/ Kaliningrad

Wie wir das historische Zentrum wiederaufbauen können

Wie wir das historische Zentrum wiederaufbauen können

Mein ganzes Leben lang habe ich über das historische Zentrum unserer Stadt nachgedacht, und seit mehr als zwanzig Jahren arbeite ich beruflich an einem Projekt zu seiner Wiederherstellung. Nun möchte ich meine Überlegungen mit meinen Zeitgenossen teilen und meine Ideen an künftige Generationen von Architekten und Planern weitergeben. Diesen Beitrag widme ich dem offiziellen 300-jährigen Jubiläum meiner geliebten Heimatstadt*.


Accidit in puncto, quod non contigit in anno.**


Unser Beruf verlangt einen mutigen Blick in die Zukunft und – wenn man als Architekt tatsächlich bauen will! – die Fähigkeit, die Stimmung der ganzen Gesellschaft zu erfassen und zu erspüren, denn sie entscheidet letztlich darüber, was gebaut wird und was nicht. Ob ich die Gabe der Voraussicht in ausreichendem Maße besitze, weiß ich nicht, an Optimismus aber fehlt es mir gewiss nicht. Woher sonst hätte ich all die Jahre die Kraft genommen, weiter an meinem Projekt (siehe unten) zu arbeiten – an der Wiedergeburt der Altstadt, dem Wiederaufbau des Schlosses und an einem Stadtraum im historischen Zentrum, der daran erinnert, wie unsere Stadt in ihrer Blütezeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert aussah?

Die vollständige Fassung der Präsentation unseres Projekts zum Wiederaufbau des historischen Zentrums.


Doch in meinem Optimismus steckt viel Schmerz – Schmerz über das, was unserer Stadt in den vergangenen Jahren widerfahren ist. Die Schönheit des verlorenen Königsberger Zentrums hat mich dennoch immer weiter inspiriert: Weil ich weiß, wie diese Stadt einmal war, und weil ich verstehe, was sie in Zukunft sein kann und sein muss, habe ich weitergearbeitet – und tue es auch jetzt, indem ich mich an Sie wende.

Wie war Königsberg eigentlich? Was verdient – über die allseits bekannten Ansichten seines Zentrums hinaus – Aufmerksamkeit und genaueres Studium? Welche einzigartigen städtebaulichen und architektonischen Lösungen haben unsere Vorgänger hier gefunden, die dann zu unserem großen Bedauern in den Kriegswirren des 20. Jahrhunderts verloren gingen?

Um zu erkennen, wo wir heute stehen, und zu verstehen, in welche Richtung wir gehen sollten, wollen wir – wie in solchen Fällen üblich – zunächst den Kontext abstecken, das aktuelle Koordinatensystem. Beginnen wir damit, dass unsere Stadt in ihrer Bevölkerungszusammensetzung stets international und multiethnisch war und es bis heute ist. Seit undenklichen, vorordenszeitlichen Zeiten ist die gesamte Geschichte dieses Landes ein fortwährender Prozess der Besiedlung durch Zuwanderer.

An der Grenze zweier Welten und Zivilisationen gelegen, wechselte Preußen mehrfach den Besitzer und nahm immer neue Wellen von Zuwanderern auf – mal aus dem Westen, mal aus dem Osten –, was sich nicht gerade vorteilhaft auf sein äußeres Erscheinungsbild auswirkte. Wer dieses Land liebt, kann es taktvoll als eklektisch bezeichnen.

Wenn man unsere Stadt beschreibt, die der UdSSR nach dem Zweiten Weltkrieg als Kriegsbeute zufiel, muss man ihre Vielschichtigkeit hervorheben. Königsberg bestand nicht nur aus den mittelalterlichen Städten Altstadt, Kneiphof und Löbenicht samt den Freiheiten und Vorstädten, die mit der Zeit um sie herum entstanden und eingemeindet wurden. Es war ein einzigartiges Mosaik, sorgfältig zusammengesetzt aus Teilen, die sich stark voneinander unterschieden. Zählen wir sie hier auf:

  1. Das Königsberger Schloss (1944 zerbombt, ausgebrannt und in den 1960er-Jahren abgerissen);
  2. Die mittelalterlichen Städte Altstadt, Kneiphof und Löbenicht, die zu Königsberg vereinigt wurden und sein historisches Zentrum sowie seine unverwechselbare Silhouette prägten (zerbombt und nach dem Krieg restlos als Ziegelsteinlieferant abgetragen);
  3. Die Waterfront (die Flussufer) – der Hafen, der berühmte Fischmarkt, die gewaltige Walzmühle, der Getreidespeicher, die Kräne und Lagerhäuser (teilweise erhalten);
  4. Das Speicherviertel mit seinen Fachwerkspeichern – die Laak, besser bekannt als Lastadie (zerbombt, niedergebrannt und abgerissen);
  5. Stadtteile voller hochwertiger Architektur: Vorstadt, Steindamm, Tragheim, Roßgarten, Neuroßgarten, Hufen, Neue Sorge, Sackheim, Haberberg (teilweise erhalten);
  6. Die Industrieviertel Ponarth, Ratshof, Rosenau, Schönbusch (teilweise erhalten);
  7. Das Befestigungsgerüst der Festungsstadt: Türme, Bastionen, Kasernen, Blockhäuser, Reduits, Ravelins usw. (erhalten);
  8. Der Grüngürtel „Schneider-Gürtel“, angelegt auf den Festungswerken, die die Stadt umgaben – dem Wallring (verfällt);
  9. Die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstandenen Stadtteile Amalienau und Maraunenhof, erbaut in der Zeit, als im europäischen Städtebau das Konzept der „Gartenstadt“ vorherrschte (erhalten);
  10. Die städtischen Parkanlagen: Luisenwahl (heute Zentralpark), Max-Aschmann-Park, Ratshöfer Park, Südpark, Kalthöfer Park usw. (verfallen);
  11. Der Königsberger Fortgürtel – 15 Forts (teilweise verfallen, der größte Teil ist jedoch erhalten und wird genutzt);
  12. Devau, einer der fünf ersten zivilen Flughäfen der Welt (verfallen, teilweise abgerissen).

