Der schöne und stattliche Platz, den man heute meist Paradeplatz nennt, hieß in meiner Jugend oft Königlicher Garten (Königsgarten). Nach dem Ersten Weltkrieg verschwand dieser Name. Bis dahin nannte man Paradeplatz nur die Straße vor der Königshalle und dem Verlagshaus „Gräfe und Unzer“ sowie den Platz mit den zwei großen Gaskandelabern, der von einer schönen Kastanienallee gesäumt war. Gerade hier fanden zu Kaisers Geburtstag stets kleine Paraden statt. Es war ein festliches, farbenfrohes Schauspiel: Soldaten in schwarzen, Offiziere in weißen Uniformen, Musiker in roten Spitzhelmen mit Federbüschen – alles funkelte und glänzte.
Eine der frühesten bekannten Darstellungen des Königsgartens.
Der Name Königsgarten – Königlicher Garten – bestand keine sehr lange Zeit: Er entstand erst, als Preußen einen König bekam (1701).
Der Weg des traditionellen Umzugs der Königsberger Gilden führte durch den Königsgarten.
Vorher aber war es der herzogliche Garten bei der Schlossküche. Im wörtlichen Sinne des Wortes. Er hieß auch so – Geköchsgarten, also ein Küchengarten, in dem man Gemüse zog und in dem zur Zeit des Großen Kurfürsten die ersten Kartoffeln gepflanzt wurden.
Natürlich grenzte an ihn auch ein Park. Darin wuchsen alte und seltene Bäume. Das ist nicht verwunderlich, denn angelegt hatte ihn schon Herzog Albrecht. Um hineinzugelangen, baute man etwas später über den Schlossgraben und die Junkergasse direkt vom Königsberger Schloss aus einen hohen hölzernen Steg, von dem man einen Blick auf diesen Garten hatte. Caspar Stein (1592–1652) nennt diesen Steg in seinem berühmten Buch „Peregrinator“ den Fußgängersteg.
Im Park gab es einen Lustgarten1, neben dem der Hetzgarten lag, wo zur Belustigung des einheimischen Adels wilde Tiere barbarisch zu Tode gehetzt und Kämpfe von Bären und Auerochsen2 veranstaltet wurden. Der Hetzgarten befand sich auf dem Gelände der Wohnhäuser an der Großen Schloßteichstraße. Und erst Friedrich der Große (Friedrich II., Alter Fritz) verbot 1744 diese mittelalterlichen Vergnügungen.
Im südlichen Teil des Gartens befand sich damals auch das Lusthaus3.
Durch den Lustgarten waren seit der Zeit des Ordens die Betten von Bächen geführt, die aus dem Oberteich abflossen. Sie dienten dazu, den Wasserstand im Schloßteich zu regulieren, da sie unterhalb und westlich des Schloßteichs in den Katzbach mündeten, und speisten außerdem den Graben, der das Schloss umgab.
Der Platz wurde keineswegs zufällig Paradeplatz genannt.
Der Bach, der von der Tragheimer Kirchenstraße her kam, floss an der Westgrenze des Königsgartens entlang, weshalb später, nachdem er zugeschüttet worden war, die dort errichteten Häuser auf Pfählen gebaut werden mussten.
Das Schlagwort „preußischer Drill“ entstand nicht aus dem Nichts, sondern auf dem Exerzierplatz des Königsgartens.
In das Grundstück meines Vaters (Paradeplatz 19) wurden nicht weniger als 325 Pfähle gerammt. Ein weiterer Bach umfloss das Stadttheater. Erhalten ist eine Fotografie von 1850, auf der sowohl der Bach als auch die Brücke darüber gut zu sehen sind. Dieser Bach mündete in der Theaterstraße in den Graben, der damals das Schloss umgab.
Am nördlichen Ende der Theaterstraße versperrte die Roßmühle4, die 1808 abgerissen wurde, den Weg und machte sie zur Sackgasse, und deshalb hieß die Theaterstraße damals poetisch Kehrwiedergasse. An ihr wurde zwischen 1780 und 1800 im Stil des Neoklassizismus die elegante Königshalle errichtet, ursprünglich eingeschossig. 1848 gründete Generalleutnant Plehwe5 als royalistische Bastion des Preußischen antiliberalen Vereins die Gesellschaft „Königshalle“, die ihre Sitzungen in diesem Gebäude abhielt. Ab 1935 befand sich in dem Gebäude ein Offizierskasino.
