Innerhalb der alten mittelalterlichen Stadtmauern Königsbergs gab es weder grüne Plätze noch Parks. Damals waren die Städte klein und von Steinmauern umgeben, und innerhalb der Grenzen einer solchen wehrhaften Stadt war alles dicht bebaut. Selbst im gotischen Lübeck und in Nürnberg gab es innerhalb der Stadtmauern kein Grün, abgesehen von seltenen schönen Privatgärten, die hinter hohen Zäunen verborgen lagen. Im Mittelalter wären Parks innerhalb der Stadtmauern als unnötige Platzverschwendung erschienen, denn vor den Toren erstreckten sich Felder, Wiesen und Wälder, wohin an Feiertagen alle aus der Stadt hinauszogen, wie es in Goethes „Faust“ so wunderbar geschildert ist.
Der schwedische König Gustav Adolf (Gustav II Adolf, 1594–1632), der 1626 in Pillau landete, zwang die drei Pregelstädte, ein neues, modernes, gemeinsames Befestigungssystem zu errichten, das nun auch einige vorstädtische Siedlungen einschloss. (Königsberg baute acht Jahre daran!) Damals gelangten auch der Herzogliche (später Königliche) Garten, die großen Privatgärten am Schlossteich, der Garten der Altstädtischen Schützengilde und die Friedhöfe der alten Kirchen innerhalb der Festungsmauern der Stadt.
Als 1843 mit dem Bau des dritten Befestigungsrings um Königsberg begonnen wurde, kam auch der Volksgarten in Neuroßgarten innerhalb der Festungsmauern zu liegen, und die Grünanlagen auf den modernisierten Festungswällen (dem sogenannten Glacis) bildeten einen grünen Gürtel um die Stadt.
Luisenwahl, Hippels Garten und Mittelhuben auf dem Stadtplan von 1815.
Bis Königsberg sich in den 1930er Jahren in eine wunderschöne Gartenstadt verwandeln sollte – eine der schönsten in Deutschland –, war es noch ein weiter Weg.
Doch als auf Initiative des tatkräftigen Oberbürgermeisters Körte (Siegfried Körte, 1861–1919) 1910 am Wrangelturm ein Durchbruch durch die Befestigungen geschaffen wurde, waren die Voraussetzungen für ein schrittweises Vorgehen in diese Richtung gegeben. Der vom Stadtbaurat Beuster (Fritz Beuster) ausgearbeitete Plan zur Entfestigung sah vor, die meisten der 70 Jahre alten Bäume auf den alten Festungswällen zu erhalten.
Und so wurde Königsberg über viele Jahre hinweg unter der Leitung des städtischen Gartendirektors Ernst Schneider (Ernst Schneider, 1874–1968) allmählich zu einer grünen Stadt. Vom Königsgarten (Königsgarten, dem ehemaligen Herzoglichen Garten, später Paradeplatz) über die Gärten und Promenaden an den Ufern des Schlossteichs und des Oberteichs bis zum Max-Aschmann-Park erstreckte sich ein zusammenhängender Grünraum. Vom Sackheimer Tor bis zum Holländer Baum – ein einziger Park. Zwischen dem Friedländer und dem Brandenburger Tor entstanden schöne Grünanlagen. Außerdem lag im Osten der Kleistpark – ein wunderschöner Gutspark, der ebenso wie das Gut Kalthof neben Contienen und Spittelhof für die Versorgung des Hofes mit Lebensmitteln zuständig gewesen war.
An seinen früheren Besitzer, den Hauptmann a. D. Kleist (Berthold Kleist, 1848–1925), erinnert ein Findling, in den er selbst die ersten Worte der Horaz-Ode gemeißelt hat: „Non omnis moriar“ („Nicht ganz werde ich sterben“) – Kleist glaubte, die Übergabe des Parks an die Öffentlichkeit werde ihm ein dankbares Andenken der Nachwelt sichern. Wie der Kriegsrat Scheffner (Johann Georg Scheffner, 1736–1820) vermachte er diesen seinen Besitz der Stadt gegen eine Leibrente.
Im Westen der Stadt lud der Park von Juditten zum Spazierengehen und Erholen ein. Näher zum Zentrum lag der Park Ratshof. Grüne, an Nachtigallen reiche Wäldchen führten von dort über den Hammerteich (Hammerteich) zum Fürstenteich (Fürstenteich). Im Süden der Stadt gab es den Schönbuscher und den Aweider Park sowie den Park „Friedrichsruh“ in Ponarth.

„Königin Luise mit ihren Söhnen im Park Luisenwahl“. Gemälde von Carl Steffeck.
Die wahre Perle unter ihnen aber, ein wunderbarer und stiller Zufluchtsort, war und blieb bis zuletzt der Park Luisenwahl.
Die meisten Königsberger verbanden den Namen dieses herrlichen Gartens mit der edlen preußischen Königin, die bekanntlich in den Jahren 1806–1809 wiederholt für längere Zeit in Königsberg lebte und in den Sommermonaten dem Schloss das Haus auf dem Gut Busolts vorzog, das später als „Luisenhäuschen“ (Luisenhäuschen) in die Lokalgeschichte einging.