Wie wir sehen, ist vom preußischen Architekturerbe sehr vieles verloren gegangen. Das Zentrum unserer Gebietshauptstadt – jener Stadt, über deren künftiges architektonisches Gesicht ich mit Ihnen sprechen möchte – wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wiederaufgebaut, sondern eilig im Stil des sogenannten „Funktionalismus“ bebaut. Natürlich musste in den Nachkriegsjahren so schnell und so kostengünstig wie möglich möglichst viel Wohnraum für die Menschen geschaffen werden. Doch die Jahre vergehen, die sogenannten „Chruschtschowkas“ stehen noch immer, und um sie herum entstehen weiterhin ähnliche Bauten – wohin wird uns diese Trägheit führen? Man kann zu Recht auf alle möglichen objektiven Gründe verweisen, doch die Tatsache bleibt: Die Stadt war einzigartig, und heute verfällt sie und wird immer gewöhnlicher.


© Arthur Sarnitz

Was ist das größte städtebauliche Problem des heutigen Kaliningrad? Dass das historische Zentrum der Stadt – ihr bester und architektonisch interessantester Teil, der über Jahrhunderte innerhalb des Wallrings gewachsen war und im Zweiten Weltkrieg vom Erdboden getilgt wurde – im 20. Jahrhundert hastig und planlos mit ausdruckslosen Mehrfamilienhäusern bebaut wurde.

© Arthur Sarnitz


Sie haben keinerlei architektonischen Wert, und ihre Nutzungsdauer neigt sich dem Ende zu. In den nächsten 25–50 Jahren – wie lange wir den Beginn dieses Prozesses auch hinauszögern mögen! – werden sie alle abgerissen werden müssen, um an ihrer Stelle … ja, was zu bauen?! Das ist die zentrale Frage, die wir gemeinsam beantworten müssen, bevor wir fast das gesamte Stadtzentrum neu gestalten. Lassen Sie uns deshalb davon träumen, was aus der Gebietshauptstadt werden kann, wenn wir ihre Wiedergeburt mit Bedacht angehen. Wir brauchen ein klares, bis ins kleinste Detail ausgearbeitetes Konzept, das bei der Zonierung des Gebiets und der Umlenkung der Verkehrsströme ansetzt und darauf abzielt, ein erneuertes historisches Zentrum zu schaffen und die harmonische Entwicklung der übrigen Stadtteile zu sichern.

ZONIERUNG

Jede Siedlung, die etwas auf ihr Alter hält – und unsere Stadt bildet da keine Ausnahme –, braucht ein historisches Zentrum. Man kann nicht einfach „irgendwie“ ohne es auskommen. Denn eine Situation, in der es zwar existiert, die Stadt es aber gewissermaßen „übersieht“, legt eine Zeitbombe unter sämtliche Projekte, die auf diesem Gebiet verwirklicht werden. (Das Haus der Räte ist dafür ein anschauliches Beispiel!) In unserem Fall bilden folgende Straßen die Grenzen des historischen Zentrums (vom neuen Kulturcluster auf der Oktoberinsel aus im Uhrzeigersinn): Kalinin-Prospekt, Schelesnodoroschnaja-Straße, Gwardeiski-Prospekt, Professor-Baranow-Straße, Litowski Wal. Auf jedem gewöhnlichen Stadtplan ist dieser fast geschlossene Ring (in Form eines C), in den die Oktoberinsel hineinragt, mit bloßem Auge zu erkennen – alles, was innerhalb des ehemaligen Wallrings liegt.

Mit besonderer Verantwortung muss die Planung der architektonischen Dominante angegangen werden – des Schlosses. Hier werden wir wieder die Argumente derer hören müssen, die sich wie ich für seinen Wiederaufbau einsetzen, und derer, die dagegen sind.

Das Schloss wiederaufbauen oder nicht? Diese Frage ist für Kaliningrad so etwas wie Shakespeares „Sein oder Nichtsein“ – allerdings mit dem Zusatz: als wiedererkennbare Stadt, die ihre eigene Geschichte achtet. Das Schloss ist ein ebenso untrennbarer Teil unseres Stadtbilds, ja des Bildes der Stadt überhaupt, wie der Eiffelturm in Paris oder die Christusstatue über Rio. Allen Teilnehmern der Debatte ist wohlbekannt, dass meine Stimme dem Wiederaufbau des Schlosses gilt – so, wie es war.


