Namen behalten. Die kleinen Straßen wurden nicht umbenannt und überhaupt nicht berücksichtigt, weil es sie nicht mehr gab.

Überhaupt gab es auf dem Sackheim nur wenige Häuser, die sich als Wohnhäuser wiederherstellen ließen. Sie konzentrierten sich hauptsächlich in der Straße des Jahres 1812, der Stekolnaja- und der Kaunasskaja-Straße (heute Litowski Wal).

Dafür wurden einige Verwaltungsgebäude wiederhergestellt, die seinerzeit solider gebaut worden waren und deshalb Brände und Artilleriebeschuss mit geringeren Schäden überstanden hatten. Das betraf vor allem medizinische Einrichtungen. Schon 1945 wurde das St.-Elisabeth-Krankenhaus in der Kirpitschnaja-Straße zu einem Infektionskrankenhaus umgerüstet. Im Nachkriegs-Königsberg wüteten in den ersten paar Jahren Darmkrankheiten, verursacht durch unhygienische Zustände und die zerstörte Wasserversorgung. Diese Einrichtung war daher in jenen Jahren mit Patienten überfüllt. 1951 zog das Infektionskrankenhaus um, und in seinem früheren Gebäude eröffnete man eine Tuberkulose-Fürsorgestelle – auch die Lage bei der Tuberkulose ließ zu wünschen übrig. Die ursprünglich für medizinische Zwecke eingerichteten Gebäude des Löbenichtschen Hospitals nutzte man dagegen nicht bestimmungsgemäß – zwei davon wurden als Wohnhäuser wiederhergestellt, die Hospitalkapelle als Lager, und das Hauptbehandlungsgebäude wurde abgerissen.

1949 eröffnete in der ehemaligen Turnhalle der Mittelschule das Kino „Barrikady“. Etwa zur selben Zeit wurden auf den Fundamenten des ehemaligen Sägewerks „Prinz von Preußen“ die Bauten eines nun sowjetischen Sägewerks errichtet. So machte die Lesopilnaja-Straße (Sägewerksstraße) ihrem Namen einst alle Ehre.


Feuerwehrhaus und Sackheimer TorFeuerwehrhaus und Sackheimer Tor Anfang der 2010er Jahre.

Dennoch erinnerte auf dem Sackheim noch Ende der 1960er Jahre vieles an den mehr als 20 Jahre zuvor beendeten Krieg: Der größte Teil seiner Fläche bestand aus Brachen, die von Ruinen geräumt, aber mit Ziegelbruch bedeckt waren.

Michael WieckMichael Wieck (Mitte) stellt im Sackheimer Tor (25.11.15) sein Buch „Zeugnis vom Untergang Königsbergs“ vor.

Am Mikrofon der Verleger Maxim Popow. Foto: Witali Newar.


Hier standen nur noch etwa 60 Gebäude. In den Stadtadressbüchern der 1960er Jahre lassen sich die für die Einwohner bedeutsamen Einrichtungen im ehemaligen Sackheim buchstäblich an den Fingern abzählen: Außer dem bereits erwähnten Kino „Barrikady“ in der Lasaretnaja-Straße waren dies die Kinderpoliklinik des Leningrader Stadtbezirks (Litowski Wal 55, bis 1968 an das Ufer des Oberteichs in die Proletarskaja-Straße umgezogen), ein Betrieb namens „Oblaptekoupravlenije“ (Gebietsapothekenverwaltung) im ehemaligen St.-Elisabeth-Krankenhaus in der Kirpitschnaja-Straße 7/9, „Rosgalantereja“ in der Stekolnaja-Straße 39/41, die Berufsschule Nr. 11 im sogenannten „Feuerwehrhaus“ (Moskowskaja-Straße 167/169 – Litowski Wal 59), die Mittelschule Nr. 36 im Gebäude der ehemaligen Volksschule (Dneprowskaja-Straße 22) und die Grundschule Nr. 24 (Moskowskaja-Straße 162). Bis 1968 zog in das Gebäude Moskowskaja-Straße 155 ein Geschäft für Medizintechnik ein. Um die Wende der 1960er zu den 70er Jahren gab es im ehemaligen Sackheim noch keinen einzigen Kindergarten, keine Kinderkrippe, kein Postamt und kein größeres Geschäft.

Die Ruinen der Sackheimer und der Katholischen Kirche untersuchte eine historisch-architektonische Kommission und befand, dass sie wegen der starken Zerstörungen und des Verlusts der künstlerischen Elemente keinen historischen Wert hätten. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass ihr Wiederaufbau nicht zweckmäßig sei. Das Gebäude der ehemaligen Sackheimer Litauischen Kirche hingegen, das später Gefängnis und Kommandantur gewesen war, stand in den 1960er Jahren mit wiederhergestelltem Dach da und hätte weiter genutzt werden können, wurde aber trotzdem bald abgerissen.

Der Massenwohnungsbau erreichte den Sackheim ganz am Ende der 1960er Jahre. In den folgenden 10 Jahren wurden mehr als 40 Mehrfamilienhäuser (9–12 Geschosse) und öffentliche Gebäude errichtet – etwa zehnmal mehr als in den vorangegangenen 25 Jahren.

Die Moskowskaja-Straße wurde zum Moskowski-Prospekt ausgebaut, der auch die Dneprowskaja-Straße – die ehemalige Sackheimer Mittelgasse – schluckte. Die Schule Nr. 36 zog in einen neuen Typenbau, und an ihrer Stelle bezogen die Abendschule für junge Arbeiter und das Haus der Pioniere des Leningrader Stadtbezirks das Gebäude der Volksschule. Es wurden zwei Kinderkombinate (Krippe und Kindergarten) Nr. 117 und Nr. 121 gebaut. Die Grundschule wurde geschlossen, in ihren Räumen eröffnete man eine Buchhalterschule. Im renovierten Gebäude des Königlichen Waisenhauses wurden die Apotheke Nr. 13 und die Gebietsproduktionsvereinigung für Foto- und Filmarbeiten mit einem Atelier für künstlerische Fotografie untergebracht. Bemerkenswert ist, dass im ehemaligen Sackheim noch zwei weitere Einrichtungen mit Fotografie und Film zu tun hatten: das Künstleratelier „Objektiv“ der Kaliningrader Organisation des Journalistenverbandes der UdSSR (Moskowski-Prospekt 120) und der Filmkorrespondentenposten des Leningrader Dokumentarfilmstudios (Moskowski-Prospekt 111). Die Zahl der Geschäfte nahm deutlich zu: Außer drei Lebensmittelgeschäften – Nr. 35, 74 und 102 – wurden mehrere Fachgeschäfte für Industriewaren eröffnet: „Ochotnik“ (Jäger), „Zwety“ (Blumen), „Promtowary“ (Industriewaren), „Knigi“ (Bücher) und der bei den Kaliningradern damals sehr beliebte Laden „1000 Kleinigkeiten“. In den 1970er Jahren entstanden auf dem Sackheim auch die ersten Nachkriegscafés: „Ogni Moskwy“ (Moskowski-Prospekt 119/1) und „Cholodok“ (Moskowski-Prospekt 151).


Bastion „Litauen“Die Bastion „Litauen“ am Ufer der Pregolja in den 2020er Jahren.

In den 1970er Jahren erhielt der Sackheim das Gesicht, das wir auch heute noch sehen können.

PregoljaDas Ufer der Pregolja auf dem Sackheim.