Doch das ist nicht ganz richtig. Einst lag hier, auf diesen „Huben“1, das Gut Pojenters Hof (Pojenters Hof), an das bis zum Ersten Weltkrieg das Milchhäuschen (Milchhäuschen) in der Südwestecke des Parks erinnerte – ein Wirtschaftsgebäude des alten Gutes.
1786 erwarb Bürgermeister Theodor Gottlieb von Hippel der Ältere (Theodor Gottlieb von Hippel, 1741–1796) dieses Land, dessen segensreiches Wirken in Königsberg in die Stadtgeschichte eingegangen ist. Er verwandelte den Gutsgarten in einen prächtigen englischen Park. Schon damals wuchsen dort alte Linden, und neben einer von ihnen, am Westrand näher zur Louis-Ferdinand-Straße (Louis-Ferdinand-Straße), stand eine Glocke, die angeblich noch aus der Zeit des Gutes Pojenters Hof stammte und mit der man die Leute zum Abend- und Sonntagsgottesdienst rief. Leider wurden nach 1933 einige dieser herrlichen alten Linden gefällt – ebenso wie in den schönen Gärten der Freimaurerlogen am Ufer des Schlossteichs und an vielen anderen Orten.
Hippel hätte kaum einen schöneren Park finden können als dieses Gelände entlang der Hufenschlucht. Seine Freunde Scheffner, Kant und Kraus waren wohl oft hier zu Gast.
Doch der Weg hierher war weit; die Straßen außerhalb der Königsberger Befestigungen waren in schlechtem Zustand – befestigte „Chausseen“ gab es noch nicht, von Asphalt ganz zu schweigen. Und damit die Königsberger die „Huben“ leichter besuchen und seine Freunde trockenen Fußes zu seinem schönen Park gelangen konnten, bewilligte Hippel Geld aus der Stadtkasse für einen Bohlenweg vom alten Steindammer Tor, das dort stand, wo sich früher das Gasthaus „Zum Winkel am Tore“ (Zum Winkel am Tore) befand, bis zu seinem Park.
Die Hufenallee in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Dieser Bohlenweg war eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Königsbergs seiner Zeit.
Zu seiner Instandhaltung wurde sogar eine „Bohlengesellschaft“ (Bohlengesellschaft) gegründet, aus der später der „Dr. Kessesche Verschönerungsverein“ (Dr. Kesseische Verschönerungsverein) hervorging.
Nach Hippels Tod 1796 kaufte der Regierungs- und Schulrat Busolt (Gotthilf Christoph Wilhelm Busolt, 1771–1831) das Parkgelände von seinen Erben. Zu Ehren seiner Frau Luise nannte er den Erwerb Luisenwahl (Luisenwahl).
So entstand dieser Name, der später königlichen Glanz durch Königin Luise erhielt, die in den Sommermonaten dem Schloss das Häuschen auf Busolts Gut vorzog. Es war ein typischer kleiner Landsitz im Barockstil. Drinnen gab es nur sieben Zimmer, die von Königsberger Bürgern eingerichtet worden waren. Das Haus war bürgerlich, aber bescheiden ausgestattet. Die Königin sagte: „Ich habe schöne Bücher, ein gutes Gewissen und ein gutes Klavier, und so lebt man ruhiger inmitten der Stürme dieser Welt.“ Napoleons Intendant, sein persönlicher Mameluck Roustam, dachte anders und schrieb 1812 sein abschätziges Urteil an die Holzwand des Luisenhäuschens: „Ein elendes Schloss für einen König!“(Miserable château pour un roi!) Napoleon logierte bekanntlich lieber im Königsberger Schloss.
Die Königin liebte besonders ein stilles Plätzchen im Park, an dem 1874 ihre schöne Marmorbüste von Rauch (Christian Daniel Rauch, 1777–1857) aufgestellt wurde. Von diesem kleinen Hügel bot sich ein weiter Blick über Felder, Wiesen und den Fluss bis zum Frischen Haff. Dort, unweit ihres Häuschens, schrieb die Königin ihre Briefe, in denen sie den Park stets mit dem alten Namen nannte – „Hippels Garten“ (Hippels Garten).
Der alte Kriegsrat Johann Georg Scheffner (siehe oben), Freiwilliger im Siebenjährigen Krieg, erzählt in seinem Buch „Mein Leben“, dass er hier oft mit der Königin spazieren ging, die ihn wegen seines Witzes und seiner Lebensklugheit schätzte: „Nie habe ich in einem Frauengesicht einen freieren, reineren Blick, eine heiterere, fast kindliche Unschuld gesehen und bemerkt. Sie verstand alles, und alles Wahre, Gute und Schöne machte auf sie einen gewaltigen Eindruck.“

Die Büste der Königin Luise in ihrem Königsberger Lieblingspark.