© Arthur Sarnitz

Jede Stadt mit jahrhundertealter Geschichte hat ein architektonisches Wahrzeichen. Für Königsberg war das zweifellos das Schloss. Für Kaliningrad sollte nach dem Abriss des Schlosses das Haus der Räte diese Rolle übernehmen. Doch zu einem lebensfähigen Symbol ist es nie geworden.

© Arthur Sarnitz


In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts öffnete sich für die sowjetischen Architekten ein Möglichkeitsfenster: Sie hätten auf dem Platz der abgerissenen alten Stadt eine neue von Grund auf erschaffen können. Ein solcher Versuch wurde auch unternommen, doch irgendetwas fehlte oder stand im Weg. So stehen wir heute erneut an derselben Weggabelung: Sollen wir im Zentrum nach dem Abriss der nicht mehr sanierungsfähigen Häuser irgendeine neue Stadt bauen? Oder sollen wir der Geschichte mit Respekt begegnen und dem deutlich geäußerten Wunsch der Touristen, eines erheblichen Teils der Einheimischen und aller, denen das Schicksal von Kaliningrad-Königsberg am Herzen liegt, nach einer Rekonstruktion des historischen Zentrums nachkommen? Das hindert keineswegs daran, außerhalb seiner Grenzen weiterhin moderne Gebäude in beliebiger Zahl und beliebiger Höhe zu errichten.

Viele große alte Städte haben längst eine Antwort auf die Frage gefunden, wie sich historische Bebauung und alles Übrige harmonisch „unter einem Dach“ vereinen lassen. Um den Wünschen verschiedener – ethnischer, religiöser, subkultureller – Bevölkerungsgruppen gerecht zu werden, die dicht beieinander leben, muss man sie auf verschiedene „Zimmer“ ihres gemeinsamen „Hauses“ verteilen und allen die Möglichkeit geben, ihr Leben so einzurichten, wie es ihnen gefällt. Darin liegt das Wesen der Zonierung.

VERKEHRSSTRÖME

Damit eine Revitalisierung des historischen Zentrums überhaupt möglich wird, muss sein Gebiet vom übermäßigen Durchgangsverkehr befreit werden. Der Moskowski- und der Leninski-Prospekt, die die Altstadt heute in leblose Stücke zerreißen, müssen in Tunnel unter die Erde verlegt werden. Beim lärmenden Moskowski-Prospekt, der sich am Flussufer entlangzieht, drängt sich das geradezu auf. Beim Leninski-Prospekt ist es etwas komplizierter. Ihn schlagen wir vor, zur Zweiten Hochbrücke umzuleiten und ebenfalls unter die Erde zu verlegen (etwa von der Kreuzung mit der Sommer-Straße bis zum Kreisverkehr an der Schewtschenko-Straße).


© Arthur Sarnitz

Unsere Stadt braucht mehr Brücken, und alle sollten Klappbrücken sein. Wenn es uns gelingt, alles in das historische Zentrum zurückzuholen, was die typische Hafenatmosphäre ausmacht – Anlegestellen, Marinas, Jachten, Segelschiffe usw. –, werden uns künftige Generationen unendlich dankbar sein. (Zusammen mit dem Stadtbild werden sich auch die Lebensqualität und das Investitionsklima zum Besseren wenden.)

© Arthur Sarnitz


Der Hafen ist der malerischste Ort Kaliningrads, doch leider ist er von der Stadt abgeschnitten. Selbst der öffentliche Nahverkehr ist derzeit so organisiert, dass die Bürger praktisch keine Möglichkeit haben, in den Hafen zu gelangen – hinkommen kann man nur mit dem eigenen Auto oder dem Taxi.

Ein Teil der Lösung des Problems mit dem übermäßigen Autoverkehr im revitalisierten historischen Zentrum werden ein erneuertes Netz von Nahverkehrslinien, eine Fahrradinfrastruktur und Fußgängerzonen sein. (Und schon bald auch eine Infrastruktur für Elektromobilität!) Ist der öffentliche Nahverkehr richtig organisiert, ziehen die Menschen ihn dem eigenen Auto stets vor. In dem Teil des historischen Zentrums, der am Ufer des Pregels über dem in den Tunnel verlegten Moskowski-Prospekt von Grund auf neu entstehen wird, lässt sich all das bereits in der Planungsphase vorsehen. Schwieriger wird es dort sein, Lösungen zu finden und die Gewohnheiten der Bürger zu ändern, wo der Stadtraum bereits gewachsen ist.

Nach der Inbetriebnahme der neuen Autobrücke im Westen der Stadt wird die Gesamtkapazität der Kaliningrader Brücken deutlich steigen.

Wird das aber ein Schritt hin zu weniger Autos sein, die täglich durch das historische Zentrum fahren, oder wird es im Gegenteil deren Zunahme fördern? Sie werden zustimmen: eine wichtige Frage. Ich wiederhole mich: Meiner Ansicht nach liegt die Lösung des Problems im Bau eines Straßentunnels unter dem historischen Zentrum (von der Brücke herunter, auf den Moskowski-Prospekt abgebogen und fast sofort im Tunnel).