Die weiteren Veränderungen waren nicht mehr so bedeutend und für das Stadtbild überwiegend negativ. 2008 verschwand beim Bau der 2. Hochstraße die Stroitelnaja-Straße samt ihren Vorkriegshäusern von den Stadtplänen. Das Kino „Barrikady“ entsprach schon in den 1970er Jahren nicht mehr dem Niveau eines modernen Kinos und wurde zum „Kino 2. Klasse“ herabgestuft. Das Gebäude stand ab 2007 leer und wurde dann der Russisch-Orthodoxen Kirche übergeben. Eine neue Verwendung fand man nicht, und 2013 wurde die ehemalige Turnhalle der Volksschule abgerissen. 2011 entstand zwischen der Straße des Jahres 1812 und der Stekolnaja-Straße eines der höchsten Gebäude Kaliningrads, doch die 20-geschossige Riesenkerze aus Glas und Beton wirkt hier bis heute wie ein Fremdkörper. Eine erfreuliche Ausnahme war die Umwandlung des Sackheimer Tores in den Kunstraum „Worota“ (Tor). Viele Kaliningrader hatten zum ersten Mal die Gelegenheit, das Innere dieses historischen Bauwerks zu besichtigen. 2022 wurde das stark verfallene Portal des Löbenichtschen Hospitals restauriert. Einer engagierten Öffentlichkeit gelang es, das „Feuerwehrhaus“ an der Ecke Litowski Wal und Moskowski-Prospekt zu retten – statt des geplanten Abrisses wird es nun umgebaut, einschließlich der Restaurierung der historischen Fassaden.

Kurzes Verzeichnis der Straßen des Sackheims

(Stand 1928–32)

Blumenstraße erscheint 1901 auf den Karten, noch Ende des 19. Jahrhunderts lag an dieser Stelle eine Wiese. Die Straße blieb von den Bombenangriffen verschont, doch die Gebäude wurden beim Sturm auf die Stadt beschädigt. Die beschädigten Bauten wurden bis in die 1960er Jahre abgerissen. Der Bau neuer Chruschtschowka-Häuser 1969–71 löschte die Straße praktisch aus. Man kann sagen, dass ein Teil der ehemaligen Blumenstraße die heutige Tscherepitschny-Gasse ist. Vorkriegsgebäude gibt es dort nicht, doch weiter nördlich hat sich zwischen den Höfen ein Schulgebäude aus dem Jahr 1906 erhalten.

Bärenstraße erscheint erstmals auf der Karte von 1885. Die Bärenstraße verband die Straße Sackheim mit der Yorkstraße. Die Gebäude der Bärenstraße überstanden den Bombenangriff vom 30.08.1944, wurden aber beim Sturm auf die Stadt zerstört. Nach dem Krieg wurde sie nicht umbenannt, sondern galt als Fortsetzung der Kirpitschnaja-Straße. In den 1960er Jahren wurden alle Ruinen der Vorkriegsgebäude abgerissen. 1974 wurde quer über die Straße das neungeschossige Haus Moskowski-Prospekt 99–109 gebaut. Damit endete die Geschichte der Straße.

Bülowstraße ist eine der ältesten Straßen des Sackheims, sie war bereits auf der Karte von 1763 eingezeichnet. Damals hieß sie Wallstraße, im 19. Jahrhundert wurde sie zur Ersten Wallstraße. Den Namen des Helden der Napoleonischen Kriege Friedrich Wilhelm von Bülow erhielt die Straße 1892. Die Gebäude der Bülowstraße blieben von den Bombenangriffen praktisch verschont und überstanden den Sturm auf die Stadt teilweise. Am 23.11.1945 wurde die Bülowstraße auf Befehl des Oberbefehlshabers der Truppen des Sondermilitärbezirks in Stekolnaja-Straße umbenannt und trägt diesen Namen bis heute. Die Vorkriegshäuser wurden in den 1970er Jahren abgerissen. An ihrer Stelle entstanden eine Chruschtschowka (1971) und einige modernere Häuser (1989 und 1996). Das letzte deutsche Gebäude dieser Straße wurde 2022 trotz Bürgerprotesten abgerissen. Heute wird an seiner Stelle ein Hochhaus gebaut.

Sackheim hieß Anfang des 19. Jahrhunderts Sackheimische Straße, Mitte desselben Jahrhunderts Sackheimer rechte Straße. Die wichtigste und älteste Straße des Sackheims, die vom Anger bis zum Sackheimer Tor führte. Auf dieser Straße verlief auch die alte Straße in Richtung Tapiau (Gwardeisk) und Insterburg (Tschernjachowsk). Im 20. Jahrhundert weitete sich die Straße Sackheim am Sackheimer Tor und bildete den Weisenhausplatz. Hier auf dem Weisenhausplatz lag auch die Wendeschleife der Straßenbahnlinien 9 und 10, die durch die Straße Sackheim fuhren. Beim Bombenangriff vom 30.08.1944 wurde der westliche Teil der Straße schwer zerstört, der östliche litt erst beim Sturm auf die Stadt im April 1945. Auf Befehl des Oberbefehlshabers der Truppen des Sondermilitärbezirks, General Galizki, vom 23.11.1945 wurde die Straße Sackheim in Smolenskaja-Straße umbenannt. Doch schon am 01.08.1946 benannte die Verwaltung für zivile Angelegenheiten sie in Moskowskaja-Straße um. Auf der Linie der Moskowskaja-Straße verlief später der Moskowski-Prospekt, der überwiegend Ende der 1970er – Anfang der 80er Jahre verbreitert und bebaut wurde. Jeder mag selbst entscheiden, ob der Moskowski-Prospekt an dieser Stelle eben jene Straße Sackheim ist oder ob er nur den Platz der vernichteten Straße erbt. An der ehemaligen Straße Sackheim haben sich sechs Vorkriegsgebäude erhalten, zwei davon (das Sackheimer Tor und das Königliche Waisenhaus) sind registrierte Objekte des Kulturerbes.

Sackheimer Gartenstraße, eine kleine Querstraße des Sackheims, die die Sackheimer Mittelstraße mit der Sackheimer Hinterstraße verband. Sie entstand Mitte des 18. Jahrhunderts, war aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts vollständig mit Häusern bebaut. Beim Bombenangriff vom 30.08.1944 brannten die Häuser aus, wurden aber nicht zerstört. Am 23.11.1945 wurde sie auf Befehl des Oberbefehlshabers der Truppen des Sondermilitärbezirks in Sadowy-Gasse umbenannt und trug diesen Namen bis 1960. Heute liegt an der Stelle der Straße das Hofgelände der Häuser Nr. 3–13 in der Grieg-Straße. Vorkriegsgebäude sind dort nicht erhalten.

Sackheimer Kirchenstraße – die Straße entstand im 17. Jahrhundert beim Bau der Sackheimer Kirche, nahm ihre endgültige Gestalt aber erst nach dem Brand von 1764 an, als sie die Stadtteile Anger und Sackheim zu verbinden begann. Weiter ging sie in die Straße Alte Reiterbahn über. Beim britischen Bombenangriff litten die Gebäude stark unter dem Feuer. Nach dem Krieg wurde sie nicht eigens umbenannt und wurde zum westlichen Teil der Straße des Jahres 1812. Bei der Bebauung mit Plattenbauten (1972–74) wurde die Straße des Jahres 1812 jedoch etwas verkürzt und verlor unter anderem jenen Teil, der früher die Sackheimer Kirchenstraße gewesen war. Heute liegt an ihrer Stelle ein Hofweg entlang des Hauses Moskowski-Prospekt 99–109 und der Verkehrsknoten Moskowski-Prospekt – Straße des 9. April.