Dass im Königsgarten prächtige Bäume wuchsen, bezeugt nicht nur der Bering-Plan von 1613, sondern auch die Geschichte, wie Kanzler von Kreytzen (Georg Friedrich von Kreytzen; 1639–1710) im Jahr 1697 den Kurfürsten Friedrich III., einen gebürtigen Königsberger, der seine Heimatstadt wohl sehr gern besuchte, auf der legendären Riesenlinde empfing. Dieser ehrwürdige Baum, der zweifellos noch die alten Prußen gekannt hatte, hatte einen Umfang von 30 Fuß und trug fünf übereinanderliegende Etagen von Balkonen. Auf dem höchsten von ihnen bewirtete man oft die hohen Gäste der Stadt in prächtigen Perücken. Eine wahrhaft barocke Idee! In unserer Zeit würde wohl kaum jemand daran denken, Berühmtheiten auf der mehrstöckigen Linde in Hirschau6 zu ehren.
Das alte Theater, das an der Stelle stand, wo man später mit dem Bau der Garnisonkirche begann.
Dann kam der unglaublich strenge Winter 1708, als man mit dem Schlitten über das Eis der Ostsee bis nach Lübeck fahren konnte. Alle seltenen Bäume im damaligen Königsgarten waren auf solche Kälte nicht vorbereitet: Sie erfroren, und selbst die alte Riesenlinde ging ein und musste danach gefällt werden. Der Garten verwilderte.
Das neue Stadttheater am Paradeplatz war eine fast genaue Kopie des alten.
Als 1713 der sparsame und fromme Friedrich Wilhelm I., von den Zeitgenossen Soldatenkönig genannt, den Thron bestieg, machte er sich nicht an die Erneuerung des Königlichen Gartens, sondern begann stattdessen, ihn als Exerzierplatz zu nutzen. Im östlichen Teil wurde eine Reitbahn gebaut, die später in die Mondscheingasse, dann in die Gartenstraße und noch später in die Giesebrechtstraße verlegt wurde, genau an die Stelle der künftigen Universität. Im mittleren Teil des Königsgartens plante er, eine Garnisonkirche zu bauen. Der Entwurf wurde Schultheiss von Unfriedt7 übertragen.
„Wäre sie vollendet worden“, schrieb Ludwig von Baczko8, „so wäre sie die schönste Kirche in Königsberg gewesen.“ Angesichts der Kunstfertigkeit der Baumeister klingt das durchaus glaubhaft. Man kam mit dem Bau jedoch nur bis zur Höhe der Fenster, dann versiegte die Finanzierung des Projekts... Dieser Rohbau stand viele Jahre lang, und erst 1791, als das Königsberger Theater am Kreytzenschen Platz ein geräumigeres Haus brauchte, erinnerte man sich seiner. Die Ruine des Rohbaus wurde abgerissen, doch für ein neues Theatergebäude reichte das Geld damals ebenfalls nicht. Und in Königsberg spielte noch anderthalb Jahrzehnte lang das alte Theater weiter.
Erst 1806–1808 baute der Geheime Rat Valerian Müller9, Baudirektor, westlich der Fundamente der unvollendeten Garnisonkirche im neoklassizistischen Stil das neue Stadttheater. Kaum fertiggestellt, brannte es 1808 ab, wurde aber fast sofort wieder errichtet – größtenteils mit Versicherungsgeldern – und am 9. Dezember 1809 in Anwesenheit Ihrer Majestäten eröffnet.