Wir müssen die Funktion des historischen Zentrums und, weiter gefasst, der ganzen Stadt neu durchdenken. Um frische Luft zu atmen und uns von Lärm, Hektik und den Gefahren des dichten Verkehrs zu erholen, fahren wir heute in die Kurorte Selenogradsk oder Swetlogorsk oder einfach hinaus in die Natur, ans Meer. Doch ist das gut für die Kaliningrader Wirtschaft (und den städtischen Haushalt)? Vielleicht sollten wir Kurs darauf nehmen, Bedingungen zu schaffen, damit die Menschen zur Erholung an die Ufer des Pregels im Zentrum Kaliningrads kommen – und sich dabei obendrein abgewöhnen, das mit dem eigenen Auto zu tun, weil es einen komfortablen öffentlichen Nahverkehr gibt?


© Arthur Sarnitz

Die Straßenbahn sollte zum wichtigsten Verkehrsmittel im historischen Zentrum werden. Heute kann jede Stadt beim Hersteller ein eigenes Wagendesign in Auftrag geben, das zu einem der Elemente wird, die ihr unverwechselbares Gesicht prägen.

© Arthur Sarnitz


Eine Spurweite von 1000 mm erlaubt es, stilisierte Wagen auf moderner technischer Basis in die schmalen Straßen des historischen Zentrums einzufügen. Vom Stadtzentrum aus können die Straßenbahnlinien in die Stadtteile Sewernaja Gora, Ponarth, Rosenau und Hufen verlängert werden, wie es im Fall von Amalienau bereits umgesetzt ist. (Verzeihen Sie: Die heutige Verwaltungsgliederung der Stadt in nur drei Bezirke erlaubt keine genauen Richtungsangaben, deshalb greife ich dort, wo sie „nicht ausreicht“, auf meine Kenntnis der alten Ortsnamen zurück.) Die Straßenbahn wird nicht nur bei den Einheimischen, sondern auch bei den Touristen Anklang finden. Was den Massenverkehr in die Außenbezirke betrifft, so kann man hier an die Vorkriegserfahrung mit der Schmalspurbahn anknüpfen und diese durch eine Schnellstraßenbahn ersetzen, die man heute gern als „U-Bahn für mittelgroße Städte“ bezeichnet. Eigene Trassen einer solchen Straßenbahn könnten das Stadtzentrum mit den Wohngebieten Borissowo (und weiter bis Lugowoje), Wassilkowo (und weiter bis Gurjewsk), „Kosma“ (benannt nach Alexander Kosmodemjanski), „Pribrega“ (Pribreschny) und Tschkalowsk (und weiter bis Cholmogorowka) verbinden.

STÄDTEBAULICHES REGELWERK (DESIGN-CODE)

In den letzten Jahren gehört unser regionaler Fonds für Kapitalsanierung zu den sichtbarsten Institutionen, die zum Wohl des Gebiets arbeiten. Dutzende, wenn nicht Hunderte von Häusern in der Gebietshauptstadt (und nicht nur dort!) wurden sehr hochwertig saniert, und diese Arbeit geht weiter. Doch wir brauchen nicht nur einzelne gelungene Beispiele. Wir brauchen eine Strategie (mit diesem Artikel versuche ich lediglich, ihre Diskussion und Ausarbeitung anzustoßen) und greifbare Ergebnisse zumindest im Maßstab ganzer Quartiere, die Bürger und Touristen als „gemütliche städtische Oasen“ anerkennen und die Menschen durch die Qualität ihres Stadtraums anziehen. Wir müssen Orte finden, die in dieser Hinsicht vielversprechend sind, und sie endlich in jeder Beziehung auf ein mustergültiges Niveau bringen, damit die ganze Stadt beim Blick auf sie versteht, in welche Richtung es gehen muss.

Sonst kommt es noch so weit, dass Kaliningrader Beamte und Architekten bald zur Weiterbildung ins Zentrum von Selenogradsk geschickt werden, wo sie in dieser Hinsicht inzwischen einiges lernen können!

Innerhalb des historischen Zentrums muss eine strikte Höhenbegrenzung gelten.

Unter heutigen Bedingungen höchstens sechs bis sieben Geschosse einschließlich Mansarden, in seltenen Ausnahmefällen (Beispiel: das erneuerte Bellevue als architektonische Dominante des Viertels) bis zu neun oder zehn. Und das auch nur an den Hauptstraßen und Boulevards. Die Bebauung im Inneren der Quartiere sollte niedriger sein (3–4 Geschosse).

Das Geschäftszentrum Kaliningrads ohne Höhenbegrenzung – nennen wir es City – sollte in einem anderen Stadtteil entstehen. Was spräche gegen Selma oder das Hafengebiet, wenn der Baugrund der Oktoberinsel Zweifel aufwirft? Überall auf der Welt sind große Städte mit einer respektablen Architekturgeschichte genau nach diesem Prinzip gegliedert: die Altstadt (also das historische Zentrum), die City (das Geschäftszentrum) und Vororte aller Art – entsprechend den örtlichen Traditionen und Besonderheiten.


© Arthur Sarnitz

Um zum Thema Schloss und dem Stadtraum um es herum zurückzukehren: Ich wiederhole, dass ich keine vernünftige Alternative dazu sehe, das Stadtzentrum in jener Gestalt wiederherzustellen, in der es im vergangenen Jahrhundert den Kriegshandlungen und der Kurzsichtigkeit der regionalen Führung zum Opfer fiel.