Sackheimer Mittelgasse entstand Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Gebäude der Straße brannten beim britischen Bombenangriff auf Königsberg größtenteils aus. Am 23.11.1945 wurde sie auf Befehl des Oberbefehlshabers der Truppen des Sondermilitärbezirks Galizki in Promeschutotschnaja-Straße umbenannt, schon am 01.08.1946 aber in Dneprowskaja-Straße, die mindestens bis 1977 bestand. Bis in die 1960er Jahre wurde sie von Ruinen geräumt, es blieben nur drei Vorkriegshäuser, von denen eines in den 1970er Jahren abgerissen wurde. 1968–77 baute man längs und quer zur Straße mehrere neungeschossige Plattenbauten, 1974 wurde hier die Schule Nr. 36 eröffnet. Heute liegen an der Stelle der Straße das Hofgelände der Häuser Nr. 100–110 und Nr. 130–136 am Moskowski-Prospekt, das Gelände der Schule Nr. 36 und anderes. An der ehemaligen Sackheimer Mittelgasse haben sich zwei Vorkriegsgebäude erhalten: die Volksschule (1875–76) und das gemeinsame Gebäude der Mädchen- und der Knabenschule (1906).

Sackheimer Neue Gasse erscheint erstmals 1763 auf der Karte. Nach dem Brand von 1764 wurde sie neu bebaut. Sie verband die Sackheimer Kirchenstraße mit der Straße Sackheim. Beim britischen Bombenangriff (30.08.1944) wurde sie schwer beschädigt. Nach dem Krieg wurde sie nicht umbenannt. Bis in die 1960er Jahre wurde sie von den Ruinen der Vorkriegsgebäude geräumt. Sie verschwand bei der Verbreiterung des Moskowski-Prospekts Ende der 1970er Jahre. Heute liegt an ihrer Stelle der Verkehrsknoten Moskowski-Prospekt – Straße des 9. April.

Sackheimer Hinterstraße bildete sich Mitte des 18. Jahrhunderts unter dem Namen Sackheimer Hinter Gasse heraus. Davor war das Gelände der Straße recht dicht und chaotisch bebaut. Nach dem Brand von 1764 beschloss man, die Bebauung des südlichen Sackheims zu ordnen, und so entstand eine der längsten Straßen dieses Stadtteils. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Löbenichtsche Hospital in die Sackheimer Hinterstraße verlegt. Daneben arbeitete das Sägewerk „Prinz von Preußen“. 1932 wurde sie zu Ehren von Vater und Sohn, Carl Julius Gebauhr dem Älteren (1809–81) und Carl Julius Gebauhr dem Jüngeren (1852–1913), in Gebauhr-Straße umbenannt. Der Erste ist dadurch bekannt, dass er auf dem Sackheim das erste Dampfsägewerk Königsbergs, „Prinz von Preußen“, gründete; außerdem war er ein berühmter Klavierbauer. Sein Sohn war Mäzen und Gründer des Königsberger Konservatoriums. Die Straße litt unter dem Bombenangriff und dem Sturm auf die Stadt. Am 23.11.1945 wurde sie auf Befehl des Oberbefehlshabers der Truppen des Sondermilitärbezirks in Lesopilnaja-Straße umbenannt, dieser Name hat sich bis heute erhalten. Im westlichen Teil kann man die Straße als völlig verschwunden betrachten, zum Teil stehen dort Plattenbauten, zum Teil liegt dort ihr Hofgelände. Der östliche Teil wurde zur Lesopilnaja-Straße. Dort hat sich ein Vorkriegsgebäude erhalten – das 2. Gebäude des Löbenichtschen Hospitals (1903). Die alten Gebäude des Sägewerks wurden umgebaut, und in den 1950er Jahren arbeitete dort ein sowjetisches Sägewerk. Heute [erstes Viertel des 21. Jahrhunderts] sind darin Handelsbetriebe untergebracht.

Sedanstraße erscheint erstmals auf der Karte von 1860. Ihren Namen erhielt sie zu Ehren des Sieges der preußischen Armee bei Sedan im Deutsch-Französischen Krieg (1870–71). Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war sie mit Häusern bebaut. Beim Bombenangriff auf die Stadt vom 30.08.1944 brannten die Häuser aus, wurden aber nicht zerstört. Nach dem Krieg wurde sie nicht umbenannt, sondern faktisch Teil der Grieg-Straße. Bis in die 1960er Jahre wurden die Ruinen der Vorkriegsgebäude abgerissen, und 1973 und 1975 entstanden an der Straße 9- und 12-geschossige Wohnhäuser. Heute ist das der Teil der Grieg-Straße zwischen dem Moskowski-Prospekt und dem Admiral-Tribuz-Ufer.

Yorkstraße entstand 1892 aus den Straßen Alte Reiterbahn und Zweite Wall Gasse, die ihrerseits Ende des 18. Jahrhunderts entstanden waren und die Nordgrenze des Sackheims bildeten. Die Straße erhielt den Namen des Helden der Kriege gegen Napoleon Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg. Beim britischen Bombenangriff (30.08.1944) wurden die Häuser der Yorkstraße in ihrem westlichen Teil vernichtend zerstört, im östlichen dagegen kaum beschädigt. Am 23.11.1945 wurde sie auf Befehl des Oberbefehlshabers der Truppen des Sondermilitärbezirks, General K. N. Galizki, in Straße des Jahres 1812 umbenannt und trägt diesen Namen bis heute. An der Straße (in ihren Vorkriegsgrenzen) haben sich 13 Vorkriegshäuser erhalten, darunter ein registriertes Objekt des Kulturerbes – das Gebäude der Feuerwache „Ost“ (1900, Architekt Paul Mühlbach, 1849–1908).


FeuerwacheDie Feuerwache in der Straße des Jahres 1812.


Katholische Kirchenstraße entstand im 17. Jahrhundert mit dem Bau der Katholischen Kirche, nahm ihre endgültige Gestalt aber erst nach dem Brand von 1764 an. Diese kurze Straße verband die Stadtteile Anger und Sackheim und gabelte sich dann in die Straßen Sackheim und Sackheimer Hinterstraße. Beim Bombenangriff auf die Stadt (30.08.1944) wurde sie schwer beschädigt. Am 23.11.1945 wurde sie auf Befehl des Oberbefehlshabers der Truppen des Sondermilitärbezirks in Dorogobuschskaja-Straße umbenannt. Eine Straße dieses Namens bestand einige Jahre, wurde dann aber (spätestens 1956) Teil der Moskowskaja-Straße. Heute liegt an ihrer Stelle der Moskowski-Prospekt gegenüber den Häusern Nr. 60–62. Vorkriegsbauten haben sich in der Katholischen Kirchenstraße nicht erhalten.

Kolwstraße entstand um 1870 und verband die Sackheimer Mittel Gasse mit der Sackheimer Hinter Gasse. Bis 1885 war sie mit Häusern bebaut. Beim britischen Bombenangriff (30.08.1944) wurde sie beschädigt, wenn auch nicht vernichtend. Nach Kriegsende wurde sie nicht umbenannt. Bis in die 1960er Jahre wurde sie von den Ruinen der Vorkriegsgebäude geräumt. 1974 wurde mitten auf der ehemaligen Kolwstraße das Gebäude der Schule Nr. 36 gebaut.

