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Trakehnen, Gumbinnen, Insterburg und ihre Umgebung zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Trakehnen, Gumbinnen, Insterburg und ihre Umgebung zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Das Gumbinner Kreishaus.

Im Jahr 1817 erschien in Deutschland das Buch „Bemerkungen eines Russen über Preussen und dessen Bewohner gesamelt auf einer im Jahr 1814 durch dieses Land unternommenen Reise“. Es besteht aus 16 Briefen eines russischen Reisenden, der 1814 zum ersten Mal an die Ufer von Pregel und Njemen kam, an seinen Freund, einen Deutschen. Der elfte Brief ist einer Reise nach Gumbinnen und Insterburg und bei dieser Gelegenheit auch nach Wehlau und Tapiau gewidmet. Unterwegs geraten auch die Güter Norkitten und Bubainen in den Blick des Verfassers. Seine Erzählung aber beginnt er am entferntesten Punkt seines Trips – im berühmten Trakehnen. Ins Russische wurde dieser Text bisher nicht übersetzt.

LEGENDEN PREUSSENS im Blog von Tatjana Koliwai.

[ 1814 ]

Gumbinnen. – Trakehnen. – Insterburg. – Norkitten. – Bubainen. – Wehlau. – Tapiau. – Das Besserungshaus.

Der Anblick Gumbinnens überraschte mich einigermaßen: Ich hatte nicht erwartet, hier, tief in Litauen, ein ansehnliches, hübsches Städtchen mit völlig geraden, wie mit dem Lineal gezogenen Straßen zu finden. Diese nicht kleine Siedlung wurde 1732 gegründet und nach einem von Friedrich Wilhelm I. selbst entworfenen Plan bebaut, daher die Regelmäßigkeit der Bebauung. Ihre ersten Bewohner waren die Beamten der Kriegs- und Domänenkammer (Kriegs- und Domänenkammer), die hier ihren Sitz hatte, sowie Flüchtlinge aus Salzburg, denen sich bald viele Litauer anschlossen, angezogen von der günstigen Lage des Städtchens.

Die Kammer, die nach der neuen Verordnung Regierung heißt, ist die oberste Finanz- und Polizeibehörde der Provinz. Ihr Stab zählt etwa hundert Personen, die selbst eine Art Stadt in der Stadt bilden, zumal einer so provinziellen. Seine Haupteinnahmen bezieht Gumbinnen aus den Branntweinbrennereien, die auch große Mengen Bier brauen. Die Brennereien werden von Salzburgern betrieben.

GumbinnenDas Regierungsviertel von Gumbinnen.

Gumbinnen ist auch Sitz des Oberlandstallmeisters der Provinz. Das ist ein sehr hoher Posten, denn die litauischen Gestüte gelten als die bedeutendsten in Europa. Der Oberlandstallmeister bekleidet nach dem Regierungspräsidenten den zweithöchsten Rang, ist ihm jedoch nicht unterstellt.

TrakehnenSilhouetten von Trakehnen.

Das Hauptgestüt Trakehnen, zu dem 14 Vorwerke gehören, liegt inmitten ausgedehnter Wiesen, die genügend Weiden und Futter für die gewaltige Zahl edler Pferde bieten, die Trakehnen gehören. Organisation und Ordnung im Gestüt sind bewundernswert, und die Haltung der Pferde ist hier vorbildlich. Stallmeister, ihre Gehilfen, Futtermeister und eine große Zahl von Knechten wachen ständig darüber, dass die Pferde vortrefflich gepflegt werden, und die geringste Nachlässigkeit wird streng und ohne Verzug an Ort und Stelle bestraft.

Die Hengste, unter denen sich sehr schöne Tiere im Wert von mehreren tausend Talern befinden, sind spanischer, neapolitanischer und arabischer Abstammung. Winters wie sommers stehen sie in Ställen auf einem besonderen Vorwerk. Die Stuten werden nach Farben getrennt und auf verschiedenen Vorwerken gehalten. Auch die Fohlen werden nach Alter und Geschlecht getrennt. Es gibt auch besondere Vorwerke für Esel und Maultiere.

Jeder Hengst und jede Stute hat ein sogenanntes Stammregister. In diesen Registern sind alle Vorfahren und Verwandtschaftsbeziehungen des Tieres verzeichnet; sie werden von eigenen Sekretären geführt.

Solche Pferdepässe sind zweifellos die zuverlässigsten und genauesten aller Stammbäume der Welt: Die Art der Buchführung lässt keine Bastarde im Stammbaum eines Tieres zu.

Viele der schönsten Pferde dieses Gestüts werden sehr teuer an reiche Ausländer verkauft, besonders an Engländer und Russen. Der königliche Marstall nimmt seine Pferde nur aus diesem Gestüt, die übrigen werden zum höchstmöglichen Preis zum Verkauf angeboten.

Beim Einfall der Franzosen in Preußen im Jahr 1807 wurden alle Maßnahmen getroffen, damit diese Gestütshöfe nicht in Feindeshand fielen. Die Pferde konnten rechtzeitig auf das rechte Ufer des Njemen in Sicherheit gebracht werden.

Insterburg ist zwar nicht so schön gebaut wie Gumbinnen, aber belebter.

Unweit davon vereinigen sich Angerapp und Pissa zu einem Flussbett [hier hat sich der Autor nicht vergewissert, natürlich ist der zweite Fluss die Inster, nach der die Stadt benannt ist – Red.]. Weiter fließen sie schon als wasserreicher Pregel, der unterhalb Insterburgs schiffbar ist. Deshalb wird in der Stadt ein lebhafter Getreidehandel betrieben. Hier befinden sich die Kornspeicher des getreidereichen Litauens.