Jahre und Jahrzehnte vergingen. Wilhelm I. bestieg den preußischen Thron und kaufte zum Andenken an seine geliebte, jung verstorbene Mutter und an seine eigene Jugend, die er zum Teil in Königsberg verbracht hatte, den Park von Busolts Erben.
Schon damals müssen wir uns Luisenwahl als eine geschlossene Anlage vorstellen, die sich von der Alten Pillauer Landstraße bis zur Busoltstraße erstreckte. Beim Häuschen des Chausseewärters – es stand dort, wo später am Schillerdenkmal der Steingarten angelegt wurde – zweigte von der Alten Pillauer Landstraße eine Nebenstraße mit von Gärten umgebenen Landhäusern ab – unsere Hufenallee.
Übrigens ist diese Nebenstraße jenseits der Schlucht des Freigrabens auf der Karte von 1720 nur als ganz dünne Linie eingezeichnet. Offenbar endete sie damals als Weg, bevor sie den Park erreichte, oder umging ihn im Norden.
Später vermachte Wilhelm I. Luisenwahl der Stadt, und erst dann, so darf man annehmen, nachdem durch den schönen Park eine Schneise geschlagen worden war, die das Luisenhäuschen und die seltenen Hainbuchen davor vom Hauptteil trennte, wurde die Hufenallee zur Hauptstraße nach Ratshof und Juditten.
Aber war das nicht ein wahrhaft königliches Geschenk an die Bürger Königsbergs? Kann man sich einen idyllischeren Ort vorstellen als diesen Park? Kann man sich etwas Malerischeres vorstellen als den Pfad mit seinen uralten Linden am Bach entlang zur Quelle, deren ewig plätscherndes, eisenhaltiges Wasser die Steine ockergelb färbte? Und bachabwärts, wo seine Ufer mit Steinen befestigt waren, bis hin zum Milchhäuschen, das mit seinem Kalkanstrich aus dem Grün hervorleuchtete? Daneben standen im Park Holztische und Bänke, wo man im Schatten der Bäume köstlichen Schmand, Quark und duftendes Roggenbrot genießen oder sogar Weißwein trinken konnte. Konnte man sich etwas Idyllischeres vorstellen?
Doch als der Königsberger Festungsgürtel aus allen Nähten platzte und das neue Jahrhundert mit seinen uns damals noch unbekannten Katastrophen erbarmungslos seine Rechte einforderte, verfielen alle „Etablissements“, die zwischen den oder an der Stelle der Landhäuser wohlhabender Königsberger entstanden waren – „Hufenterrasse“, „Flora“, „Friedericia“, „Park-Villa Nova“ und später auch „Jülchenthal“ und „Luisenhöh“.
Prospekt Mira 82. Vor zweihundert Jahren stand an dieser Stelle das Luisenhäuschen.
Neue Straßen und Häuserzeilen wurden gebaut, die Brücke verbreitert, und schließlich wurden 1913 die Hänge der Schlucht gestaltet und bildeten eine herrliche Ergänzung des Parks. Wie wunderbar war es hier am Bach, wenn im Schatten der Bäume die Rhododendren leuchteten!
Dann entstand 1928 eine Wiese mit einer Freilichtbühne, und zum hundertsten Todestag Franz Schuberts wurde in Luisenwahl ein schlichtes Denkmal für diesen liebenswürdigen Schöpfer so vieler schöner Lieder errichtet.
Im strengen Winter 1929/30, der die Ostsee in eine stumme Eiswüste verwandelte, erfroren viele Obstbäume am Wiesenhang in Luisenwahl, die sich jeden Frühling mit herrlichem Blüten-„Schnee“ bedeckt hatten. Da die Königsberger Jugend diesen Hang zum Ski- und Rodelfahren in Beschlag nahm, beschloss man, den Obstgarten nicht wieder anzulegen, und nun konnte man an schönen Wintertagen in Luisenwahl stundenlang die Freuden des Wintersports genießen.
Später wurde die Hufenallee auch am Park Luisenwahl verbreitert. Die herrlichen Hainbuchen wurden dadurch vom Luisenhäuschen abgeschnitten, das inzwischen ein Mütterheim (Mütterheim) geworden war. Seine Bewohnerinnen mussten sich mit einer kleinen grünen Insel begnügen, die von allen Seiten vom Lärm der Autos umtost war.
Zum Glück dient Luisenwahl, das später so viele traurige Ereignisse überstanden hat, auch heute treu und redlich den Einwohnern als Vergnügungspark mit Schaukeln, Karussells und Tanzflächen.
ANMERKUNG DER ÜBERSETZERIN:
1. Hube (mittelhochdt., dasselbe wie Hufe) – ein Landanteil sowie ein je nach Gegend unterschiedlich großes Flächenmaß von 7 bis 15 ha.
QUELLE
Ostpreussen-Warte Folge 01 vom Januar 1955
LEGENDEN PREUSSENS im Blog von Tatjana Koliwai.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.