An den Längsseiten war das neue Theater in ganzer Höhe mit zwei halbrunden Nischen geschmückt. Das zweite Obergeschoss (nach russischer Zählung das dritte – Anm. d. Red.) sollte dem Entwurf nach mit einem hohen Figurenfries verziert werden, der das ansonsten bescheidene Äußere schmücken sollte. Auf diesen Fries, der das Äußere des neuen Stadttheaters, das einer großen Schachtel glich, zweifellos erheblich verbessert hätte, musste man jedoch aus Geldmangel verzichten. Und nur acht Figuren, vier in der Mitte und je zwei in jeder Nische, zwischen denen prosaisch eine Feuertreppe zu sehen war, zeigten, wie der Fries dem Entwurf nach hätte aussehen sollen.

Das neue Stadttheater von innen und außen.
Der großangelegte Umbau 1910/1911, durch den die Nische im nordwestlichen Teil der Vergangenheit angehörte, setzte jeder ursprünglichen Anmut dessen, was danach zum „Opernhaus“ wurde, ein Ende.

Äußeres und Inneres des Stadttheaters nach dem Umbau 1910–1911.
Es hat mich immer verwundert, warum man das Dach über dem neuen Teil des Bauwerks ausgerechnet mit Schiefer deckte. Hat diese schwarzrote Dachdeckung etwa das unglückliche, durch den Umbau verunstaltete Gebäude gerettet?
Im Inneren jedoch entzückte das Theater stets durch seine anmutige Eigenart. Hier zeigte der Klassizismus seine wahrhaft königliche Würde, erreicht durch die Strenge der Formen, gemildert durch edle Farben – Weiß, Rot und Gold. Mit Ausnahme der hässlichen, grellen und allzu kleinteiligen Deckenmalereien, die auch im Anbau von 1911 fortgesetzt wurden, dürfte die Farbgebung des Innenraums durchaus jener entsprechen, die unsere geliebte Königin sah, als sie mit ihrem Gemahl Friedrich Wilhelm III. in der Königsloge saß und vielleicht einer Oper von Friedrich Himmel10 (Friedrich Heinrich Himmel; 1765—1814) lauschte.
In späterer Zeit wurde der Kronleuchter des Stadttheaters mit 200 Gasflammen berühmt, der zumindest den Vorzug hatte, dass nicht mehr wie bei seinem Vorgänger Petroleum in den Zuschauerraum tropfte.
Draußen auf dem Exerzierplatz fanden nun auch Pferdemärkte und Jahrmärkte mit Karussells, Schießbuden, „Weltwundern“ und Straßenmusikanten statt.
Die Lage änderte sich, als 1841 auf dem Paradeplatz das Denkmal Friedrich Wilhelms III. aufgestellt wurde. Zuvor aber wurden die alten Bäche und die ehemaligen Forellenteiche zugeschüttet, die so versumpft waren, dass sie die Anwohner mit ihrem Gestank belästigten, und einer von ihnen erhielt sogar den unschönen Namen „Schwarzes Meer“.
Das Standbild Friedrich Wilhelms III. war das einzige Reiterdenkmal in Königsberg. Angesichts der damaligen Transportverhältnisse war es nicht einfach, den massiven bronzenen Koloss, geschaffen von dem Rauch-Schüler11 August Kiß12, nach Ostpreußen zu bringen.
Die feierliche Enthüllung des Denkmals Friedrich Wilhelms III. im Königsgarten.
Man darf nicht vergessen, dass es damals noch keine Eisenbahn gab, und auch der Transport auf dem Wasserweg vom Eisenwerk Lauchhammer bei Elsterwerda war unmöglich. Daher blieb als einzige verfügbare Möglichkeit das Pferdegespann.
Das Denkmal war der Königshalle (Mitte) und dem Verlag „Gräfe und Unzer“ (rechts) zugewandt.
Die Straßen waren damals jedoch in so jämmerlichem Zustand, dass der Transport mehrmals für lange Zeit stecken blieb. In Jüterbog gab es ein Problem: Das Monument erwies sich als zu hoch für die Durchfahrt durch das Stadttor. Man musste dessen Überbau abnehmen und zudem die Fahrbahn vertiefen. Als der Koloss endlich zum verhältnismäßig neuen Brandenburger Tor Königsbergs gebracht wurde, zeigte sich, dass er auch für dieses Tor zu hoch war – auch hier musste der Überbau abgenommen werden. Das Problem wiederholte sich beim Grünen Tor! Hier genügte es jedoch, darunter zwei Fuß Erde auszuheben. Als der König endlich auf seinem hohen Sockel im Königsgarten stand, geriet die ganze Stadt in helle Begeisterung und pries den Bildhauer.