© Arthur Sarnitz


Natürlich wird nicht alles in seiner ursprünglichen Gestalt neu errichtet werden, aber wir müssen einige wiedererkennbare Orte der Stadt wiederherstellen, wie es in vielen europäischen Städten bereits geschehen ist. Ich bin überzeugt: Jeder Versuch, einen anderen Weg zu gehen, hieße, erneut in dieselbe Falle zu tappen, in die wir schon einmal getappt sind – und die uns jahrzehntelang ohne historisches Zentrum gelassen hat. Ja, dafür gab es gewichtige Gründe. Doch wie man so sagt: Eine Stadt muss sich entwickeln. Und es ist an der Zeit, dass wir wenigstens aus unseren eigenen Fehlern lernen!

Die wichtigsten Elemente eines Design-Codes (eines Regelwerks) für das historische Zentrum sollten meiner Meinung nach sein:

  1. In der Verwaltung des Bezirks Historisches Zentrum, der als eigene Verwaltungseinheit ausgewiesen werden muss, ist eine Verwaltungsabteilung (im Folgenden: Sonderkommission) einzurichten, die sich aus professionellen Verwaltungsfachleuten, Architekten und Designern zusammensetzt und für das Erscheinungsbild des Bezirks verantwortlich ist;
  2. Alle städtebaulichen und architektonischen Projekte im Historischen Zentrum müssen von der Sonderkommission genehmigt werden und bei Bedarf eine öffentliche Anhörung durchlaufen, die jede der beteiligten Seiten beantragen kann. Um Korruption vorzubeugen, sollte wohl auch ein Bürgerbeirat geschaffen werden, der die Tätigkeit der Kommission kontrolliert;
  3. Höhenbegrenzung auf 15 m;
  4. Steile (>45 Grad) Walm- oder Satteldächer, Deckung mit Tondachziegeln;
  5. Pflasterung mit Pflastersteinen und Gehwegplatten bestimmter Arten (und Maße), die in einem gesonderten Regelwerk festgelegt sind. Granitbordsteine. Die Regenwasserkanalisation muss unter der Straßenoberfläche verborgen sein. Alle Fallrohre, die das Wasser aus den Dachrinnen ableiten, müssen in die Regenwasserkanalisation münden;
  6. Ein einheitlicher Stil für alle Stadtmöbel und Kleinarchitekturen, die Straßenbeleuchtung, die städtische Beschilderung und den Schmuck, entsprechend dem Regelwerk (Design-Code) des historischen Zentrums;
  7. Abgestimmte Grundsätze für die Gestaltung von Schaufenstern und Werbeschildern, die dem Geist des Historischen Zentrums entsprechen;
  8. Eigenmächtige Begrünung und „Modernisierung“ jeglicher Elemente der Gebäudeaußenseite durch Eigentümer und Mieter im Historischen Zentrum müssen gesetzlich verboten werden. Alle Änderungen, angefangen bei der Sprossenteilung der Fenster, sind mit der Sonderkommission abzustimmen;
  9. Die serielle Umsetzung von Typenprojekten im Historischen Zentrum muss gesetzlich verboten werden. Jedes Haus muss ein Unikat sein;
  10. Farbregelwerk: Häuser und andere Außenflächen dürfen nur in den vom Design-Code festgelegten Farben gestrichen werden;
  11. Mindestens 20 % der Fassaden müssen mit Klinker, Sandstein oder Architekturbeton gestaltet sein;
  12. Eingangstüren und Eingangsbereiche der Gebäude sind mit der Sonderkommission abzustimmen.

Besonders möchte ich auf die charakteristische Silhouette des Historischen Zentrums eingehen – die Kirchturmspitzen und Schlosstürme, die sich über die Dächer der Häuser erheben. Sie waren ein ganz wesentlicher Teil der Wiedererkennbarkeit der Stadt. Was hindert uns daran, diesen Begriff (Skyline oder Silhouette?) wenigstens in das städtebauliche Regelwerk aufzunehmen und in einem eigenen Artikel festzuschreiben, wie sie aussehen soll? Eine wiedererkennbare Silhouette wird Kaliningrad so attraktiv wie möglich machen und dazu beitragen, dass die Zahl der Touristen und die Investitionen steigen.


© Arthur Sarnitz


Wir müssen uns selbst aus dem Sumpf des visuellen Chaos ziehen, das das Bild der Stadt zerstört. Das historische Zentrum muss dabei mit gutem Beispiel vorangehen und den Ton angeben, der heute fehlt – weshalb ständig neue Gebäude entstehen, die mit den örtlichen Bautraditionen nichts gemein haben.

IM BEREICH DES MÖGLICHEN

Nachdem ich Kaliningrad die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt habe, möchte ich noch einige Worte darüber sagen, worauf sich meiner Meinung nach diejenigen konzentrieren sollten, die Projekte in den Kreisstädten des Gebiets betreuen. Dort ist bereits viel Arbeit geleistet worden. Es gibt etwas vorzuzeigen und etwas zu besprechen.