Lithauer Wallstraße gehörte nur teilweise zum Sackheim. Sie entstand als Rochadestraße beim Bau der 1. Wallumwallung Königsbergs (1626–40). Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Erdwall im Bereich des Sackheims an dieser Straße abgetragen. In den 1920er Jahren wurden an der Stelle des Walls zwischen der Straße Sackheim und der Yorkstraße Wohnhäuser gebaut, darunter auch das „Feuerwehrhaus“. 1939 entstanden ebensolche Häuser in Form einer geschlossenen Wand an der Lithauer Wallstraße auf dem Abschnitt vom Sackheimer Tor bis zur Bastion „Litauen“. Die Gebäude der Lithauer Wallstraße litten bei Bombenangriff und Sturm auf die Stadt im Krieg verhältnismäßig wenig. Nach dem Krieg wurde die Lithauer Wallstraße am 23.11.1945 auf Befehl des Oberbefehlshabers der Truppen des Sondermilitärbezirks in Kaunasskaja-Straße umbenannt. 1946 billigte die Verwaltung für zivile Angelegenheiten diesen Namen jedoch nicht, und die Straße hieß zunächst Litowskaja-Straße, etwas später Litowski Wal. Heute haben sich auf dem zum Sackheim gehörenden Teil des Litowski Wal 16 Vorkriegsgebäude erhalten, vier davon sind registrierte Baudenkmäler.

Lithauische Schulstraße erhielt ihren Namen nach der Schule, die zunächst bei der Litauischen Kirche bestand und dann einfach die litauische Hilfsschule des Sackheims wurde. Erstaunlicherweise litten die Gebäude der Lithauischen Schulstraße, auch das der ehemaligen Litauischen Kirche, bei Bombenangriff und Sturm auf Königsberg nicht stark. Das Kirchengebäude stand mit Dach mindestens bis 1966 und wurde erst bei der Bebauung des Viertels mit Plattenbauten abgerissen. Die Straße selbst wurde nach dem Krieg nicht umbenannt. Heute liegen an ihrer Stelle die Durchfahrt zwischen den Häusern Nr. 78 und Nr. 80 am Moskowski-Prospekt und das Hofgelände des Hauses Moskowski-Prospekt 80–90.

Prinzenstraße – die Straße gehörte teilweise zum Sackheim. Sie erschien 1885 auf den Stadtplänen und führte vom Sackheim nach Neue Sorge zur Königstraße. Die Westseite der Straße lag gegenüber dem St.-Elisabeth-Krankenhaus und der Sackheimer Stadtschule mit getrenntem Unterricht für Jungen und Mädchen. An der Ostseite lagen die 4. Volksschule für Mädchen, ein Lyzeum und eine Sozialfürsorgeeinrichtung sowie die Grenze des Garnisonlazarettgeländes. Die rechte Seite der Prinzenstraße gehörte aber schon zu Neue Sorge. Die Straße blieb beim britischen Bombenangriff (30.08.1944) von Bränden verschont, einige Gebäude wurden beim Sturm auf die Stadt schwer beschädigt. Am 23.11.1945 wurde die Prinzenstraße auf Befehl des Oberbefehlshabers der Truppen des Sondermilitärbezirks in Bolnitschnaja-Straße (Krankenhausstraße, nach dem hier gelegenen Lazarett) umbenannt. Zur Bolnitschnaja-Straße wurde schließlich jedoch eine andere Straße in Neu-Roßgarten, und die ehemalige Prinzenstraße wurde am 01.08.1946 in Lasaretnaja-Straße umbenannt. Bis in die 1960er Jahre blieben an der Straße drei Vorkriegsgebäude erhalten, doch 2013 wurde eines davon – die Turnhalle der Sackheimer Stadtschule – abgerissen. Heute stehen an der Straße zwei Vorkriegsgebäude, die beide jedoch zur Kirpitschnaja-Straße gezählt werden.

Prinzhauseneck, eine kleine Winkelstraße an der Sackheimer Mittelstraße. Sie erschien ganz zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf den Karten. Damals lagen hier die 9. Volksschule für Jungen und die 9. Volksschule für Mädchen sowie eine gemeinsame Turnhalle dieser Schulen. Die Bauten brannten beim britischen Bombenangriff (30.08.1944) aus, doch die Mauern der Mädchenvolksschule und der Turnhalle standen bis in die 1960er Jahre. Nach dem Krieg wurde sie nicht umbenannt. Heute liegen an der Stelle der Straße das Gelände und der Sportplatz der Schule Nr. 36. Erhalten ist das Gebäude der Mädchenvolksschule (1875–76), das heute als Objekt des Kulturerbes anerkannt ist. Es gehört zum Moskowski-Prospekt, heute befindet sich darin eine Station junger Techniker.

Voigdtstraße erschien ganz zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf den Stadtplänen. Die Winkelstraße führte an der Sackheimer Kirche vorbei und verband die Sackheimer Kirchenstraße mit der Ziegelstraße. Am 23.11.1945 wurde sie auf Befehl des Oberbefehlshabers der Truppen des Sondermilitärbezirks, General Galizki, in Stroitelnaja-Straße umbenannt und trug diesen Namen bis in die 2000er Jahre. An der Straße blieben drei Vorkriegswohnhäuser erhalten. Beim Bau der 2. Hochstraße stieß diese jedoch an eines von ihnen. Als 2008 der Bau der 2. Hochbrücke wieder aufgenommen wurde, riss man diese Häuser ab. Mit ihnen verschwand auch die Straße. Heute liegt an ihrer Stelle der Verkehrsknoten Moskowski-Prospekt – Straße des 9. April.


Portal des Löbenichtschen HospitalsDas Portal des Löbenichtschen Hospitals in der Tscherepitschnaja-Straße.


Heidemannstraße entstand um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auf einer unbebauten Brache, auf der früher die Gemüsegärten der Sackheimer lagen. Die Straße wurde nach dem 2. Königsberger Oberbürgermeister August Wilhelm Heidemann (1773–1813) benannt. Sie führte an dem früher in diesem Viertel errichteten städtischen Lazarett vorbei. 1903 wurden in der Heidemannstraße die neuen Gebäude des Löbenichtschen Hospitals gebaut. So lag fast die gesamte Ostseite der Straße gegenüber Heilanstalten. Außerdem lagen im 20. Jahrhundert zwei Volksschulen an der Straße. Nach dem Krieg wurde die Heidemannstraße am 23.11.1945 auf Befehl des Oberbefehlshabers der Truppen des Sondermilitärbezirks gleich in zwei Straßen umbenannt: Nowaja-Straße und Retschnoi-Gasse. Am 01.08.1946 wurde auf Befehl der Verwaltung für zivile Angelegenheiten die Nowaja-Straße in Pechotnaja-Straße und die Retschnoi-Gasse in Tscherepitschnaja-Straße umbenannt. Erst in den 1950er Jahren wurde die Heidemannstraße endgültig zur Tscherepitschnaja-Straße, die allerdings nun nicht mehr bis zur Straße Sackheim (Moskowski-Prospekt) reicht. An der Straße haben sich sieben Vorkriegsgebäude (zwei davon werden zur Litowski-Gasse gezählt) und das alte Portal des Löbenichtschen Hospitals (18. Jh., auf dem Foto oben) erhalten. Das ehemalige Hauptgebäude des Löbenichtschen Hospitals, seine Kapelle sowie das Portal sind Objekte des Kulturerbes.