Als Beleg sei ein Auszug aus dem Buch „Idyllen vom baltischen Ufer“ des deutschen Schriftstellers Ferdinand Gregorovius13 angeführt, das er 1851 veröffentlichte. Die beschriebene Szene spielte sich im damals beliebten Sommerbad Neukuhren (Neukuhren, heute die Stadt Pionerski) ab:
„In jenem Sommer besuchte Kiß den Strand im Samland. Die Badegesellschaft von Neukuhren beschloss, den Meister... auf das feierlichste zu empfangen und ihn sogar zu ‚krönen‘. Einen der Lehrer des Provinzgymnasiums überredete man, in Anbetracht seiner klassischen Bildung, Begrüßungsverse zu schreiben. Dieser liebenswürdige Mann saß zwei Tage lang in seinem Zimmer hinter verschlossenen Türen und rezitierte zur Inspiration aus dem Gedächtnis Homer, Pindar und andere große griechische Tragiker.
Endlich, am Tag des Empfangs, erschien er, wie Mohammed, der aus der Höhle tritt14, mit dem fertigen Gedicht – klassischen Distichen, kunstvoll für diesen Anlass verfasst.

Die halbe Einwohnerschaft von Neukuhren versammelte sich auf dem Hauptplatz des Badeortes, um Zeuge der Huldigung an die Bildhauerkunst zu werden.

Vor dem Vestibül des Hauptgebäudes hatten sich alle Damen des Badeortes versammelt, wie zu einem „Liebeshof“15.
Hoch oben auf der Kapitolstreppe stand wartend der Redner. Gegenüber, auf einer anderen Treppe, stand das Orchester mit erhobenen Fagotten, Trompeten und Geigen und konnte sich kaum zurückhalten, über seine Instrumente herzufallen. So standen unter blauem Himmel Poesie und Musik eine ganze Stunde lang stumm einander gegenüber und warteten auf ihre Vertraute, die Bildhauerei. Selbst die Vögel saßen schweigend in den Bäumen und lauschten neugierig; die Luft war regungslos, das Meer erstarrt in stummer Erwartung, und zwei junge Mädchen, die auf Kissen den Lorbeerkranz und die Widmungsverse hielten, schmachteten wie heimliche Leidenschaft und Sehnsucht, von denen niemand weiß. Doch plötzlich! – der Klang eines Posthorns hinter dem Garten – Reiter sprengen mit Fahnen heran, hinter ihnen die Eskorte, endlich die Kutsche – und da ist er, Kiß!
Das Orchester stürzte sich auf die Instrumente wie ausgehungerte Löwen auf ihre Beute; der Dichter begann mit der Deklamation; Kiß, ein freundlicher älterer Herr mit sanftem, mildem Gesichtsausdruck, trat heraus und neigte demütig das Haupt an der Kapitolstreppe. Der Dichter las weiter seine Verse; das Mädchen, das den Lorbeerkranz überreichte, den es nach dem Programm des feierlichen Empfangs dem Meister aufsetzen sollte, geriet in Verwirrung; das Sinnbild des Ruhmes rutschte mehrmals vom ehrwürdigen Haupt des Kiß; doch in einer verzweifelten Anwandlung fasste es sich und benutzte das Ohr des Bildhauers wie einen Nagel in der Wand, dank dem der Kranz nicht zu Boden fiel. Tasso-Kiß16 lächelte, rückte den Kranz zurecht und sprach den erhabenen Satz: „Nicht mir, sondern dem Schöpfer gebührt dieser Kranz!“ Er umarmte den Redner und verteilte Rosen an die Damen; die Musikanten bliesen die Trompeten; ein Zug bildete sich, und der liebenswürdige Meister wurde im Triumph über den Platz geleitet…“
Doch das Denkmal wurde auch kritisiert. Man behauptete, jedes Pferd, das so ginge, wie Kiß es dargestellt hatte, würde unweigerlich auf die Seite fallen. Es kam das Gerücht auf, der Künstler habe sich, verzweifelt über diesen verhängnisvollen Fehler, später erschossen. Allerdings war weder das eine noch das andere ernst gemeint – und das Pferd steht ja weiterhin, es hat nur das rechte Vorderbein angehoben.