Mir scheint, dass die Mittel derzeit etwas zersplittert werden: Es wurde bereits erheblich Geld und Zeit investiert, und doch ist bislang nirgends im Gebiet (außer in Selenogradsk!) ein erneuerter Ort entstanden, der die Menschen nicht nur mit dem Geruch frischer Farbe anzieht, sondern mit einer neuen, überzeugenden, ausgereiften Qualität des Stadtraums als Ergebnis der Bau- und Sanierungsarbeiten. Ich würde vorschlagen, die bisherige Praxis etwas zu korrigieren.

Meiner Ansicht nach muss man sogenannte Anziehungspunkte schaffen – einen vielversprechenden Ausschnitt des Stadtraums (eine Straße, ein Quartier) ausfindig machen und ihn zu einem Vorbild machen, das Einheimische wie Touristen anzieht. Erneuerte Fassaden, Gehwege, Pflaster, Stadtmöbel, Gastronomie und touristische Sehenswürdigkeiten müssen als Ganzes zusammenwirken.

Erinnern wir uns, nach welchen Prinzipien die Städte in unserer Gegend einst angelegt wurden. Mit wenigen Ausnahmen entstanden fast alle mehr oder weniger nach demselben Muster. (Die Zeit der heidnischen Burgwälle und der Ordensburgen lassen wir hier beiseite.) Alle hatten einen zentralen Marktplatz, an dem das Rathaus (die Verwaltung) stand und an dem die Häuser der wohlhabendsten Bürger ihre Fassaden zeigten – nur sie konnten sich architektonischen Aufwand leisten. Irgendwo in der Nähe des Platzes oder direkt an ihm stand gewöhnlich auch die Hauptkirche. Leider haben diese historischen Ensembles in vielen Städten des Gebiets die Zeit nicht überdauert. Doch irgendwelche Teile davon sind fast überall erhalten geblieben. Und daran lässt sich anknüpfen! Ein gutes Beispiel dafür ist Gwardeisk, wo der zentrale Platz bereits wiederhergestellt ist und seine Funktion in vollem Umfang erfüllt – er zieht Einheimische wie Touristen an.

Abgesehen vom Samland mit seinen Kurorten, die sich nach ihrer eigenen Logik entwickeln, haben wir einige Städte, in denen man mit dem schrittweisen Wiederaufbau der zentralen Plätze beginnen könnte. Eile ist dabei nicht geboten, wohl aber ein klares Verständnis des Ziels: Wir müssen die Kreisstädte des Kaliningrader Gebiets gemütlich, anziehend, unvergesslich und liebenswert machen. So, dass Touristen sie mit dem Wunsch verlassen, eines Tages zurückzukehren, und die Einheimischen gar nicht erst auf den Gedanken kommen, wegzuziehen. Für den Anfang würde ich Prawdinsk, Sowetsk und Tschernjachowsk auf die Liste der Städte setzen, deren Plätze sich wiederbeleben lassen. Drei Richtungen von Kaliningrad aus – alle drei Städte sind als touristische Ziele durchaus vielversprechend. Unsere Kreisstädte haben alle Chancen, die ausdruckslosen Jahrzehnte um die Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert wiedergutzumachen.

Erst vor Kurzem (02.06.24) hat Kaliningrad nur mit großer Mühe die Folgen eines extrem heftigen Starkregens bewältigt. Der Schaden für die Stadt und ihre Bewohner war beträchtlich – die Naturgewalten haben einmal mehr ihre Kraft gezeigt. Hoffen wir, dass die Stadt ihre Lehren gezogen hat und die Regenwasserkanalisation modernisiert. Und nun stellen Sie sich vor, dass eines Tages infolge eines schweren Wintersturms eine Sturmflut den Pregel hinaufläuft, zwei- bis dreimal höher als gewöhnlich … Das weitere Szenario mag Ihre Fantasie ergänzen. Ich meinerseits halte es für wichtig und an der Zeit, vorzuschlagen, wenigstens mit der Planung von Schutzbauwerken an der Pregelmündung zu beginnen, die uns helfen werden, eine Katastrophe abzuwenden.


ÖFFENTLICHE MEINUNG UND FINANZIERUNG

Jedes Vorhaben, jede Idee hat fast immer Befürworter und Gegner. Das gilt in vollem Umfang auch für meine Roadmap zur Umgestaltung der Gebietshauptstadt.

Die Argumente unserer Gegner kennen wir längst – allen voran den stets wiederholten Hinweis auf die knappen Mittel des Regionalhaushalts. Dem lässt sich nicht widersprechen: Geld fehlt immer und überall, und es finden sich immer welche, die es dringender brauchen. So war es seit jeher, so ist es und so wird es bleiben. Und doch wurden und werden zugleich Städte gebaut.


© Arthur Sarnitz

Wir müssen in dem Rahmen arbeiten, den wir uns leisten können, und nach Finanzierungsquellen suchen. Es ist eine Frage der Prioritäten – des Verständnisses, welche Investitionen den größten Ertrag bringen.