Ziegelstraße ist eine der ältesten Straßen des Sackheims. Sie entstand wahrscheinlich beim Bau der Sackheimer Kirche, ihre heutige Lage erhielt sie aber nach dem Brand von 1764. Spätestens 1790 war sie bereits vollständig mit Häusern bebaut. 1894 wurde in der Ziegelstraße der Gebäudekomplex des St.-Elisabeth-Krankenhauses errichtet, der außer den Krankenzimmern eine Kapelle, Wohnräume für die Ordensschwestern und einen Kindergarten umfasste. Am 23.11.1945 wurde sie auf Befehl des Oberbefehlshabers der Truppen des Sondermilitärbezirks, General Galizki, in Kirpitschnaja-Straße umbenannt, was schlicht die Übersetzung ihres Namens ins Russische war. Diesen Namen trägt sie bis heute. 1976 wurde die Westseite der Kirpitschnaja-Straße mit fünf neungeschossigen Häusern bebaut (sie werden zur Straße des 9. April gezählt). Auf der Ostseite der Straße stehen zwei Vorkriegsgebäude, eines davon (das St.-Elisabeth-Krankenhaus, siehe oben) ist ein registriertes Objekt des Kulturerbes.

Sprindgasse, eine winkelförmige Gasse, entstand Mitte des 18. Jahrhunderts. Ihre Winkelform verdankt sie dem Umstand, dass sie ursprünglich an einem Bach entlangführte, der weiter unten in den Pregel mündete und später zugeschüttet wurde. Nach dem Krieg wurde sie nicht umbenannt, bestand aber als namenlose Gasse fort. Sie verschwand 1974 beim Bau der Wohnhäuser Moskowski-Prospekt 161–163 und des Ladens „1000 Kleinigkeiten“.

1., 2., 3., 4., 5., 6., 7. Sackheimer Obergasse – sieben Gassen, die die Sackheimer Mittelstraße mit der Straße Sackheim verbanden. Gezählt wurden sie vom Sackheimer Tor aus in Richtung Stadtzentrum. Doch das war nicht immer so: Auf der Karte von 1809 ist die umgekehrte Zählung vom Zentrum zum Tor dargestellt. Nach dem Krieg wurden diese Gassen nicht umbenannt. Heute liegt an der Stelle der 1. Obergasse die Durchfahrt zwischen den Häusern Nr. 136 und Nr. 138 am Moskowski-Prospekt, an der Stelle der 2. die Durchfahrt zwischen den Häusern Nr. 120 und Nr. 130 am Moskowski-Prospekt, an der Stelle der 3. die Grünfläche vor dem Haus Moskowski-Prospekt 106, an der Stelle der 4. die Durchfahrt zwischen den Häusern Nr. 98 und Nr. 100 am Moskowski-Prospekt, an der Stelle der 5., 6. und 7. Obergasse die Grünflächen vor den Häusern Moskowski-Prospekt 88, 84 bzw. 82.



Fotos: Bildarchiv Ostpreußen / bildarchiv-ostpreussen.de, Witali Newar, Michail Ogorodnikow.


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Heimatkunde von Königsberg i. Pr.



Das Kapitel „Sackheim“

aus dem Buch örtlicher Autoren „Königsberger Heimatkunde“,

erschienen Ende des 19. Jahrhunderts


In den Jahren 2012–2014 wurde in der „Pregolja“, der Kunstbeilage zum „Baltischen Almanach“,

die Übersetzung des Buches der Königsberger Autoren Dr. Richard Armstedt, Professor am Altstädtischen Gymnasium, und Dr. Richard Fischer, Oberlehrer am Kneiphöfischen Gymnasium, „Königsberger Heimatkunde“ („Heimatkunde von Königsberg i. Pr.“, 1895, Kommissionsverlag von Wilhelm Koch, Königsberg) veröffentlicht, angefertigt von einem unbekannten Übersetzer. Die Idee der Veröffentlichung stammte von Igor Wladimirowitsch Afonin. Den Text bearbeiteten und mit Erläuterungen versahen Alexej Borissowitsch Gubin und Igor Fjodorowitsch Awtuchow. In jenem Buch gab es auch ein eigenes Kapitel über den Sackheim. Wesentlich redigiert, legen wir es Ihnen als Ergänzung zum Text von Alexej Jewgenjewitsch Petruschin vor.


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Sackheim

Das ehemalige Dorf Sackheim ist die älteste Freiheit, die bald nach der Entstehung Königsbergs entstand. Die erhaltenen Gerichtsakten stammen aus dem Jahr 1326. Das Wappen des Sackheims: auf blauem Feld das Gotteslamm mit roter Fahne, auf der ein weißes Kreuz steht. Auf dem Gerichtssiegel befand sich eine Inschrift über die Verleihung von Privilegien, in der die lateinischen Buchstaben „F. H.“ für „Freiheit“ stehen („Sigil des Erbor Gericht Firstlicher F. H. Sackheim“). Zwischen der Fahne die lateinischen Buchstaben „K“ und „B“ und die Ziffern „7.8.“. Die Buchstaben bedeuten „Königsberg“, die Ziffern vermutlich das Jahr der Bestätigung des Siegels: 1578.


(Der Name „Sackheim“ stammt wahrscheinlich aus dem Prußischen, in dem er eine Siedlung bezeichnet haben könnte, die auf einer Rodung, an der Stelle eines abgeholzten Waldes entstanden war – Anm. d. Red.)

In der Frühzeit seines Bestehens bildete der Sackheim kein einheitliches Gebiet. Sein östlicher Teil, wo sich die fürstlichen Holzgärten mit Holzkämmerei und Holzschreiberei befanden und wo seit Anfang des 18. Jahrhunderts das Königliche Waisenhaus steht, unterstand der Gerichtsbarkeit der Schlossverwaltung. Der westliche mit dem Hospital (Löbenichtschen Hospital) gehörte zum Löbenicht. Letzterer litt (wegen der Nähe zum Hafen und zu den Speichern – Red.) häufig unter Bränden. Die verheerendsten ereigneten sich 1539, 1575 und 1764. Die Architektur ist hier auch heute noch (1890er Jahre – Red.) größtenteils bescheiden und provinziell.

(Hier ist vom ältesten Teil des Sackheims die Rede, der vom heutigen Moskowski-Prospekt, dem Litowski Wal, der Pregolja und der Tscherepitschnaja-Straße begrenzt wird, durch die damals ein Bach aus dem Teich am Sackheimer Tor floss – Anm. d. Red.)


Sackheimer Mittelgasse

Mädchen in der Sackheimer Mittelgasse (1910).

Die Hauptstraße ist die Sackheimer Rechte Straße (Sackheimer rechte Straße; im Russischen als „Prjamaja“, die Gerade, wiedergegeben, „rechte“ bedeutet aber auch „richtige“ oder „rechte“. Auf dem heutigen Stadtplan ist das der Teil des Moskowski-Prospekts von der Sergej-Tjulenin-Straße bis zum Sackheimer Tor – Red.)

Früher hieß sie Breite Gasse und einfach Sackheimer Straße. Sie zieht sich vom Sackheimer Tor (Sackheimer Thor) bis zu den Stegen im Löbenicht, ist hier die wichtigste Verkehrsader und verbindet den Sackheim mit den anderen Teilen der Stadt.

An der Katholischen Kirche (Katholischen Kirche / Propsteikirche) wird die Sackheimer Rechte Straße zur Katholischen Kirchenstraße (Katholische Kirchestraße). Hier zweigt von ihr auch in Richtung Pregel (heute Fluss Pregolja) die Sackheimer Hinterstraße ab (Sackheimer hinter Straße, heute Admiral-Tribuz-Ufer), die am Litthauer Baum endet – so heißt die Balkensperre auf dem Pregel, an der die Königsberger Zöllner die Wasserfahrzeuge kontrollieren, die vom Oberlauf des Flusses sowie aus Richtung Labiau (heute Polessk) und vom Kurischen Haff kommen.