Am Sockel des Denkmals ist eine Reihe von Reliefs angebracht, die die glückliche Königsfamilie, pflügende Bauern, einen berittenen Freiwilligen der Befreiungskriege und – eine der wichtigsten Seiten der Geschichte Königsbergs – den Aufruf General Yorcks an die Landwehrmänner im Gebäude der Ostpreußischen Generallandschaftsdirektion am 5. Februar 1813 darstellen.
Die Reliefs am Sockel des Denkmals Friedrich Wilhelms III. sind eher Hochreliefs.
Über diesen Darstellungen zieht sich eine Inschrift hin: „Sein Vorbild und seine Gesetze gaben uns Kraft zur Befreiung des Vaterlandes. Ihm danken wir den Segen des friedlichen Lebens.“
Das dreihundertjährige Jubiläum der Albertina nahte. Da das alte Gebäude auf dem Hof des Doms nicht mehr ausreichte, plante man, an der Stelle der Reitbahn im Königsgarten ein neues für die Königsberger Universität zu bauen. Mit dem Entwurf wurde der spätere Oberbaurat17 Friedrich August Stüler18 betraut, dessen Porträt dank der Meisterhand Adolph Menzels19 auf dem Gemälde der Krönung Wilhelms I. erhalten geblieben ist.
Friedrich Wilhelm IV. liebte die Stadt am Pregel, wohl in Erinnerung an die Spaziergänge durch Luisenwahl mit seiner früh verstorbenen Mutter. Bei der Huldigung in Königsberg 1840 wurde er mit echtem Jubel empfangen. Am 31. August 1844 sprach der König, der der feierlichen Grundsteinlegung beiwohnte: „Der Stifter der Albertina wollte, dass sie niemals der gewundenen Bahn der Kometen folge. Ihre Bewegung soll der Sonne gleichen, die, gleichmäßig leuchtend, wahrhaft die Finsternis zerstreut, in tiefe Höhlen dringt, die Schleier der Nacht zerreißt, die Früchte reifen und die Blumen sich öffnen lässt – eine solche Wirkung ist für die Menschen wahrhaft segensreich.“
Die Fassade des neuen Gebäudes der Königsberger Universität Albertina, dem Königsgarten zugewandt.
Stüler schuf ein etwas pompöses Gebäude aus gelbem Klinker im Stil der italienischen Renaissance mit einer breiten vorspringenden Kolonnade, das dem König sehr gefiel.
Die Kolonnade, die, wie wir heute wissen, den ganzen Königsgarten ringsum umfassen sollte.
In seiner Ausschmückung verdienen das Reiterrelief Herzog Albrechts und die Statuen Luthers und Melanchthons im Mittelteil Beachtung, ebenso die Büsten zahlreicher Gelehrter: des ersten Rektors Georg Sabinus, Simon Dachs, Jacobis, Hamanns, Herders, Kants, Bessels, Hippels, Herbarts, Kraus’, Hagens, Burdachs, Lachmanns und Lobecks.
Erhalten ist ein Stich von 1850, der Stülers ursprünglichen Entwurf zeigt. Das Gebäude ist nicht so reich an Skulpturen, doch die Kolonnade, die heute nur die Fassade schmückt, umfasst ringsum den ganzen Platz – ein Entwurf, der, wäre er verwirklicht worden, einen großartigen Eindruck gemacht hätte. Der König war zweifellos persönlich daran interessiert, da er Spaziergänge liebte, bei denen man sich geistreichen Gesprächen hingeben konnte – man denke nur an die Potsdamer Orangerie in Sanssouci (Schloss Sanssouci), wo er lebte, und an das Schloss Belvedere auf dem Pfingstberg.
Interessant ist auch, dass auf dem erwähnten Stich das Denkmal Friedrich Wilhelms III. parallel zum Gebäude steht, mit dem Gesicht nach Westen.