© Arthur Sarnitz


Die am zweithäufigsten aufgelegte Platte ist die vom „Neubau-Imitat“. Bauten, die hier und heute errichtet werden – noch dazu nicht von den besten Bauleuten der Welt und aus Baustoffen zweifelhafter Qualität –, würden, so heißt es, niemals von irgendwem als echte, aus der Tiefe der Jahrhunderte überlieferte Originale wahrgenommen. Da fällt einem das Sprichwort ein, dass nur der keine Fehler macht, der nichts tut. Ich würde mich ja gern mit diesen wunderbaren Menschen auf den Lorbeeren ausruhen, doch im Unterschied zu ihnen vertrete ich eine aktivere Lebenshaltung: Der Weg entsteht beim Gehen. Ich zitiere einen Ihnen bekannten Autor: „Wenn du ein Ziel hast – renn darauf zu! Kannst du nicht rennen, dann geh! Kannst du nicht gehen, dann kriech! Kannst du nicht kriechen, dann leg dich wenigstens in die richtige Richtung.“ Das heißt: Wir müssen tun, was wir können, und uns nicht darüber grämen, dass wir nicht alles können. Heute das eine, morgen das andere. Bauleute gibt es, und Baustoffe auch. In der Nachbarschaft wurde nicht nur ein oder zwei Burgen wiederaufgebaut – in Polen wie in Litauen –, und bald schon werden wir in Neman die Burg Ragnit aus ihrem fast hundertjährigen Schlaf erwachen sehen. Danach folgen Gwardeisk, Bagrationowsk, Polessk …

Und was einen hochwertigen Stadtraum betrifft, so gibt unser allseits heiß geliebtes Selenogradsk schon seit einigen Jahren den Ton an. Warum geht das dort, aber bei uns in Kaliningrad nicht?!

Das großartigste Konzept, das vernünftigste Vorhaben lässt sich durch zwei Dinge verderben: durch Hast und durch Nachlässigkeit. Wir haben allen Grund, uns zu beeilen, aber wir sollten unseren Möglichkeiten nicht vorauseilen. Lieber ein Quartier gut machen, als einen ganzen Stadtteil durch Pfusch verderben. Pfusch wird man uns nicht verzeihen – er würde alles zunichtemachen und zum unumstößlichen Argument gegen eine Fortsetzung der Arbeiten werden. Das Wort „Neubau-Imitat“ hat einen negativen, ja verächtlichen Beiklang – nicht, weil es um etwas kürzlich Gebautes geht, sondern weil wir damit etwas bezeichnen, das hastig und lieblos geplant und gebaut wurde. Schlecht sein kann nicht nur ein Neubau, sondern auch die Restaurierung des historischen Erbes. Wenn Sie nach einer Restaurierung oder einer wissenschaftlich fundierten Rekonstruktion von Grund auf keine Lust verspüren, die Details eines Bauwerks immer wieder zu betrachten, wenn es Sie nicht drängt, das Mauerwerk zu berühren, und nichts daran Ihr Herz anrührt, dann haben die Restauratoren keine Seele in ihre Arbeit gelegt.


© Arthur Sarnitz

Wir müssen aufhören, für das Abhaken, für Berichte, für Planerfüllung und für das Ausschöpfen von Budgets zu arbeiten. Das historische Zentrum müssen wir für uns selbst wiederaufbauen – für die künftigen Generationen unserer eigenen Familien. Dann wird unser Neubau zu einem lebendigen Werk und nicht zu einer toten Attrappe.

© Arthur Sarnitz


Das dritte Problem ist ideologischer Natur. Der „Block der Kommunisten und Parteilosen“ pocht darauf, dass wir angeblich vorschlagen, Objekte der deutschen Kultur wiederzubeleben, während man doch im Gegenteil die russische Identität der Einheimischen pflegen und den Stadtraum unter diesem Gesichtspunkt gestalten sollte. Was soll man dazu sagen? Die Genossen sorgen sich umsonst. Diskussionen über eine „Germanisierung“ waren in den ersten Nachkriegsjahrzehnten ein gewichtiges Argument. Heute leben im Kaliningrader Gebiet bereits die dritte, vierte und fünfte Generation von Menschen, die hier geboren wurden und dieses Land mit all seiner schwierigen Geschichte als ihre Heimat betrachten. Öffentlich zu behaupten, hier ließe sich jemand „germanisieren“, ist nicht mehr ernst zu nehmen. Ein angenehmes Viertel im historischen Zentrum hingegen, das dem Haushalt erhebliche Einnahmen bringt, kann uns nur nützen. Mögen diejenigen, denen eine solche Art zu leben und sich zu erholen gefällt, die Möglichkeit haben, in gemütlichen Stadtcafés zu sitzen und ihr ehrlich verdientes Geld in guten Geschäften auszugeben. Wir haben ja auch nichts dagegen, dass Sportbegeisterte ihre ganze Freizeit in Stadien verbringen, Angler mit ihren Ruten und Grillfreunde am Schaschlik-Grill … In jeder Gemeinschaft wird es immer die unterschiedlichsten Menschen geben. Wir müssen uns auf Regeln des Zusammenlebens einigen und einander nicht auf die Nerven gehen – das Leben ist zu kurz und zu schön, um es mit gegenseitigen Vorwürfen zu vergeuden. Wie bereits gesagt, liegt der Ausweg in unserem Fall in der Zonierung. So bekommt jeder, was er braucht. Die einen ein neues Kaliningrad aus Glas und Beton, die anderen ein historisches Zentrum mit Ziegeldächern, Kopfsteinpflaster und Scharen von Touristen. Ich bin sicher, dass sich viele finden werden, die dort leben möchten!