Beim Arresthausplatz zweigt von der Sackheimer Rechten Straße nach rechts die Sackheimer Mittel Gasse ab, die sich danach wieder mit der Rechten Straße vereinigt. Weiter östlich geht von der Rechten Straße nach links die Bülowstraße ab (Bülow Straße, heute Stekolnaja-Straße), die bis 1892 1. Wallgasse hieß.

Nördlich der Sackheimer Rechten Straße verläuft parallel eine weitere Straße, die an ihrem Anfang, vom Südende der Landhofmeisterstraße (heute Sergej-Tjulenin-Straße) bis zur Kreuzung mit der Ziegelstraße (Ziegel Straße), Sackheimer Kirchenstraße (Sackheimer Kirchen Straße) heißt und weiter – bis zum Festungswall – den Namen General Yorcks trägt (York Straße). Bis 1892 waren das die Alte Reiferbahn und die 2. Wallgasse.

Die parallel zum Fluss verlaufenden Hauptstraßen des Sackheims sind durch mehrere meist schmale und kurze Straßen und Gassen verbunden, unter denen die interessanteste die Kolwstraße (Kolw Straße) ist, die in den 1860er Jahren angelegt und nach ihrem Erbauer benannt wurde.

(Das für den heutigen Leser recht verworrene Netz der Sackheimer Straßen und Gassen ist heute wegen der sehr erheblichen Umgestaltung des Viertels und seiner Bebauung mit neuen, modernen Gebäuden schwer vorstellbar. Für eine genauere Beschäftigung sollte man daher die Stadtpläne des 19.–20. Jahrhunderts heranziehen. — Anm. d. Red.)

Nach der Kirchenreformation von 1525 wurden alle Gotteshäuser in Königsberg evangelisch. Doch an der Grenze zwischen dem Anger und dem Sackheim steht die Katholische Kirche, die Johannes dem Täufer geweiht ist.

Woher, so möchte man fragen, kam hier eine katholische Kirche, die äußerlich an den Petersdom in Rom erinnert? Da das Herzogtum Preußen ein Lehen des katholischen Polen blieb, wandten sich die Katholiken Preußens an Polen mit der Bitte um Unterstützung beim Bau einer Kirche in Königsberg.

Und als 1611 Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg (Johann Sigismund, 1572–1619), Regent für den letzten preußischen Herzog Albrecht Friedrich (Albrecht Friedrich von Preußen, 1553–1618) und obendrein dessen Schwiegersohn, nach dem Tod seines Schwiegervaters beim polnischen König um Anerkennung als vollberechtigter Herrscher Preußens nachsuchte, verpflichtete ihn der Warschauer Sejm unter anderen Bedingungen, in einer der Vorstädte Königsbergs eine katholische Kirche zu bauen und dem Priester ein jährliches Gehalt von 1000 polnischen Gulden zu zahlen.

(Die Frage der Thronfolge in Preußen geriet beinahe in eine Sackgasse, da der kranke Herzog Albrecht Friedrich keine männlichen Nachkommen hatte. Nach früher unterzeichneten Abkommen hätte Preußen in diesem Fall seine staatliche Eigenständigkeit verlieren und eine polnische Provinz werden müssen. Kurfürst Joachim Friedrich gelang es jedoch 1605, eine Urkunde über die Verwaltung Preußens und den Herzogstitel zu erhalten, allerdings ohne das Recht, sie an einen Erben weiterzugeben. Nach seinem Tod gelang es auch seinem Sohn Johann Sigismund, die Vormundschaft zu erlangen und nach dem Tod des Herzogs infolge schwieriger diplomatischer Verhandlungen das Recht auf erbliche Herrschaft über Preußen im Verband des polnischen Königreichs. — Anm. d. Red.)

Die preußischen Bürger, die an den Verhandlungen nicht beteiligt waren, widersetzten sich diesen Bedingungen zunächst heftig, leisteten dem Kurfürsten aber schließlich in Gegenwart einer eigens nach Königsberg entsandten polnischen Kommission den Lehnseid und billigten damit auch den Bau der Katholischen Kirche. Schon am 22. Mai 1614 fand an dem dafür bestimmten Ort die feierliche Grundsteinlegung der künftigen Kirche statt, deren Bau 1616 vollendet wurde. Ursprünglich hatte die Kirche keinen Turm, was die Protestanten beruhigte. Ihre heutige Gestalt mit der schönen Kuppel über dem Turm erhielt sie bei der Wiederherstellung nach dem Brand von 1764, der sie völlig vernichtet hatte, und sie wurde am 27. April 1777 erneut geweiht.

Als es nach der Verkündung der Bulle über die päpstliche Unfehlbarkeit durch Papst Pius IX. (1870) in der katholischen Gemeinde zur Spaltung kam, trennten sich die Gegner dieses Dogmas (Altkatholiken) von den römischen Katholiken. Die preußische Regierung übergab die Kirche 1876 den Ersteren als der zahlreicheren Gemeinde. Später ging die Zahl der Altkatholiken jedoch stark zurück, und so nahmen die römischen Katholiken die Kirche 1889 wieder in Besitz. Seitdem finden die altkatholischen Gottesdienste in der Hospitalkirche des Löbenicht (Löbenichtschen Hospitalkirche) statt.

1890–1894 wurde die Kirche renoviert, und heute ist sie ein großartiges Werk der Baukunst. Die Gewölbe sind im Barockstil ausgeführt, das Hauptschiff ist deutlich höher als die beiden Seitenschiffe, die durch zwei Säulenreihen von ihm getrennt sind.

Hauptschmuck der Kirche ist das Altarbild, das Ittenbach (Franz Ittenbach, 1813–1879) 1846 malte und das den gekreuzigten Christus darstellt. Vierzehn Bilder der Passion Christi schmücken Wände und Decke der Kirche. Die Fenster sind mit Darstellungen der 12 Apostel geschmückt. In der Kirche gibt es noch weitere Bilder mit Darstellungen von Heiligen und Aposteln, und an der westlichen Außenseite über dem Eingang stehen Figuren der vier Evangelisten aus Sandstein. Die Kirche ist 45,5 Meter lang, 27 breit und 29 hoch.

(Nach heutiger Orientierung stand die Kirche an der Stelle des Verwaltungsgebäudes am Moskowski-Prospekt, in dem die Statistikbehörde untergebracht ist – Anm. d. Red.)

Die Nordseite des viereckigen Katholischen Kirchenplatzes (Katholischen Kirchen Platz, der ehemalige alte Kirchhof) bilden Häuser, die der Kirche gehören. Darunter ist die 6-klassige Elementarschule (Katholische Kirchschule), die offenbar gleichzeitig mit der Kirche gebaut wurde. Für den Bau eines zweiten Schulgebäudes wurden zwei Grundstücke auf dem Haberberg erworben, und 1813 kaufte die katholische Gemeinde Land für einen Friedhof vor dem Königstor.