Das Monument war von Gärten umgeben: An den vier diagonalen Zugängen an den Ecken waren prächtige Fliederbüsche gepflanzt, die im Frühling alles ringsum mit herrlichem Duft erfüllten. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurden sie abgeholzt, und um das Denkmal breitete sich ein weiter, von Blumen umrahmter Rasen aus.
Das Opernhaus (rechts) war offensichtlich kein großer Wurf des Architekten.
Im Königsgarten wurde auch ein zweites Denkmal errichtet: die Statue Kants, geschaffen von der virtuosen Hand Rauchs19 zum Gedenken an den 60. Todestag des Philosophen. Meiner Ansicht nach ist dieses großartige Werk hier fehl am Platz.
Das Denkmal für Immanuel Kant am Paradeplatz.
Der Bau der Universität wurde vollendet, und sie wurde erst am 20. Juli 1861 eingeweiht. Doch im neuen, dem 20. Jahrhundert wurde ihr Gebäude zu eng, und zwischen 1924 und 1927 errichtete man einen Anbau, dessen einziger Reiz darin bestand, dass er von vorn kaum zu sehen war. Warum sein Dach mit vergoldeten Opuntien oder Aloen „bepflanzt“ oder, genauer gesagt, „verunstaltet“ wurde, ist mir für immer ein Rätsel geblieben.
Dann, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, kam der „festliche Ehrentag“ des Gauleiters Koch, der die Stadt angeblich vier Millionen Reichsmark kostete. Die Backsteinfassade der Universität, die zuvor sorgfältig durch Sandstrahlen aufgefrischt worden war, wurde von Kaskaden elektrischen Lichts märchenhaft angestrahlt, und davor erhob sich, schwarz und gespenstisch, das Reiterstandbild des Königs – ein großartiger und unvergesslicher Anblick!
Nicht weniger eindrucksvoll war eine andere Nacht. Doch sie war nicht so festlich und feierlich, sondern im Gegenteil furchtbar und voller Grauen – die schreckliche Nacht vom 29. auf den 30. August 1944.
Doch der bronzene König ging furchtlos und standhaft durch sie und durch das vom Himmel speiende Feuer hindurch, überlebte und blieb unversehrt – möge dies für uns alle in Königsberg ein prophetisches Sinnbild der Zukunft werden!
Anmerkungen der Übersetzerin
1. Lustgärten (Lustgarten) hießen in Russland „Neskutschny-Gärten“. Es ist eine Art Park, der für die Freizeit des breiten Publikums angelegt wurde. Diese Bezeichnung war bis zur Revolution gebräuchlich.
2. Der Hetzgarten war eine nach antiken Vorbildern gebaute Arena. Friedrich III. liebte diese Arena sehr, in der Höflinge und königliche Gäste zusehen konnten, wie Tiere wie Bären, Wölfe, Füchse, Wildschweine und Büffel einander zum Vergnügen der Zuschauer töteten. Dem einfachen Volk war es nur in sehr seltenen Fällen erlaubt, dabei zuzusehen.
3. Das Lusthaus ist ein Gebäude, das zwei Hauptbedeutungen hat: erstens ein großer städtischer Saal für Feste und Empfänge in Parks der Renaissance, in dem sich oft Ballsäle und Theater befanden. Andererseits konnte es ein kleiner pavillonartiger Bau in Parks oder Wäldern sein, der als Ort der Zurückgezogenheit und Erholung diente.
4. Die Roßmühle ist eine Mühle, die durch Pferdekraft, also durch ein Pferd, angetrieben wird. Sie funktionierte wie ein Göpel: Die Pferde liefen im Kreis und drehten eine Welle, die das Mahlwerk in Bewegung setzte.
5. Von Plehwe – deutsches und russisches Adelsgeschlecht; einer seiner bekanntesten Vertreter in Russland war Wjatscheslaw Konstantinowitsch Plehwe, russischer Staatsmann. Er kam 1904 in Petersburg durch eine Bombe ums Leben, die der Sozialrevolutionär Jegor Sasonow in seine Kutsche warf.