AKTIONSPROGRAMM

Der Entwurf einer Roadmap für die Wiedergeburt des historischen Zentrums, wie sie mir realistisch erscheint: (Ein Maximalprogramm ohne Rücksicht auf irgendwelche Einschränkungen.)

  1. Einen Erneuerungsplan für das gesamte historische Zentrum erarbeiten – für das ganze Gebiet innerhalb des Zweiten Wallrings. Begründung: Verschleiß der Gebäude und Leitungsnetze, die in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind;
  2. Ein städtebauliches Regelwerk für das historische Zentrum ausarbeiten, es zum städtischen Gesetz erheben und streng einhalten;
  3. Das historische Zentrum vom übermäßigen Durchgangsverkehr befreien – durch den Ausbau von Umgehungsstraßen, einen modernen öffentlichen Nahverkehr, Park-and-Ride-Plätze, ein Radwegenetz und Fußgängerboulevards sowie durch den Bau von 4–5 weiteren Klappbrücken (idealerweise deutlich mehr – nach der Formel: 1 Quartier = 1 Brücke);
  4. Den Moskowski- und den Leninski-Prospekt in Tunnel verlegen (siehe oben);
  5. Die Hochbrücke abbauen und an ihrer Stelle die berühmte Grüne Brücke, Krämerbrücke, Köttelbrücke und Schmiedebrücke wiedererrichten;
  6. Die im 20. Jahrhundert verlorenen Gebäude neu errichten, die die unverwechselbare Silhouette des historischen Zentrums prägten: das Königsberger Schloss, das Postamt, die Steindammer Kirche und die Neue Altstädtische Kirche. (Der Wiederaufbau dieser Kirchen wird die Straße Steindamm an ihren angestammten Platz zurückbringen.) Die historische Fassade des BFU-Gebäudes an der Uniwersitetskaja-Straße wiederherstellen und ihm sein beseeltes Neorenaissance-Gesicht zurückgeben;
  7. Im historischen Zentrum die im 20. Jahrhundert verlorenen Stadtteile Altstadt und Löbenicht wiedererrichten, ebenso die Straßen, die sie mit anderen Teilen der Stadt verbanden: Steindamm (Schitomirskaja-Straße und ein Teil des Leninski-Prospekts), die Französische Straße (Schewtschenko-Straße) und die Vorstädtische Langgasse (ein Teil des Leninski-Prospekts);
  8. Den städtischen Uferpromenaden auf einer Länge von mindestens 5 km neues Leben einhauchen. Die Walzmühle und den Getreidespeicher am Rechten Ufer restaurieren und mit neuen Nutzungen füllen;
  9. Den anhaltenden Verfall der städtischen Parkanlagen umkehren, der sich negativ auf die Umwelt, die Qualität des Stadtraums und letztlich auch auf die Investitionsattraktivität der Stadt auswirkt. Das Kaliningrad der Nachkriegszeit galt als die grünste Stadt der UdSSR. Diesen Titel gilt es zu bewahren – nicht nur, indem die Stadtparks in Ordnung gebracht werden, sondern auch durch die Pflege aller Grünanlagen innerhalb der Stadtgrenzen;
  10. Das Straßenbahnnetz in zwei Varianten ausbauen – eine eigene, unverwechselbare für das historische Zentrum und eine Schnellstraßenbahn für die übrigen Stadtteile und Vororte.
  11. Im historischen Zentrum ein Höchstmaß an Einhaltung von Umweltstandards gewährleisten. Den Stadtteil zum Vorreiter in Stadt und Gebiet beim Einsatz modernster Energiespartechnologien machen.
  12. Im historischen Zentrum ein für die Stadt neues Regelwerk einführen, das Gestaltung und Pflegeanforderungen für Innenhöfe festlegt.

Wird die abgenutzte Hochbrücke abgebaut und führt der Leninski-Prospekt über die Kantinsel (wird also die Kneiphöfische Langgasse wiederbelebt), dann wird das unweigerlich dazu führen, dass auf der Insel wieder gebaut wird. In diesem Fall gilt meine Stimme dem Wiederaufbau des Kneiphofs in jener Gestalt, die wir alle auf den Fotografien bewundern, die uns das Bild dieser einzigartigen mittelalterlichen Inselstadt bewahrt haben.

All das haben wir in unserem Projekt zum Wiederaufbau des historischen Zentrums abzubilden versucht, das auf der populärsten Videoplattform abrufbar ist.

Ein kleiner Ausblick: Ich plane, demnächst meine Idee zur Wiederherstellung des Kanalnetzes in der Vorstadt vorzustellen. Doch darüber sprechen wir ein andermal, wenn wir hier ausführlich erörtern, wie ein historisches Zentrum aussehen könnte, das die wiedererrichtete Altstadt, den Kneiphof, den Löbenicht, den Steindamm und die Vorstadt umfasst.



* — Am 13. Juni 1724 wurden die drei Pregelstädte Altstadt, Kneiphof und Löbenicht unter dem Namen des Schlosses vereinigt, um das herum sie sich seit dem 13. Jahrhundert entwickelt hatten.

** — In einem Augenblick geschieht, worauf man jahrelang vergeblich hofft. (Feststehende lateinische Redewendung.)



Alle Abbildungen: © Arthur Sarnitz (2024)


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.