InsterburgEine der ersten Fotografien des Alten Marktes in Insterburg.

Brennereien und Brauereien sind ebenfalls wesentliche Einnahmequellen Insterburgs. Die Landschaft ringsum ist nicht besonders schön, aber der Boden ist sehr fruchtbar. Die Weiten beeindrucken nicht, doch man fühlt sich in der tadellos gepflegten Gegend so wohl, dass man sie nicht verlassen möchte.

Jagdschloss HubertusDas Jagdschloss Hubertus in Bubainen.

Im alten Schloss befindet sich das Oberlandesgericht von Litauen (Oberlandesgerichts von Litauen), dessen Apparat ebenso zahlreich ist wie der der Regierung.

In der Nähe von Insterburg liegt Norkitten – ein schönes Gut der Herzöge von Anhalt-Dessau. Es umfasst eine Fläche von etwa zwei Quadratmeilen, die vortrefflich bewirtschaftet wird. Norkitten wurde von Friedrich Wilhelm I. dem berühmten Alten, dem Fürsten von Dessau, geschenkt und ist seitdem im Besitz dieses herzoglichen Hauses geblieben, dem es mit allen Gutsrechten außer der Landeshoheit gehört. Die Landwirtschaft wird hier ebenso betrieben wie in Dessau selbst, weshalb sich das Gut in musterhafter Ordnung befindet.

In Bubainen, einem benachbarten Ort, der zur Gemeinde Norkitten gehört, stehen recht ansehnliche Mühlen, in denen vorzügliche Perlgraupen hergestellt werden, und zwar in einer Menge, die den Bedarf ganz Preußens deckt, das früher mehrere tausend Zentner davon aus Holland bezog.

Hier wird auch das Flussneunauge in beträchtlichen Mengen gefangen. Diesen schmackhaften Fisch fängt man hauptsächlich im Herbst, trocknet oder brät ihn, legt ihn in Fässer und isst ihn teils selbst, teils schickt man ihn nach Warschau, wo er sich sehr gut verkauft.

Die Mauern des Schlosses, das der Alte Dessauer erbaut hat, stehen noch. Die Sage berichtet, nach seinem Tod sei das Schloss unbewohnbar geworden, weil darin ein Gespenst umging. Mehrere Versuche, den Geist des alten Herrn auszutreiben, der ebenso rücksichtslos geblieben war, wie er es zu Lebzeiten gewesen war, blieben erfolglos, und man beschloss, das Schloss, nachdem man alle Fenster und Türen ausgebaut hatte, dem ruhelosen Gespenst zur alleinigen Nutzung zu überlassen. Nach und nach verfiel das Schloss, und schließlich stürzte das Dach ein.

Wehlau, ein belebtes, aber miserabel gebautes Städtchen an der Mündung des Flüsschens Alle in den Pregel, ist bekannt durch die Schlacht zwischen Brandenburg und Schweden im Jahr 1656 sowie durch die Schlacht, die hier nur hundert Jahre später im ersten Siebenjährigen Krieg zwischen Preußen und Russen geschlagen wurde. Das Seltsame an dieser Schlacht ist, dass am Ende die Russen aus Preußen abzogen und die Preußen sich hinter Königsberg zurückzogen. Das Schlachtfeld liegt eine Stunde Fahrt von Wehlau entfernt in einer großen Ebene1. Sehr bekannt ist der hiesige Pferdemarkt.

WehlauDie Wehlauer Kirchenstraße.

Durch eine fruchtbare, vortrefflich bebaute Gegend fuhren wir von Wehlau nach Tapiau, einem sehr angenehmen Landstädtchen an der Mündung der Deime in den Pregel.

TapiauDas Besserungshaus in Tapiau.

Welch eine Fülle von Flüssen und Seen in Preußen! Unbestreitbar kann sich kein anderes Land in Europa damit messen. Wäre der Ehrgeiz der hiesigen Bewohner ebenso groß wie der der Holländer, so könnte man nach dem Bau einiger Kanäle wie in Holland mit Treckschuiten durch das ganze Land reisen.

Auf einer Insel bei Tapiau befindet sich ein großes Besserungshaus, in dem alle Landstreicher, Bettler und verdächtigen Leute untergebracht sind. Hier erhalten sie grau-weiße Kleidung mit farbigen Ärmeln, damit man sie bei einer Flucht leichter erkennt, und gutes Essen, doch jeder muss eine seinen Kräften angemessene Arbeit verrichten.

Je nach ihrem Betragen und danach, wie fleißig sie arbeiten, wird ihre Kost verbessert, und bei hinreichenden Zeichen der Besserung gibt man sie als Arbeitskräfte in gute Wirtschaften. Die Ordnung und Sauberkeit, die hier herrschen, sprechen für die heilsame Atmosphäre der Anstalt.

Die Arbeit besteht aus Spinnen, Stricken und Weben. Hier werden sehr gute Zimmerteppiche hergestellt, die sehr gefragt sind, weil sie billig sind und ein schönes Muster haben. Hier strickt man auch Socken, näht Handschuhe und Unterwäsche, die über ein Geschäft in Königsberg verkauft werden.

 

ANMERKUNG

1. Gemeint ist die Schlacht bei Groß-Jägersdorf 1757.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.