6. Hirschau – heute die Siedlung Kolomenskoje im Kreis Selenogradsk des Gebiets Kaliningrad. Einst bestand der Warnicker Wald ausschließlich aus Laubbäumen – Birken, Erlen, Linden, Buchen, Espen. Der Stolz des Waldes waren mächtige Eichen und Pappeln. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschloss man, das Gesicht des Waldes zu verändern und vorwiegend Nadelbäume zu pflanzen. Doch ab 1883 begann man wieder Eichen, Ahorne, Eschen und Ulmen zu pflanzen. Siebzig Eichen, die nahe der Försterei in Hirschau wachsen, bildeten einen ungewöhnlichen Hain in Form des berühmten preußischen Eisernen Kreuzes mit dem Namen „Bismarck-Eichen“.
7. Joachim Ludwig Schultheiss von Unfriedt (1678–1753) war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Baudirektor in Preußen.
8. Ludwig Adolph Franz Josef von Baczko (1756–1823) – deutscher Schriftsteller.
9. Johann Valerian Müller (1771–1839) – deutscher Architekt und preußischer Baubeamter in Königsberg. Ein Anhänger der Schlichtheit des Klassizismus.
10. Gemeint ist die Oper (das Singspiel) „Fanchon das Leyermädchen“ von Friedrich Heinrich Himmel (1765–1814), einem deutschen Komponisten; die Uraufführung fand im November 1805 in Königsberg zu Ehren Königin Luises, der Gemahlin Friedrich Wilhelms III., statt.
Das Schiller-Denkmal stand ebenfalls beim Theater am Paradeplatz, doch der Autor hat es aus irgendeinem Grund verschwiegen.
11. Christian Daniel Rauch (1777–1857) – deutscher Bildhauer, Vertreter des akademischen Klassizismus.
12. August Kiß (1802–1865) – deutscher Bildhauer.
13. Ferdinand Gregorovius (1821–1891) „Idyllen vom baltischen Ufer“. Königsberg, 1851.
14. Im Jahr 610 befand sich der Prophet Mohammed in der Höhle Hira, als ihm der Engel Dschibril erschien und befahl: „Lies!“ Die Höhle Hira ist ein heiliger Ort des Islam, an dem Mohammed meditierte und Offenbarungen von Allah empfing.
15. Liebeshöfe (Cour d'amour ) – mittelalterliche höfische Streitgespräche, bei denen in einer nach dem Vorbild eines Gerichts geschaffenen Einrichtung Fragen des Rechts und der Liebe erörtert wurden.
16. Anspielung auf Torquato Tasso (1544–1595), der zum größten Dichter Italiens ausgerufen und mit dem Lorbeerkranz geehrt wurde, der zuvor nur ein einziges Mal dem großen Petrarca zuerkannt worden war.
17. Oberbaurat – deutscher Titel. Der Begriff bezeichnet einen hochrangigen staatlichen oder militärischen Baubeamten, der eine leitende Stellung im öffentlichen Dienst innehatte.
18. Friedrich August Stüler (1800–1865) – herausragender deutscher Architekt, Nachfolger Karl Friedrich Schinkels und einer der wichtigsten Meister des Historismus in Berlin. Seine bekanntesten Werke sind das Neue Museum in Berlin sowie die Kuppel und der Triumphbogen des 1950 zerstörten Berliner Schlosses.
19. Adolph von Menzel (Adolph Friedrich Erdmann von Menzel; 1815–1905) – deutscher Maler und Grafiker, einer der führenden Vertreter des romantischen Historismus. Zu Lebzeiten genoss er große Popularität sowie die Achtung und Förderung des deutschen Kaiserhofes.
Quelle
Fotos
Bildarchiv Ostpreußen bildarchiv-ostpreussen.de.
● Von der Redaktion: Lesen Sie auf VisitPrussia.com das Interview mit der Übersetzerin deutscher und insbesondere preußischer Märchen, unserer ständigen Autorin Tatjana Koliwai, die einen eigenen Blog führt, in dem unzählige weitere Gleichnisse, Legenden und Märchen in ihrer Übersetzung veröffentlicht sind.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