Die älteste evangelische Kirche des Sackheims stand am heutigen Arresthausplatz, sie hieß Litauische oder Elisabethkirche (Litthauische oder Elisabethkirche). Die Zahl der in Königsberg lebenden Litauer ist gering, doch man muss die Flöße, allerlei Boote und Flussschiffe aus Litauen bedenken, die jedes Jahr in die Hauptstadt Ostpreußens kommen; rechnet man sie mit, ist die Zahl der Litauer beträchtlicher. Herzog Albrecht (Albrecht von Brandenburg-Ansbach, 1490–1568) erlaubte 1526, in Königsberg einen litauischen Prediger zu haben. Für die Litauer wurde in der Steindammer Kirche im Wechsel mit den Predigten für die Polen gepredigt. 1603 überließ man der kleinen litauischen Gemeinde die noch zur Zeit des Ordens (Deutscher Orden) erbaute, der heiligen Elisabeth geweihte Kirche. 1807 wurde ihr Gebäude zu einem Gefängnis für Kriegsgefangene umgebaut. Damals begannen die wenigen in Königsberg verbliebenen Litauer, den Gottesdienst in der Hospitalkirche zu besuchen. Heute ist das Arresthaus Dienstgebäude des Bezirkskommandos. Neben der Elisabethkirche befand sich früher das St.-Elisabeth-Kloster, das nach der Kirchenreformation von 1525 aufgelöst wurde. Das Klostergebäude schenkte man dem Löbenichtschen Hospital. Lange Zeit lagen hier daneben die Friedhöfe der Litauischen Kirche und des Löbenichtschen Hospitals.

(Das Gefängnis lag östlich der zweiten Hochbrücke am Moskowski-Prospekt, im Hof des Hauses Nr. 78 – Anm. d. Red.)

Der Gottesdienst in der Litauischen Kirche wurde anfangs nur auf Litauisch gehalten. Doch mit der Verdichtung der Bebauung und dem Wachstum der deutschen Bevölkerung auf dem Sackheim wurden auch Predigten auf Deutsch notwendig.

Als Prediger wurde Georg Neuschilling (Georg Neuschilling, 1606–1658) aus Danzig berufen.

Bald kam es zu Reibereien zwischen deutschen und litauischen Gemeindemitgliedern. Da wandte sich die deutsche Gemeinde an Kurfürst Georg Wilhelm (Georg Wilhelm, 1595–1640) mit der Bitte um den Bau eines eigenen Gotteshauses und erhielt am 25. Mai 1640 die Erlaubnis, ihre Kirche an der Stelle zu bauen, wo bis heute die Sackheimer Kirche steht.

Nun aber legten die Katholiken Hindernisse in den Weg, da der Abstand zwischen ihrer Kirche und der neuen protestantischen Kirche sehr gering war und die Gesänge angeblich die Andacht störten. Dieser Grund konnte kaum ernst genommen werden, dennoch wurde der Bau unterbrochen und erst acht Jahre später wieder aufgenommen. Vollendet wurde er am 31. August 1648. Die erste Predigt in der neuen Kirche hielt Pfarrer Neuschilling am Kirchenfest des 12. Sonntags nach Trinitatis. Der Dichter Simon Dach (Simon Dach, 1605–1659) verfasste für dieses Fest einen feierlichen Dankhymnus mit Gesängen. 1764 brannte die Kirche ab und wurde nach der Wiederherstellung am 22. Januar 1769 erneut geweiht.

Die Mauern der heutigen Sackheimer Kirche haben teilweise Reste des alten Mauerwerks bewahrt. Auf dem Turm eine Wetterfahne mit dem Wappen des Sackheims: dem Lamm mit der Kreuzfahne. Der Innenraum ist dreischiffig. Das hölzerne Gewölbe des Mittelschiffs ist 12,5 Meter hoch. Es ruht auf zwei Reihen ionischer Säulen, die es von den 9 Meter hohen Seitenschiffen trennen.

Schmuck der Kirche ist das Altarbild, das Professor Heydeck (Johannes Heydeck, 1835–1910) 1878 malte. Es zeigt den einladenden Jesus Christus. 1813 wurde hinter dem Königstor ein neuer Gemeindefriedhof angelegt.

(Nach heutiger Orientierung stand die Sackheimer Kirche am Moskowski-Prospekt, östlich des Gebäudes der Statistikbehörde, unter der Straßenbahnabfahrt von der Hochstraße – Anm. d. Red.)

Unweit der Sackheimer Kirche, in der Yorkstraße 65, stand das neue große Gebäude des Garnisonlazaretts (Garnisonlazarett, heute Infektionskrankenhaus in der Frunse-Straße).

Gehen wir in östlicher Richtung bis zum Ende der Bülowstraße, gelangen wir zur Lithauer Wallstraße. Dieser Wall beginnt am Roßgärter Tor (Rossgärter Thor) und reicht bis zum Ufer des Pregels.

Dort, wo der Pregel die Stadtgrenze überquert, liegt der Litthauer Baum. Und wo die Sackheimer Rechte Straße auf die Lithauer Wallstraße trifft, liegt das Sackheimer Tor (Sackheimer Thor), an dem früher die alte Landstraße nach Osten begann. Die Innenseite des Tores ist mit Büsten der Generäle Yorck und Bülow geschmückt, die der Bildhauer Stürmer (Wilhelm Stürmer, 1812–1885) aus Kalkstein schuf.


Hans David Ludwig von Yorck (Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg) wurde am 26. September 1759 geboren. 1812 befehligte er das preußische Königliche Armeekorps, das Preußen für den Krieg gegen Russland stellte. Doch nach dem Rückzug Napoleons aus dem brennenden Moskau schloss General Yorck am 30. Dezember 1812 mit dem russischen General Diebitsch (Iwan Iwanowitsch Diebitsch-Sabalkanski (vor seinem Eintritt in russische Dienste Hans Karl Friedrich Anton von Diebitsch und Narten, 1785–1831) in der Mühle von Tauroggen einen Neutralitätsvertrag. Diesen Vertrag betrachten wir als Beginn des entschlossenen Kampfes Preußens gegen die Franzosen. Unter dem Jubel der Königsberger führte General Yorck im Januar 1813 seine Truppen durch das Sackheimer Tor. Bald begann seine fruchtbare Tätigkeit als Generalgouverneur Preußens bei der Aufstellung der Volksbewaffnung. Als Korpskommandeur unter Blücher (Gebhard Leberecht von Blücher, 1742–1819) zeichnete sich General Yorck mehrmals in Schlachten aus, besonders bei Bautzen am 20.–21. Mai 1813, bei Wartenburg an der Elbe am 3. Oktober 1813, bei Möckern am 16. Oktober 1813, bei Laon am 9. März 1814 und bei Paris am 30. März 1814. Am 3. Juni 1814 wurde General Yorck der Ehrentitel Graf Yorck von Wartenburg verliehen. Der General starb 1821.

Friedrich Wilhelm von Bülow (Wilhelm Freiherr von Bülow, Graf von Dennewitz) wurde am 16. Februar 1755 in Falkenberg in der Altmark geboren. 1811 war er Gouverneur von Ost- und Westpreußen. Er nahm am erfolgreichen Gefecht gegen die Franzosen bei Möckern am 5. April 1813 teil, siegte bei Großbeeren am 23. August 1813 und bei Dennewitz am 6. September 1813. In der Schlacht bei Leipzig stürmte Bülows ostpreußische Landwehr das Grimmaische Tor. Er nahm an den siegreichen Schlachten bei Laon am 9. März 1814 und bei Paris am 30. März 1814 teil. Ihm wurde der Ehrentitel Graf Bülow von Dennewitz verliehen. In Anerkennung seiner Verdienste erhielt er Güter in Neuhausen (heute Stadt Gurjewsk) und in Grünhoff (heute Siedlung Roschtschino, Kreis Selenogradsk). General Bülow nahm am Feldzug von 1815 teil. Nach dem Friedensschluss mit Frankreich hatte er einen Kommandoposten in Königsberg inne. Hier starb er am 25. Februar 1816. Er wurde auf dem Gut Grünhoff beigesetzt.


In unmittelbarer Nähe des Sackheimer Tores steht das Königliche Waisenhaus, das mit einem schönen Türmchen geschmückt ist. Es wurde am 18. Januar 1701 von König Friedrich I. (Friedrich I, 1657–1713) am Tag seiner Krönung (18.01.1701) gegründet.

Der Bau wurde 1703 vollendet. Am 18. Januar 1705 fand die erste Predigt in der Hauskirche statt, die bis 1809 bestand. Nach den Chroniken des Waisenhauses wurden hier 24 Waisen oder Halbwaisen aufgenommen, darunter 12 Kinder reformierten und 12 lutherischen Bekenntnisses. Alle Knaben mussten mindestens acht Jahre alt sein. Zur materiellen Unterstützung des Waisenhauses bestimmte der König folgende Ordnung: Die Ritter des eben gestifteten Ordens vom Schwarzen Adler spendeten vor ihrer Aufnahme in die Ritterschaft je 50 Dukaten. Aus eigenen Mitteln spendete der König jährlich 100. Sein sparsamer Nachfolger Friedrich Wilhelm I. (Friedrich Wilhelm I, 1688–1740) fand das Budget des Waisenhauses zu groß und schaffte das Spendenritual der Ritterschaft ab, fügte zugleich aber im Waisenhaus sechs Plätze für Kinder aus adligen Familien hinzu.

König Friedrich Wilhelm IV. (Friedrich Wilhelm IV, 1795–1861) stellte die Ordnung der Beiträge der Ritter des Schwarzen Adlerordens zum Unterhalt des Waisenhauses wieder her und setzte die Spendensumme auf 450 Dukaten jährlich fest. Der König selbst zahlte jährlich je 50 Dukaten in den Haushalt des Hauses ein. Am 17. Januar 1855 wurde ein neuer Etat für den Unterhalt des Waisenhauses bestätigt, in dem die Summe deutlich erhöht war. Nun unterhielt das Haus zwei Prediger – einen reformierten und einen lutherischen –, die in der Hauskirche des Waisenhauses Gottesdienst hielten, die Zöglinge beaufsichtigten und unterrichteten. Das war in Preußen der erste Versuch, die beiden Zweige der Evangelischen zu versöhnen, die bis dahin in erbitterter Feindschaft gelebt hatten.

Die mit dem Waisenhaus verbundene Schule bereitete die Kinder bis 1809 auf das Universitätsstudium vor. Dann wurde sie in eine Elementar- (Grund-)Schule umgewandelt. Die Schule hatte ein Seminar, in dem Volksschullehrer ausgebildet wurden. Es war die erste derartige Anstalt in unserer Provinz. Sie bildete Lehrer aus den Reihen begabter Schüler aus. 1870 wurde das Seminar nach Waldau (heute Siedlung Nisowje) verlegt, und die Schule wurde 1877 zum Progymnasium. Seit Ostern 1894 war die Schule wieder eine Elementarschule.

An das Waisenhaus grenzt die Provinzial-Taubstummenerziehungsanstalt, die 1825 gegründet wurde und sich am Waisenhausplatz befindet (Waisenhausplatz 3).

(Nach heutiger Orientierung stand das Königliche Waisenhaus an der Ecke Litowski Wal und Moskowski-Prospekt. Das Gebäude ist in stark umgebauter Form erhalten, in ihm sind verschiedene Organisationen untergebracht. Von Westen schließt sich das Gebäude der ehemaligen Schule an. — Anm. d. Red.)

Einige Häuser weiter, etwas abseits der Straße, liegt das Städtische Siechenhaus (Städtische Siechenhaus, Waisenhausplatz 7b). Diese Einrichtung wurde 1884 aus Spenden gegründet. In ihr werden alte, kranke, hilflose und alleinstehende Menschen versorgt.

Nach Angaben von 1893–1894 waren es 112 Personen.

Der Litauische Wall stößt im Süden auf die Sackheimer Hinterstraße (heute Lesopilnaja-Straße). Hier haben Wall und Straße ein ländliches, fast dörfliches Aussehen. Einige Häuser vom Litauischen Wall entfernt sehen wir das Städtische Waisenhaus, in dem gegenwärtig 32 evangelische Knaben erzogen und unterrichtet werden. Dieses Waisenhaus ist aus dem früher hier bestehenden Armenhaus (Pauperhaus) hervorgegangen. Solche Einrichtungen gab es in allen drei Pregelstädten. Die begabtesten Waisenkinder aus ihnen erhielten die Möglichkeit, an der Universität weiterzustudieren. Die städtischen Waisenhäuser hatten auch enge Verbindungen zu den städtischen Schulen. Das älteste Königsberger Waisenhaus wurde 1580 im Kneiphof gegründet, ihm folgten das Waisenhaus im Löbenicht 1615 und das altstädtische 1631. Jedes dieser Häuser erzog 16–30 Knaben, die dort Bildung, Unterkunft, Kleidung und Pflege erhielten. Der Fonds für ihren Unterhalt war jedoch äußerst dürftig: Das Kneiphöfische erhielt jährlich 9145 Taler, das Löbenichtsche 19 467 Taler, das Altstädtische 9246. Dabei mussten die Zöglinge nach Möglichkeit arbeiten. Sie sangen in Kirchenchören, zogen an Feiertagen mit Psalmengesang durch die Stadt, nahmen Almosen und Geschenke an. Sie konnten gegen Bezahlung Hausarbeiten verrichten und Verstorbene zum Friedhof geleiten (besonders während der Pest). Allmählich gerieten solche Praktiken in Vergessenheit, doch zugleich schrumpften auch die Einnahmen, weshalb die Zahl der Zöglinge abnahm.

Bis 1803 standen die Waisenhäuser der Altstadt und des Kneiphofs wegen Finanzierungsproblemen vor der Schließung. Um das zu verhindern, vereinigte man sie mit dem besser ausgestatteten Waisenhaus des Löbenicht. Die Einrichtung erhielt den Namen Chorschülerininstitut. 1833 wurde für das Waisenhaus ein neues Gebäude gebaut und ein angrenzendes Grundstück hinzugekauft.

(Vermutlich lag das städtische Waisenhaus an der Stelle, an der 1928 die Gebäude des neuen Krankenhauses errichtet wurden. Heute liegt dieser Ort an der Ecke Lesopilnaja- und Tscherepitschnaja-Straße – Anm. d. Red.)

Am westlichen Ende der Sackheimer Hinterstraße, gegenüber dem Arresthausplatz, liegt das Armenhaus von Fahrenheid (Fahrenheidsche Armenhaus), in dem nur betagte Frauen leben, die hier ein Dach über dem Kopf und eine kleine finanzielle Versorgung gefunden haben. Das Armenhaus wurde 1771 von Kommerzienrat Fahrenheid, einem bekannten Kaufmann und Mäzen, auf dem Hinteren Roßgarten (Hinter Rossgarten) in einem Gebäude gegründet, das heute dem städtischen Krankenhaus gehört. 1830 zog das Heim in das Gebäude, in dem es sich bis heute befindet. In den Jahren 1893–1894 lebten hier 119 alte Frauen.

(Friedrich Reinhold Fahrenheid (1703–1781) und sein Sohn Johann Friedrich Fahrenheid (1747–1834) spendeten erhebliche Summen für wohltätige Zwecke. Bis heute steht das Gebäude des Fahrenheid-Stifts in der Straße des 9. April, in dem jetzt eine Bank untergebracht ist. Das Gebiet des Sackheims nimmt im heutigen Kaliningrad den Raum ein, der von der Sergej-Tjulenin-Straße, der Frunse-Straße, dem Litowski Wal und der Pregolja begrenzt wird. — Anm. d. Red.)


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.